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Freitag, 18. Mai 2012, 14:42

Lucy Gouldin und das Geheimnis der Gestaltenwandler

Hallo, Leute! :)

Nachdem ich jahrelang FanFictions geschrieben habe, arbeite ich nun an meinem ersten "richtigen" Roman: "Lucy Gouldin und das Geheimnis der Gestaltenwandler", eine Fantasy-Geschichte.
Momentan bin ich bei Kapitel 2, allerdings habe ich schon Monate zuvor begonnen, Notizen und Skizzen zu sammeln. ~

Weil ich auch irgendwann gerne versuchen will, das Buch zu veröffentlichen, werde ich erstmal nicht mehr als eine kurze Inhaltsangabe und den Prolog hier ins Internet stellen.

Aber dabei wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen!



Inhalt:

Die 16-jährige Lucy Gouldin führt ein Leben, an dem fast alles relativ gewöhnlich ist.
Bis ihr erschreckende Visionen, eine schicksalshafte Gabe und ein Besuch aus einer anderen Dimension das Geheimnis ihrer wahren Herkunft offenbaren: Sie gehört dem uralten Volk der Gestaltenwandler an.
Als ein Wesen, das feinstofflicher als das Licht ist, steht ihr fortan eine bizarre Parallelwelt offen, in welcher nichts so ist wie es scheint. Dort stößt sie auf skurrile Wesen, fremdartige Landschaften und die verborgene Zivilisation der Gestaltenwandler. Lucy schult ihre elementaren Mächte, besteht riskante Erkundungen und bald schon findet sie ihre Heimat im magieumwobenen Laecinia.
Doch ein Beben der Dimensionen verändert alles. Die Grenzen der Universen verschwimmen, und eine Heerschar von finsteren, futuristischen Geschöpfen zieht in Erde und Wandelwelt ein. Die Soldaten der Skender sind auf Krieg und Eroberung aus.
Die einzige Hoffnung der Menschheit in dieser vernichtenden Bedrohung scheint, so lautet die Prophezeiung, Lucy zu sein. Doch gelingt es der Gestaltenwandlerin, den Fels der Elemente zu bergen, jenen Stein, in welchem die letzte Rettung liegt? Und welche Rolle in ihrer Mission wird der mysteriöse Nox spielen, ein abtrünniger Prinz der Skender, der Lucy zur Seite steht?


So, und nun folgt der Beginn des Abenteuers ~

~ Vorab aber noch ein kurzer Hinweis: Ich habe in diesem Prolog stellenweise mit "Fremdwörtern" der Parallelwelten um mich geworfen, die niemand kennen kann. Ich bin aber auch nicht näher darauf eingegangen, um gewissermaßen eine zusätzliche Spannung zu erzeugen: Später im Buch wird der Leser genaueres darüber erfahren.
Da ihr hier aber vorerst nicht mehr als diese Textstelle zu lesen kriegt, ist das ja ein wenig doof. Von daher habe ich hin und wieder ein paar Zusatzinfos in einer anderen Farbe reingepackt ;)



Prolog:

[Erster Teil.]


Allmählich versanken die Sonnen der Wandelwelt im fernen Horizont und tauchten Laecinia in ihren silbrigen Schein.
Die erste Serplume schlängelte sich kreischend durch das Firmament und ihre Bernsteinaugen schimmerten wachsam im Dämmerlicht.
[Da die Wandelwelt eine Parallelwelt von unserer ist, leben dort nicht die uns bekannten Tiere. Die Geschöpfe dieser Welt sind einzigartig. Serplumen beispielsweise sind geflügelte Schlangen mit einem pechschwarzem Federkleid.]
Nach und nach erglommen nun schon die vertrauten Feuerkugeln über den Dächern, lodernde Lichtquellen in der Düsternis, die seit jeher elektronische Laternen ersetzten. Das weite Kristallfeld am Rande der Stadt dagegen lag im Schatten da, und ein kühler Wind umblies jenen magieerfüllten Ort.
Doch noch immer wartete Solana Phoenix im hohen Wanderfarn, beobachtete gedankenverloren den Untergang der Sonnen.
Worauf sie wartete, das wusste sie nicht recht. Prophezeiungen gaben ihr oft unlösbare Rätsel auf.

Der Uhu näherte sich lautlos, seine herbstblattfarbenen Schwingen im Landeanflug spreizend. Erst als er anmutig gleich vor ihren Füßen landete, nahm Solana den großen Vogel wirklich wahr. Seine rubinroten Raubtieraugen, in denen eine gewisse kindliche Leichtfertigkeit zu liegen schien, blickten keck zu Solana empor.
“Hallo, Jasmina“, grüßte die Stadtpatronin abwesend die Eule.
[Solana ist die Stadtpatronin von Laecinia, d.h. so etwas ähnliches wie die Bürgermeisterin der Stadt. Das politische System der Gestaltenwandler ist allerding etwas anders als das unsrige.]
Das Tier verschwand in einem Schwall gleißend silbrigen Lichts, welches sich wie im Zeitraffer fließend verformte. Bloß einen Herzschlag darauf stand statt der Eule dann ein junges, schlaksiges Mädchen inmitten des Wanderfarns.
Jasmina Wings’ uhufederrotes Haar, das sich bis über ihre Hüften wellte, wehte im Abendwind; ein gewitztes Funkeln lag in ihren haselnussbraunen Augen. Der Nachtgreif hatte in seiner Verwandlung alle grazile Anmut hinter sich gelassen, doch war ihm jene Aura des gewissen Leichtsinns zweifellos geblieben.
“Abend auch, Miss Phoenix“, erwiderte Jasmina munter und sie grinste ihrer Elementarmentorin lässig zu. „Was verschlägt Sie denn so spät noch in die Wildnis?“
[Auch arbeitet Solana als Lehrerin der "Tempelschule der Elemente". Ihr Berufsrang lautet von daher Elementarmentorin.]
Solana brachte nur ein müdes Lächeln zustande. „Du weißt, Jasmina“, sagte sie matt, während sie sich in einem hektischen Seufzer erhob, „Ich kann nicht denken, solange mich Wände einengen. Gefängnisse aus Beton sind nicht meine Welt. Und mein Gehirn muss sich entfalten, wenn es eine Prophezeiung entschlüsseln möchte.“
Schlagartig wich alle Übermut aus Jasminas Blick; es war, als würde ihre Miene versteinern. Fast trat schon Furcht in ihre Züge.
“Der Zukunftskristall, er … er hat wieder gesprochen?“, sagte sie langsam und suchte zweifelnd Solanas Blick.
Diese nickte bloß knapp. „Ja. Komm mit, dann zeige ich dir, was er mir heute prophezeit hat.“

Und so schritten die zwei Gestaltenwandlerinnen geradewegs auf den dunklen, mannshohen Kristall zu, der wie ein schimmerndes Ungetüm in der Mitte seines Felds aufragte.
Im Himmel über ihnen jagten sich die Flederdämonen und der Farn zappelte protestierend unter ihren Füßen.
[Flederdämonen sind natürlich ebenfalls der Wandelwelt eigene Wesen. Und der Wanderfarn trägt seinen Namen, da diese fleischfressende Pflanze in großen "Schwärmen" auf Beutesuche durch die Gegend wandert.]
Solana suchte fieberhaft nach Worten, die sie selbst vielleicht ein wenig von Laecinias Zukunft ablenken konnten.
“Jasmina“, entschied sie sich schließlich zu sagen, „Wie sieht es eigentlich mit deinen Visionen aus?“
“Meine Visionen?“, entgegnete das Eulenmädchen lautstark und sofort blitzte wieder die Begeisterung in ihren Augen auf. „Oh, mit denen sieht’s perfekt aus, wirklich. Werden von Tag zu Tag deutlicher. Ich glaub sogar, meine Schülerin steht kurz vor ihrer Verwandlung!“
“Das könnte sein“, sagte Solana und sie nickte nachdenklich. „Du kannst es sicher kaum noch erwarten, sie kennen zu lernen?“
“Ich werd’ es bis dahin schon noch überstehen“, meinte Jasmina schulterzuckend, doch dann setzte sie in gespielter Bösartigkeit nach: „Aber in Ordnung, Sie haben Recht. Natürlich freu ich mich inzwischen sehr darauf, das Erdenmädchen mit meinen grausamen Raubvogelfängen aus ihrer Welt zu entführen.“
Solana grinste gezwungen. „Nun, sobald dein armes Opfer die ihrigen Visionen durchlebt hat, kannst du deinen Überfall auf sie ja augenblicklich starten.“
Jäh erfasste die junge Gestaltenwandlerin ein Schaudern. „Wandlungsvisionen!“, stieß Jasmina hervor, „Oh, ich weiß noch, wie die mich geängstigt haben. Aber, nun ja, die Fähigkeiten, die ich seit ihnen hab – die sind es schon wert.“
[ Ab einem bestimmten Alter (zumeist fünfzehn bis siebzehn Jahre) entwickelt ein Gestaltenwandler seine wandlerischen Kräfte und "verwandelt" sich so in ein magisches Wesen. Doch während dieser Verwandlung muss er eine Reihe von grauenvollen Visionen durchleben - ein Prozess, der nötig ist, um sich seinen ureigensten Ängsten zu stellen und somit frei von allem zu werden.
Wenn dieser Gestaltenwandler allerdings in der Welt der Erdenmenschen aufwächst, wird irgendein anderer Gestaltenwandler, welcher in der Wandelwelt lebt, im selben Zeitraum ebenfalls Visionen erhalten. Diese werden von Tag zu Tag deutlicher und führen ihn schließlich zum Aufenthaltsort des jungen Gestaltenwandlers in der Erdenwelt. Nur so kann der "Mentor" seinen "Schüler" finden und ihn letztlich über die Parallelwelt aufklären, ihn dorthin mitnehmen. Und genau dieses Band knüpft Jasmina Wings an Lucy Gouldin: Sie ist ihre "Mentorin", die durch Visionen das Mädchen finden wird und es dann mit in ihre Welt nehmen kann, um ihm die Geheimnisse ihrer Art zu offenbaren. Der Beginn einer tiefen Freundschaft ... ]
Solana murmelte eine vage Antwort und ihr Blick schweifte zerstreut zu den düsteren Silhouetten der Granitfelsen, gewaltige Himmelsinseln, die in der Ferne daherschwebten.

„Hier“, meinte sie schließlich, als die Gestaltenwandlerinnen den kristallinen Wächter Laecinias erreicht hatten. Wie ein Speer ragte er empor in die Dämmerung. Solana ließ ihre Hand über das kühle Gestein gleiten, über Reihe um Reihe von verschlungenen Gravuren in seiner glatten Oberfläche. „Schau dir diese Runen an, Jasmina. Sie sind mir vorhin vollkommen urplötzlich erschienen, fast so als hätte der Kristall auf mich gewartet.“
Die Elementarschülerin kniete sich nieder, um die filigranen Symbole besser erkennen zu können.
“Wie viele Jahre sind nun vergangen“, murmelte sie, mehr an sich selbst gewandt als an Solana, „seit sich zuletzt eine Inschrift von selbst in einen Schicksalsstein graviert hat?“ Dann sah sie auf zu ihrer Mentorin: „Was bedeuten diese Runen?“
Solana lächelte voll Bitterkeit. „Sie bedeuten nichts Gutes“, sagte sie knapp. Für einen Augenblick schwieg Laecinias Stadtpatronin, bevor sie tief Luft einsog und las, was in den Kristall gemeißelt stand.
Es klang, als würde sie ihre Stimme mühsam beherrschen.
“Die Dimensionen werden erbeben, ihre Grenzen sich verschieben, und die Gefahr wird aus dem Zukunftsreich des Nordens kommen. Angriffslustige Herzen, vor jeder Emotion abgeschirmt hinter einem eisernen Harnisch, befinden Laecinia als wertlos. Vernichtung wird über die uralte Stadt einziehen.
Die Krieger der Finsternis streben nach Größerem, und Größeres werden sie erobern. Ist der ungleiche Krieg entschieden, wird das Geschlecht der dunklen Engel das menschliche ersetzen.
Die einzige Rettung in jenem scheinbar so aussichtlosen Kampf entdecken Erden- wie Wandelmenschen im Ozean der Hoffnung, in der Gestaltenwandlerin, deren Feinstofflichkeit selbst die Aeros übertrifft. Gelingt es der Auserwählten, von ihren Traumbildern geführt den Stein der Elemente zu bergen, ist die Bedrohung des Nordens zerschlagen.
Findet sie jedoch auf ihrer gefahrvollen Mission den Tod, so wird die Menschheit mit ihr sterben.“ Solana stieß einen schweren Seufzer aus. „Nun, das ist es, was der Kristall über unser aller Zukunft weiߓ, schloss sie dumpf.

[Mit dem Zukunftsreich des Nordens ist natürlich das Reich der Skender gemeint; mehr all dazu im zweiten Teil des Prologs.
Aero war ein historischer Gestaltenwandler, der für seine Feinstofflichkeit berühmt war: Er konnte selbst in andere Parallelwelten reisen, die jedem Wandler unzugänglich waren. Die Auserwählte Lucy Gouldin allerdings, deren wahrer Name Marina Hope (Meer der Hoffnung) lautet, hat während einer schrecklichen Katastrophe (diesen Vorfall zu beschreiben, würde den Rahmen eines Zwischenspoilers sprengen) schon als Baby eine noch größere Feinstofflichkeit bewiesen: Solana & Jasmina wissen davon. ]


Fassungsloses Entsetzen schien Jasminas Gesicht in eine Maske des Unglaubens zu verwandeln. Wie protestierend öffnete sie den Mund, bloß um ihn wortlos wieder zu schließen.
Drückendes Schweigen tränkte die Luft so wie der würzige Regenduft des Wanderfarns. Solana mied Jasminas Blick und somit konnte sie nicht ahnen, dass das Eulenmädchen auch dem ihrigen auswich.
Schließlich zerriss ein erstickter Aufschrei jene betretene Stille.
“Verdammt!“, fauchte Jasmina jäh und zornig rieb sie sich den Arm. Auf ihrer Haut zeichnete sich deutlich ein gereizt rotes Brandmal ab. „Warum muss es eigentlich immer Feuer regnen, sobald ich vor die Haustür geh?“
Ihre Stimme klang unnatürlich schrill.
„Nun, die Waldphönixe haben es wohl auf dich abgesehen“, erwiderte Solana undeutlich und sie blickte suchend gen Himmel.
In dunkler Höhe zog ein Schwarm graziler, schwanengleicher Vögel vorüber, deren rubinrotes Federkleid die letzten Strahlen der Sonne reflektierte. Glühende Funken regneten aus ihren Schwingen und schwebten langsam zur Erde nieder.
Solana streckte ihren Arm empor und spreizte die Finger. Im nächsten Augenblick entsprang, wie aus dem Nichts, in ihrer Hand ein Schirm aus Wasser, der sich als lichtbenetzter Schutzschild über die Gestaltenwandlerinnen hüllte.
“Danke“, murmelte Jasmina gequält.
Und das Schweigen des Kristallfelds wurde noch schwerer.
“Ich komme schlichtweg zu keiner Lösung“, meinte Solana schließlich dumpf, als sie glaubte, die Stille nicht einen Wimpernschlag länger ertragen zu können. „Wo soll bloß das ‚Zukunftsreich des Nordens’ liegen? Wer könnte gemeint sein mit dem ‚Geschlecht der dunklen Engel’? Mir ist nichts dergleichen bekannt. Nichts.“
“Ich weiß es auch nicht“, erwiderte Jasmina, die etwas aufgeschreckt wirkte, tonlos.
Ein weiterer Augenblick verstrich in Stille.
“Aber wer die auserwählte Gestaltenwandlerin ist, das wissen wir wohl beide zu genau“, sagte dann Solana dumpf.
Jeglicher kindliche Leichtsinn war aus Jasminas Zügen geschwunden, während sie schmerzerfüllten Blickes den düsteren Horizont fixierte. Kein Lichtstreif erhellte ihn mehr.
“Ja. Das wissen wir wohl zu genau“, wisperte sie zittrig.
Feurigen Schwingenschlags zogen die Phönixe in Richtung Norden.
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[O.O
/)__)
*~~"~"~~*
"Always."
*~~~~~~*

Der Mensch hat nicht das Recht
über Tiere zu urteilen.
Sie stammen aus einer anderen Welt
die älter und vollständiger war als unsere.
Ihre Erscheinung ist besser und vollständiger.
Sie haben Eigenschaften,
die wir verloren oder nie erreicht haben....
Sie sind keine Untertanen:
Sie gehören einer ganz anderen Nation an.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Luna in the sky« (18. Mai 2012, 14:52)


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Freitag, 18. Mai 2012, 14:50

[Zweiter Teil.]

Eine Makrodimension nördlich der Wandelwelt hatte ein wahrhaft eigentümliches Wesen ebenfalls den Sonnenuntergang beobachtet, bloß war es der Untergang anderer Sonnen. Rot wie Blut glühten die Sonnen von Skendrien und nun, da sie im rauchigen Horizont versanken, färbte sich der Himmel pechschwarz.
[ Die Paralleldimension unseres Universums ist aus sieben verschiedenen Parallelwelten, auch Makrodimensionen genannt, aufgebaut. Eine dieser Welten ist die Wandelwelt, eine andere (die nördlich der Wandelwelt liegt) das Reich Skendrien. Scheinbar undurchdringliche Grenzen aus Energie trennen die einzelnen Makrodimensionen voneinander. ]
Der junge Skender blickte, verloren in Gedanken, vom höchsten Balkon des himmelhohen Kaiserpalasts herab auf das aschgraue Reich seines Vaters. Wolkenkratzer reihte sich an Wolkenkratzer, lebloses Beton, das die Lüfte eroberte und die Straßen in unendliche Nacht tauchte. So weit der Prinz von Skendrien auch sehen konnte, er sah nichts als tristes Grau, und Skender sind bekannt für ihre ausgezeichneten Augen.
Nox sog rasselnd Luft ein und stieß einen tiefen, metallischen Seufzer aus.
Seine fremdartige, ja vollkommen bizarre Gestalt könnte es merkwürdig erscheinen lassen, dass seine Sorgen und sein Schmerz allzu menschlich waren.
Ein Schleier von nachtschwarzem Haar umwallte Nox’ feinzügiges, mondblasses Gesicht, seine schlitzartige Nase und seine geschwungenen, leicht bläulichen Lippen. Mit leeren, tiefsilbernen Mandelaugen blickte er versunken in die Ferne. Sein graziler Körper war in eine dunkle Toga gehüllt und seine Hände wie Füße umschlossen von einer Panzerung aus Eisen, gespickt mit dolchartigen Klauen. Ebenso künstlich erschaffen waren jene gewaltigen Schwingen, die dem Rücken des Prinzen entsprangen und ihm so den Eindruck eines finsteren Engels verschafften. Ihr metallenes Federkleid glomm im Abendlicht.
Und Nox’ Herz, scheinbar so sicher geborgen in einem titanstählernen Brustharnisch, war von Bitterkeit erfüllt.
Er war einzigartig und einsam in dieser verrückten Welt, gefangen in einem goldenen Käfig.
Es war nicht seine Erscheinung, die ihn von seiner gesamten Rasse unterschied. Äußerlich glich er wie ein perfektes Abbild seinem Vater und dessen sechsundsechzig Milliarden Untertanen.
Sein rebellischer Geist jedoch war Nox’ tödliches Geheimnis.
Er verabscheute die grausame Herrschaft Kaiser Skendryx’; er verabscheute sein Volk, das sich so bereitwillig von schnödem Luxus manipulieren ließ und dabei jedes Unrecht übersah. Er verabscheute es, junge Sercubi sterben zu sehen, die der Gefühlskälte ihrer Meister und ihrer eigenen Boshaftigkeit zum Opfer fielen.
[Sercubi nennt sich die Spezies, die seit jeher von den Skendern versklavt wurde. Nox hat einmal verbotenerweise versucht, mit einem Sercub seines Vaters Freundschaft zu schließen. Doch die boshafte Kreatur hat dies umgehend Skendryx berichtet und Nox somit verraten. Den Sohn des Kaisers allerdings erwartete lediglich eine schmerzhafte Strafe, während Skendryx den Sercub töten ließ: Er stellte schließlich eine "Gefahr" für die Moral dar, die Skendryx seinem Nox stets einschärfte: Dass Sercubi eine wertlose Art sind, die nur zum Dienen geboren sind. ]
Er verabscheute jene erschreckende Gleichförmigkeit, in der seine Art gefangen schien und in der jeder eigene Gedanke starb. Ja, er verabscheute diese gesamte Dimension, in der er verdammt war zu leben: Eine Welt, der es in ihrem Futurismus an jeglichem Mitleid fehlte.
Manchmal glaubte Nox, all dies nicht länger zu ertragen. Doch er hatte längst den Mut verloren, irgendetwas zu verändern – zahlreiche unschöne Erfahrungen lehrten ihn, dass Skendryx selbst für seinen eigenen Sohn keinerlei Gnade walten ließ.

Der Prinz von Skendrien stieg flink die Balkonbrüstung hinauf und glitt, die Schwingen gespreizt, in die Nacht. Sternengesprenkelte Dunkelheit und ein lauer Wind umfingen ihn, seine alleinigen Gefährten in der Einsamkeit. Er flog, ohne zu wissen, wohin, kannte kein Ziel auf seiner Reise durch den Himmel. Erwachten die Sonnen wieder, würde sein neunzehntes Lebensjahr beginnen.
Und Tag für Tag rückte das Schicksal näher, vor dem Nox keinen Ausweg sah. Wenn sein Vater verlangte, dass er als der kaiserliche Gladiator kämpfte, dann gab es nichts dagegen auszurichten.
Ihm stand es bevor, Ruhm und die Anerkennung des Volkes durch Töten zu ernten ¬– oder selbst in den grausamen Kämpfen zu sterben, welche die Skender belustigten.
Mit seinem präzisen Blick erkannte Nox noch immer schwach das Flimmern am lichtlosen Horizont, die undurchdringliche Energiegrenze zur Nachbarsdimension. Einmal wieder fragte er sich, wie es in anderen Universen wohl war, und die Sehnsucht packte ihn.
Gab es dort vielleicht geheimnisvolle, sattgrüne Welten, von den Stimmen gefiederter Wesen erfüllt? Schier unendliche, rauschende Ozeane, die nicht verklebt waren vor Öl und Schmutz? Eine Fülle von verschiedensten Lebensformen, die jeden Winkel des Landes bevölkerten?
Nox las oft in den verbotenen Bibliotheken und so wusste er, was für eine erstaunliche Dimension Skendrien einst gewesen war. Bevor die Skender sie vollends erobert und in ein einziges Betongrau gehüllt hatten.
Gab es in irgendeiner fremden Welt vielleicht sogar Geschöpfe, die Liebe, Mitgefühl und Sehnsucht kannten und die Nox verstehen würden?
Er würde ohne zu zögern sterben, bloß um ein solches Wesen zu treffen.

Der junge Skender glitt leicht wie ein Lufthauch durch die anbrechende Nacht dahin, pfeilschnell schoss er gen Horizont und er warf keinen Blick zurück. Der Wind peitschte sein Gesicht und für diesen vergänglichen Moment fühlte er fast schon Freiheit in sich.
Nun wussten Nox’ Schwingen, wohin sie ihn trugen. Er schwebte geradewegs auf die Grenze zu, auf den flimmernden Energiewall zur nächsten Dimension.
Beim Anblick dieser mysteriösen Luftfestung versank er stets in die bizarrsten Träumereien; Träume, die den Prinzen am Leben erhielten und die ihm doch wohl niemals erfüllt würden.
Denn schließlich lag es Milliarden Jahre zurück, dass sich die Grenzen der Universen zum letzten Mal verschoben.
Und selbst wenn es noch einmal geschah, würde es keinen Unterschied geben.
Kaiser Skendryx’ Gesandtschaft würde alles, was jene fremden Welten auszeichnete, innerhalb kürzester Zeit vernichten.


Soo, ich hoffe es hat Spaß gemacht, das zu lesen.

Natürlich freue ich mich auch immer sehr über Feedback und Kommentare, wie glaube ich jeder, der schreibt :)

Und falls euch interessiert, wie das Buch weitergeht - nun, ich habe bisher ja erst zwei Kapitel geschrieben.
Im ersten Kapitel werden erst einmal Lucys typische Alltagssituationen beschrieben; es ist nichts Besonders und entsprechend natürlich auch weitaus weniger lyrisch.
Und in Kapitel zwei wird Lucy dann plötzlich von allzu schrecklichen Visionen überfallen ...


Viele Grüße,
Luna :)
,___,
[O.O
/)__)
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"Always."
*~~~~~~*

Der Mensch hat nicht das Recht
über Tiere zu urteilen.
Sie stammen aus einer anderen Welt
die älter und vollständiger war als unsere.
Ihre Erscheinung ist besser und vollständiger.
Sie haben Eigenschaften,
die wir verloren oder nie erreicht haben....
Sie sind keine Untertanen:
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grit

Auror

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Donnerstag, 21. Juni 2012, 16:08

Die Zusatzinformationen hätte ich an deiner Stelle kompakt an den Anfang oder an den Schluss gesetzt, so zwischendurch lenkt es den eigentlichen Lesefluss ab.

Der Anfang liest sich schon mal vielversprechend. Folgerichtig wäre ja nun im nächsten Kapitel die Vorstellung der Hauptfigur.

Ich wünsche dir für dieses Projekt viel Durchhaltevermögen, es scheint eine spannende Geschichte zu werden.
Schwierig ist immer die Entscheidung, wann man dem Leser welche Informationen gibt, du musst halt überlegen, inwieweit sie für das Verständnis notwendig sind und wo sie gleichsam nebenbei als Hintergrundinfo eingestreut werden können.

Mit einer Mentorfigur hast du dir damit ja eine gute Möglichkeit geschaffen, einen "Erklärbär" ( das Wort stammt von Plumbum ) einzufügen, der Lucy und damit auch dem Leser, viele Dinge klarmachen kann.

Man darf gespannt sein. ;)
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Charitys Geheimnisse

Viel Spaß beim Lesen!