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Plumbum

Animagus

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Dienstag, 25. September 2007, 17:31

Kapitel 5: Tante Meda / Teil 2

Es war am frühen Nachmittag des nächsten Tages. Dem Tag, an dem Fleur und Bill heiraten sollten. Die Sonne schien, die Vögel sangen, keine Wolke befand sich am Himmel. Es war der perfekte Hochzeitstag für die beiden.

Harry stand zusammen mit Ron in einem winzigen Badezimmer der Weasleys im zweiten Stock und fuhr sich gerade mit einem nassen Kamm durch das Haar, als zwei Stockwerke weiter unten plötzlich ein Tumult losbrach. Dann war es kurze Zeit still, bevor er Fußgetrappel auf der Treppe hörte.

„Was ist das denn für ein Lärm?“, fragte Harry seinen besten Freund, als ohne Vorwarnung die Badezimmertür aufsprang und eine dritte Peron sich in das sowieso schon völlig überfüllte Zimmer drängelte.

Es war Tonks. Ihre bonbonrosa-farbenen Haare hatte sie zur Feier des Tages mit frechen Strähnchen durchzogen, die dieselbe Farbe besaßen wie ihr langes, gift-grünes Kleid.

„Hee, Tonks. Mädchen in den dritten Stock. Männer in den zweiten“, brummte Ron, während er verzweifelt versuchte, seinen nagelneuen Festumhang unter Tonks spitzen Absätzen hervor zu ziehen.

Aber Tonks schien ihn nicht einmal zu registrieren. Leise hörte Harry sie vor sich hinmurmeln: „Oh, Merlin. Wenn ich gewusst hätte, dass sie kommen… Hoffentlich kann Moody sie lange genug aufhalten...“

Wer kam? Wen musste Moody aufhalten? Harry blickte Tonks alarmiert an. Sie wirkte unnatürlich blass und nervös, beinahe schon ängstlich. Welche Menschen konnten der sonst so burschikosen und respektlosen Tonks solche Angst einjagen?
‚Todesser’, dachte er unwillkürlich. Hatten sie vielleicht den Fidelius-Zauber überwinden können? Griffen sie den Fuchsbau an? Harry zog seinen Zauberstab und schob sich an Ron vorbei ans Fenster.

Allerdings konnte er draußen nichts Ungewöhnliches erkennen. Moody war gerade dabei, einen glatzköpfigen Mann mit dem Identitätsprüfer zu prüfen, während sich Kingsley angeregt mit einer schwarzhaarigen Frau unterhielt. Harry hatte das ungute Gefühl, als würden Moodys Paranoia langsam aber sicher auf ihn abfärben. Stirn runzelnd wandte er sich Tonks zu: „Was ist denn los?“

„Was los ist? Meine Mutter ist los. Ich hatte erwartet, dass sie es nach all diesen Todessergerüchten für unter ihrer Würde hält, zur Hochzeit zu kommen. Und jetzt ist sie doch hier.“ Tonks betrachtete sich prüfend im Spiegel.

„Deine Mutter?“ Harry war verwirrt. Was konnte an Mrs. Tonks so Angst einflößend sein, dass Tonks sich auf einmal so merkwürdig benahm? Es sei denn, sie richtete noch mehr Chaos an als diese selbst. Unwillkürlich sah Harry vor seinem geistigen Auge einen riesigen Stapel kaputtes Geschirr.

„Ja, meine Mutter. Was sagst du zu dieser Frisur, Harry?“ Tonks rosa-grünes Stoppelhaar verwandelte sich direkt vor seinen Augen in lange, blonde Locken. Harry schaute Tonks skeptisch an. Irgendwie erinnerte sie ihn an den hässlichen Rauschgoldengel, den Dudley vor gut zehn Jahren vom Weihnachtsbaum geklaut und die Toilette hinunter gespült hatte.

„Mhmm“, erwiderte er nicht gerade begeistert. „Und was soll so schlimm an deiner Mutter sein?“

„Sie ist ein Produkt ihrer Erziehung.“ Tonks warf einen prüfenden Blick in den Spiegel, bevor sie ihre Haar auf Schulterlänge schrumpfte. Harry zuckte währenddessen nicht verstehend mit den Schultern.

„Sie ist eine Black“, erklärte Tonks ihm hilfsbereit, während ihre Locken sich glätteten. „Du kennst doch Bellatrix Lestrange, Sirius’ Mum, Narcissa Malfoy.“

Harry schossen augenblicklich hunderte von Bildern durch den Kopf. Bellatrix Lestrange bei der Gerichtsverhandlung im Denkarium, die echte Bellatrix in der Mysteriumsabteilung. Bellatrix, wie sie gegen Sirius kämpfte und Sirius...

Harry hatte einen riesigen Kloß im Hals. Er schluckte schwer und wandte sich wieder Tonks zu, die mittlerweile ihr Haar kastanienbraun gefärbt hatte und gerade einen kurzen kritischen Blick in den Spiegel warf.
„Perfekt“, verkündigte sie dann stolz und schritt hoch erhobenen Hauptes aus dem Bad. Zumindest versuchte sie es, blieb dabei allerdings mit ihren hohen Absätzen in Rons Robe hängen und fiel beinahe zu Boden.

„Hee, Harry“, meinte Ron, kaum dass Tonks das Bad verlassen hatte. „Apparierst du mit mir runter oder nimmst du wieder einmal wie die kleinen Zauberer die Treppe?“

„Ich gehe lieber die Treppe, Ron. Appariere du ruhig schon einmal vor.“ Kaum hatte er den letzten Satz ausgesprochen, da hörte er auch schon ein lautes Plop und Ron war verschwunden.

‚Er hatte seine Worte wahr gemacht’, dachte Harry, während er sich mit den Fingern durch sein unordentliches Haar fuhr und sich dann auf den Weg zur Küche machte. Seitdem sein Freund die Apparationsprüfung bestanden hatte, war er keine einzige Treppenstufe mehr gestiegen, sondern zog es stattdessen vor, plötzlich wie aus dem Nichts aufzutauchen und jeden und alles dabei zu Tode zu erschrecken. Kein Morgen verging, ohne dass Mrs. Weasley laut verkündete, dass keiner ihrer anderen Söhne nach dem bestanden Apparationstest so oft unnütz appariert wäre wie Ron. Harry jedoch erinnerte sich noch sehr gut daran, wie oft die Zwillinge damals appariert waren und wie Mrs. Weasley zu ihnen das gleiche gesagt hatte.

Er ging gerade die letzten Stufen der Treppe hinunter, als er in der Küche eine kalte Frauenstimme hörte: „Nymphadora. Was trägst du nur für ein unmögliches Kleid? Du siehst aus wie deine eigene Großmutter. So bekommst du garantiert nie einen Mann ab!“

Harry zögerte und blieb vor der Küchentür stehen. Drinnen hörte er Tonks sagen: „Aber Mum, ich habe doch schon einen Fr...“

„Wie wäre denn zum Beispiel dieser Kingsley Shacklebolt. Das ist so ein netter Mann und so charmant. Obwohl, eigentlich ist er doch etwas zu alt für dich.“

Vorsichtig öffnete Harry die Tür und betrat die Küche. Ron, Tonks und Charlie hatten sich am Kamin zusammengedrängt, als ob sie sich vor etwas oder jemandem verstecken mussten. Vor ihnen, mitten im Raum, stand eine große, vollkommen in schwarz gekleidete Frau mit langen, ebenholzschwarzen Haaren. Erschrocken stellte Harry fest, dass sie Bellatrix Lestrange zum Verwechseln ähnlich sah. Es fehlte nur noch dieser Ausdruck des Wahnsinns in ihrer Miene und ein etwas blasserer, wachsartiger Hautton und die beiden wären nicht mehr zu unterscheiden gewesen.

Diese Frau musste Tonks Mutter Andromeda sein. Gerade ließ diese ihre Augen durch die gemütliche Küche der Weasleys schweifen, wobei sie die Stirn runzelte und die Nase zusammenzog, als ob ein riesiger Misthaufen zu ihren Füßen läge. Harry wusste nicht so recht, ob er diese Frau mögen sollte oder nicht.

In diesem Moment fiel ihr Blick auf ihn und ihre Augen zogen sich missmutig zu kleinen Schlitzen zusammen. „Hast du keine Bürste?“, wollte sie dann in einem harschen Ton von ihm wissen.

„Natürlich habe ich eine, Madam“ Harry versuchte, höflich zu bleiben. Nein, er mochte diese Frau ganz und gar nicht.

„Warum benutzt du sie dann nicht“, erwiderte sie barsch und ehe Harry sich versah, stand sie direkt vor ihm, schwenkte ihren Zauberstab, wobei sie ihm beinahe ein Auge ausgestochen hätte. Daraufhin folgte ein kurzer, schmerzhafter Schlag auf seinen Kopf. Harry fühlte, wie seine Haare sich bewegten und dann in einer bestimmten Stellung verharrten. Vorsichtig fuhr er sich mit der Hand über den Kopf, wofür ihn Mrs. Tonks mit einem kurzen „Tst“ auf die Finger schlug. Er hörte Ron leise kichern und auch Charlie schien sich ein Lachen zu verkneifen.

„Mum. Musste das nun wieder sein?“, hörte er Tonks schimpfen. Was Mrs. Tonks darauf antwortete, bekam er allerdings nicht mehr mit, da seine Augen den Spiegel über dem Kamin gefunden hatten. Langsam trat er näher und betrachtete sich. Sein schwarzes Haar war zu einem ordentlichen Seitenscheitel gezogen und dazu über und über mit Gel bedeckt. Harry hatte das komische Gefühl, dass Mrs. Tonks und Draco Malfoy den gleichen Haar-Halt-Zauber verwendeten.

„Hübsche Frisur, mein Junge“, nickte ihm sein Spiegelbild zustimmend zu. Harry konnte darüber allerdings nur abfällig den Kopf schütteln.

„Mach dir nichts daraus, er ist immer auf Tante Medas Seite. Er ist ja auch ein Geschenk von ihr zu Mum und Dads zehntem Hochzeitstag. Ich glaube ja, Mum hätte ihn auch schon längst entfernt, wenn Tante Meda ihn nicht mit einem Dauerklebe-Fluch befestigt hätte“, flüsterte Ron ihm nach einem kurzen Seitenblick auf Tonks und ihre Mutter zu.

„Tante Meda?“ Harry verzog das Gesicht und blickte von Charlie zu Ron, die ihn kurz anstarrten, dann beide den Kopf senkten und wieder in sich hinein lachten.

„Ja. Ginnys Patentante“, erzählte Charlie immer noch grinsend. „Ursprünglich sollte ja Tante Muriel bei Ginny Pate stehen, allerdings hat Fred ihr kurz vorher das Bein gebrochen, als er mit seinen Kinderbesen in sie hinein geflogen ist. Und ehrlich gesagt, das war Ginnys Glück, denn im Gegensatz zu der alten Hexe ist Tante Meda der reinste Engel. Eigentlich meint sie es ja nur gut mit einem, sie geht halt nur manchmal etwas zu weit.“

„Etwas?“, rief Harry laut aus und versuchte sich mit den Fingern durch sein Haar zu fahren. Vergeblich. Sein Haar fühlte sich an wie Beton. Er schüttelte es versuchsweise. Es saß auch wie Beton.

„Pssst, mach sie nicht noch einmal auf dich aufmerksam. Sonst fängt sie auch noch an, an deiner Kleidung herum zu zaubern. Komm mit“, zischte Ron und packte ihn am Arm.

Sie hatten gerade die Küchentür erreicht, als diese von außen geöffnet wurde und Lupin hereinkam. Er schien seinen besten Umhang zu tragen, der nur an einigen wenigen Stellen geflickt worden war. Sie murmelten ihm einen kurzen Gruß zu und schlüpften dann aus der Küche in den Garten.

Dieser war anlässlich der Hochzeit gesäubert und frisch degnomiert worden. Direkt neben dem ebenso gereinigten Teich war ein silberner Torbogen aufgebaut worden, um den sich weiße Rosen rankten. Davor standen etwa drei dutzend Stühle. Auf einem dieser Stühle hockte ein Mann in einem lila Anzug und einem farblich dazu passenden Zylinder, der ziemlich schief auf seinem Kopf hing. Während er diesen mit der einen Hand am runterfallen hinderte, hielt er mit der anderen eine halbvolle Flasche Feuerwhiskey fest. Er betrachtete seine Flasche mit einem fast schon seligen Gesichtsausdruck und murmelte lächelnd vor sich hin, schreckte jedoch auf, als Harry und Ron auf ihn zukamen.

„Jungs, habt ihr mich erschreckt... und, freut ihr euch beide schon auf die Trauung? Ich habe gestern Abend extra lange vorm Spiegel geprobt, damit ich die Zeremonie auch richtig feierlich und souverän gestalten kann.“ Dädalus Diggels Stimme hörte sich bereits etwas lallend an.

„Dädalus, ich glaube du hast jetzt genug Feuerwiskhey getrunken.“ Wie aus dem Nichts erschien plötzlich Mr. Weasley neben ihnen und nahm Diggel vorsichtig die Flasche aus der Hand.

„Aber Arthur. Ich hab’ doch nur ein... zwei Schluck genommen, wegen der Aufregung. Die letzte Trauung, die ich gemacht habe, ist immerhin schon 20 Jahre her. Also, nicht dass ich aus der Übung bin oder so was, aber…“ Während Dädalus Diggel sich rechtfertigte, ließ er seinen Zylinder los, der sogleich noch etwas weiter zur Seite rutschte.

„Ja, natürlich Dädalus. Ich bin sicher, dass du die Trauung ganz hervorragend hinbekommst“, versuchte ihn Mr. Weasley zu beruhigen, bevor er über Harrys Schulter blickend fort fuhr: „Ah, da kommen ja auch schon die anderen.“

Harry drehte sich um und sah wie eine große Gruppe von Leuten lachend und redend in den Garten strömte. Die meisten von ihnen gehörten dem Orden des Phönix an. Zudem waren da noch Fleurs Eltern, ihre kleine Schwester Gabrielle und eine große, düster aussehende Frau, die ihn irgendwie an einen Vampir erinnerte. Dann fiel sein Blick auf Ginny. Sie trug ein langes dunkelgrünes Kleid. Ihre rote Mähne hatte sie hochgesteckt, um ihren langen schlanken Hals...

„Wunderschön“, hörte er in diesem Moment Ron neben sich murmeln. Er wollte ihm gerade zustimmen, als er feststellen musste, dass dessen Blick nicht Ginny folgte, sondern Hermine galt, die direkt auf sie zusteuerte.

„Also, da sieh sich doch nur einer diese Apolline Delacour an. Die trägt ihre Nase so hoch, als ob am Himmel Galleonen hängen würden, Ted“, erklang auf einmal die von ihm mittlerweile gefürchtete kühle Stimme von Mrs. Tonks direkt neben ihm.

Harry konnte einfach nicht anders. Sein Blick löste sich von Ginny und schweifte unwillkürlich zu den Delacours hinüber, die sich am Ende der ersten Reihe bereits niedergelassen hatten. Leider musste dabei er feststellen, dass Mrs. Tonks nicht nur über eine messerscharfe Zunge verfügte, sondern auch noch eine erstklassige Beobachtungsgabe besaß.

Flankiert von ihrem Mann und ihrer Tochter hatte sich Mrs. Delacour stocksteif auf einem der Stühle in der ersten Reihe niedergelassen. Alles in ihrem Gesicht wirkte zusammengekniffen und unglücklich. Es schien fast so, als wäre der Hochzeitstag ihrer Tochter nicht der glücklichste Augenblick in Mrs. Delacours Leben, sondern der schlimmste. Vielleicht hatte sie aber auch einfach eine schwere Zeit hinter sich.

Bevor er diesen Gedanken noch weiter verfolgen konnte, klatschte Mr. Weasley in die Hände.
„Wenn ihr euch dann bitte setzen würdet.“

Unter weiterem Gelächter und Gerede kamen die Gäste seiner Aufforderung nach. Harry wollte sich gerade zusammen mit Hermine in die letzte Reihe setzen, als sie beide von Tonks gepackt und auf die freien Plätzen in der zweiten Reihe zwischen dieser und ihrer Mutter gedrückt wurde.

Kaum dass Harry saß, hörte er Mrs. Tonks leise zu dem glatzköpfigen Mann zu ihrer Linken murmeln: „Also wenn du mich fragst, Ted, ich an Mollys Stelle hätte den Diggel nicht als Trauzauberer für die Hochzeit eines meiner Kinder genommen. Es hatte schon seine Gründe, warum er nach diesem unerfreulichen Vorfall bei den Lovegoods in der magischen Zaubererverbindungszentrale nur noch Schreibkram erledigen darf.“

„Vermutlich wurde er genommen, weil er bereits über den Fidelius-Schutz des Hauses Bescheid wusste“, warf Hermine hilfsbereit ein.

Noch während sie sprach, hatte Harry das ungute Gefühl, dass sie wohl besser den Mund gehalten hätte. Er sollte Recht behalten, denn kaum hatte Hermine zu sprechen begonnen, wurde sie auch schon von Mrs. Tonks scharfem Blick durchbohrt: „Du bist vermutlich diese Schlammblut-Freundin von Ronald Bilius?“

„Mum!“, protestierte Tonks so laut, dass viele der Gäste zu ihnen hinüberblickten.

„Wieso? Schlammblut darf man doch wohl sagen.“ Mrs. Tonks schaute selbstsicher in die Runde. Sie schien sich keiner Schuld bewusst zu sein. Als keiner antwortete, ergänzte sie: „Ich bin ja selbst mit einem Schlammblut verheiratet, also darf ich das sagen!“

Alle starrten sie schockiert an, aber Mrs. Tonks blickte einfach nur ungerührt zurück, bis ihr Mann Ted ruhig sagte: „Meda, Liebling, du benimmst dich heute mal wieder sehr Black“

Mrs. Tonks verzog bei seinen Worten das Gesicht, so als hätte er sie eben zutiefst beleidigt, senkte dann aber überraschenderweise schuldbewusst den Kopf. Viele der Gäste blickten noch immer in ihre Richtung, als plötzlich aus einen Lautsprecher magisch verstärkte Musik einsetzte und Fleur und Bill an ihnen vorbei zum Altar schritten.

‚Fleur sieht wunderschön aus’, dachte Harry als sie an ihm vorbeischwebte. Ihr langes platinblondes Haar war mit Perlen durchzogen. Ihr makelloses Gesicht so schön und so bezaubernd, ihre Bewegung so ruhig und anmutig… Sie war durch und durch eine Veela an ihrem Hochzeitstag.

„Hmhm“, räusperte sich Dädalus Diggel, als die Musik verstummte. „Ich begrüße Sie, meine lieben Gäste, heute alle aufs herzlichste zu dieser Trauerfeier… nein, ähm, Traufeier. Es ist ja ein glücklicher Anlass… hihi.“

„Habe ich es dir nicht gesagt, Ted?“, hörte Harry Mrs. Tonks neben sich fast schon resigniert seufzen. „Der Diggel vermasselt es mal wieder.“

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Wizzie

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Dienstag, 25. September 2007, 18:08

Sooooo, dann mach ich mal den Anfang!

Tachchen Plumbum!

Sehr schönes Kapitel!
Wie schon einmal geschrieben, es macht Spaß zu lesen!

Man kann sich alles wunderbar vorstellen (Ron, der Apparier-Junkie - Tonks beim Frisieren - den Garten - und, und, und). Mrs. Tonks ist recht unsymphatisch, aber naja... man kann den Black in einem wahrscheinlich nicht immer verleugnen... :D Wobei mir "Schlammblut" schon recht hart vorkommt...

Sehr schöne Wortkreation: "degnomieren" :P

in Kürze: Gefällt mir!

Und jetzt, ratzfatz das nächste Kapitel! ;)
Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
ist wert, dass es zugrunde geht;
Drum besser wär's, dass nichts entstünde
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz, das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.


Abgeschlossene FF: Harry Potter und die schwarze Reliquie
Gedichte: Wizzies Gedichtethread - HP-Lyrik [letztes Gedicht vom 11.12.2012]

Plumbum

Animagus

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Mittwoch, 26. September 2007, 10:25

Hey Wizzie

Ich habe mich wirklich sehr über deinen Kommentar gefreut. Und.. auch wenn ich mich jetzt wiederhole... ich freue mich wirklich sehr darüber, wenn dir das Lesen meiner FF Spass macht (sowas ist für mich als Autorin eigentlich eines der größten Komplimente, die man mir machen kann, da ich die Geschichte ja nicht nur für mich, sondern vor Allem für meine Leser schreibe)... also danke, danke, danke. =) =) =)

Tja und Mrs. Tonks: Mrs. Tonks ist ja eigentlich nicht böse, sondern "Black".
Ich stimme dir zu, dass das mit dem "Schlammblut" ziemlich... extrem ist.
Aber vielleicht macht gerade dieses "extrem" sie zu einem interessantem Charakter ...aber, ich muss das ja sagen, denn ich habe ihr ja auch ihre Charaktereigenschaften gegeben. ;)

Viele Liebe Grüße und alles Gute
Plumbum :D

P.S. Auf einer anderen FF-Seite wurde folgende Vermutung geäußert:

Zitat

Eigentlich hätte ich erwartet, daß Harrys legendäre Haare sich ein paar Minuten später von alleine wieder aufstellten.


Falls euch diese Frage auch auf der Seele brennt, dann hier die Antwort:
Dieser Haar-Halt-Zauber ist über hunderte Generationen hinweg in der Familie Black weitergegeben und dabei perfektioniert worden. Er verhält sich eigentlich ähnlich dem Dauer-Klebe- Fluch (und wie stark der ist wissen wir ja alle...). Er ist allerdings aufgrund hygenischer Überlegungen etwas wasserscheu gemacht worden. ;)

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Lislchen

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Donnerstag, 27. September 2007, 22:18

Wieder ein tolles Kapitel! Hihi, Hermine stolpert in Rons Arme! :D Hehe...bin schon gespannt, wies mit den Zweien weitergeht. Ja und sonst kann ich mich Wizzie nur anschließen. Man kann sich wirklich alles sehr gut vorstellen!

LG. =)
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Plumbum

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Freitag, 28. September 2007, 18:46

Hey Lisa
Vielen lieben Dank für dein Lob. Es ist klasse, dass ihr euch alle Szene richtig gut vorstellen könnt.

Es freut mich auch, dass dir das kleine "Intermezzo" zwischen Ron und Hermine gefallen hat. Vielleicht werden noch ein..zwei solcher kleine Szenen in der FF auftauchen... ;)

Viele Liebe Grüße und ein großes :D
Plumbum

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Freitag, 28. September 2007, 19:49

Zitat

Original von Plumbum
Es freut mich auch, dass dir das kleine "Intermezzo" zwischen Ron und Hermine gefallen hat. Vielleicht werden noch ein..zwei solcher kleine Szenen in der FF auftauchen... ;)


Hihi, über die werde ich mich besonders freuen! :D

LG. =)
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Sluggy

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Dienstag, 2. Oktober 2007, 21:52

Hallo,

also, insgesamt gefällt mir die Geschichte auch sehr gut. Allerdings - Tonks' Mutter als böse Hexe, das passt irgendwie nicht so ganz, hatte doch Sirius in Band 5 gesagt, sie sei seine Lieblingscousine gewesen und Sirius hatte ja auch nicht viel Black-typisches an sich ...

Aber sonst - sehr schön und ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

Gruß Sluggy
:D 8) --knuddel--

Plumbum

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Mittwoch, 3. Oktober 2007, 15:49

@Sluggy
Hey Sluggy. Vielen lieben Dank für deinen Review. =)
Das du Tante Meda als böse Hexe bezeichnet hast, fasse ich jetzt mal als Kompliment auf, denn so sollte sie auch bei ihrem ersten Auftritt auf den Leser wirken.
OT

Zitat

Sirius hatte ja auch nicht viel Black-typisches an sich ...

Ich glaube schon das Sirius, wie auch Tante Meda, nicht immer seine Erziehung ausblenden kann. Siehe z.B. wie er Kreacher behandelt oder wie er in Snapes Erinnerung, Peter in dessen Anwesenheit beleidigt (Er sagt glaube ich zu James: "hör auf mit dem Schnatz zu spielen, bevor Peter sich in die Hose macht" oder sowas). Er kann in diesen Situationen auch nicht den Black in sich unterdrücken, genauso wenig wie Tante Meda. Er ist damit nicht böse, aber manchmal halt gemein.

Ich hoffe, ich habe jetzt nicht zuviel verraten oder dich, Sluggy, mit meiner Sicht von Sirius Charakter verjagt.

Ich hoffe daher, du liest trotz meines Einwandes weiter und schreibst mir wieder (Lob, aber auch konstruktive Kritik ist immer willkommen).
Viele Liebe Grüße und alles Gute
Deine Plumbum =)

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Plumbum

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Mittwoch, 3. Oktober 2007, 15:52

Kapitel 6: Rückkehr nach Hogwarts

Nach Bill und Fleurs Hochzeit vergingen die letzen Ferientage wie im Fluge und ehe Harry sich versah, war der Tag seiner Abreise nach Hogwarts gekommen. Allerdings würde er dieses Mal nicht wie die anderen den Hogwarts-Express nehmen dürfen. Während Hermine, Ginny und Ron bereits vor mehreren Stunden zum Gleis 9 ¾ aufgebrochen waren und Hogwarts beinahe erreicht haben mussten, befand er sich immer noch im Fuchsbau und wartete.

Unruhig lief Harry vor dem Kamin der Weasleys auf und ab. Seine lange schwarze Schulrobe verpasste jedes Mal, wenn er die Richtung wechselte, das Kaminfeuer nur um wenige Zentimeter. Mit seiner linken Hand umklammerte er einen Zettel, dem er von Zeit zu Zeit einen bösen Blick zuwarf.

Sehr geehrter Mr. Potter,

auf Anraten des Ministeriums und nach Absprache mit Mrs. Molly Weasley haben wir uns entschieden, dass Sie aufgrund sicherheitstechnischer Überlegungen dieses Jahr nicht mit dem Hogwarts-Express an die Hogwartsschule für Hexerei und Zauberer reisen sollten.
Wir bitten Sie stattdessen am 1. September um 18.00 Uhr per Flohnetzwerk Ihre Rückreise nach Hogwarts anzutreten. Zu diesem Zeitpunkt wird der Kamin im Büro der Schulleiterin für Sie frei geschaltet werden.

In Erwartung Ihrer sicheren Rückkehr
mit freundlichen Grüßen
Professor Filius Flitwick
Stellvertretender Schulleiter der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberer


Anraten des Ministeriums... sicherheitstechnische Überlegungen… als ob die anderen Schüler nicht in ebenso großer Gefahr schwebten wie er. Aber wurde für sie eine Ausnahme gemacht? Sollten sie nicht auch sicherheitshalber mit dem Flohnetzwerk reisen? Nein. Wozu auch? Ihr Tod wäre ja zu verschmerzen, für den Fall, dass die Todesser den Hogwarts-Express angreifen sollten, woran er allerdings zweifelte. Immerhin hatte Kingsley ihm erst vor gut zwei Tagen erzählt, dass der Hogwarts-Express durch eine bislang einzigartige Aktion bewacht werden sollte. Dutzende Auroren würden zum Schutz mitfahren und jeder Schüler sollte während der Fahrt einer Identitätsmessung unterzogen werden.

Harry blieb stehen. Hermine und Ron schienen seinen Unwillen ob dieser Sonderbehandlung nicht verstehen zu können. Das Gegenteil war eher der Fall. Beide hatten einen ziemlich erleichterten Eindruck auf ihn gemacht, nachdem sie von seiner Spezialbehandlung gehört hatten. Und Hermine hatte ihm in ihrer typischen Art zu verstehen gegeben, dass es alles doch nur zu seiner eigenen Sicherheit wäre.

Aber Harry selbst hasste es wie eine Porzellanpuppe behandelt zu werden. Es nervte ihn mittlerweile, dass immer er es war, der in Watte gepackt wurde. Wen mussten die Ordensmitglieder im fünften Schuljahr zum Grimmauldplace Nr. 12 und zum Gleis 9 ¾ eskortieren? Wem bot das Ministerium bereits zum wiederholten Mal Schutz an? Wessen Bewegungen verfolgte Mrs. Weasley auf Schritt und Tritt, seitdem sie von der Prophezeiung wusste, mit Argusaugen? Und wer durfte dieses Jahr nicht wie jeder andere Schüler mit dem Hogwarts-Express reisen? Harry warf den Zettel wütend in den Kamin, bevor er seine Wanderung von neuem aufnahm.

Hielten ihn denn alle für schwach? Hatte er ihnen nicht oft genug bewiesen, dass er gegen Voldemort und seine Todesser bestehen konnte? Warum vertrauten sie seinen Fähigkeiten nicht? Dumbledore hatte doch schließlich auch…

Harry fühlte wieder diesen altbekannten Kloß in seinem Hals. Er blieb erneut stehen und schaute nachdenklich in den Spiegel oberhalb des Kamins.

„Kämm dein Haar“, fuhr ihn sein Spiegelbild an.

„Ach, halt doch die Klappe!“, fauchte Harry zurück.

„Harry.“

Er wirbelte herum und sah sich Mrs. Weasley gegenüber, die während seiner Wanderung nur still am Küchentisch gesessen und ihn eine ganze Zeit lang schweigend beobachtet hatte. Als Mutter von sieben Kindern hatte sie wohl ein Gespür dafür entwickelt, wann sie jemanden besser in Ruhe ließ.

„Es ist Zeit, Harry.“ Mrs. Weasley trat auf ihn zu und drückte ihn kurz und fest an sich. „Pass auf dich auf, mein Junge. Und bitte, unternimm’ keine Alleingänge. Bleib in Hogwarts, wo du sicher bist.“

Harry erwiderte nichts. Er wusste, dass sie es gut mit ihm meinte, aber genau das konnte er in seiner momentanen Gemütslage nicht ertragen. Er ging zum Kamin hinüber, nahm sich eine Hand voll Flohpulver vom Kaminsims und warf es in das Feuer. Dann zwang er sich noch einmal kurz zum Abschied die Hand zu heben, bevor er in das nun grüne Kaminfeuer trat.

Die Küche und Mrs. Weasley verschwanden und bereits kurze Zeit später fand er sich in Dumbledores ehemaligem Büro wieder. Sämtliche surrenden und rauchenden Messgeräte, die noch vor ein paar Monaten auf zierlichen kleinen Tischen gestanden hatten, waren verschwunden. Nichts zeugte mehr von Dumbledores Anwesenheit, außer einem Gemälde, das ihn als schlafenden Zauberer zeigte und ...

„Fawkes“, flüsterte Harry leise und trat auf den Phönix zu. Sein vorangegangener Ärger, seine Wut waren vergessen. Andächtig streichelte er über den Kopf des Tieres und fühlte, wie Tränen in ihm aufstiegen. Nichts rief seine Erinnerung an Dumbledore so stark wach, wie der Anblick des Phönix’. Aber auch nichts konnte ihn von einem Moment auf den anderen so beruhigen, ihm ein solches Gefühl der Geborgenheit geben.

„Ah, wie ich sehe, sind Sie gut angekommen, Harry“, sagte eine Frauenstimme plötzlich hinter ihm.

Harry wischte sich über die feuchten Augen, bevor er sich zu Professor McGonagall umdrehte, die an ihrem Schreibtisch saß. Anscheinend war er nicht der einzige Zauberer, der heute schlechte Laune hatte, stellte er mit einem Blick in ihr Gesicht fest. Ihre Lippen waren zusammengepresst und ihre Stirn lag in Falten. Im Großen und Ganzen machte sie auf ihn den Eindruck, als hätte sie nicht nur in eine einzelne Zitrone, sondern in einen ganzen Korb davon gebissen.

„Bevor Sie zu den anderen Schülern in die Große Halle gehen, würde ich gern noch etwas mit Ihnen besprechen. Bitte setzen Sie sich.“ Professor McGonagall deutete auf einen Stuhl, der direkt vor ihrem Schreibtisch stand.

Harry kam ihrer Aufforderung widerwillig nach. Er konnte sich vorstellen, was sie ihm zu sagen hatte. Es würde vermutlich kein sehr angenehmes Gespräch werden.

„Einen Keks, Harry?“ Sie hielt ihm eine Dose mit Ingwerkeksen hin. Harry schaute diese verwirrt an. Das hatte er nun doch nicht erwartet. „Nein danke, Professor.“

Professor McGonagall schloss die Keksdose und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. „Wie Sie sich vermutlich schon gedacht haben, wurden die Sicherheitsmaßnahmen von Hogwarts nach Professor Dumbledores Tod verschärft. Dabei wurden nicht nur sämtliche Schutzzauber, die über dem Schloss und seinen Ländereien liegen, erneuert, sondern es wurde auch in der Eingangshalle ein Hauself mit Identitätsmesser stationiert, der jeden, der das Schloss betreten will, überprüft. Das Ministerium hat zudem die Zahl der Auroren, die für die Bewachung Hogwarts zuständig sind, verdoppelt und…“

„Ähm… entschuldigen Sie, wenn ich Sie unterbreche, Professor, aber haben Sie auch an das Verschwindekabinett gedacht?“

„Für wie unfähig halten Sie uns, Potter? Selbstverständlich hat Professor Sprout das Verschwindekabinett nach dem Überfall der Todesser noch am selben Abend verschlossen.“ McGonagall sah ihn streng durch ihre quadratischen Brillengläser an, bevor sie weiter sprach. „Was ich Ihnen eigentlich damit sagen will, ist, dass wir alles in unserer Macht stehende getan haben, um Hogwarts so gut es geht zu schützen… und um Sie zu schützen, Harry.“

„Ich brauche weder Ihren Schutz noch den Schutz des Ministeriums!“, erklärte Harry ihr. Er versuchte dabei, ruhig zu bleiben und sich nicht einmal mehr über die, seiner Ansicht nach vollkommen übertriebene, Fürsorge der Menschen um ihn herum aufzuregen.

„Seien Sie nicht dumm, Potter!“ Professor McGonagall ging wieder zu seinen Nachnamen über. „Molly Weasley hat mir zwar von dieser so genannten Prophezeiung erzählt…“

„Dann sollte Ihnen doch bewusst sein, dass am Ende ich es sein werde, der gegen Voldemort kämpfen wird. Ob Sie mich nun schützen oder nicht, ich kann meinem Schicksal nicht entgehen“, erwiderte Harry geduldig und da er wusste, dass seine Verwandlungslehrerin das Wahrsagen als einen eher „unsicheren Zweig der Magie“ ansah, fügte er hinzu: „Dumbledore wusste das und ich hoffe, dass Sie es auch verstehen!“

„Mir sind diese Umstände durchaus bewusst! Dennoch bitte ich Sie, spielen Sie in diesem Schuljahr nicht wieder den Helden. Verlassen Sie die Hogwartsländereien nicht! Können Sie mir das versprechen, Harry?“

„Es tut mir sehr leid, Professor, aber das kann ich nicht!“, erwiderte Harry entschieden. Er konnte, wenn er etwas über die Horkruxe herausfand, nicht einfach in der Schule sitzen und Zauberschach spielen. Aber belügen wollte er Professor McGonagall auch nicht.

„Potter!“ Erneut ging diese zu seinen Nachnamen über. „Potter, ist Ihnen eigentlich klar, wie…“

Es klopfte an der Tür.

„Ja, bitte!“, sagte Professor McGonagalls gereizt, woraufhin ein kleiner Zauberer mit weißen Haaren, der in seiner rechten Hand einen Identitätsmesser hielt, das runde Büro der Schulleiterin betrat.

„Guten Abend.“ Professor Flitwick nickte kurz in Harrys Richtung, bevor er mit hoher piepsender Stimme fortfuhr, „ Entschuldige die Verspätung, Minerva, aber ich hielt es für besser, Bill von den neuesten Ereignissen zu unterrichten.“

Harry spitzte unwillkürlich die Ohren. Was für neue Ereignisse?

„Wie hat er die Nachricht aufgenommen, Filius?“ Professor McGonagall hörte sich plötzlich beunruhigt an.

Flitwick führte bei Harry die Identitätsmessung durch, wobei er sich etwas strecken musste, bevor er erwiderte: „Nicht sonderlich gut. Er war etwas… ähm, nennen wir es ungehalten… Ich musste Horace darum bitten, ihm einen Beruhigungstrank zu geben. Er schläft jetzt.“

So sehr Harry auch darüber nachgrübelte, er verstand nicht, worüber sich seine beiden Professoren unterhielten. Bill war ungehalten, aber warum?

„Es ist alles meine Schuld.“ Professor McGonagall schien Harrys Anwesenheit vollkommen vergessen zu haben. „Ich hätte schon nach meinem ersten Gespräch mit Rufus Scrimgeour wissen müssen, dass er alles tun wird, um einen Ministeriumsmitarbeiter ins Lehrerkollegium einzuschleusen. Wie konnte ich nur vergessen, dass ich als Schulleiterin von Hogwarts nicht nur meinen Hausvorstand abgeben muss, sondern auch keinen Unterricht mehr erteilen darf.“

„Es ist nicht deine Schuld, Minerva“, versuchte Harrys Zauberkunstlehrer sie zu beruhigen, während der Ast in seiner Hand weiß aufleuchtete, „Scrimgoeur hat nach deiner ersten Absage mit Sicherheit nur darauf spekuliert, dass du diese Tradition vergisst. Er hat auf Zeit gespielt, nur um dich dann heute Mittag vor vollendete Tatsachen zu stellen, indem er dir Percy Weasley als neuen Verwandlungslehrer…“

„Was?“, rief Harry ungläubig. Er hatte sich in Hogwarts weit ab vor jedweden Einfluss und Einmischung des Ministeriums gewähnt und jetzt setzte man ihn niemand anderen als Rons ministeriumstreuen Bruder vor die Nase. Ausgerechnet Percy, der die Liebe und Geborgenheit seiner Familie für eine zweifelhafte Karriere beim Ministerium verkauft hatte.

Harrys Gedanken rasten. Darum McGonagalls schlechte Laune. Darum hatte Hermine ihn gewarnt, Scrimgoeur nicht zu provozieren. Aber ihre Warnung war zu spät gekommen.

„Sie haben richtig gehört, Harry.“ Professor McGonagall erhob sich von ihrem Stuhl. „Percy Weasley ist Ihr neuer Verwandlungslehrer. Ich muss Ihnen wahrscheinlich nicht erklären, dass sich somit das Ministerium wieder einmal in die Angelegenheiten von Hogwarts einmischt.“

Sie ging zu einem Regal, auf dem ein alter, schäbig wirkender Spitzhut stand, der an verschiedenen Stellen genäht worden war.

„Wie es aussieht, kann ich Sie weder dazu überreden, mir zu sagen, was Dumbledore vorhatte, noch Sie darin hindern, sich aufgrund dessen ‚Aufgabe’ in Gefahr zu bringen. Aber auch wenn Sie mir nichts darüber anvertrauen wollen, gebe ich Ihnen nun einen Rat.“ Sie nahm den Sprechenden Hut vom Regal und übergab ihn Flitwick. Danach wandte sie sich Harry zu und blickte ihm ernst in die Augen. „Halten Sie sich von Percy Weasley fern! Er wird alles, was sie tun, sofort dem Ministerium melden und das... wäre sicherlich nicht in Dumbledores Interesse gewesen!“

Harry nickte. Er konnte sich vorstellen, wie viel Willenskraft es sie kostete, ihn nicht selbst weiter ausfragen. Geschweige denn, ihn noch einmal zu ermahnen, in Hogwarts zu bleiben. Sie war kein Professor Dumbledore, der ihm blind sein Vertrauen schenkte. Aber sie schien dennoch zumindest ein kleines Bisschen an ihn und an seine Fähigkeiten zu glauben und dafür war er ihr dankbar.

„Gut, dann können wir ja nun zur Empfangszeremonie der Erstklässler in die Große Halle gehen.“

Gemeinsam mit den beiden Professoren verließ Harry das Büro der Schulleiterin. Sie gingen mehrere die Richtung ändernde Treppen hinunter, übersprangen hier und dort eine Fehlstufe und teilten sich dann in der Eingangshalle auf. Während Professor Flitwick mit dem Sprechenden Hut in der Hand in ein Nebenzimmer verschwand, betrat Harry gemeinsam mit Professor McGonagall die Große Halle, in der die vier langen Haustische bereits von Schülern aller Jahrgangsstufen besetzt waren, die sich laut ihre Ferienerlebnisse erzählten.

Harry blickte sich kurz um und entdeckte dann Hermine, die ihm vom Gryffindortisch zuwinkte. Er verabschiedete sich daraufhin von der Schulleiterin und steuerte direkt auf seine Freundin zu. Viele seiner Mitschüler hörten kurz auf zu reden, als er an ihnen vorbeiging, nur um dann sofort wieder die Köpfe zusammensteckten und noch aufgeregter zu tuscheln.

„Hattet ihr eine gute Fahrt?“ Harry ließ sich zu Hermines Linken auf einen freien Platz fallen.

„Die Fahrt war okay. Wir wurden gebeten, die ganze Zeit in den Abteilen zu bleiben, damit die Auroren auch jeden von uns überprüfen konnten. Wir wurden von Dawlish kontrolliert. Du weißt schon, dem Zauberer, den Dumbledore damals in unserem fünften Schuljahr bei seiner Flucht betäubt hat.“

Harry hörte Hermines Ausführungen nur mit halbem Ohr zu. Es war viel mehr Ron, der sein Interesse auf sich zog. Dieser saß ihm kreideweiß mit zusammengebissenen Zähnen und geballten Fäusten direkt gegenüber und starrte in Richtung Lehrertisch.

Harry folgte seinen Blick und wusste sofort, was oder besser gesagt wer Ron so wütend machte. Dort, am Ende des Lehrertisches saß Percy Weasley und beobachtete sie durch die Gläser seiner Hornbrille.

„Was macht er hier?“, zischte Ron wütend neben ihm.

„Er ist der neue Verwandlungslehrer. McGonagall hat es mir eben gerade gesagt.“

„Aber wieso…“

„Pst, klärt das später, die Auswahlzeremonie beginnt“, mischte sich Hermine ein, da die Erstklässler angeführt vom nicht viel größeren Professor Flitwick die Große Halle betraten und sich vorne am Lehrertisch aufstellten.

Es waren wenig Erstklässler, die dort vorne standen, nur knapp zwei Dutzend. Vermutlich hatten nach Dumbledores Ermordung einige Eltern beschlossen, ihre Kinder lieber bei sich daheim zu behalten. Harry sah sich in der Großen Halle um. Auch die Reihen der Schüler an den Tischen wirkten ausgedünnt. Es waren nur knapp drei Viertel der Plätze besetzt. Dennoch waren wesentlich mehr Schüler zurückgekehrt, als er am Ende des letzten Schuljahres gedacht hätte, nachdem viele Eltern ihre Kinder sogar persönlich von Hogwarts abgeholt hatten. Vor allem die Schüler aus seinem Jahrgang waren fast vollzählig in der Großen Halle anwesend.

Ihm schräg gegenüber saßen Neville Longbottom, Dean Thomas und Seamus Finnigan. Harry hätte zwar nie erwartet, dass Mrs. Finnigan ihm die Rückkehr nach Hogwarts erlauben würde, aber anscheinend hatte sich Seamus irgendwie durchsetzen können.

Harrys Blick kehrte wieder zum Lehrertisch zurück und fiel auf den Sprechenden Hut, der auf einen Hocker lag. Der Spitzhut öffnete in eben jenem Moment einen Riss an seiner Krempe und begann zu singen:

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

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Plumbum

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Mittwoch, 3. Oktober 2007, 15:54

Schon tausend Jahre ist es her,
als ich einst ward gemacht,
doch euch einzuteil’n fällt mir heut schwer,
obwohl dafür gedacht.

In Zeiten voller Schmerz und Leid
reiߒ ich euch bald in zwei,
so folgt statt größter Einigkeit
nur Hass und Streiterei.

Doch ändern aber kann ich nicht,
was mich so sehr betrübt,
drum erfüll ich nun meine Pflicht,
so wie einst ward verfügt.

Und erzähl’ von den Gründern vier,
jeder hat sein’ Geschicht’,
dass ihr dies Wissen nicht verliert,
denn darum gibt es mich.

Der Gryffindor, der schätzte nur
die mutig sind im Leben.
Der Slytherin vom Blute pur,
die großes Ziel erstreben.

Die Ravenclaw wollte Verstand,
all die, die lernen lieben.
Die Hufflepuff reichte die Hand
jenen die übrig blieben.

Als Freunde waren diese vier
stark und nicht zu schlagen.
Nach Streit aufgrund der Machtes Gier
konnten sie nur versagen.

So wenn euch bald die Häuser trenn’n,
die ich euch zugedacht,
sollt ihr euch dennoch Freunde nenn’n,
denn nur so habt ihr Macht.

Steht zusamm’n, geht nicht allein,
denn Hogwarts droht Gefahr!
Erstickt Mistrauen schon im Keim.
Seid ehrlich, endlich wahr.

Und wer immer dann will morden, nun,
in Hogwarts, wisse Bescheid,
du wirst bereu’n dein böses Tun,
denn Mord erzeugt nur Leid.

Ich hab’s gesagt, hab euch ermahnt,
es liegt in eurer Hand.
Ihr wisst bescheid, ihr seid gewarnt,
nun handelt mit Verstand!


Als der Sprechende Hut sein Lied beendet hatte, brach tosender Beifall aus. Sogar der Blutige Baron klatschte am Tisch der Slytherins beinahe schon enthusiastisch Beifall, während sich ein ebenso applaudierender Neville zu Harry hinüberbeugte. „Der Hut hat nicht wirklich neue Einfälle. Seit drei Jahren singt er fast immer das gleiche Lied.“

Harry runzelte nachdenklich die Stirn. Irgendetwas war anders gewesen an diesem Lied. Der Hut hatte wütender geklungen und irgendwie… fordernder. Steht zusamm’n, geht nicht allein, denn Hogwarts droht Gefahr! Die Worte halten in Harrys Kopf wider. War das vielleicht Voldemorts nächstes Ziel, nachdem er Dumbledore beseitigt hatte? Wollte er Hogwarts? Allein bei diesem Gedanken lief es Harry eiskalt den Rücken hinunter. Er musste die Horkruxe zerstören, das war zurzeit das Wichtigste, aber konnte er nicht irgendwie auch seine Schule schützen?

Steht zusamm’n, geht nicht allein! Nun handelt mit Verstand! Harrys ganzer Körper begann vor Aufregung zu kribbeln, als es ihm wie Schuppen von den Augen fiel. „Ich werde die DA wieder zusammenrufen“, flüsterte er leise zu sich selbst.

„Was?“, rief Neville laut. Sein Ausruf ging glücklicherweise im lauten Applaus unter, der Corinna Clostone galt, welche gerade dem Haus Ravenclaw zugeteilt worden war.

„Willst du wirklich die DA wieder zusammenrufen?“, hakte Neville diesmal etwas leiser nach. Sein rundliches Gesicht strahlte geradezu vor Begeisterung.

Harry zögerte kurz, doch dann nickte er. Professor McGonagall würde mit Sicherheit nicht sehr angetan von seiner Idee sein und ihm erneut erklären, dass die Schule bestens bewacht wäre. Aber er wollte lieber auf Nummer sicher gehen. Je mehr Zauberer da waren, um im Ernstfall die Schule verteidigen zu können, umso besser. Und selbst wenn sich die ganze Aktion als eine übertriebene Vorsichtsmaßnahme herausstellen sollte, Schaden würde die Wiedereinberufung der DA sicherlich niemanden.

„Das ist klasse, Harry. Also ich bin auf jeden Fall wieder mit dabei“, meldete sich nun auch Dean zu Wort, der Nevilles Frage mitbekommen hatte. Und auch Seamus nickte zustimmend.

„Ich mache selbstverständlich auch mit, Harry.“ Ron hatte es anscheinend nun doch noch geschafft, seine Augen von seinem Bruder zu nehmen. „Was sagst du dazu, Hermine?“

„Hm, ich weiß nicht. Wir haben auch noch wichtigere Dinge zu tun.“

„Hermine, wenn du jetzt wieder von den Prüfungen im nächsten Jahr anfängst, dann…“

„Nein, Ron! Ich meine das andere.“

Harry bemerkte wie Neville, Seamus und Dean interessiert dem Gespräch der beiden lauschten.

„Deine Belfer-Sache wird schon nicht zu kurz kommen, Hermine“, warf er zur Ablenkung ein.

„Aber, das…“, widersprach Hermine, fing dann jedoch Harrys warnenden Seitenblick auf. „Aber“, sie räusperte sich noch einmal. „Aber das heißt B.ELFE.R, Bund für Elfenrechte und du, Harry, tätest gut daran, dich auch für die armen, unterdrückten Hauselfen einzusetzen. Wenn der Sprechende Hut von Zusammenhalt redet, muss dieser Zusammenhalt sich ja nicht nur auf die Zauberer alleine beschränken.“

Ron kicherte daraufhin leise.

„Da gibt es gar nichts zu lachen, Ronald! Hauselfen sind sehr mächtige, magische Kreaturen, die es verdient haben mit Respekt behandelt zu werden und nicht wie Sklaven.“

Ron öffnet den Mund, um etwas zu erwidern, hielt dann allerdings inne, da Professor McGonagall sich von ihrem Platz erhoben hatte. „Sehr geehrte Schülerinnen und Schüler, ich freue mich, Sie alle zu einem neuen Schuljahr in Hogwarts begrüßen zu dürfen. Bevor wir allerdings mit dem Essen beginnen können, habe ich noch einige wichtige Ankündigungen zu machen. Es mag einige überraschen, dies zu hören...“, ihre Stimme klang leicht sarkastisch. „… aber das Betreten des Verbotenen Waldes ist für alle Schüler ausdrücklich verboten. Des Weiteren sollte ein jeder von Ihnen zur Kenntnis nehmen, dass das Zaubern zwischen den Klassen nicht gestattet ist. Eine Liste anderer unerlaubter Dinge finden Sie an der Tür unseres Hausmeisters Mr. Filch. Ergreifen Sie daher bitte die Möglichkeit und informieren Sie sich, denn Unwissenheit schützt vor Strafe nicht!“

Sie deutete, während sie sprach, auf Mr. Filch, der seine Katze Mrs. Norris in den Armen hielt und es bemerkenswerterweise schaffte, jedem einzelnen Schüler das Gefühl zu vermitteln, als könne er es kaum erwarten, ausgerechnet ihm eine neue Strafarbeit aufzudrücken.

„Leider muss ich sie davon in Kenntnis setzen, dass in diesem Jahr aufgrund sicherheitstechnischer Aspekte keine Quidditch-Hausmeisterschaft stattfindet wird.“

Ein lautes Raunen ging bei diesen Worten durch die Halle. Dann hörte man protestierende Pfiffe. Harry hielt sich die Ohren zu, als auch Ron sich diesen anschloss. Er verstand ja den Unmut seines besten Freundes, der nach dem Triumph vom Vorjahr darauf brannte, erneut den Hauspokal zu gewinnen. Harry selbst hatte jedoch bereits vorher innerlich mit sich gehadert, ob ihn Quidditch nicht zu sehr von seiner Hokruxsuche ablenken würde. Daher war er der Schulleiterin fast dankbar, dass sie ihm diese Entscheidung aus der Hand genommen hatte.

„Ruhe!!!“ Professor McGonagalls Stimme hallte magisch verstärkt im Raum wieder. „Ich verstehe ja Ihre Enttäuschung, aber Sie müssen auch begreifen, dass dies alles nur zu Ihrem eigenen Wohl ist!“

Fast alle Schüler bis auf ein paar besonders hartnäckige Ravenclaws verstummten daraufhin, aber auch diese konnte Professor McGonagall mit einem gezielten strengen Blick zur Raison bringen.

„Nun zu den etwas erfreulicheren Nachrichten.“ Bei ihren nächsten Worten verzog sie das Gesicht zu einen angestrengten Lächeln, das ihre Worte Lügen strafte. „Ich freue mich sehr, Ihnen Ihren neuen Lehrer in Verwandlung vorstellen zu dürfen, Professor Percy Weasley.“

Das erste Mal an diesem Abend nahm Percy den Blick von Harry, als er aufstand und den applaudierenden Schülern steif zunickte und sich dann wieder setzte.

„Des Weiteren freue ich mich einmal mehr, Professor Raue-Pritsche in unserem Lehrerkollegium zu begrüßen. Sie wird für den leider erkrankten Professor Hagrid vorerst den Unterricht in Pflege magischer Geschöpfe übernehmen.“

„Wieso ist Hagrid krank? Er war doch noch nie krank!“ Harry befand sich sofort in Alarmbereitschaft.

„Nun beruhige dich, Harry. Jeder wird irgendwann einmal krank“, meinte Hermine gelassen, aber ein kurzer Blick in ihr Gesicht zeigte, dass auch sie besorgt war.

„Ich hätte Ihnen natürlich auch gerne heute Abend Ihren Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste und neuen Vorstand des Gryffindorhauses Professor William Weasley vorgestellt. Leider ist Professor Weasley zurzeit indisponiert. Sie werden ihn daher erst zu gegebener Zeit im Unterricht kennen lernen.“

Ron horchte unwillkürlich auf: „Was ist mit Bill?“

„Später“, wimmelte Harry ihn ab, da Professor McGonagall bereits fortfuhr. „Ich weiß, dass dieses Schuljahr für einige von Ihnen eine schwere Zeit werden wird. Viele von Ihnen sorgen sich um das Wohl ihrer Familie. Ich möchte Ihnen allen daher mitteilen, dass, was immer Sie auch bedrückt, Sie stets im ganzen Lehrerkollegium und auch bei den beiden Schulsprechern Padma Patil und Ernie Macmillan ein offenes Ohr finden werden.“

Harrys Kopf schnellte bei diesen Worten sofort zu Hermine herum, die aber weiterhin die Hände in den Schoss gefaltet Professor McGonagall lauschte.

„Zum Schluss möchte ich Sie bitten, kurz aufzustehen.“

Lautes Kratzen von Holz auf Stein war zu hören, als sich alle Schüler und Lehrer von ihren Bänken und Stühlen erhoben. Als Harry vor sich blickte, hatte sich der eben noch leere Tisch wie von Zauberhand gedeckt und direkt vor ihm stand ein mit Kürbissaft gefüllter Becher.

„Bevor wir nun zum Essen übergehen, möchte ich noch einmal an den vor einigen Monaten verstorbenen Schulleiter Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore erinnern, der über viele Jahre hinweg mit Klugheit und Stärke, aber vor allem auch mit seinem unvergleichlichen Humor, die Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei geleitet hat.“ Professor McGonagall nahm ihren goldenen Trinkpokal und prostete ihren Schülern zu. „Auf Albus Dumbledore!“

„Albus Dumbledore.“ Harry erhob, wie viele andere Schüler auch, seinen Becher. Während er trank, stellte er allerdings fest, dass einige Slytherins sich, ohne etwas zu trinken, wieder setzten und sich sofort dem Essen zuwandten. Er fühlte einen leisen Groll in sich aufsteigen, ob ihres Benehmens. Konnten sie denn Dumbledore noch nicht einmal im Tode ihren Respekt erweisen?

„He, Hermine“, unterbrach Ron in diesem Moment seine Gedanken, „warum bist du eigentlich keine Schulsprecherin geworden?“

Harry konnte über Rons Mangel an Taktgefühl nur den Kopf schütteln und erwartete, dass Hermine ihm das auch sagen würde. Allerdings lächelte diese nur, bevor sie antwortete: „Ich sollte Schulsprecherin werden, habe aber abgelehnt, weil ich wichtigere Dinge zu tun habe.“

„Aber es ist doch eine große Ehre, Schulsprecherin zu werden. Was kann denn soviel wichtiger sein als das?“, mischte sich nun auch Neville in das Gespräch ein.

Harry, Ron und Hermine warfen einander einen kurzen verschwörerischen Blick zu, bevor Hermine erwiderte: „B.ELFE.R, Neville. B.ELFE.R!

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Mittwoch, 3. Oktober 2007, 16:32

Hihi...ja klar B.ELFE.R! ;) Cool, dass du das wieder miteingebracht hast! Auch die Veränderung des Liedes des sprechenden Hutes hat mir sehr gut gefallen! Das mit Bill und Percy als Professoren gefällt mir auch sehr gut, mal sehen, wie sie ihren Unterricht gestalten!
Bin schon gespannt, wie sich Harrys 7.Jahr in Hogwarts weiterentwickelt!

LG. =)
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Mittwoch, 3. Oktober 2007, 18:43

Hey Lisa.
Schön das dir das Kapitel gefallen hat. :]
Ich habe lange überlegt, ob ich wirklich 2 Weasleys zu Hogwarts Lehrern mache, aber ich fand dann einfach den Konflikt der beiden zu interessant, als das ich ihn einfach hätte beiseite schieben können. Tja so bin ich nun mal ;)
Auch das du das von mir und meiner Co-Autorin Elli (die muss ich hier einfach mal erwähnen) gedichtete Lied gut fandest, freut mich sehr... Naja eigentlich sogar noch mehr als sehr, denn es war gar nicht so einfach alles in ein vernünftiges Versmaß zu bekommen (danke Elli) , daher ist es umso schöner wenn es gewürdigt wird. --knuddel--

Also danke nochmal für dein Kommentar
Alles Liebe und Gute
Deine Plumbum =)

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Sluggy

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Mittwoch, 3. Oktober 2007, 18:58

Hallo Plumbum,

keine Sorge, ich lese schon weiter. (Bin ja neugierig, ob Tonks Mutter doch noch netter wird). :D

Die jetzt eingestellten Kapitel haben mir jedenfalls gut gefallen. Bin auch gespannt, was insbesondere Percy passiert, wenn er Ron, Harry und Hermine unterrichtet. :)

Und was mit Bill ist, interessiert mich auch. Liegt seine schlechte Verfassung an seinem Werwolfbiss?

Grüße Sluggy
:D 8) --knuddel--

Plumbum

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Donnerstag, 4. Oktober 2007, 16:56

Hey Sluggy
Vielen lieben Dank füt dein Review.
Ich kann dir an dieser Stelle schon mal versprechen, dass du in einem der nächsten Kapitel etwas von Bill und Percy hören wirst. ;)

Viele Liebe Grüße und alles Gute
Plumbum :D

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Freitag, 5. Oktober 2007, 17:23

hey plumbum,

so jetzt hab ich endlich mal die zeit gefunen deine geschichte fertig zu lesen :)

also ich muss sagen,dass mir deine geschichte bisher wirklich sehrsehr sehr gut gefällt*thumbs up*
dein schreibstil ist sehr flüssig,mann kann gut lesen.
100fehler habe ich bis jetzt noch cniht entdeckt aber "eulen" find ich ist wirklich ein netter einfall*g*

ich bin beeindruckt über das tolle lied dasss ihr beiden zustande gebracht habt,es könnte echt vom Jo persönlich für den hut gedichtet worden sein :D

wenn man das siebste buch schon gelesen hat und eine 7.jahr-ff schrieben will ist es sicherlich schwierig nicht in die richtige story abzudriften etc. ,jedoch finde ich das ihr das bisher sehr gut gemacht habt und die story interessant ist.
die charaktere sind ihren orginalen ig auch ziemlich treu,außer,dass mir manchmal das typisch "Ronische" fehlt
fred&george jedoch habt ohr wunderbar hinbekomm-so kennen und lieben wir sie! :P
deine/eure art die dinge zu umschreiben ,bzw floskeln etc zu nehmen machen den lesegenuss nur ncoh größer!

also,alles in allem finde ich die ff bis jetzt ÄU?ERST gelunge :D :D

ruht euch aber jetzt ja nicht auf euren lorbeeren aus und produziert ab jetzt nicht nur ncoh murks*gg*

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L.A.W.
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Samstag, 6. Oktober 2007, 19:48

@LoveAlwaysWin
Wow, vielen lieben Dank für deinen Kommentar.

Es freut mich sehr, dass dir das Lied des Sprechenden Hutes so sehr gefallen hat, dass du elli und mich in einem Satz mit J.K.R. erwähnt hast :O :O :O

Zitat

wenn man das siebste buch schon gelesen hat und eine 7.jahr-ff schrieben will ist es sicherlich schwierig nicht in die richtige story abzudriften etc.

Um ehrlich zu sein muss ich sagen, dass die Idee, die überhaupt erst zu dieser FF geführt hat, auf einer Aussage im original HP 7 beruht, die unabhängig voneinander bei uns beiden den Gedanke aufkommen lies: was wäre wenn...? Allerdings wurde im Buch eine andere Lösung gewählt. Doch dieser Gedanke hat uns beide einfach nicht mehr losgelassen, so dass wir anfingen zu planen etc. ... und das Ergebnis ist halt diese FF.
Leider wird es sich teilweise nicht vermeiden lassen, dass es zu kurzen Überschneidungen einiger Szenen mit dem Buch kommt (weil manchmal die Geschichte anders einfach nicht logisch wäre), jedoch werden wir diese auf ein absolutes Minimum beschränken.

Ich stimme dir, dass manchmal das typisch "Ronische" fehlt. Ich habe vermutlich einfach aus Angst ihn zu dumm erscheinen zu lassen, ihn nicht ganz Ron sein lassen. Ich werde versuchen das in den nächsten Kapiteln zu verbessern. Sag mir aber bitte Bescheid, wenn ich es übertreiben sollte. ;)
Und falls ich anfangen sollte, mich auf meinen Lorbeeren auszuruhen, hast du jeder Zeit die offizielle Erlaubnis mir "ein's zwischen die Hörner zu geben" und zu sagen: " Das ist schlecht und das ist schlecht und DAS (Finger d'rauf zeig).... ist super schlecht." ;).
Ich hoffe allerdings, dass dieses nicht nötig sein wird. =)

Viele liebe Grüße und alles Gute
Plumbum =)

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Dienstag, 9. Oktober 2007, 11:28

oha!
jetzt habt ihr uns alle neugierig gemacht!!
"was wäre wen.." na los schriebt fleissig weier ich brauche mehr stoff! :D 8) :P

mit dne paar überschneidungen,das ist schon ok sonst wäre es echt schwierig es anders zumachen und dann trotzdem im logischen bereich zu bleiben-ich glaube das können wir locker verschmerzen^^

du kannst dir ja nochmal den 6. an ein paart stellen durchlesen und den4. und den 7. wo ron redetn dann bekommt ihr da mit dem stil bestimmt hin^^
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Dienstag, 16. Oktober 2007, 15:18

Kapitel 7: Familie, Freunde und andere Verrückte

Als Harry am nächsten Morgen zusammen mit Ron und Hermine die letzten Stufen der Marmortreppe zur Einganghalle hinunter ging, kam ihnen eine geschockt aussehende Padma Patil entgegen und eilte grußlos an ihnen vorbei. Bevor Harry sich allerdings, ob ihres merkwürdigen Verhaltens wundern konnte, drang auch schon wütendes Geschrei und das Scheppern von Geschirr aus der Großen Halle zu ihnen hinüber. Sie drängelten sich eilig durch eine Gruppe Slytherins, die den Eingang zum Speisesaal blockierten, blieben dann jedoch wie erstarrt stehen.

Am Ende der Halle standen sich Percy und Bill nur vom Lehrertisch getrennt gegenüber. An diesem saß einzig und allein Professor Sinistra, deren Gabel in ihrer Hand während des Essens extra zwischen Teller und Mund innegehalten zu haben schien, um dieses Schauspiel nicht zu verpassen.

„Du dreckiger, kleiner Spion, wie kannst du eigentlich nach all dem, was du unserer Familie angetan hast noch in den Spiegel schauen?“ Bill fegte mit einer heftigen Handbewegung eine große Platte mit Frühstückseiern vom Tisch, die sich klappernd zu diversen anderen Geschirr- und Essensresten auf den Fußboden gesellte.

„Wie ich noch in den Spiegel blicken kann? Sehr gut. Immerhin ist meine Penny keine Todesserin!“

Das hätte er wohl besser nicht gesagt. Fasziniert beobachtete Harry, wie Bill mit einem gewaltigen Satz über den Tisch sprang und seinen Bruder noch im Sprung mit sich zu Boden riss.

„Ja, zeig’s ihm, Bill“, feuerte Ron seinen ältesten Bruder an, als die Beiden über den Boden rollten, bevor sie sich von einander lösten, nur um sich sogleich mit gezückten Zauberstäben gegenüberzustehen.

„Ron, dass ist nicht witzig“, erwiderte Hermine streng und wollte schon auf die Beiden zugehen, als Harry sie am Arm packte und zurück hielt. Sie warf ihm einen fragenden Blick zu, woraufhin er jedoch nur auf Bill deutete, dessen Gesicht zu einer fürchterlichen Fratze verzehrt war. Er hatte die Zähne gefletscht wie eine Wölfin, die gerade ihre Jungen verteidigte, und Speichel lief ihm übers Kinn. Er knurrte leise und bedrohlich.

„Lassen Sie uns durch“, erklang in diesem Moment Professor McGonagalls strenge Stimme hinter ihm. Gefolgt von den Professoren Flitwick, Sprout und Slughorn eilte sie an ihnen vorbei auf die beiden Kontrahenten zu.

„Bill, Percy, von allen Weasleys hätte ich von Ihnen beiden am Wenigsten ein solches Verhalten erwartet.“ Entschlossen stellte sie sich zwischen die beiden ungleichen Brüdern.

„Er hat meine Frau beleidigt“, fauchte Bill immer noch wütend. Wenigstens knurrte er dabei nicht mehr.

„Er hat angefangen. Er hat…“, begann Percy, wurde jedoch von der Schulleiterin unterbrochen: „Sie sind doch keine kleinen Kinder mehr! Bei Morgana! Sie sind Professoren an einer der ältesten und bekanntesten Zaubererschulen der Welt! Also mäßigen Sie sich bitte!“

Für einen Moment hatte Harry das Gefühl, als würde Bill Percy trotz Professor McGonagalls Worten angreifen. Doch dann straffte dieser die Schultern und ging zu einem Platz ganz am Ende des Lehrertisches. Auch Percy drehte sich weg, rückte seine Brille gerade und schritt hoch erhobenen Hauptes an das entgegengesetzte Tischende, um sich dort neben Professor Sinistra niederzulassen, die hastig ihre Gabel in den Mund schob.

„Was stehen Sie dort noch im Eingang herum? Setzen Sie sich! Ach ja, 10 Punkte für Ravenclaw, Miss Patil, weil Sie mich sofort von diesen Vorfall unterrichtet haben.“

Sich aufgeregt über die Geschehnisse von eben unterhaltend kamen die Schüler Professor McGonagalls Aufforderung nach. Bevor sich Harry jedoch zusammen mit seinen Freunden ebenfalls an den Gryffindortisch setzen konnte, hörte er hinter sich die gehässige Stimme von Pansy Parkinson, die, wie einst Draco Malfoy, von Crabbe und Goyle flankiert, den Zwischenfall beobachtet hatte: „Sag mal, Weasley, wie tief kann man eigentlich sinken? Musstest du sogar schon zwei deiner Brüder in die Schule einschleusen, damit du auch nur ansatzweise eine Chance hast, die NEWT-Prüfungen zu bestehen? Und dabei scheint einer von den Beiden noch nicht einmal stubenrein zu sein.“

Harry spürte, wie Ron sich neben ihm versteifte und sich mit wütenden Gesicht und geballten Fäusten nach Pansy umwandte. „Wenn du kein Mädchen wärst, dann würde ich….“

„Oh, das kleine Wiesel spielt den Gentlemen, hach wie putzig.“ Scheinbar gab sich Pansy wirklich alle Mühe, in die Fußstapfen von Malfoy zu treten. Erst schnappte sie sich seine beiden Bodyguards und jetzt versuchte sie auch noch, Ron fertig zu machen.

Allerdings hatte sie dabei nicht mit Hermine gerechnet. „Du hast Glück, dass Ron ein Gentlemen ist, Parkinson. Aber ich habe kein Problem damit, dich zu verhexen, wenn es darum geht, meinen Freund zu verteidigen. Oh ich vergaß, du weißt ja noch nicht einmal, was dieses Wort überhaupt bedeutet. Musstest du deine beiden so genannten „Freunde“ hier nicht sogar dafür bezahlen, dass sie deine Gegenwart ertragen? Wie viel hast du ihnen gestern Abend zugesteckt? Fünf Galleonen? Ich hoffe wirklich, dass entschädigt sie für eine Stunde deiner Gegenwart. Also, wenn du uns nun bitte entschuldigen würdest, wir wollen frühstücken.“

Harry konnte nur mit Mühe ein Auflachen verkneifen, als er Hermine und Ron, ohne den Slytherins eines weiteren Blickes zu würdigen, zum Tisch der Gryffindors folgte.

„Was war denn nun eigentlich mit Bill los, Ron?“ fragte Hermine, nachdem sie sich an den Tisch gesetzt hatte.

„Hm?“ Ron, der mit einem verzückten Gesichtsausdruck Hermines Haare betrachtete hatte, schreckte aus seinen Gedanken hoch.

„Ich wollte von dir wissen, was mit Bill los ist. Im Fuchsbau hat er sich doch vollkommen normal benommen. Aber eben gerade… er war irgendwie… es tut mir leid, Ron, aber er war irgendwie… animalisch.“ Hermine sah besorgt aus.

„Es liegt an seinem Werwolfbiss. Wir dachten ja erst, er hätte keine Auswirkung auf Bills Leben, außer dass er sein Steak blutig isst, aber damit lagen wir falsch.“ Ron, der langsam wieder ganz der Alte zu werden schien, begann, sich das Essen auf den Teller zu häufen. „Er hatte schon einmal so einen Aussetzer im Fuchsbau, als Percy einen Brief geschickt hat, in dem er Fleur und ihn zutiefst beleidigt hat. Der Heiler, der ihn daraufhin in St. Mungos behandelt hat, meinte, dass Bill, wenn er sehr wütend wird, aufgrund dieses Bisses leichter die Kontrolle über sich verliert als normale Zauberer. Und Percy ist nun mal ein absolut rotes Tuch für ihn.“

„Aber, kann man denn nichts dagegen machen?“

„Natürlich kann man etwas dagegen tun, Hermine, aber Percy umzubringen ist leider immer noch illegal.“

Harry verschluckte sich bei Rons Worten an seinem Kürbissaft. Er bekam keine Luft mehr, begann zu husten und Tränen verschleierten seine Sicht. Ihn beschlich das ungute Gefühl, dass, nach all den Zusammentreffen mit Voldemort, die er überlebt hatte, ihm dieser kleine Schluck Kürbissaft den Rest geben könnte. Und wenn nicht das, dann zumindest Rons Hand, die ihm kräftig auf den Rücken schlug.

Als er wieder relativ frei atmen und sehen konnte, bemerkte er, dass Hermine verschwunden war. Suchend blickte er sich um und entdeckte sie am Lehrertisch, wo sie in ein Gespräch mit Bill vertieft war.

Aus dem Augenwinkel beobachtet Harry die Beiden, während er sein Frühstück aß. Bei genauerer Betrachtung schien es eher so, als ob Hermine auf Bill einredete, dieser allerdings nicht ihrer Meinung zu sein schien. Es dauerte gute zehn Minuten, bis Bill schließlich resigniert nickte, etwas auf einen Zettel kritzelte und ihr diesen zusammen mit einem kleinen Papierstoß überreichte.

Ungeduldig zu erfahren, was die Beiden miteinander besprochen hatten, sah Harry zu, wie sie Neville, Dean und Seamus, die etwas weiter von ihnen entfernt saßen, ein paar der Blätter in die Hand drückte. Dann ging sie an Harry und Ron vorbei und tat das gleiche bei Parvati und Lavender, bevor sie sich wieder zu ihnen gesellte.

„Eure Stundenpläne.“ Hermine legte ihnen Beiden je einen hin, bevor Sie ihre Schultasche öffnete, um ihren eigenen darin zu verstauen. Dann zog sie einen Stapel kleiner, roter quadratischen Papierecken aus der Tasche hervor und legte sie vor sich auf den Tisch.

„Worüber haben du und Bill…“ Harry stockte, als sein Blick beim Sprechen an einem der roten Papierstücke hängen blieb. Das konnte doch nicht war sein!

„Hermine“, sagte er mit gefährlich leiser Stimme. „das ist doch wohl jetzt nicht dein Ernst, oder?“ Er deute anschuldigend mit dem Finger auf den obersten roten Zettel, auf dem in großen giftgrünen Lettern stand:

Würdet ihr gerne das Eigentum eines anderen Menschen sein?
Würdet ihr gern Tag und Nacht arbeiten? Ohne Dank und Lohn?
Seit Jahrhunderten müssen Hauselfen dieses Los ertragen.
Seit Jahrhunderten blicken Zauberer einfach weg.
Seht nicht weg! Sondern helft!
Werdet Mitglied beim Bund für Elfenrechte (B.ELFE.R).

„Wann hast du denn diese Dinger gemacht?“

Hermine schluckte. War das etwa ein Anzeichen von Schuldbewusstsein? Dann jedoch reckte sie selbstbewusst den Kopf und erwiderte: „Gestern Abend.“

Harrys Augenbrauen zogen sich vor Unmut zusammen. „Gestern Abend, als du mir und Ron gesagt hast, wir sollten lieber früher zu Bett gehen, anstatt Hagrid zu besuchen?“

Natürlich hatten er und Ron nicht geschlafen, sondern oben im Schlafzimmer noch bis nach Mitternacht Zauberschach und Snape explodiert gespielt, aber das musste sie ja nicht wissen.

„Es wäre nicht gut gewesen, wenn wir uns gleich am ersten Schultag nachts draußen herumgetrieben hätten. Darum habe ich vorgeschlagen, dass wir erst heute Nachmittag zu ihm gehen.“

„Und da ist dir, als du im Bett lagst, einfach der Gedanke gekommen, diese Flyer zu machen.“ Harry ließ eine gehörige Portion Sarkasmus in seine Stimme mit einfließen.

„Ich konnte nicht schlafen.“

„Und anstatt dich mit irgendwelchen Nebensächlichkeiten, wie zum Beispiel, Informationen über R.A.B, Riddle oder die Horkruxe zu suchen, aufzuhalten, hast du dich lieber mit Belfer beschäftigt.“

„Das heißt B.ELFE.R. Bund für Elfenrechte! Und was die Recherche angeht, wie hätte ich bitte gestern Abend noch in die Bibliothek gelangen sollen, wo diese doch bereits geschlossen hatte? Und wenn ihr mich nun entschuldigt, ich muss zu Alte Runen.“ Hermine schwang sich ihre Schultasche über die Schulter, nahm die roten Zettel vom Tisch und wandte sich zum Gehen. „Ach übrigens, da ihr beide jetzt eine Freistunde habt, könnt ihr ja schon mal mit der Suche beginnen!“

„Aber kein Mensch geht so früh morgens in die Schulbibliothek“, erwiderte Ron mit vollem Mund, wobei ein Teil seines Frühstücks zurück auf den Teller fiel.

„Umso besser. Dann lenkt euch ja wenigstens keiner ab!“, fauchte Hermine ihn daraufhin an und ehe weder er noch Harry etwas erwidern konnten, war sie bereits davon gerauscht. Wobei sie es allerdings noch schaffte, jeden der ihr entgegen kommenden, nichts ahnenden Schüler mit einem roten B.ELFE.R-Flyer zu beglücken.

„Warum macht sie das? Ich komme mir vor wie ein Hauself, wenn sie mich so herum scheucht. Schuften ohne Lohn und Dank.“ Ron stopfte sich frustriert noch ein weiteres Frühstücksei in den Mund.

Harry spürte, wie der Kessel in seinem Inneren wie schon so oft in letzter Zeit zu brodeln begann. Verdammt, ihre Aufgabe war es, die Horkuxe zu finden, dennoch dachte Hermine nach dem Gespräch gestern anscheinend wieder einmal nur an B.ELFE.R. Sein Kopf begann zu schmerzen und sein Magen zog sich zusammen. Er musste die Horkruxe finden. Er musste Dumbledores Auftrag erfüllen. Er musste die Zaubererwelt retten. So viele Schicksale, so viele Leben lagen nach Dumbledores Tod allein in seiner Hand. Er spürte sein Frühstück in sich hochsteigen und schluckte, dann stand er entschlossen auf. „Na, komm schon, Ron. Lass uns unsere Bücher für den heutigen Unterricht holen und dann gehen wir besser in die Bibliothek. Sonst lässt sie uns wirklich noch Tag und Nacht arbeiten.“

Zusammen verließen sie die Große Halle und gingen in Richtung Gryffindorturm, um von dort ihre Schultaschen zu holen. Im Schlafsaal der Jungen angekommen griff Harry zielstrebig nach seiner Tasche. Dann fiel ihm auf, wie ausgebeult und schwer diese war.

Er stellte sie auf sein Bett und begann, nach und nach zerknitterte Zeitungen daraus hervorzuziehen, bis er auf einmal zwei rote Bücher in den Händen hielt. Harry erstarrte. Wie hatte er nur die Bücher, die Tante Petunia ihm gegeben hatte, einfach so vergessen können?

Er ließ sich auf sein Bett fallen und strich eine zeitlang andächtig mit seinen Fingern über den obersten Buchrücken. Dies waren die Bücher seiner Mutter gewesen. Bücher, die sie irgendwann einmal in der Hand gehalten hatte. Bücher, in denen sie gelesen oder vielleicht sogar etwas hineingeschrieben hatte. Eben Mums Bücher. Langsam hob er sie hoch und schnupperte daran. Sie rochen leicht süßlich.

„Harry, he Harry. Was machst du denn da?“

Harry ließ vor Schreck die Bücher fallen. Erst jetzt bemerkte er Ron, der ihn leicht verwirrt von der Seite anschaute.

„Ähm… nichts, Ron.“ Er spürte wie ihm Hitze ins Gesicht stieg. Hatte Ron ihn eben wirklich dabei beobachtet, wie er an ein paar Büchern gerochen hatte?

Um seine Verlegenheit zu kaschieren, bückte er sich nach diesen, stellt dabei jedoch fest, dass Ron ihm zuvor gekommen war und jetzt seinerseits prüfend daran schnüffelte. „Riecht irgendwie nach Dregendeutz-dehydriertem Drachendung. Von wem sind die denn?“

„Von meiner Mum. Meine Tante gab sie mir an dem Abend, als der Orden mich von meinen Verwandten abholte.“ Harrys Blick fiel, während er sprach, auf den Boden, auf dem ein zusammengefaltetes Blatt Papier lag, das zwischen den beiden Büchern eingeklemmt gewesen sein musste. Aufgeregt hob er es auf und begann zu lesen. Er musste allerdings zu seiner Enttäuschung feststellen, dass es sich lediglich um einen Nachlassverwaltungsbescheid handelte, in dem Tante Petunia darüber informiert wurde, dass sie als sein Vormund die wenigen Dinge, die bei der Zerstörung des Hauses noch intakt geblieben waren, erhalten sollte. Anbei befand sich eine Liste diverser Gegenstände, auf der, neben einem Clubsessel und etwas Schmuck, auch zwei dutzend nichtmagische Bücher, darunter auch die beiden roten, genannt wurden.

Enttäuscht ließ Harry den Zettel sinken und sah Ron an, dessen Augen die roten Bücher in seiner Hand prüfend musterten, bevor er meinte: „Oh, das sind ja Passwort geschützte Sicherheitsschlösser.“

„Was?“ Harry nahm Ron die Bücher aus der Hand und betrachtete das Schloss des oberen Buches, bei dem sich anstelle eines Schlüsselloches ein großer, breiter, metallisch glänzender Mund befand.

„Passwort geschützte Sicherheitsschlösser“, wiederholte Ron. „Ginny hat auch so eines bei dem Tagebuch, das Mum ihr als Ersatz für Riddles geschenkt hat. Die Dinger können total fies werden, wenn man versucht sie mit reiner Magie zu öffnen. Fred wurde vorletztes Jahr von Ginnys Schloss gebissen, als er probierte, es mit einem simplen Alohomora aufzubekommen. Er schwört, dass seine Nase seit dem nicht mehr dieselbe ist.“

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

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Plumbum

Animagus

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Dienstag, 16. Oktober 2007, 15:22

Harrys Herz sank in seiner Brust. Endlich hatte er die Chance, etwas über seine Mutter zu erfahren und nun bekam er ihre Bücher aufgrund eines dummen Sicherheitsschlosses nicht auf. Er seufzte traurig. Wie sollte er bei tausenden von möglichen Wörtern ausgerechnet das richtige Passwort herausfinden?

„James, Krone, Potter,…“, begann er versuchsweise, aber der Schloss-Mund gähnte nur gelangweilt und zeigte dabei eine Reihe spitzer Zähne.

Aber so leicht gab Harry nicht auf. Er zählte alle Rumtreiber auf, alles magischen Bücher und Orte, die ihm in den Sinn kamen. Hin und wieder warf auch Ron etwas ein, aber letztendlich blieben ihre Versuche ohne Erfolg.

Sie hatten nur noch drei Minuten bis zur Zaubertränke-Unterrichtsstunde, als sie schließlich aufgaben. Hastig stopfte Harry ein paar Bücher, seinen Tarnumhang, Sirius Messer, dessen Klinge in den Ferien repariert worden war, die Karte des Rumtreibers und das Medaillon in seine Schultasche, bevor er zusammen mit Ron in den Kerker hinunter hetzte. Dort wartete auch schon eine ziemlich finster dreinblickende Hermine auf sie. „Ich war eben in der Bibliothek und jetzt ratet mal, wer nicht da war!“

Ehe sie auch nur ein Wort zu ihrer Verteidigung sagen konnten, ging die Kerkertür auf und Slughorns Bauch schob sich, gefolgt von diesem selbst, durch die Tür und hieß sie einzutreten. Als Harry den Raum betrat, waberten ihm Dämpfe und Gerüche entgegen, die aus drei Kesseln stammten. Sein Blick verweilte kurz auf dem silbernen Kessel, aus dem ein leichter, weißer Nebel aufstieg, der ihm merkwürdig vertraut vorkam, bevor er sich zusammen mit Ron, Hermine und Ernie Macmillan an einen Tisch in der Nähe eines Kupferkessel niederließ.

„Nun denn, nun denn.“ Slughorn strahlte seine Schüler an, wobei sich sein großer, weißer Walrossschnurrbart über seinen Mund nach oben bog. „Wie Sie sehen können, habe ich auch zu Anfang dieses Schuljahres ein paar Zaubertränke für sie vorbereitet, die sie am Ende dieses Jahres bei ihrer NEWT-Prüfung herstellen können sollten. Und auch wenn sie selbst noch keinen von diesen gebraut haben, so dürften einige von Ihnen…“ Bei diesen Worten warf er einen verzückten Blick zu Harry und Hermine hinüber. „… schon bereits von dem ein oder anderen Trank gehört haben. Nun denn, kann mir jemand sagen, was dieser hier für einer ist?“

Während er sprach, deutete er auf den silbernen Kessel, in dessen Nähe sich drei Slytherins niedergelassen hatten. Zu Harrys Überraschung schoss nicht nur Hermines Hand in die Höhe, sondern auch Ron hob eine seiner großen Pranken. Einen Blick zu seiner linken Seite zeigte ihm, dass auch Ernie sich meldete. Dann bemerkte er, dass Slughorns Glubschaugen abwartend auf ihm selbst ruhten. Harry wich seinem Blick aus und registrierte aus dem Augenwinkel, wie sich dieser enttäuscht von ihm abwandte und auf Ron deutete.

„Das ist ein Patronitrank.“

Harry Kopf schnellte unwillkürlich erneut zu dem Kessel hinüber. Tatsächlich erinnerte der Nebel über dem Trank beim genaueren Hinsehen wirklich etwas an einen ungestaltlichen Patronus.

„Sehr gut, Mr. Weasley.“ Slughorn nickte anerkennend in Rons Richtung, der bei seinem Worten ein Stück zu wachsen schien. „Patronitränke verfügen über dieselben Eigenschaften wie ein gestaltloser Patronus und können somit als Schutz vor Dementoren verwendet werden. Allerdings ist ihre Wirkzeit im Gegensatz zum echten Patronus nur von sehr kurzer Dauer und im Vergleich zum gestaltlichen Patronus eher schwach. Sollten Sie jemals in die Verlegenheit kommen, diesen Trank selbst brauen zu müssen, so empfehle ich Ihnen einen besonders beglückenden Moment abzupassen. Je glücklicher der Zaubertrankbrauer ist, umso stärker wehrt dieser Trank gegen Dementoren. Nun denn, und wer kann… Ja, Miss Granger?“

Slughorn hatte den Satz noch nicht beendet, als Hermines Hand erneut nach oben geschossen war. Erfreut, ihr Wissen endlich unter Beweis stellen zu können, erklärte sie: „Der Trank im golden Kessel…“ Sie deutete auf den Kessel nicht unweit des Ravenclaw-Tisches. „… ist der Bluttransfusionstrank. Er wird häufig an Patienten mit hohem Blutverlust verabreicht. Und dieser hier…“ Sie zeigte auf den Kupferkessel neben sich, in dem eine schlammartige Substanz gemütlich vor sich hinblubberte. „… ist der Animagitrank. Er erlaubt die kurzzeitige Verwandlung eines Menschen in ein Tier.“

„Schön, schön, Miss Granger“, erwiderte Slughorn liebenswürdig, „Wie Sie bereits erwähnten, ist die Verwandlungsdauer beim Animagitrank im Gegensatz zum echten Animagus zeitlich begrenzt. Der Vorteil dieses netten, kleinen Trankes ist allerdings, dass er nicht die Risiken birgt, die mit der erstmaligen Verwandlung in einen Animagus einhergehen. Ich habe einmal von vier jungen, begabten Zauberern in Deutschland gelesen, die sich in einen Esel, einen Hund, eine Katze und einen Hahn verwandelt haben, sich jedoch nicht mehr zurück verwandeln konnten. Das war tragisch, meine Lieben, sehr tragisch. Obwohl…“ Slughorn runzelte nachdenklich die Stirn. „… wenn ich mich recht entsinne, haben die Vier im Nachhinein noch eine ganz annehmbare Musikkarriere gestartet. Also, wir haben jetzt noch gut eine Stunde Zeit. Das sollte genügen, um einen ordentlichen Animagitrank hinzubekommen. Bitte schlagen Sie Seite 234 von Zaubertränke für Fortgeschrittene auf und dann nichts wie los.“ Slughorn klatschte auffordernd in die Hände.

„Ron, kann ich in dein Buch mit hineinschauen?“, fragte Harry über das Scharren und Klappern der Kessel hinweg.

„Klar, Kumpel. Aber willst du denn nicht wieder das Buch vom Halbblutprinzen nehmen?“

Harry starrte Ron kurz an, bevor er den Kopf schüttelte. Keine sieben Drachen würde ihn dazu bewegen, das Buch von Snape aus seinem Versteck im Raum der Wünsche zu holen, geschweige denn, es überhaupt jemals wieder in die Hand zu nehmen.

Er warf einen kurzen Blick auf die aufgeschlagene Buchseite, bevor er seine Waage mit Gewichten beschwerte. Eine Zeit lang arbeitete ein jeder von ihnen schweigend vor sich hin. Harry bemerkte, wie Hermine ihm und Ron von Zeit zu Zeit über ihren dampfenden Kessel einen bösen Blick zuwarf, versuchte diesen allerdings zu ignorieren. Dann fiel ihm etwas ein: „Sag mal, Ron. Woher kanntest du eigentlich diesen Patronitrank?“

Ron, der gerade damit beschäftigt war, ein paar kleine Goldklumpen nach und nach in Königswasser aufzulösen, blickte überrascht auf. An seiner linken Nasenhälfte klebte etwas braunes Schleimiges. „Von Fred und George. Nach dem Erfolg der Schildhüte und Schildumhänge wollen sie Patroni-Paten als nächstes Produkt bei Weasleys Zauberhafte Zauberartikel einführen. Sie füllen den Trank dazu einfach in Glasphiolen ab. Schmeißt du diese dann auf den Boden, so kannst du für kurze Zeit einen Dementoren aufhalten, auch wenn du selbst keinen Patronus zaubern kannst.“

Neben sich hörte Harry Ernie abfällig schnaufen: „Keinen Patronus zaubern können, also bitte. So etwas ist für uns ehemalige DA-Mitglieder doch fast schon ein alter Hut. Ich meine, wir waren erst in der Fünften, als du ihn uns beigebracht hast, Harry. Apropos DA, ich habe gehört, dass du dieses Jahr wieder DA-Treffen abhalten willst. Ich würde natürlich zu gerne mitmachen, weiß allerdings nicht, in wie weit ich das zeitmäßig mit meinen Amt als Schulsprecher…“ Er deutete mit einer selbstfälligen Handbewegung auf sein Schulsprecherabzeichen. „… vereinbaren kann. Wann soll denn das erste Treffen stattfinden?“

„Einen genauen Zeitpunkt dafür haben wir noch nicht.“ Harry fügte ein paar Molchaugen zu seinen Trank hinzu. „Aber wir werden dir selbstverständlich Bescheid geben, wann wir uns treffen, Ernie.“


„Also, wann wollen wir das erste DA-Treffen abhalten?“, fragte Ron ebenfalls kurze Zeit später, als sie, um Hermines Rüffel zu entgehen, schnellst möglichst nur zu zweit zum Mittagessen in die Große Halle eilten.

„Ich weiß noch nicht, vielleicht sollte ich erstmal warten, wann sich Kingsley und Moody wegen meines zusätzlichen Unterrichts melden.“ Während er sprach, übersprang Harry eine Fehlstufe in der Treppe.

„Dein Spezialunterricht geht definitiv erst einmal vor!“, erklärte Hermine scharf, die plötzlich wie aus dem Nichts neben ihnen auftauchte, „Ich bin allerdings immer noch skeptisch wegen den DA-Treffen, die du abhalten willst. Bedenke doch nur, Harry, du hast neben dem normalen Schulpensum den Spezialunterricht bei Moody und Kingsley, die Horkrux-Suche… Wie viel willst du dir denn noch zumuten?“

„Das gleiche könnte ich dich mit deinem Belfer fragen.“ Harry fing Hermines warnenden Seitenblick auf und korrigierte sich hastig. „B.ELFE.R.“

„Das mit mir und B.ELFE.R ist etwas ganz anderes.“

„Ist es das, Hermine? Ist es das wirklich?“ Allmählich begann Harry Hermines schlechte Laune und ihre Verbohrtheit bezüglich ihrer Hauselfen-Befreiungsfront zu nerven. „Die DA soll in Falle eines Todesserangriffs die Schule mitverteidigen können. Du hast den sprechenden Hut gehört. Er hat klar und deutlich gesagt, dass Hogwarts in Gefahr ist. Bitte unterbrich mich jetzt nicht.“ Mit einer Handbewegung brachte er sie zum Schweigen, bevor er gereizt fortfuhr. „Aber wie, bitte, kann dein B.ELFE.R uns auch nur in irgendeiner Art und Weise nützen?“

„B.ELFE.R soll nicht uns helfen, sondern den Hauselfen!“, fauchte Hermine. „Auch im Krieg sollte man die Schwächeren nicht vergessen.“

Eine kleine Gruppe von Erstklässlern, die ihnen entgegen gekommen war, drückte sich ängstlich in eine Nische, als sie an ihnen vorbeigingen.

„VERDAMMT NOCHMAL, HERMINE!“, fuhr Harry diese aufgebracht an. „LIEST DU DENN KEINE ZEITUNG? DORT DRAUßEN STERBEN MENSCHEN UND DAS EINZIGE, WAS DICH INTERESSIERT, IST DEIN DUMMES BELFER!“ Harry zitterte vor unterdrückter Wut.

„Harry, du verstehst mich nicht! Und ehrlich gesagt glaube ich, dass du dich da in etwas reinsteigerst…“, versuchte Hermine abzublocken, aber ohne Erfolg…

„Reinsteigerst, reinsteigerst. Verzeih mir, Hermine, aber ich bin der Auserwählte, natürlich steigere ich mich da in die Sache rein!“ Harry merkte, wie Ron neben ihm zusammenzuckte und sich prüfend umschaute. Doch der Gang um ihn herum war glücklicherweise leer.

„Harry, ich habe darüber nachgedacht. Vielleicht musst du ja gar nicht gegen Voldemort kämpfen. Wahrsagung ist ein relativ unsicherer Zweig der Magie, sagt McGonagall. Und auch Dumbledore selbst meinte …“

„Weiß du was, Hermine, wenn du mir nicht glaubst, dann lass es doch einfach. Kümmere du dich doch nur um deine NEWTs und dein Belfer. Ron und ich brauchen dich nicht! Oder Ron?“

Ron sah unglücklich und unentschlossen von einem zum anderen.

„Wenn das so ist“, Hermine zerrte vor Tränen blind an ihrer Tasche und zog hektisch ein Blatt Papier hervor, das sie vor Harrys Füße warf. „Das habe ich heute Morgen Bill in mühsamer Arbeit abgequatscht. Ich wünsche euch viel Spaß beim Suchen.“

Harry starrte der weinenden, davon stürmenden Hermine hinterher. Er konnte kein Mitleid für sie empfinden. Kein Verständnis. Er fühlte nur diese absolut bodenlose Wut auf sie. Zornig trat er auf den Zettel und stapfte weiter in Richtung Große Halle.

Es dauerte eine ganze Weile, bis Ron ihn endlich eingeholt hatte und ihm einen zerknitterten Zettel unter die Nase hielt. „Sie hat uns eine Erlaubnis für die Verbotene Abteilung besorgt.“

Harry erwiderte nichts, sondern ging weiter. Er spürte ein leichtes Ziepen in seinem Herzen. Hätte er es nicht besser gewusst, hätte er es für Schuldgefühl gehalten. Schnell schob er dieses unerwünschte Gefühl beiseite und betrat die Halle.

Während des Mittagessens ließ sich Harry wieder und wieder das Gespräch mit Hermine durch den Kopf gehen. Seine Gabel stocherte unterdessen appetitlos auf seinem Teller herum. Vielleicht hatte Hermine ja doch recht, wenn sie sagte, er würde sich in die Sache zu sehr reinsteigern? Obwohl… steigerte sie sich nicht genauso in ihr B.ELFE.R rein? Sein Kopf begann zu schmerzen, so dass er Rons Worte zuerst gar nicht registrierte: „Harry, wir müssen los zu Bills Unterricht. Hey Harry…“

Müde kam Harry Rons Aufforderung nach. Sie hatten schon fast die Eingangshalle erreicht, als sie eine sanfte, leicht verträumte Stimme hinter sich hörten: „Hallo Harry, Hallo Ronald.“

Als sie sich umdrehten, sahen sie sich Luna Lovegood gegenüber, deren zottiges, hüftlanges, blondes Haar noch etwas schmutziger als sonst war. In ihren Händen hielt sie den Klitterer fest umklammert, auf dessen Titelseite große Buchstaben von einer neu entdeckten Wunderheilung namens Knüffelkuff-Kur berichteten.

„Luna, hi, wie geht’s?“, bemühte sich Harry, sie möglichst unbefangen zu begrüßen
„Sehr gut, danke. Ich wollte dir nur sagen, ich bin froh, dass wir dieses Jahr wieder DA-Treffen machen. Es gibt mir das Gefühl, Freunde zu haben.“ Lunas blasse, silbergraue Glubschaugen wanderten, ohne zu blinzeln, suchend zwischen Ron und ihm hin und her. Harry hatte schon die Befürchtung, dass sie gleich noch seine Tasche durchsuchen würde, als sie sagte: „Wo habt ihr denn Hermine gelassen? Oder verteilt sie schon wieder ihre B.ELFE.R Zettel?“

„Nein, nein. Wie kommst du denn darauf?“, wiegelte Ron ab, bevor Harry auch nur ein Wort sagen konnte. Dann fuhr er mit hochroten Kopf fort: „Du kennst doch Hermine. Sie ist bestimmt in der Bibliothek und lernt für die NEWTs… Tja, so komisch ist sie nun mal drauf… nicht dass lernen jetzt etwas Schlechtes ist… Lernen ist wichtig… besonders im NEWT-Jahr… Also ich werde natürlich auch für die NEWTs lernen…“

Harry runzelte nachdenklich die Stirn. Was war denn nun in Ron gefahren? So merkwürdig benahm er sich doch sonst nicht.

„Geht es dir gut, Ronald?“, fragte Luna in diesem Moment besorgt. „Du hast dich doch nicht etwa bei deinem Bruder Percy angesteckt?“

„Was? Womit?“ Rons Gesichtausdruck glich einem einzigen Fragezeichen und stand somit Harrys in nichts nach.

„Naja, dein Bruder Percy wurde vermutlich von einem Workaholici gebissen. Das sind kleine braun-lila-gestreifte, rattenähnliche Tiere. Wenn dich eines von diesen beißt, dann kannst du an nichts anderes mehr als Arbeit denken und wirst im Anfangsstadium etwas merkwürdig im Kopf und redest wirr, so wie du eben. Im Fortgeschrittenenstadium treten vor Allem aggressive Verhaltensweisen und kindliches Benehmen auf. Ich hatte deinen Bruder vorhin in Verwandlung und er hat immer nur davon geredet, was das Ministerium und der Minister für richtig erachten.“ Luna blickte sie traurig aus ihren großen Augen an.

Harry wusste nicht so recht, ob er über Lunas Worten lachen sollte, oder weinen. Rons Gesichtszüge wirkten währenddessen so seltsam entrückt, dass es auch Luna nicht entging. Ehe die beiden sich versahen, hatte sie Ron ihren Klitterer in die Hand gedrückt. „Keine Sorge, Ronald. Das ist ja nichts, was man nicht mit einer Knüffelkuff-Kur wieder in den Griff bekommen könnte. Du kannst ja vorsichtshalber auch eine Dosis zu dir nehmen und, wenn ich recht überlege, deinem ältesten Bruder Bill könnte etwas von der Kur auch nicht schaden.“

„Sie ist wirklich spleenig, oder?“, meinte Ron, als sie sich kurze Zeit später von Luna verabschiedet hatten und in Richtung des Klassenzimmers für Verteidigung gegen die dunklen Künste davon eilten. Sie waren spät dran, sehr spät sogar.

„Minerva, so warte doch“, hörte Harry plötzlich eine sanfte, rauchige Stimme, als sie ihr Ziel fast erreicht hatten. Er blieb reflexartig stehen, so dass Ron in ihn hineinrannte und sie beide ein Stück nach vorne taumelten.

„Harry, was…?“

„Pst“, zischte Harry und lauschte weiter den beiden näher kommenden Personen.

„Ich habe keine Zeit für ihre Weissagungen, Sibyll“, erwiderte Professor McGonagall ungeduldig.

„Aber so glauben Sie mir doch. Mein Horizont war erweitert, so dass mein inneres Auge über den schnöden Alttag hinaus blicken konnte, und da habe ich es direkt vor mir gesehen und auch gehört. Die Abbotts sind in großer Gefahr. ‚Du weißt schon wer’ will…“

„Nun ist es aber genug, Sibyll. Kein Mensch hier will ihre erfundenen Horrorszenarien hören.“ Professor McGonagall kam um die Ecke. Ihr direkt auf den Fersen die magere Wahrsagelehrerin Sibyll Trelawney, deren schleierartiger, glitzernder Schal hinter ihr her wehte.

„Was machen Sie denn noch hier?“ Die Stirn der Schulleiterin zog sich bei Harrys und Rons Anblick missmutig zusammen. „Nun aber ab in ihren Klassenraum! Der Unterricht hat bereits begonnen!“

„Meinst du, das war eine richtige Prophezeiung?“, wollte Ron aufgeregt wissen, als sie, Professor McGonagalls Aufforderung befolgend, die letzten Meter zum Unterrichtszimmer zurücklegten.

„Wohl kaum, sonst könnte sie sich ja wohl nicht daran erinnern“, erwiderte Harry beruhigend. Aber er konnte sich nicht helfen… irgendwie hatte er ein merkwürdiges Gefühl, wenn er an Professor Trelawneys Worte dachte.

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »Plumbum« (25. August 2010, 23:41)


Sluggy

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40

Dienstag, 16. Oktober 2007, 16:54

Hallo Plumbum,

ein neues Kapitel, sehr schön. Ich bin neugierig, ob Harry die Bücher seiner Mutter irgendwann noch lesen kann. :)

Dann hoffe ich, dass sich Harry und Hermine wieder vertragen ...

Und folgenden Satz hab ich dreimal gelesen, bis ich dahinter kam, dass du nicht etwa von Mehl redest, sondern wohl das Wort 'allmählich' meinst. ;)

Zitat

Einmehlig begann Harry Hermines schlecht Laune und ihre Verbohrtheit bezüglich ihrer Hauselfen-Befreiungsfront zu nerven.


Ansonsten wirklich alles recht stimmig beschrieben...

Grüße von Sluggy
:D 8) --knuddel--