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Plumbum

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Montag, 3. September 2007, 19:48

Harry Potter und der schlafende Drache ( HP 7 )

Autorin: Plumbum (Rina)

Charaktere: Harry, Ron, Hermine

Genre: Abenteuer, Humor, Drama

Grundlage: Band 1-6

Warnings: Um es mit JKRs Worten zu sagen: Es wird noch mehr Tote geben.

Altersfreigabe: Ab 12

Status: Abgeschlossen

Länge: ca. 120.000 Wörter

Inhaltsangabe:
In einer Zeit, in der Voldemorts Todesser unter den Zauberen Angst und Schrecken verbreiten, liegt es ganz allein in den Händen von Harry Potter, das Schicksal der Zauberwelt noch einmal zum Guten zu wenden. In der Absicht nicht wieder nach Hogwarts zurückzukehren, verließ er einst die Schule, doch bringen ihn unerwartete Ereignisse wieder dorthin zurück. An Dumbledores letzter Wirkungsstätte beginnt Harry seine Suche nach den Horkruxen. Nicht wissend, welch unerwartenden Hilfen, aber auch schwere Verluste ihm und seinen Freunden noch bevorstehen...

Kapitel:
Kapitel 1: Zwei Treffen
Kapitel 2: Abschied von den Dursleys
Kapitel 3: Von Freunden und Feinden
Kapitel 4: Im Apparationstestzentrum
Kapitel 5: Tante Meda
Kapitel 6: Rückkehr nach Hogwarts
Kapitel 7: Familie, Freunde und andere Verrückte
Kapitel 8: Winkys großer Wurf
Kapitel 9: Sieben Seelenstücke und ein Unverzeihlicher Fluch
Kapitel 10: Stille Nacht
Kapitel 11: Scheidewege
Kapitel 12: Das Veritaserumverfahren
Kapitel 13: Auf der Suche
Kapitel 14: Der Stammbaum der Blacks
Kapitel 15: Annagret und Aberforth
Kapitel 16: Die Rückkehr des Prinzen
Kapitel 17: Im Auge des Phönix’
Kapitel 18: Verräter unter sich
Kapitel 19: Das was bleibt…
Kapitel 20: Mut zur Feigheit
Kapitel 21: Die Legende vom schlafenden Drachen
Kapitel 22: Der letzte Kampf
Epilog: Ein neuer Anfang…

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

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Plumbum

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Montag, 3. September 2007, 19:51

Kapitel 1: Zwei Treffen

Stille. Eine kalte Stille. Eine dunkle Stille. Eine tote Stille. Fast schien es als hätte der immer dicker werdende Nebel jedes Geräusch, jedes noch so kleine Anzeichen von Leben vom Erdboden verschluckt und Berge und Täler zur ewigen Einsamkeit verdammt. Doch der Schein trog…

Ein lauter Knall zerriss plötzlich die Luft und keine Sekunde später stand eine dunkle hoch gewachsene Gestalt dort, wo kurz zuvor nur Nebel und unbewegte Bäume gewesen waren. Kurz sah sie sich um und zog dann ihren Zauberstab, als ein Mann mit furchtbar entstelltem Gesicht aus dem Schatten der Bäume trat.

„Du bist spät“, sagte der Mann und senkte seinen Zauberstab.

„Genauso wie du“, erwiderte der Angesprochene und ging in Richtung eines großen Gebäudes, welches verschwommen in der Ferne sichtbar war. Der andere Mann folgte ihm. Eine Zeit lang schritten sie schweigend nebeneinander her. Das einzige Geräusch, das man hören konnte, war das Knirschen des Kieses, als die beiden den Weg zum Tor des Schlosses hochgingen. Am Schlosstor angekommen klopfte einer der Männer siebenmal gegen die hölzerne Tür.

„Wer ist da?“, fragte eine hohe Stimme im Innern des Gebäudes.

„Kingsley Shacklebolt und Bill Weasley“, antwortete Kingsleys tiefe Stimme.

Es verging ein kurzer Moment, dann wurde das Tor von innen geöffnet. Die beiden Männer traten ein, blickten sich prüfend um und wollten gerade weitergehen, als der Hauself, der ihnen das Tor geöffnet hatte, sie aufhielt: „Einen Moment bitte, Merlo muss erst Ihre Identität überprüfen.“

Er nahm einen kurzen, knochigen Ast vom Tisch, der sich direkt neben der Tür befand, ging zu Kingsley hinüber und führte den Ast an dessen Körper einmal auf und ab. Dann wartete er und blickte prüfend auf den knorrigen Stab. Bill gähnte währenddessen und streckte sich. „Geht das nicht schneller?“, fragte er Kingsley ungeduldig, der allerdings den Kopf schüttelte.

„Identitätsmesser brauchen nun einmal ihre Zeit. Was meinst du, was jeden Tag bei uns im Ministerium los ist, seit diese Messgeräte eingeführt worden sind? Jeder beschwert sich darüber, eine halbe bis dreiviertel Stunde früher zur Arbeit kommen zu müssen, weil die Kontrollen so lange dauern. Aber Scrimgeour meint, er hätte lieber unzufriedene Ministeriumsmitarbeiter als Todesser im Ministerium.“

Kingsley sah abschätzend auf den Identitätsmesser, der nun anfing zu pulsieren und dann kurz weiß aufleuchtete. Der Elf nickte ihm daraufhin zustimmend zu, nahm den Stab erneut und führte ihn an Bills Körper entlang.

„Ich kann die Ministeriumsmitarbeiter verstehen, diese ganze Aktion ist doch sehr umständlich. Vor allem… wenn ich ein Todesser wäre, hätte ich während meiner Prüfungsdauer schon das halbe Ministerium töten können.“ Bill gähnte erneut.

„Einer gegen hundert hat nicht unbedingt gute Chancen. Zudem sind die meisten mächtigeren Zauberer aus Voldemorts innerem Zirkel dem Ministerium bekannt. Scrimgeour geht es vor allem darum, dass das Ministerium nicht durch unter dem Imperius-Fluch stehende Mitarbeiter unterwandert werden kann und das ist ihm dieser Aufwand alle mal wert.“

Abermals leuchtete der Ast weiß auf. Nach einem kurzen prüfenden Blick des Hauselfen, der eine Weile auf Bills vernarbtem Gesicht - bei dem ein gutes Stück Haut herausgerissen war - und seinem Schlangenzahnohrring verweilte, nickte dieser ihnen zu. „Professor McGonagall erwartet Sie bereits.“

Kingsley und Bill setzten daraufhin ihren Weg fort und gingen schweigend mehrere Treppen hinauf, die nach Belieben ihre Richtung wechselten, und vorbei an Bildern, die bei ihrer beider Anblick anfingen zu tuscheln. Eine Zeit lang hatten die beiden Männer das Gefühl, als würden sie von einer Rüstung verfolgt werden. Diese änderte allerdings drei Korridore später ihre Richtung und ließ die zwei in Ruhe. Kurze Zeit später erreichten sie ihr Ziel - einen Wasserspeier.

„Der Junge, der lebt“, sagte Bill zum Wasserspeier und als hätte dieser nur auf diese Worte gewartet, sprang er zur Seite.

Sie stiegen die vom Wasserspeier bewachte Wendeltreppe empor und klopften an die Tür, die sich an deren Ende befand.

„Ja, bitte“, antworte eine strenge Frauenstimme, woraufhin die zwei Männer ein rundes Turmzimmer betraten, in dem sich bereits ein gutes Dutzend Leute befand.

Einige von ihnen saßen auf Stühlen, andere auf einem in grünem und rotem Schottenmuster gehaltenen Sofa. Ein älterer Mann, dessen Gesicht beinahe so schlimm zugerichtet war wie Bills, stand als Einziger allein an einer Wand gelehnt.

„Bill, Kingsley. Gut, dass ihr da seid. Dann können wir ja nun endlich anfangen“, begrüßte eine Hexe mit streng zurück gebundenem Haar und quadratisch geformten Brillengläsern die beiden Männer. Sie saß hinter einem großen Schreibtisch, auf dem ein Schild mit der Inschrift Prof. M. McGonagall; Schulleiterin der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei stand.

„Endschuldige, Minerva. Aber ich hatte noch eine Lagebesprechung mit Scrimgeour im Ministerium, die etwas länger gedauert hat. Und Bill hat draußen auf mich gewartet“, erklärte Kingsley, bevor er sich auf einen leeren Stuhl setzte, welcher neben einer pinkhaarigen Frau stand, die die Hand eines erschöpft wirkenden Mannes hielt.

„Bill, Kind, musstest du uns einen solchen Schrecken einjagen? Wir dachten schon, dir wäre etwas passiert! Du weißt, dein Werwolfbiss liegt doch erst einige Wochen zurück!“ Eine besorgt aussehende, etwas mollige, rothaarige Frau war aufgestanden und zog nun ihren Sohn auf das rot-grüne Sofa, sodass dieser zwischen ihr und ihrem ebenso rothaarigen Mann zum Sitzen kam.

„Oh ja, Bill. Wie konntest du es nur wagen, Mum so einen Schrecken einzujagen, indem du einfach ihren Rockzipfel losgelassen hast?“, fingen Bills jüngere Zwillingsbrüder Fred und George an zu spotten.

Sie wurden dabei allerdings von Alastor „Mad-Eye“ Moody unterbrochen: „Fred, George, jetzt hört schon endlich auf, wir haben wichtigere Dinge zu besprechen. Dinge, die über Leben und Tod der ganzen Zauberergemeinschaft entscheiden können!“

„Nun übertreib’ mal nicht, Mad-Eye“, wurde Moody unvermittelt von der pinkhaarigen Tonks unterbrochen.

„Was heißt hier übertreiben, Tonks? Wenn Harry wirklich der Auserwählte ist, dann müssen wir alles tun, um ihn zu beschützen!“

„Du glaubst doch nicht das Zeug, dass im Tagespropheten steht, oder Mad-Eye?“, mischte sich nun auch der vierte anwesende Weasley-Bruder Charlie ein.

„Ob nun auserwählt oder nicht, wir müssen den Jungen sicher nach Hogwarts bringen“, sagte McGonagall entschieden. „Das ist doch der eigentliche Grund für unser heutiges Treffen. Alastor, würdest du dich bitte hinsetzen? Dein permanentes Herumlaufen macht mich ganz verrückt. Alastor, was machst du da?“

Alle Blicke lagen nun auf Moody, der mit seinem Zauberstab die Wand abfuhr. „Bist du sicher, dass dieser Raum auch abhörsicher ist? Es geht hier um Leben und Tod der…“

„Alastor, also wirklich! Warst du nicht derjenige, der Dumbledores ehemaliges Büro als unser neues Hauptquartier vorgeschlagen hat, nachdem wir Grimmauldplatz Nummer 12 nach Snapes Verrat nicht mehr verwenden können?“

Moody jedoch schüttelte über Lupins Unterbrechung nur den Kopf. „Das bedeutet aber nicht, dass wir alle Vorsicht außer Acht lassen können. Wir müssen immer wachsam sein! Immer wachsam!“

„Schon gut, Alastor. Der Raum ist mit extra Sprüchen mehrfach gesichert worden. Und auch das Betreten des Schlosses ist aufgrund unserer neuen Sicherheitsmaßnahmen ohne meine Erlaubnis nahezu unmöglich“, beruhigte McGonagall Moody, der sich nach kurzem Gebrummel zwischen Charlie und Lupin auf einen Stuhl fallen ließ.

„Nun“, räusperte sich Lupin, „dann fangen wir mal an. Die momentane Lage sieht wie folgt aus: Der Schutzzauber, den Dumbledore über das von Harrys Verwandten bewohnte Haus gelegt hat, hält nur noch bis zu Harrys 17. Geburtstag. Das bedeutet für uns, wir müssen den Jungen noch vor diesem Tag an einen neuen sicheren Ort bringen. Das Problem dabei ist allerdings, dass Voldemorts Todesser bereits seit geraumer Zeit Little Whinging beobachten. Hat irgendjemand einen Vorschlag, wie wir Harry dort herausholen können?“

Schweigend sahen sich die Mitglieder des Phönixordens an. Es war die erste große Entscheidung, die sie ohne Dumbledore zu treffen hatten. Dumbledore, der größte Zauberer aller Zeiten und Anführer des Phönixordens, getötet von einem ihrer eigenen Mitglieder, konnte ihnen zum ersten Mal nicht mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Oder doch?

„Warum fragen wir nicht einfach Dumbledores Portrait?“, unterbrach Tonks das Schweigen leise.

Die anderen nickten zustimmend. Warum waren sie nicht schon vorher auf diese Idee gekommen?

„Dumbledore, Dumbledore“, sprach McGonagall das Portrait eines alten, schlafenden Zauberers mit langem weißem Bart an. Der Angesprochene öffnete seine blauen Augen und sah sie mit warmem Blick über seine halbmondförmigen Brillengläser hinweg an. „Wir brauchen deine Hilfe, Dumbledore.“

„Aber natürlich, Minerva, wie kann ich für dich tun?“, antwortete der Zauberer freundlich.

„Wir brauchen deinen Rat. Wie können wir Harry aus dem Haus seiner Verwandten an einen sicheren Ort bringen?“

„Es tut mir sehr Leid, Minerva. Ich kann zwar zwischen meinen Portraits wandern und somit Botengänge verrichten; ich habe auch den Charakter des Menschen Dumbledores, aber ich selbst bin kein Mensch. Ich bin nur ein Portrait und kann euch daher keine neuen Ratschläge geben. Ich bedaure, dass ich den ersten Auftrag, den du mir als Schulleiterin gibst, nicht erfüllen kann, Minerva.“

Erneutes Schweigen trat daraufhin ein, dann hörte man ein leises Schluchzen von Tonks.
„Dann hat Dumbledore die Schule wirklich endgültig verlassen. Ich dachte immer, dass er dem Orden aufgrund seines Portraits noch weiterhin helfen kann.“

Keiner der Anwesenden antwortete. Es schien allen so, als wäre die Temperatur im Zimmer schlagartig auf Null gesunken, als ihnen die Tragweite von Dumbledores Verlust erneut vor Augen geführt wurde.

Plötzlich erhellte eine helle Flamme den Raum und ein rotgoldener Phönix erschien aus dem Nichts im Büro der Schulleiterin. Er setzte sich kurz auf Tonks Schulter, bevor er sich auf seiner Stange niederließ.

„Fawkes“, flüsterte Tonks leise und ein leichtes Lächeln huschte über ihr tränennasses Gesicht.

Remus wischte mit seiner Hand zärtlich die restlichen Tränen von ihrem Gesicht und sagte dabei leise: „ Siehst du, Nymphadora. Dumbledore mag zwar tot sein, aber in Wahrheit wird er uns niemals verlassen. Es ist hart, ihn nicht mehr direkt sehen zu können, aber er lebt dennoch in uns allen weiter. In unseren Träumen und Hoffnungen und Zielen. Warum sollte Fawkes sonst zu uns zurückgekommen sein?“

„Hört, hört“, sagten die beiden Zwillinge grinsend.

„Also dann. Wie wäre es, wenn wir Harry einfach mit einem Portschlüssel von den Dursleys wegbringen?“

„Das funktioniert nicht, Remus“, entgegnete Kingsley, „Portschlüssel sowie auch Flohpulver sind als ‚Magie unterstützende Mittel’ zu leicht manipulierbar und können zudem zurückverfolgt werden. Das Ministerium hat sogar Geräte, um deren ‚magische Fährte‘ zu messen. Und wir sollten davon ausgehen, dass was immer das Ministerium kann, Voldemort auch beherrscht.“

„Und was ist mit apparieren?“, fragte Fred.

„Fred. Harry ist noch nicht volljährig. Also kann er nicht apparieren!“, wandte Molly Weasley scharf ein.

„Er hatte aber schon die nötigen Übungsstunden. Er beherrscht also im Prinzip die Technik.“

„Remus, nicht du jetzt auch noch! Harry ist noch ein Kind! Er hat keine Lizenz! Es ist illegal und Harry stand schon einmal wegen Überschreitung des ‚Gesetzes zur vernunftgemäßen Einschränkung der Zauberei Minderjähriger’ vor Gericht“, zischte Mrs. Weasley.

„Kingsley, könntest du eventuell eine Sondererlaubnis vom Ministerium erlangen?“

„Ich kann versuchen, mit Scrimgeour zu reden, Remus. Allerdings wird dieser vermutlich nur dann zustimmen, wenn Harry sich dem Ministerium gegenüber auch etwas erkenntlich zeigt. Und ihr wisst, was ich damit meine.“

„Der Junge wird dem niemals zustimmen, Kingsley“, mischte sich nun auch Moody ein. „Aber ihr habt anscheinend die leichteste Lösung vergessen.“

Die Ordensmitglieder sahen Moody gespannt an. Dieser nahm unterdessen seelenruhig sein falsches Auge ab und legte es zur Reinigung in Remus’ Wasserglas.

„Das ist widerlich, Mad-Eye“, schrie Tonks, woraufhin Moody sein Auge aus dem Glas nahm, es kurz mit einem Wink seines Zauberstabes trocknete und dann wieder einsetzte. Seinem Auge schien diese Reinigung gefallen zu haben, denn es begann sich wie verrückt in Moodys Kopf zu drehen.

„Alastor, würdest du uns jetzt bitte nicht weiter auf die Folter spannen und uns auch an deinem brillanten Plan teilhaben lassen?“, sagte Professor McGonagall in einem scharfen Ton.

„Harry ist ein Zauberer, wir sind Zauberer. Was sollte uns daran hindern, ihn einfach durch Seite-an-Seite-Apparation an einen sicheren Ort zu bringen?“

Tonks klatschte sich mit der Hand gegen die Stirn. „Das ist genial, Mad-Eye. So einfach und doch so genial.“

„Dann bleibt nur noch die Frage, wohin bringen wir Harry? Der Fuchsbau, so Leid es mir auch tut, Molly und Arthur, wäre einfach zu offensichtlich und daher das erste Ziel der Todesser“, sprach McGonagall das nächste Problem an.

„Warum schicken wir ihn nicht einfach zum Grimmauldplatz? Ein Schutzzauber bleibt auch nach dem Tod des Geheimniswahrers weiter bestehen. Und da auch die Weasleys im Fuchsbau, besonders weil dieser Harrys wahrscheinlichster Aufenthaltsort ist, nicht mehr sicher sind, könnten sie auch dort mit einziehen.“

„Du vergisst dabei allerdings etwas, Remus“, erwiderte Bill. „Was ist mit Snape?“

„Was ist einer im Vergleich zu zehn? Wir dürfen Harry nur nicht alleine lassen.“

„Remus, wir reden hier von Snape. Dem Mann, der Dumbledore getötet hat. Selbst wenn wir Wachen aufstellen, wäre es zu gefährlich. Vor allem für Harry“, wandte Fred ein.

Alle starrten ihn überrascht an. Selbst sein eigener Zwillingsbruder George konnte nicht glauben, was er soeben gehört hat.

„George, Liebling. Geht es dir gut?“, fragte Mrs. Weasley verunsichert.

„Ich bin Fred.“

„Oh, entschuldige, ich bin nur etwas… nun ja… etwas überrascht“, sagte Mrs. Weasley.

Währenddessen war Mr. Weasley aufgesprungen und hielt seinen Zauberstab auf seinen vermeintlichen Sohn gerichtet: „Wer bist du und was hast du mit meinem Sohn gemacht?“

Fred sah seinen Vater entnervt an: „ Ich bin dein Sohn Fred! Erinnerst du dich noch an die Identitätsprüfung vor gut einer Stunde? Also wirklich, und du nennst dich mein Vater! Nur weil ich ein Mal etwas Ernstzunehmendes sage, unterstellt man mir gleich, ich wäre verhext worden.“

Mr. Weasley senkte seinen Zauberstab, starrte seinen Sohn jedoch, wie auch alle anderen, weiterhin fassungslos an.

„Ihr kennt doch Harrys Angewohnheit, Alleingänge zu unternehmen. Prinzipiell ja keine schlechte Sache.“ Mrs. Weasley atmete bei diesen Worten erleichtert auf, während ihr Sohn fortfuhr: „ Aber es geht hier immerhin um Harrys Leben. Und solange Snape Zugang zum Grimmauldplatz hat, ist Harry dort alles andere als sicher.“

Die anderen überlegten. Ihnen allen war klar, dass Remus’ Idee nicht unbedingt die optimale Sicherheit für Harry garantierte. Aber was waren die Alternativen?

„Wir könnten den Fuchsbau durch einen Fideliuszauber schützen lassen“, schlug Molly vor.

„Sehr gut, aber ihr solltet jemanden der hier Anwesenden als Geheimniswahrer wählen“, stimmte Moody zu. „Und es darf niemand aus eurer Familie sein, denn dann funktioniert der Zauber nicht. Das begrenzt die Anzahl der möglichen Geheimniswahrer auf Minerva, Kingsley, Remus, Tonks und mich.“

Molly und Arthur berieten sich leise. Ihnen war klar, dass Moody und Kingsley die stärksten Zauberer unter ihnen waren. Allerdings befanden sie sich als Auroren ebenso wie Tonks immer in der unmittelbaren Gefahr, von Todessern gefangen genommen zu werden. Es blieben daher nur noch Minerva und Remus zur Auswahl. Aber konnte man Remus als Werwolf vertrauen?

„Wenn ihr wollt, werde ich euer Geheimniswahrer sein“, bot Minerva in diesem Augenblick an.

Moody, der wohl mit diesem Angebot gerechnet hatte, nickte zustimmend mit dem Kopf und murmelte so leise, dass es keiner hörte: „Das wäre auch die beste Wahl.“

„Wenn es den anderen und vor allem dir, Arthur, nichts ausmacht“, sagte Molly Weasley in die Runde, „dann würde ich sehr gerne das Angebot von Minerva annehmen.“

Die meisten Ordensmitglieder stimmten mit Mollys Wahl überein. Nur Tonks sah nicht sehr glücklich aus und drückte Remus’ Hand etwas fester.

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

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Montag, 3. September 2007, 19:53

„Dann wäre ja nun alles geklärt. Oder?“, erkundigte sich Moody. Er erntete allerdings nur Schweigen. „Wir holen Harry am Abend vor seinem 17. Geburtstag um acht Uhr bei seinen Verwandten ab. Minerva, du eulst dem Jungen, und teilst ihm mit, wann wir kommen werden. Da Tonks diesen Abend Dienst hat und Bill noch zu geschwächt ist von seinem Werwolfbiss - nein, Junge, versuch das jetzt nicht herunterzuspielen - werden Kingsley, Arthur, Fred, George und ich den Jungen von zu Hause abholen. Charlie, Molly und Remus, ihr erwartet uns dann im Fuchsbau. Gibt es noch weitere Fragen? ... Keine? … Gut.“

Man hörte das Kratzen von Stühlen, als sich die Ordensmitglieder erhoben und den Raum verließen. Nur Tonks blieb eine Weile bei Fawkes stehen und streichelte dem Phönix gedankenverloren über den Kopf. „Armer Fawkes. Du fragst dich sicher auch, warum Dumbledore sterben musste und warum ausgerechnet Snape ihn ermordet hat. Snape, den er mehr als allen anderen vertraut hatte. Snape, dieser elende Verräter!“

Tonks ballte wütend die Faust und ging zur Tür, wo Remus auf sie wartete. Er nahm ihre Hand und zusammen verließen die beiden als letztes den Raum.

Die Tür fiel ins Schloss. Nur Fawkes saß noch auf seiner Stange. Dann jedoch breitete er die Flügel aus und flog auf das geschlossene Fenster zu. Ein kurzer Lichtblitz und zurück blieb das verlassene Büro der neuen Schulleiterin von Hogwarts. Dumbledore lutschte nachdenklich an seinem Zitronendrop, während einige der Portraits der ehemaligen Schulleiter langsam ihre Augen schlossen und einschliefen. Nicht wissend, dass knapp hundert Kilometer von ihnen entfernt ein weiterer Lichtblitz einen nur mit einer Kerze beleuchten Raum erhellte. Nicht wissend, dass der Phönix sich dort auf den Rand eines Wasserbeckens sinken ließ. Nicht wissend, dass eine einzelne Träne von den Augen des Phönix in das Becken tropfte.

Der Phönix weinte.

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Zur selben Zeit, viele Meilen von Hogwarts entfernt und unbemerkt vom Orden des Phönix’, fand eine weitere Versammlung statt. Oder sie sollte es zumindest…

„Wurmschwanz?“, hallte eine hohe, kühle Stimme von den kalten Steinwänden einer durch Fackeln hell erleuchteten Höhle wider.

„Sie sind noch nicht zu sehen, Herr. Aber es ist heute auch sehr neblig draußen. Vielleicht haben sie sich verflogen“, antwortete ein kleiner, unscheinbarer Mann, dessen eingesunkene Gestalt an der Höhlenöffnung Ausschau hielt.

„Du solltest nicht von dir auf andere schließen“, sagte die befehlsgewohnte Stimme fast sanft.

„Aber Herr, ich…“

„Still, Wurmschwanz. Hörst du das etwa nicht“, unterbrach ihn der Mann.

Er hatte Recht. Man hörte ein Surren in der Luft, welches immer lauter wurde. Es war das surrende Geräusch von fliegenden Besen. Plötzlich tauchte aus dem Nebel eine, dann zwei Gestalten in der Dunkelheit auf. Aber sie waren nicht alleine. Immer mehr Figuren durchbrachen die Nebelbänke und näherten sich der Höhle. Sie flogen direkt auf die Höhlenöffnung zu.

Wurmschwanz wich einige Schritte zurück, stolperte und fiel unsanft auf den kalten Steinboden. Keine Sekunde später zischten die vermummten Figuren an ihm vorbei und landeten in der Mitte der Höhle. Wurmschwanz rappelte sich mühsam auf, zog mit seiner rechten, silbrig schimmernden Hand seinen Zauberstab und säuberte seinen Umhang. Dann trat er zu den Ankömmlingen.

Auch sein Herr hatte sich von seinem thronartigen, steinernen Platz erhoben. Er war groß und schlank. Sein Gesicht war fast weiß, hatte eine reptilienähnlich Form und rote Augen.

„Nun meine Todesser. Wie ich sehe, wart ihr erfolgreich?“

Es war weniger eine Frage als vielmehr eine Feststellung Lord Voldemorts, sodass keiner zu antworten wagte.

„Endlich sind wir alle wieder vereint. Beinahe sechzehn Jahren mussten wir auf diesen Moment warten, aber nun ist er gekommen. Wir stehen am Ziel unserer langen Reise. Einige von euch haben schwere Zeiten hinter sich. Nach Askaban wurdet ihr verbannt. Verbannt aufgrund eurer Treue zu mir. Für dieses Opfer, seid versichert, werdet ihr belohnt werden. Andere von euch mussten über Jahre hinweg ihr wahres Gesicht gegenüber der Öffentlichkeit verbergen, mussten ihre Treue mir gegenüber verleugnen. Aber ich habe euch in meinem unendlichen Großmut vergeben, als ich vor zwei Jahren wiederkehrte. Ich habe euch geglaubt, dass das Gesicht, welches ihr 14 Jahre der Zauberwelt gezeigt habt, eure wahre Maske war. Aber nun ist die Zeit für Verkleidung und Verleumdung vorbei. Die Zeit für Masken ist vorbei. Nehmt eure Masken ab! Zeigt euer Gesicht der Welt und unseren Feinden!“

Die Todesser zögerten kurz, dann nahm einer nach dem anderen seine Maske ab und ließ sie auf den Boden fallen. Danach sahen sie wieder zu ihrem Lord. Viele Gesichter von ihnen waren gezeichnet von der langen Zeit, die sie in Askaban verbracht hatten. Sie zeigten Erschöpfung und Leid.

„Es gibt nichts mehr, was wir jetzt noch zu fürchten haben! Keiner, der es jetzt noch wagen würde, sich mir, Lord Voldemort, in den Weg zu stellen. Nach Dumbledores Tod…“

Ein Raunen ging durch die Reihen der Todesser.

„Diese Nachricht scheint noch nicht bis nach Askaban durchgedrungen zu sein. Aber es ist wahr, meine Todesser. Dumbledore ist tot! Getötet von einem aus unseren Reihen. Getötet von Severus Snape.“

Der Dunkle Lord wurde abermals von Getuschel unterbrochen.

„Dumbledore tot...?“

„Snape hat ihn getötet. Ausgerechnet Snape…“

„Und das nach all den Jahren…“

„Eine sehr noble Tat, nicht war, meine Todesser? Und nun ist es an der Zeit weitere noble Taten dieser folgen zu lassen. Es ist an der Zeit, unsere Gesellschaft von all denjenigen zu reinigen, durch deren Adern unsauberes Blut fließt. Schlammblüter, wertlose Mugglegeborene und Blutsverräter. Es ist an der Zeit, endlich den Platz einzunehmen, der uns zusteht. Ich, durch dessen Adern das Blut Salazar Slytherins fließt, und ihr, die ihr auf eine Jahrhunderte lange reinblütige Ahnenreihe zurückblicken könnt, werden die Zauberergemeinschaft zu neuem Glanz führen. Befreien wir die Welt von diesem Unrat, der unsere Magie stiehlt und unsere Gesellschaft unterwandert. Und fangen wir gleich heute Abend damit an. Nehmt eure Plätze ein! Severus zu meiner Rechten. Bellatrix zu meiner Linken, Pettigrew, hol unseren Gast!“

Voldemort schritt zurück zu seinem Thron und ließ sich in diesen sinken. Ein schwarz gekleideter Mann mit fettigen Haaren stellte sich rechts, eine große, dunkelhaarige Frau links neben den Thron. Dabei sah Belatrix aus, als hätte sie in eine Zitrone gebissen und warf Severus Snape einen wütenden Blick zu.

Die anderen Todesser bildeten einen Kreis. Neben Snape stand ein erschöpft wirkender Zauberer, dessen Haar ursprünglich mal blond gewesen sein musste, jetzt allerdings einen dreckigen und stumpfen Grauton angenommen hatte.

Als sich die über fünfzig Todesser gemäß ihrer Rangordnung aufgestellt hatten, blieben zwei Lücken frei. Die eine befand sich etwa ein Dutzend Todesser weiter zu Voldemorts linker Seite, die zweite diesem direkt gegenüber.

Es wurde still im Raum, als Pettigrew aus einem der vielen Tunnel kam. Vor ihm lief ein blonder, ungepflegter Junge im Teenageralter, dem er immer wieder seinen Zauberstab in den Rücken stieß. Der Junge sah sich ängstlich um, während er direkt in die Mitte der Todesser geführt wurde. Als sein Blick den des blonden Mannes zu Snapes Rechten traf, erstarrte er kurz, wurde jedoch sogleich von Wurmschwanz weiter gestoßen, bis er sich in der Mitte des Kreises befand. Dort blieb er mit gesenktem Kopf stehen und traute sich kaum zu atmen, während Pettigrew den noch freien Platz zu Voldemorts Linken einnahm.

„Draco Malfoy“, zischte Voldemorts Stimme kalt durch die Höhle. „Du hast meinen Auftrag nicht erfüllt. Allerdings hatte ich das auch nicht erwartet. Die Tatsache, dass du ihn überhaupt soweit vorangetrieben hast, ehrt dich.“

Der Junge atmete vorsichtig aus, zuckte dann aber zusammen, als Voldemort fortfuhr: „Dennoch hast du bei der vermeintlich leichtesten Aufgabe nachgelassen. Du hast Dumbledore nicht getötet. Einen entwaffneten, wehrlosen Dumbledore konntest du nicht umbringen. Warum nicht? Warum hast du ihn nicht einfach beseitigt? Sieh mich an, Junge, und antworte mir!“

Aber Draco antwortete nicht. Er fing stattdessen an zu zittern und konnte sich kaum noch auf den Beinen halten. Als er dann doch ängstlich seinen Blick hob, sah er nicht seinen Herrn, sondern den blonden Mann zu dessen Rechten an. Dessen Miene blieb jedoch so kalt und emotionslos wie die aller anderen Todesser. Der Junge starrte daraufhin wieder auf den Boden und schwieg.

Voldemort, der den Blick des Jungen bemerkt hatte, wandte sich nun an den blonden Mann: „Lucius, du hast Draco doch die Unverzeihlichen Flüche gelehrt, oder?“

„Ja, mein Lord“, erwiderte der blonde Mann tonlos.

„Auch den Avada Kedavra?“, hakte der Dunkle Lord nach.

„Ja.“

„Du hast ihm hoffentlich auch gesagt, dass diese Flüche absolute Mitleidslosigkeit erfordern?“

„Natürlich, mein Lord.“

„Dann frage ich mich eines, Lucius… Hat deine Erziehung versagt… oder dein Sohn?“

Der blonde Mann schwieg.

„Lucius, Lucius“, sagte der Dunkle Lord sanft. „Du hast mich im Ministerium enttäuscht, als du mir nicht die Prophezeiung gebracht hast. Willst du mich schon wieder enttäuschen, indem du mir nicht antwortest?“

Lucius sah den blonden Jungen, der immer noch zitternd und in Schweiß gebadet in der Mitte der Todesser stand, kurz an. Dann senkte er, wie dieser, seinen Kopf.

„Vielleicht solltest du deinem Sohn noch einmal einen Unverzeihlichen Fluch zeigen.“ Voldemorts Stimme klang gefährlich ruhig.

Dracos Vater sah seinen Herrn verwirrt an.

„Den Cruciatus-Fluch! Draco sollte zumindest ihn kennen lernen.“

Lucius schüttelte nicht verstehend seinen Kopf.

„Draco sollte ihn einmal am eigenen Körper erfahren. Vielleicht merkt er sich ihn ja dann“, erklärte Voldemort ihm, während seine Finger zärtlich über den Griff seines Zauberstabes streichelten. Als Malfoy jedoch immer noch nicht reagierte, hielt er innen und zischte mit kalter, hoher Stimme: „Belege Draco mit dem Cruciatus-Fluch, Lucius!“

Lucius zögerte kurz. Dann zog er umständlich seinen eigenen Zauberstab aus seinem Umhang. Die anderen Todesser sahen interessiert zu, als er ihn langsam auf Draco richtete. Dieser sah nur kurz auf, schloss dann die Augen und senkte schicksalsergeben seinen Kopf. Er zitterte.

Lucius trat vor. Sein Stab zielte immer noch direkt auf seinen schweißgebadeten Sohn und auch seine Hand fing nun an zu beben. Dann jedoch straffte er die Schultern und senkte den Stab.

„Draco“, sagte der Dunkle Lord leise und hob nun seinen eigenen Zauberstab.

Draco sah auf.

„Avada Kedavra.“

Ein grüner Lichtstrahl schoss durch die Höhle und traf direkt in die Brust von Voldemorts Opfer.

„DAD! DAD!“ Draco lief zu seinem Vater, der tot auf dem Boden zusammengebrochen lag. Lucius’ graue Augen waren weit geöffnet und starr. Als Draco sich jedoch neben ihn hinknien wollte, wurde er von jemandem zurückgerissen. Seine Augen begegneten kalten, fast schwarzen Augen. Severus Snape.

„Lass mich los! Lass mich sofort los!“ Draco schlug wie wild um sich. In seinen grauen Augen, die denen seines Vaters so ähnlich waren, standen Tränen. Aber er konnte sich nicht aus dem Griff des ehemaligen Zaubertrankprofessors befreien.

„Lerne. Oder du bist der Nächste“, raunte ihm dieser zu.

„Bellatrix“, wandte sich der Dunkle Lord an seine linke Nachbarin. „Sorge dafür, dass Draco die Unverzeihlichen Flüche lernt. Es wäre doch schade, wenn eine unserer ältesten reinblütigen Familien aussterben würde.“

„Gerne. Mein Lord“, erwiderte Bellatrix eifrig. Sie entzog Draco Snapes Griff, murmelte „Imperius“ und verließ, gefolgt von einem ihr willenlos hinterher trottenden Draco, die Versammlung.

Voldemort wandte sich unterdessen erneut seinen Gefolgsleuten zu: „Seit gewarnt, meine Todesser. Ich, Lord Voldemort, werde es nicht dulden, wenn jemand von euch etwas wichtiger findet als unsere Mission. Niemand betrügt mich… und niemand verweigert meine Befehle! Vergesst das nicht und nun geht!“

Zustimmendes Gemurmel der Todesser war zu hören, bevor mehrere laute Plop-Geräusche folgten. Die Höhle leerte sich zunehmend.

„Einen guten Rat, den du dem Jungen gegeben hast, Severus“, sagte Voldemort leise zu seiner rechten Hand.

„Wie Ihr schon sagtet, es wäre schade, wenn eine der ältesten Zauberfamilien aussterben würde“, erwiderte Snape emotionslos.

„Und erst recht, wenn ich dazu noch den Tod einer meiner fähigsten Todesser zu beklagen hätte“, fügte der Dunkle Lord hinzu.

Snape hob eine seiner Augenbrauen. „Bellatrix“, sagte er ruhig.

„Es war dumm von dir diesen Unbrechbaren Schwur zu leisten, Severus“, stellte Voldemort fest.

„Vielleicht, aber Dumbledore ist tot und Dracos Auftrag erfüllt, mein Lord.“

„Und du hast durch diese noble Tat deine Loyalität mir gegenüber vor allen anderen Todessern bewiesen. Ich will hoffen, dass du auch weiterhin so gute Arbeit leistest, um uns unserem Ziel näher zu bringen.“

„Natürlich! Was ist unser nächstes Ziel? Das Ministerium? Gringotts?“

„Aber nein, Severus. Zuerst einmal töte ich Harry Potter.“

Snape verzog bei der Erwähnung dieses Namens angewidert das Gesicht.

Ein nahezu wahnsinniger Glanz trat in die roten Augen des Dunklen Lords, als er weiter sprach. „Und dann kehre ich zu dem Ort zurück, der mir aufgrund meiner Vorfahren zusteht. Nicht Gringotts, nicht das Ministerium. Ich will Hogwarts!“

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Lislchen

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Dienstag, 4. September 2007, 16:02

Tolles Kapitel!! Klasse Schreibstil! Gefällt mir echt gut!

Am besten hat mir gefallen
  • dass Fred etwas Ernstzunehmendes sagte :D
  • dass es das Verb "eulen" gibt! *gg*
  • dass Fawkes trauert
  • und dass Lucius zögerte, was ihn dann das Leben kostete

Das Letzte gefällt mir deswegen so gut, weil ich jetzt hoffen kann, dass Draco Voldemort so sehr hasst, dass er Harry und Co. hilft !:)

Weiter so! Bin schon gespannt auf eine Fortsetzung!

Übrigens hab ich keine 100 Fehler gefunden! :D Aber George schreibt man so...

LG. =)
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Plumbum

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Dienstag, 4. September 2007, 17:21

@ Lislchen

Vielen, vielen Dank für deinen netten Review.

Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut.

Danke auch für deinen Hinweis zum Thema George. Ich hätte den Armen bestimmt bis ans Ende seiner Tage ohne "e" geschrieben.
Werde jetzt gleich mal seinem Namen im nächsten Kapitel verbessern.


Viele liebe Grüße und ein fettes :D

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Dienstag, 4. September 2007, 18:39

Kapitel 2: Abschied von den Dursleys

Harry Potter war aufgeregt. Er war so aufgeregt, dass er nicht einmal mehr still sitzen konnte. Nervös lief er in seinem Zimmer auf und ab. Er konnte regelrecht ein freudiges Kribbeln in der Magengegend spüren. Endlich war es soweit! Heute würde er noch ein letztes Mal mit Tante und Onkel zu Abend essen und sich dann verabschieden, um diesen Abschnitt seines Lebens für immer hinter sich zu lassen.

Er hatte seit nunmehr sechzehn Jahren bei ihnen und ihrem Sohn Dudley gelebt - seit dem Tag, als seine Eltern von Voldemort ermordet worden waren. Nur er, Harry, hatte überlebt und war zu Tante Petunia, der Schwester seiner Mutter, in Pflege gegeben worden oder zumindest das, was sie als Pflege bezeichnete.

Es war schon irgendwie komisch, wie schnell die Zeit im Nachhinein verflogen war. Hatte er sich nicht immer vorgestellt, wenn er damals im Schrank unter der Treppe gesessen hatte, wie es sein würde, die Dursleys endgültig verlassen zu können? Und er hatte bis zu seinem elften Lebensjahr sehr viel Zeit dort unten verbracht, meistens als Bestrafung für die merkwürdigen Dinge, die er, nicht wissend, dass er ein Zauberer war, angestellt hatte. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als er an die Boa Constrictor dachte, die er einmal aus Versehen bei einem Zoobesuch befreit hatte.

Immer noch lächelnd trat er an sein Fenster und öffnete es weit, um noch einmal kurz zu lüften. Als er sich vorlehnte, konnte er mehrere Löcher im Fensterrahmen erkennen. Diese Löcher hatte Onkel Vernon vor fünf Jahren gebohrt, um ihn durch ein Gitter daran zu hindern, nach Hogwarts zurückzukehren. Dieses war wieder als Bestrafung für Harry gedacht gewesen, der damals einen wichtigen Auftrag für Onkel Vernons Firma Grunnings vermasselt hatte. Und das, obwohl Harry damals unschuldig gewesen war. Aber natürlich glaubte ihm keiner, dass das Chaos von Dobby, dem Hauselfen, verursacht worden war. Merlin sei Dank war er aber bereits kurze Zeit später von Freunden aus seiner misslichen Lage befreit worden.

Während er sich aus den Fenster beugte, hörte er unten die laute aufdringliche Stimme seiner Tante: „Dieser Wagen ist das modernste Modell, das es zurzeit auf dem Markt gibt. Und es ist alles dabei, was man heutzutage benötigt: Schlafzimmer, Küche mit Essbereich, ein Badezimmer. Und selbstverständlich nicht nur eines mit Toilette sondern auch mit einer Duschvorrichtung.“

Harry wusste natürlich, worüber seine Tante sprach. Es handelte sich um den sündhaft teuren, nagelneuen Wohnwagen, welchen Onkel Vernon erst gestern nach langen Überlegungen und intensiven Studium diverser Prospekte gekauft hatte.

Harry beugte sich noch einige Zentimeter weiter vor und spähte auf die Straße. Da stand er: silber glänzend, frisch poliert und gut sichtbar für die Nachbarn in der Einfahrt des Ligusterwegs Nr. 4 geparkt. Und direkt davor standen die drei Dursleys. Erneut setzte seine Tante zum Sprechen an. Ihre Stimme war noch etwas lauter geworden, damit auch keiner der Nachbarn im Umkreis von 100 Metern ihre nächsten Worte überhören konnte: „Nach so einem erfolgreichen Jahr deiner Firma kannst du dir ruhig einmal etwas leisten, Vernon. Gott allein weiß, wie hart und lange du jeden Tag arbeitest.“

Genau, dachte sich Harry grinsend. Jeden Tag acht Stunden wie jeder andere Mensch auch.

„Papa ist ja auch eine Persönlichkeit, zu der alle seine Mitarbeiter aufschauen können. Wenn ich über meinen Helden schreiben müsste, würde ich Papa nehmen“, stimmte Dudley seiner Mutter zu. Harry schmunzelte über diese Worte. Hatte er so etwas ähnliches nicht schon mal gehört?

„Umso wichtiger ist es, dass du dir auch einmal etwa leistest, Vernon.“ Tante Petunias Stimme hatte mittlerweile die Lautstärke einer Feuerwehrsirene erreicht, als sie fortfuhr, abwechselnd den neuen Wohnwagen und Onkel Vernon zu bewundern.

Bevor ihm, ob dieses Lobgesanges schlecht werden konnte, zog sich Harry von seinem Platz am Fenster zurück und schloss es. Tante Petunias penetrante Stimme war dennoch weiterhin klar und deutlich zu verstehen, wenn nun auch etwas leiser.

Harry drehte sich vom Fenster weg und sah sich in seinem Zimmer um. Es war merkwürdig, es einmal in einem solch sauberen Zustand zu sehen. Gleich nachdem Harry Professor McGonagalls Brief bekommen hatte, hatte er begonnen seine Sachen zu zusammenzupacken.

Sein Schrankkoffer stand gepackt in der Ecke, daran lehnte seine Schultasche. Quer über dem Koffer lag ein Besen, auf den mit goldenen Lettern das Wort „Feuerblitz“ eingraviert worden war. Zudem stand ein Eulenkäfig, in dem sich Harrys wunderschöne weiße Schneeeule Hedwig befand, auf dem Koffer. Hedwig würdigte Harry jedoch keines Blickes. Sie war immer noch böse mit ihm, weil er sie einfach von hinten gepackt und in den Eulenkäfig gestopft hatte, wofür sie ihm zum Dank das ganzes Gesicht zerkratzt hatte. Dass er vorher versucht hatte, sie mit Eulenkeksen und gutem Zureden in den Käfig zu locken, sie sich aber geweigert hatte, schien sie dabei völlig vergessen zu haben.

Während er seinen Blick durch den Raum wandern ließ, bemerkte er die Zeitungen, die immer noch durcheinander auf seinen Schreibtisch verteilt lagen und sich von der Ordnung im Zimmer deutlich abhoben. Schnell trat er auf seinen Schreibtisch zu und fing an, die verschiedenen Ausgaben des Tagespropheten zusammenzulegen, wobei sein Blick hin und wieder auf einem der Artikel verweilte.

Große Feierlichkeiten zum Andenken Albus Dumbledores (von Druselda Dendela)
Überraschend und unerwartet traf die Zauberernation die Nachricht des gewaltsamen Todes Dumbledores durch die Hand des Todessers Severus Snape vor einigen Tagen (wir berichteten). Und während die Beerdigung dieses großen Zauberers in Anwesenheit seiner Schüler und vieler hochrangiger Ministeriumszauberer zelebriert wurde (näheres zu der Trauerfeier auf Seite 3), mochte sich so mancher Fragen, wie es nun weitergehen soll.
Albus Dumbledore war Zeit seines Lebens ein Symbol für den Zusammenhalt der Zauberer und den Widerstand gegen „Du weißt schon wen“ gewesen. Umso schmerzlicher ist sein Verlust daher gerade zu diesem Zeitpunkt, wo „Du weißt schon wer“ erneut seine Todesser um sich scharrt und so mächtig wie noch nie zuvor erscheint.
„Gibt es überhaupt noch Hoffnung für die Zauberergemeinschaft?“, mögen sich einige von Ihnen, werte Leser, fragen. Diese Frage zu beantworten ist schwierig. Allerdings richten immer mehr Hexen und Zauberer ihre Hoffnung auf Harry Potter oder den Auserwählten, wie er oftmals von seinen Anhängern genannt wird. Bereits ein Mal gelang es Harry „Du weißt schon wen“ zu besiegen (siehe S. 8 ). Man sollte jedoch bei allem Optimismus und Vertrauen in die Fähigkeiten des Jungen nicht vergessen, dass Harry Potter ein knapp 17-jähriger Junge ist, der noch immer zur Schule geht. Fraglich ist zudem, wer nach dem Tod von Harrys Mentor Dumbledore dessen Rolle in Harrys Leben übernehmen wird. Bislang sind mehrere Versuche des Ministeriums, Harry zur Kooperation zu bewegen, gescheitert. Wir können daher nur hoffen, dass der Junge weiß, was er tut…


Erneute Massenflucht aus Askaban (von Druselda Dandela)
Am vergangenen Freitagabend gelang es sämtlichen, teilweise erst kurze Zeit vorher inhaftierten, Todessern aus dem Zauberergefängnis Askaban zu entkommen. Wie genau diese Flucht möglich war, konnte bis dato noch nicht vollständig geklärt werden. Bekannt ist bis zum jetzigen Zeitpunkt, dass die Gefangenen ihre Bewacher nicht selbst überwältigt haben, sondern von rund 30 Todessern befreit worden sind.
„Sie kamen auf Besen und griffen uns plötzlich wie aus den Nichts heraus an. Wir hatten nicht damit gerechnet und keine Chance, uns zu verteidigen“, berichtete eine der wachhabenden Hexen, die mit zahlreichen tiefen Schnittwunden verhältnismäßig glimpflich davongekommen war. Weniger Glück hatten viele ihrer Kollegen.
„Das ganze Gefängnis gleicht einem riesigen Schlachtfeld. Unzählige Tote“, erklärte der leitende Auror der zuständigen Untersuchungskommission. „Das war nicht das Werk einiger unerfahrener Todesser, sondern das des inneren Zirkels von „Du weißt schon wem“…
Unterdessen sprach Zaubereiminister Rufus Scrimgeour den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und ermahnte die Bevölkerung zu höchster Wachsamkeit.
Er selbst hat bereits vor gut zwei Monaten neue Sicherheitsvorkehrung für das Ministerium getroffen. Identitätsmessung und Veritaserumverfahren wurden für alle Ministeriumsmitarbeiter angeordnet. Ohne Ausnahme. Es gelang somit, wie uns der Assistent des Ministers, Percival Weasley, ausführlich erläuterte, bereits zwei Todesser festzunehmen und 14 unter dem Imperius stehende Ministeriumsmitarbeiter von diesem zu befreien. Den 17 Toten und sieben verletzten Wachhexen und Zauberern konnten diese neuen Sicherheitsvorkehrungen allerdings nicht mehr helfen….
Unsere Gedanken sind bei all jenen, die in dieser Nacht Angehörige verloren haben und bei den vier Zauberern, die zurzeit im St. Mungos noch um ihr Leben kämpfen.

Todesser Lucius Malfoy tot aufgefunden (von Fleur Delacour )
Einen Tag nach der Massenflucht aus Askaban wurde gestern Nachmittag die Leiche des Todessers Lucius Malfoy in der Nähe von London von einem älteren Muggleehepaar gefunden. Malfoy galt beim Ministerium als ein Todesser erster Stunde und gehörte bekanntermaßen zum inneren Zirkel von „Du weißt schon wem“. Umso überraschender war daher sein Tod, kurz nachdem er aus dem Zauberergefängnis Askaban geflohen war. Eine natürliche Todesursache konnte bereits ausgeschlossen werden. „Alles deutet auf den Avada Kedavra hin“, wird im Ministerium hinter vorgehaltener Hand gemunkelt. Wer war es aber, der diesen treuen Anhänger des Dunklen Lords getötet hat? Ein Familienangehöriger eines malfoy’schen Opfers, ein Auror, der nicht erkannt werden möchte oder gar Harry Potter selbst? Fragen über Fragen, die wohl niemand beantworten kann außer der Täter selbst.
Und obwohl Lucius’ Tod von vielen Zauberern schon beinahe frenetisch gefeiert wird, warnt Zaubereiminister Scrimgeour vor dem Griff zum Zauberstab und dem Verwenden der Unverzeihlichen Flüche: „Es obliegt niemanden in dieser Gesellschaft, Selbstjustiz an irgendwelchen vermeintlichen Todesser zu üben! Ein Griff zum Zauberstab, verbunden mit einem Unverzeihlichen Fluch, kann Ihnen auch bei Berücksichtigung der momentanen Lage einen sehr unangenehmen Aufenthalt in Askaban einbringen. Wenn Sie jemanden verdächtigen, so melden Sie diesen unverzüglich dem Ministerium. Wir werden dann die nötigen Schritte einleiten...“


Erneute Massenflucht aus Askaban, viele Wächter dabei getötet, Malfoy von einem Unbekannten ermordet, scharfe Sicherheitsvorkehrung im Ministerium… gedankenverloren strich Harry die Zeitungen glatt, bevor er sie in seine Schultasche stopfte, wobei sie erneut zerknitterten.

So viel war in den letzten Wochen passiert. So viele Zauberer gestorben. Seit Dumbledores Tod schien das Ministerium nach und nach die Kontrolle zu verlieren und versuchte, dass nun durch irgendwelche Messungen und Verfahren zu kaschieren. Wie wichtig wäre ein Albus Dumbledore gerade jetzt? Mit Dumbledore an seiner Seite… Harry schluckte. Über Dumbledores Tod nachzudenken, war zu schmerzhaft.

Erneut ließ er seine grünen Augen durch sein Zimmer schweifen. Hedwig, die ihn bis eben beobachtet hatte, drehte, als sein Blick sie traf, ihren Kopf zur Seite. Sie war eindeutig beleidigt. Harry seufzte tief und kniete sich neben dem Eulenkäfig auf den Boden hin.

„Es tut mir leid, Hedwig, dass du fast die ganzen Ferien eingesperrt warst.“ Hedwig wich Harrys Augen weiterhin aus. „Ich kann doch auch nichts dafür, dass das Wetter in den letzten Wochen so verregnet war und Tante Petunia mag nun einmal keine nassen Eulen in ihrem Haus. Ich konnte dich also wirklich nicht rauslassen.“

Hedwig schaute einmal kurz zu Harry, blickte dann aber rasch wieder weg. „Ich weiß, dass du, wo heute endlich einmal die Sonne scheint, raus möchtest, aber wir werden heute Abend von hier abgeholt und ich möchte keine Zeit verlieren, indem ich dich erst suchen muss.“

Endlich sah Hedwig Harry ins Gesicht und legte ihren Kopf schief. „Ich verspreche dir auch, dass ich dich rauslasse, sobald wir dieses Haus verlassen haben.“ Die letzte Aussage schien die Schneeeule versöhnt zu haben. Sie fing leise an zu fiepen und ließ sich von Harry über den Kopf streicheln.

Wenn doch nur alle Gespräche ein so gutes Ende nehmen könnten, überlegte Harry. Schon als er Professor McGonagalls Brief erhalten hatte, wollte er mit den Dursleys über seinen Auszug aus dem Ligusterweg Nr. 4 sprechen. Aber irgendwie hatte sich ein solches Gespräch nicht so richtig ergeben. Da er aber heute Abend abgeholt werden würde, konnte er es nicht mehr länger vor sich herschieben. Mit einem mulmigen Gefühl machte er sich auf den Weg nach unten.

Er hatte gerade die Haustür erreicht und wollte den Dursleys beim Wohnwagen Gesellschaft leisten - vielleicht würde sein Abschied einen freundlicheren Anstrich bekommen, wenn er etwas Nettes über das Gefährt sagen würde - als er die Stimme seines Onkels aus dem Wohnzimmer hörte: „Verdammte Halsabschneider! Nächste Woche werde ich diese verdammte Versicherungspolice kündigen! Sieh dir das an, Petunia, sogar gegen Erdbeben ist unser Haus versichert. Erdbeben, hah, also wirklich.“

Harry zögerte kurz und legte sich in Gedanken die Worte zurecht, die er ihnen sagen wollte, bevor er an die Wohnzimmertür klopfte. „Tante Petunia, Onkel Vernon, kann ich euch kurz stören?“

Onkel Vernon grunzte. Harry nahm an, dass das ja bedeuten sollte und betrat das Zimmer.

„Was hast du denn schon wieder mit deinen Haaren gemacht, Bursche?“, fragte Onkel Vernon von seinem Sessel aus, gleich nachdem er das Zimmer betreten hatte.

„Warum?“, erkundigte sich Harry verwirrt. Er wollte doch nur kurz mit ihnen sprechen, um die ganze Sache so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Und das einzige, was seine Tante und seinen Onkel kümmerte, waren seine Haare.

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Dienstag, 4. September 2007, 18:42

„Du hast Federn in deinen Haaren. Überall“, grunzte Onkel Vernon missbilligend, woraufhin sich Harry mit den Fingern durchs sein schwarzes, unordentliches Haar fuhr.

„Nicht. Du verteilst die ganzen Federn auf dem Teppich“, kreischte Tante Petunia und bevor Harry sich versah, war sie an ihm vorbei geeilt.

„Aber ich wollte doch…“, begann Harry, als Tante Petunia erneut an ihm vorbeilief. Diesmal hielt sie einen Staubsauger in der Hand und fing an, den Teppich um ihn herum zu saugen. Harry stand einfach nur da. So hatte er sich dieses Gespräch wahrhaftig nicht vorgestellt, da sich nun auch Onkel Vernon wieder seinem heiß geliebten Wohnwagenprospekt zuwandte. Dann war es plötzlich still im Wohnzimmer. Tante Petunia hatte ihre Arbeit beendet.

„Ich…“, setzte Harry erneut an, unterbrach sich aber, als Tante Petunia abermals an ihm vorbei huschte, den Staubsauger mit festem Griff umklammert.

Toll, wirklich toll, dachte sich Harry, der Wut in sich hochsteigen fühlte. Da wollte er sich wenigsten beim letzten Mal zivilisiert von den Dursleys verabschieden und dann ließen sie ihn ein Mal mehr links liegen. Plötzlich wurde er angerempelt. Ohne von ihm bemerkt zu werden, war Tante Petunia zurückgekehrt. Sie zog aber diesmal nicht einen Staubsauger, sondern Harrys Cousin Dudley hinter sich her. Diesen hatte sie, wie Harry aufgrund der Schokoladenflecken in Dudleys Gesicht vermutete, gerade am Kühlschrank abgefangen.

Ohne Harry weiter zu beachten, zerrte sie Dudley neben sich auf das Sofa, holte ein Taschentuch hervor und fing an, dessen Gesicht von den Schokoladenflecken zu säubern.

„Hmmh…“ Harry räusperte sich, aber keiner seiner Verwandten reagierte.

„Ich…“, sagte Harry etwas lauter, allerdings ohne Erfolg, da Dudley sich gerade bei seiner Mutter beschwerte, weil diese ihm etwas zu heftig mit dem Taschentuch an seiner linken Wange gerieben hatte.

„VERDAMMT NOCH MAL, JETZT HÖRT MIR DOCH WENIGSTENS EIN MAL ZU!“, schrie Harry aufgebracht. Tante Petunia und Dudley sahen Harry geschockt an. Onkel Vernon glitt seine Zeitung aus den Fingern.

„ICH WOLLTE EUCH MITTEILEN, DASS ICH HEUTE ABEND VON FREUNDEN HIER ABGEHOLT WERDE UND NICHT MEHR HIERHER ZURÜCKKEHREN WERDE!“, erklärte Harry schnell und mit lauter Stimme. Die Dursleys blickten ihn schweigend an.

„Und ich wollte…“, begann Harry nun etwas leiser, unterbrach sich dann aber selbst. Ja, was wollte er eigentlich? Sich bei ihnen bedanken, dass sie ihn damals aufgenommen hatte? Darauf hätte er gut verzichten können. Sein Leben bei den Dursleys hatte ihn einen großen Teil seiner Kindheit vermiest. Sie hatten ihn zwar nicht hungern lassen - ausgenommen jene Ferien, in den Dudley und seinetwegen auch die ganze Familie eine Pampelmusendiät gemacht hatte - aber er war auch nie wie einer von ihnen behandelt worden. Er war nie wie ein wirkliches Familienmitglied behandelt worden. Nie geliebt, nie gewollt worden. War die ganze Szene eben nicht ein einziger Beweis für das Verhältnis zwischen den Dursleys und ihm?

„Vergesst es einfach“, knurrte Harry und ging nach oben auf sein Zimmer. Zurück blieben die geschockten Dursleys. Tante Petunia mit ihrem Taschentuch zwischen den Fingern, Dudley, auf dessen rot-weiß geflecktem Gesicht immer noch einige Schokoladenflecken zu sehen waren und Onkel Vernon, der eine imaginäre Zeitung zwischen den Händen zu halten schien.


Der Rest des Nachmittags verging schnell. Harry verbrachte seine verbleibende Zeit im Haus der Dursleys damit, unruhig in seinem Zimmer auf und abzugehen und Hedwig Eulenkekse zuzustecken. Als die Zeit zum Abendessen gekommen war, trug er sein Gepäck und Hedwig die Treppe hinunter und stellte sie in den Flur. Tante Petunia steckte, ob des Lärms, den er veranstaltete, kurz den Kopf aus der Küche und verzog dann missbilligend das Gesicht, als ihr Blick auf Hedwig fiel. Dann sagte sie an Harry gewandt: „Kämm dir dein Haar und wasch dir die Hände, wir essen in fünf Minuten.“

Harry ging noch einmal zurück in sein Zimmer, um zu überprüfen, ob er auch nichts vergessen hatte. Dann schlurfte er ins Badezimmer. Ein Blick in den Spiegel überzeugte ihn davon, dass er sich neben seinen Händen auch noch sein zerkratztes Gesicht waschen sollte. Danach versuchte er sich mit einem Kamm durch sein struppiges schwarzes Haar zu kämpfen. - Hoffnungslos.

Während er kurze Zeit später die Treppe hinunter stieg, spürte er, wie ein beinahe feierliches Gefühl von ihm Besitz ergriff. - Das letzte Mal.

Als Harry die Küche betrat, saßen seine Tante, sein Onkel und Dudley bereits am Tisch und aßen. Sie blickten nicht einmal auf, als er sich zu ihnen setzte. Es wurde das unangenehmste Essen, das Harry jemals bei den Dursleys erlebt hatte. Abgesehen von denjenigen, bei denen Tante Magda zu Besuch vorbeigekommen war. Keiner sprach auch nur ein Wort. Sogar Dudley hatte nicht seine üblichen Sonderwünsche wie mehr Soße, mehr Fleisch, noch mehr Fleisch…

Es war kurz vor acht, als es an der Tür der Dursleys läutete. Harry sprang von seinem Platz auf und öffnete die Haustür. Dort standen sie: Moody, der sein magisches blaues Auge erfolglos unter einer Melone zu verstecken versuchte, Kingsley, dessen große Gestalt in einem eleganten Anzug steckte und Fred und George, die Harry breit und fröhlich entgegengrinsten und feixend auf die Kratzspuren in seinem Gesicht deuteten. Im Hintergrund konnte er auch noch Mr. Weasley erkennen, der um den neuen Wohnwagen der Dursleys schlich.

„Harry, stell mir eine Frage, die nur ich beantworten kann“, sagte Mad-Eye Moody anstelle einer Begrüßung.

„Moody, ich weiß, dass du es bist, Professor McGonagall hat mir geschrieben, dass ihr heute Abend kommt, um mich…“, antwortete Harry.

„Stell mir eine Frage, Junge! Ich könnte ein Todesser sein, der dich und deine Familie töten will!“

„Hmh… Wie viele Monate warst du in meinem vierten Schuljahr im Schrankkoffer eingesperrt?“

Fred und George fingen an zu lachen und auch Kingsley grinste: „Moody, Harry weiß, dass wir wir sind und wir wissen nun auch definitiv, dass Harry Harry ist.“

„Gut, hast du alles gepackt?“, brummte Moody verstimmt, als er sich an Harry vorbei in den Flur drängelte. „Wir sollten keine Zeit verlieren. Um Mitternacht erlischt der Blutschutzzauber über diesem Haus. Und nachdem die Todesser da gewesen sind, wird vermutlich nicht mehr viel davon übrig geblieben sein.“

„Mein Haus… nicht mehr viel übrig?“, stammelte Mr. Dursley fassungslos von der Küchentür aus. Erst jetzt viel Harry auf, dass ihm seine Verwandten gefolgt waren.

„Die Todesser werden alles verwüsten, was sie finden“, bestätigte Moody, als würden sie gerade über das Wetter reden.

„Todesser… hier in Little Whinging?“ Tante Petunia stand leichenblass hinter ihrem Mann. So sehr sie auch jedes Wissen über die Zaubererwelt gegenüber Harry verleugnete, wusste sie anscheinend im Gegensatz zu ihren Mann sehr wohl, was Todesser waren.

„Mein Haus…“, wimmerte Onkel Vernon. „Mein wunderschönes Haus…“ Harry musste beim Anblick seines Onkels ein Kichern unterdrücken.

„Aber was ist mit uns?“, fragte Tante Petunia leise, während sie einen widerstrebenden Dudley in ihre Arme zog.

Harry wurde schlagartig ernst. Ja, was würde nun aus seinem Onkel, Tante und Cousin werden? Fragend sah er von Moody zu Kingsley. Beide senkten betreten den Kopf.

„Soll das heißen, ihr habt für meine Verwandten keinen Fluchtplan? Wir können sie doch nicht einfach den Todessern überlassen!“

Tante Petunia wimmerte leise und drückte Dudley noch ein Stück enger an sich. Onkel Vernon wirkte wie paralysiert.

„Wir müssen sie mitnehmen“, sagte Harry. Er würde keinen Widerspruch dulden.

„Harry“ Kingsley schluckte. „Seite an Seite Apparation funktioniert nur zwischen Magiern. Ebenso Portschlüssel und Flohpulver. Du kannst nur magisch reisen, wenn du selbst Magie in dir trägst. Theoretisch kann man auch einen Fideliuszauber über Häuser legen, allerdings ist dieses Haus bereits durch den Blutschutzzauber gesichert, der den Fidelius unmöglich macht. Und wir können nicht bis nach Mitternacht warten!“

„ABER ICH KANN MEINE VERWANDTEN DOCH NICHT EINFACH SO ALLEINE ZURÜCKLASSEN. WENN DIE TODESSER SIE HIER FINDEN, DANN TÖTEN SIE SIE!“ Harry zitterte vor hilflosen Zorn. Tante Petunia sackte in sich zusammen und sank, sich immer noch an Dudley klammernd, auf den Küchenboden.

„Wenn sie nicht noch Schlimmeres mit ihnen anstellen“, ergänzte Moody. Harry dachte unwillkürlich an die Longbottoms.

„Ich kann sie nicht zurücklassen! Wir müssen eine Lösung finden!“, flüsterte Harry mit belegter Stimme. Er sah Moody an, dann Kingsley, dann Fred und George. Keiner von ihnen erwiderte Harrys Blick.

„Toll. Dieser Wagen ist einfach fantastisch.“ Freudestrahlend kam Mr. Weasley in das Haus. „Gibt es ein Problem?“

„Nur ein winzig, kleines…“, erwiderte George sarkastisch.

„… nämlich dass wir Harrys Verwandten bei unserem Fluchtplan vergessen haben“, fuhr Fred fort.

„… und dass Harry nicht bereit ist, ohne diese das Haus zu verlassen“, ergänzte George seinen Bruder.

„Oh.“ Das Lächeln wich aus Mr. Weasley Gesicht.

Nach kurzem Zögern sagte Harry: „Warum kommt ihr nicht rein?“, und deutete auf das Wohnzimmer. Er hörte Onkel Vernon empört nach Luft schnappen.

„Bursche, wie kannst du es wagen…“, begann Onkel Vernon, hielt jedoch inne, als seine Frau sich an Dudley hochzog und auf ihn zuging.

„Vernon, wir packen“, sagt sie forsch, obwohl ihr Gesicht noch immer weißer als der Küchenfußboden war, auf dem sie gerade gesessen hatte.

„Aber, Liebling…“, widersprach Onkel Vernon, wurde jedoch durch ein „keine Widerrede“ zum Schweigen gebracht. Dann ging Tante Petunia an Harry vorbei zur Treppe. Auf den Treppenabsatz drehte sie sich nochmals zu ihn um: „Ich möchte nicht, dass diese Menschen irgend etwas in meinem Haus anfassen.“

Harry sah ihr kurz nach, als sie, gefolgt von Onkel Vernon und Dudley, die Treppe emporstieg, bevor er selbst das Wohnzimmer betrat. Moody saß von Fred und George flankiert auf dem Sofa. Kingsley lehnte sich gemütlich auf der anderen Couch zurück, während Mr. Weasley sich auf Onkel Vernon Lieblingssessel niedergelassen hatte und auf einen Stoß Prospekte vor sich blickte. Seufzend ließ sich Harry auf den noch freien Platz neben Kingsley fallen und sah die anderen abschätzend an.

„Irgendwelche Vorschläge?“, fragte er in die Runde. Allerdings mit wenig Hoffnung eine Antwort zu erhalten. Zu aller Überraschung antwortete Mr. Weasley mit nachdenklicher Stimme: „Wohnwagen.“

„Arthur, nichts gegen deine Liebe für Mugglezeug. Aber das ist jetzt definitiv nicht der richtige Zeitpunkt…“, begann Kinsgsley, stockte jedoch als er die Zeitschrift sah, die Mr. Weasley hochhielt. Auf dieser stand in großen Lettern „Wohnwagen - Ihr bequemes Haus auf vier Rädern“. Moody begriff sofort.

„Das könnte funktionieren“, überlegte er. „Wir sollten es zumindest ausprobieren.“

„Ich werde es machen“, sagte Mr. Weasley und stand auf. Moody und Kingsley folgten seinem Beispiel.

„Was werdet ihr machen? Ich verstehe nicht.“ Fragend sah Harry von einem zum anderen. Fred und George zuckten nur mit den Schultern.

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Dienstag, 4. September 2007, 18:45

„Ich versuche, einen Fideliuszauber über den Wohnwagen deiner Verwandten zu sprechen“, erwiderte Mr. Weasley und verließ das Wohnzimmer.

„Kann ich mir Hedwig ausleihen, um Molly zu benachrichtigen, dass wir etwas später kommen werden?“, fragte Kingsley, bevor er das Wohnzimmer verließ. Harry nickte.

Auch Moody wandte sich in der Tür nochmals zu ihm um: „Du solltest deine Verwandten über unseren Plan unterrichten. Sag ihnen, sie sollen alles einpacken, was sie brauchen.“

Harry blieb wie erstarrt sitzen. Wenn Tante Petunia schon nicht wollte, dass seine Freunde etwas in ihrem Haus auch nur berührten, wie würde sie erst dann reagieren, wenn Mr. Weasley einen Zauber auf ihren nagelneuen Wohnwagen sprach? Und erst Onkel Vernon! Harry schluckte schwer. Dann spürte er, wie er von beiden Seiten untergehakt wurde. Fred und George hatten ihn in die Mitte genommen und zogen ihn zur Treppe.

„Keine Sorge, Kumpel. Wenn sie dich umbringen, verhexen wir sie einfach oder geben ihnen Nasblutnougat. Aber nur die eine Hälfte“, raunte sie ihm ins Ohr.

Harry grinste unwillkürlich: „Ich glaube nicht, dass Dudley auch nur irgendetwas von euch annehmen wird.“

„Wetten dass…“, erwiderte George und hielt Harry die Hand zum Einschlagen hin. Aber dieser schüttelte nur den Kopf, stieg die Treppe hinauf und näherte sich widerwillig der Schlafzimmertür, aus dem Tante Petunias Stimme drang: „ Nein, Vernon nicht das blaue Hemd, das ist dir sowieso zu klein….“ Sie schaute auf, als Harry im Türrahmen stehen blieb: „Habt ihr einen Plan?“

Harry nickte: „Mr. Weasley wird einen Zauber über euren Wohnwagen sprechen….“

„Meinen Wohnwagen? Meinen schönen, neuen Wohnwagen….NEEEEIIIIIN!“ Harry konnte gerade noch ausweichen, bevor Onkel Vernon wie eine Dampfwalze an ihm vorbei und die Treppe hinunter lief. Dann wandte er sich erneut an Tante Petunia: „Packt alles Nötige ein. Vermutlich wird nicht mehr viel übrig sein, nachdem…“ Harry zögerte, aber Tante Petunia nickte nur und trat einige Schritte auf ihn zu. Sie schien kurz mit sich zu hadern, bevor sie sich den sauber geordneten Kleiderstapeln auf ihrem Bett zuwandte und zwei rote Bücher aus einem dieser Stapel zog, bei denen es sich um ihre Nachthemden handelte.

„Hier“, sagte sie und drückte die beiden Bücher in Harrys Hände. Dieser nahm sie und sah seine Tante fragend an. „Es waren Lilys. Die Schlösser ließen sich nicht öffnen und ich...“ Ihre Stimme brach ab. Hektisch begann sie, einen Kleiderstapel nach dem anderen in die bereitstehenden Koffer zu packen.

Tausend Fragen schossen durch Harrys Kopf, aber er schwieg und sah seiner Tante beim Packen zu. „Geh“, befahl diese ihm tonlos, ohne von ihrem Koffer aufzusehen. Langsam drehte Harry sich um und ging zur Tür. Dort blieb er stehen, drehte sich abermals zu seiner Tante um. „Danke“, sagte er leise. Tante Petunia schien ihn nicht gehört zu haben.

Leise schlich Harry aus dem Zimmer und die Treppe hinunter. Im Flur überlegt er kurz, beschloss dann aber, die Bücher vorerst in seine Schultasche zu stecken. Er würde sich später mit ihnen beschäftigen. Dann trat er nach draußen vor die Tür. Es dämmerte bereits.

Mr. Weasley war in eine Diskussion mit Mad-Eye Moody vertieft, während Kingsley Shacklebolt bemüht war, den aufgebrachten Mr. Dursley zu beruhigen. Aber irgendetwas fehlte. „Wo ist der Wohnwagen?“

Mr. Weasley unterbrach sein Gespräch mit Moody und kam freudestrahlend auf Harry zu. Er beugte sich vor und flüsterte Harry ins Ohr: „Das neue Haus der Dursley ist ihr Wohnwagen.“ Wie aus dem Nichts erschien das Gefährt in der Einfahrt des Ligusterweges Nr. 4. Harry konnte nicht anders und sagte grinsend zu Mr. Weasley: „Brillant.“

„Brillant. Du nennst diesen Wahnsinn brillant, Bursche“ Onkel Vernon, der Harrys Worte vernommen hatte, baute sich nun vor Harry auf. Sein Schnurrbart bebte vor Empörung: „KANNST DU MIR SAGEN, WOZU ICH EINEN SO TEUREN WOHNWAGEN GEKAUFT HABE, WENN IHN KEIN MENSCH SEHEN KANN? HÄ, BURSCHE?“

Harry spürte zum dritten Mal an diesem Tag, wie Wut in ihm hochstieg. Wut über die Oberflächlichkeit und Undankbarkeit seines Onkels. Er versuchte sich zusammenzureißen, er versuchte es wirklich. Aber Harry fühlte sich wie einer von Nevilles Kesseln kurz vor der Explosion. Er schluckte und sah seinem Onkel direkt an.

Er hatte mit vielem gerechnet, allerdings nicht mit dem Anflug von Panik, der in Onkel Vernons Augen trat, als dieser an ihm vorbeiblickte.

„Guten Abend“, sagte eine hohe Frauenstimme hinter ihm. Harry wirbelte herum. Ihm gegenüberstand stand seine ehemalige Babysitterin Mrs. Figg in ihren Hausmantel und einem leeren Einkaufsnetz in der Hand.

„Guten Abend, Mrs. Figg.“ Onkel Vernons Stimme klang angestrengt fröhlich. „Schönes Wetter heute. Hahaha.“

Harry konnte sich genau vorstellen, was in diesem Moment durch Onkel Vernons Kopf ging.
Wie konnte er die Anwesenheit dieser absolut undursleyschen Leute auf seinem Grundstück erklären.

Während Onkel Vernon noch überlegte, wandte sich Mrs. Figg, ohne ihn zu beachten, Mr. Weasley zu: „Holt ihr Harry ab, Arthur?“ Mr. Weasley nickte zustimmend. „Wird auch langsam Zeit. Ich dachte schon, ihr hättet ihn völlig vergessen. Ich habe Mr. Tibbles Harry Tag und Nacht bewachen lassen und mich gefragt, wann ihr ihn abholen kommt. Aber ich will euch nicht länger aufhalten. Muss nämlich noch Katzenfutter kaufen.“ Sie schwang ihr leeres Einkaufsnetz durch die Luft.

Onkel Vernons Augen quollen fast aus den Höhlen und Harry hörte ihn murmeln: „Mrs. Figg kennt diese Leute? ... ist eine von denen... war schon immer exzentrisch… trägt Hausmäntel in aller Öffentlichkeit… Magda meinte schon immer… soll keinen Leuten mit Katzen trauen…. alles Petunias Schuld. Ich mochte diese Frau noch nie.“

Und nach seinem Gesichtsausdruck zu urteilen, mochte Onkel Vernon sie noch viel weniger, als er beobachtete, wie sie auf Harry zuging und ihn einmal kurz in die Arme nahm. „Alles Gute, mein lieber Junge und pass auf dich auf.“

Harry roch kurz den unangenehmen Geruch von nassen Katzen, bevor sich Mrs. Figg von ihm löste, den anderen zum Abschied zunickte und auf die Straße schlurfte.

„Leben Sie wohl, Mrs. Figg“, rief Harry ihr hinterher.


Es dauerte mehr als drei Stunden, bis alle Sachen der Dursley im Wohnwagen verstaut waren. Tante Petunia nahm den Fideliuszauber über dem Wohnwagen wesentlich gelassener auf als ihr Mann. Allerdings verzog sie leicht das Gesicht, als Mr. Weasley ihr das „Passwort“ zuraunte und der Wohnwagen daraufhin auch für sie sichtbar wurde.

Endlich waren alle Habseligkeiten der Dursleys eingepackt. Selbst Dudleys meiste Sachen hatte einen Platz im Wohnwagen gefunden. Harry vermutete, dass Kingsley etwas an der Größe der Innenräume gedeichselt hatte, sprach dieses allerdings nicht laut aus.

Alle saßen bereits im Inneren des Wohnwagens. Zuerst hatte sich Harry dagegen gesträubt, mit seinen Verwandten gemeinsam zu reisen. Allerdings wollte Mr. Weasley sichergehen, dass die Dursleys ohne Todesserangriff Little Whinging verließen. Zumindest behauptete er das. Fred, der neben Harry saß, flüsterte ihm zu, dass sein Vater nur einen Vorwand suchte, um mit dem Mugglemobil mitfahren zu dürfen. Und Harry stimmte mit Freds These vollkommen überein.

Es war fünf Minuten vor zwölf, als Onkel Vernon den Wagen rückwärts auf die Straße fuhr. Der Ligusterweg war zu dieser späten Stunde menschenleer. Mr. Weasley hatte sich den Platz direkt neben Onkel Vernon gesichert und fragte ihn fröhlich über die Funktion der einzelnen Knöpfe auf dem Armaturenbrett aus. Alle anderen saßen hinten im Wohnwagen und lauschten dem Gespräch.

„Wozu ist dieser Knopf?“

„Radioeinstellung“, grunzte Onkel Vernon.

„Und dieser Knopf?“, erkundigte sich Mr. Weasley. Und drückte ihn vorsichtig.

„Airbags. Würden Sie die Airbags bitte wieder anschalten?“, schnauzte Onkel Vernon genervt. Begeistert, noch einmal den Knopf drücken zu können, kam Mr. Weasley der Bitte nach. Aber nicht ohne nebenbei zu fragen: „Was ist ein Airbag?“

Harry lehnte sich grinsend in seinen Stuhl zurück, nahm dann jedoch aus den Augenwinkel war, wie George ihn zu sich winkte. Harry stand auf und ging, gefolgt von Fred, zu George ans Fenster. Dieser deutete ihm an, sich neben ihn zu setzen und drückte ihm ein Omniglas in die Hand. „Sieh nach oben.“

Harry nahm das Omniglas und schaute mit diesem durch die Fensterscheibe in die sternenklare Nacht. Er konnte verschiedene Sternbilder erkennen. Den Großen und den Kleinen Wagen, die Milchstraße…. Was war das? Harry blinzelte kurz, bevor er abermals durch das Glas blickte. Tatsächlich. „Das sind ja…“

„... Todesser“, vollendete George, der ebenfalls durch ein Omniglas sah, seinen Satz. „Sie bewachen schon eine ganze Zeit lang Little Whinging aus der Luft.“

„Sie erwarten wohl, dass wir versuchen, auf Besen zu fliehen“, sagte Harry schmunzelnd. „Und wir flüchten ganz gemütlich in einen Muggle-Wohnwagen direkt unter ihrer Nase.“

Fred und George grinsten zurück. Dann erschütterte plötzlich ein Beben den Wohnwagen. „Was zum Teufel…“, schrie Onkel Vernon und verlor kurzzeitig die Kontrolle über den Wagen. Dieser stieß gegen die Bordsteinkante und fuhr nun zur Hälfte auf dem Fußgängerweg. Mr. Weasley schwang seinen Zauberstab und schon hüpften diverse Straßenlaternen dem Fahrzeug aus dem Weg.

„Was war das?“, fragte Onkel Vernon, als er die Kontrolle über den Wagen wieder erlangt hatte.

Harry suchte mit seinem Omniglas den Himmel nach den Todessern ab, aber sie waren verschwunden, in der Ferne konnte er ein schwaches Licht erkennen. Er stellt sein Omniglas etwas schärfer und dann sah er es klar und deutlich. Das Dunkle Mal stand über dem ehemaligen Haus der Dursleys. Betreten senkte er das Glas und sah Fred und George an, die neben ihm saßen. Diese zuckten kurz mit den Schultern. „Happy Birthday, Harry.“

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Dienstag, 4. September 2007, 19:14

Wieder ein tolles Kapitel! Deine Geschichte ist echt fesselnd! Das mit dem Wohnwagen ist eine total klasse Idee! Da hätte JKR auch draufkommen können! :D

Danke, ich bin froh, dass du die Reviews auch liest und darauf eingehst, weil es gibt ja auch Autoren, die das nich machen! :rolleyes:

Geiler Schlusssatz übrigens "Happy Birthday, Harry" :D!

Weiter so! Freu mich schon!


LG. =)
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Dienstag, 4. September 2007, 21:17

@ Lislchen

Schön das dir mein zweites Kapitel auch gefällt.

Das mit den Wohnwagen war laut meiner Co-Autorin "einer meiner brillianten Momente". Eigentlich ja ein ganz netter Komentar, wenn der Nachsatz nicht "sowas solltest du öfters mal haben" gewesen wäre. ?(

Zum Thema Reviews:
Natürlich beantworte ich mein Reviews und versuche Fehler in meiner FF auszubessern. Denn wenn sich jemand schon die Mühe macht etwas zu schreiben und in deinen Fall, sogar zu loben :D
fände ich es verdammt gemein nicht zu antworten.

Viele liebe Grüße :P

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Samstag, 8. September 2007, 20:52

Kapitel 3: Von Freunden und Feinden

Harry erwachte mit einem Schlag. Wo war er? Hastig rückte er seine Brille zurecht und sah sich um. Er befand sich anscheinend immer noch im Wohnwagen, der sanft vor sich hinschaukelte. Ihm gegenüber hockten Fred und George, die Köpfe aneinandergelehnt, und schnarchten synchron.

Ganz in seiner Nähe saß Tante Petunia am Kopfende einer schmalen Pritsche und strich über den auf ihren Schoß liegenden Kopf ihres schlafenden Sohnes. Sie sah müde und erschöpft aus. Harry fragte sich unwillkürlich, ob die Erschöpfung auf eine schlaflose Nacht oder auf das Gewicht von Dudleys schweren Kopf zurückzuführen war. Dieser lag schlafend auf der Liege ausgebreitet und schnarchte laut, während sein massiger Körper, der nur von einer dünnen Decke bedeckt war, über beiden Seiten der Pritsche hinaus ragte.

Am anderen Ende des Wohnwagens diskutierten Moody, Kingsley und Mr. Weasley leise miteinander. Ab und zu warf Mr. Weasley dabei einen sehnsüchtigen Blick auf den Beifahrersitz. Harry schmunzelte. Irgendwann im Laufe der Nacht, Harry war schon fast eingeschlafen, war Onkel Vernon ziemlich ungehalten geworden über die neugierigen Fragen von Mr. Weasley und hatte dabei fast einen Unfall gebaut. Daraufhin hatten Fred und George ihren Vater vom Beifahrersitz in den hinteren Teil des Wohnwagens bugsiert.

Harry rieb sich kurz die Augen unter seinen Brillengläsern und schaute aus dem Fenster. Es dämmerte bereits. Direkt vor ihm erstreckte sich ein Dorf. Angestrengt versuchte er das Schild zu lesen, das am Dorfeingang stand. Doch das war keine leichte Aufgabe aus seiner Position am Seitenfenster des Wohnwagens. Gerade als der Wagen das Schild passierte, konnte er jedoch die Buchstaben auf dem Schild entziffern: Ottery St. Catchpole, Grafschaft Devon.

Moment mal. War das nicht das Dorf ganz in der Nähe vom Fuchsbau?

„Wir sind bald da, Harry“, sagte in diesem Moment Kingsleys Stimme direkt hinter ihm. „Wenn ich dich bitten dürfte, diesen Zettel zu lesen.“

Er hielt Harry ein kleines zusammengefaltetes Blatt Papier entgegen, das Harry nahm und öffnete. Der Fuchsbau liegt in der Nähe von Ottery St. Catchpole, Devon stand darauf in grüner Tinte geschrieben. Harry runzelte die Stirn, als er Kingsley den Zettel zurückgab. Die Schrift kam ihm merkwürdig vertraut vor.

Harry überlegte gerade, woher er sie kannte, als ihn die laute Stimme seines Onkels aus seiner Überlegung riss: „Ich muss mich aufs Autofahren konzentrieren und habe keine Zeit ihre idiotischen Briefchen zu lesen.“

Kingsley stand mit demselben Zettel, den er kurz zuvor Harry gezeigt hatte, neben dessen Onkel: „Aber sie müssen den Zettel lesen, Mr. Dursley, damit sie den Fuchsbau finden können“, erwiderte Kingsley ruhig.

„Aber ich will doch gar nicht wissen, wo dieses Fuchsdings ist! Ich interessiere mich doch gar nicht für diese stinkenden Viecher “, grunzte Onkel Vernon schlechtgelaunt.

„Sie können uns natürlich auch hier rauslassen“, erwiderte Kingsley betont freundlich, „ Aber dann kommen vermutlich die Todesser - Sie wissen schon, diejenigen, die Ihr Haus zerstört haben - und greifen uns an. Und was dann noch von ihren Wohnwagen übrig bleibt…“

„Geben sie schon her!“ Onkel Vernon riss ihm geradezu den Zettel aus der Hand, las ihn und gab ihn dann an Kingsley zurück. Dieser drehte sich um, bemerkte, dass Harry ihn beobachtet hatte, und zwinkerte ihm zu. Harry zwinkerte zurück.

Sie verließen Ottery St. Catchpole in nördliche Richtung, fuhren an einigen Kühen vorbei, die friedlich auf der Weide standen, Klee fraßen und nur kurz den Kopf hoben, als der Wohnwagen an ihnen vorbeirumpelte, und dann über einen Hügel. Harry öffnete das Fenster, um einen besseren Blick auf den Fuchsbau zu erhaschen.

Für ihn war es das tollste und bei weitem interessanteste Gebäude, das er kannte - abgesehen vielleicht von Hogwarts. Die verschiedenen Räume des Hauses schienen ohne irgendwelche architektonischen Überlegungen aufeinander gebaut worden zu sein. Und einmal mehr fragte sich Harry, ob das Gebäude ohne Magie nicht in sich zusammenfallen würde.

Als der Wohnwagen in den Garten vor dem Haus fuhr, scheuchten sie ein paar Hühner auf, die wild gackernd durcheinander liefen. Onkel Vernon bremste scharf und der Reifen seines Wohnwagens kam nur wenige Millimeter vor einem der Hühner zum Stehen. Das Huhn flatterte erschrocken mit den Flügeln, legte ein Ei und suchte das Weite.

„So da wären wir.“ Mr. Weasley rieb sich gut gelaunt die Hände. „Wollen Sie mit reinkommen?“, erkundigte er sich bei Onkel Vernon. „Molly, meine Frau, und nebenbei gesagt eine fantastische Köchin, könnte Ihnen etwas zu essen machen. Auch für unterwegs.“

Onkel Vernon schüttelte den Kopf und klammerte sich an sein Lenkrad. Harry sah ihm an, dass keine zehn Pferde ihn in dieses Haus bringen würden.

„Schade.“ Mr. Weasley schien sichtlich enttäuscht zu sein. „Na dann vielen Dank für’s herfahren.“ Er ging nach vorne zu Onkel Vernon und streckte ihm die Hand entgegen. Dieser zuckte zurück, sah allerdings keinen anderen Ausweg und reichte Mr. Weasley die Hand, der diese begeistert schüttelte.

Dann trat Rons Vater zurück und schaute Harry abwartend an. Dieser versuchte einen Grund zu finden, dem Unvermeidlichen zu entgehen und sah sich nach seinem Gepäck um. Er musste allerdings feststellen, dass Moody und Kingsley, nachdem sie die Zwillinge aufgeweckt und aus dem Wohnwagen gescheucht hatten, sein Gepäck bereits aus dem Wohnwagen gebracht hatten.

„Ähm… Wir haben uns ja schon im Ligusterweg heute Nachmittag verabschi… ähm geredet. Also… dann… Tschüß.“ Bevor sein Onkel auch nur irgendetwas sagen konnte, war Harry aus der Wagentür gesprungen.

Mr. Weasley folgte als Letzter. Bevor er allerdings die Tür des Wohnwagens schloss, wandte er sich noch einmal zu Onkel Vernon um. „Sie wissen ja jetzt wo wir wohnen. Falls Sie also jemals das Bedürfnis verspüren, Harry zu besuchen, dann sind Sie…“ Seine letzten Worte wurden durch das Aufheulen des Motors übertönt, als Onkel Vernon mit dem Wagen rückwärts aus den Garten der Weasleys schoss. Er machte eine scharfe Wende und fuhr dann mit laut aufheulendem Motor und klappernder, offener Tür über den Hügel und verschwand.

„Dein Onkel ist schon ein komischer Mensch. Ein toller Mugglemobilfahrer. Aber ein komischer Mensch“, murmelte Mr. Weasley, bevor er mit seinem Zauberstab auf Harrys Schrankkoffer zeigte und „Locomotor Koffer“ sagte.

Harry konnte über Mr. Weasleys Bemerkung nur den Kopf schütteln. Immerhin hatte Onkel Vernon sie mit seinem Fahrstil zweimal fast getötet. Dann fiel ihm allerdings ein, dass Zauberer sonst mit dem Fahrenden Ritter reisen mussten. Gemessen an dessen Fahrstil, konnte man Onkel Vernon dann doch wohl als einen guten Fahrer bezeichnen.

Als Harry sah, wie Mr. Weasley, Harrys Koffer friedlich neben sich her schwebend, auf die Haustür des Fuchsbaus zuging , hängte er seine Schultasche über die Schulter, nahm seinen Besen in die eine und seinen leeren Eulenkäfig in die andere Hand und folgte ihm.

„Wo sind denn Moody und Kingsley?“ Harry blickte sich um, entdeckte allerdings nur noch Fred und George, die mit hängenden Schultern müde hinter ihm und Mr. Weasley hertrotteten. „Appariert. Kingsley…Ministerium…arbeiten. Moody … Auge untersuchen… bleibt dauernd stecken…keine 360° Rundumsicht.“ gähnte Fred.

Sie hatten schon fast die Tür erreicht, als sich diese öffnete. Langsam schob sich der Kopf einer älteren, rothaarigen Hexe durch den Türspalt und spähte nach draußen. Dann sprang die Tür auf und Mrs.Weasley, klein und mollig, eilte ihnen entgegen. „Ich wusste doch, dass ich eben etwas gehört habe.“

Ehe Harry sich versah, fand er sich in einer heftigen Umarmung wieder. „Happy Birthday, Harry. Schön, dass du da bist.“ Mrs. Weasley löste ihre Umarmung, trat einen Schritt zurück und musterte Harry, der sie nun um fast einen Kopf überragte, prüfend. Als ihr Blick sein zerkratztes Gesicht erreichte, schaute sie ihren Mann und ihre Söhne kurz an.

„FRED,GEORGE. WAS HABT IHR BEIDEN SCHON WIEDER MIT HARRY ANGESTELLT?“ Anklagend deutete sie auf dessen Gesicht.

George und Fred sahen ihre Mutter verschlafen und nicht verstehend an. Dann sagte George zu seinen Bruder: „Ich bin müde und gehe ins Bett. Kommst du auch?“

Mrs. Weasley baute sich wütend vor ihren Söhnen auf. Irgendwie erinnerte sie Harry an einen kleinen ungarischen Hornschwanz, der seine Eier verteidigte „IHR BEIDE WERDET NICHT INS BETT GEHEN. SEHT EUCH SEIN GESICHT AN. WAS HABT IHR…“ Harry unterbrach sie: „Das waren nicht Fred und George. Das war Hedwig.“

Mrs. Weasley musterte Harry noch einmal prüfend und entschied dann zu Gunsten der Zwillinge. „Entschuldigt ihr beiden. Natürlich dürft ihr gehen. Ich habe eure Betten extra bezogen, als ich gehört habe, dass ihr erst später ankommen werdet“, sagte sie friedlich und schob ihre Söhne ins Haus. Dann nahm sie Harry Besen und Eulenkäfig aus der Hand und folgte ihnen.

Als Harry die Wohnküche betrat, stieg ihm der Geruch von frisch gebackenen Waffeln in die Nase. Sein Magen knurrte laut. „Harry, mein Lieber, setzt dich doch. Arthur bringt deinen Koffer schon mal nach oben“, erklärte Mrs. Weasley und drückte ihn auf einen der vielen Küchenstühle, bevor sie sich an die Arbeit machte, um Harry ihre, wie sie es nannte, Molly-Weasley-Spezial-Geburtstagswaffeln zu backen.

In diesem Moment erschienen Charlie Weasley und Remus Lupin in der Küchentür.
„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Harry“, sagte Remus und schüttelte Harry herzlich die Hand. Dann überreichte er ihm eine riesige Tafel Schokolade, die vermutlich aus dem Honigtopf stammte. „Falls du mal wieder ein paar Dementoren begegnest“, fügte er augenzwinkernd hinzu und ließ sich auf einen Stuhl am Tisch fallen.

Charlie schluckte schnell den Rest seiner Waffel hinunter, bevor er Harry ebenfalls zum Geburtstag gratulierte und ihm ein in Silberpapier gewickeltes Paket überreichte. Das war bestimmt Fleurs Werk, dachte Harry als er es auspackte. Es handelte sich um ein grasgrünes Buch mit dem Titel Quidditich, Besen, Emotionen - Die spektakulärsten Spiele der Quidditchweltmeisterschaften auf einen Blick.

„Wow, vielen Dank. Das ist klasse“, bedankte sich Harry begeistert und legte das Buch vorsichtig wieder in das Silberpapier, um es beim Essen nicht zu beschmutzen. Mrs. Weasley hatte gerade eine Portion ihrer Geburtstagswaffeln zum Küchentisch gebracht und häufte, nach einem warnenden Seitenblick auf Remus und Charlie, die ihren Bewegungen mit gierigen Augen folgten, ein gutes halbes Dutzend Waffeln führsorglich auf Harrys Teller.

Während er aß, ließ Harry seinen Blick durch die Küche schweifen. Er entdeckte in der einen Ecke den schier nie endenden Abwaschberg der Weasleyfamilie, der sich von selbst wusch. In einer anderen Ecke des Zimmers klickten Stricknadeln und fertigten einen braunen Pullover mit einem halben R darauf an. Harry beschlich das ungute Gefühl, dass er soeben einen Blick auf Rons Weihnachtsgeschenk geworfen hatte.

Dann entdeckten seine Augen eine Uhr. Aber es war keine gewöhnliche Uhr. Sie hatte mehrere Zeiger, auf denen die Namen der Familienmitglieder der Weasleys standen, und anstelle von Zahlen, die die Uhrzeit angaben, standen dort die Worte: in der Schule, unterwegs, auf der Arbeit und ganz oben, wo sich sonst die zwölf befand, stand in tödlicher Gefahr. Harry kannte diese Uhr. Seit dem letztem Jahr hatte Mrs. Weasley keinen Schritt mehr ohne sie gemacht. Zurzeit standen alle Zeiger auf in tödlicher Gefahr. Plötzlich fiel Harry auf, dass eben einer jener Zeiger abgebrochen war und anstelle der gewohnten neun nur noch acht da waren.

„Was ist denn mit Percys Zeiger passiert?“ fragte Harry mit vollem Mund. Daraufhin hörte er ein lautes Scheppern. Mrs. Weasley hatte einen Teller mit einer weiteren Portion Waffeln fallengelassen. Als sie sich bücken wollte, um die Reste aufzusammeln, sagte Remus sanft: „Lass nur Molly. Ich mache das schon.“ Und mit einem Schwenk seines Zauberstabes war der Schaden beseitigt.

Mrs. Weasley sah nicht auf, sondern verließ mit einem gemurmelten: „Ich gehe mal nachgucken, wo Arthur bleibt“ die Küche. Fragend schaute Harry von Remus zu Charlie. Letzterer räusperte sich, bevor er zu sprechen begann: „Harry, du weißt doch von dem Streit zwischen Percy und meiner Familie.“ Harry nickte. Er erinnerte sich nur zu gut daran, dass sich Percy in seinem fünften Schuljahr gegen seine Familie und Dumbledore und auf die Seite des Ministeriums gestellt hatte, welches die Rückkehr Lord Voldemorts verleugnet hatte. Er selbst hatte einen Brief von Percy an seinen jüngeren Bruder Ron gelesen, indem er diesen dazu aufforderte, Harry auszuspionieren und sich somit ebenfalls gegen den Rest seiner Familie zu stellen.

„Nun ja. Bill meinte, es wäre eine gute Gelegenheit, bei seiner Hochzeit eine Art… nun ja… Familienzusammenführung zu organisieren, und hat Percy eingeladen. Allerdings ist dieser ganz und gar nicht dazu bereit, sich mit uns anderen zu versöhnen. Im Gegenteil. Er hat Bill einen Brief geschrieben, in dem er wortwörtlich sagte, eher würde die Hölle zufrieren, als dass er zur Hochzeit seines Bruder mit einer Todesserin kommen…“

„Was?“, unterbrach ihn Harry und sog scharf die Luft ein. „Er hält Fleur für eine Todesserin? Aber wieso?“

„Zwei ihrer Cousins väterlicherseits versuchten angeblich, in Frankreich eine Organisation zu gründen, die Voldemort unterstützt. Sie wurden vor wenigen Tagen als Todesser verurteilt und befinden sich zurzeit in einem französischen Zauberergefängnis. Fleur scheint diese Sache sehr nahe zugehen. Und dann noch Percys Brief… Bill war jedenfalls so sauer auf Percy, dass er unter anderem dessen Zeiger von der Uhr abgebrochen hat. Er war richtig beängstigend, irgendwie… tja… animalisch. Und zu Mum hat er gesagt, er würde das Haus verlassen und nie wieder zurückkommen, falls sie es wagen sollte, Percys Zeiger wieder anzuhexen.“ Charlie schüttelte traurig den Kopf.

Harry verstand Mrs. Weasleys Zwiespalt und sie tat ihm Leid. Wie schwer musste es für sie sein, dass ihre über alles geliebte Familie miteinander im Streit lag? Er konnte vor allem Percys Handlungsweise einfach nicht verstehen. Wenn er eine Familie wie die Weasleys hätte…

„Bitte vermeide Percys Namen in Gegenwart meiner Mutter“, bat ihn Charlie, als er hörte, dass jemand die Treppe herunter kam. Dann vernahm er Mrs. Weasleys Stimme: „Arthur, du kannst doch nicht einfach so eine Mugglemobil-Zeitung von Harrys Verwandten mitgehen lassen, nur um dich dann in einer Ecke zu verkriechen, um sie zu lesen!“

„Aber Mollyröllchen. Er hat sie in seinem Wohnzimmer liegen gelassen und die Todesser hätten sie womöglich kaputtgemacht.“

Gefolgt von seiner grimmig dreinblickenden Frau betrat Mr. Weasley die Küche.
„Hmmh. Mollys Spezial-Geburtstagswaffeln“ seufzte er verzückt und schnupperte mit seiner Nase in der Luft.

„Arthur“, sagte Mrs. Weasley in diesen Augenblick streng zu ihren Mann, „Arthur, du wolltest Harry doch noch etwas mitteilen!“

„Ähm… ja. Also Harry, ich habe da so ein Wohnmobilprospekt im Haus deines Onkels gesehen und…“

„Arthur, nicht das. Das andere.“

Verwirrt blickte Mr. Weasley seine Frau an, doch dann schien es ihm plötzlich einzufallen. „Genau. Harry, ich hoffe du bist mir nicht böse, aber ich habe dich im Ministerium zur Apparierprüfung angemeldet. Sie findet an jedem ersten eines Monats statt. Dein Test ist daher also schon morgen.“

Harry starrte ihn entsetzt an. Apparierprüfung? Und das schon morgen! Er hatte zwar an den Übungsstunden des Ministeriums teilgenommen und war illegaler Weise auch schon einmal appariert. Aber den Test schon morgen?

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Samstag, 8. September 2007, 20:54

„Mr. Weasley, ich…“, begann Harry, wurde allerdings sofort von diesem unterbrochen. „Harry, ich verstehe ja deine Panik, aber du schaffst das bestimmt. Außerdem... du kehrst doch bereits am ersten September nach Hogwarts zurück, also kannst du die Prüfung nicht nächsten...“

„Ich kehre nicht nach Hogwarts zurück.“

Seine Worte schlugen ein wie eine Bombe. Zuerst herrschte Stille, doch dann redeten alle durcheinander.

„Aber Harry, du kannst doch nicht…“

„Harry, du musst…“

„Sei doch vernünftig, Harry…“

Schlussendlich war es Molly Weasley, die das Kommando übernahm: „Harry, du kannst doch nicht einfach beschließen, nicht mehr zur Schule zu gehen! Du musst doch noch deine NEWTs machen.“

„Ich bin volljährig und kann somit selbst entscheiden, was ich tue und was nicht!“ Harry spürte die Wut in sich hochsteigen. Er war nun erwachsen und es war sein Leben! Es war seine Aufgabe, die Horkruxe zu suchen! Es war sein Schicksal, Voldemort zu finden, gegen ihn zu kämpfen und ihn zu töten! Und je eher er damit begann, desto besser.

„Aber Harry, was willst du denn ohne Schulabschluss machen? Ich dachte du wolltest ein Auror werden.“

„Es gibt Dinge im Leben, die sind wichtiger als ein Schulabschluss! Oder denkt ihr, Voldemort fragt nach euren Schulabschluss, wenn ihr ihm gegenüber steht. Glaubt mir, die vier Male, die ich gegen ihn gekämpft habe, hat er das nicht getan!“, entgegnete Harry ärgerlich.

„Harry“, erwiderte Mrs. Weasley leise. „Keiner verlangt von dir, gegen ihn zu kämpfen. Wir, das heißt der Orden des Phönix, haben alles in unserer Macht stehende getan, um dich so gut wie möglich zu schützen. Du bist doch noch ein Junge, Harry!“

„ICH…“, sagte Harry scharf. „…bin der Einzige, der Voldemort besiegen kann! Einer muss durch die Hand des Anderen sterben, denn keiner kann leben, solange der Andere überlebt.“

„Die Prophezeiung“, flüsterte Lupin mit heiserer Stimme und starrte Harry an. Dieser schluckte. Er hatte sich verraten. Nur Hermine, Ron und Dumbledore wussten sonst noch von der Prophezeiung. Aber Dumbledore war tot…

Mrs. Weasley kam auf ihn zu und nahm ihn so fest in den Arm, dass er fast keine Luft mehr bekam. „Mein Junge, mein lieber Junge…“, schluchzte sie an sein Ohr und er konnte ihre Tränen auf seiner Wange spüren. Dann hörte er Mr. Weasleys Stimme: „Lass ihn los, Molly.“

„Ich kann nicht.“

„Doch du kannst“, entgegnete er sanft und befreite Harry vorsichtig aus der Umarmung seiner Frau. Er zwang sie, sich auf den Stuhl direkt neben Harry zu setzen und Charlie drückte ihr ein Glas Feuerwhiskey in die Hand, welches sie mit einem Zug lehrte. Langsam wich die Blässe aus ihrem Gesicht. Dann straffte sie entschlossen die Schultern.

„Und du kehrst trotzdem nach Hogwarts zurück!“ Und als Harry den Mund öffnete, um zu widersprechen, schnitt sie ihm mit einer Handbewegung das Wort ab. „Keine Widerrede! Ich werde mit Kingsley und Moody sprechen, damit sie dir in diesem Jahr zusätzlichen Unterricht geben. Falls du ‚Du weißt schon wen’ wirklich eines Tages gegenüberstehen solltest, bist du dann bestens vorbereit und vor allem MIT DER SCHULE FERTIG…“ Mr. Weasley legte seiner zitternden Frau gerade beruhigend eine Hand auf die Schulter, als Mrs. Weasley abermals entschlossen fortfuhr „Und ich warne dich, Harry, solltest du auch nur daran denken, dich heimlich davon zu schleichen, werde ich nicht ruhen, bis ich dich gefunden habe! Und dann lege ich dich übers Knie, ob du nun volljährig bist oder nicht!“

Bei ihren letzten Worten wurde Harry warm ums Herz. Er hatte nie eine wirkliche Mutter besessen. An seine eigene konnte er sich kaum erinnern. Und Tante Petunia konnte wohl niemand als Mutterersatz bezeichnen. Aber diese kleine, etwas mollige, rothaarige Hexe sorgte sich um ihn. War für ihn da, wenn er sie brauchte. Beim Trimagischen Turnier, nach Cedrics Tod, nach Sirius Tod…. Sie sorgte sich um ihn, wie um einen ihrer eigenen Söhne.

„Ich werde nach Hogwarts zurückkehren“, erklärte er mit ruhiger Stimme, bevor er in Gedanken hinzufügte: ,Ich werde zurückgehen, zumindest vorerst.’

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Harry erwachte am späten Nachmittag. Er blinzelte kurz und rieb sich die Augen. Etwas Rotes schwebte direkt über seinen Kopf. „He Harry, wie lange willst du denn noch schlafen?“, fragte das rote Ding.

„Hey Ron“, murmelte Harry und griff nach seiner Brille, dann sah er seinen besten Freund Ron Weasley an. Er hatte, wie auch der Rest seiner Familie, rotes Haar, zudem blaue Augen und eine lange Nase, die über und über mit Sommersprossen bedeckt war. Sein ganzes Gesicht leuchtete rot, so als ob er den ganzen Tag in der Sonne verbracht und davon einen Sonnenbrand bekommen hätte.

„Wir dachten schon, du würdest heute überhaupt nicht mehr aufwachen. Du hast ja schon das Mittagessen verpasst. Und warum hast du mich heute Morgen nicht geweckt, als du in mein Zimmer gekommen bist?“

„War zu müde“, nuschelte Harry.

„Wir hatten dich ja eigentlich schon gestern Abend erwartet. Mum ist fast verrückt geworden vor Sorge, euch könnte irgendetwas passiert sein, bis Hedwig dann den Brief von Kingsley gebracht hat. Fred und George haben erzählt, ihr seid mit einem Mugglewagen direkt unter den Augen der Todesser geflohen. Sag mal, hast du wirklich darauf bestanden, deinen Muggleverwandten zu helfen, nach all den Jahren, in denen sie dich so schlecht behandelt haben?“

„Ich konnte sie doch nicht einfach zurücklassen“ erwiderte Harry verlegen.

„Also, wenn die Dursleys meine Verwandten wären oder wenn ich da so an meinen Bruder Percy denke…“ Rons Miene verfinsterte sich. „… ich hätte die zurückgelassen.“

„Ich habe schon von Percys Streit mit Bill gehört“, mumelte Harry leise.

„Ach, hör bloß auf damit. Percy ist so ein sturer, dummer…“ Ron verstummte kurz, dann fuhr er fort: „Aber das Schlimmste weißt du anscheinend noch gar nicht.“

Harry sah Ron entsetzt an. Etwas Schlimmeres als Percys Streit mit Bill. „Ist was mit Ginny?“, erkundigte er sich heiser. Wenn ihr etwas passiert war, wenn die Todesser sie angegriffen hatten, dann war alleine er, Harry, Schuld daran. Hätte er im letzten Schuljahr keine Beziehung mit ihr angefangen…

„Nein nicht Ginny. Sie ist zwar in letzter Zeit häufig schlecht gelaunt und traurig. Hermine hat sie deswegen ja auch eingeladen, mit ihr und ihren Eltern Urlaub in Frankreich zu machen, um sie abzulenken… aber ich spreche eigentlich von Dad.“

„Dein Vater?“ Mr. Weasley hatte auf ihn einen vollkommen glücklichen und zufriedenen Eindruck gemacht.

„Es ist nicht nur Percy, der gegen die Hochzeit von Fleur und Bill ist, sondern jetzt auch noch Dad. Er und Mum streiten jedes Mal, wenn das Thema Hochzeit zur Sprache kommt. Mum ist, nachdem Fleur Bill nach seinem Wehrwolfbiss nicht verlassen hat, geradezu begeistert von ihr. Sie bringt ihr momentan Haushaltszeugs und so was bei. Dad ist allerdings der Meinung, dass die beiden noch warten sollten, bis sich die Umstände geklärt haben.“

„Aber ich dachte dein Vater mag Fleur. Und selbst wenn es stimmt, dass ihre Cousins Todesser sind, muss das doch noch lange nicht bedeuten, dass Fleur auch eine Todesserin ist.“

„Ich weiß auch nicht, was mit ihm los ist. Vielleicht setzt ihn ja auch das Ministerium unter Druck, von wegen Todesser in der Verwandtschaft und so. Das kannst du doch schon an einigen Verwandten und Freunden von uns sehen. Kaum wird Fleur mit Todessern in Verbindung gebracht, schon machen sie einen Rückzieher und sagen bei der Hochzeit ab. Sogar Tante Muriel will nicht kommen und ist auch nicht bereit, ihr Diadem rauszurücken. Und sie gehört eigentlich zu der Sorte Mensch, die sich aufgrund ihrer Neugierde nie eine Feier entgehen lässt. Ursprünglich wollten wir ja eine richtig große Hochzeit feiern, aber so wie es momentan aussieht, wird es sich wohl eher um eine kleine beschauliche Runde handeln.“

Arme Fleur, dachte Harry, und das nur, weil irgendwelche Verwandten von ihr verrückt gespielt hatten. Er mochte Fleur sehr gerne. Alleine schon wegen ihrer Art ihn „’Arry“ zu nennen. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht.

„Weißt du was, Harry? Sollen die doch wegbleiben, davon lassen wir uns das Fest nicht verderben. Wenn Bill heiratet, dann werden wir daraus eine richtige Party machen!“

„Was haben wir da von Party gehört? Du sprichst doch hoffentlich von Harrys Geburtstagsparty heute Abend. Da wartet unten übrigens noch ein riesiger Geburtstagskuchen von Mum auf dich, Harry. Wir haben versucht uns ein winzig kleines Stück - na gut zwei etwas größere Stücke - abzuschneiden, aber sie hat uns erwischt.“ Rons ältere Brüder George und Fred betraten das Zimmer. Fred trug ein riesiges bonbonrosafarbenes Paket mit einer ebenso riesigen rosa Schleife vor sich her und stellte es auf Harrys Bett. „Dein Geburtstagsgeschenk von uns“, sagten die Zwillinge grinsend.

„Danke.“ Vorsichtig öffnete Harry das Paket. Man wusste ja nie, was Fred und George für Überraschungen bereithielten. Im Inneren lagen zwei Päckchen Essbare, dunkle Male, vier Langziehohren und eine große Box mit der Aufschrift Inferno de Lux. Er strahlte die Zwillinge an, die ebenso zurückstrahlten.

Dann fiel sein Blick auf Ron, der gerade mit hochrotem Kopf diverse Schubladen seines Schreibtisches ausräumte.

„Ah, da sind sie ja.“ Triumphierend hielt er zwei zerknautschte Pakete in die Höhe, die er Harry sogleich in die Hand drückte. „Happy Birthday, Kumpel. Das mit der Karte ist von Hermine und das Andere ist von mir.“

„Danke, Ron“, erwiderte Harry und begann, das mintgrüne Päckchen von Ron zu öffnen. Darin befand sich eine orange Box, die sich furchtbar mit dem Grün des Geschenkpapiers biss, aber hervorragend zu Rons mit Postern voll geklebten Wänden passte. Harry las die Überschrift auf der Box:

Chudley Cannons Anfängerbox für Fans.

Inhalt:
1 Chudley Cannons Mannschafstposter
1 original Chudley Cannons Tröte
1 Chudley Cannons Trikot zum Selbstbeschriften
3 Chudley Cannons Schreibfedern
1 Buch über die Vereinsgeschichte der Chudley Cannons

„Ähm… danke, Ron“, sagte Harry zu seinem besten Freund und wusste nicht, ob er lachen oder den Kopf über ihn schütteln sollte.

„Wusste ich doch, dass dir das gefällt. Hab’ gedacht, du brauchst auch mal ein Quidditch-Team, das du anfeuern kannst. Und die Chudley Cannons sind echt toll“, erklärte ihm Ron begeistert, während seine beiden Brüder sich vor Lachen auf den Boden kugelten. „Da gibt es gar nichts zu lachen…“

„Ron“, japste George. „Die Mannschaft belegt seit fast zehn Jahren immer nur hintere Tabellenplätze.“

Während Ron mit George und Fred über die Vor- und Nachteile, ein echter Chudley Cannons-Fan zu sein, diskutierte, öffnete Harry, den zerknitterten Brief von Hermine.

Lieber Harry,

alles Liebe und Gute zu deinem 17. Geburtstag, auch von Ginny. Ich hoffe, es geht dir gut und du bist sicher im (leider darf ich das Wort nicht ausschreiben) angekommen. Ich bin zurzeit mit meinen Eltern in Urlaub in Frankreich.
Ich weiß nicht, ob auch der Tagesprophet darüber berichtet hat, aber vorgestern stand in einer französischen Zaubererzeitung, dass Fleurs Cousins Andrew und Jaques Delacour als Todesser verurteilt worden sind. Ist das nicht furchtbar, die arme Fleur. Wir haben uns zwar nie so richtig verstanden, aber das hat sie nun wirklich nicht verdient, so kurz vor ihrer Hochzeit.
In der französischen Zaubererwelt war die ganze Aktion übrigens ein riesiger Skandal. Fleurs Familie gehört in Frankreich zu einer der ältesten und bekanntesten Zaubererfamilien und ihr Vater bekleidet ein ziemlich hohes Amt im französischen Ministerium.
Während einige Franzosen anscheinend der Ansicht sind, dass es nur eine Frage der Zeit war, bevor die reinblütigen Delacours sich auf die Seite der Todesser stellen, gibt es aber auch viele Beweise dafür, dass das Ganze eine einzig riesige Verschwörung ist und ihre Cousins unter dem Imperius-Fluch standen. Zuerst konnte ich kaum glauben, dass das französische Ministerium einen solchen Fehler begeht. Gestern habe ich allerdings gelesen, dass Fleurs Vater sich im Ministerium einige Feinde gemacht hat, weil er sich für die Gleichstellung der Werwölfe und einiger anderer magischer Wesen einsetzt.
Wenn du mich fragst, passt dass Ganze nicht zusammen. Wieso sollte jemand die Einstellung eines Todessers vertreten und gleichzeitig gegen die Unterdrückung magischer Geschöpfe und Werwölfe kämpfen? Ich glaube viel eher, dass eine französische Ministeriumshexe à la Umbridge hinter dieser ganzen Aktion steckt und die Delacours in Misskredit bringen will.

Ich bleibe noch drei Wochen in Frankreich, komme aber rechtzeitig zusammen mit Ginny zur Hochzeit wieder zurück. Bitte grüße Fleur und Bill ganz lieb von mir.
Alles Liebe und Gute noch mal
Hermine

P.S. Sag Ron, er soll nicht soviel von deinem Geburtstagkuchen essen. Sonst passt er nicht in seinen Festumhang bei der Hochzeit.


Harry lachte kurz auf, legte den Brief zur Seite und öffnete Hermines Geschenk. Es handelte sich dabei um ein Buch über den NEWT-Prüfungsstoff – Eine Zusammenfassung. Das war mal wieder typisch Hermine. Das Schuljahr hatte noch nicht einmal angefangen und schon dachte sie an die Abschlussprüfung.

„Und was hat sie dir geschenkt?“, fragte Ron, der halb unter seinen Brüdern begraben auf dem Boden lag.

„Ein Buch über den NEWT-Prüfungsstoff.“ Harry zeigte Ron das Buch.

„Typisch Hermine.“

„Du sagst es. Ach übrigens, ich soll dir von ihr ausrichten, dass du auf deine Figur achten sollst, damit du bei der Hochzeit in deinen Festumhang passt.“

„Was?“ Ron schaute Harry entsetzt an und krabbelte unter seinen beiden Brüdern hervor.

„Und das gilt besonders für den Geburtstagskuchen“, riefen Fred und George. „So bleibt mehr für uns übrig.

„Aber, ich bin doch nicht dick“, sagte Ron und sah an seinen langen, schlaksigen Körper hinab.

„Natürlich nicht…“

„Überhaupt nicht, Ron…“ ergänzte Fred seinen Bruder.

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

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Samstag, 8. September 2007, 20:56

„Harry“, wandte sich Ron Hilfe suchend an seinen besten Freund.

„Du bist zumindest nicht so dick, als dass du nicht noch ein ordentliches Stück Kuchen essen könntest. Komm, lass uns runtergehen und schauen, was Fred und George uns noch übrig gelassen haben.“

Gemeinsam verließen die vier Rons Zimmer und stiegen die fünf Stockwerke hinab. Als sie die Küche betraten, fanden sie dort nicht nur Mrs. Weasley sondern auch eine junge Frau, mit langen, silberweißen Haar, welches seidig über ihre Schultern viel, vor.

„Hey Fleur“, sagte Harry. Fleur kam auf ihn zu und küsste ihn auf beide Wangen.

„’Allo ’Arry.“ Fleurs Stimme Klang leicht heiser. „Was ’ast du mit deinem Gesischt gemacht? Bill ’at gesagt, es gab keinen Kampf zwischen eusch und die Todesser.“

„Das waren keine Todesser, Fleur. Das war Hedwig.“

„’Edwig? Deine Eule? Du solltest sie besser erziehen.“

„Wenn ihr Kuchen haben wollt, den gibt es erst zum Abendbrot“, wurden sie von Mrs. Weasley jäh unterbrochen. „Ihr könnt aber schon mal die Tische im Garten aufstellen. Und du, Fleur, wolltest dich doch um die Wäsche kümmern. Also zuerst einmal musst du alle Taschen nachsuchen und dann…“

Ron zog Harry hinter sich her nach draußen. Direkt vor der Haustür befanden sich vier große Tische. Harry richtete seinen Zauberstab auf einen der Tische, sagte „Wingardium Leviosa“ und ließ den Tische in den Garten schweben.

„Erwartet ihr Besuch?“, erkundigte sich Harry, als er den Tisch im gemütlichen Garten der Weasleys sanft auf den Rasen sinken ließ.

„Aber natürlich Harry, wir dachten, wir feiern deinen Geburtstag mal etwas größer und haben einige Leute aus dem Orden des Phönix eingeladen. Tonks und Remus, Lee Jordan und Angelina Johnson…“

„Lee und Angelina sind dem Orden des Phönix beigetreten?“ fragte Harry George überrascht.

„Natürlich. Wir bezeichnen uns selber als die neue Generation. Neben Fred, mir, Lee und Angelina gehören noch Alicia Spinnet, Eddi Carmichael…“

„Der Eddi Carmichael, der versucht hat, uns bei den OWL-Prüfungen sein so genanntes Baruffios Gehirnelixier zu verkaufen?“

„Tja, Eddi war schon immer sehr geschäftstüchtig. Zurzeit entwickelt er Verkaufsstrategien für unsere Scherzartikel und als wir ihn gefragt haben, ob er nicht beitreten will, hat er sofort zugesagt. Also, dann sind noch Eddis Kumpel Roger Davies und dessen Freundin Eloise Midgen….“ George wurde abermals von Harry unterbrochen.

„Das Mädchen mit dieser furchtbaren Akne ist mit Roger Davies zusammen?“ Harry konnte seinen Ohren nicht trauen. Roger Davies war sonst mit Mädchen wie Fleur Delacour ausgegangen und nun war seine Freundin die pickelgesichtige Eloise Midgen? Ihm lief ein kleiner Ekelschauer über den Rücken.

„Roger ist mit ihr aufgrund ihrer inneren Werte zusammen und ich muss sagen, sie ist auch wirklich sehr nett“, erklärte Fred grinsend.

„Und was ist mit Katie Bell und Oliver Wood?“ erkundigte sich Harry, neugierig, noch weitere Details zu erfahren.

„Katie macht mit ihrer Freundin Leanne eine Tour durch Australien. Und Oliver…“

„Tja, der gute alte Oliver. Ist ja jetzt Reservehüter bei Eintracht Pfützensee und hat nur noch sein Quidditch im Kopf“, unterbrach Fred seinen Bruder. „Wir sind extra ins Trainingslager der Mannschaft gefahren, um Oliver zu fragen, ob er dem Orden beitreten will. Aber er meinte, Politik sei ihm egal, solange sie ihm nicht verbieten würden, Quidditch zu spielen und die Meisterschaft zu gewinnen. Und als wir ihn darauf hinwiesen, dass man ‚Du weißt schon wen’ nicht unbedingt als Politiker bezeichnen kann und die Quidditch-Saison noch gar nicht begonnen hat…“

„… da hat er uns mit seinen Besen vom Platz gejagt“, vollendete George den Satz.

Harry musste sich beherrschen, um nicht laut loszulachen. Allein die Vorstellung, dass Fred und George gefolgt von einem Besen schwingenden Wood über das Quidditchfeld liefen…

„Aber dafür ist ein anderer Spieler von Eintracht Pfützensee dem Orden beigetreten.“ Harry sah sie wissbegierig an. „Veritas Vaisey.“

Harry überlegte. Er kannte diesen Namen, aber woher? Dann viel es ihm wie Schuppen von den Augen. „Veritas Vaisey, der Slytherinjäger, der bei unserem Spiel gegen die Slytherins letztes Jahr krank war und nicht mitspielen konnte?“

„Er ist wirklich ein talentierter Spieler. Er ist nicht nur Reservejäger, sondern gehört zu der ersten Mannschaft…“

„Aber Fred, er ist ein verdammter SLYTHERIN!“, ereiferte sich Harry.

„Das haben wir ja zuerst auch gedacht, als er uns, nachdem Wood uns weggeschickt hatte, nachgelaufen kam und sagte, er hätte unser Gespräch belauscht und wolle dem Orden beitreten. Natürlich haben wir zuerst abgelehnt, aber er hat einfach nicht locker gelassen. Kam fast jeden Tag bei uns im Geschäft vorbei… War sogar bereit, sich Veritaserum geben zu lassen, um zu beschwören, dass er es ernst meint und gegen die Todesser kämpfen will.“

„Aber das ändert nichts daran, dass er immer noch ein Slytherin ist. Der letzte und einzige Slytherin, der jemals im Orden war, hat Dumbledore getötet.“ Harrys ganzer Körper bebte vor Entrüstung. Als er dem Phönixorden beitreten wollte, hatten sie ihn nicht aufnehmen wollen und nun konnte noch nicht einmal zwei Monate nach Dumbledores Tod wieder so ein verräterischer Slytherin einfach in den Orden eintreten. „Alle Zauberer, die jemals auf die Seite des Bösens gewechselt sind, kamen aus Slytherin! Wie könnt ihr also einfach einen von ihnen vertrauen?“

„Das stimmt nicht Harry“, mischte sich nun auch Ron in das Gespräch ein. „Peter Pettigrew war in Gryffindor, Stan Shunpike ein Hufflepuff…“

„Ron. Bei Pettigrew magst du Recht haben, aber Stan wurde doch nur eingesperrt, damit das Ministerium vor der Zauberergemeinschaft besser da steht. Stan ist kein Todesser.“

„Gut Kumpel“, erwiderte Ron. „Und was ist mit Cormac McLaggen? Er war einer der beiden Todesser, die im Ministerium bei der Einführung des Veritaserumverfahren überführt werden konnten.“

„McLaggen ist ein Todesser?“, hakte Harry schockiert nach. Die drei Weasleybrüder nickten. Harry hatte nicht allzu gute Erinnerungen an McLaggen, ihm war er immer als unendlich arrogant und von sich selbst überzeugt erschienen. Aber dass er sich, kaum dass er die Schule beendet hatte, sofort den Todessern anschließen würde, hätte Harry nie erwartet.

Nachdenklich schüttelte er den Kopf, dann viel ihm etwas ein. „Da ich ja nun auch volljährig bin, werde ich selbstverständlich dem Orden des Phönix beitreten.“

„Das kommt überhaupt nicht in Frage!“ Mrs. Weasley schien mit Fleurs Instruktion fertig zu sein und war, mit mehreren Türmen Geschirr vor sich herschwebend, ihren Söhnen nach draußen gefolgt. „Fred und George durften auch erst nach ihren Schulabschl… also erst später eintreten. Es wären ihnen gegenüber unfair, wenn du und Ron jetzt früher beitreten dürftet.“

„Aber Mum. Wir haben überhaupt kein Problem damit, wenn Harry auch zum Orden des Phönix gehört, solange wir nur Ron noch ein Jahr zappeln lassen dürfen“, widersprachen die Zwillinge ihrer Mutter.

„Ich habe nein gesagt!“

„Und was sollte uns denn daran hindern, Harry alles zu erzählen, was im Orden vorgeht?“

„Für wie dumm haltet ihr uns eigentlich? Glaubt ihr wirklich, dass ihr nur ein einfaches Blatt Papier unterschrieben habt, als ihr in den Orden eingetreten seid? Und wenn ihr nicht Zeit eures Lebens singen, lispeln, euch tanzend fortbewegen und unter anderem ‚Petze’ quer über euer Gesicht stehen haben wollt, dann würde ich an eurer Stelle besser den Mund halten“, erwiderte Mrs. Weasley triumphierend.

„Hee. Die Idee mit dem Zettel und der ‚Petze’ habt ihr aber von Hermine geklaut“, rief Ron.

„Sagen wir es doch einfach so, wir haben uns von einem unglücklichen, jungen Mädchen im St. Mungos inspirieren lassen“, erklärte Mrs. Weasley sanft und drückte mit einem Wink ihres Zauberstabes jedem von ihnen einen Stapel Geschirr in die Hände. „Könntet ihr den Tisch decken? Und bitte verwendet keine Magie. Das ist das gute Geschirr.“ Mit diesem Worten verschwand sie wieder im Haus.

„Cho’ s Freundin Marietta Edgecomb“, sagte Harry zu den drei Wealey Brüdern, als sie anfingen, den Tisch einzudecken.

„Sie ist zumindest die einzige Person, die wir kennen, die ‚Petze’ quer über ihr Gesicht stehen hat. Eines muss man Hermine lassen, ihre Zauber sind wirklich äußert effektiv“, lobte Fred die schlaue Gryffindor Hexe und beste Freundin von Harry und Ron.

„Hmh,...“, brummte Harry nachdenklich. „Was ist mit Cho? Wollte sie nicht beitreten?“

Die beiden Zwillinge sahen sich kurz an, bevor George antwortete: „Um ehrlich zu sein, wir haben sie nicht gefragt. Wegen deinem Streit mit ihr und Marietta und so…“

„Ihr solltet sie trotzdem mit einbeziehen“, meinte Harry leise und ging zum nächsten Tisch.

„Wenn du das meinst, Harry.“ Fred stellte den letzten Teller auf seinen Platz. „Ich werde gleich Mum fragen gehen, ob sie uns McGonagalls Zettel geben kann. Dann können wir Cho heute Abend einladen und es ihr anbieten. Ist das okay, Harry?“

Harry nickte, bevor ihm schlagartig einfiel: „Professor McGonagall ist euer Geheimniswahrer. Ich wusste doch gleich, dass mir diese grüne Schrift bekannt vorkam.“

„Ich dachte, du wusstest, wer unser Geheimniswahrer ist“, erwiderte Ron überrascht, während sie zurück zum Haus gingen „Es war gar nicht so einfach, den Fideliuszauber auf den Fuchsbau zu legen, bei den ganzen Stützzaubern, die Dad beim Hausbau machen musste. Je mehr Zauber nämlich bereits auf einen Haus liegen, umso schwieriger ist es, zusätzlich noch einen Fideliuszauber darüber zu legen. Und unser Haus hat definitiv ziemlich viele Zauber nötig, um nicht zusammenzufallen. Dad ist nun einmal nicht der geboren Hausbauzauberer.“

Harrys Blick wanderte an dem, an allen Ecken und Kanten erweiterten, Fuchsbau einmal auf und ab, bevor er auf einem der vier Schornsteine verharrte, der, dem warmen Wetter zum Trotze, friedlich vor sich hin qualmte. Nein, Mr. Weasley war ganz gewiss nicht der geborene Hausbauzauberer.

„MUM. MUM. Wir brauchen den Geheimniswahrer-Zettel“, rief George, als sie die Küche betraten.

Sie hörten lautes Fußgetrappel auf der Treppe, dann stürmte Mrs. Weasley in die Küche. „Das kommt gar nicht in Frage. Das letzte Mal, als ich ihn euch beiden gegeben habe, habt ihr ihn allen möglichen Freunden von euch gezeigt. Diesen Lee Jordan, der seine Tarantel in meiner Küche raus gelassen hat, und eurem ehemaligen Quidditchteam und noch allen möglichen anderen Leuten, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Es ist zwar schön und gut, wenn ihr Zauberer für den Orden anwerbt. Aber müssen denn alle hierher kommen, um sich dafür einzuschreiben?“

„Aber Mum, das ist der einzige sichere Ort“, widersprachen die Zwillinge.

„Einziger sicherer Ort, dass ich nicht lache. Wisst ihr eigentlich, dass das, was ihr macht, bodenloser Leichtsinn ist? Minerva hat sich bereit erklärt, für uns als Geheimniswahrerin zu fungieren, was sie in äußerst große Gefahr bringt. Aber ihr haltet das alles anscheinend für ein Versteckspiel, zu dem ihr eure ganzen ehemaligen Schulfreunde einladen könnt. Das ist ein Geheimniswahrerversteck und keine Drehtür für Heerscharen von Zauberern, die kaum größer als ein Knuddelmuff sind.“

„Bitte Mum.“ Die beiden Zwillinge sahen ihre Mutter mit einem Hundeblick an. Aber Mrs. Weasley ging nicht darauf ein: „Ich sage nein. Außerdem habe ich den Zettel zum letzten Mal vorgestern bei EUCH beiden gesehen, als dieser komischer Vaisey zum Fuchsbau gekommen ist, um in den Orden einzutreten. Aber nun ist Schluss damit! Gebt den Zettel her!“

Fred und George sahen von einen zum Anderen.

„Hast du ihn?“

„Nein, du?“

Beide fingen an, ihre Hosentaschen zu durchsuchen, bis George sich auf einmal mit der Hand gegen den Kopf schlug: „Ich weiß, wo der Zettel ist. In der Wäsche. Du hast doch zu mir gesagt, ich soll ihn in deine Tasche stecken, Fred, gestern als wir Harry abholen wollten. Wusste ja nicht, dass…“

„Wollen wir hoffen, dass Fleur ihn gefunden hat.“ Mrs. Weasley warf ihren beiden Söhnen einen Furcht einflößenden Blick zu, der sagte: „Wehe, wenn nicht…“, und rief dann mit falscher, süßlicher Stimme „Fleur, meine Liebe, hast du beim Waschen zufälligerweise einen Zettel gefunden?“

Eine ziemlich durchnässte Fleur taucht daraufhin in der Küche auf. Ihr langes silberblondes Haar hing ihr in Strähnen ins Gesicht. Ihr Anblick erinnerte Harry mehr an eine getränkte Maus als an die Enkelin einer Veela. Anscheinend lagen ihr diese Wäschewaschzauber nicht wirklich.

„Was fur eine Zettel, Molly? Isch ’abe keine Zettel gefunden.“

Während sich Mrs. Weasley vor den Zwillingen aufbaute, die immer mehr in sich zusammen zu schrumpfen schienen, begannen in Harrys Kopf die Alarmsirenen zu schrillen. Wenn der Geheimniswahrer-Zettel weg war, wenn ihn jemand geklaut hatte… ‚Veritas Vaisey’, schoss es ihm durch den Kopf. Traue niemals einen Slytherin!

Im nächsten Moment hörte Harry einen lauten Aufschrei: „Non!“

Er kam von Fleur, die eine nasse Jacke in der einen und einen ebenso nasses und durchweichtes Stück Papier in der anderen Hand hielt.

Augenblicklich ließ Mrs. Weasley von Fred und George ab und nahm Fleur den Zettel aus der Hand. Harry konnte erkennen, dass die grüne Tinte auf dem Blatt Papier vollkommen verlaufen war.

Mrs. Weasley betrachtete den Zettel kurz, bevor sie ihn ihren beiden Söhne vor die Nase hielt: „WIE OFT HABE ICH EUCH BEIDEN GESAGT, IHR SOLLT EURE TASCHEN AUSLEEREN, BEVOR IHR EURE SACHEN ZUR WÄSCHE GEBT? Dir gebe ich keine Schuld, Fleur, so ein kleines Zettelchen kann man sehr leicht übersehen.“

Fred und Georg schrumpften immer weiter in sich zusammen, während Mrs. Weasley immer größer zu werden schien und den Zettel mit der verschmierten Schrift vor ihnen in der Luft zerriss. „UND WIE KÖNNT IHR ES WAGEN, AUSGERECHNET DIESEN ZETTEL ZU VERGESSEN? ICH HABE EUCH TAUSEND MAL GESAGT, IHR SOLLT IHN MIR, SOBALD IHR IHN NICHT MEHR BRAUCHT, ZURÜCKGEBEN. ABER NEIN. WAS SOLL NUR MINERVA VON UNS DENKEN, WENN ICH ZU IHR HINGEHEN UND SIE UM EINEN NEUE ZETTEL BITTEN MUSS? OH, DIESE SCHANDE. DAS IST ALLES EURE SCHULD!“

Fred und Georg schluckten, als Mrs. Weasley Stimme erneut losdonnerte. Harry empfand zum einen Mitleid mit den Zwillingen, war andererseits aber auch erleichtert, dass sich der Geheimniswahrer-Zettel wieder angefunden hatte. Es wäre nicht auszudenken gewesen, wenn die Zwillinge ihn verloren hätten, oder wenn er von einem Todesser gestohlen worden wäre. Veritas Vaisey. Der Name hallte unwillkürlich in seinem Kopf wider. War er ein Todesser oder wollte er wirklich dem Orden des Phönix’ helfen? Harry sah nachdenklich auf die Zettelschnipsel zu seinen Füßen. War er ein Freund oder würde er sich letztendlich doch, wie so viel Slytherins, die er kannte, als Feind herausstellen?

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

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Samstag, 8. September 2007, 21:40

Wieder ein total tolles Kapitel! Ach, Voldemort ist kein Politiker?! *lol* Und das mit Veritas Vaisey ist auch total spannend!
Bin schon auf Fortsetzung gespannt!! :)

LG. =)

Edit: Ach ja, und wenn du noch einen beta-Leser suchst, steh ich dir gern zur Verfügung! :) Und wenn du schon jemanden hast, ists auch egal...;)
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Plumbum

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Dienstag, 18. September 2007, 19:37

Kapitel 4: Im Apparationstestzentrum

Es war bereits früher Vormittag, als Harry und Ron am nächsten Tag mit müden Gesichtern in die Küche schlichen. Harry gähnte kurz, streckte sich und sah sich suchend nach Mrs. Weasley um. Er entdeckte allerdings nur drei riesige Stapel dreckiges Geschirr in der Abwaschecke der Weasleys, die, wenn sie auch nur ansatzweise den Gesetzen der Physik folgen würden, schon längst umgefallen sein müssten. In der anderen Ecke, in der gestern Morgen noch Stricknadeln fleißig an einem braunen Pullover mit einem halben R gestrickt hatten, stapelte sich nun das Essen, was vom Vorabend übrig geblieben war. Aber von Mrs. Weasley war weit und breit nichts zu sehen.

„Diesmal bin ich vorbereitet“, hörte er Ron auf einmal leise neben sich murmeln. Harry wandte sich zu ihm um und sah, wie Ron vollkommen Gedanken versunken ein kleines, rotes, haariges Etwas in seiner Hand betrachtete.

„Was ist das denn?“, fragte Harry und beugte sich vor, um einen besseren Blick auf das rote Ding zu haben.

„Aufklebbare Augenbraue. Die wirkt perfekt. Das haben mir zumindest Fred und George versichert. Du weißt ja, dass ich das letzte Mal durchgefallen bin, weil…“

„Gib das Ding sofort her. Dass du dich nicht schämst, Ronald Weasley! Bei einer Prüfung betrügen zu wollen!“ Mrs. Weasley erschien wie aus dem Nichts neben Ron. Hinter ihr sah Harry die Reste seines riesigen Geburtstagskuchens schweben.

„Aber Mum. Die soll doch nur zur Reserve sein, falls…“, jammerte Ron.

„Nichts da“, erwiderte Mrs. Weasley. Widerwillig ließ Ron seine Ersatzaugenbraue in ihre ausgestreckte Hand fallen. Mrs. Weasley nahm die Reserveaugenbraue und ließ dann, mit einem Wink ihres Zauberstabes, den Kuchen an Ron und Harry vorbei zu den anderen Essensresten schweben.

„Und habt ihr ausgeschlafen?“, fragte Mrs. Weasley die beiden gut gelaunt, als sie zum Herd ging.

Während Harry ein kurzes „Mhm, danke“ murmelte, antwortete Ron nicht, sondern ließ sich, beleidigt über den Verlust seiner Augenbraue, auf einen Küchenstuhl sinken und legte seinen Kopf auf den Tisch, wo er dann bereits kurze Zeit später laut zu schnarchen begann.

Auch Harry setzte sich an den Küchentisch. Ihm gelang es jedoch, im Gegensatz zu Ron, die Augen offen zu halten. Zumindest glaubte er das. Allerdings musste er feststellen, dass sich irgendwann beim Augenzwinkern ein vorher leerer Teller wie von Zauberhand in einen gefüllten verwandelt hatte. Harry starrte den voll gehäuften Teller an. Er hatte das Gefühl, als würde sich eine riesige Faust um seinen Magen schließen. Die fünf Stücke Kuchen, die er gestern Abend bei seiner Geburtstagsparty gegessen hatte, waren definitiv zu viel gewesen.
„Wenn ihr noch etwas von der restlichen alkoholfreien Bowle trinken wollt, dann nehmt sie euch bitte“, unterbrach Mrs. Weasley seine Gedanken und stellte eine kleine Schüssel Pfirsichbowle auf den Tisch.

Aber weder Harry noch Ron kamen ihrer Aufforderung nach. Ron, weil sein Kopf immer noch auf dem Holztisch lag und er friedlich vor sich hin schnarchte. Und Harry, weil er wusste, dass Mrs. Weasleys alkoholfreie Bowle nicht mehr ganz so alkoholfrei war, nachdem Fred heimlich eine Flasche Feuerwiskhey hinzugefügt hatte.

Appetitlos stocherte Harry mit seiner Gabel in seinem Frühstück, ohne wirklich etwas davon zu essen. Er beobachtete stattdessen, wie Mrs. Weasley mit einem kurzen Schwenk ihres Zauberstabes das dreckige Geschirr veranlasste, sich von selbst zu waschen. Dann wanderte sein Blick durch das offene Fenster hinaus in den Garten. Dort erblickte er fünf Gnome, die so stark hin und her wankten, als hätten sie gerade ein Degnomierung hinter sich. Anscheinend hatten sie gestern Nacht eine kleine After-Party gefeiert und sich dabei an der Pfirsichbowle gütlich getan.

‚Gott sei Dank, dass Hermine nicht hier ist’, schoss es Harry beim Anblick der Gnome unwillkürlich durch den Kopf. Sie würde mit Sicherheit sofort einen neuen Bund gegen die Alkoholvergabe an nichts ahnende magische Geschöpfe ins Leben rufen. Dann fühlte er sich schuldig, ob dieses Gedankens. Sie war immerhin seine beste Freundin und er vermisste sie wirklich sehr. Vor allem hatte sie ihm gestern Abend bei der Party gefehlt.

Aber trotz Hermines Abwesenheit war es die schönste Geburtstagparty gewesen, die Harry je gefeiert hatte und wenn er genauer darüber nachdachte, auch die bislang einzige. Die Dursleys hatten seinen Geburtstag nie als einen Anlass zum Feiern gesehen und Mugglefreunde in der dursleyschen Nachbarschaft hatte er dank Dudley auch nie besessen.

„Guten Morgen, Weasleys. Guten Morgen, Harry. Was ist denn das für ein Lärm hier drinnen?“ Mr. Weasley kam mit einem nassen Tuch an die Schläfe gepresst in die Küche, das geliebte Wohnwagenprospekt unter den Arm geklemmt, und sah sich suchend nach der Lärmquelle um. Sein Blick fiel unwillkürlich auf Ron.

„Molly, Liebling, würdest du bitte.“

„Silencio.“ Mrs. Weasley zeigte kurz mit ihrem Zauberstab auf Ron, der augenblicklich verstummte.

„Danke“, sagte Mr. Weasley daraufhin leise zu seiner Frau, bevor er sich an Harry wandte. „Und Harry, bist du schon aufgeregt wegen deiner heutigen Prüfung?“

„Arthur, musste das jetzt sein? Du machst den armen Harry doch nur nervös.“ Mr. Weasley zuckte, ob der lauten Stimme seiner Frau, zusammen und griff sich an die Schläfe.

„Molly“, wimmerte er dabei leise. „Wie ging doch gleich dieser Kopfschmerzzauber…“

Harry achtete nicht weiter auf die beiden, sondern starrte wieder seinen Teller an. Der Apparationstest. Heute würde er vor den Augen eines Ministeriumsprüfers apparieren müssen, um seine Lizenz zu erhalten. Krampfhaft versuchte er sich an die Berichte von Ron und Hermine zu erinnern, die bereits im Frühjahr den Test absolviert hatten. Aber das Einzige, was ihm jetzt noch dazu einfiel, war, dass Ron seine linke Augenbraue bei der Apparationsprüfung zurückgelassen hatte.

Harry, begann sich unwillkürlich zu fragen, welcher Körperteil am wenigsten auffallen würde, wenn er ihn beim Apparieren vergaß. Er schwankte gerade zwischen seinem kleinen Zehnagel und einem Leberfleck, als es an der Tür klopfte und Kingsley die Küche betrat. Von seiner linken Hand baumelte ein braunes Knäuel herab. In seiner rechten Hand trug er den Tagespropheten.

„Morgen. Ich glaube das gehört euch.“ Kingsley legte die Zeitung und das braune Knäuel vor Harry auf den Küchentisch.

„Errol“, rief Mrs. Weasley und hob den Vogel vorsichtig hoch. Die Eule fiepte leise.

„Ihr solltet vielleicht wirklich mal über eine neue Eule nachdenken“, schlug Kingsley vor und ließ sich neben Harry auf einen Stuhl fallen. „Das ist jetzt schon das dritte Mal, dass ich ihn draußen vor der Tür gefunden habe.“

„Aber es würde Errol doch verletzten, wenn wir jetzt einfach so eine neue Eule kaufen…“

Harry hörte nicht weiter zu. Sein Blick sog sich förmlich an der neusten Ausgabe des Tagespropheten fest. Ganz oben auf dem Titelblatt, direkt neben dem Bild eines Dementoren mit der Überschrift Verschärfung der Gesetze nach Massenflucht aus Askaban - Todesser, die bereits gemordet haben, erhalten unmittelbar nach Verhandlung den Dementoren-Kuss, winkte ihm ein lächelnder Mann mit dauergewelltem Haar entgegen. Harry kannte diesen Mann. Es war niemand anderes als Gilderoy Lockhart. Schnell überflog er den Artikel.

Gilderoy Lockharts großes Comeback (von Rita Kimmkorn)

Nach mehreren Jahren Aufenthalt in der Langzeitabteilung für Fluchschäden im St. Mungo-Hospital für magische Krankheiten und Verletzungen kehrt der wieder genesene Gilderoy Lockhart, Autor der Bestseller „Wanderung mit Werwölfen“, „Tanz mit der Todesfee“…, mit einem Paukenschlag in die Öffentlichkeit zurück.
Wie gestern bekannt wurde, war es niemand anderes als der fünfmalige Gewinner der Auszeichnung der Hexewoche für das charmanteste Lächeln selbst, der vor gut zwei Wochen in einem, wie gemunkelt wird, spektakulären Kampf den Todesser Lucius Malfoy tötete (wir berichteten).
Grund zu dieser Annahme gaben mehrere, erst kürzlich gemeldete Augenzeugenberichte. Eine etwas verwirrt aussehende Hexe erzählte uns: „Also da war dieser hässliche Todesser Malfoy. Der hat einfach eine schwangere Frau mit ihren drei kleinen Kindern angegriffen. Ich dachte ja schon, jetzt macht der die fertig…, als plötzlich dieser gutaussehende, charmante, junge Mann auftauchte und sie rettete.“
Gilderoy Lockhart selbst bestätigte gestern Abend die Gerüchte um seine Person. Auf unsere Frage, wie er Lucius Malfoy getötet habe, hüllte er sich allerdings in Schweigen. Nur soviel wollte er verraten: „Ich werde ein Buch darüber schreiben. In diesem werde ich dann von meinem unerschrockenen Kampf gegen den Todesser Lucius Malfoy berichten.“ Den Titel dieses Buches hat er uns übrigens auch schon verraten: Trouble mit Todessern ….


„Das darf doch wohl nicht wahr sein“, schnaufte Harry verärgert, als er den Artikel fertig gelesen hatte. Wie konnte Lockhart nur, kaum dass er aus dem Krankenhaus entlassen war, erneut anfangen, sich mit den Taten anderer Zauberer zu schmücken. Voldemort würde ihn, wenn er dieser Lüge Glauben schenken sollte, von seinen Todessern umbringen lassen. Das wäre zwar kein großer Verlust für die Zaubererwelt, aber auch Lockharts waren immerhin Menschen.

„Was ist denn, Harry?“ Mrs. Weasley war hinter ihn getreten und las nun ebenfalls den Artikel durch.

„Oh. Ist das nicht wunderbar? Kaum dass er St. Mungo’s verlassen hat, wendet er sich auch schon seinem Kampf für die gute Sache zu. Ach. Das ist ein Mann. Das ist ein wahrer Held“, murmelte Mrs. Weasley bewundernd, wurde dann allerdings in die Seite gepiekst. Unbemerkt von allen anderen, war Ron endlich aus seinem Nickerchen erwacht und deutete nun wild gestikulierend mit dem Finger auf seine Kehle.

Kaum dass Mrs. Weasley seinem Wunsch nachgekommen war, brüllte er sie auch schon an: „Lockhart ist nichts anderes als ein wichtigtuerischer Spinner, der jeden und alles signiert, was nicht schnell genug vor ihm weglaufen kann. Das Einzige, was er beherrscht, ist sein Gedächtniszauber und den wollte er auf mich und Harry loslassen, damals als Ginny in der Kammer des Schreckens lag.“

„Aber Ron…“, versuchte Mrs. Weasley ihn zu beruhigen, allerdings ohne Erfolg, denn Ron hatte sich bereits in Rage geredet: „Hermine und Ginny wären damals beinahe gestorben, weil dein großer, toller Held zu feige war, sich dem Basilisken zu stellen. Sie wären jetzt tot, wenn mein Zauberstab seinen Gedächtniszauber nicht auf ihn zurück geschossen hätte. Hermine könnte tot sein.“

Ron ließ sich auf seinen Stuhl zurückfallen. Er war puterrot im Gesicht und hatte seine Hände zu Fäusten geballt. Er zitterte vor Wut, während er Mrs. Weasley anstarrte. Auch Mrs. Weasley zitterte, allerdings war sie schneeweiß im Gesicht. „Das habe ich doch nicht gewusst, Ron“, sagte sie tonlos.

Das einzige Geräusch, welches man danach noch vernehmen konnte, war das Klappern des Geschirrs, während es sich selbst abwusch. Harry fühlte sich irgendwie deplatziert. Es kam ihm alles so unreal vor. Ron hatte seine Mutter angeschrieen. Nicht Mrs.Weasley Ron. Nein, umgekehrt und Mrs. Weasley hatte noch nicht einmal zurück geschrieen. Gerade stand sie auf, ging zu einem ihrer Regale, zog ein Buch hervor und warf es in den Abfalleimer.

Harry konnte kurz bevor das Buch im Eimer verschwand noch einen Teil des Titels lesen: Gilderoy Lockharts Ratgeber für ….

„Hmhm“, unterbrach Kingsley das Schweigen, „ Ich bin ja eigentlich nur vorbei gekommen, weil die Zwillinge mir geschrieben haben, dass ihr meinen Geheimniswahrerzettel von Minerva benötigt. Und da ich sowieso in der Gegend war…“ Er zog einen Blatt Papier hervor und drückte es Mrs. Weasley in die Hand, wobei deren blasse Wangen von einer leichten Röte überzogen wurden.

„Etwas alkoholfreie Bowle, Kingsley?“, bot sie ihm an, um ihre Verlegenheit zu überspielen. Kingsley schaute allerdings nur von ihr zu Ron, bevor er meinte: „Lieber nicht Molly. Ich muss dann mal weiter. Viel Glück beim Apparationstest, Jungs.“

Kingsley hetzte regelrecht aus dem Raum. Am liebsten wäre Harry ihm gefolgt. Das Schweigen schien ihn beinahe zu erdrücken. Der Fuchsbau war, solange er sich erinnern konnte, niemals ruhig gewesen. Immer wurde hier geredet, gelacht oder auch geschimpft. Aber diese Stille war Harry unbekannt und zum ersten Mal fühlte er sich im Haus der Weasleys nicht wohl.

Dann sah er, wie Mrs. Weasley aufstand, sich vor Ron hinstellte und vorsichtig einen Arm um Rons Schulter legte: „Es tut mir leid, Ron. Ich wusste das wirklich nicht.“

„Schon gut“, murmelte Ron und umarmte sie auf seine typisch ruppige Art und Weise.

Harry atmete erleichtert auf. Mr. Weasley tat es ihm gleich, wobei Harry ihn „Wie die Mutter“ murmeln hörte. Dann blickte er auf seine Uhr: „Oh nein, wir kommen zu spät! Ron, Harry, beeilt euch!“

Er sprang auf und eilte zum Kamin. „Wir reisen per Flohnetzwerk. Du zuerst, Harry.“

Zögernd trat Harry an den Kamin und nahm sich eine Hand voll Flohpulver vom Kaminsims. Er hatte nicht wirklich gute Erinnerungen an die Reise mit Flohpulver. Bei seinem ersten Versuch war er doch glatt einen Kamin zu weit gefloht. Harry atmete tief durch und warf das Pulver in das Kaminfeuer, welches sich grün färbte. Dann trat er in die Flammen hinein und rief klar und deutlich: „Das Zaubereiministerium.“

Harry fühlte, wie er umhergewirbelt wurde. Er schloss seine Augen, als er merkte, wie sein Magen zu blubbern begann. Nie wieder würde er fünf Stücke Kuchen essen, schwor er sich.
Das Wirbeln wurde langsamer und Harry stolperte aus einem Kamin. Er hätte sich fast auf den Beinen halten können, wenn dieser polierte Parkettboden nicht so glatt gewesen wäre.

Allerdings war er nicht der Einzige, dem es so erging. Keine zehn Sekunden später stolperte auch Ron aus einem der unzähligen, offenen Kamine, die sich entlang beider Seitenwände einer großen Halle erstreckten und fiel ihm direkt vor die Füße.

Mr. Weasley, der als Letzter aus einem der Kamine stieg, scheuchte sie sofort mit einem „nicht bummeln“ weiter.

Während Harry ihm und Ron folgte, sah er sich prüfend in der großen Eingangshalle um. Sie hatte sich seit seinem ersten Besuch im Ministerium nicht verändert. Überall schimmerten Goldverzierungen. An den Wänden, an den Kaminen und sogar an der pfauenblauen Decke. Auch die Figuren der magischen Geschwister waren repariert worden und bildeten wieder den Mittelpunkt der Eingangshalle.

Nur eine Sache war Harry neu. Der Durchgang, der zu dem Nebenraum der Halle mit den Liften führte, war weiträumig abgesperrt worden. Vor diesem Bereich hatten sich einige Warteschlangen gebildet. Auf die kürzeste von diesen steuerte Mr. Weasley zu.

Harry beschleunigte seine Schritte, bis er direkt neben ihm herging, bevor er fragte: „Wozu sind denn die Absperrungen da?“

Mr. Weasley stellte sich ans Ende einer Schlange an. „Identitätsmessung. Hast du denn nichts von den neuen Sicherheitsvorkehrungen im Ministerium im Tagespropheten gelesen?“

Natürlich hatte Harry davon gelesen. Er nickte.

„Weißt du auch, wie diese Dinger funktionieren?“, erkundigte sich Mr. Weasley, diesmal schüttelte Harry allerdings den Kopf. Er hatte sich nie wirklich darüber informiert, wie genau das Ministerium gesichert worden war. Immerhin standen jeden Tag neue Gräueltaten der Todesser im Tagespropheten, warum sollte es ihn daher interessiert haben, was Scrimgeour im Ministerium machte.

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

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Plumbum

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Dienstag, 18. September 2007, 19:38

„Vor zwei Monaten hat Scrimgeour beschlossen, das Ministerium sicherer zu machen, und so genannte Identitätsmesser besorgt. Auf diesen Identitätsmessern liegen mehrere komplizierte Zauber, frag mich bitte nicht, wie die alle heißen“ , wehrte Mr. Weasley ab, als Harry den Mund öffnete. „Auf jeden Fall überprüfen diese Identitätsmesser, ob der Körper und der Geist einer Person zusammengehören. Nimmt eine Person zum Beispiel Vielsafttrank oder steht unter dem Imperiusfluch, so registriert das der Identitätsmesser und gibt entsprechende Impulse ab.“

Harry runzelte nachdenklich die Stirn, da war doch noch eine andere Sicherheitsmaßnahme gewesen: „Ich habe im Tagespropheten auch noch etwas über irgendein Verfahren gelesen, dem die Ministeriumsmitarbeiter unterzogen wurden.“

„Das Veritaserumverfahren“, erwiderte Mr. Weasley und rückte einige Schritte auf, als die Schlange sich vorwärts schob. „Bei diesem wurde allen Mitarbeitern des Ministeriums Veritaserum gegeben und zwei grundlegende Fragen gestellt: ,Sind Sie ein Todesser?’ und ‚Sind Sie an irgendwelchen „Du weißt schon wen“ unterstützenden Projekten beteiligt?’“

„Aber ist das denn nicht illegal?“ Harry bekam allein bei dem Gedanken, dass ihn das Ministerium gefangen nehmen und ausfragen könnte, eine Gänsehaut. Was, wenn er dann alles über Voldemort und die Horkruxe ausplaudern würde? Unwillkürlich spähte er über seine linke Schulter. Aber das Einzige, was er sah, war ein alter Zauberer im geblümten Umhang, der sich hingebungsvoll mit dem Finger in der Nase bohrte.

„Ist was?“, wollte der Mann wissen, ohne seinen Finger aus der Nase zu nehmen. Harry schüttelte nur mit dem Kopf und wandte sich wieder Mr. Weasley zu.

„Oh, es IST illegal, Harry. Außer in Gerichtsverfahren, man nennt so was dann der ‚begründete Verdacht’“, erklärte ihm dieser. „Es war uns Mitarbeitern natürlich ‚freigestellt’, sich diesem Verfahren zu unterziehen. Allerdings hat Scrimgeour uns allen sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass eine Verweigerung des Tests zu der Annahme führen würde, dass man selbst ein Todesser sei und somit dann ein ‚begründeter Verdacht’ vorliegen würde.“

Harry schnaufte abfällig. Ein freiwilliges Verfahren, dass nur freiwillig war, wenn man es von sich aus machen ließ, aber zum Zwang wurde, wenn man es ablehnte. Scrimgeour versuchte also ein illegales Verfahren zu legalisieren, in dem…

„Kommen Sie nun endlich näher oder soll ich hier den ganzen Tag auf Sie warten? Hier gibt es immerhin auch noch andere Leute, die gemessen werden wollen“, unterbrach ein kleiner blonder Zauberer mit gewaltigem Schnurrbart und kleiner Stupsnase seine Gedanken und fuchtelte mit einem kurzen Ast durch die Gegend. Mr. Weasley trat einen Schritt vor. „Arthur Weasley, Leiter des Büros zur Ermittlung und Beschlagnahmung gefälschter Verteidigungszauber und Schutzgegenstände. Ich begleite zwei Besucher.“

Der Beamte nickte nur verstimmt, nahm seinen kurzen knochigen Ast etwas fester in die Hand und führte ihn an Mr. Weasleys Körper einmal auf und ab. Dann legte er ihn auf einen Tisch und wandte sich Harry zu. „Und Sie sind…?“

„Ähm…“ Harry räusperte sich. „ Ich bin Harry Potter und mache heute hier meinen Apparationstest.“

Der blonde Zauberer starrte Harry mit offenem Mund an. Seine Augen huschten über Harrys Gesicht und blieben dann an der Narbe hängen. Er schien das Pulsieren des Astes und das weiße Aufleuchten nur am Rande zu registrieren.

„Bei Merlin! Harry Potter…“ Der Zauberer war nahe daran, ihm übereifrig die Hand zu schütteln, schien sich dann jedoch an seine Aufgabe zu erinnern und führte die Identitätsmessung nun auch bei Harry durch. Während er auf das Ergebnis der Messung wartete, registrierte er Harrys Zauberstab und fertigte eine rote Plakette mit der Aufschrift Harry Potter, Apparationsprüfung an.

Nachdem auch Ron die Messung bestanden und eine rote Plakette erhalten hatte, betraten sie einen der leeren Aufzüge. Als sich die goldenen Gitter langsam schlossen, spürte Harry ein nervöses Flattern in seiner Magengegend. Ein Seitenblick auf Ron zeigte ihm, dass es seinem Freund nicht besser ging.

Harry bekam kaum mit, dass sich die Aufzugtüren öffneten und schlossen, Zauberer und Hexen ein- und ausstiegen und Memos um seinen Kopf flatterten. Erst als die Frauenstimme im Lift sagte: „Sechster Stock. Abteilung für den magischen Personenverkehr. Mit der Flohnetzwerkaufsicht, dem Besenregulationskontrollamt, dem Portschlüsselbüro und dem Apparationstestzentrum“, erwachte er aus seiner Starre.

Sie gingen einen breiten, einladenden Korridor entlang, dann durch die zweite Tür links, bis zum Ende eines langen Korridors und dann noch mal links und blieben vor einer Tür stehen.

„So da wären wir also. Sogar pünktlich“, sagte Mr. Weasley fröhlich und drückte die beiden Jungen auf die Stühle, die vor dem Raum standen. Als Harry auf die Tür neben sich blickte, las er auf einem Schild: Zimmer 645, Apparationstestzimmer.

„Ich gehe dann mal kurz rüber ins Portschlüsselbüro, Charlies Portschlüssel nach Rumänien abholen. Wenn ihr fertig seid, könnt ihr ja nachkommen. Zimmer 622. Viel Erfolg euch beiden“, wünschte ihnen Mr. Weasley und ging den langen Korridor zurück.

„Ich glaube mir wird schlecht.“ Harry warf einen kurzen Blick auf Ron. Er sah wirklich nicht gut aus. Sein Gesicht hatte mittlerweile einen leichten Grünstich bekommen.

„Guten Morgen, die Herren. Sie beiden sind dann also die Letzten. Wer von ihnen ist Mr. Ronald Weasley?“ Unbemerkt von ihnen war die Tür zum Apparationstestzimmer aufgegangen. Als Harry aufsah, blickte er direkt in das Gesicht von Wilkie Twycross, der auch schon den Apparationskurs in Hogwarts geleitet hatte.

„Ich.“ Rons Stimme klang ungewöhnlich hoch und piepsig, als er sich erhob und Mr. Twycross in das Zimmer folgte. Die Tür schloss sich. Harry war nunmehr alleine. Er schluckte. Langsam wurde auch ihm schlecht. Was, wenn er bei Mr. Twycross auf den Füßen landen würde, oder gar schlimmer noch, auf dessen Kopf.

Harry schüttelte sich. Mach deinen Kopf frei, ermahnte er sich. Konzentrier dich einfach. Du bist schon einmal appariert. Du kannst das.

Letztendlich sollte er Recht behalten. Er musste, wie bereits beim Apparationskurs einfach in einen vor ihm liegenden Ring apparieren und schneller, als er dachte, stand er wieder draußen vor dem Raum, seine Apparationslizenz fest mit einer Hand umklammernd und sah sich einem grinsenden Ron gegenüber. „Super. Endlich dürfen wir apparieren. Grenzenlose Freiheit. Kein nerviges Treppensteigen mehr“, jubelte Ron. Harry konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.

Gemeinsam machten sie sich auf die Suche nach Zimmer 622. Sie waren allerdings gerade erst um die Ecke gebogen, da erblickten sie Mr. Weasley auch schon am Ende des Ganges.

„Hey Dad, wir haben…“, begann Ron, hielt dann aber inne, als er merkte, dass dieser nicht allein war. Neben ihm standen ein großer, schlanker Mann, dessen Aussehen etwas an einen Löwen erinnerte und eine krötengesichtige Frau in einem hässlichen rosa Kleid. Der Mann redete ununterbrochen auf Mr. Weasley ein, während dieser nur von Zeit zu Zeit den Kopf schüttelte.

Harry kannte den Mann. Es war der Zaubereiminister Rufus Scrimgeour. Und auch die Frau war für ihn keine Unbekannte. Dolores Jane Umbridge, der Name hallte in seinem Kopf wider. Unwillkürlich viel sein Blick auf seine rechte Hand. Du sollst nicht lügen, hatte sie ihn sich einst wieder und wieder in den Handrücken einritzen lassen, weil er die Wahrheit über Lord Voldemorts Rückkehr gesagt hatte. Er sah kurz auf seine Narben, bevor er die Hexe hasserfüllt anschaute. Ich habe meine Lektion gelernt, dachte Harry und ballte seine Hand zur Faust.

„Hallo Harry. Was für eine Überraschung, dich hier zu treffen. Ich habe gerade mit Mr. Weasley über dich geredet. Er sagte mir, dass du deine Apparationsprüfung heute abgelegt hast. Wie ist es denn für dich gelaufen?“, erkundigte sich Scrimgeour mit falscher Freundlichkeit, als er Harry gegenüber stand. Ein kurzer Seitenblick bestätigte Harrys Vermutung. Wer auch immer Scrimgeour von seiner heutiger Prüfung unterrichtet hatte, Mr. Weasley war es sicher nicht gewesen.

„Was wollen Sie von mir?“, fragte er den Zaubereiminister ohne Umschweife.

Dieser verzog kurz, ob seiner Unhöflichkeit, das Gesicht, bevor er behauptete: „Ich wollte nur wissen, wie deine Apparationsprüfung gelaufen ist.“

„Ron und ich haben beide bestanden. Können wir jetzt bitte gehen, Mr. Weasley?“ Harry versuchte sich an Scrimgeour vorbeizudrängeln.

Dieser hielt ihn jedoch am Arm fest: „Warte, Harry. Wenn du es lieber direkt willst. Na gut. Ich will von dir wissen, was Dumbledore vorhatte, wo wart ihr an dem Abend, als er getötet wurde? Wir könnten zusammenarbeiten. Dein Mentor Dumbledore war doch auch immer für den Zusammenhalt der Zauberer untereinander.“

„Mein Mentor Dumbledore hat es anscheinend nicht für nötig gehalten, Sie in seine Pläne einzuweihen. Warum sollte ich es dann tun?“, erwiderte Harry kühl. Ein ähnliches Gespräch hatten er und Scrimgeour direkt nach Dumbledores Beerdigung schon einmal geführt.

„Verdammt, Junge. Du kannst dich selbst doch nicht mit Dumbledore vergleichen. Er war ein mächtiger, erwachsener Zauberer und du…“

„ICH bin seit gestern volljährig“, unterbrach Harry ihn barsch. „Und er hat MICH, den kleinen Jungen, in seine Pläne eingeweiht, nicht SIE, den mächtigen Zaubererminister. Können Sie sich vorstellen, warum?“

Scrimgeour schwieg.

„Weil er mir vertraut hat. Weil Dumbledore wusste, dass ich nicht auf den nächstbesten Zauberer hereinfalle, der mir selbstlos seine Hilfe anbietet. Oh, ich vergaß. Ihre Hilfe wird ja nicht ganz selbstlos sein.“ Harry erinnerte sich an Scrimgeours Angebot, ihn zu schützen, wenn er dafür das Aushängeschild des Ministeriums spielen würde. „Ich werde weder Ihr Spielball, noch Ihr Vorzeigejunge für das Ministerium sein. Und jetzt lassen Sie mich los.“

„Sei vorsichtig, Potter.“ Scrimsgeours Stimme klang plötzlich kalt. „Ich kann auch andere Methoden anwenden. Eine kleine Einladung zu einem Veritaserumverfahren, ein paar Tropfen Veritaserum in deinem Becher, und du wirst mir schneller von Dumbledores Plänen erzählen, als ich Zauberschach sagen kann…“

Harry wurde blass. Bleib ruhig, ermahnte er sich. Überlege dir, was du sagst. Dann blickte er Scrimgeour direkt in die gelben Augen: „Das ist illegal. Aber Sie können es ja gerne mal versuchen. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Zaubererwelt auf meine Verhaftung reagieren wird. Schließlich bin ich doch für die Zauberer da draußen ‚Der Junge, der lebt’, der Auserwählte. Versuchen Sie es doch ruhig, mich vor Gericht zu zerren und mich auszufragen.“

Er löste Scrimsgeours Finger von seinem Arm und schob sich an ihm und Umbridge vorbei. So sehr er seine Bekanntheit auch manchmal verabscheut hatte, war sie nun zu seiner stärksten Verteidigungswaffe geworden, um sich das Ministerium vom Hals zu halten.

Mr. Weasley und Ron folgten ihm. Allerdings hörte er noch, wie Ron, als er an Umbridge vorbeiging, kurz mit der Zunge schnalzte und sah aus dem Augenwinkel, dass diese dabei fast in Scrimgeours Arme gesprungen wäre.

„Das war cool, Harry. Du hast Scrimgeour ganz schön alt aussehen lassen. Und er ist der Zaubererminister.“ jubelte Ron begeistert, als sie sich im Aufzug befanden.

Harry blickte seinen Freund an. Dann begann er schallend zu lachen. „Weißt du, ob Fred und George auch aufklebbare Wimpern verkaufen?“

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Wizzie

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Mittwoch, 19. September 2007, 09:01

Hallo Plumbum!

Ich bin von deiner Geschichte echt begeistert!

Dein Schreibstil ist super und die Geschichte beinhaltet auch eine schön große Portion Humor! Echt einfach Klasse! Es macht einfach Spaß, das hier zu lesen.

Ich freue mich schon auf weitere Chaps!!!!

(p.s. percy kommt erst zur hochzeit wenn die hölle zufriert... hast du dich da inspirieren lassen? :D muhahahaha! :P )
Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
ist wert, dass es zugrunde geht;
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So ist denn alles, was ihr Sünde,
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Mittwoch, 19. September 2007, 18:59

Hi!
Wieder ein tolles Kapitel! Die Nervosität von Ron und Harry bei dem Apparationstest hast du echt gut hinbekommen! Mir gefällt deine Geschichte auch deshalb so gut, weil, wie Wizzie schon gesagt hat, du auch viel Humor miteinbringst. Das find ich echt klasse!
Bin schon gespannt wies weitergeht und was passiert, wenn Hermine und Ginny wieder zurückkommen, nachdem Ron ja schon einen kleinen Gefühlsausbruch hatte ;)!

LG. =)
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Donnerstag, 20. September 2007, 16:24

@ Wizzie
Hey Wizzie. Vielen Dank für deinen Kommentar.
Mich freut ja schon immer jede Antwort auf meine FF an sich :], aber besonders schön ist es natürlich zu hören, dass jemanden das Lesen meiner FF Spass macht. Und wenn dann auch noch mein Schreibstil gelobt wird ... :O.
Ich hoffe dir gefallen auch meine weiteren Kapitel.

@Lislchen
Hey Lisa,
auch dir vielen Dank für deinen netten Kommentar.
Tja der gute Ron... bei ihm spielen wohl manchmal etwas die Gefühle verrückt :D . Ob er sich wohl jemals traut Hermine seine Gefühle zu gestehen? Er ist ja eher nicht der romatische Typ ...

Viele Liebe Grüße an euch beide und natürlich auch an alle "Schwarzleser" ;)
Eure Plumbum.

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Dienstag, 25. September 2007, 17:29

Kapitel 5: Tante Meda

Es waren drei Wochen seit dem Besuch im Ministerium vergangen. Drei Wochen seit Harry Potters Begegnung mit dem Zaubereiminister. Zusammen mit Ron und Hermine saß er im Garten der Weasleys und unterhielt sich leise mit ihnen.

Erst vor gut einer halben Stunde war Hermine, ihr Haar buschiger als je zuvor und voller Asche, aus dem Kamin der Weasleys gestolpert und direkt in Rons Arme getaumelt. Mit roten Wangen hatten die beiden sich einen kurzen Gruß zugemurmelt, bevor Hermine Harry und Mrs. Weasley begrüßt hatte.

Keine fünf Minuten später hüpfte auch der jüngste Weasley-Spross und einzige Mädchen, Ginny, aus dem Kamin. Im Gegensatz zu Hermine umarmte sie Harry nicht, sondern nuschelte ihm nur ein kurzen Gruß zu, bevor sie zusammen mit ihrer Mutter ihr Gepäck nach oben schaffte.

Harrys Herz hatte sich bei dieser Begrüßung schmerzhaft zusammengezogen. Sie hatte ihm noch nicht einmal in die Augen geschaut. Ihn nicht einmal kurz berührt. Dann jedoch erinnerte er sich daran, dass es sein Wunsch war, der dazu führte, dass sie sich nun so verhielt. Er hatte auf die Trennung bestanden, um sie vor Voldemort zu schützen. Es war zu ihrer beider Besten, redete sich Harry ein. Aber dennoch tat es ihm in der Seele weh, sie so kalt und unnahbar zu sehen.

Eine Zeit lang saß er einfach so in Gedanken versunken da, bevor er sich wieder dem Gespräch zuwandte.

„… und dann hat Harry zu Scrimgeour gemeint, er solle ruhig versuchen, ihn vor Gericht zu stellen, wenn er die Zauberergemeinschaft gegen sich aufbringen wolle“, wiederholte Ron gerade begeistert die Vorkommnisse im Zaubereiministerium.

„Hast du das wirklich zu Scrimgeour gesagt, Harry? Das ist nicht gut.“ Hermine schüttelte ihr langes buschiges Haar und sah Harry besorgt an.

„Was ist nicht gut daran, wenn ich Scrimgeour meine Meinung sage?“ Harry konnte Hermines Reaktion nicht nachvollziehen. Hatte er nicht immerhin den Zaubereiminister in seine Schranken gewiesen?

„Dass du dadurch Scrimgeour wieder einmal gegen dich aufgebracht hast, Harry. Er wird nach dem Vorfall mehr denn je versuchen, herauszufinden, was du machst. Er wird dich beobachten lassen.“

„Ich werde in etwas mehr als einer Woche nach Hogwarts zurückkehren, Hermine. Wie, in Merlins Namen, soll mich das Ministerium dort beobachten können? Die Auroren können mir höchstens bei der Bewachung der Hogwarts-Ländereien ab und zu zuwinken, wenn ich auf dem Astronomieturm stehe.“

Ron begann lauthals zu lachen, aber Hermine blieb weiterhin ernst. „Wollen wir hoffen, dass du Recht behältst.“ Sie runzelte nachdenklich die Stirn, bevor sie hinzufügte: „Der einzige Posten, der neu zu vergeben wäre, ist der in ‚Verteidigung gegen die dunklen Künste‘. Auf der Bücherliste, die ich vor zwei Wochen erhalten habe, stand allerdings kein neues Buch für diesen Unterricht, nur ein neues für Alte Runen und eines für Verwandlung. Das bedeutet, entweder verwendet der neue Lehrer das gleiche Buch wie Snape…“

„… oder aber, sie haben noch keinen neuen Lehrer gefunden“, ergänzte Harry. Er fühlte sich plötzlich unbehaglich. Was, wenn Hermine Recht hatte und er wirklich zu weit gegangen war? Was, wenn das Ministerium wie in seinem fünften Schuljahr einen Lehrer stellen würde? Einen Lehrer der ihn, Harry, ständig unter Beobachtung hielt und ihm dadurch die Suche nach den Horkruxen noch weiterhin erschweren würde.

„Bill macht den Job“, flüsterte Ron, nachdem er sich prüfend umgeschaut hatte. Harry und Hermine starrten ihn an. Ron errötete leicht, als er leise fortfuhr: „Na ja, eigentlich sollte ich ja noch nichts verraten, aber in Anbetracht der Lage…“

„Das ist klasse,… aber warum hat er das gemacht? Ich meine, er hat doch diesen tollen Job als Fluchbrecher bei Gringotts“, fragte ihn Harry etwas verwirrt.

„McGonagall brauchte unbedingt jemanden für die Stelle, da Scrimgeour ihr wohl schon einen seiner Mitarbeiter aufdrängen wollte. Bill hat die Stelle dann halt angenommen, weil er meinte, es wäre ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis Gringotts sämtliche Zauberer entlassen würde. Die Kobolde wollen nicht, dass Voldemort denkt, sie würden mit einigen seiner Feinden kooperieren.“

„Dann sind die Kobolde also auf seiner Seite“, schlussfolgerte Harry und schluckte. Zuerst die Dementoren, dann die Riesen und jetzt auch noch die Kobolde. Er hatte das Gefühl, als hätte sich die ganze Welt gegen ihn verschworen.

„Nein Harry“, widersprach ihm Ron in diesem Moment. „Bill meinte, die Kobolde seien neutral. Sie wollen nicht kämpfen, sie wollen nur sich selbst schützen.“

„Glauben sie denn, dass Voldemort sie verschonen wird? Das wird er nämlich nicht! Er wird sie wie Dreck behandeln, wie…“

„Er wird sie genauso behandeln, wie das Ministerium sie auch behandelt“, widersprach Hermine ihm traurig. „Für sie macht es keinen Unterschied, ob das Ministerium sie unterdrückt oder Voldemort. Für sie zählt letztendlich nur das Überleben. Dumbledore hat doch immer wieder gemahnt, dass man mit den Riesen und den anderen magischen Geschöpfen verhandeln soll! Sie mit Zauberern gleichstellen soll! Aber weder Fudge noch Scrimgeour haben darauf reagiert und jetzt ist es zu spät.“

Harry schnaufte abfällig. Das Ministerium sollte doch eigentlich, besonders in diesen Zeiten, für den Zusammenhalt der Zauberer und der magischen Kreaturen sorgen, stattdessen aber trieb es sie immer weiter auseinander. Bis jeder für sich alleine stand und schutzlos war. Dann fiel ihm jedoch etwas ein. „Was ist mit den Zentauren? Wenn schon das Ministerium nicht mit ihnen verhandelt, dann sollten wir das tun! Ich meine, jetzt, wo wir sowieso nach Hogwarts zurückkehren werden, können wir das auch nutzen, um dort die Zentauren als Verbündete zu bekommen, bevor Voldemort es tut.“

Dann bemerkte er, dass Ron in sich hinein grinste.

„Was ist denn daran so komisch, Ron?“

„Ich habe mir gerade die Unterhaltung zwischen Du-weißt-schon-wem und den Zentauren vorgestellt. Zuerst kommt Du-weißt-schon-wer an und sagt: ‚Hee Pferdchen, wollen wir nicht zusammen gegen Harry Potter und seine unerschrockenen Freunde kämpfen?’ Und darauf dann die Antwort der Zentauren: ‚Der Mars ist rot heut Nacht.’ Wenn wir mit ihnen verhandeln sollten, dann nur tagsüber.“

Harry konnte nicht anders, er begann zu lachen. Selbst Hermine gluckste kurz in sich hinein, bevor sie wieder ernst wurde. „Wir haben aber nichts, was wir den Zentauren als Gegenleistung anbieten können. Zudem glaube ich nicht, dass wir noch einmal in den verbotenen Wald gehen sollten! Die Zentauren sind nicht gerade gut auf Zauberer im Allgemeinen zu sprechen. Das letzte Mal, als wir bei ihnen waren, haben sie uns nur deswegen verschont, weil sie uns für Fohlen hielten! Aber jetzt sind wir volljährig! Es ist einfach zu gefährlich und vor allem haben wir erst einmal wichtigere Dinge in Hogwarts zu tun! Immerhin ist das unser NEWT-Jahr und…“

„Sag mal Hermine, kannst du auch an irgendetwas anderes denken, als an Schule und Prüfungen?“ Harrys gute Laune verflog schlagartig und in ihm begann es zu brodeln. „Wir müssen die Horkruxe finden! Ich muss Voldemort töten! Aber das ist ja alles unwichtig, solang du nur deine verdammte Abschlussprüfung machen darfst! Warum überlässt du mir und Ron nicht einfach allein die Suche nach den Horkruxen? Dann kannst du dich voll und ganz auf deine Prüfungen konzentrieren.“

„Harry, also… na ja, eine gute Schulbildung ist sehr wichtig für unser zukünftiges…“ Hermine hielt inne, als Harry ihr einen giftigen Blick zuwarf. Danach konnte er regelrecht sehen, wie es hinter ihrer Stirn arbeitete. „Ähm … Hogwarts ist natürlich auch ein guter Startpunkt für unsere Recherche. Es ist zum einen durch die vielen Auroren auf dem Gelände relativ sicher vor Todesserangriffen und zum anderen können wir dort noch jede Menge Nachforschungen über Riddles Vergangenheit, den Horkruxen und RAB anstellen.“

Harry zog so skeptisch eine Augenbraue hoch, dass selbst Snape vor Neid erblasst wäre, bevor er gefährlich leise erwiderte: „Du scheinst dabei allerdings den wichtigsten Punkt vergessen zu haben. Der Punkt aufgrund dessen ich eigentlich ursprünglich nicht vorhatte, nach Hogwarts zurückzukehren. Wie sollen wir die Schule verlassen können, wenn wir irgendetwas herausgefunden haben oder feststellen, dass unsere Literatursuche keine Ergebnisse liefert?“

„Nun mal ehrlich, Jungs. Habt ihr nach fast sechs Jahren immer noch nicht die ‚Geschichte Hogwarts’ gelesen?“, wollte Hermine von ihnen mit sanfter, geduldiger Stimme wissen, „Schüler, die älter als 17 Jahre sind, auch volljährig genannt, können zu jeder Zeit das Schloss und seine Ländereien ohne Begründung verlassen. Hogwarts ist somit einfach ideal für uns!“

Das Brodeln in Harrys Innerem hörte augenblicklich auf. Hermine hatte wieder einmal Recht. Er stimmte ihr stillschweigend zu und betrachtete eine Zeit lang den Rasen zu seinen Füßen. Auch die anderen beiden sagten nichts. Jeder hing seinen Gedanken nach. Als Harry wieder aufblickte, sah er Ginny, die ein paar Stühle zum Teich hinunter trug. Hastig stand er auf. „Ich muss mal kurz mit Ginny reden.“

„Das halte ich für keine gute Idee, Harry“, sagte Hermine, aber er beachtete sie nicht, sondern lief zum Teich hinüber.

Atemlos kam er bei Ginny an, die gerade ein paar blank polierte weiße Stühle im Halbkreis aufstellte. Morgen sollte hier am Teich unter einem riesigen silbernen Baldachin die Trauung von Fleur und Bill stattfinden.

„Ginny. Ich… ich muss kurz einmal mit dir sprechen.“

„Dann sprich“ Ginny blickte ihn nicht an.

Harrys Gehirn war auf einmal wie leergefegt. Er räusperte sich. „Ginny, ich… ähm… du… also ich meine wir...“ Er brach ab. Was genau hatte er ihr eigentlich sagen wollen? Er wusste es nicht mehr, hatte es vielleicht nie gewusst. Schweigend starrte er sie an, als sie unvermittelt den Kopf hob und ihre braunen Augen entschlossen in seine grünen blickten.

„Ich habe in Frankreich nachgedacht, Harry. Über mein Leben, über uns… Damals, nach Dumbledores Beerdigung am See, habe ich dir gesagt, und hatte auch gedacht, ich könnte dich und deine Handlungsweise verstehen.“ Sie stockte kurz und strich sich eine rote Haarsträhne aus dem Gesicht. „Aber bereits einige Tage später habe ich bemerkt… habe ich gefühlt, dass ich es doch nicht kann. Ich kann deine Handlungsweise nicht nachvollziehen! Aber bevor ich fortfahre, möchte ich, dass du mir eine Frage beantwortest. Liebst du Hermine und Ron?“

Harry sah sie verständnislos an. Was sollte diese Frage? Ron war sein bester Kumpel und Hermine seine beste Freundin. „Ähm,… Die beiden sind meine Freunde“, erwiderte er leicht irritiert.

„Das weiß ich, Harry. Aber liebst du sie? Nicht so, wie du mich geliebt hast, aber vielleicht so, wie du eine Schwester oder einen Bruder lieben würdest?“

Harry überlegte kurz. Ron und Hermine waren mehr für ihn als nur Freunde. Ginny hatte Recht. Sie waren für ihn seine Familie, die er niemals gehabt hatte, bevor er sie traf. Es war ihm etwas peinlich, es auszusprechen, aber dennoch sagte er: „Ja, ich liebe die beiden, wie ich meinen Bruder und meine Schwester lieben würde!“

„Dann verstehe ich nicht, wieso du mit ihnen zusammen gegen Vol…Voldemort kämpfen willst und sie somit in Lebensgefahr bringst, dich aber weigerst mit mir weiter zusammen zu sein, weil du Angst hast, mir könnte etwas zustoßen.“

„Ginny, du verstehst nicht. Es ist einfach zu gefährlich…“ Harry versuchte seine Gedanken zu ordnen, aber es gelang ihm irgendwie nicht.

„Nein, Harry. Du bist derjenige, der nicht versteht! Du sagst einerseits, du willst mich, weil du mich liebst, nicht an deiner Seite kämpfen lassen. Andererseits erlaubst du Ron und Hermine, die du nach eigener Aussage auch liebst, ihr Leben aufs Spiel zu setzen, indem sie dich bei allem, was du tun wirst, begleiten dürfen. Das passt doch irgendwie nicht zusammen!“

Harrys Herz raste. Er verstand Ginny nicht, er verstand sie wirklich nicht. Und das Ganze schien zudem auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Warum wollte Ginny auf einmal nicht mehr begreifen, dass er sie doch nur schützen wollte?

„Aber das ist doch etwas vollkommen anderes! Ron…“, begann Harry, wurde jedoch von Ginny unterbrochen. „Das ist es eben nicht, Harry. Ich will, dass du dich entscheidest. Wollen wir wieder ein Paar sein und zusammen mit Ron und Hermine gegen Voldemort kämpfen oder nicht? Schließ mich nicht einfach aus, Harry, sondern überlege es dir! Ich werde warten, aber ich warte nicht ewig!“ Sie wandte sich um und ging zum Haus zurück.

Harry blickte ihr nach. Er fühlte sich, als wäre er gerade mit einem Petrificus Totalus belegt worden. Lange Zeit stand er am Teich, beobachtete, wie die Frösche von einem Blatt zum anderen hüpften, ohne es wirklich zu registrieren, und dachte über sich selbst und über Ginny nach.

Dann spürte er wie sich ein Arm um seine Schulter legte. Hermine. „Sie hat in Frankreich viel über eure Beziehung nachgedacht.“

„Ja, sieht ganz danach aus. Und sie ist zu dem Schluss gekommen, dass wir entweder alles zusammen machen sollen oder gar nichts mehr“, erwiderte Harry tonlos. „Was würdest du tun, wenn du an meiner Stelle wärst?“

Hermine zögerte kurz, bevor sie nachdenklich sagte: „Ich habe meine Eltern gebeten, im noch relativ todesserfreien Frankreich zu bleiben, weil sie hier in zu großer Gefahr wären.“ Harry sah sie überrascht an. Hermine schloss kurz die Augen, dann öffnete sie sie wieder und schaute ihn direkt an. „Sie wollten mich zuerst auch dort behalten, aber ich habe mich geweigert und letztendlich konnte ich sie davon überzeugen, dass es am Besten ist, wenn ich nach Hogwarts zurückkehre und sie in Frankreich bleiben. In Sicherheit! Manchmal tut es eben weh, sich von jemandem zu trennen, aber…“ Hermine begann bei diesen Worten zu lächeln. „… aber wenn der Krieg vorbei ist, können wir uns immer noch wieder sehen.“

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Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

Dieser Beitrag wurde bereits 8 mal editiert, zuletzt von »Plumbum« (14. November 2010, 09:28)


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