Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Harry Potter Forum. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

1

Mittwoch, 31. Oktober 2012, 02:13

Der Junge der nicht überlebte

Der Junge der nicht überlebte ist eine Episodengeschichte von mir in der Harry Potter eine große Rolle spielt, allerdings spielt es nicht in der Harry Potter Welt, deshalb ist es wohl keine Fanfic.

Wer keine Lust zu lesen hat, kann sie auch einfach hier von mir vorgelesen hören:

Der Junge der nicht überlebte - Youtube

Viel Spaß damit, ich freue mich über jede Rückmeldung :)





Der Junge der nicht überlebte

Prolog (Mittwoch – 20:51)

Das war das Ende.
Das Blut floss zwischen seinen Fingern hindurch.
Er verstand es nicht.
Warum war er tot?
Er hatte es gerade geschafft.
Jetzt war er tot.
Er verstand es nicht.
Und das machte ihn wütend.
Er ballte seine Fäuste. Dabei zerknickte er den kleinen Fetzen Papier in seiner Hand.
Er war wirklich tot.
Neben sich, sah er den Mann lachend durch das Fenster steigen.
Er murmelte etwas von: „Zur Feier des Tages, werde ich Olliver essen.“
In seiner Hand hielt er die Reste eines Buches.
Dann war er verschwunden.
Und er selbst war es auch gleich.
Um ihn herum war alles voller Blut.
Überall.
Tot.
Sein letzter Gedanke beschäftigte sich mit der Frage, warum eine Heckenschere in seiner Brust steckte.





Vivy (Mittwoch - 20:06)

Sie war sehr aufgeregt, als sie auf den Klingelknopf drückte. Mit jeder Sekunde die King brauchte um die Tür zu öffnen schlug ihr Herz schneller. Und plötzlich stand er vor ihr. Der schönste Mann, den sie seit langem gesehen hatte und das beste daran war: Sie waren zusammen. Drei Tage war es her, dass er sie gefragt hatte ob sie nicht Lust auf eine richtige Beziehung hätte und nun stand sie hier. Sie fielen sich in die Arme und küssten sich. Das dick aufgetragene Parfüm stieg ihr in die Nase. Mit dem Fuß schloss King die Tür und machte sich von ihr los. „Was ist denn mit dir los, Vivy?“ fragte King und lachte. Sie war wohl mal wieder zu stürmisch. Aber bei dem Gedanken daran was heute noch alles passieren konnte, war sie einfach zu aufgeregt um normal zu denken. King drehte einen Schlüssel der in der Tür steckte, zog ihn ab und hing ihn an ein Schlüsselbrett. „Damit wir heute ungestört sind.“ meinte er mit einem verschmitzten Lächeln. Vivy lachte. Dann sah sie sich im Flur um. „Endlich sehe ich mal deine Wohnung.“ sagte sie fröhlich und ging um die Ecke in die Küche. Überall waren Muscheln zu sehen. Muscheln auf der Tischdecke, Muscheln als Fototapete, Muscheln auf den Gardinen, sogar ein paar echte Muscheln lagen auf dem Tisch. „Bist du Muschelfan, King?“ fragte sie ihn, der jetzt auch zu ihr kam. „Warum nennst du mich eigentlich immer King?“ „Warum nicht?“ antwortete Vivy. King runzelte die Stirn. „Hä?“ sagte er nur und öffnete den Kühlschrank. Darin befanden sich lediglich Zimtsterne. Er schien einen sehr ausgefallenen Geschmack zu haben. Beim gemeinsamen Essen im Restaurant wäre sie nicht auf die Idee gekommen, dass ihr gegenüber Muschel- und Zimtsternfan ist.
King nahm einen heraus, holte eine Schere aus der Schublade und begann die Spitzen des Sterns abzuschneiden und in eine Schüssel zu werfen. Irritiert sah Vivy ihm dabei zu. Als alle Spitzen abgetrennt waren, schnitt er den Stern in der Mitte durch und reichte ihr eine Hälfte. Mit fragendem Blick nahm sie ihn entgegen. „Warum schneidest du die Spitzen ab?“ King lachte auf. „Das fragst du nicht wirklich, oder?“ fragte er ungläubig. Dann verließ er plötzlich die Küche. „Komm!“ rief er ihr aus dem Flur zu. „Ich möchte dir etwas zeigen.“ Zögerlich setze Vivy sich in Bewegung. Sie hatte sie sich so auf diesen Tag gefreut und jetzt schien King ganz anders zu sein, als sie gedacht hatte. Im Flur hingen Fotos von Zehen. Ob es seine waren wollte sie gar nicht wissen. King war nirgendwo zu sehen. Sie stieß eine Tür auf, doch dort befand sich nur ein Schlafzimmer. Es musste ein Schlafzimmer sein, denn es stand nur ein Bett darin. Ansonsten war es völlig kahl. Kein Schrank, kein Teppich nicht mal ein Bild von Zehen.
Da es keine weitere Tür gab beschloss sie die Treppe hochzugehen. Oben angekommen, befand sie sich in einem riesigen Wohnzimmer. An der hinteren Wand stand ein großes Bücherregal. Voll mit Büchern. Daneben befand sich ein kleiner Beistelltisch auf dem merkwürdige Ansammlung von Flaschen standen. Unter anderem Fanta, eine Flasche voll mit Sand und ein bauchiger Behälter auf dem die Worte Rattengift prangten. Ansonsten gab es noch ein gelbes Sofa und einen alten, angeschalteten Röhrenfernseher. Im Moment war ein Hund zu sehen, der einen Knochen ausbuddelte. Auf dem Couchtisch aus Glas lag eine offene Videokassettenverpackung auf dem Lassie Collection – Vol. 1 stand. Kopfschüttelnd trat sie zum Bücherregal. Irgendetwas war merkwürdig. Die Schriftzüge auf dem Buchrücken sahen alle gleich aus. Allerdings waren im Hintergrund verschiedene Farben zu sehen und die Bücher hatten verschiedene Größen und Formate. I Czarza Ognia las sie auf einem Buch. Ell Misterio del Principe stand auf einem anderen. Die Schriftart war jedoch dieselbe und sie kam ihr bekannt vor. Sie wollte gerade eins herausziehen, als sie eine Tür hinter sich hörte. „Da bist du ja.“ sagten sie beide gleichzeitig. King war herein gekommen. „Geh von den Büchern weg!“ schrie er plötzlich. Vivy zuckte zusammen und sprang reflexartig vom Regal weg. „Komm.“ sagte King freundlich, als wäre nichts passiert und deutete auf eine Tür. Langsam fragte Vivy sich, ob das überhaupt der Mann war, mit dem sie so oft Essen gegangen war. Mit einem letzten Blick auf das Regal ging sie an King vorbei in den Raum auf den er immer noch deutete. Es war ein Badezimmer. Das Klo und das Waschbecken sahen aus, als wären sie noch nie sauber gemacht worden. Angewidert drehte sie sich zu King um, doch der zeigte strahlend auf die Badewanne. Sie konnte erst nichts besonderes an ihr erkennen bis sie näher herantrat und den Inhalt sah. Zuerst dachte es wäre Kot und sie musste würgen, doch dann bemerkte sie, dass es Erde war. Und nicht nur das. Wassermelonen! „Das ist meine ganz besondere Melonenzucht.“ sagte King mit stolzer Stimme. Vivy wusste nicht was sie sagen sollte. „Macht man das in der Badewanne?“ fragte sie. „Mann? Welcher Mann?“ fragte King. Was redete der da? Wollte er sie auf den Arm nehmen? „Du stehst hier vor meinem zweitgrößte Leidenschaft: Melonen! Ich behandele sie wie meine Kinder. Kinder die ich esse. Das da ist Jonathan.“ Er deutete auf eine kleine in der Ecke. „Und hier haben wir Tristan.“ Er tätschelte die größte. „Ich glaube sie ist schon reif. Olliver dahinten sieht zwar auch schon ganz gut aus, aber Jonathan ist ein richtiges Prachtstück“ Aus einem kleinen weißen Schrank holte er ein Messer. Dann trennte er die Wurzeln ab und deutete mit dem Messer zur Tür. Vivy mochte überhaupt keine Melonen und ging missmutig vor. Seufzend ließ sie sich auf die muffige, gelbe Couch fallen. King setzte sich dazu und begann die Melone aufzuschneiden. Vivy sah gelangweilt zu, wie Lassie ein Kind vor einem Einbrecher schütze. „Oh, Tristan ist ein ganz hartnäckiger.“ sagte King in Babystimme zu der Melone. „Ich hole mal ein größeres Messer.“ Er erhob sich und ging zur Treppe. Bevor er herunterlief schrie er plötzlich: „UND DU BLEIBST DA SITZEN!“ Er schrie so laut, dass die Fensterscheiben klirrten. Dann rannte er die Treppe herunter. Langsam reichte es. Dieser Typ war verrückt. Ein Freak! Ein Lassie-Muschel-Zimtstern-Zehen-Melonen-Freak. Weshalb schrie er sie so an? Wütend stand sie auf. Sie wollte hier weg. Wenn sie ehrlich war, machte er ihr sogar Angst. Ein Mann der sich Bilder von Zehen an die Wand hängt kann nicht normal sein. Auf dem Weg zur Treppe fiel ihr Blick auf eine kleine Kommode mit nur einer Schublade. Vivy war von Geburt an der neugierigste Mensch der Welt. Es war schon fast wie ein Zwang: Wenn sie eine Schachtel oder eine Schublade sah musste sie sie sofort öffnen. Kein Geheimnis war vor ihr sicher. Obwohl sie eigentlich schleunigst hier weg wollte, ging sie zur Kommode und öffnete die Schublade. Die Welt blieb stehen. Ihre Organe hörten auf zu arbeiten. In der Schublade lag ein Messer. Kein Küchenmesser sondern genau so ein Messer, wie man es aus Filmen kennt. Solche Messer die zum töten verwendet werden. Messer die voller Blut sind. Genauso wie hier. Geräusche drangen an ihr Ohr. Plötzlich drehte sich die Erde wieder und Vivys Organe nahmen ihre Arbeit wieder auf. Hektisch schob sie die Schublade zu und trat einige Meter von der Kommode weg. King kam die Treppe hoch. King, der ein blutiges Messer in seiner Kommode hatte. In seiner Hand hielt er eine Säge. „Damit wird er klappen.“ sagte er laut und ging zu seiner geliebten Melone. Er begann sie in der Mitte auf zusägen. Vivy stand bewegungslos im Raum. Was sollte sie tun? Wegrennen? Hatte sie überhaupt eine Chance? Wollte dieser Kranke sie heute umbringen? Oder hatte er mit dem Messer nur eine Ketchupflasche aufgemacht? Sie zitterte. „TRISTAN IST TOT!“ schrie King manisch und sprang auf. Vor ihm lagen zwei Melonenhälften auf dem Tisch. Tränen liefen ihm die Wangen herunter. „Er hatte ein wunderbares Leben und nun werden wir ihn in uns Aufnehmen!“ Er trat zu ihr fiel auf die Knie und reichte ihr ehrfürchtig eine Melonenhälfte. „Nimm sie, als Zeichen meiner Wertschätzung.“ So etwas krankes hatte Vivy noch nie erlebt. Träumte sie? Wenn ja, was träumte sie da für eine Scheiße? Sie wollte keine Melone, sie wollte einfach nur raus aus diesem Haus und weg von diesem Mann. „Nein, danke. Ich mag keine Melonen.“ sagte sie mit zitternder Stimme. King sagte nichts. Seine Finger spannten sich an. Er drückte immer fester zu und ein unmenschliches Knurren drang aus seiner Kehle. Mit einem Schrei zerfetzte er die Melone. „DU WAGST ES MEINE EHRE ZU BESCHMUTZEN DU DRECKIGE SCHLAMPE?“ kreischte er und richtete sich auf. Vivy schrie und wich vor ihm zurück. „DU WIRST STERBEN!“ Sein brüllen hallte durch den Raum. Plötzlich drehte er sich um und sprang mit dem Oberkörper voran auf den Glastisch. Die Glasplatte zersprang und King schrie auf. Vivy wirbelte herum und rannte los. Doch als sie vor King zurück gewichen war, hatte sie sich näher zum Bücherregal bewegt. Als sie sich jetzt umdrehte um los zurennen prallte sie mit voller Wucht gegen den Beistelltisch. Die Beine des Tischchens brachen und die Flaschen vielen herunter. Vivy darauf. Einige zerbrachen, manche rollten weg. Unterdessen hatte King sich blutend aufgerichtet. In seiner Hand hielt er das Messer, dass er zuerst für die Melone verwendet hatte. Seine Augen blitzten vor Wut. Brüllend stürmte King auf Vivy zu. Schnell rappelte sie sich auf und nahm das erste in die Hand was sie fassen konnte: Ein abgebrochenes Bein des Tisches. Sie nahm ihren Mut zusammen und noch bevor King reagieren konnte, warf sie ihm das Bein an den Kopf. Er taumelte nach hinten und verdrehte seine Augen. Dann fiel er rückwärts die Treppe herunter. Vivy keuchte und hielt sich die Hand vor den Mund. Sie bebte am ganzen Körper. Sie wusste nicht was sie tun sollte. Unten konnte sie King stöhnen hören. Sie würde niemals an ihm vorbei zur Tür kommen. Es war vorbei. Dieser Geisteskranke hatte nicht mal ein Telefon. Was sollte sie jetzt tun? Verzweifelt sah sie auf den Boden und sah dort eine Flasche. Sie war vom Beistelltisch gefallen. Und plötzlich wusste sie was sie zu tun hatte. Wahrscheinlich war es ihre letzte Tat, aber sie würde es genießen.

Als sie fertig war trat sie aus dem Badezimmer zum Anfang der Treppe und sah in den leeren Flur. Wo war King? Es war eigentlich egal. Sie würde dieses Haus niemals lebend verlassen. Erschöpft und resigniert stieg sie die Treppe hinab. Sie war sicher, dass King hinter der Ecke im Flur stand und wartete, doch da war niemand. Hatte sie doch noch eine Chance? Vor ihr war die Haustür. Der Schlüssel hing am Schlüsselbrett. Sofort verflog ihre Erschöpfung. Hektisch griff sie nach dem Schlüssel und steckte ihn ins Schloss. Einmal drehen. Zweimal drehen. Dreimal drehen. Endlich war sie offen. Dann spürte sie, wie das Messer ihre Lunge durchdrang.





Sanna (Donnerstag - 9:30)

„Ihr Name?“
„Susanna Peuker.“
„Alter?“
„29.“
„Okay. Als was arbeiten sie hier?“
„Ich bin Verkäuferin. Hauptsächlich in der Bücherabteilung.“
„Wann hatten sie gestern Feierabend?“
„Um 15:00 Uhr.“
„Sind sie dann sofort nach Hause gegangen?“
„Ja.“
„Und seitdem waren sie nicht mehr hier?“
„Ja.“
„Was haben sie von 15:00 Uhr bis jetzt gemacht.“
„Ich habe zuhause die Wäsche gemacht, habe die Simpsons geguckt, was gegessen und bin ziemlich früh um 21:00 Uhr ins Bett gegangen um zu Lesen.“
„Haben sie Zeugen dafür?“
„Was?! Bin ich 'ne Verdächtige oder was?“
„Nein, nein. Aber wir müssen alle Personen befragen, die hier arbeiten. Es tut mir Leid, aber das ist auch meine letzte Frage.“
„Okay. Schon gut. … Also … Ja, ich habe gestern noch mit meiner Mutter telefoniert.“
„Okay, danke. Das war's auch schon.“
„Muss ich jetzt nicht arbeiten?“
„Nein. Dodenhof bleibt geschlossen, bis wir alles ermittelt haben.“
„Was ist denn überhaupt passiert?“
„Ein Junge wurde tot in der Möbelabteilung gefunden. Erstochen.“
„Oh mein Gott!“
„Ja, es ist schrecklich.“
„Aber Moment. Wie, er wurde gefunden? Warum erst heute?“
„Er muss hier nach Ladenschluss eingebrochen sein.“
„Ich kann's gar nicht glauben. Und sowas hier in Posthausen.“
„Ja und nicht nur das.“
„Was denn noch?!“
„In der Mitteldorferstraße, hier nebenan wurden zwei weitere Leichen gefunden.“
„Was!?“
„Ja, ein Mann und eine Frau. Sie wurde erstochen und er starb an Atemstillstand. Die Autopsie läuft noch, aber wahrscheinlich wurde er vergiftet. Wir testen gerade das Stück Melone, dass er in der Hand hielt.“
„Und glauben sie, dass hat etwas mit dem toten Jungen hier zu tun?“
„Keine Ahnung. Das fragen wir uns auch und außerdem frage ich mich gerade warum ich ihnen das alles überhaupt erzähle. Gehen sie nach Hause. Nächste Woche müssten wir hier fertig sein, dann können sie wieder zur Arbeit.“
Ein Handy klingelt.
„Hallo? … Und? … Rattengift? … Aha … Sehr merkwürdig. … Nein …. Keine Ahnung ob das überhaupt etwas zu sagen hat. … Nein. … Ja, habe ich schon gemacht. Es gibt keine Irma Pince im Telefonbuch. … Ja natürlich. Wir werden alles tun. … Okay, bis später.“
„Wer ist Irma Pince?“
„Kennen Sie sie?“
„Nein … Ich glaube nicht.“
„Was heißt das, sie glauben nicht?“
„Er … Er kommt mir irgendwie bekannt vor.“
„Denken sie nach! Es ist sehr wichtig.“
„Warum?“
„Der Junge hatte einen kleinen Schnipsel Papier in der Hand. Darauf stand dieser Name.“
„... Hmm … Nein, ich glaube nicht.“
„Gehen sie jetzt. Danke für ihre Geduld. Wenn Ihnen noch etwas einfallen sollte. Rufen sie an.“

Kenne ich diesen Namen? Sagt mir dieser Name etwas? Ja. Irgendwas. Ich kenne diesen Namen. Pince. Aber woher. Wer ist das? Ich habe sie noch nie gesehen. Aber ich kenne den Namen. Warum? Es gibt so viele Namen. Pince. Pince. Pince. Warum musste sie an Bücher denken. Bücher. Hatte sie den Namen gelesen? Aber wo? In einem Buch? Pince. Ein englisches Buch. Pince. Gleich hatte sie es. Bücher. Eine Bücherrei. Sie hatte das Buch in einer Bücherrei gelesen. Nein. Pince. Pince. Die Person mit dem Namen Irma Pince arbeitet in einer Bücherrei. Ich kenne sie, aber ich habe sie noch nie gesehen. Pince. Es war gestern. Gestern hatte sie von ihr gelesen. Nein, ich habe den Namen gehört. Von wem? Von dem Gärtner der mir immer in den Ausschnitt guckt? Nein. Das war danach. Pince. Jemand las ihn vor. Den Namen. Pince. Und plötzlich wusste sie es.
Harry Potter. Und damit wusste sie auch wer der Junge war und wer ihn umgebracht hatte.

2

Mittwoch, 31. Oktober 2012, 02:14

Melchior (Mittwoch – 16:49)

Wieder einmal überkam Melchior Euphorie, wenn er die ganzen Harry Potter Bücher sah. Am liebsten würde er jeden Tag hier her nach Dodenhof kommen um stundenlang vor dem Bücherregal zu stehen und seine Lieblinge anzustarren. Er hatte es ja auch nicht weit und kam jede Woche mindestens einmal hier her. Zuhause hatte er ein riesiges Bücherregal voll mit Harry Potter Büchern in den verschiedensten Ausgaben. Taschenbücher, Originalausgaben und sogar fremdsprachige Versionen z. B. in polnisch oder Spanisch. Harry Potter war seine größte Leidenschaft, dicht gefolgt von seiner 2. größten Leidenschaft: Melonen. Von der normalen deutschen Hardcover Ausgabe von Harry Potter hatte er von jedem Buch 2. Er fand es war an der Zeit noch mehr zu kaufen. Doch mit welchem sollte er anfangen? Teil 1 wäre natürlich am logischsten. Möglicherweise (und er hoffte es so sehr, dass er nicht still stehen konnte) hatte sie Harry Potter noch nicht mal gelesen. Dann könnte er ihr gemütlich mit Jonathan oder Tristan Harry Potter vorlesen. Bei dem Gedanken daran, stieß er einen spitzen Schrei aus. Vielleicht war Vivy die erste Frau, die er nicht umbringen musste, weil sie ihm nicht gefiel. Wenn er an seine letzte Freundin dachte, die ihm doch tatsächlich sagte, sie möge keine Zimtsterne. Da war er einfach ausgerastet. Das war ja wohl auch verständlich. Jetzt lag sie zusammen mit den anderen wunderschön säuberlich zerkleinert in einem Plastiksack in seinem Garten. Irgendwann wenn die Natur ihr Werk getan hatte, würden sie dann zu den anderen in die Badewanne kommen. Sie würden neues Leben hervorbringen. Seine wunderschönen Melonen. Stimmen unterbrachen seine Gedanken. Was sollte das? Wer unterhielt sich da. Er wollte denken. Stehen und denken und atmen und mehr nicht. Er wollte nicht zuhören, aber jetzt sagte die Stimme etwas. Sie sagte: „Harry Potter.“ Da musste er zuhören. Er drehte sich um. Hinter ihm stand eine Verkäuferin, die er schon kannte von seinen vielen Besuchen hier. Sie beriet anscheinend gerade einen Jungen. „Nein, hab ich nicht.“ sagte er gerade. „Was? Du hast nicht Harry Potter gelesen?“ fragte die Verkäuferin den Kleinen ungläubig. „Nein. Der Hype darum hat mich genervt. Ich hab lieber Lemony Snicket gelesen. Und eine bessere Buchreihe gibt es für mich nicht.“ „Ja, weil du noch nie Harry Potter gelesen hast.“ Melchior traute seinen Ohren nicht. Vor ihm stand ein junge der noch niemals in seinem ganzen verdammten Leben Harry Potter gelesen hatte. Was für ein verschwendetes Leben! Melchior erinnerte sich an seine vielen schönen Stunden mit diesen Büchern. Er hatte gelacht, als Ron Schnecken kotzte. Er hatte mitgefiebert als Harry Potter zum ersten Mal den Schnatz fing. Er hatte sich nachts nicht getraut sich ein Glas Wasser zu holen, wenn er gerade von den Dementoren gelesen hatte. Und er hatte geweint als Dumbledore starb. Die Seiten waren immer noch gewellt von seinen Tränen und das Buch hatte einen Ehrenplatz in seinem Regal.
Dieser Junge vor ihm hatte diese Erlebnisse niemals gehabt. Ihm kamen die Tränen. Wie konnte er die ganze Zeit weiterleben. Dieser Arme Junge. Er hatte niemals miterlebt wie Harry Potter Dobby eine Socke schenkt. Er wusste nichts von Okklumentik, nichts von Professor Flitwick ja nicht einmal etwas von-“
„Entschuldigung. Geht es ihnen gut?“ Die Verkäuferin war zu ihm getreten. Er hatte wohl die ganze Zeit mit Tränen in den Augen zu den beiden herüber gestarrt. „Nein, es ist alles in Ordnung.“ log er. „Ich habe nur gerade zufällig ihr Gespräch belauscht. Ist es wirklich wahr, dass du noch kein einziges Harry Potter Buch gelesen hast?“ fragte er den Jungen und bei den Worten kamen ihm fast wieder die Tränen. „Nein.“ sagte der gleichgültig. Melchior zog Harry Potter und der Stein der Weisen aus dem Regal und hielt es dem Jungen hin. „Kauf es!“ schrie er fast. Peinlich berührt sah die Verkäuferin zu dem Jungen. „Nein, nein viel besser.“ Melchior hatte eine Idee. „Ich kaufe es dir. Ich schenke es dir.“ „Nein, danke.“ lehnte der Junge ab. Melchior konnte es nicht fassen. Er musste es schaffen, dass dieser Junge Harry Potter las. Er musste sein Leben retten. Der Junge wollte sich gerade abwenden als Melchior „Warte!“ rief. „Warte! Ich lese dir etwas vor. Eine kleine Leseprobe. Dann wirst du sehen wie toll es ist.“ Der Junge verdrehte die Augen, blieb aber geduldig stehen. Melchior schlug das Buch wahllos auf und begann zu lesen:

„Die Bücher hier behandelten die schwarze Magie, die in Hogwarts niemals gelehrt wurde, und sie durften nur von den älteren Schülern gelesen werden, die Verteidigung gegen die dunklen Künste studierten. „Suchst du etwas bestimmtes, mein Junge?“ „Nein“, sagte Harry. Die Bibliothekarin, Madam Pince, fuchtelte mit einem Staubwedel nach ihm. „Dann verziehst du dich besser wieder. Husch, fort mit dir!“ Harry bereute, dass er sich nicht schnell eine Geschichte hatte einfallen lassen, und verließ die Bibliothek.“

„Das werde ich jetzt auch machen.“ sprach ihm der Junge dazwischen. „Nein, nein warte.“ rief Melchior. Gleich bringt Ron ihm Zauberschach bei! Du wirst begeistert sein.“ „Super. Schach, hört sich ja spannend an.“ sagte er und ging lachend zusammen mit der Verkäuferin etwas weiter weg. Melchiors Welt brach zusammen. Das konnte nicht sein. Das Buch entglitt seinen Händen. Der Junge und die Verkäuferin lachten wieder. Sie lachten über ihn. Das wusste er. Aber das war er gewohnt. Er wurde noch nie akzeptiert. Schon in der Grundschule, als er den anderen seine Muschelsammlung gezeigt hatte, hatten die anderen ihn nur ausgelacht. Nicht einmal die Lehrer halfen ihm. Seine Tage waren dunkel. Er begann nur noch schwarze Hemden anzuziehen. In der Pause stand er enttäuscht vom Leben auf dem Schulhof in der Ecke und zuhause hörte er den ganzen Tag die Smiths. Manchmal auch The Cure oder New Order, aber größtenteils die Smiths. Doch dann im Jahre 1998 erschien Harry Potter und damit veränderte sich sein ganzes Leben.
Wieder wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Diesmal weil ihm jemand ins Ohr schrie. „Hallo Sanna!“ Neben ihm stand plötzlich ein Mann in einem grünen Overall. Wahrscheinlich ein Handwerker oder ein Hausmeister. „Hallo Clemens.“ rief die Verkäuferin dem Typen zu. Diesem schien es egal zu sein, dass er direkt neben Melchiors Ohr stand und schrie zurück: „Hast du zufällig einen großen Eimer gesehen? Mit Leim drin?“ „Nein, tut mir leid.“ kam es von der Verkäuferin. „Naja, dann such ich woanders weiter. Ich muss den hier irgendwo abgestellt haben.“ Melchiors Ohr piepte als sich der Schreihals endlich wieder entfernte. Er sah zu dem Jungen, der sich ein anderes Buch gekauft hatte: Sebastian Fitzek – Splitter. War der wahnsinnig? Das war ein Buch für erwachsene. Nein! Nein! Nein! Alles lief falsch. Der Junge verließ die Abteilung und die Verkäuferin begann ein paar Bücher einzusortieren. Melchior war schlecht drauf. Er hatte überhaupt keine Lust mehr sich mit dieser Vivian zu treffen. Schlecht gelaunt hob er das Harry Potter Buch und steckte es in die Bauchtasche seines Pullovers. Das würde er ganz sicher nicht bezahlen!




Clemens (Mittwoch – 16:37)

Es war ein wunderschöner Mittwoch Nachmittag. Natürlich war es ziemlich kalt. Aber für den Herbst war das noch ganz in Ordnung. Clemens sah das positiv. So wie er sowieso immer alles positiv sah. Oh, Mist ich bin in Hundescheiße getreten, naja besser als mit dem Mund draufgefallen. Oh, Mist ich habe mir einen Finger abgeschnitten, naja besser, als die ganze Hand. Oh, Mist meine Oma ist tot, naja, ich hab ja noch eine. Selbst wenn er sterben würde, würde er das positiv sehen. Aber Clemens starb nicht. Jedenfalls noch nicht. Clemens arbeitete im Garten. Im Garten von Dodenhof. Die Einkaufsstadt die alles hat. Schon seit unzähligen Jahren arbeitete Clemens hier als Hausmeister und Gärtner. Die Blumen hatte er gerade gegossen, doch dabei war ihm eingefallen, dass er das Vogelhäuschen noch gar nicht repariert hatte. Nicht das hier jemals ein Vogel einziehen würde. Welcher Vogel wohnte schon gerne auf einem Parkplatz. Dafür war das Vogelhäuschen allerdings auch nicht gedacht. Es war dafür da, dass die Kunden wenn sie aus ihrem Auto ausstiegen dachten: „Oh, ein Vogelhaus. Die kümmern sich ja sogar um die Umwelt, jetzt kaufe ich hier jeden Tag ein.“ Clemens hatte allerdings das Gefühl, dass das Haus nicht mal diesen Zweck erfüllte. Die Leute dachte wohl eher: „Oh, ein Vogelhaus. Was für ein Scheiß. Ich will hier parken. Ich werde es einfach umfahren.“ Denn genau das war passiert. Als guter Hausmeister musste er das natürlich sofort reparieren. Nur wurde er zwischendurch von anderen Arbeiten abgelenkt. Aber er hatte den Leimtopf doch schon in der Hand gehabt. Wo hatte er ihn stehen gelassen? Es musste irgendwo drinnen gewesen sein. Deshalb ging er in den Schuppen in dem er seine Hausmeisterutensilien aufbewahrte. Doch der Leim war nicht da. Er musste ihn irgendwo in Dodenhof vergessen haben. Verdammt! Wie sollte er den finden? Er rekonstruierte seinen Tag:

Aufwachen.
Durchfall.
Fernsehen.
Kalte Pizza essen.
Bei 9 Live anrufen.
Anziehen.
Losfahren.
Dodenhof.
Glühbirnen wechseln.
Vogelhaus sehen.
Leim holen.
Durch die Sportabteilung.
Durch die Möbelabteilung.
Durch die Buchabteilung.
Pause.
Blumen gießen.
Oh Vogelhaus.
Wo Leim?
Schuppen. Nein.
Tag rekonstruieren:
Aufwachen.
Durchfall.
Fernsehen.
Usw.

In dieser Dauerschleife war er erst mal für ein paar Minuten gefangen bis ihn ein Kunde aus Versehen anrempelte. Er war also von der Sport in die Buchabteilung gegangen. Irgendwo dort musste jetzt ein Eimer voll Leim rumstehen. Er beschloss in der Buchabteilung zu beginnen, denn dort arbeitete Sanna, eine scharfe Verkäuferin, die er schon des öfteren Nackt gesehen hatte, als er sie beim Umziehen heimlich gefilmt hatte. Das Video hatte bei Youporn 500 Klicks. Darauf war er sehr stolz. Sanna hatte den Eimer allerdings nicht gesehen. Sie war allerdings auch mit einem kleinen Jungen beschäftigt, der gerade ein Buch kaufen wollte. Kurz bevor er zur Möbelabteilung weiterging, starrte er Sanna noch kurz auf den Arsch. Ein schöner Anblick.

Um 20:00 Uhr machte Dodenhof zu. Clemens hatte den Leimtopf nicht gefunden. Was unter anderem daran lag, dass er vergessen hatte, dass er ihn überhaupt suchte.
Da er heute nicht viel geschafft hatte, weil er seine Pause total überzogen hatte, hatte er beschlossen ein paar Überstunden zu machen. Mittlerweile war es schon fast 21:00 Uhr der Parkplatz von Dodenhof war perfekt instand gesetzt. Zuletzt hatte er die Hecke gestutzt. Die Heckenschere hielt er noch in der Hand. Clemens war zufrieden. Bevor er endlich nach Hause fahren konnte um die aufgenommene heutige Folge Mitten im Leben zu gucken, musste er noch die Alarmanlage einschalten. Doch als er zum Gebäude blickte fiel ihm etwas auf. Es brannte Licht. Der ganze riesige Gebäudekomplex war dunkel. Nur in einer Abteilung brannte Licht. Es war die Möbelabteilung. Hatte das jemand vergessen? Naja, wie auch immer. Er war der Hausmeister. Er muss das Licht ausmachen. Gemächlich und in der Nase bohrend schlenderte er zum Gebäude. „Hallo?“ rief er als er drinnen war und seine Stimme hallte. Er sah nichts außer Schränke, Tische und anderes Mobiliar (oder um es in seinen Worten auszudrücken: Möbels). Ihm fiel auf, dass er immer noch die Heckenschere in der Hand hielt, deshalb legte er sie auf ein Regal. Er wollte gerade zur großen Lichtanlage gehen, als er etwas hörte. War da jemand? Er lauschte angestrengt. Nein, bestimmt nur Einbildung. Er legte den Schalter um und mit einem kleinen Knall erlosch das Licht. Zufrieden trat er wieder an die Frische Luft. Jetzt aber ab nach Hause. Nach Mitten im Leben würde er sich noch einen gemütlichen Filmabend mit seinem Kumpel gönnen. Alle Saw Teile hintereinander. Vor Vorfreude rieb er sich die Hände. Die Alarmanlage hatte er vergessen.

3

Mittwoch, 31. Oktober 2012, 02:15

Kalle (Mittwoch – 19:56)

Die Grasdorferstraße nervte ihn jedes mal, weil er für ein einziges Haus bis ganz nach hinten fahren musste. Einmal hatte er es mit Absicht ausgelassen. Am Abend kam dann der Anruf von der Zeitung, wenn das nochmal vorkommen würde, wäre er seinen Job los. Das durfte nicht passieren. Zeitungen austragen war Überlebenswichtig für ihn. Wie sollte er sonst das ganze Geld für Bücher, CDs und Filme ausgeben? Jeden Donnerstag ging er ins Kino. Seine Lieblingsfilme waren Die etwas anderen Cops, Brügge sehen und sterben und Pokemon – Die Macht des einzelnen. Wenn ihn jemand danach fragte ersetzte er den letzten Film natürlich mit Pulp Fiction. Jeden Abend las er mindestens ein Kapitel von irgendeinem Buch. Seine Lieblingsbücher waren Lemony Snicket, Bartimäus und Neue Vahr Süd. Aber auf keinen Fall Harry Potter! Der nervte doch nur. Ein Junge der auf einem Besen durch die Gegend fliegt? Dann könnte er auch gleich Bibi Blocksberg hören (Was er manchmal heimlich tat. Die Folge Bibi Blocksberg und der Wetterfrosch konnte er auswendig). Das erinnerte ihn schon wieder an seine Begegnung bei Dodenhof und er musst lachen. Ein merkwürdiger Typ hatte versucht ihn von Harry Potter zu überzeugen. Er war völlig krank. Er hatte sich dann Splitter von Sebastian Fitzek gekauft. Die nette Verkäuferin hatte es ihm empfohlen. Leider hatte er bei Dodenhof völlig die Zeit vergessen und war nun viel zu spät zum Zeitungen austragen. Nicht nur ein bisschen zu spät. Sondern völlig, total, hyper zu spät. Um 17:00 Uhr hätte er fertig sein müssen. Jetzt war es 20:00 Uhr oder so. Das war sein Todesurteil. So zu spät war sicherlich noch nie irgendein Zeitungsausträger gewesen. Er war so ein Vollidiot. Er musste sowieso um das Dodenhofgebiet herum austragen. Weshalb war er nicht schon mit den Zeitungen hierher gefahren und hatte dann nach der Shoppingtour ausgetragen? Nein, nachdem ihm um halb 6 aufgefallen war, dass es viel zu spät war, musste er noch nach hause fahren um die Zeitungen zu holen. Als er losfahren wollte, war er dann durch eine Scherbe gefahren und er musste erst mal den Reifen wechseln. Irgendwas war mit dem Schicksal heute los. Hatte er irgendwas falsch gemacht? Mittlerweile war er schon bei der Hitzendorferstraße angekommen. Hier nach noch eine Straße und er war fertig. Die Arbeit erledigte sich immer wie von selbst. Während seine Beine und Arme die Hände von alleine machten, dachte er über irgendwelche unwichtigen Dinge nach. Routine. Jetzt kam die Mitteldorferstraße. Die Letzte. Endlich.
Hausnr. 1: will keine Zeitung.
Hausnr. 2: hat den Briefkasten an der Tür, also absteigen.
Hausnr. 3 – 6: keine Besonderheiten.
Hausnr. 7: wohnt ein Hund. Ganz vorsichtig.
Hausnr. 8: einfach in den Garten werfen.
Hausnr. 9: wieder absteigen.
Plötzlich hörten seine Körperteile auf von alleine zu arbeiten. Die Routine war unterbrochen, denn etwas war anders. Die Haustür stand einen Spalt offen. Sollte er die Zeitung einfach in den Flur werfen, oder trotzdem durch den Türschlitz schieben? Oder sollte er die Zeitung einfach vor die Tür legen? Eine schwere Entscheidung. Komisch. Irgendwas roch hier merkwürdig. Der Geruch kam ihm bekannt vor, aber wusste nicht mehr was es war. Ihm schoss etwas durch den Kopf. Damals, als er mit seinem großen Bruder ein Fahrradrennen veranstaltet hatte und er so schnell wie möglich um die Kurve fuhr. Plötzlich war diese Straßenlaterne vor ihm aufgetaucht. Im letzten Moment war er ausgewichen, dafür aber gegen eine hohe Bürgersteigkante gefahren. Mit vollem Karacho war er mit dem Knie auf die Kante gefallen und zum ersten Mal in seinem Leben hatte er so richtig geblutet. Und genauso roch es jetzt. Nach Blut. Vorsichtig drückte er gegen die Tür. Langsam schwang sie auf und gab den Blick auf eine Frau frei. Sie lag auf dem Boden. Ihre Augen starrten ins Leere. In ihrer Hand hielt eine bauchige Flasche mit dem Aufdruck Rattengift. In ihrem Rücken steckte ein Messer und der ganze Flur war voller Blut. Kalle verstand das nicht. War das gerade sein Leben? Passierte das wirklich? Nein. Er konnte nichts mehr denken. Es war so schwer zu denken. Vor ihm lag eine tote Frau. Nein. Das war unmöglich. Saß er grad im Kino? Er dreht sich wirklich nach links und rechts, um vielleicht einen Sitznachbar mit einem Eimer Popcorn neben sich zu sehen. Es war einfach zu unwirklich. Nun tauchte auch noch dieser Mann auf. Dieser Mann. Er kannte ihn. Er hatte ihn versucht von Harry Potter zu überzeugen. Er stand im Flur und starrte ihn an. Neben ihm hing ein Bild von einem großen Zeh mit gelben Zehennägeln. „Ich habe sie zertreten.“ sagte der Mann. „Was?“ flüsterte Kalle. „So, wie ich deine Mutter zertreten habe.“ redete der Mann weiter. Was plapperte der da? Er war wahnsinnig. Vor ihm lag eine tote Frau. Kalle musste hier weg. Schnell drehte er sich um. „Das passt alles zusammen, Potter, auf eine Weise die du nicht verstehst!“ schrie der Mann ihm hinter. „Sie sind wahnsinnig!“ schrie Kalle und rannte los zu seinem Fahrrad. Der Mann rannte ihm hinterher und brüllte: „DUMBLEDORES PLAN IST MISSLUNGEN, HARRY POTTER!“ Dieser Typ ist geisteskrank, dachte Kalle und stellt sein Fahrrad auf, doch der Gestörte hatte ihn schon eingeholt und riss mit aller Kraft an dem Fahrrad. „Du wagst es?!“ brüllte er dabei. Er war zu stark. Kalle ließ das Farrahd los und rannte so schnell wie noch nie in seinem Leben. Der Mörder war zunächst erst mal verblüfft und stolperte bei dem Versuch ihm zu folgen über das Fahrrad. Kalle sah nicht mehr nach hinten sondern konzentrierte sich nur noch auf seine Beine. Er hatte gerade einen Mord beobachtet und der Mörder würde alles daran setzen ihn zum Schweigen zu bringen. Vor ihm tauchte Dodenhof auf. Niemand war zu sehen. Die Einkaufsstadt hatte natürlich schon zu. So eine verdammte Scheiße, dachte Kalle. Hätte er früher ausgetragen wäre das alles nicht passiert. Irgendwann stand er vor Dodenhof. Ob der Mann immer noch hinter ihm war, wusste er nicht. Er traute sich nicht nach hinten zu sehen. Kalle fasste einen Entschluss: Er würde die Scheibe einschlagen. Er würde sich in Dodenhof verstecken bis die Polizei, wegen dem Alarm kam. Er schnappte sich einen Stein und führte seinen Plan aus. Doch kein Alarm ertönte. Vielleicht war es stiller Alarm. Schnell kroch er durchs Fenster. Auf der Fensterbank befand sich allerdings ein Eimer mit irgendeiner dickflüssigen Flüssigkeit darin. Kalle übersah ihn und der Eimer fiel von der Fensterbank auf ein Regal, verteilte seinen Inhalt überall und fiel dann hinunter. Na toll, wenn der Mörder in der Nähe war, wusste der durch den Lärm jetzt garantiert wo er war. Schnell rannte er weiter in die Abteilung hinein. Anscheinend befand er sich in der Möbelabteilung. Es war ziemlich dunkel. Zu dunkel. Neben ihm entdeckte er einen Schalter, der höchstwahrscheinlich für Licht zuständig war. Aber wenn er das Licht anmachte, konnte der Mörder ihn auch schneller finden. Egal. Seitdem er, als er 12 war, vorm schlafen gehen Wrong Turn geguckt hatte, hatte er Angst vor der Dunkelheit. Noch mehr als vor einem geisteskranken Mörder. Er schob den Hebel hoch und grelles Licht ging überall knallend an. War das wirklich eine gute Idee gewesen? Unwichtig. Schnell rannte er durch die Abteilung und suchte ein Versteck. Nach einer Weile fand er eine große schwarze Kommode, die er öffnete und hinein schlüpfte. Dann folgte Stille. Stille. Stille. Und nach einer Weile fiel ihm auf, wie dunkel es hier drinnen war. Wo blieb eigentlich die Polizei? Plötzlich Schritte. Irgendwo in der Nähe. War das der Mörder? Hatte da eben jemand gerufen? Er suchte ihn. Wenn er ihn hier drin fand, war er geliefert. Leise öffnete er die Tür. Er musste Fluchtbereit sein. Der Feind war noch nirgendwo zu sehen. Plötzlich ging das Licht aus. Oh mein Gott. Das war's, dachte Kalle. Warum hatte er das Licht ausgemacht? Da waren sie wieder, die Schritte. Aber … Sie entfernten sich! Hatte er etwa schon aufgegeben? Kalle war ratlos. Sollte er aus seinem Versteck kommen oder war das eine Falle? Es blieb Still. Kalle erhob sich. Er konnte nichts erkennen. Plötzlich hörte er ein leises Klirren und einen Aufprall. Jemand war durchs Fenster gesprungen. Jetzt war er da. „Du hast den Phönixstab nicht mehr!“ schrie der Wahnsinnige. Kalte Panik stieg in Kalle hoch. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Der Mörder suchte nach ihm. „In unserem Duell hier zählen nur unsere Fähigkeiten!“ kreischte der Mann. Es klang schon näher. Kalle wich langsam immer weiter zurück um ihm nicht durch Geräusche zu zeigen wo er war. Vielleicht konnte er es bis zum Fenster schaffen. Aber davor stand irgendwo dieser Kerl, der immer lauter schrie: „Und wenn ich dich getötet habe...“ Kalle schluckte. „Kann ich mich um Draco Malfoy kümmern.“ Dieser Typ hatte eindeutig zu viel Harry Potter gelesen. Seine Stimme kam immer näher. Dann schrie er plötzlich: „AVADA KEDAVRA!“ und ein Küchenstuhl prallte gegen Kalles Kopf. Er schrie auf, fiel hin und spürte Blut an seinem Kopf hinunter laufen. Schnell rappelte er sich wieder auf und rannte los. Irgendwo hin. Der Psychopath bewarf ihn mit weiteren Stühlen und Lampen. Die Glühbrinen zersprangen auf dem Boden. Kalle drehte sich um, fing einen Stuhl auf und warf ihn zurück. Dann drehte er sich sofort wieder um und rannte weiter. Er schien getroffen zu haben, denn er hörte einen Schmerzensschrei und dannn ein Wutgebrüll. Hinter sich sah er Schemenhaft wie der Mann auf eine Kommode sprang und sich von Mobiliar zu Mobiliar springend auf Kalle zu bewegte. Er war schnell. Zu schnell. Schneller als Kalle. Mit einem knurrendem Schrei warf er sich von einem Schreibtisch auf ihn. Kalle versuchte sich loszureißen, doch der Mörder presste ihn mit aller Kraft auf den Boden. Er lachte manisch. Dann begann er Kalle zu würgen. Das war das Ende. Niemals hätte er sich seinen Tod so vorgestellt. Erwürgt von einem Harry Potter Fan in der Möbelabteilung von Dodenhof. Er wehrte sich nicht. Zuerst jedenfalls. Dann strampelte er wie ein wilder und versuchte irgendwas mit seinen Händen zu fassen. Und er schaffte es. Eine große Stehlampe landete auf dem Kopf des Mannes. Sein Griff lockerte sich und Kalle konnte sich losreißen. Doch der Psycho hielt ihm am Bein Fest. Kalle versuchte ihm mit dem anderen Bein ins Gesicht zu treten, doch sein Feind richtete sich etwas auf, lachte triumphierend und zog ihn zu sich her. Jetzt war es wirklich vorbei. Warum musste er jetzt schon sterben? Wegen diesem Arschloch über ihm, der gerade wieder seine Hände auf seine Kehle presste. Wenn er schon starb, dann wollte er wenigstens, dass dieser Mann bestraft wurde. Er musste eine letzte Nachricht hinterlassen. Seinen Namen in Blut schreiben oder so. Nur leider gab es kein Blut wenn man erstickte. Vielleicht konnte er einen Stofffetzen oder so etwas abreißen, dass hatte er mal bei CSI – Den Tätern auf der Spur gesehen. Viel Zeit hatte er nicht mehr, er merkte schon wie ihm die Sinne schwanden. Mit aller Kraft die er noch aufbringen konnte riss er an der Bauchtasche des Pullovers. Ein Harry Potter Buch fiel heraus. Dasselbe Buch aus dem er ihm Heute Nachmittag vorgelesen hatte. Der Mörder riss die Augen auf. Kalle Packte das Buch und begann Seiten herauszureißen und das Cover zu verbiegen. Der Mann schrie entsetzt auf und versuchte ihm das Buch wegzunehmen. Diese Chance nutzte Kalle und schlug ihm mit dem Buch auf den Kopf. Dann rannte er los und ließ die Reste des Buches fallen. Da war das Fenster. Der Mörder folgte ihm nicht sondern sammelte panisch die Fetzen des Buches ein. Er konnte es schaffen. Vor ihm war das Fenster. Innerlich jubelte er. Dann rutschte er auf einer Scherbe aus, fiel hin, knallte mit dem Fuß gegen ein wackeliges Bücherregal. Dieses fiel in seine Richtung und die mit Leim befestigte Heckenschere rammte sich in seine Brust.
Alles war gut. Ende