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Shruki

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Sonntag, 11. März 2012, 16:42

Eine wahres Sommermärchen

Indien 2007

Reisebericht!


Die Anreise

Am 01.09. beginnt meine Reise ins ferne Indien. Da mein Flug um 06:20 an einem Sonntag morgen geht, bin ich gezwungen schon am Samstag Abend mit dem letzten Zug von Euskirchen nach Köln zu fahren. So kommt es, dass ich mich um kurz nach 23:00 auf den Weg mache. Auf dem kölner Bahnhof ist um diese Uhrzeit noch erstaunlich viel los, dass läßt aber nach. Gegen kurz nach 02:00 setzte ich mich dann in den Zug Richtung Flughafen Düsseldorf, wo ich eine gute halbe Stunde später auch ankomme. Meine Vorfreude auf Indien ist so groß, dass ich hell wach bin. Der düsseldorfer Flughafen ist eigentlich ganz schön.
Falls mal einer nichts zu tun weiß, der kann sich da ruhig mal umsehen. Ist witzig und einen Mc Doof gibt es da auch.
Nachdem ich mein Gepäck bei der Air France aufgegeben habe und zu meiner Freude erfahren muss, dass ich es erst wieder in Delhi abholen muss, bin ich rund um glücklich. Schon im Flugzeug nach Paris treffe ich auf die ersten Inder. Es scheint eine übliche Transit-Strecke zu sein Düsseldorf über Paris nach Delhi.
Aber das erste richtige Indien-Gefühl bekomme ich dann als ich an Bord der großen Maschine nach Delhi steige. Hier sind die Inder dann doch in der Übermacht und die Maschine ist voll besetzt. Im Bordkino kann ich mir den Film Driver mit Saif Ali Khan und Rani ansehen. Leider ohne Untertitel, aber ich verstehe es ja irgendwie doch. Die Inder reden nun einmal mit Händen und Augen. Das macht sie mir doch gleich so sympatisch. Ok, ich gestehe ein, ich habe mir dann doch Fluch der Karibik angesehen, aber eher, weil mir Driver ein bisschen zu hohl gewesen ist. (Sorry Sabine ) Der Flug dauert trotzdem sehr lange. Wir sind schon mit 1,5 Stunden Verspätung abgeflogen und haben dann auch noch Gegenwind.

Kurz vor Mitternacht erreichen wir dann Delhi. Voller Neugier verlasse ich mit den Massen die Maschine. Langsam bin ich auch etwas Müde. Jedoch an frische Luft ist nicht zu denken. Die trophenheiße Luft ist wie ein Schlag ins Gesicht. Hinzu kommt noch, dass es stinkt. Den Geruch kenne ich. Wir haben in Euskirchen eine Zuckerfabrik und eine Tierfutterfabrik. Wenn beide gemeinsam auf Hochtouren laufen, dann kommt das so ungefähr hin. Der Flughafen liegt aber etwas Außerhalb. Na ja, ich sollte mal beim Thema bleiben. Nach den üblichen Formalitäten bin ich stolz wie ein Schneekönig, als mein Gepäck endlich auf dem Band erscheint. Schnell mache ich mich auf den Weg zum Ausgang. Nach einer Warnung einer Freundin in Deutschland habe ich den Transfer vom Flughafen zum Hotel gleich mit gebucht. Eine weise Entscheidung, wie sich noch herausstellen soll.
Der kleine Mann, der mich draußen erwartet, einer unter hunderten, die da mit Schildern und Namen drauf stehen, ist sehr freundlich und auch gesprächig. Er ist mir auf Anhieb sympathisch. So richtig um ihn sich in die Handtasche zu stecken und mitzunehmen.
Die erste Fahrt auf indischen Straßen läßt mich erahnen, was da noch alles so an Adventure auf mich zukommt. Man fährt rechts und links mit und gegen die Fahrtrichtung, man fährt bei rot und grün und so weiter. Und ich kann garnicht beschreiben womit man so alles fährt. Als wir der Stadt selbst näher kommen, ist das vorhandene Chaos dann auch sichtbar. Die Straße ist nennen wir es mal charmant, äußerst reparaturbedürftig, denn sie ist als solche kaum zu erkennen. Müllberge, wo man hinsieht. Irgendwie macht das den Eindruck, als wolle gleich die Abrissbirne kommen. Wobei es da vermutlich aufgeräumter ist. Es sind jedoch nur noch wenige Menschen auf den Straßen und es sind ausschließlich Männer. Ein komisches Gefühl, denn es ist ja erst kurz nach Mitternacht.
Das Hotel, welches in einer Seitenstraße liegt, macht einen auch nicht viel besseren Eindruck. Für Delhi scheint es aber schon die gehobene Klasse zu sein, wie mir später gesagt wurde. Die Eingangshalle sieht dann auch sehr nett aus. Alles in Marmor, wie überall. Mein Zimmer ist auch ganz OK und ich bin jetzt langsam richtig müde.





Eines muss ich aber direkt am Anfang erklären. Die Auffassung der Inder von Badezimmern ist eine andere als die des Rest der Welt. Es ist alles in Marmor getäfelt und das war es. Wasser kommt manchmal und wenn man glück hat, dann hat meine Duschtasse. In den Hotelzimmern gibt es Kloschüsseln, sonst sind es oft einfach löscher im Boden. Man lernt schnell, dass man da keine Ansprüche stellen darf.
Ich habe jedenfalls super geschlafen. Die Klimaanlage war laut, aber sehr funktionstüchtig und der Deckenventilator ist auch nicht runter gekommen.
Gut, Hotelzimmer mit Fenstern haben wir nur zweimal gehabt, aber was solls. Es gibt schlimmeres und den Dreck und Müll in Delhi muss ich mir auch nicht durch ein Fenster ansehen.

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Shruki« (12. März 2012, 11:12)


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Montag, 12. März 2012, 10:57

Die Gruppe und die erste Reise

Am folgenden Morgen treffe ich das erste mal auf zwei Mädels der Gap-Gruppe. Was wir drei zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, ist, dass zwei Gruppen am gleichen Tag in diesem Hotel aufeinander treffen. Die beiden Mädels aus London sind wirklich nett. Wir trauen uns dann auch gemeinsam in den Dschungel von Delhi. Die Hoffnung, dass es bei Tageslicht besser aussieht, bewahrheitet sich nicht. Die Menschen sind freundlich, das muss man sagen, aber die Verkaufsmaschen sind extrem aufdringlich. An dieses Verhalten muss man sich erst mal gewöhnen und das haben wir zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht. Wir sind die einzigen Touristen auf diesem nahe dem Hotel gelegenen Markt. Trotzdem sind die Eindrücke für uns alle drei überwältigend. Geschäfte, wie wir die hier in Europa kennen, gibt es in Indien nicht wirklich. Die Preise sind unglaublich niedrig, doch trotzdem sind sie für Touristen um ein vielfaches höher als für die Inder. All diese bunt gekleideten Menschen drängen durch die Straßen und starren uns an. Drei Blondinen alleine ohne männliche Begleitung fallen auf. Irgendwann fällt mir dann aber auf, dass alles abgedeckt wird. Der Monsun steht an. Nur Mist, dass wir uns nicht wirklich gemerkt haben, wo wir hergekommen sind. Hier kommen uns die netten Inder zur Hilfe, die uns ja nicht aus dem Auge gelassen haben. Ohne danach fragen zu müssen, werden wir zurück zum Hotel geführt. Das ist dann wieder einmal ein Paradoxon für uns Europäer, denn warum sollte sich jemand um drei fremde Frauen kümmern. Aber das ist dann eben Indien. Kurz vor dem Losbrechen des Monsun sind wir dann wieder im Hotel. Bei der Rückkehr bemerken wir dann auch, dass es zwei Gap-Gruppen gibt und wir natürlich in unterschiedlichen sind. Aber kein Problem. Letztendlich habe ich wohl die bessere Gruppe erwischt, aber das ist mir in dem Moment noch nicht bewusst.
Um 18:00 Uhr treffe ich auf die Mitglieder meiner Gruppe. Ein kanadisches Pärchen (Claiten und Camilla)und ein britisches Pärchen (Luke und Nicola). Alle vier sind mir auf Anhieb sympathisch.



Der Tourführer N.P. (Narendra Pal Singh) scheint auch ganz nett zu sein. Zumindest verstehe ich ihn von allen am besten, denn das indische Englisch ist doch vom Akzent fast genau so hart, wie das Deutsche. Irgendwann habe ich dann auch verstanden, dass wir am folgenden Morgen schon um 05:45 das Hotel verlassen werden. Eine wirkliche Schwergeburt, denn an die englischen Uhrzeiten konnte ich mich aus meiner Schulzeit nicht mehr erinnern und die Angaben erscheinen mir wie Chinesisch. Claiten erkennt mein Problem auch als erster und schreibt mir die Uhrzeit in Zahlen auf. Große Erleichterung macht sich in mir breit, dreiviertel fünf sagt mir nun mal nichts. (Die Mitmenschen aus dem Osten unseres Landes werden das jetzt nicht verstehen, aber wir im Westen geben die Zeiten einfach etwas anders an.) Das Abendessen nehme ich dann wieder mit der anderen Gap-Gruppe zu mir, die ist mittlerweile auf 9 Mädels und zwei Jungs angewachsen. Meine weiblichen Instinkte sagen mir in der Zwischenzeit, dass ich mit der anderen Gap-Gruppe das bessere Los gezogen habe. Die Mädels taktieren sich nämlich ganz schön aus. Amüsiert beobachte ich das böse Spiel. Zu viele Mädels auf einem Haufen, das verträgt sich einfach nicht. Ich soll recht behalten, aber dazu später.
Nach der Rückkehr ins Hotel lerne ich dann auch das noch fehlende Mitglied unserer Gruppe kennen. Völlig aufgelöst kommt sie ins Hotel gestürmt, als ich nach meinem Zimmerschlüssel frage. Sie hat keinen Transfer vom Flughafen zum Hotel gebucht und ist von den Taxifahrern quer durch die Stadt gefahren worden, hat das letzte Stück sogar die Karte selbst lesen müssen, denn der Fahrer hat keine Ahnung, will aber viel Geld für sein Unwissen. Den Umgang mit dieser Spezies lernt man schnell, doch man muss es eben lernen. Da ihr Name auf dem Aushang mit den vermissten Tour-Mitgliedern steht, ist sie schnell identifiziert. Die quirlige aus Südamerika stammende Jenny lebt ebenfalls in Kanada. Auch mit ihr komme ich auf Anhieb gut zurecht. Während N.P. sie einweist, mache ich mich auf den Weg um für Jenny und mich Wasser zu kaufen. Das Leitungswasser ist ja tabu. Ein dummer Einfall. Es ist mittlerweile stockdunkel und ich bin die einzige Frau auf der Straße. Ich muss wohl kaum erwähnen, dass ich gerannt bin. Inder können durchaus eindeutige Blicke werfen. Als sich die Hoteltür hinter mir schließt, weiß ich, was ich nicht mehr machen werde. Europa und Indien unterscheiden sich da doch erheblich.
Die Nacht ist sehr kurz und in Indien bekommt man keinen vernünftigen Kaffee. Ein Wunder, dass ich das überhaupt überlebt habe. Ist mir immer noch ein Rätsel. Jedenfalls bin ich die letzte die in der Lobby auftaucht und die Augen habe ich bis dahin auch noch nicht aufgemacht. Kurz vor sechs und kein Kaffee, die spinnen doch. Dazu schnattern die anderen auch noch munter in Englisch aufeinander ein. Nur N.P. ist relativ schweigsam. Er hat mir später erzählt, dass er sich so seine Sorgen gemacht hat, wie er mich im Halbschlaf sicher durch den Bahnhof schleusen soll. Das ist in Delhi alles etwas anders, als wir das kennen. Die Halsbrecherische Taxifahrt zum Bahnhof hat mich aber zu seinem Glück zumindest die Augen öffnen lassen. Irgendwie schafft er es seine sechs Schutzbefohlenen in den Warteraum der gehobenen Klasse zu lotsen. (Sowas haben die dort überall. Die Kasten müssen getrennt werden, so sehen das zumindest die Hindus). Diese Einstellung lässt uns alle über das ganze Nachdenken. Der Marmor um uns herum blendet dabei ein bisschen. (Man kann es im Hintergrund von Jenny erkennen) Trotz des fehlenden intravenösen Kaffees kann ich die negativen Gedanken nicht verdrängen. Auch das lernt man leider sehr schnell. Es ist eben eine andere Welt.



Um 07:00 geht der Zug nach Agra pünktlich los. Das sollte sich die deutsche Bundesbahn mal als Beispiel nehmen. Diese erste Zugfahrt ist beeindruckend. Vollständiges Service, wie im Flugzeug. Ich muss wohl kaum erwähnen, dass es ein Wagen der Upper-Class ist. Der Blick aus dem Fenster zeigt mir dann aber eine andere Welt. Kinder spielen neben Gleisen. Die Gleise werden ohnehin von vielen als Toilette genutzt. Kinder wühlen im Müll. Und das alles in dieser unbeschreiblich schönen Natur. Widersprüche, die sich nur sehr langsam in meinem Kopf zu einem ganzen zusammenführen lassen. Doch der Zug setzt seinen Weg Richtung Agra unbeirrt fort. Ich wusste nicht, dass es der direkte Weg in die Hölle ist und das ohne einen vernünftigen Kaffee. (In Agra habe ich keine Bilder machen wollen. Den Grund erfahrt ihr im nächsten Teil)

Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Shruki« (12. März 2012, 11:13)


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Dienstag, 13. März 2012, 10:46

Agra und das Taj Mahal

Gegen 16:00 erreicht der Zug dann Agra. Wenn ich bis dahin der Auffassung war, dass es in Delhi gestunken hat, so nehme ich jetzt alles zurück. Agra stinkt mehr.



Schon nach dem Betreten des Bahnsteigs legt sich diese Dreckschicht auf die durch die Tropenhitze verschwitzte Haut. So schnell wird man wohl nirgendwo anders braun. Die Stadt ist jedoch wesentlich kleiner als Delhi. Es gibt viel mehr Tuck Tucks, dass sind die kleinen Dreiradtaxis, die in Indien das Straßenbild fast überall prägen. Aber in dieser Stadt sieht man nun auch Fahrradtaxis und Handkarren, die von fast verhungerten vermutlich gar nicht so alten Menschen bewegt werden. Nach den ersten Metern denkt man, dass die Mülldeponie direkt am Bahnhof liegt. Aber nein, der Müll wird aus Prinzip vor und hinter die Hütten geworfen. Hier türmt er sich dann mannshoch auf. Raten und Schweine sind von diesem Tun der Menschen begeistert. Mit dem Tuck Tuck geht es für uns nun auch in Richtung Hotel, das in einer besseren Gegend von Agra zu liegen scheint. Es liegen zumindest keine Müllberge vor dem Hotel. Das hätte wohl auch blöd ausgesehen, denn über dem sich im Kellergeschoss befindenden Hotel liegt eine Bank und ein Pizza-Hut. Aber der Müll kann nicht weit sein. Ich kann ihn riechen. Das Hotel scheint zwar sauber zu sein, aber die Luft ist dreckig. Man kämpft gegen Windmühlen. Als wir unser Gepäck ins Hotel tragen, wird Luke von einer Kuh angerempelt und landet auf dem Bürgersteig. Schon der kurze Kontakt mit dem Boden, hat ihn dazu veranlasst 15 Minuten zu duschen. Wir anderen hätten ihn am liebsten gemeuchelt, denn nun müssen wir mit dem Duschen warten, weil jemand zu viel Wasser verbraucht hat. Das Breaving in der Hotelhalle durch unseren lieben N.P. hat also nur einer von uns sauber erlebt. O.K. wir wollen am nächsten Tag alle das Taj Mahal sehen und das Red Fort. Es werden also für den kommenden Morgen zwei Tuck Tucks für den gesamten Tag gemietet (150 Rupien pro Person, das sind keine 3 €). In diesem Gestank ist mir eigentlich alles vergangen. Ich will nur noch ins Bett, was ich auch tue. Die anderen gehen noch gemeinsam Essen. Meine Entscheidung war verdammt gut. Als Jenny am späten Abend ins Hotelzimmer kommt, wir haben uns den Rest der Reise eins geteilt, da hat sie die Toilette umarmt. In den anderen Zimmern war es das gleiche. Das Essen war wohl durch den Geruch beeinflusst.





Am nächsten Morgen bin ich dann etwas ausgeschlafener. Der Kaffee im Hotel ist jedoch ungenießbar und das mit dem Essen hab ich mich nicht getraut. Erwartungsvoll wartet die gesamte Gruppe in der Lobby auf den Tag. Unser Tuck Tuck Fahrer ist ein wirklich netter Mann. Er ist eigentlich ein Fremdenführer, der uns so manchen wertvollen Tipp gegeben hat. Aber an dem Elend, an dem er uns vorbei steuert, kann auch er nichts ändern. Hier sollte ich erwähnen, das Agra eine muslimische Stadt ist. Die Muslime sind in dieser Region den Kastenlosen gleich zu setzen. Ein total verdrehtes Denken, aber es ist eine Begründung. Noch eine interessante Information zur Touristenabzocke in Indien. Der Eintritt ins Taj Mahal kostet für nicht Inder 750 Rupien für Inder 20 Rupien und das ganz offiziell. Ein Phänomen, dass uns noch sehr oft begegnen soll. Die Sehenswürdigkeiten an sich sind absolut unbeschreiblich. Da kann nichts mit Agra mithalten, doch wie kann man die Menschen vor diesen Bauwerken im Dreck und Elend leben lassen und diese unvorstellbaren Schätze sind nur wenige Meter entfernt. Auch wenn ich mir nun den Unmut aller einhandele. Ich würde den Marmor und das Gold des Taj Mahals verkaufen und den Menschen ein würdigeres Leben schaffen.
Aber noch etwas anderes ist mir in Agra aufgefallen. Die Frauen sind in dieser Gegend unbeschreiblich schön. Das hat vermutlich damit zu tun, dass die Menschen in dieser Region innerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft heiraten und so bleibt die Schönheit erhalten.
Trotz dieser Eindrücke ist Agra für mich der blanke Horror gewesen. Von so was will ich keine Bilder machen und im Taj Mahal durfte ich mein Handy nicht mitnehmen. Als wir am Abend des zweiten Tages zurück im Hotel sind, da bin ich innerlich am Ende. Vieles hatte ich vor der Reise erwartet, aber dieser Dreck und das Elend (wobei das nicht unbedingt nur aus Armut heraus entstanden ist, ich kann das nicht erkläre, sorry) sind zu viel. Ich will Heim. Das halte ich nicht noch weitere 15 Tage aus. Einsam habe ich mich an einen Tisch in der Lobby zurück gezogen und versuche zu denken. Es ist schon sehr spät, aber der Drang in das stinkende Hotelzimmer zu gehen ist nicht besonders groß. Ich will Jenny mit meinem Trübsal auch nicht anstecken. Woher N.P. weiß, dass ich hier bin, weiß ich nicht. Jedenfalls sitzt er plötzlich neben mir und nimmt mich in den Arm. Ich heule wie ein Schoßhund, dass ist mir immer noch tierisch peinlich. Aber er ist anfangs einfach nur da und das gibt mir irgendwie halt. Nachdem ich mich dann etwas beruhigt habe, reden wir sehr lange. Offenbar weiß er, dass Agra diesen Eindruck auf die Touristen macht. Gerade auf die mitteleuropäischen Touristen macht die Stadt keinen guten Eindruck. Er erklärt mir, dass es nur noch einen Ort in Indien gibt, der dass hier toppt. Den Namen habe ich vergessen. (irgendwas mit der Stadt des Todes und des Vijna) Er kann mich jedenfalls dazu überreden nicht mit dem nächsten Flugzeug zurück zu fliegen.
In der Nacht mache ich kein Auge zu. Zum Glück soll es am Morgen früh weiter nach Jaipur gehen. Und zwar mit dem Bus. Leider hat der Bus aber Motorprobleme und wir müssen doch noch bis 10:30 warten, bevor es los geht. Von 08:00 an stehen wir nun an diesem dreckigen Bahnhof und lassen uns von den einheimischen Männern begaffen, die aufgrund eines Festivals alle frei haben. Frauen sieht man hier auch Tagsüber kaum auf den Straßen. N.P. nimmt seinen Vorschlag, dass wir hier ein bisschen spazieren sollen auch schnell wieder zurück, nachdem Claiton beinahe eine Schlägerei angezettelt hat, weil die Blicke von zwei Passanten auf seine Frau zu eindeutig sind. Ich habe meine Sonnenbrille nicht mehr abgenommen. Die blond-roten Haare reichen da schon. Die blauen Augen müssen sie nicht auch noch sehen. N.P. begrüßt dies, denn ihm reicht es, dass er Claiton zügeln muss. Luke hat sich zu uns anderen drei Frauen gesellt und seine Nikola im Arm. Nach diesem Erlebnis hat N.P. etliche graue Haare bekommen. Die Situation ist wirklich angespannt. Das lässt sich kaum richtig erklären. Normalerweise trinken Muslime ja keinen Alkohol, zumindest in unseren Breitengeraden nicht in der Form. Das ist in Indien aber anders. Auch wenn wir drei Männer bei uns haben, so sind wir in den Augen der Einheimischen in Agra Freiwild. So ein Tipp am Rande. Die Region um Agra herum nicht ohne männliche Begleitung besuchen. (Das gilt laut N.P. auch für indische Frauen.) Gott, was bin ich glücklich, als wir in den Bus steigen können. Die Nerven aller Beteiligten sind zum Zerreißen gespannt. Der Bus ist aber in einem für Indien guten Zustand. Der Weg nach Jaipur, der Hauptstadt des Bundesstaates Rajasthan, kann beginnen.


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Donnerstag, 15. März 2012, 15:14

Jaipur, für mich eine der schönsten Städte.

Der Bus nach Jaipur braucht wesentlich länger, als man sich das aus Deutschland heraus vorstellen kann. Da die Hauptstrecke wegen eines vor Tagen ereigneten Unfalls immer noch gesperrt ist, fahren wir am Anfang über eine Nebenstrecke. So weit so gut. Leider passen hier aber kaum zwei Autos aneinander vorbei und bei jedem Bus oder LKW sind nur Millimeter dazwischen.



Nicht zu vergessen die Motorräder, die Tuc Tucks, die Fußgänger und die Kühe, die ja auch überall sind. Lange Rede kurzer Sinn, wir brauchen für die ersten 10 Kilometer fast 2 Stunden. Dabei hat der Bus zwei LKW´s gerammt und wir waren einmal halb im Graben. Nach fast 7 Stunden für die gut 200 Km bis Jaipur will ich nur noch eine Toilette. Während der Pause habe ich mich nämlich nicht dazu durchringen können, das stinkende Loch hinter dem Imbiss, nennen wir es mal so, zu benutzen. Schon beim Einfahren in diese Millionenstadt in einer wunderschönen Berglandschaft gelegen, kann man erkennen, dass hier die Moderne und auch die englische Kultur Einzug erhalten haben. Es ist einfach was anderes wie Delhi und Agra. Die Stadt heißt auch rosa Stadt, wobei das Rosa für mich eher orange ist. Leider hat aber auch diese Universitätsstadt so ihre unangenehmen Überraschungen parat. Noch bevor wir den Busbahnhof erreichen, kommen Schlepper in den Bus und versuchen die Touristen mit sich heraus zu locken. Noch bevor wir den Bus verlassen, werden wir von unserem Leader geimpft, dass wir, wenn wir den Bus verlassen, die Rucksäcke auf die Vorderseite nehmen sollen. Danach sollen wir zur Gepäckklappe des Busses gehen und uns mit dem Gesicht zueinander im Kreis aufstellen. Eine Schutzmaßnahme vor den Schleppern und Bettlern, die gut funktioniert. In dieser Formation verweilen wir dann auch bis N.P. Tuc Tucks organisiert hat in die wir im Sprung einsteigen und diesen heiklen Ort verlassen. Wobei nicht alles ohne Panne von Statten geht. Leider hat N.P. bei seiner Kalkulation vergessen, dass er ja auch einen Platz im Taxi braucht. Auf meinem Schoß findet er dann noch einen. Die Reisetaschen liegen schwer auf Luke und Jenny. Wo N.P. Beine waren, weiß ich nicht. Jedenfalls nachdem wir den gefährlichen Bereich am Bahnhof verlassen haben und das Taxi durch ein Schlagloch fährt, liegen Luke und N.P. Tasche nach draußen. N.P. liegt nun Bäuchlings quer über Jenny und mir und wir alle können uns vor Lachen kaum halten. Luke hat sich Gott sei dank auch nicht verletzt und der Taxifahrer hat nun erbarmen und lässt N.P. vorne neben sich auf den Sitz. Das hat er vorher verweigert. Aber auch er kann sich vor Lachen kaum ernst halten. So ein Erlebnis vergisst man glaube ich nicht mehr. Jedenfalls erreichen wir so ohne weitere Verluste das Hotel, eine angenehme überaschung.



Es ist sauber hat hübsche Zimmer eine leise Klimaanlage und Fenster. Auch das Badezimmer ist ok. Nun leider gibt es keine Duschabtrennung und das Wasser läuft nicht wirklich ab, was wohl damit zu tun hat, dass es kein Gefälle zum Abfluss hin gibt, aber was soll es. Solche technischen Finessen werden auch noch nach Indien durchdringen.
Am Anreiseabend bietet N.P. uns an, dass er uns zu einem Erlebnisrestaurant begleitet. Ein wirklicher Geheimtipp. Es hatte etwas von einem Jahrmarkt und einem Erlebnispark in einem und war wirklich preiswert. Auch wenn ich mir sicher bin, dass N.P. seine Prozente bekommen hat, aber er war zumindest zu dem Zeitpunkt noch der Auffassung, dass meine blauen Augen auch innerlich sind. Das indische Essen war nicht so wirklich mein Geschmack. Es war mir zu scharf, aber ein riesen Gaudi war es trotzdem. Der Abend war ein Erlebnis.



Im Monsun sind wir dann zum Hotel zurück. Gott sei dank hatten wir ein PKW-Taxi, so dass wir trocken zurück gekommen sind. Nach einer Nacht über der Kloschüssel, wie gesagt, das Essen war nichts für meinen Magen, war ich leicht gerädert. Und dann sitzt dieser blöde Tourleader auf meinem Bett und quatscht munter mit Jenny. Ich bin ein extremer Morgenmuffel und dann auch noch so was. Sagen wir soviel. Er hat es überlebt. Schwein gehabt. Irgendwie habe ich es dann ja ins Badezimmer geschafft, wo Jenny ein Schwimmbad hinterlassen hatte. Oh, ich habe wohl eine Salve an deutschen Schimpfwörtern von mir gelassen. Jedenfalls wurde es draußen plötzlich ruhig und dann habe ich lachen gehört. Nach dem Erlebnis ist dieser Tag für mich gelaufen. Ohne meinen Morgenkaffee machen wir uns wenig später auf unsere Besichtigungstour, bei der N.P. uns aus Sicherheitsgründen (die Schlepper, ihr versteht) begleitet. Die anderen wollen unbedingt auf einem Elefanten reiten. Das geht im Ambre Fort, einem ehemaligen Maharatschapalast.
Da ich bezüglich des Elefantenreitens meine eigenen Prinzipien habe, ich bin der Auffassung das keinem Tier nur aus Spaßgründen in einer derartigen Form der Wille aufgedrängt werden soll (bezieht sich auch auf Pferde und Camele). Wenn es aus Arbeitsgründen ist, dann ist das was anderes. Jedenfalls stellen sich die anderen für ihren Elefantenritt an und ich mache mich auf Schusters Rappen auf den Weg zum Palast.
Während dessen macht sich N.P. mit meinem Handy (ein kleiner Tipp, die Dinger heißen in Englisch Mobilphone nicht Handy) auf den Weg um eine Prepaid-Karte zu besorgen, anders ist meine Familie nicht zur Ruhe zu bringen und es ist auch die Kostengünstigere Alternative, wie sich später herausstellen soll. Damit habe ich für den Urlaub aber auch die Rechte an meinem süßen rosa Telefon abgegeben, denn er hat sich in das Ding verliebt. Zu dieser Liebesbeziehung kommt später noch mehr. Jedenfalls hat er mir dann meist seines gegeben. Ich weiche gerade vom Thema ab, sorry.
Ca. 45 Minuten vor den anderen erreiche ich den Palast. Ich setze mich auf eine Stufe irgendwo am Rande und beobachte das Treiben. Ein junger Andenkenverkäufer geht mir anfangs auf den Nerv. Doch nach dem zehnten "Nein ich will nichts kaufen" lässt er von mir ab. (Das ist schon eine Ausnahme, denn die hören da eigentlich nie auf). Er setzt sich nach einer Weile einfach neben mich und wir unterhalten uns richtig angenehm. Er ist Politikstudent aus Jaipur. Wir haben uns mittlerweile schon etliche E-Mails geschickt. Schon irgendwie verrückt. Währenddessen bringen die Elefanten unerbittlich Touristen in den Palast. Als ein Elefant mal eine Notdurft entrichten muss, bekomme ich die Härte des Elefantenlebens mit. Das arme Tier wird von seinem Führer derartig geschlagen, dass es am Kopf zu bluten anfängt. Nandal, mein netter Gesellschafter, versucht den Elefantenführer in seinem Handeln in Schutz zu nehmen, aber ich habe Augen und weiß, dass das hier Tierquälerei ist. Den anderen erzähle ich später hiervon nichts. Sie sollen ihr Vergnügen genießen. Sonst wurde das Tier ja wirklich völlig umsonst geschlagen.



Danach fahren wir zum City-Palace, einem Maharaja-Palast, der auch heute noch zum Teil bewohnt ist.



N.P. gibt uns 1,5 Stunden Zeit zur Besichtigung. Die Besichtigung geht ganz schnell, nur als Jenny und Nikola in die Verkaufshallen kommen, die Touristenfalle, ist es vorbei. Eine Weile halte ich es da aus, dann nach einem Blick auf die Uhr, verabschiede ich mich und versuche draußen N.P. abzufangen, denn die drei anderen (Claiton und Camilla haben sich abgesondert) werden noch brauchen. Mein Kopf ist mittlerweile aber auch am Zerspringen. Ich habe höllische Kopfschmerzen. Also hocke ich mich auf eine Mauer am Palasteingang und versuche die Augen geschlossen zu halten. N.P. kommt dann auch nach indischer Zeit (das heißt nach deutscher Zeit mindestens 30 Minuten zu spät), nur wir beiden sehen uns nicht. Er sieht nicht zur Seite nach oben, auf die Mauer und ich habe die Augen geschlossen und wieder klingelt mein Handy. Warum habe ich ihm nur meine Nummer gegeben. Gut, dass er keine 2 Meter von mir entfernt steht. Nachdem er sich schief gelacht hat, mir ist nicht nach Lachen sondern eher nach Übergeben, warten wir zusammen. Da ich nicht gesprächig bin beschäftigt er sich mit meinem Handy. Das bekomme ich erst am Abend wieder. Die anderen kommen einfach nicht aus dem Palast und meine Übelkeit wird schlimmer. Erst als ich mich fluchtartig in Richtung nächster Müllhaufen am Straßenrand bewege, lässt N.P. mal kurz von meinem Handy ab. Nach meinem Abstecher geht es mir dann aber besser, ich habe zwar immer noch höllische Kopfschmerzen, aber die grüne Farbe ist aus meinem Gesicht verschwunden. Trotzdem ist N.P. der Auffassung, dass wir langsam mal zum Hotel zurück sollten. Nur wie bekommen wir die drei anderen aus ihrem Einkaufsparadies heraus? Ich beruhige ihn mit meinem Wissen über Jenny´s Kreditkarte, die schon derart überzogen ist, dass sie sich bald selbst vernichtet.. In den Palast können wir nicht zurück ohne erneut Eintritt zu bezahlen also warten wir. Als die drei dann endlich bepackt mit irgendwelchen Kunstwerken zurückkommen, bin ich sehr erleichtert. N.P. hat nämlich versucht mich durch ein Gespräch abzulenken, nur bei meinen Kopfschmerzen und dann in Englisch klappt das nicht. Ich verstehe ihn zwar, aber eigene sinnvolle Sätze bekomme ich kaum hin. Im Hotel kann ich dann endlich was gegen die Kopfschmerzen tun. Zum Glück muss N.P. die Bustickets für den kommenden Tag kaufen, also haben wir endlich mal frei. Am selben Abend, ich habe mir natürlich das Gesicht verbrannt obwohl ich Sonnenmilch aufgetragen habe, genießen Jenny und ich den traumhaften Ausblick vom Hoteldach aus. Mindesten 20 Moskitos gesellen sich unbemerkt zu uns, was wir aber erst später bemerken. Ach und um alle Gerüchte über wirkungsvolle Mückenschutzmittel zu zerstreuen. Die lieben Tierchen sind mit allen Wassern gewaschen. In der folgenden Nacht schlafen wir beide nicht gut. Überall haben wir Mückenstiche. Aber der Ausblick war atemberaubend.
Da wir erst am folgenden Mittag abreisen, wollen Jenny und ich noch ein bisschen Einkaufen gehen. Nachdem ich am Morgen meine Malariatablette genommen habe, machen wir beiden uns gegen 10:00 Uhr via Tuc Tuck auf den Weg. Und wieder einmal merken wir, dass Indien eine andere Welt ist. Um diese Uhrzeit schläft das Land noch. Unglaublich, denn später wird es unerträglich heiß, aber daraus zu lernen, dass man vielleicht in den frühen Stunden arbeiten sollte, ist noch nicht bis nach Indien durchgedrungen. Noch einen Fehler haben Jenny und ich gemacht. Wir haben unserem lieben N.P. nicht gesagt, was wir machen. Der Kontrollanruf auf meinem Handy lässt nicht lange auf sich warten. Jenny ist gerade dabei in Panjabi-Outfit anzuprobieren. Mister Singh ist nicht wirklich begeistert, dass wir uns gewagt haben, ohne seine Zustimmung was zu machen. Gut, dass das Telefonat in Englisch war. Ich war nämlich stinke sauer und nur die ungewohnte Sprache hat ihn vor meiner Antwort geschützt. Da wir nach der Rückkehr ins Hotel nicht mehr wirklich Zeit haben, kommt er auch hier lebend durch. Er leitet uns zu den Tuc Tucks und dann geht es zum Busbahnhof, dem heiklen Ort in der Stadt. Diesmal reisen wir nach Pushkar, einem für indische Verhältnisse wirklich kleinen Ort, nur 16000 Einwohner.

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Freitag, 16. März 2012, 10:09

Drogen legal, aber alles Tierische tabu!



Berühmt ist der Ort für seinen Brahmatempel. Noch eine andere Besonderheit gibt es hier. An diesem sehr religiösen Ort gibt es keinen Alkohol und keine tierische Kost. Tierprodukte, wie Leder, sind verpönt, ganz im Gegensatz zu Drogen, die man dir immer und überall anbietet. Irgendwie doch eine verdrehte Welt. Hier triffst du überall auf Hippies und auf Israelis (das erkläre ich später noch).
Die Busfahrt in diesem dreckigen Gefährt dauert fast 5 Stunden. Doch wir sind alle mit uns selbst beschäftigt. N.P. hat natürlich meinem Handy, hier ein Produkt seines Tuns.



Der Busbahnhof von Pushkar ist was ganz anderes wie in Jaipur. Hier findet man keine Haltestellen sondern die Busse parken zwischen Eselskarren und zwei friedlich schlafenden Kühen. Doch es sind wieder unvorstellbar viele Menschen da. Da in Pushkars Citystraßen keine Autos erlaubt sind, die würden da auch nicht durchpassen, wird ein Mann mit einem Handkarren angeheuert, der unser Gepäck zum Hotel bringt. Am liebsten hätte ich meine Tasche getragen. Luke hat mir später anvertraut, dass es bei ihm genau so war. Denn ich fand es irgendwie erniedrigend, dass dieser arme Mann eine solche Arbeit tun muss. Das Hotel war gut 2 Km entfernt. Als ich N.P. darauf anspreche, reagiert dieser mit völligem Unverständnis. Es sei eine Arbeit seiner Stellung entsprechend und man müsse ihm ja Arbeit geben. Auf extrem verdrehte Weise kann ich seinen Worten zwar folgen, aber diese Ungleichheit ist für einen Mitteleuropäer unbegreiflich, wo bei uns doch alles auf Gleichheit hin abzielt. Das Hotel ist im Vergleich zu allen anderen eine Luxusherberge. Es gibt einen richtig guten Swimmingpool und auch sonst ist es gut. Pushkar selbst ist eher unspektakulär. Nur die Tatsache, dass man schon 100 m vor dem Brahmatempel die Schuhe ausziehen und barfuß laufen muss, ist grausam. Ich habe meine Füße 10 mal gewaschen und desinfiziert, aber beim Gedanken an den Dreck, über den ich gelaufen bin, musste ich sie schon wieder waschen. Igit! Sonst war der Ort wirklich erholsam. Kontrollfreak N.P. hat sich hier dann aber seine erste Abreibung von mir eingehandelt. Wenn er es im Scherz gesagt hätte, dann wäre wohl bei mir die Sicherung da geblieben, wo sie ist, aber es war kein Scherz. Mister Singh fängt mich am Abend in der Lobby ab, nachdem ich von einem Spaziergang in der Stadt zurück komme (das geht in Pushkar, im Gegensatz zu allen anderen Orten). Da fragt er mich doch tatsächlich, ob ich Drogen genommen hätte. Erst war ich zu geschockt um zu antworten und als der Schock nachgelassen hat und er mich mit einem ärgerlichen Gesicht mit sich in Richtung der Zimmer zieht, da hat es klick gemacht. Ich habe es gerade noch geschafft Jenny nach draußen zu bitten und ihn hinein zu stoßen. Grammatikalisch war mein Englisch mit Sicherheit eine Katastrophe, aber dieser Nase grün vor mir hat mich verstanden. Er braucht die Türe jedenfalls nicht mehr zu öffnen um hindurch zu gehen, da passte er so drunter her. Später hat er mir gesagt, dass eine Frau ihn noch nie so zusammen geschissen habe. Der arme, verrückte Irre, hat doch tatsächlich einen Kulturschock bekommen. Andererseits hat er danach gewusst, wo er dran ist und dass ich es sage, wenn mir was nicht passt. Etwas witzig fand ich es dann aber, als Luke eine Weile danach an die Zimmertür geklopft hat und versucht hat aus zu sondieren, ob ich mich beruhigt habe. N.P. war wohl zu feige. Aber auch wenn ich Drogen genommen hätte, mit meinen 32 Jahren hat mir ein kleiner 25 jähriger Inder nicht zu sagen, was ich zu tun und zu lassen habe.

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Dienstag, 20. März 2012, 16:16

Udaipur und Seiten des realen indischen Lebens (Teil 1)

Am darauf folgenden Tag hatten wir noch den ganzen Vormittag im Hotel und ich habe ihn im Pool verbracht. Man sollte solche Angenehmlichkeiten nicht ungenutzt an sich vorbei gehen lassen. Noch dazu mit einer Poolbar und zwei indischen offensichtlich noch nicht ganz erwachsenen Angestellten, die sich die Zeit damit vertrieben haben, die dort aufgestellten Holzfiguren von Tieren zum Spielen zu benutzen. Jenny und ich waren tot müde. Ich war nach N.P. Aktion am Vorabend so geladen gewesen, dass ich nicht schlafen konnte und Jenny hat die Gelegenheit beim Schopf gefasst und ihrer liebsten Tätigkeit gefrönt. Reden! Ich bin nun wirklich redselig, aber bei Jenny komme ich nicht zu Wort. Lange Rede, kurzer Sinn, wir haben in einer Ecke des Pools gesessen und den beiden beim Spielen zugesehen. Irgendwann hat sich Jenny Richtung Internet-Raum verzogen und ich war mit zwei Australiern alleine im Pool. Da taucht plötzlich N.P. auf und schwimmt seiner Meinung nach im Freestyle auf mich zu. Meiner Auffassung nach war es eher eine Schlägerei mit dem Wasser, die das feuschte Nass gewonnen hat. Der feine Herr will mit mir reden. Den Australiern wird wohl offensichtlich klar, dass sie hier nicht erwünscht sind, denn sie verlassen das Wasser fluchtartig. Ich harre der Dinge, die da kommen. Doch es kommt nichts. Wir sitzen einfach nur am Beckenrand und schauen den beiden Indern beim Spielen zu. Offensichtlich weiß N.P. nicht, wie er es anfangen soll. Normalerweise kann ich stur sein, wie ein Esel, aber der junge Kerl ist mit der Situation ganz offensichtlich überfordert. Ich breche unser Schweigen nach locker einer knappen Stunde. Und wir unterhalten uns dann doch sehr angeregt über die Unterschiede des Frauenbildes, die wohl zu dem Konflikt geführt haben. Ganz langsam fängt N.P. dabei an zu verstehen, dass er sich wohl doch mal etwas genauer mit den westlichen Kulturen beschäftigen sollte, da dies in seinem Beruf ein Muss ist. Von da an hatte ich fast immer ein Schosshündchen bei mir, von wenigen Ausnahmen mal abgesehen. Auf der Fahrt von Pushkar nach Udaipur erleben wir das erste Mal die Gewalten des Monsuns. Wenn ein indischer Taxi-Fahrer vorsichtig und langsam fährt, dann muss das schon Gründe haben. Die Wassermassen sind schon beeindruckend, die da die staubigen Wege in Flüsse verwandeln. Und das in einer Bergregion. Wobei dieses Wasser von der Natur nicht wirklich genutzt werden kann. Es ist zu viel auf einmal und läuft deshalb durch. Schade, denn ich würde diese Landschaft mal gerne in einem so saftigen grün sehen, wie bei uns. So liegt der rot-gelbe Staub überall drauf. (Im Süden soll ich mein Grün noch bekommen) In Ambre, ich glaube zumindest, dass der kleine 2 Millionen Seelen Ort bei Pushkar so heißt, sollen wir dann wieder einmal in den Bus umsteigen. Aber der vergangene Tag war wohl insgesamt nicht N.P. bester. Schlau wie er war hat er die Bus-Tickets für die Fahrt nach Udaipur gekauft, leider aber vergessen sich zu erkundigen, von wo der Bus fährt. In Ambre gibt es nämlich keinen klassischen Busbahnhof sondern eine lange Straße, wo die privaten Fernstreckenbusse alle irgendwo am Straßenrand stehen. Also geht es die Straße rauf und runter. Unser Taxifahrer lässt seinem Unmut freien lauf, denn er hat ja einen Festpreis vereinbart. N.P., der sich im zweiten Taxi befindet, bekommt sein Fett weg und das in hervorragendem Englisch, so dass wir es auch verstehen können. Luke konnte es sich später nicht verkneifen es N.P. zu sagen, da waren wir aber schon im Bus, zum Glück. Helfen konnten wir N.P. bei der Suche auch nicht, da wir ja kein Hindi lesen können und die Busse alle nur in Hindi beschriftet sind. Doch unser Taxifahrer findet den Bus als erster. War ja auch ein Unding, denn einer der 30 oder 40 Busse musste es ja sein. Von diesem Bus müsste es eigentlich Fotos geben, der Grund kommt später.
In den Bussen gibt es feste reservierte Sitzplätze. N.P. hatte mir schon gesagt, dass er mit mir den Platz getauscht hat, weil eine "nette indische Frau" nicht neben einem Mann sitzen will. Mir ist das egal. Die Frau ist ja auch nett, nur sie spricht leider kaum Englisch. Eine sehr unterhaltsame 7 stündige Busfahrt kann beginnen. Um das nun folgende zu verstehen, muss ich den Bau des Busses erklären. Der Bus ist zweistöckig, aber nicht wie die englischen Busse. Unten sind Sitze und darüber wie Schlafnischen. Da sitzen dann auch Leute. Langsam bin ich etwas sauer auf N.P., denn ich fange an mich zu langweilen. Am Fenster hinaus sehen, macht trübsinnig. Als wir nach ca. 3 Stunden anhalten, ist meine Laune im Keller. Jenny merkt meine Stimmung sofort und lässt mich in Ruhe. Eigentlich muss ich auch nur auf Toilette. Ein Erlebnis auf indischen Schnellstraßen (ein versteckter Witz), auf das ich gerne verzichten würde. Obwohl ich hinter das Gebäude gehe, wo eigentlich die meisten Frauen hingehen, lässt der Gestank meinen Mageninhalt nach außen kommen. Wieder am Bus geht es mir jetzt auch noch schlecht. Jetzt bin ich ganz glücklich, dass ich nicht bei den anderen Sitze. Die nette Frau neben mir ist jedenfalls wirklich nett. Wir können uns zwar nicht verständigen, doch sie bedeutet mir, dass ich viel trinken soll. Jetzt kommen wir zu dem unvergesslichen Erlebnis im Bus. Man kann in diesen Bussen die Seitenfenster öffnen, was man auch macht, da es keine Klimaanlage gibt. Leider haben die Bewohner der Schlafkabinen über meinem Sitz wohl auch mit Übelkeit zu kämpfen. Die nette Inderin, sie heißt unter anderem Zarah, erkennt die nahende Gefahr rechtzeitig und schließt das Fenster an mir vorbei. Im nächsten Moment ist das Fenster mit einer eindeutigen Masse verschmiert.



Der Mann im Sitz hinter uns war leider nicht so schnell, was sich auf seinem T-Shirt zeigt. Und als hätten sie sich abgesprochen innerhalb der nächsten Minuten kommt diese Körperflüssigkeit aus fast allen Kabinen über uns. Scheinbar war irgendeine gängige Speise auf der Raststätte nicht mehr so gut. Keine Ahnung, warum alle gleichzeitig loslegen. In der nächsten Stadt hält der Busfahrer den Bus dann an um mit ein paar Flaschen Wasser (indische Vorstellung der Problemlösung) das ganze abzuspülen. Das ist gerade noch rechtzeitig, denn immer wenn ich so was sehe, muss ich mich anschließen. In Windeseile stürze ich aus dem Bus um mich zu erleichtern. Erst jetzt erinnert sich N.P. daran, dass ich auch noch da bin. Nur im Moment kann ich ihn nicht brauchen. Mir ist einfach nur schlecht. Nicht mehr und nicht weniger. Die Hupe des Busses erklingt und ich muss wieder in dessen inneres. Zarah, die am Sticken ist, zeigt mir, wie man das macht. Die Ablenkung tut gut. N.P. will sich wohl jetzt mit mir unterhalten, doch Zarah sagt ihm etwas, was ich zwar nicht verstehe, aber offensichtlich er. Er lässt mich in Ruhe. Es geht mir dann nach einer Weile auch wieder besser. Am späten Abend erreichen wir Udaipur. Ich verabschiede mich von Zarah. Mittlerweile weiß ich auch, wie alt sie ist, nämlich 37 und dass sie ihre nach Udaipur verheiratete Tochter besucht, die gerade das dritte Kind bekommen hat. (In solchen Momenten wird einem erst richtig bewusst, dass man sich in einer anderen Welt befindet) Das Hotel macht einen recht guten Eindruck. N.P. kennt sich in dieser Stadt auch sehr gut aus. Sein Heimatort liegt nur 30 Km entfernt. Er ist hier zur Schule gegangen. Das merkt man auch sofort. Die Stadt wirkt schon relativ westlich. Hier waren die Franzosen und Portugiesen und am Ende die Engländer. Da gibt es keinen Zweifel. Mit dieser Westlichkeit kommen aber nicht mehr alle so gut klar, wie sich später noch herausstellen soll. Das Hotelzimmer wirkt ganz gut. Nur leider funktioniert die Dusche nicht und das sowohl bei Luke und Nikola, als auch bei Jenny und mir. Alles was wir wollen ist eine Dusche und dann das. N.P.´s Dusche er hat das Nebenzimmer (wird später noch wichtig sein), läuft nun heiß. In dieser Nacht schlafe ich wirklich gut. Trotzdem geht es mir am Morgen nur so la la. Der Tag davor war doch sehr anstrengend. Unsere Besichtigungstour ist jedoch wunderschön.



Wir sind mit der gesamten Gruppe unterwegs und ohne Mister Control, der hat zum Glück was anderes zu tun, auch völlig frei in unserem Tun.

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Mittwoch, 21. März 2012, 09:12

Udaipur und Seiten des realen indischen Lebens (Teil 2)



Als wir am Nachmittag wieder zurück zum Hotel kommen, funktioniert die Dusche endlich im Zimmer. Jenny hat mich durch ein geschicktes Täuschungsmanöver, es hat etwas mit meiner Wasserflasche zu tun, die sich wie aus Zauberhand plötzlich auf dem Boden befindet, ausgetrickst. Das ist der Hauptgrund, warum ich als zweites unter die Dusche komme. Vom kalten Nass so in Ekstase versetzt höre ich nicht, dass sich draußen im Zimmer etwas tut. Und Jenny, die dumme Nuss, ist während dessen damit beschäftigt, ihr Spanisch aufzupolieren. Es kommt, wie es kommen muss. Ich trete mit einem Badehandtuch bekleidet aus dem Bad und laufe gegen einen mir fremden Mann mit traumhaft hellbraunen Augen. (Solche Augen habe ich vorher noch nie gesehen) Wer von uns beiden mehr geschockt ist, weiß ich nicht. Jedenfalls hat er zumindest den Anstand und dreht sich um. Nicht so N.P. der ausgestreckt auf meinem Bett liegt und die Situation als normal ansieht. Von Jenny ist keine Spur. In meinen Gedanken sehe ich meine Hände schon um ihren Hals. Aber das hilft mir jetzt nicht. Leider muss ich, um mir Unterwäsche zu holen, an meine Tasche und die steht direkt neben N.P. Was bleibt mir also übrig. Ich hole dreimal tief Luft und tue ebenfalls so, als ob es das normalste von der Welt ist hier mit einem Badehandtuch, zum Glück ein großes, vor einem wildfremden und eben N.P. durch das Zimmer zu laufen. Irgendwie wäre es affig gewesen, wenn ich zurück ins Badezimmer geflohen wäre. Ein tolles Gefühl kann ich euch sagen, wenn man unter den Augen von zwei Männern seine Unterwäsche aus dem Koffer zieht. Mit meinen Kleidern bewaffnet mache ich mich dann auch wieder auf in Richtung Bad, wo mir nun auch Jenny begegnet, die mich irritiert ansieht. Der mir fremde Mann hat sich mittlerweile auch auf mein Bett gesetzt. Kopfschüttelnd gehe ich ins Bad und ziehe mich an.
Diese tollen Augen gehören zu N.P. Cousin, der leider nur Hindi und Spanisch spricht. Aber ein wirklich lieber Kerl. Und ein guter Kartenspieler, mit dem man ausgezeichnet im Team mogeln kann. Das machen wir nämlich bis zum Abend. Draußen ist es zu heiß, um was zu machen und so kann man sich die Zeit vertreiben. Jenny verliert mit Anstand. N.P. nicht wirklich. Wobei er sich daran noch gewöhnen muss. Das weiß er aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Schon an einem der nächsten Tage verliert er im Tauchen und Schwimmen gegen mich, er ist wirklich mies, denn ich bin schon eine Null auf diesen Gebieten. Na ja das Armdrücken wollen wir mal nicht zählen, da war er zu betrunken, zumindest um einiges mehr als ich. Ein Inder, der leicht angesäuert ist und seinen Cousin kurzerhand bei uns im Zimmer zurücklässt, während er in seinem Zimmer verschwindet, hat schon etwas von einem kleinen trotzigen Jungen. Man könnte das süß finden, aber irgendwie finde ich das bei einem erwachsenen Mann nicht mehr süß. Erst nach fast einer Stunde taucht er wieder auf. Jenny und Raj, der Cousin, sind spazieren gegangen. Sie haben ja eine gemeinsame Sprache. Ich liege friedlich mit meinem Buch auf dem Bett und drücke mich immer noch davor mir die Haare zu kämmen. Trotz Weichspüler ist das eine Qual in Indien. Die Haarbürste liegt neben mir. Es war das erste mal, dass mir ein Mann die Haare gekämmt hat. Und er war gar nicht einmal so ungeschickt. Sagen wir, ich hatte noch Haare auf dem Kopf, als er fertig war. Nach dieser Aktion reicht mir der Kerl doch tatsächlich einfach die Hand und fragt: „Frieden?“ Bei dem Dackel-Blick konnte ich nicht anders als ja sagen. Von dem Zeitpunkt an war ich die große Schwester und er der kleine Bruder. Wobei er darauf bestanden hat, dass wir gleichgroß sind. Am Abend sind die anderen beiden Pärchen der Gruppe bei einem Candle-light-dinner und Jenny und ich mit Raj und N.P. unterwegs. Es war witzig insbesondere, weil das Essen so scharf war, dass ich nach den ersten paar Bissen genug hatte und das für die nächsten zwei Tage. Jenny hat länger durchgehalten. Erst als sie so rot im Gesicht war, dass ich mir die Sonnenbrille hätte anziehen können, da hat sie es auch aufgegeben. Die beiden Männer fanden das witzig. Aber Jennys Magen ist offensichtlich besser präpariert, denn sie hat keine längeren Schäden davon getragen. Vielleicht war meiner auch schon vorher nicht mehr so gut drauf. Aber richtig gemerkt habe ich das ohnehin erst in der Nacht. Jedenfalls fand ich den Spaziergang, den wir dann gemacht haben sehr interessant. Nicht nur, weil N.P. definitiv genug getrunken hatte und jetzt echt schräg drauf war. Auch nicht weil Raj immer bei Jenny geblieben ist um ihr die Haare aus dem Gesicht zu halten, wenn das viel zu scharfe Essen wieder ans Tageslicht kam. Diese Stadt ist an sich ein Erlebnis. Man sieht keine Frauen draußen mal abgesehen von Touristinnen. Man kann jedenfalls das normale Leben der Menschen erkennen. Sie sind ja jetzt zu Hause. Das ist etwas, was man im normalen Touristentrott nie zu sehen bekommt. Auch wenn man Tagsüber den Eindruck haben könnte, dass das Leben einzig und alleine auf der Straße stattfindet. Es ist nicht so. Die Menschen haben auch Wohnungen, in denen sie wie wir fernsehen, lesen oder einfach nur reden oder sonst was tun. Leider ist mein Handy leer, ich hätte so gerne davon Bilder gemacht oder es gefilmt. Das ist nämlich ein Teil von Indien, der einem in Berichten nie gezeigt wird. Klar gibt es Slums und auch Luxusgebiete, aber auch hier gibt es einen normalen Rhythmus. Und die Menschen akzeptieren dieses Leben. Sie sind nicht so ruhelos, wie bei uns, obwohl wir wohl mehr haben. Es ist schon weit nach Mitternacht, als wir ins Hotel zurückkommen. Hier erwartet uns eine Überraschung. Die zweite Gap-Gruppe aus Delhi ist gerade eingetroffen. Ich habe sie ja schon in Delhi kennen gelernt und freue mich sie wieder zu sehen. Der andere Tour-Leader sieht jedoch absolut fertig aus. Und N.P. ist mittlerweile vom Alkohol so schläfrig, dass er fast im Stehen schläft. Raj bringt Jenny während dessen aufs Zimmer. Die Mädels aus der anderen Gruppe scheinen jedoch ziemlich sauer zu sein. Man kann die Luft zwischen ihnen in Scheiben schneiden. Offensichtlich hatte sich der andere Tourleader Hilfe von N.P. erhofft, aber das hat sich wohl erledigt. Fürsorglich fragt er mich noch, ob ich es schaffe ihn nach oben zu bringen, doch im gleichen Moment beginnen seine Mädels sich verbal gegenseitig zu zerfleischen. Der Kerl hat mir so Leid getan, aber auch für sehr viel Geld wäre ich nicht bei ihm geblieben. N.P. hat von dem Ganzen nicht mehr wirklich viel mitbekommen. Er ist noch geradeaus gelaufen. Das war dann aber auch alles, was er noch konnte. Wenn ich da jetzt dran zurück denke, wird mir erst mal bewusst, wie komisch das ausgesehen haben muss. Na ja ich habe ihm dann noch die Schuhe ausgezogen und bin in unser Zimmer gegangen, wo Jenny liebevoll von Raj versorgt wird. Aber der geht es mittlerweile wieder besser. Das ist auch gut so. Raj ist keine fünf Minuten weg, da habe ich einen neuen besten Freund bekommen, die Kloschüssel. Mit ihm im Arm verbringe ich die gesamte Nacht, während die anderen friedlich schlafen. Zu meinem Glück bleiben wir noch den ganzen nächsten Tag in Udaipur und auch die kommende Nacht.
Von N.P. ist am folgenden Tag nicht viel zu sehen. Jenny hingegen ist Top fit. Gemeinsam machen wir uns am Vormittag auf Einkaufstour. In dieser Stadt ist das etwas einfacher, als in den anderen Städten. Ich habe mir ein super süßes rotes Panjabi-Outfit gekauft, obwohl ich mich gefühlt habe, als käme ich aus dem Fleischwolf. Jenny hat sehr viel Geld für Schmuck ausgegeben. Fahrt nicht mit einer Kreditkarte nach Indien, denn so habt ihr keine wirkliche Kontrolle über eure Ausgaben. Fragt Jenny, die kann da ein Lied von singen. Gegen Mittag kann ich dann aber nicht mehr. Die Nacht mit meinem Freund zollt ihren Tribut. Ich will nur noch schlafen und das tue ich dann auch. Jenny zieht alleine los. Als sie wieder zurück kommt geht es mir ein wenig besser. Wäre mir wohl auch nicht viel anderes übrig geblieben, denn sie läuft ab wie ein Wasserfall. Der Kerninhalt ihrer Erzählungen ist eine Bekanntschaft mit einem Dev, der uns in einer Stunde abholen soll und uns zu einer Kulturveranstaltung im City-Palast bringen will. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass mir nicht danach gewesen ist. Er will danach mit uns in ein Restaurant gehen und Jenny will mich als Anstandsdame dabei haben. Ich will nicht! Warum ich mich dann doch aus dem Bett schleppe und mit ihr auf Tour gehe, weiß ich nicht. Mein Verstand ist wohl auch in Mitleidenschaft gezogen gewesen. Fassungslos muss ich dann erkennen, dass der Kerl wirklich kommt. Ein süßes Schnuckelchen, das muss man Jenny lassen.



Und er ist nett. Die Veranstaltung ist wirklich interessant. Einheimische Tänze werden gezeigt und Marionetten-Kunst. Danach geht es in ein Restaurant. Dev ist ein wirklich anständiger Junge, aber eben ein Junge in meinen Augen, 20 Jahre alt und einfach lieb naiv. Trotzdem nehme ich nach einer Weile ein Tuc Tuck zurück zum Hotel. Schon der Geruch des Essens war für meinen Magen zu viel. Dev verspricht mir Jenny um 23:30 am Hotel abzuliefern und ich vertraue ihm. Es ist ja auch nicht mein Bier, sie ist ja alt (immerhin 30) genug um auf sich selbst aufzupassen und auch auf ihren kleinen Jungen. Der Abend soll aber noch extrem unruhig werden.

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Donnerstag, 22. März 2012, 13:56

Udaipur und Seiten des realen indischen Lebens (Teil 3)

Eigentlich schaue ich gerade in Seelen Ruhe Karan Arjun, ein recht bekannter Bollywoodstreifen, im Fernsehen, als das Hoteltelefon klingelt. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass es 23:20 Uhr ist. Am anderen Ende ist die Hotelrezeption und stellt mir eine sonderbare Frage. Sie wollen wissen, ob Jenny im Zimmer ist. Auf meine Rückfrage, warum sie das wissen wollen, kann mein Gesprächspartner plötzlich kein Englisch mehr. Das finde ich dann schon sehr sonderbar und beschließe zur Rezeption zu gehen und nachzufragen.
Als ich an N.P. Zimmertür vorbei will, steht diese spannen weit offen. Die beiden Tourleader und Raj diskutieren im inneren. Doch meine Hoffnung, dass Mister Control mich nicht sieht, schlägt fehl. Ein Verhör bricht über mich hinein. Erst überlege ich, ob ich schweigen soll. Leider ist N.P. mit diesem einseitigen Verhör überhaupt nicht einverstanden. Er ist sonderbar gereizt und faucht mich richtig an. Ich muss euch nicht sagen, dass meine Hörner sofort in Abwehrhaltung ausgefahren waren. Raj, sein Cousin, zieht ihn von mir weg. Der andere Tour-Leader, ich habe seinen Namen leider vergessen, versucht sein Verhalten zu erklären. Die drei waren wohl an diesem Abend in der Disko und haben drei Mädels aus der anderen Gruppe aus den Fängen von sehr zweifelhaften Kerlen geholt, die sie im Bereich der Tempelanlage in Udaipur kennen gelernt hatten.



Und die ganze Sache war wohl ziemlich heikel, denn es waren seiner Aussage nach auch Drogen mit im Spiel. Da die gesamte Geschichte einem der drei Mädels komisch vorgekommen ist, hat sie den Leader angerufen und um Hilfe gebeten. N.P., der ja aus dieser Stadt stammt, hat die Brisanz der Situation sofort richtig eingeschätzt und dafür gesorgt, dass sein Cousin auch mitkommt. So stand es dann wohl drei zu zwei. Die Kerle haben das Weite gesucht. Nach dieser Story bekomme ich dann aber doch ein wenig Sorgen um Jenny. Sie hat Dev ja ebenfalls in der Nähe der Tempelanlage getroffen und wir waren auch da im Restaurant, dann noch dieser sonderbare Anruf. Ich erzähle den dreien die Geschichte und auch das mit dem Anruf. N.P. rastet jetzt völlig aus. Gut das ich kein Hindi kann. Nachdem er sich dann wieder etwas unter Kontrolle hat, bin ich bockig. Ich soll ihm sagen, in was für einem Restaurant wir waren. Auch wenn ich es gekonnt hätte, gesagt hätte ich ihm das bestimmt so schnell nicht. Sein GAP-Kollege versucht mir darauf auf wesentlich sanftere Art ins Gewissen zu reden. Ich kann aber keine Antwort geben, denn einen Namen habe ich nirgends gelesen. Warum auch? Das Restaurant war im vierten Stock über irgendeinem Antiquitäten- oder auch Andenkengeschäft. Das ist in Indien an sich das gleiche. Beide versuchen dich als Touristen über den Tisch zu ziehen. Der andere Tour-Leader, nennen wir ihn einfach mal Nick, telefoniert während dessen in der Gegend herum. Ich will eigentlich weiter zur Rezeption, doch N.P. hält mich fest. Gut, dass Raj da ist. Der muss mich nämlich jetzt festhalten, sonst wäre das nicht gut gegangen. N.P. hat den Bogen schon über das Extreme überspannt und ich bin wütend. Da sollte man vor mir auf der Hut sein. Wir sind alle gereizt. Mit einem Kopftuch bewaffnet kommt Nick zu uns. Ich soll ihnen zeigen, wo das Restaurant ist. Damit sie nicht von der Polizei angehalten werden soll ich das dumme Ding tragen. Auf meine Frage wegen der Polizei bedeutet mir Nick, dass die Tempelregion um diese Uhrzeit immer sehr stark überwacht werde, weil es dort viele Übergriffe auf Touristen gebe. Langsam wird mir wirklich bewusst, was hier abgeht. Von einem Moment auf den nächsten werde ich völlig ruhig. Keine Ahnung, warum das so ist. Ich bin vorher auf 180° gewesen. Jedenfalls ist mir klar, dass ich den dreien nun völlig vertrauen muss. Wir sind gerade auf dem Weg zum Fahrstuhl, als uns Jenny in Begleitung eines Hotelangestellten von der Rezeption entgegen kommt. Sie sieht sonderbar zerstört aus. Aber den Männern fällt das nicht auf. Ich komme jetzt erst einmal nicht zu Wort. N.P. macht Jenny vorwürfe. Nick versucht ihn zu bremsen und was Raj auf Spanisch sagt, das verstehe ich nicht.
Jenny erklärt, dass Dev sie um Punkt 23:30 am Hotel abgeliefert hat. Ein Blick auf meine Uhr sagt mir, dass sie 15 Minuten bis zum Hotelzimmer gebraucht hat. Hier stimmt was nicht. Aber ich bleibe nur schweigender Zuhörer. Noch mehr wie diese 15 Minuten irritiert mich dann aber Jennys Feststellung, dass N.P. sich nicht so sehr um die Männer außerhalb des Hotels kümmern soll. Sie geht an uns vorbei in unser Zimmer und schließt die Tür. Die Männer gehen nun auch in ihr Zimmer und ich folge Jenny. Diese sieht mich giftig an. Ist ja auch klar. Sie weiß ja nicht, warum ich es N.P. gesagt habe. Ich erkläre ihr, was vorgefallen ist. Und dann tritt ein sonderbares Schweigen ein. Plötzlich fängt Jenny an zu heulen. Zum Glück ist sie auch in diesem Zustand sehr mitteilungsfreudig. Wie ich ja schon erzählt habe, sie redet mehr als ich und das ist technisch eigentlich nicht mehr möglich. Das was sie mir nun erzählt, lässt mir beinahe das Blut in den Adern gefrieren. Ich bin fassungslos. Jenny war wohl wirklich pünktlich im Hotel. Sie wurde jedoch an der Rezeption abgefangen. Der Angestellte dort stellt ihr Fragen über ihren Abend und nachdem er sie nicht mehr dort festhalten konnte, bot er ihr an sie zu Zimmer zu bringen. Doch anstatt mit ihr in den zweiten Stock zu fahren, ist er in den vierten gefahren, das nicht ausgebaute Dach. Jenny berichtet, dass es dort kein Licht gebe. Seine plumpen Annäherungsversuche hat sie zum Glück schnell abgewehrt und sie kann die Treppe hinunter flüchten, wo sie dann ja mit diesem Widerling im Schlepptau bei uns aufgetaucht ist. Hier besteht mit Sicherheit ein Zusammenhang mit dem sonderbaren Anruf. Auch wenn ich bis heute nicht weiß, was der genau sollte. Mir ist sofort klar, dass N.P. von dieser Sache wissen sollte. Dem Kerl ist es bei Jenny nicht geglückt, aber ob das bei der nächsten Frau so sein wird, ist eher fraglich. Das Versuche ich auch Jenny klar zu machen, die es ihm nicht sagen will. Ich sitze in einer Zwickmühle. Doch eigentlich ist mir sofort klar, dass ich es N.P. sagen muss, wenn Jenny es nicht tut. Ich würde es mir nie verzeihen können, wenn der Kerl es bei einer anderen Frau versuchen kann, nur weil ich zu feige gewesen wäre, es zu melden. Das sage ich nun auch Jenny, die weiterhin nichts sagen will. Also begebe ich mich in die Höhle des Löwen. Das Adrenalin pulsiert während dieser gesamten Zeit in meinem Körper. Ich merke nichts mehr von meinem Unwohlsein. Doch jetzt lässt meine Kraft merklich nach. Wen wundert das auch. Ich war vorher nicht gut dran. Das hört nicht von einem Moment auf den nächsten auf. Das zeigt sich jetzt auch ganz deutlich in der Tatsache, dass ich im Englischen umher stolpere. In meinem Kopf entwickelt sich langsam aber sicher Matsch. Keine Ahnung, wie ich den dreien sagen soll, was passiert ist. Doch N.P. hat mich dann irgendwann trotzdem verstanden und rastet schon wieder aus. Seine Wut ist aber nicht gegen mich gerichtet. Er tritt gegen seine Tasche und läuft aus dem Zimmer und Raj hinter ihm her, wobei ich das nicht mehr wirklich mitbekommen habe. Als das Adrenalin aus mir raus ist, ist es mit mir auch vorbei. Das nächste, an das ich mich erinnere, ist dass Nick neben mir sitzt und ich neben N.P.´s Bett auf dem Boden Sitze. Mir ist auch schon wieder spei übel. Letztendlich ist das ganze wohl zu viel für meinen ohnehin schon gereizten Magen gewesen.
Ein Tipp! Esst am Besten kein wirklich indisches Essen in Indien. Nehmt internationale Gerichte und auch da seit vorsichtig. Die sind auch nicht ohne. Spagetti Napoli können so scharf sein, dass ihr auf der stelle anfangt zu heulen.
Gut, dass der Mülleimer in Greifweite ist. Nick hat mir die Haare aus dem Gesicht gehalten. Was nebenan im Zimmer passiert ist, dass weiß ich nicht. Jenny erzählt mir später, dass N.P. sie versucht hat zu überreden, eine schriftliche Beschwerde zu machen. Doch Jenny will das nicht.
Nach einer Weile rapple ich mich nebenan auf und will in mein Zimmer zurück. Ehrlich gesagt kann ich mich hier nur wie im Nebel dran erinnern. Nick will mich zurückhalten, aber da muss schon ein nicht ganz so mickriges Männchen her. Er hat jedenfalls keine Chance. Im Zimmer lege ich mich auch einfach nur aufs Bett und bin weg. Das Jenny und N.P. immer noch diskutieren, bekomme ich nicht mehr mit. Ich schlafe sofort in kompletter Kleidung ein. Wann N.P. mich dann versucht zu wecken, weiß ich nicht. Erinnern kann ich mich nur an meine schlechte Laune, weil mich jemand im Schlaf stört. Er sieht jedenfalls besorgt aus und auch Jenny schaut mich eigenartig an. Ich bin einfach nur müde und finde es nicht so toll, dass die beiden mich wecken. Hinzu kommt, dass ich Bauchschmerzen habe.
So zwischendurch wieder ein überlebenswichtiger Tipp. Seid sehr vorsichtig mit indischem Essen. Mein Erlebnis haben in stärkerer oder schwächerer Form alle aus der Gruppe gehabt. Da hilft auch kein Training mit indischem Essen zu Hause. Es liegen Welten dazwischen. Und Tabletten helfen da auch nicht.
Erst jetzt merke ich, in was für einer gekrümmten Haltung ich liege. Die Schmerzen habe ich wohl auch im Schlaf wahrgenommen. Nick hat N.P. scheinbar von meinen Problemen in seinem Zimmer erzählt. Ok, dass ich bei 30°C unter der Decke liege und friere ist wohl auch nicht ganz normal. Nachdem ich ihm dann aber glaubhaft versichern kann, dass ich nicht im Sterben liege und keinen Arzt brauche, lässt er mich endlich weiter schlafen. Mehr bekomme ich für diese Nacht auch nicht mit. Wenn Jenny mir das nicht alles noch mal erzählt hätte, dann hätte ich es wohl auch nicht mehr gewusst. Aber so sind ein paar Erinnerungen wieder gekommen. Zu der Sache mit dem Hotelangestellten zurück. Am nächsten Morgen hat Jenny sich ihre Einstellung zu den Geschehnissen noch mal überlegt. Sie ist gemeinsam mit N.P. Zum Hotelmanager gegangen und der hat sofort die Polizei gerufen. Auch wenn Jenny das nicht wollte, so war der der Auffassung, dass das angemessen sei. Der Vater von 3 Töchtern wurde entlassen, soviel habe ich später von N.P. erfahren. Seine Frau und die Kinder sind in den Familienverbund des Mannes zurück gekehrt, er selbst hat sich aus dem Staub gemacht, sein eigener Vater hat ihn rausgeworfen.

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Freitag, 23. März 2012, 10:14

Der lange Weg nach Mumbai

Am Morgen geht es ja auch schon um 07:30 weiter. Wie schon erzählt gehen Jenny und N.P. vor der Abreise gemeinsam zum Manager. Dieser hat Jenny dann auch noch erfolgreich ins Gewissen geredet. Aber N.P.´s Argument, dass es für noch viel mehr Menschen im Hotel Konsequenzen haben könnte, wenn er auf dem anderen Wege gezwungen sei, bei GAP-Adventure Meldung zu machen, nimmt Jenny schlussendlich das schlechte Gewissen. Denn wenn die das Hotel aus ihrem Routenplan nähmen, so habe das erheblich größere Auswirkungen.
Unser längster Reisetag soll vor uns stehen. Er ist es nicht, aber das weiß vorher ja keiner. An diesem Tag habe ich zumindest nicht mehr so große Magenprobleme. Irgendwann ist der ja auch leer. Mit den Tuc Tucks geht es zum Busbahnhof, wo das nächste Problem auf uns wartet. Nick erwartet uns dort schon, nur das der mit seiner Gruppe eigentlich nicht mehr dort sein sollte. Die Gruppe ist schon um 06:00 aus dem Hotel abgereist. Ich habe in dem Moment eine Art Dejavu. Der Bahnstreik in Deutschland hätte mich beinahe eine Klausurteilnahme gekostet und nun streiken in Indien die Busfahrer. Langsam aber sicher werde ich sauer und weil ich es an keinem auslassen kann, N.P. ist mit anderen Dingen beschäftigt, geht das in einen gewissen Schwermut über. Bis 11:00 stehen wir an diesem Busbahnhof herum und lassen uns von den Männern begaffen. Claiton ist kaum noch zu bremsen, denn unser kanadischer Hengst ist eifersüchtig, das haben wir schon früher bemerkt. Auch wenn der Streikgrund etwas lustig klingt, da die Fahrer für die staatliche Errichtung eines Tempels streiken, so finde ich die Luft doch etwas brisant. Es ist viel Polizei präsent. Hören tut man so eigentlich gar nichts. Es macht den Anschein eines stillen Einverständnisses, doch das Gedränge und die Massen sagen einem schnell etwas anderes. Auch die Tatsache, dass die Frauen nach hinten weg geschoben werden, macht mir ein ungutes Gefühl. Da sich die andere Gruppe laut Nick schon wieder am Streiten ist, sieht N.P. es als besser an, dass wir nicht zusammen warten. Es ist schon eine Ironie, das Nick nicht zu seiner eigenen Gruppe zurück will. Die haben sich ohnehin einen witzigen Klops geleistet. Der arme Kerl hatte wohl nach der letzten Nacht Kopfschmerzen und hat eines der Mädels um eine Tablette gebeten. Die hat ihm auch eine gegeben. Leider fällt ihr aber zu spät auf, dass es eine Schlaftablette war. Vielleicht hat sie ihm auch einen Gefallen getan, so hat er ihr Gezicke nicht so mitbekommen. Zumindest stehen wir beiden nebeneinander und geben gemeinsam ein einziges Häufchen Elend ab. Ich will genau wie er nur schlafen. N.P. hat die Gruppenbetreuung der anderen Gruppe übernommen zumindest bis deren Bus fährt. Danach ist der arme Nick auf sich gestellt. Was aus ihm geworden ist, dass weiß ich nicht. N.P. hat nichts erzählt. Der Bus, den wir jetzt nehmen ist ziemlich leer. Eine Wohltat, denn wenn mich jetzt noch irgendwelche Männer im Bus angegafft hätten, dann wäre ich vermutlich durchgedreht. Es ist uns Frauen allen so gegangen, wie sich später in einem Gespräch herausstellte. Trotz der atemberaubend schönen Landschaft, kann ich mich nicht drauf konzentrieren. Nur N.P., Jenny und ich sind übernächtigt. Die anderen wissen ja nichts von der ereignisreichen Nacht. Jenny wollte es nicht. Aber wie meist, wenn man den Schlaf übergangen hat, ist man irgendwann aufgekratzt. Wir machen Photos und N.P. spielt begeistert das Model.



Nach gut sechs Stunden erreichen wir Ahmedabad, eine große, moderne Industriemetropole. Die Stadt hat keine wirklichen Sehenswürdigkeiten von einem Atommeiler mitten in der Stadt mal abgesehen. Für uns ist sie auch nur eine Durchfahrt Station. Wir haben wenig Zeit, denn durch den Streik können wir in dieser Stadt eigentlich nur noch ins Ghandi-Museum gehen, ein besinnlicher, friedlicher und ruhiger Ort. Doch diese Ruhe gibt mir dann auch die Möglichkeit, meine größten Ängste hervor zu kramen. Langsam steigt in mir die Anspannung. Auch wenn ich es keinem der Gruppe bis jetzt erzählt habe, ich habe große Angst vor fensterlosen engen Räumen. So was finden wir in Europa auch nicht so oft. Für eine kurze Zeit ist das kein Problem (Fahrstühle oder auch mal eine Stunde in so was), aber nicht auf Dauer. Und dann soviel Menschen in einem sich bewegenden Gefährt. Ich habe Panik vor dem Schlafzug. N.P. und Jenny scheinen zu glauben, dass es wieder mein Magen ist. Aber ich will einfach nur alleine mit meinem Problem klar kommen. Am Abend bringt N.P. uns in ein Restaurant, wo es ein indisches Einheitsessen gibt. Ich habe nur etwas Naturreis probiert. Der Geruch der scharfen Speisen ist für mich widerlich und die Süßspeisen sind so süß, dass ich nach dem ersten Löffel bedient bin (Könnt ihr euch das bei einem Schokoholiker wie mir vorstellen). Am liebsten wäre ich laufen gegangen. Aber das kann man bei einem gemeinschaftlichen Essen den anderen Gruppenmitgliedern nicht antun. Also mache ich nette Miene zum bösen Spiel. Die anderen amüsieren sich köstlich.



Mit jedem Schritt, den wir dem Bahnhof in Ahmedabad näher kommen, steigt aber auch meine Angst. Ich hatte ja schon mehrfach auf den Bahnhöfen die Gelegenheit mir diese Züge von Außen anzusehen.


(Die Fenster sind von innen wie von außen schwarz)

Ihr könnt mir glauben, wenn man sich fühlt, als wäre man einmal durch den Verdauungstrakt einer Kuh gegangen und dann versehentlich unter den Huf eines Elefanten geraten, dann gibt es keine größere Krönung, als sich auch noch seinen eigenen blödsinnigen Ängsten stellen zu müssen. Wir sind alle mittlerweile müde dreckig und erschöpft. Die Tatsache, dass wir noch fast eine Stunde am Gleis auf den Zug warten müssen, lässt meine Angst noch größer werden. Jenny hat mir später gesagt, dass ich was von einer in die Enge getriebenen Raubkatze hatte. Gut, dass ich in dem Zustand keine der Zahlreichen Ratten gefangen habe, die hier zwischen den Menschen umher gelaufen sind. So als Wildkatze wäre das doch eigentlich meine Aufgabe gewesen. Aber die Ratten habe ich nur zur Kenntnis genommen und gehofft, dass ich sie im Zug nicht wieder sehen werde. Ich selbst weiß nur, dass ich nicht still stehen konnte und alleine spazieren gegangen bin, was natürlich N.P. nicht gepasst hat. Aber bei seinem Gemecker habe ich in meinem Kopf auf Durchzug gestellt. Ich war mit anderen Dingen beschäftigt. Als der Zug eingefahren ist, da wollte ich nur noch davon laufen. Wenn N.P. mich nicht am Arm gefasst hätte, dann hätte ich das wohl auch getan. Wie er es geschafft hat mich dann in den Zug zu zerren, ist mir nicht klar. In dem Waggon waren so viele Menschen. N.P. hat mich einfach bis zu unserem Abteil vorgeschoben und danach festhalten, denn ich wollte am anderen Ende wieder raus. Drei Liegebetten übereinander, in einem Abteil 9 Betten, dann keine Fenster und alle reden in einer Fremdsprache. Es war der blanke Horror und dass für volle 8 Stunden.

Shruki

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Samstag, 24. März 2012, 11:31

Mumbai Teil 1



Ich war in der Hölle. Wie ich diese Nacht überlebt habe, weiß ich nicht. Ich habe mich auf die Liege gelegt und die Augen geschlossen. Zum Glück war N.P. nicht bei der Gruppe, da er beim Buchen Mist gebaut hat. Er hat die Nacht in einem anderen Waggon verbracht. So kann ich irgendwann, als die anderen eingeschlafen sind, zur offenen Waggon-Tür gehen und mich dort hinhocken. (Die haben die Türen wirklich offen während der Fahrt. Das wäre in Deutschland undenkbar.) Das ist dann etwas erträglicher. Ich habe zwar so nicht geschlafen, aber im Waggon hätte ich das auch nicht gekonnt. Am Morgen hat N.P. dann einen Panikanfall bekommen, weil ich nicht im Bett bin. Der verrückte ältere Mann in der Liege mir gegenüber teilt ihm zum Glück mit, wo er mich finden kann. Mist, denn jetzt bekomme ich einen Anschiss. Er hat sich offensichtlich wirklich Sorgen gemacht. Nur wo sollte ich denn geblieben sein. Der Zug hat unterwegs nirgends angehalten. Ich hätte schon abspringen müssen. Zumindest bringt er mich so zum Heulen. Vermutlich bin ich auch einfach so fertig, dass der Wetterbericht mich schon in diese Depressionen gestürzt hätte. N.P. ist damit definitiv überfordert. Und wenn ich ehrlich sein soll, ich kann und will ihm nicht helfen. Er soll einfach nur verschwinden. Hilflos zieht er von dannen. Kurz darauf taucht Jenny auf. Die hat die Sache aber sofort als nicht besorgniserregend eingestuft. Ich weiß ja selbst nicht so genau, warum ich gerade heule. Vielleicht muss ich auch einfach so dringend auf Toilette. Seit 20 Stunden hatte ich keine Gelegenheit mehr dazu und ein Blick in die indische Zugtoilette genügt um sich auf weitere 20 Stunden ohne einzustellen. Was hätte ich für einen Strauch gegeben. Jenny gerät langsam aus dem gleichen Grund in Panik. Als wir dann in einem Vorort von Mumbai das erste Mal halten, stürmen wir Frauen wie von Taranteln gestochen aus dem Zug. Alle ab hinter das Bahnhofsgebäude. Es klingt lächerlich und es ist es auch, ihr könnt es mir glauben. Das scheint aber ein normales Verhalten auf Bahnhöfen zu sein. Die Toiletten dort sind nicht besser, wie die im Zug. Zumindest kann ich sagen, dass ich auf einen fahrenden Zug aufgesprungen bin. Das kann nicht jeder von sich behaupten.
Als der Zug in Bombay am Vormittag einfährt, hat die Stadt gerade zu leben angefangen. Der Andrang auf dem Bahnhof ist aber nicht so extrem, wie ich mir das vorgestellt habe. Und es ist kein Sonntag sondern Mittwoch, also ein ganz normaler Wochentag. Vielleicht habe ich mich an die Massen an Menschen auch gewöhnt oder es liegt daran, dass mir diese große Zahl nichts ausmacht solange ich nicht in einem kleinen fensterlosen Raum bin. Die Luft ist für mein empfinden auch nicht so schlecht, wie in Delhi. Sie stinkt zumindest nicht so. Ansonsten kann ich behaupten, dass mir diese Stadt auf Anhieb gefallen hat. Wobei ich während der Taxifahrt zum Hotel etwas gesehen habe, was mich geschockt hat. Aber fangen wir mal am Anfang an. Nachdem wir den Bahnhof verlassen haben, kümmert sich N.P. um die Taxis. In Mumbai findet man keine Tuc Tucks, sondern sehr alte richtige Taxis. Als ich die Reifen unseres Taxis gesehen habe, war ich zuerst geschockt und dann will ich ein Bild von ihnen machen, was den Taxifahrer zum Schmunzeln bringt. Leider ist mein Handy leer. Von Profil ist da nicht mehr die Rede. Die Beschichtung löst sich über die gesamte Auflagefläche. In Deutschland wäre ich in einen solchen Wagen nicht eingestiegen, aber wir sind in Indien. Ich breche einfach in Lachen aus. In diesem Land gibt es viel zu lachen. Was soll man auch anderes tun. Der Taxifahrer stimmt in mein Lachen ein. Irgendwie ist er mir sympathisch. Er hat mich beim Aussteigen später auch nach meiner Telefonnummer gefragt und das auf ganz süße Weise. Jenny findet das auch ganz lieb nur N.P. nicht. Der ist so abweisend und beherrschend, dass ich ihm am liebsten in den Hintern getreten hätte. Aber nun gut, ich habe ihm die Nummer nicht gegeben, denn mein Handy ist ja leer und ich habe mir die dumme indische Handynummer nirgends aufgeschrieben. Nur N.P. hätte mir helfen können und der ist bockig. Der schnuckelige Student ist mir durch die Lappen gegangen, Schicksal. Nichts dran zu ändern. Das Hotel, „Surprime Hotel“ löst bei mir dann richtige Lachkrämpfe aus. Ich muss mich bücken um durch die Zimmertür zu gehen. Hatte ich erwähnt, dass ich 1,70 m groß bin. Und im Badezimmer kann ich nicht mehr stehen. Das ist witzig beim Duschen. Das Zimmer sonst ist, sagen wir mal einigermaßen zweckmäßig. Es hat zwei Betten und eine Kommode. Einen Ventilator und eine Klimaanlage und einen Fernseher. Sonst aber nichts. Keine Schränke, Stühle oder ein Tisch, kein Fenster oder sonst irgendetwas an Luxus. Aber wir sind ja abgehärtet und im Gegensatz zu Camilla und Claiton haben wir zwei funktionstüchtige Betten. Die beiden haben ein brauchbares Zimmer erst am Nachmittag bekommen und N.P. erst am späten Abend. Das ist Mumbai. Hier ist alles Möglich.
Hier im Hotel lernen wir auch einen Studienfreund von N.P. kennen. Einen smarten BWL Studenten, der kurz vor seinem Examen zu stehen scheint, wobei ich ihm das irgendwie nicht so wirklich glaube. Er ist sehr aufgeschlossen und für meinen Geschmack einen Hauch zu arrogant. Sagen wir mal, dass wir uns wie zwei Katzen beäugt haben, die sich absondieren um zu wissen, ob die Chemie soweit stimmt, als dass man es in gleichen Luftraum aushalten kann. Sowohl Jenny als auch N.P. waren über dieses Verhalten überrascht und ich kann es auch nicht erklären, aber jeder kennt so was doch bei bestimmten Menschen. Zumindest hält uns Rahul N.P. die meiste Zeit vom Leib.



Am Nachmittag machen Nikola, Luke, Jenny und ich uns auf Besichtigungstour. Mit dem Taxi geht es zum Gate of India und von da mit dem Boot zur berühmten Insel Elefanta. Die Stadt ist wirklich eine Metropole. Man hat das Gefühl in einer modernen Großstadt zu sein. Und trotzdem bleibt es Indien. Nur im Bereich des Gate of India begegnen einen die üblichen Bettler und Schlepper.



Auf dem Boot haben wir dann einen traumhaften Ausblick auf diese 20.000.000 Stadt. (Überwältigend)



Bei seinem Breaving ist N.P. und seinem Schatten Rahul dann aber doch ein nicht ganz so kleiner Fehler unterlaufen. Es wäre ganz gut gewesen uns zu sagen, dass wir auf dieser Insel festes Schuhwerk brauchen. Und vor den Affen hätte er uns auch warnen müssen. Die Sonne ist an diesem Tag dann auch noch ziemlich unerbittlich. Trotz Sonnencreme verbrennen wir ganz schön (Jenny natürlich nicht). Birkenstocks und Flip Flops geben uns in diesem bergischen Urwald fast den Rest. Die Insel ist wirklich schön. Die in den Stein gehauenen Figuren sind beeindruckend.



Ein Affe klaut Luke seine Wasserflasche und der ist darauf stinke Sauer, denn er hat Durst und erst auf dem Gipfel kann er zu einem viel zu teuren Preis eine neue Flasche kaufen. Den Berg auf geht das mit dem Schuhwerk auch noch. Gefährlich wird das erst auf dem Weg hinunter. Der Schotter und die sehr hilfsmäßig befestigten Stufen sind nicht ohne. Mit meinen Birkenstock geht es mir da sogar noch ganz gut, denn die haben ja einigermaßen gute Sohlen. Jenny und Nikola haben billige Flip Flops an und sie spüren jede Unebenheit im Boden. Nur leider ist der hier überhaupt nichts eben. Als wir auf dem Weg zurück das Boot erreichen haben beide etliche Blasen und sind wie Luke nicht gut drauf. Meine Laune ist mittlerweile blendend. Es ist Indien. Was haben wir anderes erwartet. Lachen ist das Beste, was wir machen können. Es ist Abend geworden, als wir in die Stadt zurückkommen. Wir haben alle Hunger aber auf nichts indisches, denn auf Indien sind drei von uns im Moment nicht so wirklich gut zu sprechen. Wir suchen Mc Donalds. Hätten wir mal einen Taxifahrer gefragt oder auch irgendjemanden. Aber nein, Luke ist der starke Mann und er kann die Karte lesen. Das stimmt auch, nur steht da nicht drauf, wo der nächste Mc Doof ist. Er wäre etwa 300 m vom Gate of India entfernt gewesen. Nach einer halben Stunde Fußmarsch sind daraus dann schon lockere 2,5 Km geworden. Vom Hotel sind wir auch weit entfernt und wo wir wirklich sind, dass weiß nur Luke. Ich lache vor mich hin, als wäre ich auf Droge. Jenny und Nikola wollen in den Streik treten und Luke, ja der läuft und läuft. Gut, ein Mc. Donalds ist uns an diesem Tag nicht vergönnt, deshalb gehen wir in ein uns einigermaßen geheuer aussehendes Restaurant. Dort gibt es auch internationale Speisen, wie Spagetti Napoli. Die sind so scharf, dass es Jenny die Tränen in die Augen treibt. Mein Nudelgericht ist auch nicht ohne. Ich habe ein paar Löffel gegessen und dann war es vorbei. Indisches Essen uns seine Schärfe ist so eine Sache. Jedenfalls sind wir noch ein Stück zu Fuß in Richtung Hotel gelaufen, oder auch nicht. So ganz traue ich Lukes Führerqualitäten nicht. Dann haben Nikola und Jenny gestreikt. Es ist mittlerweile schon dunkel und wie soll es anders sein, mein Handy bimmelt. Mister Control, nur diesmal zum richtigen Zeitpunkt. Leise versuche ich ihm unsere missliche Lage zu erklären ohne dass Luke was hört. Der ist auch mal wieder über seine Karte gebeugt und will nicht gestört werden. Männer! Jedenfalls will N.P. wissen, wo wir sind, nur ich habe doch keine Ahnung. Wir sind nicht mehr im Geschäftsviertel. Hier sind mehr Wohnhauskomplexe. Von Taxis ist auch nichts zu sehen. Als mir das aufgefallen ist, da wurde mir erst richtig klar, dass wir in der Tinte stecken, denn in indischen Städten sind überall Taxis, fast so viele wie Ratten und Hunde. N.P. wird relativ schnell klar, dass ich ihm nicht helfen kann. Mit einem harten Befehl fordert er mich auf, dass Telefon an Luke zu geben. Was die beiden dann besprochen haben, weiß ich nicht. Ich habe mich sicherheitshalber entfernt. Luke sah zumindest aus, als ob er gleich explodiert. Nikola und Jenny sitzen auf einer Mauer und versuchen während dessen festzustellen, ob ihre Füße noch zu retten sind. In meinem Kopf entwickelt sich im gleichen Zeitraum ein Skript für einen Bollywoodfilm. „Verloren und verschollen in Mumbai – Nur die Ratten wissen wo sie sind“!
Nachdem Luke das Telefonat beendet hat, gibt er es mir unsanft zurück und teilt mir mit, dass Jenny und ich heute Abend um 21:30 abgeholt werden um ins Kino zu gehen. Ihr werdet es nicht glauben, aber ich besitze in diesem Moment nicht den Mut den riesigen Engländer vor mir zu fragen, was es damit auf sich hat. Der zerrt uns dann mit sich in eine Richtung. Diesmal ist es die Richtige. Jedenfalls finden wir hier ein Taxi und das bringt uns endlich zum Hotel. Da gibt es fast eine Schlägerei zwischen Jenny und mir. Wir wollen beide unter die Dusche. Das geht aber in diesem sonderbaren Badezimmer nicht. Nach einem geschickten Täuschungsmanöver habe ich es vor Jenny geschafft. Das Wasser tut so gut. OK, es ist nicht warm, aber der Duschstrahl ist normal stark, das erste indische Hotel, wo ich das sagen kann. Eine absolute Wohltat.

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Montag, 26. März 2012, 16:59

Mumbai Teil 2

Irgendwie bin ich mittlerweile aber tot müde. Auf dem Bett schlafe ich dann auch ein. Jenny,das Monster, weckt mich jedoch nicht rechtzeitig. Als ich die Augen öffne, streiten sich zwei Inder lautstark um Jennys Kinderphotos. Dabei sitzen sie teilweise bei mir und teilweise bei Jenny auf dem Bett. Die liegt, wie ich, noch im Bett, nur dass sie schon etwas länger nicht mehr schläft. Hier liegt dann auch der Grund, warum sie mich nicht geweckt hat. Wie die Inder bei uns ins Zimmer gekommen sind, lässt sich nur spekulativ sagen. Vermutlich haben wir die Türe bei unserem Streit um die Dusche nicht verriegelt. N.P. und Rahul lassen uns dann geschlagene 10 Minuten Zeit wach zu werden und uns fertig zu machen. Mir ist das alles zu schnell, aber ich funktioniere. Nicht mehr und nicht weniger. Das Kino selbst ist für mich irgendwie eine Enttäuschung.





Es sieht aus wie bei uns, oder zumindest nicht so groß anders wie bei uns. Der Film ist eine Wucht. Chak de India! Shahrukh Khan at his best. Das Verhalten der beiden Inder neben mir ist jedoch sonderbar. OK, ich fange mal am Anfang an. Das Kino hat ganz normale Sitze, wie wir die auch kennen. Es gibt zwei Ebenen. Eine mit schönen Sitzen und eine, wo das gemeine Volk sitzen kann. Die ist aber nicht geöffnet. Der Film läuft ja auch schon eine Weile in den Kinos, deshalb sind genug Plätze im schönen Bereich frei. Da wir aufgrund von den oben schon geschilderten Gründen etwas spät dran sind, beginnt der Film auch schon wenige Minuten nach unserem Eintreffen. Es gibt keine große Kinoreklame vor dem Hauptfilm, wie bei uns. Dafür haben die in Indien einen eigenen Fernsehsender, also brauchen sie das hier nicht. Aber zu meinem Schock stehen alle am Anfang auf und es erklingt die Nationalhymne. Mein erster Gedanke ist, ich bin im falschen Film. Die singen nämlich tatsächlich mit. Nichts für ungut, aber dass wäre in Deutschland undenkbar. Um mein Weltbild aber noch mehr zu entrücken jubeln die beiden Inder neben mir bei jeder erfolgreichen Aktion des gespielten Nationalteams auf der Leinwand mit. (So wie wir das bei einem Fußballländerspiel tun) Ich kann das nicht wirklich verstehen. Jenny geht richtig mit den beiden mit. Keine Ahnung warum. Es kann aber auch an meine Kopfschmerzen liegen, die mich immer stärker anfangen zu plagen. Ich bin so müde, dass ich mich nicht mal so wirklich auf Shahrukh Khan konzentrieren kann. N.P. scheint auch irgendwie enttäuscht von mir zu sein, aber ich habe schon mühe genug wach zu bleiben. Der Held auf der Leinwand braucht mich ja. Die um uns sitzenden sind von der Popkornschlacht, die zwischen N.P. und Rahul ausgebrochen ist (das sind doch wirklich noch richtige Kindsköpfe) nicht so begeistert. Anstatt jedoch die beiden anzusprechen, muss ich mir die Beschwerden anhören. Dass ich die beiden nicht kenne, haben die Leute mir nicht geglaubt. In der Pause setzen wir uns dann um. Diesmal darf Jenny sich die Beschwerden von der anderen Seite anhören. Unsere beiden kleinen Jungs lässt das völlig kalt. Als der Film vorbei ist, bin ich erleichtert. Ich bin einfach zu viele Stunden wach. Mein Gehirn ist nicht mehr funktionsbereit. Als Rahul mich fragt, ob mir langweilig ist, beantworte ich das mit ja. Leider habe ich das Wort Boring = Langweilig nicht verstanden. Er ist irgendwie sauer und nicht mal das bekomme ich mit. Jenny erklärt ihm zwar, wo das Problem liegt, aber ich kann ihn im Nachhinein verstehen. Im Hotel habe ich dann noch mal einen lichten Moment. Nachdem Jenny im Zimmer verschwunden ist, versuche ich mich bei den beiden zu entschuldigen. Das geht aber gehörig in die Hose. Die beiden stehen im Flur und ich weiß zwar, was ich ihnen in Deutsch sagen will, aber nicht in Englisch. Das wiederum macht mich wütend, ganz mies, denn dann handele ich erst und denke später. Rahul scheint das zu amüsieren. Diese leicht arrogante Art kann ich zum Tabu nicht ausstehen und mich unter Kontrolle halten, kann ich auch nicht mehr. Meine Giftspuckerei haben sie zum Glück nicht verstanden. Es war so was wie, dass ich hier gerade mit zwei Schwanzträgern (Minderjährige haben das nicht gelesen) versuche zu rede und das doch keinen Sinn hat. Danach bin ich an ihnen vorbei aus dem Hotel gelaufen. Kein Zweifel, ich habe den Abend selbst in den Sand gesetzt. Und nun laufe ich alleine um 01:30 durch Mumbais Straßen. Wieder so eine Entscheidung die ich sofort nach deren Ausführung bereue. Es ist dunkel und dann habe ich einen Orientierungssinn wie ein Maulwurf an der Oberfläche. Hinzu kommt, dass ich im stehen schlafen könnte. Aber es sind hausgemachte Probleme und ausrauben können sie mich ja nicht. Ich habe weder Geld noch sonst irgendetwas dabei. Es dauert etwas, bis ich das Hotel wieder gefunden habe. Der Rezeptionist ist hoch erfreut mich zu sehen und reicht mir einen Zettel. Die Handschrift sieht sehr weiblich aus. Die von N.P. ist es nicht. Vermutlich also die von Rahul. Ich soll nach meiner Rückkehr sofort hoch auf sein Zimmer kommen. Oh, Oh, ich stecke in der Scheiße und das richtig. Einen Moment denke ich darüber nach, den Zettel zu ignorieren, doch mir ist klar, dass das nicht wirklich helfen wird. N.P. ist nicht dumm. Der Hotelangestellte wird ihn mit Sicherheit sofort über meine Rückkehr informieren. Also begebe ich mich in Richtung Zimmer 212 zu meiner Hinrichtung. Mein Kopf ist ohnehin kurz vor dem Explodieren. Dann bin ich ja doch tot, wenn er es beschleunigen kann, dann soll mir das recht sein. Von dem Donnerwetter, das nun auf mich einprasselt, habe ich nichts verstanden. Gut, es hat bestimmt was mit meinem nächtlichen Spaziergang zu tun gehabt. N.P. hat es vorgezogen es in Hindi zu halten. Rahul steht einfach nur dabei und beobachtet uns. Na toll. Dieses arrogante Jüngelchen freut sich bestimmt gerade tierisch. Ich tue ihm unrecht, doch wie ich ja schon gesagt habe, ist mein Gehirn in großen Teilen ausgeschaltet und ich nehme alles auf sonderbar unwirkliche Art wahr. Eigentlich will ich nur ins Bett und N.P. versperrt mir den Weg, denn er steht davor. Als er fertig ist, erwartet er wohl eine Erklärung und alles, was mir einfällt, ist die Frage, ob man vor jedem Kinofilm die Nationalhymne spielt. Die Gesichter der beiden kann ich nicht beschreiben. Irgendwas zwischen Irritation, Verärgerung und Schock. Bei mir ist nichts angekommen. Jedenfalls hat Rahul sich als erster gefangen. Er bittet mich, dass ich mich setze. N.P. macht sich eine Zigarette an, bescheuert, woran man sich erinnert, aber es hat mich gestört, vielleicht deshalb. (In den Zimmern darf nicht geraucht werden, aber das interessiert einen Inder nicht) Scheinbar hat Rahul verstanden, dass ich nicht so ganz ich selbst bin und das auch selbst merke. Wir reden zuerst über den Film. Das mit dem Nationalstolz ist eine große Diskrepanz zwischen Deutschland und den meisten anderen Ländern. Was für ein sonderbares Thema in dieser Situation. Am nächsten Tag kurz vor der Abreise, hat Rahul sich noch lange mit mir darüber unterhalten. In so einer absurden Situation merkt man das am Stärksten. Diesmal ist N.P. Zuhörer. Er sitzt vor Rahul und mir auf dem Boden und lauscht nur. Die meiste Zeit redet ja auch Rahul. Der gibt sich tatsächlich mal Mühe mit meinem Englisch. Das ist nämlich im Moment extrem holprig. Ich bin zu müde zum Denken. Und dann komme ich doch noch zu meiner Entschuldigung. Danach darf ich dann endlich gehen. Die abgekürzte Nacht schlafe ich wie eine Tote. Als am nächsten Morgen der Wecker klingelt komme ich aus ganz tiefen Gewässern empor. Da wir bis 10:00 die Zimmer verlassen haben müssen, wird es dann noch mal kurz hektisch. Die Abreise aus Mumbai ist aber erst um 21:30. Das Gepäck bleibt so lange im Hotel. Jenny besitzt zum Glück soviel Gespür, als dass sie mich nicht sofort aushorcht. Wir begeben uns jedenfalls nun auf eine Shopping-Tour, das kann man in Mumbai nämlich ganz gut. Wir trauen uns sogar mit öffentlichen Bussen zu fahren, obwohl N.P. uns davon abgeraten hat (er ist der Auffassung, dass wir nicht auf uns selbst aufpassen können), doch so schwierig ist das überhaupt nicht und es kostet nur ein paar Cent.





Am Marine-Drive beobachten wir dann die Krebse, die zwischen dem Müll umher kriechen. Mumbais Strände sind nicht so schön, mehr will ich dazu nicht sagen. Auf der Suche nach einem Mc Donalds (wir haben ihn nicht gefunden, obwohl uns glaubhaft versichert wurde, dass es ihn mehrfach in Mumbai gibt) kommen wir an verschiedenen Wohnkomplexen vorbei, wo angeblich irgendwelche Stars wohnen sollen. Aber da wir beide Hunger haben, hätten wir vermutlich jeden Star gegen einen Big Mac eingetauscht. An einem Stand kaufen wir dann in unserer Verzweiflung etwas Naan Brot und Bananen. Damit setzen wir uns mitten in der City in der Nähe des Gate of India auf eine Mauer und essen es. Es ist mittlerweile gegen 15:30 und bei den weiteren Tagesplänen werden Jenny und ich uns nicht einig. Sie will weiter Strände besichtigen, ich will in die Ausstellung des anthropologischen Museums. Wir trennen uns ab hier. Deshalb werde ich später wieder einen von N.P. drüber bekommen. Aber ich bin ja mittlerweile in der Übung und zu seinem Unheil heute auch wieder relativ fit. Das Museum ist einfach nur toll. Ich mag so etwas. Im Eintritt war eine Audio-Führung in einer Wahlsprache enthalten. Nach so langer Zeit klingt Deutsch für mich fast wie eine Fremdsprache. Ich habe es genossen. Die Ausstellungsstücke waren beeindruckend ob nun die Gonescha-Statue oder auch die Schmuckschatullen aus Elfenbein. Die Bilder waren wunderschön. Ich hätte sie alle gerne mitgenommen.







Leider hat das Museum um 18:30 geschlossen. Ich hätte noch Stunden da verbringen können. Es ist eben genau mein Ding gewesen. Nach dem Verlassen des Gebäudes mache ich mich dann auf die Suche nach dem richtigen Bus. Beim Warten kommt auch der unvermeidliche Kontrollanruf. Als N.P. hört, dass ich nicht mit Jenny zusammen bin, kommt nur noch Hindi von der anderen Seite. Dem Herren passt mal wieder etwas nicht, das kenne ich ja schon. Die einzigen englischen Worte, die noch kommen, sind, dass ich zum Hotel zurückkommen solle. Jetzt habe ich alle Zeit der Welt. Es wird zwar schon dunkel, (Ach ja noch was, dass mir in Indien aufgefallen ist. Es wird wesentlich früher dunkel, als bei uns. Locker 1,5 – 2 Stunden) aber nach der letzten Nacht habe ich ja keine Angst mehr. Als ich mit dem Bus am Hotel ankomme, denke ich auch nicht daran hinein zu gehen, sondern steuere zielsicher den etwa 50 m vom Hotel entfernten Internet-Shop an. Mein Handy klingelt mehrfach in der Zeit und auf dem Display sehe ich ja, wer es ist. Aber mit Befehlen von verärgerten Indern habe ich so meine Probleme. Erst gegen 20:00 komme ich dann ins Hotel, wo Luke, Nikola, Claiton und Camilla schon munter schnattern warten. Jenny ist noch nicht da. Von N.P. ist auch nichts zu sehen. „Um so besser“, geht es mir durch den Kopf. Doch als dieser erscheint und Jenny nicht da ist, will er mir an den Kragen. Vor versammelter Mannschaft macht er mir Vorwürfe, wie ich sie habe alleine lassen können. Und dann habe ich einen Mitstreiter, mit dem ich nicht gerechnet habe. Claiton hat ihn am Arm gepackt und mit sich nach draußen genommen. Was die beiden da besprochen haben, kann ich nicht sagen, doch N.P. ist wie verwandelt, als er zurückkommt. Kurz danach taucht auch Jenny auf und ein Blick von Claiton zu N.P. genügt und der ist ruhig. Wirklich nett von Claiton, doch ich bin so kampfeslustig. (Wobei meine Stimmung wohl auch was mit dem Tabletten zu tun hat, die ich mir auf meinem Alleinstadtbummel besorgt habe. Die nächste Schlafzugfahrt steht an und ohne Hilfsmittel steige ich da bestimmt nicht mehr ein. Andere sehen nach so was rosa Elefanten oder schlafen ein. Ich werde wibbelig und bin zu jedem Kampf bereit. Ein Grund, warum ich so was normal nicht nehme. Ich bin der einzige, bei dem Beruhigungsmittel aufputschend wirken. Aber sie nehmen mir auch meist jegliche Ängste.) Jedenfalls können wir nun zum Bahnhof hin aufbrechen. Das Krishna-Festifal hat begonnen und das kann man überall in den Straßen sehen, wo die Umzüge beginnen. Der Taxi-Fahrer fährt besonders schnell solange das Taxi fährt. Leider ist das nicht die ganze Strecke der Fall. Ich vermute mal, dass die Batterie nicht mehr will. Und als der Motor aus geht, muss Claiton aussteigen und anschieben. Wir Frauen, in dem Fall Camilla und ich, dürfen das nicht. Eine klare Ansage des Taxi-Fahrers, die wohl auch ihren Sinn hat, denn zwei blonde Frauen auf einer indischen viel befahrenen Straße könnten die Fahrer der anderen Fahrzeuge ablenken. Trotz dieser Probleme kommen wir vor dem zweiten Taxi am Bahnhof an. Der Fahrer macht aber ein sonderbares Gesicht, als Claiton ihm erzählt, wo wir hin wollen. Das hat einen triftigen Grund. N.P. hat mal wieder Mist gebaut, vielleicht hat er auch einfach zu sehr den allmächtigen großen (das wir nicht lachen) Bruder von Jenny und mir raus hängen lassen. Nachdem das zweite Taxi mit N.P. eingetroffen ist, stellt sich schnell raus, dass wir am falschen Bahnhof sind. In einem Affenzahn geht es nun erneut quer durch die Stadt zu einem anderen Bahnhof. Dort angekommen, ist mir sofort klar, dass wir richtig sind. Hier sind ein paar Menschen mehr (ein paar tausend Menschen oder auch zehntausende). Und N.P. rennt mit einer für einen Inder hohen Geschwindigkeit (die haben immer Zeit und Ruhe) durch diese Menge. Da er sein sonst so gut sichtbares blaues GAP-T-Shirt nicht an hat, sieht er aus wie die anderen zehntausend Menschen. Nach wenigen Augenblicken läuft er dann auch alleine. In unserer Not schotten wir uns zusammen und bleiben einfach mal stehen. Luke stellt trocken fest, dass es ihm wohl auffallen wird, wenn seine gesamte Gruppe fehlt. Es ist ihm irgendwann aufgefallen. Zum Glück ist es ja nicht so schwer eine Gruppe weißer in diesen Massen auszumachen. Luke, mit seinen ca. 1,90 m ragt ja nach oben hin heraus. Etwas zerknirscht kommt der gute N.P. zu uns. Seinen Vorschlag, dass wir uns alle an den Händen nehmen sollen, findet Luke gut. Er nimmt gleich beide Hände von N.P. und meint „Sicher ist Sicher“. N. P. Gesicht ist unbeschreiblich, leider hat keiner davon ein Bild gemacht. Na ja wir haben den Gleis dann gefunden und da ist es noch voller. Die wollen alle in unseren Zug. Durch das Festival haben die Inder ein verlängertes Wochenende. Und Goa ist ein beliebtes Urlaubsziel für solche Gelegenheiten. Der Zug kommt mit fast einer Stunde Verspätung am Bahnhof an und alle ohne Platzreservierung stürzen auf die Türen zu. So was habe ich noch nicht gesehen. Das sah wirklich gefährlich aus.

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Dienstag, 27. März 2012, 11:24

Goa ich komme!

Ob Frauen, Kinder oder alte Menschen, alle kämpften an den Türen um den besten Platz.


(Hier Luke mit einem kleinen absolut begeisterten Verehrer.)

Gut, dass wir Platzreservierungen hatten. Rahul, der uns am Bahnhof verabschieden will, taucht jetzt auch langsam auf. Welche Ironie, denn der Zug hätte ja eigentlich schon seit einer Stunde auf der Strecke sein sollen. Komisch, dass ich mich jetzt sehr gut mit diesem arroganten Schnösel verstehe. Jedenfalls muss ich wieder in einen solchen Zug und das gefällt mir nicht, aber da muss ich nun durch.
Diesmal habe ich auch keine Schonung vor N.P., der ist nämlich bei der Gruppe. Das Bett direkt unter dem Waggon-Dach ist für mich reserviert, aber ich bin so aufgekratzt, dass mir das nichts ausmacht. Ich will einfach nur MP3 hören, dummer Einfall. In Mumbai hatte ich mir ein neues Head-Set für den MP3 gekauft, denn meines hatte den Geist aufgegeben. Endlich wieder Musik hören, aber es soll ein Wunschtraum bleiben. Ich habe mein Bett gerade bezogen und mich darauf gelegt, (eine akrobatische Meisterleistung muss ich noch erwähnen, denn die haben da keine Leitern oder so was) als der gute N.P., er liegt über den Gang hinweg in Fahrtrichtung auf meiner Höhe, den funktionstüchtigen MP3 erblickt und schon ist er weg, nicht N.P. sondern mein MP3. Jegliche Beschwerde meinerseits ist im Sande verlaufen. Mir ist nichts anderes übrig geblieben, als Camilla, Claiton , Luke und Nikola zuzuhören, die sich über englisches und kanadisches Essen unterhalten haben. Jenny lag ihnen gegenüber zwei Etagen unter N.P. und ist sofort eingeschlafen, die Glückliche. Ich habe keine Ahnung, wann der Zug wirklich losgefahren ist. Die Waggons haben ja keine Fenster. Jedenfalls war N.P. meines MP3´s irgendwann überdrüssig und hat sich gelangweilt. Ich bin zu dem Zeitpunkt in mein Buch vertieft. Leider stellt der smarte Inder mir gegenüber jetzt erst fest, dass er vergessen hat sich neue Zigaretten zu kaufen. Ich bin Nichtraucher, aber für einen Raucher muss es das schlimmste überhaupt sein, keine Zigaretten zu haben. Kein Wort hat er mich mehr lesen lassen. Nach einem Kartenspiel, dass ich verloren habe (ich hasse es zu verlieren), will ich zurück zu meinem Buch, aber nicht mit N.P. Der will jetzt quatschen und zwar über meine Aussetzer in Mumbai. Da ich weiß, dass wir darüber reden müssen, ergebe ich mich meinem Schicksal. Keine Ahnung, wie lange wir geredet haben. Anfangs habe ja auch ich reden müssen und dann hat er geredet und ich bin irgendwann eingeschlafen und das total verdreht an die Wand gelehnt in seinem Bett. Als ich aufgewacht bin, lag er in einer ähnlich ungesunden Haltung auf der anderen Betthälfte und hat vor sich hin geschnarcht. Ich bin dann zu meinem angestammten Platz in einer der offenen Waggontüren gegangen und habe in die Dunkelheit hinaus geschaut. Zeitweise hat Jenny mir Gesellschaft geleistet und auch Luke war mal bei mir. Hier habe ich jedenfalls am Besten Luft bekommen und ich konnte mir im Morgengrauen die traumhafte Landschaft ansehen. Aus dieser Wachte lässt sich Goa und seine Vegetation kaum beschreiben, denn sie ist so schön und einzig, dass mir die Worte fehlen. Etwas Schöneres habe ich noch nie gesehen. Tropischer Urwald und dann so zauberhaft grün, einfach nur unbeschreiblich. Der Zug ist sehr langsam gefahren und hat in vielen Bahnhöfen angehalten. Als N.P. mich am Morgen gefunden hat und gesehen hat, wo wir sind, hat er erst einmal das Gesicht verzogen und ist wieder gegangen. Nicht, dass er mit mir geredet hätte oder mit sonst einem aus der Gruppe. Nach einer Weile kehrt er zu uns zurück, ich bin mal zu den anderen gegangen, und bringt uns die Hiobsbotschaft, dass der Zug bis jetzt fünf Stunden Verspätung habt. Nett und das zu den 1,5 Stunden dazu, die wir in Mumbai zu spät weg sind. Nur so als Anmerkung, eigentlich hätten wir 11 Stunden fahren sollen, es waren dann tatsächlich 19 Stunden, die Verspätung in Mumbai nicht mitgerechnet. Aber man nimmt so was in Indien einfach so hin. Das ist Indien. Es wäre zwar angenehmer gewesen, wenn wir Frauen die Toilette benutzen hätten können, aber was nicht ist, das ist nicht. Wir haben es alle überlebt. Die Serviceleute im Zug sind mir nach einer Weile auf den Nerv gegangen. Nicht nur, dass die schon mitten in der Nacht mit ihrer Runde begonnen haben und man immer wieder hörte „Tee oder Kaffee“ nein, bei fast jedem Vorbeikommen haben sie uns Frauen auch immer irgendwie angestoßen. Da ich direkt unter der Klimaanlage liege, friere ich mir gelinde gesagt den Arsch ab. Damit ich diese nicht ganz so doll abbekomme, liege ich mit dem Kopf zum Gang und alle paar Minuten eine Fremde Männerhand am Kopf ist wirklich nicht so schön. Nun gut, ich habe mich ja dann zur Tür hin verzogen. Doch meine Grundstimmung war nicht gut. So ein bisschen wie eine Depression. Draußen peitscht der Monsunregen gegen den Zug und ich hocke so alleine in einem Zug, in dem ich nicht sein will. Irgendwie habe ich so das Gefühl ganz alleine zu sein. Absurd, denn um mich herum sind tausende von Menschen. Stunde um Stunde fährt der Zug langsam weiter und ich fange an in das Loch dieser Stimmung hinein zu fallen. Den anderen geht es auch nicht so wirklich besser. Die einen versuchen zu schlafen oder sie sitzen wie ich irgendwo herum und geben sich ihrer Stimmung hin. Nur, dass sie nicht in der Zugtür sitzen. Jedenfalls ist es N.P. wohl zu gefährlich mit mir, denn er zerrt mich wieder in den Waggon. Ich wäre nicht ausgestiegen, doch das glaubt er mir nicht. Vielleicht machen ihm meine verheulten Augen auch sorgen. Also liege ich auf einem Bett und lasse mich von ihm voll quatschen. Er will alles über Deutschland wissen, doch da er noch nie in Europa war, ist es schon schwierig ihm das zu erklären. Die Stunden gehen trotzdem nicht vorbei. Als wir in Goa ankommen, sind wir alle fix und fertig. Die meisten Zugpassagiere sind auf einem der vorherigen Bahnhöfe ausgestiegen. Der letzte Bahnhof, hier endet der Zug ist fast leer. Dies ist ein völlig ungewohntes Gefühl. Goa hat noch etwas anderes an sich. Alles hat eine etwas andere Ordnung hier, als im Rest Indiens.



Die Taxis hier sind neuer und sie gehören alle zu einer Organisation. Deshalb stürmen auch nicht 20 Mann auf N.P. zu. Er kann ganz gelassen in das Büro der Taxizentrale gehen und dort die Transportmittel organisieren. Unser Taxi fährt zuerst los. Claiton, Camilla und ich sollen aber auf dieser Fahrt durch die Hölle. Der Fahrer fährt viel zu schnell. Wir haben alle drei Angst. Als eine Kuh vor das Auto läuft, macht der Fahrer eine Vollbremse, so dass wir nach vorne geschleudert werden. (Gurte gibt es in den meisten indischen Autos nicht) Diese wahnsinnige Fahrt geht jedoch weiter. Kurz drauf passiert es dann. Ein älterer Mann wird von unserem Taxi angefahren. Er wird zur Seite geschleudert vom Auto weg. Nicht, dass der Fahrer anhalten würde. Der fährt lachend weiter. Wir Insassen können es nicht glauben. Zu geschockt um irgendetwas zu sagen oder zu tun, steigen wir kurz danach am Hotel aus. Erst als dieses Taxi weg ist, bricht Claiton das Schweigen. Wir können es nicht glauben. Doch was wollen wir jetzt machen. Der Schock ist uns allen dreien in die Glieder gefahren. Zu allem Überfluss kommt das zweite Taxi mit den anderen nicht. Fast eine Stunde nach uns treffen die anderen vier am Hotel ein. Als wir N.P. auf das Geschehene ansprechen, gibt der uns erst recht zu denken. Er erklärt uns, dass es in Indien 1,1 Milliarden Menschen gebe und das ein Menschenleben als solches keinen so großen Wert habe. Ich bin nach diesen Worten bedient. Auf dem Zimmer kann ich noch nicht einmal den wunderschönen Ausblick auf den Strand genießen. Wie verdreht die Welt aus einer anderen Perspektive doch sein kann.


Shruki

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Mittwoch, 28. März 2012, 14:19

Goa

Im Dämmerlicht haben Jenny und ich dann einen Strandspaziergang gemacht.



Die Strände in Goa sind traumhaft, doch es sind sehr viele Männer da, die uns natürlich angestarrt haben. Je dunkler es wurde umso schneller sind wir zurück gelaufen. Das unglaublich warme Wasser hat unsere nackten Füße umspült.



Am Abend sind wir dann ausgegangen. N.P. hat im Ort, den Namen des Ortes weiß ich nicht mal, ein gutes Lokal aufgetan. Luke, Nikola, Jenny, N.P. und ich sind dann dorthin gegangen.



Es gab wirklich gute und mitreißende Musik. Auch das Essen war ganz Ok. Und das indische Bier, King Fisher, hat mich die Ereignisse des Tages etwas besser verdauen lassen. Luke und N.P. waren auch wirklich gut drauf. Wir haben alle Alkohol getrunken, doch Luke hat nach N.P. Manier auf nüchternen Magen getrunken. Er hat laut betont, dass er das auch mal ausprobieren will. Ich muss, glaube ich nicht erwähnen, dass das nicht lange gut gegangen ist. Unser Kellner, Amit heißt die arme Sau, muss leiden, denn N.P. findet es witzig ihn wegen jedem Mist zu rufen und Luke macht mit.


(Luke, Amit, N.P.)

Jenny ist irgendwann auf dem Heimweg verschwunden um mit ihrem Dev zu telefonieren. Die haben wir an dem Abend auch nicht mehr gesehen. Wirklich nett von ihr, denn der sternhagelvolle N.P. hat auf dem Rückweg so seine Probleme mit dem Laufen.



Da Nikola genug mit Luke zu tun hat, habe ich alle Hände voll zu tun. Er ist ja süß in dem Zustand, aber ihn über 2 Km durch einen völlig dunklen Ort zu schleppen (es war über fast eine Stunde Stromausfall, das ist in Indien fast täglich mal der Fall) ist doch nicht so schön insbesondere, weil ich selbst ja auch nicht mehr ganz nüchtern war. Nikola und ich haben uns mit unserer Last natürlich auch noch verlaufen. Vor dem Hotel tritt N.P. dann in Sitzstreik. Erst hat Luke sich ihm angeschlossen, aber Nikola bekommt ihn noch aufs Zimmer gezerrt. Ich brauche dafür fast eine halbe Stunde. Seit dem weiß ich auch wie interessant er meine Haare findet. Hatte ich erwähnt, dass ich es hasse, wenn mir jemand an den Haaren herum zerrt. Beim Friseur muss ich mich immer zusammenreißen. Aber in dem Moment bin ich nur froh, dass ich ihn endlich auf seinem Zimmer habe. Was er da macht ist mir ziemlich egal. Am nächsten Morgen sehen wir alle nicht so toll aus. Doch wir haben uns zu einer von den Hotels der Region organisierten Rundfahrt (es war so was wie eine Touristenrundfahrt mit Kaffeefahrt inklusive) verabredet. Nach zwei Aspirin geht es mir wieder einigermaßen. Sogar die sonst so viel redende Jenny ist ruhig. Luke und Nikola geht es verhältnismäßig gut. Nur N.P. ist krank. Und er will bedauert werden. Darauf wartet er aber vergeblich. Wir sitzen noch nicht ganz im Bus, da haben Jenny und er auch schon irgendwelchen Ärger. Jenny schmollt und er weiß nicht, was er angestellt hat. Ich kann es nicht wissen, denn ich war nicht bei ihnen, als sie sich unterhalten haben. Nur leider streiten bzw. schmollen sie über meine Person hinweg. Absolut genial, im negativen Sinne. N.P. sitzt neben mir und will wissen was los ist und Jenny redet nicht mehr mit ihm. Die Rundfahrt kann beginnen. Die besuchten Sehenswürdigkeiten sind etwas zweifelhaft. Einzig und alleine die Kirche ist sehenswert, doch wir haben Goa im vorbeifahren gesehen. N.P. neben mir leidet so auffällig, dass ich ihm irgendwann was dazu gesagt habe. Er ist ziemlich überrascht. Doch das ständige stöhnen ist mir einfach auf den Senkel gegangen. Na gut, am Ende hat er doch seinen Willen bekommen und ich haben ihn etwas betüddelt. So hat er zumindest mit dem Stöhnen aufgehört. Am Abend geht es dem Herren ja auch wieder gut. Als erstes steuert der Bus ein Museum im Nirgendwo an, wo man angeblich das indische Leben dieser Region gezeigt bekommen soll und den Big Food. N.P. ist immer noch so krank, dass er sich mit einer Zigarette draußen auf einer Bank nieder lässt und wohl damit gerechnet hat, dass ich ihm Gesellschaft leiste. Ich wäre wohl auch nicht in dieses Museum gegangen, wenn er nicht draußen geblieben wäre. Jetzt muss ich natürlich hinein. Eine Fehlentscheidung, wie ich bald feststellen soll. Das Museum ist ein lächerlicher Kindergarten. Billige Statuen, die Alltagssituationen nachstellen, wie zum Beispiel, wie Wäsche aufgehangen wird oder eine Kuh gemolken wird. Hatte ich schon erwähnt, dass uns eine Führerin alles erklärt hat, was wir ja an sich schon sehen könnten. (Wäsche aufhängen und Kuh melken ist nicht groß anders, wie bei uns).



Zwischendurch werden wir in einen Shop geführt, wo wir irgendwelchen billigen Ramsch kaufen können, also genau das Richtige für Jenny. Dezent versuche ich mich von der Gruppe zu trennen, denn ich will hier raus. Die Führerin ruft mich aber zurück und zwingt mich die Tour bis zum Schluss mitzumachen. So ein Mist. Jetzt muss ich mir auch noch den Big Food antun, der sich als eine künstliche Höhle mit einer Art Tempel herausstellt, von wo man eine Steinplatte mit einem schlecht hinein gemeißelten großen Fußabdruck herausstellt. Hier kann man nun freiwillige Spenden lassen.



Als wir aus dieser Höhle herauskommen, schaffe ich es dann aber zu fliehen. Draußen angekommen gehe ich mir zuerst einmal eine Flasche Wasser kaufen, denn meine habe ich bei meiner Flucht zurücklassen müssen. Gemeinsam mit N.P. warte ich auf den Rest der Gruppe. Das Museum war wirklich das letzte. Von hier geht es nun weiter ins Zentrum vom Goa. Hier bekommen wir nun das Zentrum des Katholizismus zusehen.



Die Kirche ist ein angenehmer Anblick. Es hat etwas sehr vertrautes. Das geht uns allen so. (N.P. mal ausgenommen) Hier ist es angenehm ruhig. Na gut, die in einem mit Glasscheiben ausgestellt Leiche irgendeines Heiligen, der dort in mumifiziertem Zustand liegt, ist schon einen Hauch daneben, aber solche Relikte kennt man in der katholischen Kirche zur Genüge.



Der Reiseleiter der Rundreise hat uns zu dieser Mumie im Bus sehr ausgiebig informiert. Nach 10 Minuten kann ich nicht mehr so richtig ernst bleiben und fange an mich ein klein bisschen über seinen Vortrag lustig zu machen. N.P. ist mal wieder von mir überrascht. Was glaubt der überhaupt, was ich für ein Mensch bin. Wenn mir was nicht passt, dann sage ich das auf die eine oder andere Art. Aber jetzt zurück zur Kirche. Wir haben uns bis auf eine Ausnahme benommen. Nur bei einem bimmelt das Handy lautstark. Die Klingelmusik passt „Dhoom, Dhoom“. Als N.P. auch noch dran gehen will, hat Jenny ihm das Ding schon abgenommen und ausgeschaltet. Diesmal bekommt er von ihr einen drüber. Sie redet endlich wieder mit ihm. Hierzu ist zu sagen, dass Jenny, als Südamerikanerin, sehr religiös erzogen wurde und ein südamerikanisches Temperament besitzt, was N.P. jetzt in vollen Zügen zu spüren bekommt. Luke muss den Armen vor ihrem Wortschwall in Sicherheit bringen und schiebt ihn Richtung Kreuzgang. Wir Frauen sind uns darüber einig, dass dieser Inder unmöglich ist. Sogar Nikola lässt kein gutes Haar an ihm. Das zu Kreuze kriechen, als wir aus der Kirche wieder raus sind, hat Luke ihm dann auch genauestens erklärt. Nikola und ich lassen uns schnell besänftigen. Jenny ist stinke sauer. Sie hat ja auch Recht. Wir haben uns in den vielen Tempeln, die wir gesehen haben benommen und den Bräuchen angepasst, dann sollte er es auch. Aber er ist eben noch ein Milchbubi, dass vergisst man schon mal.



Zum Ende geht es dann zum alten Hafen von Goa. Jenny spricht immer noch nicht mit N.P., Luke und Nikola sind romantisch ineinander verschlungen und ich werde langsam aber sich aggressiv. Als Jenny jetzt auch noch über mich als Mittler versucht mit N.P. zu reden, habe ich genug. Ich mache auf dem Absatz kehrt und gehe in die andere Richtung. Ich kann mir den Hafen auch ohne die anderen ansehen. Zielstrebig gehe ich zum Bootverleih, wo man für 50 Rupien eine Hafenrundfahrt mit einem Motor-Wasser-Bike machen kann. Es war wunderschön. 5 Minuten geht es durch den Hafen. Auch wenn ich das Bike gerne selbst gesteuert hätte, so war es auch als Beifahrer toll. Als ich wieder am Bootssteg ankomme, wartet N.P. dort auf mich. Den will ich aber überhaupt nicht sehen. Kurz überlege ich, ob ich noch eine Runde durch den Hafen schwimmen soll, aber das wäre wohl zu affig gewesen. Hilfe suchend halte ich Ausschau nach Nikola und Luke, doch die sind nicht da. Von Jenny ist auch keine Spur. Es gibt kein entrinnen. Doch ich wäre umsonst schwimmen gegangen. Wir haben uns richtig amüsiert. Lästernd haben wir uns auf die Hafenmauer gesetzt und über alles und jeden der vorbei gekommen ist, hergezogen. So was habe ich noch nie mit einem Mann gemacht, aber N.P. hat wirkliche Frauenqualitäten an den Tag gelegt. Als die anderen bei uns vorbei kommen sind wir beide bester Laune. Irgendwie steckt das auch Jenny an. Sie spricht zumindest wieder normal mit N.P.



Kurz drauf machen wir uns jetzt auf den Heimweg. Von N.P.´s unwohl sein ist nichts mehr zu merken. Der Abend mit dem Abschiedsessen kann kommen.

Shruki

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Donnerstag, 29. März 2012, 16:16

Abschied


Der Abend mit dem Abschiedsessen kann kommen. Um 19:30 machen wir uns auf den Weg zu Mickeys!



Dort angekommen, wird Amit von Luke und N.P. ausgiebig begrüßt. Camilla und Claiton können das entsetzte Gesicht des jungen Kellners nicht verstehen. Woher auch, sie waren am Vorabend nicht mit dabei. Eine halbe Stunde danach wissen sie warum. Das Essen ist für indische Verhältnisse gut. Das Bier schmeckt mir an diesem Abend auch gut. Nikola und Jenny trinken irgendein rotes Mix-Getränk, was aber nicht ganz ohne ist. Luke trinkt Wodka-Cola und Bier abwechselnd, Camilla Riesling und Claiton Whisky. N.P. trinkt mir andauert das Bier weg und hilft Claiton beim Whisky. Ich muss nicht erwähnen, dass er nicht lange durchhält.



An diesem Abend findet im Restaurant Karaoke statt und wir amüsieren uns königlich. Amit geht während dessen durch die Hölle. Je voller die Jungs werden, umso schlimmer wird es. Claiton trällert irgendwann „New York, New York“, während Luke Amit an seine Brust drückt. Diese arme Sau tut mir immer noch so leid. Wir Frauen sind zum Glück nicht ganz so betrunken.



Gegen Mitternacht macht das Lokal dann zu. Amit ist so fertig, dass er die Tränen in den Augen stehen hat, als er seine kommende Erlösung nahen sieht. Leider kommt auf uns Frauen jetzt ein anderes Problem zu. Wie bekommen wir die Männer ins Hotel zurück. An der frischen Luft kommt nämlich der Hammer über sie. Nikola wird ganz gut mit Luke fertig. Sie hat offensichtlich Erfahrung mit ihrem großen kleinen Jungen. Claiton, der seinen letzten Drink einfach mitgenommen hat, ist noch richtig fit. Jenny telefoniert mal wieder mit Dev, sie ist keine Hilfe. Nur N.P. landet schon nach den ersten Schritten rechts im Graben. Im Zick Zack geht es mit ihm im Arm weiter. Ich selber habe ja auch ganz schön einen im Tee. Luke hat in diesem Moment einen wirklich genialen Einfall. Er will am Strand vorbei zurück zum Hotel. Wir sind alle begeistert. Jenny hilft mir nach Beendigung des Telefonats auch mit N.P. der zwischen uns her wackelt und immer wieder nach rechts und links Küsschen verteilt, während er mit der Taschenlampe den Weg zeigt. Nun gut, es wäre vielleicht intelligenter gewesen nicht dem am meisten betrunkenen die Lampe zu geben, aber was hat Logik mit Alkohol zu tun?



Am Strand ist es Stock dunkel. N.P. ist jetzt auch nicht mehr zu halten. Er soll uns zeigen, wo das Wasser ist, so dass wir keine nassen Füße bekommen. Nach wenigen Sekunden stehe ich bis zu den Knien im Wasser. Mister Straßenlaterne hat eine Qualle gefunden. Die wird nun untersucht. Von jetzt an geht es von Qualle zu Qualle.



Leider bekommen wir nicht mit, dass Luke hinter uns einen Panikanfall bekommt. Er hat wahnsinnige Angst vor diesen Tieren. Nikola schleift ihn nur mühsam weiter. Wir kommen auch nicht wirklich weiter, denn Claiton will plötzlich schwimmen geht und zieht sich aus. Danach stürmt er in den Ozean. Da N.P. immer noch nach Quallen sucht, nehme ich ihm die Taschenlampe ab und leuchte in Richtung Meer, damit wir Claiton verfolgen können. Nicht, dass das etwas nützen würde insbesondere, weil N.P. an meiner Schulter lehnt und schläft. Jenny und Camilla versuchen Claiton mit Rufen zurück zu locken. Als dieser endlich zurückkommt, geht es dann auch weiter von Qualle zu Qualle. Am Hotel angekommen müssen wir dann feststellen, dass die Hintertüren alle verschlossen sind. Als wenn das verwunderlich wäre. Also müssen einbrechen, indem wir über ein Metalltor klettern. Im nüchternen Zustand wäre das ja auch kein Problem gewesen, aber in unserer Verfassung? Luke geht es nun auch wieder etwas besser. Zumindest hebt er Nikola, die in ihrem Kleid nicht wirklich klettern kann über das Tor. Jenny, Camilla und ich schaffen es ohne Hilfe. Das Tor ist nur 1,5 m hoch. Doch für N.P. ist es unüberwindlich. Nachdem Claiton drüber geklettert ist, nimmt Luke N.P. auf den Arm und gibt ihn Claiton auf der anderen Seite an. Jenny und ich können uns vor Lachen kaum noch halten. Das Ganze sieht zu blöd aus. Aber so schaffen wir es zumindest alle auf das Hotelgelände. Nicht dass wir jetzt im Hotel gewesen wären, die Terrassentür ist auch verschlossen. Luke schlägt beinahe die Glastür ein, bevor der Wachmann auf der anderen Seite uns sieht. Dieser lässt uns nun durch die Garage in die Lobby. Dabei läuft N.P. die leere Bierflasche des Wachmanns um und die beiden beginnen sich zu streiten. Auch wenn das ganz in Hindi ist, so ist der Inhalt klar. Zum Glück kann Jenny N.P. weiter schieben bis zur Rezeption, wo wir eigentlich unsere Schlüssel abholen müssten, doch der Nachtportier schläft im Nebenraum und muss erst geweckt werden. Nichts leichter als das. Das gesamte Hotel ist bestimmt bei unserer Ankunft wach geworden. Auf dem Weg die Treppe hoch, N.P. wankt vor mir, dreht dieser sich plötzlich um und erklärt mir, dass der Wachmann einer wesentlich niedrigeren Kaste angehöre als er und er ihm dies doch besser noch einmal vor Augen führen müsse. Dafür muss er aber an mir vorbei und da hat er keine Chance. Der Weg geht nur nach oben. An unserem Zimmer versucht Jenny gerade vergeblich den Schlüssel ins Schloss zu stecken. Wobei das stimmt nicht. Sie bekommt ihn ins Schloss nur nicht gedreht. Woran kann das wohl liegen? Es hat vermutlich was damit zu tun, dass sie N.P. Schlüssel hat und versucht unsere Tür damit zu öffnen. N.P. findet das jedenfalls so witzig, dass er abfällige Bemerkungen über die Stärken und Schwächen von Frauen von sich gibt. Jenny ist sofort sauer. Das ist bei ihr auch nicht so schwierig. Jedenfalls vereinbaren die beiden eine Armdrücken, das gleich bei uns im Zimmer stattfinden soll. Es kommt wie es kommen muss. 10 Minuten später hocke ich als Schiedsrichter vor Jennys Bett, wo die beiden ihren Wettkampf ausfechten. Es wird eine vernichtende Niederlage für N.P. Der will danach seine Männlichkeit zurück gewinnen und lässt sich auch noch auf einen Wettkampf mit mir ein. Ich wusste gar nicht, dass nach Unten noch ein unter Unten kommt. Er hat natürlich wieder verloren. Als Strafe, wobei hier irgendetwas nicht stimmt, legt er sich zwischen Jennys und mein Bett auf den Boden, wo er sich unsere Kopfkissen hingelegt hat und schläft fast sofort ein. Gut, dass wir alle betrunken sind, denn bei seinem Gesäge hätte ich normalerweise niemals ein Auge zugemacht. Am Morgen ist Jenny wie immer als erste wach. Nachdem sie über N.P. gefallen ist, sind wir anderen auch wach. N.P. sieht nicht so fit aus. Ok, wir Frauen auch nicht, aber weil heute mein Rückflug geht, muss ich mit dem Packen beginnen. Es ist zwar erst 09:00 Uhr, doch offiziell muss ich um 12:00 Uhr auschecken und da ich noch Geld tauschen muss, muss ich mich auf den Weg zur Bank machen. Vorher verabschiede ich mich aber von Claiton und Camilla sowie von Luke und Nikola, die in Hotels auf der anderen Seite der Stadt umziehen. Ich bin die einzige, die an diesem Tag Indien komplett verlässt, wobei ich schon wieder lüge. Ich fliege ja erst um 02:15 in der nächsten Nacht von Mumbai aus. Nikola weint wie ein Schoßhund. Auch Luke hat Tränen in den Augen. Camilla und Claiton sind nicht so emotional. Abschied ist nie was Schönes. Als ich von der Bank zurückkomme, sind Jenny und N.P. im Pool.



Doch irgendwie haben wir alle Angst vor dem Abschied. Jenny und N.P. bleiben beide bis zum Folgetag im Hotel. Um Kosten zu sparen ziehen sie für diese Nacht in ein Zimmer. Das ist ja nichts Neues mehr. Doch meine Abfahrt naht und ich will nicht. Aber ich bin realistisch genug um zu wissen, dass ich zurück muss. Und ich habe mir auch vorgenommen nicht zu weinen, wenn wir uns verabschieden. Kurz vorher sitze ich mit N.P. zusammen vor meinem ehemaligen Zimmer auf der Ballestrade und wir unterhalten uns während Jenny im Zimmer alles verstaut, was N.P. nicht sehen soll. Sie ist schon eine sonderbar Nudel. Irgendwann, ganz ohne Vorwarnung nimmt N.P. mich in den Arm und stellt fest, dass er in mir eine große Schwester gefunden hat, die er nicht hat. Vor Schreck wäre ich beinahe aus dem zweiten Stock gefallen. Aber mir wird schnell klar, dass es mir genau so geht, wie ihm. So was ist mir vorher noch nie passiert. Es gibt Freundschaften zwischen Mann und Frau und es gibt Freundschaften ohne Geschlechtsbezug. Keiner von uns beiden kann es erklären, aber mit meiner Schwester habe ich nie besser streiten können, wie mit ihm.
Wenn ich jetzt so zurück denke, dann war die Rundreise doch nicht so toll. Die ganze Zeit hatte ich meinen kleinen Bruder dabei er mich genervt hat, auf mich aufgepasst hat und dem ich gelegentlich die Ohren lang ziehen musste, welche Ironie.
Als das Taxi kommt, ist es aber N.P. der anfängt zu heulen. Jenny verschwindet schnell, ich kann sie auch verstehen. An ihrer Stelle hätte ich das auch getan. N.P. umarmt mich und lässt mich einfach nicht los. Irgendwie doch verrückt. Als große Schwester muss ich ihn dann aber von mir lösen. Die GAP-Tour ist zu ende. Die Fahrt zum Flughafen ist dann ein reines Gefühlschaos in mir. Man hat sich doch so sehr aneinander gewöhnt. Aber als ich da angekommen bin, war es auch schon besser. Von Goa geht es nun mit der indischen Fluggesellschaft Jet-Airways nach Mumbai. Schon am Flughafen in Goa treffe ich auf eine nette Französin, die wie ich in der Nacht mit Air France nach Paris starten will. Zwei Leidensgenossen, die 9 Stunden am Flughafen in Mumbai verbringen müssen. In Mumbai müssen wir dann vom nationalen zum internationalen Flughafen. Mit einem Shuttle-Bus geht das relativ schnell. Da es draußen schon dunkel wird, beschließen wir das Angebot von Air-France anzunehmen, die für ihre Transitpassagiere eine separate Lobby anbieten in der man kostenlos verpflegt wird. Ohne die nette Französin Veronique hätte ich das nicht gewusst, aber sie ist die Strecke schon öfter geflogen und kennt sich aus. Je näher das Bording rückt umso schlechter geht es mir aber. Ich habe wieder Magenprobleme und dann zusätzlich auch noch Kreislaufprobleme. Als es soweit ist, geht es mir elendig. Veronique teilt dies dem Bordingpersonal mit, die sich um mich kümmern. Gott wie peinlich. Nachdem ich etwas Wasser getrunken habe geht es aber wieder etwas besser und ich darf an Bord. Veronique war in der Situation Gold wert, denn sonst wäre ich aus Mumbai wohl nicht weg gekommen. An Bord der Maschine schaffe ich es dann noch so lange sitzen zu bleiben, bis wir in der Luft sind. Zum Glück habe ich die gesamte Sitzreihe für mich. Vermutlich war das auch Absicht vom Flugpersonal. Jedenfalls habe ich mich hingelegt und bin erst wieder aufgewacht, als der nette Stuart mich kurz vor Paris aufweckt damit ich mich anschnalle. War ein kurzer 9 Stundenflug der laut Veronique auch noch ziemlich unruhig gewesen sein soll. Ich kann dazu nicht viel sagen. Der Stuart bittet mich nach der Landung dann aber, dass ich vielleicht mal in der Flughafenklinik vorbei gehen soll. Das hätte ich wohl auch ohnehin gemacht. Mir geht es zwar schon etwas besser, aber so wirklich gut eben noch nicht. Zeit habe ich ja genug. meine Maschine nach Düsseldorf geht erst in 5,5 Stunden. Studentenflüge sind billig, haben aber eben auch ihre Nachteile. Obwohl es so schlimm nicht war. In der Klinik versuche ich dann dem französischen Arzt klar zu machen, was ich habe. Der kann für einen Franzosen erstaunlich gut Englisch und er will es offensichtlich auch sprechen, was bei den Franzosen ja keine Selbstverständlichkeit ist. Nach wenigen Augenblicken hat er mein Problem auch schon erkannt. Gegen die Magenprobleme gibt er mir eine Tablette und das zweite Problem sind die Malaria-Tabletten, die ich offensichtlich nicht vertragen habe. Na toll diese widerlich schmeckenden Dinger sind an dem ganzen Schlamassel schuld. Die Tablette wirkt schnell und dann ziehe ich meine Runden durch den Flughafen Charles de Gaulle. Ist eigentlich ganz witzig. Man sieht die unterschiedlichsten Leute und es wird einem nicht langweilig. Von hier geht es dann gegen Mittag mit einer proper vollen Linienmaschine nach Düsseldorf. Der Flug geht schnell und in Düsseldorf erlebe ich die schlechteste Landung von allen, die ich in den letzten Tagen und Wochen hatte, keine Ahnung warum, doch alle Passagiere waren überrascht und das unangenehm. Mit dem Zug geht es von hier nach Köln. Aufgrund meines Studentenausweises hat sich die Zugfahrt angeboten. Ich habe bis nach Hause nur 4,80 € bezahlt. Dafür hätte mich keiner abholen können. Der Ausweis war ja ab Langenfeld gültig. Alles um mich herum war vertraut aber auch irgendwie fremd, denn nach dieser Reise sieht man so manches mit anderen Augen. Wie ich wohl schon öfter gesagt habe, Indien ist nicht Deutschland. Wie anders die Länder sind, kann man nur durch „learning by doing“ lernen.

Ende

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15

Samstag, 31. März 2012, 09:39

Da ich nicht wollte, dass dein Reisebericht durch Zwischenbemerkungen unterbrochen wird, bekommst du meinen "Senf" erst jetzt dazu:

Zunächst mal kann man als Leser die Grundstimmung, dass es eine andere Welt ist, sehr gut nachempfinden, auch wenn man nicht alles wirklich versteht. ( Z.B. ist das Verhalten der Reisebegleiter/Leiter nicht immer nachvollziebar - und manchmal auch einige Reaktionen nicht, aber das ist sicherlich völlig anders, wenn man die betreffenden Personen persönlich kennt, aber so als veröffentlichte Sache bringt einen das als fremden Leser manchmal zu einem "Hä...?" )
Wenn du mal eine sehr ruhige Minute hast, dann kannst du ja nochmal drüberlesen. Es sind eine ganze Menge Fehler und Fehlerchen drin, aber auf die Textmenge insgesamt stört es den Lesefluss jetzt nicht erheblich.
Was du da geschrieben hast, ist ja etwas sehr Persönliches. Wenn du eine richtige Reisereportage daraus machen willst, wäre es vielleicht für den unbeleckten Leser etwas hilfreich, etwas mehr zu erklären. Aber das muss auch nicht unbedingt sein, es hat auf diese Weise etwas Bruchstückhaftes, wie man es eben als Touri hat.
Ich hätte mir z.B. ein paar mehr Informationen zu den Leuten gewünscht, die in deiner Gruppe waren, aber du hast es eben so geschrieben, wie deine ersten Eindrücke waren - und nicht aus der Sicht nach der Reise. Dadurch gelingt dir aber etwas anderes - man ist näher mit dabei, es hat also auch etwas für sich.
Nachdem man mit dir mitgefiebert, gelitten und gestaunt hat - und den Eindruck gewonnen hat, dass deine lieben Mitmenschen ausgesprochen nervig waren, liest man von dieser Abschiedsstimmung und denkt: Nanu? Sie waren wohl doch nicht so schlimm, oder warum ist sie traurig?
Das kann doch nicht nur der Alkohol gewesen sein?
Ach, und noch zum Schluss - ich lese sehr gern Reiseberichte und habe da vielleicht einen zu hohen Maßstab ( Landolf Scherzer / Richard Christ ) an deine Reiseerinnerungen gelegt, also nimm mir meinen "Senf" nicht übel.
Deine Reise war ja 2007 - geschrieben hast du das Ganze offenbar später - oder hast du nur deine Notizen überabeitet? Es wirkt auf alle Fälle ganz unmittelbar.
Hier geht's zu meiner FF


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Viel Spaß beim Lesen.