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Glinda Arduenna

Omniglas-Optikerin

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1

Sonntag, 4. März 2012, 02:51

Changed - Wie ich bin

Hallo ihr Lieben!

Nun habe ich mich also doch entschlossen, diese Geschichte hier hochzuladen. Ich würde mich sehr freuen, konstruktives Feedback von euch zu bekommen!
Und wenn es euch nicht gefällt, hoffe ich doch, dass es dann nur am Thema liegt ...

Inhalt:
Niki ist ein bisschen zu schüchtern und nett. Patricia ist ein bisschen zu selbstbewusst und hochnäsig. Leon ist aufrichtig selbstverliebt und zutiefst oberflächlich. Doch am Wicked-Cast in Stuttgart ist nichts so, wie es scheint ...
Isa hat alle großen Rollen gespielt, die die Musicalbühne zu bieten hat. Nach einem Schicksalsschlag ist sie am Boden zerstört und kann keinen Trost finden. Erst, als sie gebeten wird, auf die Bühne zurückzukehren, kommt wieder Bewegung in ihr eingefrorenes Leben ...

Genre:
Schwer zu sagen. Freundschaft, etwas Drama, Humor und Romanze - vielleicht sogar ein wenig "Krimi" ... Lasst euch überraschen! :)
Jetzt noch das Formale:
Alle Charaktere in dieser Geschichte sind meine Erfindung und ich möchte nicht, dass sie weiterverwendet werden, ohne dass ich gefragt werde.
Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind zum Teil beabsichtigt ... ;) Diese waren aber nur in einigen Punkten die Vorbilder, sie sollen in dieser Fanfiction nicht beschrieben werden. Außerdem gehören alle realen Personen natürlich sich selbst und sind in keinster Weise mit den Inhalten dieser Story in Verbindung zu bringen.
Die vorkommenden Musicals mitsamt ihren Charakteren und (Lied-)Texten gehören nicht mir, sondern ihren großartigen Schöpfern.
Ich verfolge mit dieser Fanfiction keine kommerziellen Interessen, sondern schreibe zu meinem eigenen Vergnügen und möchte damit meinen Lesern so viel Freude bereiten, wie nur möglich.

Den Prolog widme ich meiner großartigen Betaleserin Mandy, die mich ermuntert hat, die Geschichte zu posten und mich so sehr gelobt hat, indem sie schon das nächste Kapitel verlangt hat. Danke, du bist ein Schatz! :)

Und nun wünsche ich euch viel Spaß!






Changed
Wie ich bin

Who can say
if I’ve been changed for the better?
But because I knew you
I have been changed
For Good...


Prolog: Good News

Isa lehnte am Balkongeländer und blickte auf die Stadt, die langsam zur Ruhe kam. Die Sonne versank hinter dem Horizont und hinterließ einen rötlichen Himmel, über den sich der lila Kondensstreifen eines Flugzeugs zog. Die blassen Wolken sahen unwirklich aus, als hätte jemand sie mit einem Pinsel hingetupft. Isa hatte eine Wohnung mit Blick auf die Spree, in der sich der Sonnenuntergang glitzernd spiegelte. Ihre Finger krampften sich um das Geländer. Solch große Schönheit hielt sie jetzt nicht aus. Hastig drehte sie sich um, ging ins Haus und schloss die Balkontüre fest hinter sich.

Stille empfing sie. Eine Stille, die fast mit den Händen greifbar war, drückend und schwer. Nur das leise Ticken einer antiken Kuckucksuhr an der Wand durchbrach sie.
Langsam ließ sich Isa auf das Sofa sinken. Für einen Moment lang hielt sie sich noch aufrecht, doch dann gab ihr Körper unter der Last der vergangenen Wochen nach. Das eigentlich schöne Gesicht mit den großen Augen und dem breiten, geschwungenen Mund fiel in sich zusammen und die Lachfältchen verwandelten sich in die einer trauernden Frau. Mit einem Mal sah sie viel älter aus als die 47 Jahre, die sie eigentlich zählte. Die Presse lobte ihre nicht schwindende Schönheit. Was sie wohl sagen würden, wenn sie mich jetzt sehen könnten?, fragte Isa sich bitter.

Das Telefon in ihrer Hand schien sie vorwurfsvoll anzustarren. Dass sie heute Abend frei hatte, hatte ihre Kollegen nicht davon abgehalten, sie eindringlich aufzufordern, zum täglichen gemeinsamen Essen zu erscheinen. Doch sie konnte nicht. Sie konnte nicht mit ihren Kollegen essen gehen, konnte nicht so tun, als wäre nichts geschehen. Das fiel ihr schon in ihrem Job schwer genug und sie schaffte es nicht, noch länger durchzuhalten, als die ganze Arbeitszeit hindurch.

Sie fühlte sich unruhig, fiebrig. Wann würde sie endlich Nachricht bekommen?
Wie als Antwort auf ihre Gedanken, klingelte ihr Handy. Isa zuckte zusammen und schluckte, als sie die Nummer las. Was würde sie erfahren, wenn sie abhob? Wollte sie es wissen?
Doch sie fasste sich ein Herz, drückte auf den grünen Knopf und meldete sich.
„Isabel Ziyal?“ Die Angst war ihrer Stimme deutlich anzuhören. Eine Weile lauschte sie in den Lautsprecher, dann sprang sie auf.
„Ich bin schon unterwegs!“, schrie sie fast und schlüpfte im selben Atemzug in ihre eleganten, schwarzen Pumps. Sie schnappte sich eine kurze Jeansjacke, da die Nächte selbst jetzt im Juni noch etwas kühl waren, und lief so schnell sie konnte zu ihrem Auto.
Ohne zu registrieren, was sie eigentlich tat, lenkte sie den Wagen in Richtung Chariteplatz. So oft war sie den Weg in letzter Zeit gefahren ... Sie kannte ihn auswendig.

Als sie vor dem großen Gebäude stand, spürte sie ein flaues Gefühl im Magen. Am liebsten wäre sie einfach umgekehrt. Noch ein Schritt und sie würde sich übergeben müssen.
Doch schon straffte sie sich wieder. Sie musste stark sein.
Langsam stieg sie die Treppen hinauf und stieß die hohe Glastür auf. Die Empfangsdame nickte ihr zu, sie kannte Isa bereits. Es roch nach Desinfektionsmittel und Isa fühlte, wie ihr wieder die Galle die Kehle hochstieg, doch sie schluckte hart und marschierte entschlossen Richtung Treppenhaus. Zweiter Stock, links, geradeaus durch eine weitere Glastür und in den linken Gang, das zweite Zimmer auf der rechten Seite. Isa streckte die Hand nach der Klinke aus, als sie bemerkte, dass die Tür nur angelehnt war. Sie hielt inne.

„... wirklich gute Neuigkeiten!“, sprach jemand hinter der Tür.
Isa hielt die Luft an. Gute Neuigkeiten? Hieß das am Ende...? Plötzlich fühlte sie sich viel leichter und hob erneut ihre Hand, um einzutreten, doch in diesem Moment antwortete eine stolze, weibliche Stimme:
„Oh ja, nun ist es für uns beide endlich so weit. Der Arzt sagt, es kann sich nur noch um Tage handeln.“ Die Frau lachte.
Und die Welt erstarrte.
Isa fühlte sich, als wäre sie aus Eis. Die Hand noch immer nach der Klinke ausgestreckt stand sie im Gang und konnte sich nicht mehr bewegen. Alles in ihr schrie danach, in das Zimmer zu eilen und den beiden Personen da drinnen den Hals umzudrehen. Doch ihre Muskeln gehorchten ihr nicht. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie die Tür an.

Da plötzlich drang ein Gedanke zu ihr durch.
Chris!
Sie war wieder Herr ihrer Sinne und ihres Körpers.
Schwungvoll, als wäre sie eben erst angekommen, stieß sie die Türe auf. Hass brodelte in ihr hoch, als sie das Ehepaar erblickte, das nun leicht erschrocken zu ihr herumfuhr. Doch sie setzte ihr professionellstes Lächeln auf und hob an zu sprechen – als ihre Maske wieder zerbrach. Das Bett war weg. Entgeistert starrte sie auf die leere Stelle.

„Wo ist Chris?“, stammelte sie entsetzt. Er konnte doch nicht ... Er war doch noch nicht ...
„Guten Abend, Isabel“, begrüßte die Frau sie nachdrücklich, wie um sie wegen ihrer fehlenden Manieren zu tadeln.
„Hallo, Tanja“, erwiderte Isa ungeduldig. „Wo ist Chris?“
„Der Doktor hielt es für besser, ihn noch einmal zu unter...“
Den Rest des Satzes bekam Isa nicht mehr mit, schon rannte sie über den Gang zum Zimmer von Dr. Haefliger. Auch dieses war ihr mittlerweile bekannt. Ohne anzuklopfen stürzte sie durch die Tür. Missbilligend blickte der Arzt von seiner Arbeit auf.
„Frau Ziyal, ich würde es begrüßen, wenn Sie mich nicht einfach so unterbrechen würden“, predigte er, wie schon so viele Male. Doch Isa bemerkte das gar nicht. Ihr Blick galt dem Mann, der im Bett neben dem Doktor lag und sie nun schwach anlächelte.
„Bella“, wisperte er und sie spürte, wie sehr er sich freute, dass sie da war.

Sie kniete sich neben das Bett und griff nach seiner Hand. Sie fühlte sich papieren und trocken an. Doch nicht nur die Haut an seinen Händen war geschunden, auch sein blasses Gesicht und die eingefallenen Wangen zeugten von seiner Krankheit. Die wuscheligen, blonden Locken waren verschwunden, auf seinem Kopf krauste sich der Flaum, der nach der Chemotherapie wieder nachgewachsen war. Die Decke wölbte sich kaum über seinen gebrechlichen Körper, so zart war er geworden. Chris war nur noch ein Schatten seiner selbst. Isa stiegen die Tränen in die Augen, doch sie drängte sie mit aller Macht zurück. Chris war ihr bester Freund, ihre Schulter zum Anlehnen, stark und immer für sie da, wenn es ihr schlecht ging und nun würde sie das selbe für ihn tun, so schwer es ihr auch fallen mochte.

„Wie geht es dir?“, fragte sie und streichelte seine Finger.
„Könnte nicht besser sein“, antwortete Chris und lächelte matt. Isa konnte es kaum fassen, dass er in einer solchen Situation noch versuchte, witzig zu sein. Wann hatte sie zum letzten Mal sein Lachen gehört? Laut, kräftig und überschwänglich? Es war so lange her ...

„Jetzt bist du ja da. Herr Doktor, was wollten Sie sagen, bevor Bella gekommen ist?“
Dr. Haefliger sah aus, als würde er gerne noch einiges zu Isas Auftauchen bemerken, doch er hielt sich mit sauertöpfischer Miene zurück und erwiderte stattdessen:
„Ja. Wie ich auch Frau Ziyal am Telefon bereits erklärte, haben wir heute Ihre Laborergebnisse bekommen und ...“ Er machte eine verlegene Pause. „Es tut mir sehr leid ... Es ist soweit.“ Wieder eine Pause. „Wir können nichts mehr tun. Nur noch warten.“
Die Worte brauchten eine Weile, bis sie in Isas Gehirn angekommen waren. Sie blinzelte ungläubig.
„Wie bitte?“ Ihre Stimme klang unwirklich, rau und trocken.
„Es tut mir leid“, sagte der Arzt.

***
Meine neue Fanfiction (Achtung Off Topic!):
Changed - Wie ich bin
Zweites Kapitel online!

„Wusch, wusch!“
Mein Oneshot: Dobby erzählt...

Dieser Beitrag wurde bereits 14 mal editiert, zuletzt von »Glinda Arduenna« (24. März 2012, 00:04)


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2

Sonntag, 4. März 2012, 03:09

Prolog: Good News (Teil 2)

Tränen liefen ihr über die Wangen. Wenn es stimmte ... Wenn es wirklich stimmte, fuhr sie den Weg heute vielleicht zum letzten Mal.
Schniefend stieg Isa aus dem Auto. Sofort rann ihr der Regen in den Mantelkragen und sie verfluchte sich, weil sie weder Regenschirm noch Taschentücher mitgenommen hatte. Rasch rannte sie über die Straße, um schnell ins Trockene zu kommen.

„Entschuldigen Sie ... Hätten Sie vielleicht ein Taschentuch für mich?“, fragte Isa die Empfangsdame. Diese musterte sie mitfühlend und reichte ihr gleich eine ganze Packung.
„Vielen Dank“, sagte Isa und fügte trotzig hinzu: „Ich habe nämlich Heuschnupfen.“
Trotzdem spürte sie die mitleidigen Blicke der Schwester im Nacken, als sie die Treppen hinaufstieg.

Chris war in ein Einzelzimmer verlegt worden, damit er seine Ruhe hatte. Leise klopfte Isa an die Tür. Es kam keine Antwort. Vorsichtig drückte sie die Klinke hinunter und schlich in den Raum. Chris lag im Bett und atmete ruhig. Er schlief. Sorgfältig darauf bedacht, keinen Lärm zu machen, stellte sich Isa einen Stuhl ans Bett und setzte sich. Stumm betrachtete sie ihren besten Freund. Niemals hätte sie geglaubt, ihn auf diese Weise zu verlieren. Und vor allem nicht so früh.

Aus einem plötzlichen Impuls heraus streckte sie ihren Arm nach ihm aus und streichelte leicht seine Wange. Sofort schlug er die Augen auf. Als sie erschrocken die Hand zurückziehen wollte, hob er die seine und hielt sie fest. Isa war überrascht, welche Kraft noch in ihm steckte.
„Entschuldige“, sagte sie leise. „Ich wollte dich nicht wecken.“
„Du darfst mich immer wecken“, flüsterte er. „Das weißt du doch.“
Unwillkürlich musste Isa lächeln. Er spielte auf ihre Angewohnheit an, ihre Probleme immer nachts um zwei mit ihm besprechen zu wollen. Und doch wusste sie, dass es ihm nie etwas ausgemacht hatte, denn er liebte sie, genauso wie sie ihn liebte. Er würde sie nie im Stich lassen.

„So gefällst du mir viel besser, Prinzessin. In letzter Zeit lächelst du nie, wenn du bei mir bist.“
Das stimmte. Isa war stets von einem Gefühl der Trauer erfüllt gewesen, wenn sie ihren Freund besucht hatte. Ihn so zu sehen, so schwach, fühlte sich so unwirklich an.
„Entschuldige“, sagte Isa zum zweiten Mal. „Wäre es dir lieber, wenn ich Witze erzählen würde?“
Chris blickte seine beste Freundin nachdenklich an.
„Ja“, sagte er dann. „Ja, das wäre mir tatsächlich lieber.“

Isa glaubte zuerst, er mache sich einen Scherz, doch als sie sah, dass er erwartungsvoll aus seinen Kissen zu ihr aufschaute, wurde ihr bewusst, dass er es durchaus ernst gemeint hatte. Sie wollte ihn nicht enttäuschen.
„Okay. Ähm ...“, überlegte sie. „Sagt der Arzt zum Musical-Sänger: ‚Sie haben nur noch drei Monate zu leben.’ Darauf der Musical-Sänger: ‚Ach du Schreck, wovon denn?’ ...“ Isa verstummte. Es war der einzige Witz, der ihr eingefallen war und sie hatte gesprochen, ohne nachzudenken. Nun war sie erschrocken und geekelt von sich selber. Ihr stiegen die Tränen in die Augen, ohne, dass sie es verhindern konnte.
„Oh, Chris ... Ich ... Es tut mir so leid ...“, schluchzte sie. „Ich habe nicht nachgedacht ...“
Chris, der immer noch ihre Hand festhielt, zog sie zu sich heran.
„Bella ... Bella! Schau mich an!“, befahl er.
Durch einen Tränenschleier versuchte Isa, ihm in die Augen zu sehen.
„Süße, das war früher mein Lieblingswitz und soll ich dir mal was sagen: Ich finde ihn immer noch urkomisch. Vor allem, wenn du ihn erzählst. Du hast dabei immer diesen sarkastischen, trockenen Ton drauf und ich könnte mich kringeln vor Lachen, wenn du nicht gerade weinen würdest.“

Isa war so erstaunt, dass ihre Tränen versiegten.
„Guck mich nicht so an, wie ein Eichhörnchen, wenn’s donnert!“, lachte Chris und zum ersten Mal klang sein Lachen wieder fast wie früher. Isa wurde leicht ums Herz. Vielleicht hatten die Ärzte unrecht. Vielleicht würde Chris doch wieder gesund werden.

Da wurde er wieder ernst.
„Bella ... Ich weiß, wie schwierig das alles für dich ist. Glaub mir, es ist auch für mich nicht leicht gewesen. Aber mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, dass ich sterben werde.“ Er hielt inne und der Schalk blitzte in seinen Augen. „Ich hoffe nur, dass der Tod mit meiner Darstellung zufrieden sein wird.“
Isa konnte nicht anders, sie musste einfach lachen. Das war ihr Chris. Spontan beugte sie sich vor und umarmte ihn. Er erwiderte die Umarmung erstaunlich kräftig.
„Ich hab dich lieb, Prinzessin“, flüsterte er ihr ins Ohr.
„Ich hab dich auch lieb“, wisperte Isa.

Einen Moment lang waren sie sich unendlich nah. Dann schob Chris Isa ein Stück von sich weg.

„Und jetzt erzähl mir noch einen Witz! Einen, den ich noch nicht kenne!“, verlangte er.
„Gibt es da überhaupt einen?“, fragte Isa. „Hm, lass mal überlegen ... Was ist der Unterschied zwischen einem Intendanten und Gott?“
Chris schüttelte nur ratlos den Kopf.
„Gott weiß: Er ist kein Intendant!“, gab Isa die Antwort. Chris lachte los und wollte gar nicht mehr aufhören. Zuerst fand Isa es amüsant, doch irgendwann meinte sie:
„Also, jetzt ist’s aber gut ... Ich meine, so lustig war der Witz jetzt auch wieder ... Chris?!“

Noch während sie gesprochen hatte, hatte sich das Lachen ihres Freundes in ein Husten verwandelt. Erbärmlich keuchend hing er über dem Bettrand und ein dünner Blutfaden klebte an seiner Wange.
Isa sprang auf und hämmerte auf den roten Knopf neben dem Bett. Dann kniete sie bei Chris nieder und hielt ihn fest. Aus ihrer Tasche fischte sie das Päckchen Taschentücher, das ihr die Empfangsschwester geschenkt hatte, und tupfte vorsichtig sein Gesicht ab. Langsam beruhigte sich sein Husten.
„Chris! Ist alles okay?“, fragte Isa ängstlich. Er nickte zur Antwort nur schwach, da stürmte auch schon eine ganze Kolonne in weißen Kitteln herein. Die Arzthelfer begannen sofort, eine Infusion vorzubereiten, während Dr. Haefliger Isa befragte, was passiert sei. Sie versuchte, den Vorfall zu erklären, fühlte sich aber noch so verwirrt, dass sie nur unzusammenhängende Worte herausbrachte. Trotzdem schien der Doktor in etwa zu verstehen, was geschehen war, und wandte sich an Chris.

„Das ist ein schlechtes Zeichen, Herr Döring. Wir werden Ihnen nun etwas geben, damit sie ruhig schlafen können.“
„Nein!“, widersprach Chris überraschend heftig. „Ich will nicht ruhig einschlafen! Ich will wach sein, ich will den Rest meines Lebens genießen, ich will Bella hier haben und mit ihr lachen. Lassen Sie mich in Frieden mit Ihren dämlichen Beruhigungsmitteln!“
„Aber Chris ...“
„Aber Herr Döring!“
„Nein! Gehen Sie weg!“
Beleidigt wandte der Arzt sich um und marschierte mitsamt seinem Gefolge aus dem Zimmer.

Sofort stürzte Isa wieder an sein Bett.
„Chris ...“, begann sie, doch er unterbrach sie mit einer Handbewegung.
„Bitte, halt mir jetzt keine Predigt. Ich will meine letzten Tage mit dir genießen und mich nicht mit dir streiten, Bella.“
Isas Mund klappte zu. Dass er den Tatsachen so nüchtern ins Auge sah, erschreckte sie.
„Bella“, sagte Chris sanft und griff nach ihrer Hand. „Bleib einfach bei mir. Mehr musst du gar nicht tun. Weißt du ... Ich habe schon ein bisschen Angst. Aber wenn du da bist ...“ Er verstummte. Lange schwiegen sie. Dann fragte er zaghaft:
„Bleibst du? Bitte?“
Isa schluckte. Noch nie hatte sie ihn ängstlich erlebt. Dann nickte sie.

Schweigend schauten sie den Regentropfen zu, die an der Scheibe hinunterflossen wie Tränen.

***

Mitten in der Nacht erwachte Isa. Sie fuhr nicht mit einem Schrei aus dem Schlaf hoch oder saß plötzlich aufrecht in ihrem Bett. Sie hatte auch keinen bedeutsamen Alptraum. Sie schlug einfach nur die Augen auf und starrte in die Dunkelheit.

Isa wusste nicht, warum sie es tat, aber sie stand auf, schlüpfte in Hose und T-Shirt und machte sich auf den Weg in die Klinik. Selbst nachts war in Berlin immer viel Verkehr und sie musste sich konzentrieren, damit sie keinen der Fußgänger überfuhr, die einfach über die Straße rannten.
Die Nachtschwester winkte ihr zu, als Isa vorbeieilte, ihr Gesicht wirkte im fahlen Licht grau und tot. Isa schauderte.

In Chris’ Zimmer war es still. Doch als Isa hereinschlich, sah sie, dass seine Augen weit offen standen. Sie griff nach seiner Hand und flüsterte seinen Namen.
„Bella“, murmelte er, ohne sie anzusehen. „Bella, bist du da?“
„Ja“, sagte sie leise. „Keine Angst, ich bin bei dir.“

Und obwohl Isa wusste, dass es nun so weit war, fühlte sie sich völlig ruhig. Sie war bei ihrem Freund, sie würde ihn auf seinem Weg begleiten, so lange sie konnte und sie würde stark sein, für ihn.

***



Ich hoffe, es hat euch gefallen und ihr seid jetzt nicht zu traurig. Die nächsten Kapitel werden nicht so depressiv (und hoffentlich auch ein bisschen lustig) sein, versprochen.

Bitte schreibt mir doch, wie ihr den Prolog fandet und ob euch auch die restliche Geschichte interessieren würde. Wie schon gesagt, ich bin keinem böse, der damit nichts anfangen kann.

Liebe Grüße,
eure Glinda
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„Wusch, wusch!“
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Dieser Beitrag wurde bereits 9 mal editiert, zuletzt von »Glinda Arduenna« (23. März 2012, 04:32)


3

Sonntag, 4. März 2012, 11:27

Hi Glinda,

also dafür, dass ich ja wie gesagt eigentlich nicht so der Musical-Typ bin, gefällt mir der Prolog recht gut! =)
Die Überschrift gefällt mir, so ironisch... Bei Good News dachte ich so: "Ja, fängt gleich mal positiv an" und dann... ;(
Das Kapitel war in der Tat ziemlich traurig und die beiden letzten Sätze waren so ... endgültig:

Zitat

Original von Glinda Arduenna
Und obwohl Isa wusste, dass es nun so weit war, fühlte sie sich völlig ruhig.
Sie war bei ihrem Freund, sie würde ihn auf seinem Weg begleiten, so lange sie konnte und sie würde stark sein, für ihn.

Als Prolog-Ende finde ich das richtig schön. :( Da dachte ich gerade so: "Ach du Sch****" und dann: Ende des Prologs. "Mist."

Ich bin schon gespannt, wie sich die Charaktere (weiter-)entwickeln, es kommen ja auch noch ein paar dazu!
Also, mich würde es freuen, wenn du die Geschichte weiterschreiben und reinstellen würdest! :)

LG Lupa

ozoil

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4

Sonntag, 4. März 2012, 13:38

Hallo Glinda,

eigentlich bin ich nicht so am Wasser gebaut. Aber jetzt brauchte ich erst eine Weile, bis ich in die Tasten hauen konnte, ich brauchte auch ein Taschentuch!
Diese Gefühlswelt von Isa beschreibst du fantastisch.
Ihre Sorgen und Ängste um Chris, der ihr noch viel mehr bedeutet als sie bisher dachte. So hab ich das herausgelesen.
Der Schluss des Prologs ist hart. Aber so ist das Leben.
Man wird geboren und irgendwann muss man gehen.
Ich würde es begrüßen, wenn du weiter schreibst. Deine Art zu schreiben mag ich so und die anderen Charaktere sind sicher genauso interessant!

Weiter so!
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grit

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5

Sonntag, 4. März 2012, 14:32

Noch eine klitzekleine Frage ganz am Rande: Wieso nennst du das Ganze eigentlich Fanfiction? ?(
Es sind doch deine eigenen Charaktere, die Story ist ebenfalls deine eigene, du führst doch keine bestehende Geschichte weiter.

Der Anfang regt auf jeden Fall zum Weiterlesen an.
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Viel Spaß beim Lesen!

6

Sonntag, 4. März 2012, 17:08

Hey du!

Das is unfair, mit Wicked-Songs kriegt man mich immer! Aber Spaß beiseite, der Prolog gefällt mir richtig gut! Ich bin total gespannt, wie sich die Story weiterentwickelt. Dein Einstieg ist wirklich fabelhaft, du stellst Isa sehr gut vor, man kann sich gut in ihre Verzweiflung hinein versetzen und leidet regelrecht mit ihr mit!
ich bin jedenfalls froh, dass du dich entschlossen hast, die Geschichte zu posten & dass ich auch drauf gestoßen bin und ich hoffe, dass du uns auch weiter daran teilhaben lässt! =)

Ich hab nur eine klitzekleine Anmerkung...^^ Is auch nich böse gemeint, aber manchmal bin ich halt hoffnungslos perfektionistisch, deswegen nimm's mir nich krumm, bitte^^ Aber mir is aufgefallen, dass du wörtliche Rede immer mit'nem Punkt abschließt, also z.B. hier: „Ich hab dich auch lieb.“, wisperte Isa.
Da muss der Punkt nach dem lieb weg, weil du den Satz mit dem Komma ja weiterführst^^ Aber das is nur'ne kleine Nebensächlichkeit und nich weiter schlimm^^

Also wie gesagt, ich bin schon echt gespannt, wie's weiter geht (und die Idee'ne Musical Geschichte zu schreiben find ich übrigens total super!)
Could you be a little more dramatic, please?


His eyes feasted on her,
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and that would be enough.

Glinda Arduenna

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7

Montag, 5. März 2012, 23:58

Hallo ihr Lieben!

Wow! 8o :]
Ich bin wirklich baff. Dass sich nach so kurzer Zeit schon so viele meinen Prolog angeschaut haben und dass ich dann auch noch so liebe und positive Rückmeldungen bekomme, freut mich wirklich riesig! Ich habs ja immer gewusst: Ihr seid die Besten! --knuddel--

@ Lupa:
Der Song "Good News" ist aus dem Musical "Wicked" und ist dort auch ironisch zu sehen. Denn in diesem Lied feiern Glinda die Gute und das Volk von Oz der Tod der Bösen Hexe des Westens - im Verlauf der folgenden Rückblende merkt man aber, dass diese gar nicht böse und zudem auch noch Glindas beste Freundin war. Für sie sind es also wahrhaftig keine guten Neuigkeiten... :( Freut mich sehr, dass die Ironie, die ich damit zum Ausdruck bringen wollte, auch ankam. Das Musical selbst wird noch eine Rolle spielen und wer es kennt, könnte eventuell ein paar Parallelen entdecken... *scheinheilig summ* Aber nicht nur, hoffentlich!
Dass dir das Ende gefällt, freut mich sehr, denn an diesem kurzen Absatz saß ich wirklich Ewigkeiten. ;)

@ ozoil:
Das klingt jetzt wahrscheinlich komisch, aber es freut mich, dass du weinen musstest. Das heißt nämlich, dass ich die Atmosphäre so rüberbringen konnte, wie ich wollte.
Isa ist am Boden zerstört. Chris ist ihr bester Freund, der immer für sie da war, egal wie furchtbar es ihr ging, den sie zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen konnte und der alle guten und schlechten Seiten des Lebens mit ihr geteilt hat... und nun muss sie zusehen, wie er stirbt. Es ist eine unglaublich schwere Situation für sie, weil sie sich einerseits richtig schlecht fühlt, andererseits aber für Chris die Starke spielen will. Natürlich merkt man oft erst dann, wie viel einem jemand bedeutet, wenn man ihn verliert.

@ grit:
Eigentlich hast du recht... Hm, kann es nicht genau erklären. Vielleicht, weil es eben doch ein paar Parallelen zu "Wicked" gibt, vielleicht auch, weil meine Charaktere zum Teil lebendige Vorbilder haben.
Danke für dein Lob! :)

@ Blümchen:
Wenn du dafür meine FF liest und mich dann auch noch so sehr lobst, bin ich gerne unfair. ;)
Ich nehme keinem irgendwelche Kritik krumm, solange sie konstruktiv geäußert wird und da ich auch hoffnungslos perfektionistisch bin, bin ich für solche Verbesserungen immer dankbar. Habe den Prolog komplett durchgeschaut und hoffentlich alle Punkte erwischt. Darf man Ausrufezeichen dann eigentlich machen? Bin ja eigentlich ganz fit in Rechtschreibung, aber einiges habe ich halt doch vergessen.
Die Idee einer Musicalgeschichte ist ja nicht von mir, aber ich fand sie auch so gut, dass ich es natürlich gleich selber versuchen musste. ;)

Also, ich kann es gar nicht oft genug sagen: Ich freue mich riesig über euer Feedback! :)

Die Geschichte ist schon ziemlich durchgeplant und ich hoffe, es diesmal auch durchziehen zu können, mal eine längere Story zu Ende zu schreiben (habe ich bisher noch nie geschafft). So lange hier irgendjemand noch mitliest, werde ich mich auf jeden Fall bemühen!
Mein erstes Kapitel ist schon fertig und bei meiner Beta. ;) Ein bisschen kann es allerdings immer dauern, da wir beide z.Z. sehr im Stress sind - sie mit Klausuren und ich mit Hausarbeiten. Hoffentlich kann ich eure Erwartungen dennoch erfüllen... *duck* :D

Ganz liebe Grüße,
eure glücklich rumhüpfende Glinda
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„Wusch, wusch!“
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Glinda Arduenna« (6. März 2012, 00:00)


8

Dienstag, 6. März 2012, 18:09

Also meines Wissens (das ich jetz nich als vollständig bezeichnen würde^^), darf man Ausrufungszeichen machen, weil's halt ja'n Ausruf ist^^ 'n Fragezeichen macht man ja auch trotzdem^^ Wenn sich jemand findet, der fitter bei Satzzeichen is, darf er mich auch gern korrigieren, weil da hab ich auch immer mal wieder so meine Schwierigkeiten^^
Aber freut mich, dass du das gleich umgesetzt hast & dass ich dir behilflich sein konnte =)
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9

Dienstag, 6. März 2012, 19:10

Ist richtig so, Punkt wird keiner gesetzt, Sonderzeichen dagegen schon.
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Viel Spaß beim Lesen!

Glinda Arduenna

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10

Dienstag, 6. März 2012, 21:49

Okay, super, danke ihr beiden! :) Merk ich mir gleich mal für die nächsten Teile.
Grüßle,
Glinda
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11

Mittwoch, 7. März 2012, 21:31

Hey Glinda,

ich hatte mich ja schon im FF-Cafe angekündigt, aber bevor ich zu meinem eigentlichen Kommentar komme, noch schnell ein paar Standardsätze - von mir auch liebevoll Einleitungs-Blah genannt – vorweg.
Zum einen gilt mein Kommentar und die darin enthaltene Kritik ganz allein deiner Geschichte und nicht deiner Person. Ich bitte dich daher, sie nicht persönlich zu nehmen. Zum anderen werde ich auch hier und dort Sachen anmerken, die unter die Rubrik Geschmackssache fallen und Geschmäcker sind nun mal verschieden, so wie es die Menschen auch sind. Such dir also einfach die Dinge raus, die dir bei deiner Geschichte und deinem eigenen Schreibstil (denn diesen gilt es trotz aller Kritik zu bewahren) weiterhelfen und ignoriere den Rest einfach.
Und zu guter Letzt: Es ist ganz natürlich das meine Kritikpunkte immer mehr Platz in Anspruch nehmen als mein Lob, obwohl es wesentlich mehr zu loben gäbe, als zu kritisieren. ;)

So nun aber genug des Einleitungs-Blahs.

Zitat

Isa lehnte am Balkongeländer und blickte auf die Stadt, die langsam zur Ruhe kam. Die Sonne versank hinter dem Horizont und hinterließ einen rötlichen Himmel, über den sich der lila Kondensstreifen eines Flugzeugs zog.

Gleich im ersten Absatz muss ich eine Sache anmerken, die eher unter den Punkt Geschmackssache fällt: Ich persönlich mag es eher weniger, wenn eine Geschichte mit einer Orts- oder Wetter –oder Tagesbeschreibung beginnt, denn es erzeugt keine Frage, keine Spannung, die mich in die Geschichte reinzieht und zum Weiterlesen animieren. Die ersten Sätze sind immer das Aushängeschild deiner Geschichte und entscheiden darüber, ob der Leser weiterliest oder nicht. Wenn man schreibt „Sie rannte durch den Wald“ frage ich mich, warum sie rennt und ob sie vor etwas davon läuft?“Wenn man schreibt „Endlich war es so weit“, dann frag ich mich als Leser, worauf der Protagonist so dringend gewartet hat. Wenn man jedoch über das Tageszeit schreibt, dann sagt man eben nur etwas über den Stand der Sonne aus.

Zitat

Die blassen Wolken sahen unwirklich aus, als hätte jemand sie mit einem Pinsel hingetupft.

Eine sehr schöne Beschreibung.

Zitat

Isa hatte eine Wohnung mit Blick auf die Spree, in der sich der Himmel glitzernd spiegelte.

Wortwiederholung: Himmel (siehe zwei Sätze zuvor: vielleicht Firmament)

Zitat

Solch große Schönheit hielt sie jetzt nicht aus. Hastig drehte sie sich um, ging ins Haus und schloss die Balkontüre fest hinter sich.

Geschmackssache: Ich finde, hier solltest du etwas mehr mit Gesten und Mimik arbeiten, a la: „Ihre Finger verkrampften sich um das Geländer. Solch große Schönheit“ … oder „Instinktiv schloss sie die Augen. Solch große Schönheit …“

Zitat

Stille empfing sie. Es war eine Stille, die mit den Händen greifbar war, drückend und schwer. Nur das leise Ticken einer antiken Kuckucksuhr an der Wand durchbrach sie.

1. Einmal mehr generiest du eine sehr schön, fast schon schmerzliche, Atmosphäre.
2. Wortwiederholung: war (Verbesserungsvorschlag: Da du die Wiederholung von Stille als Stilmittel einsetzt, könntest du auch einfach: Stille empfing sie. Eine Stille, die fast mit den Händen greifbar war. (ich würde das „fast“ hier deswegen einfügen, weil Stille nun einmal nicht greifbar ist.)

Zitat

Für einen Moment lang hielt sie sich noch aufrecht, dann sackte sie zusammen. Das eigentlich schöne Gesicht mit den großen Augen und dem breiten, geschwungenen Mund fiel in sich zusammen und die Lachfältchen verwandelten sich in die einer trauernden Frau.

Wortwiederholung: zusammen (Verbesserungsvorschlag: Für einen Moment lang hielt sie sich noch aufrecht, doch dann gab ihr Körper der Last der vergangenen Wochen nach.)

Zitat

Das Telefon in ihrer Hand schien sie vorwurfsvoll anzustarren. Dass sie heute Abend frei hatte, hatte ihre Kollegen nicht davon abgehalten, sie eindringlich aufzufordern, zum täglichen gemeinsamen Essen zu erscheinen. Doch sie konnte nicht. Sie konnte nicht mit ihren Kollegen essen gehen, konnte nicht so tun, als wäre nichts geschehen. Das fiel ihr schon in ihrem Job schwer genug und sie schaffte es nicht, noch länger durchzuhalten, als die ganze Arbeitszeit hindurch.

Ich finde, an dieser Stelle kommt besonders gut die Frau am Rande der Erschöpfung heraus, ohne dass du das Wort an sich auch nur erwähnst. Einfach nur durch die Beschreibung. Sehr schön.

Zitat

Sie fühlte sich unruhig, fiebrig. Wann würde sie endlich Nachricht bekommen?
Wie als Antwort auf ihre Gedanken, klingelte ihr Handy. Isa zuckte zusammen und schluckte, als sie die Nummer las. Was würde sie erfahren, wenn sie abhob? Wollte sie es wissen?
Doch sie fasste sich ein Herz, drückte auf den grünen Knopf und meldete sich.

Auch hier denke ich, dass du den Umschwung von Zögern auf „ich melde mich doch“, durch Körpersprache untermauern solltest. Es mag zwar zuerst etwas übertrieben wirken, aber was beim Gesangstraining die überdeutliche Aussprache ist, ist beim Schreiben, die Intensivierung der Körpersprache.

Zitat

Sie schnappte sich eine kurze Jeansjacke, da die Nächte selbst jetzt im Juni noch etwas kühl waren und war schon auf dem Weg zu ihrem Auto. Ohne zu registrieren, was sie eigentlich tat, lenkte sie den Wagen in Richtung Chariteplatz. So oft war sie den Weg in letzter Zeit gefahren...

1. Hinter „waren“ müsste ein Komma stehen, da der Satz „da die Nächte selbst jetzt im Juni noch etwas kühl waren“ eingeschoben worden ist.
2. Wortwiederholung: war/waren

Zitat

Als sie vor dem großen Gebäude stand, spürte sie ein flaues Gefühl im Magen. Am liebsten wäre sie einfach umgekehrt. Noch ein Schritt und sie würde sich übergeben müssen.
Doch nein! Sie musste stark sein.

Hmh … also irgendwie liest sich dieses „doch nein“ sehr eigenartig, es wirkt so übertrieben theatralisch auf mich, dass es zum Rest der echten und vor allem gefühlvollen Geschichte nicht so wirklich passen will. Vielleicht solltest du an dieser Stelle etwas mehr mit Gesten zu arbeiten. (Tut mir Leid, dass ich innerhalb kürzester Zeit immer wieder in die gleiche Kerbe schlage)

Zitat

Langsam schritt sie die Treppen hinauf und stieß die hohe Glastüre auf.

1. Wortwiederholung: Schritt (siehe drei Sätze zuvor, vielleicht „stieg“
2. Glastüre? Oder nicht eher Glastür?

Zitat

Es roch nach Desinfektionsmittel und Isa fühlte, wie ihr wieder die Galle die Kehle hochstieg, doch sie schluckte hart und marschierte entschlossen Richtung Treppenhaus. Zweiter Stock, links, geradeaus durch eine weitere Glastür und in den linken Gang, das zweite Zimmer auf der rechten Seite. Isa streckte die Hand nach der Klinke aus, als sie bemerkte, dass die Tür nur angelehnt war. Sie hielt inne.

Mir gefällt diese eher starre, fast schon mechanische anmutende, Beschreibung wohin Isa geht, weil es mir suggeriert, dass sie gerade wie ferngesteuert handelt. Sehr schön.

Zitat

Plötzlich fühlte sie sich viel leichter und hob erneut ihre Hand, um einzutreten, doch in diesem Moment antwortete eine stolze, weibliche Stimme.
„Oh ja, nun ist es für uns beide endlich so weit.

Hinter „Stimme“ müsste ein Doppelpunkt stehen, da eine wörtliche Rede eingeleitet wird.

Zitat

Hass brodelte in ihr empor, als sie das Ehepaar erblickte, das nun leicht erschrocken zu ihr herumfuhr.

Hmh… heißt es wirklich empor brodeln oder nicht doch eher hoch brodeln?

Zitat

Doch sie setzte ihr professionellstes Lächeln auf und hob an zu sprechen – als ihr die Maske wieder vom Gesicht fiel.

Ist jetzt wieder eine Geschmackssache, aber ich finde eine zerbrechende Maske irgendwie schöner als eine vom Gesicht fallende.

Zitat

„Wo ist Chris?“, stammelte sie entsetzt hervor.

Hmh … also vom Gefühl her würde ich entweder „stammelte sie entsetzt“ oder „stieß sie entsetzt hervor“ schreiben.

Zitat

Er konnte doch nicht... Er war doch noch nicht...

Mir wurde kürzlich gesagt, dass die Auslassungspunkte nur bei nicht beendeten Wörtern direkt am Wort stehen. Ist das Wort beendet, so muss zwischen dem Wort und den Auslassungspunkten ein Leerzeichen stehen also:
Er konnte doch nicht ... Er war doch noch nicht ...


Zitat

Den Rest des Satzes bekam Isa nicht mehr mit, schon war sie auf dem Gang und eilte zum Zimmer von Dr. Haefliger. Auch dieses war ihr mittlerweile bekannt.

Wortwiederholung: war

Zitat

Sie kniete sich neben das Bett und griff nach seiner Hand. Die Haut fühlte sich papieren und trocken an. Doch nicht nur die Haut an seinen Händen war geschunden, auch sein Gesicht war blass, die Wangen eingefallen.

1. Wortwiederholung: Hand, Haut, war
2. Ich mag diese Wortkreation „papieren“. Es hat so einen ganz eigenen Charme.

Zitat

Seine wuscheligen, blonden Locken waren verschwunden, auf seinem Kopf krauste sich der Flaum, der nach der Chemotherapie wieder nachgewachsen war. Die Decke wölbte sich kaum über seinen gebrechlichen Körper, so zart war er geworden. Chris war nur noch ein Schatten seiner selbst. Isa stiegen die Tränen in die Augen, doch sie drängte sie mit aller Macht zurück. Chris war ihr bester Freund. Er war stark und immer für sie da gewesen, wenn es ihr schlecht gegangen war und nun würde sie das selbe für ihn tun, so schwer es ihr auch fallen mochte.

1. Das Gefühl, die Freundschaft aber auch der Schmerz, den du in diesem Absatz vermittelst, fand ich unglaublich berührend.
2. Wortwiederholung: war


Zitat

„Wie geht es dir?“, fragte sie und streichelte seine Finger.
„Könnte nicht besser sein“, antwortete Chris und lächelte matt. Isa konnte es kaum fassen, dass er in einer solchen Situation noch versuchte, witzig zu sein. Wann hatte sie zum letzten Mal sein Lachen gehört? Laut, kräftig und überschwänglich? Es war so lange her...

Einmal mehr ein unglaublich intensiver, gefühlvoller Absatz.


Zitat

„Jetzt bist du ja da. Herr Doktor, was wollten Sie sagen, bevor Bella gekommen ist?“
Dr. Haefliger sah aus, als würde er gerne noch einiges zu Isas Auftauchen bemerken, doch er hielt sich mit sauertöpfischer Miene zurück und sagte stattdessen:
„Ja. Wie ich auch Frau Ziyal am Telefon bereits sagte, haben wir heute Ihre Laborergebnisse bekommen und...“ Er machte eine verlegene Pause.

1. Wortwiederholung: sagte (vielleicht mal erwiderte, entgegnete, erklärte, sprach, erzählte einsetzen)
2. Der Doktor wirkt auf mich eigenartig. Vor allem sein plötzlicher Umschwung von sauertöpfisch auf verlegen, finde ich unglaubwürdig, zumal er als Onkologe schon dem ein oder anderen Patienten diese schlechteNachricht überbracht haben sollte. Ich glaube auch, dass Ärzte solche Dinge auch schon während ihrer Studiums üben, von daher sollte er – so hart es auch klingt- eine gewisse Rutine haben.

Zitat

„Es tut mir sehr leid... Es ist soweit.“ Wieder eine Pause. „Wir können nichts mehr tun. Nur noch warten.“
Die Worte brauchten eine Weile, bis sie in Isas Gehirn angekommen waren. Sie blinzelte ungläubig.
„Wie bitte?“ Ihre Stimme klang unwirklich, rau und trocken.
„Es tut mir leid“, sagte der Arzt.

1. Leerzeichen zwischen leid und den Auslassungspunkten
2. Einmal mehr ein sehr starker Absatz

Zitat

Tränen liefen ihr über die Wangen. Wenn es stimmte...

Leerzeichen vor Auslassungspunkte

Zitat

Wenn es wirklich stimmte, fuhr sie den Weg heute vielleicht zum letzten Mal.

Diese Stelle finde ich etwas verwirrend, warum denkt Isa, dass sie den Weg heute vielleicht zum letzten Mal gefahren ist?Auch wenn ich wenig Ahnung von Krebs und Chemo an sich habe, aber normalerweise würde ich erwarten und kenne es auch so, dass einen noch der eine oder andere Tag, nach dem Abbruch der Ärztlichen Behandlung bleibt, ehe man stirbt, und das ist ja auch bei Chris der Fall. Wieso also dieses „zum letzten Mal“? *verwirrt bin*

Zitat

Sorgfältig darauf bedacht, keinen Lärm zu machen, stellte sich Isa einen Stuhl ans Bett und setzte sich daneben.

Hmh … Für mich liest sich das jetzt so, als ob sie sich neben dem Stuhl auf den Boden setzt. Vielleicht anstelle des daneben „darauf“ schreiben.

Zitat

Aus einem plötzlichen Impuls heraus streckte sie die Hand nach ihm aus und streichelte leicht seine Wange. Sofort schlug er die Augen auf. Als sie erschrocken die Hand zurückziehen wollte, hob er die seine und hielt sie fest.

Wortwiederholung: Hand

Zitat

„Du darfst mich immer wecken“, flüsterte er. „Das weißt du doch.“

Einmal mehr Taschentuch-Feeling.

Zitat

Und doch wusste sie, dass es ihm nie etwas ausgemacht hatte, denn er liebte sie, genauso wie sie ihn liebte. Er würde sie nie im Stich lassen.

An dieser Stelle hier gehst du wirklich an die Schmerzgrenze, da man ja weiß, dass auch wenn er sie nie im Stich lassen würde, das Schicksal ihn dazu zwingen wird. Sehr traurig, sehr berührend, sehr schön.


Zitat

„So gefällst du mir viel besser, Prinzessin. In letzter Zeit lächelst du nie, wenn du bei mir bist.“

Ich muss ganz ehrlich sagen, Prinzessin gefällt mir tausend mal besser als Bella (das ist so negativ vorbelastet*schaudernd an glitzernde Vampire denk*).

Zitat

Isa war stets von einem Gefühl der Trauer erfüllt gewesen, wenn sie ihren Freund besucht hatte. Ihn so zu sehen, so schwach, war für sie ein unwirkliches Szenario.

Wortwiederholung: war

Zitat

Chris sah seine beste Freundin nachdenklich an. „Ja“, sagte er dann. „Ja, das wäre mir tatsächlich lieber.“ Isa glaubte zuerst, er mache sich einen Scherz, doch als sie sah

Wortwiederholung: sah (vielleicht anstelle des zweiten „sah“s erkannte schreiben).


Zitat

„Okay. Ähm...“, machte sie.

Also irgendwie finde ich, dass das „machte“ an dieser Stelle zu sehr nach Umgangssprache klingt, vielleicht „grübelte“?

Zitat

Isa war so erstaunt, dass ihre Tränen versiegten.
„Guck mich nicht so an, wie ein Eichhörnchen, wenn’s donnert!“, lachte Chris und zum ersten Mal war sein Lachen wieder fast wie früher.

Wortwiederholung: war (vielleicht klang anstelle das zweiten „wars“.

Zitat

„Bella... Ich weiß, wie schwierig das alles für dich ist. Glaub mir, es ist auch für mich nicht leicht gewesen. Aber mittlerweile habe ich mich damit abgefunden, dass ich sterben werde.“ Er hielt inne und der Schalk blitzte in seinen Augen. „Ich hoffe nur, dass der Tod mit meiner Darstellung zufrieden sein wird.“

Einmal mehr: wunderschön traurig.


Zitat

„Hm, lass mal überlegen...

Leerzeichen vor Auslassungspunkte.

Zitat

„Also, jetzt ist’s aber gut... Ich meine, so lustig war der Witz jetzt auch wieder... Chris?!“

Leerzeichen vor Auslassungspunkte.

Zitat

Sie versuchte, den Vorfall zu erklären, war aber noch so durcheinander, dass sie nur unzusammenhängende Worte herausbrachte. Trotzdem schien der Doktor in etwa zu verstehen, was geschehen war und wandte sich an Chris.

1. Wortwiederholung: war
2. Vom Gefühl her würde ich nach dem zweiten war ein Komma setzen, das „was geschehen war“ eher ein eingeschobener Satz ist.

Zitat

Beleidigt wandte der Arzt sich um und marschierte mitsamt seinem Gefolge aus dem Zimmer.

Ganz ehrlich, das Benehmen des Arztes halte ich für unrealistisch, vor allem da dieses beleidigt sein, eher nach trotzigem Kleinkind als nach Arzt klingt.

Zitat

„Chris...“, begann sie, doch er unterbrach sie mit einer Handbewegung.

Leerzeichen vor Auslassungspunkte.

Zitat

„Bleib einfach bei mir. Mehr musst du gar nicht tun. Weißt du... Ich habe schon ein bisschen Angst. Aber wenn du da bist...“ Er verstummte.

Vor lauter Gefühlsduselei hätte ich fast vergessen zu erwähnen, dass vor den Auslassungspunkten ein Leerzeichen kommt. ;)

Zitat

Schweigend schauten sie den Regentropfen zu, die an der Scheibe hinunterflossen wie Tränen.

Ein sehr schöner Vergleich.

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
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Plumbum

Animagus

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12

Mittwoch, 7. März 2012, 21:33

Okay ich schreibe definitiv zu viel ...

Zitat

Mitten in der Nacht erwachte Isa. Sie fuhr nicht mit einem Schrei aus dem Schlaf hoch oder saß plötzlich aufrecht in ihrem Bett. Sie hatte auch keinen bedeutsamen Alptraum. Sie schlug einfach nur die Augen auf und starrte in die Dunkelheit.
Isa wusste nicht, warum sie es tat, aber sie stand auf, schlüpfte in Hose und T-Shirt und machte sich auf den Weg in die Klinik.

Einerseits irgendwie unheimlich mit diesem Aufwachen, andererseits aber auch eine unheimlich gut getroffenes Szenario.

Zitat

In Chris’ Zimmer war es still. Doch als Isa hereinschlich, sah sie, dass seine Augen weit offen standen. Sie griff nach seiner Hand und flüsterte seinen Namen.
„Bella“, murmelte er, ohne sie anzusehen. „Bella, bist du da?“
„Ja“, sagte sie leise. „Keine Angst, ich bin bei dir.“

Und obwohl Isa wusste, dass es nun so weit war, fühlte sie sich völlig ruhig. Sie war bei ihrem Freund, sie würde ihn auf seinem Weg begleiten, so lange sie konnte und sie würde stark sein, für ihn.

1. Wortwiederholung: war
2. … wenn ich ein Klischee bedienen müsste, würde ich jetzt sagen, dass mir eine einzelne Träne mir über das Gesicht rinnt. Starkes Ende!


Fazit: Nun mal Butter bei de Fische …
Rechtschreibung war top, Kommasetzung eigentlich auch, lediglich bei den „war“ solltest du mal schauen, ob du diese nicht durch andere Worte ersetzen kannst.
Storymäßig und vom Erzählstil an sich hat mir deine Geschichte wirklich sehr gut gefallen, denn dir ist es wirklich hervorragend gelungen dieses Thema „Krankheit und langsamer Abschied“ berührend zu beschreiben ohne dabei in den Kitsch und das Klischee abzurutschen (was nicht vielen gelingt).
Die Freundschaft zwischen Isa und Chris wirkt auf mich echt, gefühlvoll, still und doch stark, und alles im allem so harmonisch, dass das Wissen, dass diese Harmonie aufgrund von Chris Krankheit ein Ende nehmen wird mich als Leser wirklich traurig gemacht hat.
Der einzige Charakter, der mir überhaupt gar nicht gefallen hat (und das nicht im Sinne von unsympathisch, sondern unrealistisch), war der Arzt. Er ist sauertöpfisch, verlegen, beleidigt. Alles im allen würde ich mir einen etwas erwachsener anmutenden Onkologen wünschen, der schon einige Patienten behandelt hat, und dem man dieses Wissen auch anmerkt. Er muss deswegen nicht zum liebenswürdigen Menschen mutieren, kann auch Chris knallhart die Fakten ins Gesicht sagen, wenn er sich nicht betäuben lässt, etc. … nur sollte er halt nicht ganz so …nun ja … kindisch rüberkommen.

So, dass war's auch schon von mir.

Viele liebe Grüße und ein --knuddel--

Plumbum =)

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
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Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Plumbum« (7. März 2012, 21:46)


Glinda Arduenna

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13

Donnerstag, 8. März 2012, 02:08

Hi Plumbümchen,

zuerst einmal ganz lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich finde nicht, dass du zu viel schreibst. Es freut mich sehr, dass du dir so viel Zeit genommen hast, dich mit meinem Prolog auseinander zu setzen.

Zum „Einleitungs-Blah“: Haben wir ja schon ziemlich geklärt. Ich nehme keine Kritik persönlich, außer, sie ist persönlich formuliert. :)

Ach ja, dazu fällt mir gleich mal ein: Wenn ich jetzt deinen Kommentar kommentiere, dann sollen das keine „Rechtfertigungen“ oder sowas sein. Ich möchte manchmal nur erklären, was ich mir dabei gedacht habe. ;)

Zum Beispiel beim ersten:

Zitat

Gleich im ersten Absatz muss ich eine Sache anmerken, die eher unter den Punkt Geschmackssache fällt: Ich persönlich mag es eher weniger, wenn eine Geschichte mit einer Orts- oder Wetter –oder Tagesbeschreibung beginnt, denn es erzeugt keine Frage, keine Spannung, die mich in die Geschichte reinzieht und zum Weiterlesen animieren.
Ich hatte, als ich mit dem Prolog begonnen habe, dieses Bild im Kopf. Eine Frau auf dem Balkon vor einem absolut kitschigen Sonnenuntergang. War einfach so.
Ich finde, man kann mit dem Wetter schöne Atmosphären erzeugen, deswegen mache ich mir immer viele Gedanken drum. Aber du hast natürlich recht – besonders spannend ist es nicht. Vielleicht sollte ich mir in Zukunft zumindest für meine Einstiege etwas anderes überlegen. ;)

Zitat

Geschmackssache: Ich finde, hier solltest du etwas mehr mit Gesten und Mimik arbeiten, a la: „Ihre Finger verkrampften sich um das Geländer. Solch große Schönheit“ … oder „Instinktiv schloss sie die Augen. Solch große Schönheit …“
Stimmt, da hast du recht. Das mit den Fingern gefällt mir. Hm, bin grad am Überlegen, ob ich das nicht sogar noch einfügen sollte ...

Zitat

(ich würde das „fast“ hier deswegen einfügen, weil Stille nun einmal nicht greifbar ist.)
Okaaay – stimmt. :D

Zitat

Ich finde, an dieser Stelle kommt besonders gut die Frau am Rande der Erschöpfung heraus, ohne dass du das Wort an sich auch nur erwähnst. Einfach nur durch die Beschreibung. Sehr schön.
Danke! :) Ursprünglich wollte ich Isa ja nur ein Burn-Out andichten ... aber dann hat auf einmal das Telefon geklingelt?! Ich konnte gar nichts dagegen machen! 8o Den Rest vom Prolog habe ich wie in Trance geschrieben, wusste gar nicht, wie mir geschieht. Als ich das dann später nochmal durchgelesen habe, waren Sätze dabei, an die ich mich überhaupt nicht erinnern konnte ... Das ist mir noch nie passiert.

Zitat

Auch hier denke ich, dass du den Umschwung von Zögern auf „ich melde mich doch“, durch Körpersprache untermauern solltest. Es mag zwar zuerst etwas übertrieben wirken, aber was beim Gesangstraining die überdeutliche Aussprache ist, ist beim Schreiben, die Intensivierung der Körpersprache.
Jetzt, wo du mir das gesagt hast, ist mir aufgefallen, dass ich im Allgemeinen wenig Mimik und Gestik beschreibe. Da werde ich mal mehr darauf achten.

Zitat

Hmh … also irgendwie liest sich dieses „doch nein“ sehr eigenartig, es wirkt so übertrieben theatralisch auf mich, dass es zum Rest der echten und vor allem gefühlvollen Geschichte nicht so wirklich passen will.
Hm, ich hab es nicht als so schlimm theatralisch empfunden ... eher so, als würde Isa sich noch einmal straffen, einmal Mut zureden, bevor sie die Klinik betritt. Da fällt mir auf – das mit dem Straffen hätte ich natürlich auch schreiben können ...

Zitat

Vielleicht solltest du an dieser Stelle etwas mehr mit Gesten zu arbeiten. (Tut mir Leid, dass ich innerhalb kürzester Zeit immer wieder in die gleiche Kerbe schlage)
Macht nichts, du hast ja recht. ;)

Zitat

Glastüre? Oder nicht eher Glastür?
Keine Ahnung, bin ich mir – genau wie bei „Haar“ und „Haare“ – nie sicher.

Zitat

Mir gefällt diese eher starre, fast schon mechanische anmutende, Beschreibung wohin Isa geht, weil es mir suggeriert, dass sie gerade wie ferngesteuert handelt. Sehr schön.
Juhu – ich wollte nämlich nicht schreiben: „Wie ferngesteuert lief Isa durch die Korridore.“ oder so, war mir aber doch unsicher, inwiefern ihr Zustand beim Leser ankommt. Jetzt kann ich ja aufatmen. :)

Zitat

Hmh… heißt es wirklich empor brodeln oder nicht doch eher hoch brodeln?
Also, hoch brodeln gibt es auf jeden Fall, ich finde aber immer, dass das so umgangssprachlich klingt. Jetzt, wo ich so drüber nachdenke, bin ich mir bei empor brodeln aber nicht mehr ganz sicher. Hab es mal geändert. ;)

Zitat

Ist jetzt wieder eine Geschmackssache, aber ich finde eine zerbrechende Maske irgendwie schöner als eine vom Gesicht fallende.
Finde ich auch. :) Bin nur leider nicht selber auf die Idee gekommen.

Zitat

Hmh … also vom Gefühl her würde ich entweder „stammelte sie entsetzt“ oder „stieß sie entsetzt hervor“ schreiben.
Stimmt, das ist ein Fehler. Wahrscheinlich habe ich das eine mal ins andere verändert und dabei vergessen, das „hervor“ zu löschen.

Zitat

Mir wurde kürzlich gesagt, dass die Auslassungspunkte nur bei nicht beendeten Wörtern direkt am Wort stehen. Ist das Wort beendet, so muss zwischen dem Wort und den Auslassungspunkten ein Leerzeichen stehen also: Er konnte doch nicht ... Er war doch noch nicht ...
Das wusste ich nicht. 8o Werde ich mir auf jeden Fall für die Zukunft merken.

Zitat

Die Decke wölbte sich kaum über seinen gebrechlichen Körper, so zart war er geworden. Chris war nur noch ein Schatten seiner selbst. Isa stiegen die Tränen in die Augen, doch sie drängte sie mit aller Macht zurück. Chris war ihr bester Freund. Er war stark und immer für sie da gewesen, wenn es ihr schlecht gegangen war und nun würde sie das selbe für ihn tun, so schwer es ihr auch fallen mochte.
In dem Absatz bekomme ich die „wars“ überhaupt nicht weg ... Vielleicht bin ich auch einfach nur zu müde.

Zitat

Ich mag diese Wortkreation „papieren“. Es hat so einen ganz eigenen Charme.
Danke, ich wusste gar nicht, dass es eine Wortneuschöpfung ist, ich dachte, das gibts. ;)

Zitat

Der Doktor wirkt auf mich eigenartig. Vor allem sein plötzlicher Umschwung von sauertöpfisch auf verlegen, finde ich unglaubwürdig,
Den finde ich vor allem holprig. Gefiel mir auch nicht so, allerdings ist Dr. Haefliger schon extrem genervt von Isa, weil sie ständig unangemeldet in irgendwelche Untersuchungsräume stürmt. :D

Zitat

zumal er als Onkologe schon dem ein oder anderen Patienten diese schlechteNachricht überbracht haben sollte. Ich glaube auch, dass Ärzte solche Dinge auch schon während ihrer Studiums üben, von daher sollte er – so hart es auch klingt- eine gewisse Rutine haben.
Da hast du auch wieder recht ... Vor allem an so einer renommierten Krebsklinik wie dem Charité ... Hm.

Zitat

Diese Stelle finde ich etwas verwirrend, warum denkt Isa, dass sie den Weg heute vielleicht zum letzten Mal gefahren ist?Auch wenn ich wenig Ahnung von Krebs und Chemo an sich habe, aber normalerweise würde ich erwarten und kenne es auch so, dass einen noch der eine oder andere Tag, nach dem Abbruch der Ärztlichen Behandlung bleibt, ehe man stirbt, und das ist ja auch bei Chris der Fall. Wieso also dieses „zum letzten Mal“? *verwirrt bin*
Ich wollte damit ausdrücken, dass Isa bisher immer noch Hoffnung hatte, Chris könne doch wieder gesund werden, egal wie aussichtslos die Lage die ganze Zeit schien. Im Grunde hofft sie das bis zu seinem Tod; mit dem Abbruch der Behandlung wird ihr aber erst richtig bewusst, dass sie ihren Freund im Prinzip jeden Moment verlieren kann. Hoffentlich wurde es jetzt etwas klarer?

Zitat

Hmh … Für mich liest sich das jetzt so, als ob sie sich neben dem Stuhl auf den Boden setzt. Vielleicht anstelle des daneben „darauf“ schreiben.
:D Musste ziemlich lachen, als ich deinen Kommentar und danach nochmal meinen Absatz gelesen habe, es stimmt nämlich echt und ich fand die Vorstellung irgendwie komisch, weil das gar nicht zu Isa passt.

Zitat

Einmal mehr Taschentuch-Feeling.
Hach, ist das denn zu fassen? Wie ich mich immer freue, wenn ihr weinen müsst. :D

Zitat

An dieser Stelle hier gehst du wirklich an die Schmerzgrenze, da man ja weiß, dass auch wenn er sie nie im Stich lassen würde, das Schicksal ihn dazu zwingen wird. Sehr traurig, sehr berührend, sehr schön.
War mir zuerst nicht sicher, ob du die „Schmerzgrenze“ positiv oder negativ meinst. ;) Gott sei Dank, positiv. :)

Zitat

Ich muss ganz ehrlich sagen, Prinzessin gefällt mir tausend mal besser als Bella (das ist so negativ vorbelastet*schaudernd an glitzernde Vampire denk*).
Eine Prinzessin glitzert aber auch und das sogar in pink. :D Nein, ich hatte überhaupt nicht an die Twilight-Bella gedacht, da sie ein völlig anderer Typ als Isa ist. Ich wollte vor allem einen Spitznamen für sie, der nur Chris vorbehalten ist, nicht das typische Isa, mit dem sie alle ansprechen.

Zitat

Also irgendwie finde ich, dass das „machte“ an dieser Stelle zu sehr nach Umgangssprache klingt, vielleicht „grübelte“?
Stimmt, ist schöner.

Zitat

Ganz ehrlich, das Benehmen des Arztes halte ich für unrealistisch, vor allem da dieses beleidigt sein, eher nach trotzigem Kleinkind als nach Arzt klingt.
Ja, er ist zwar ein komischer Kerl, aber du hast recht. Er sollte Chris wohl eher die Konsequenzen seines dummen Verhaltens aufzeigen. Andererseits denke ich mir, es ist ihm wohl sowieso schon egal, da er eigentlich nur darauf wartet, dass Chris stirbt und das Bett wieder frei ist ... so ungefähr.

Zitat

Ein sehr schöner Vergleich.
Das war einer dieser Sätze, die ich nicht wiedererkannt habe, beim Lesen. Dafür habe ich dann bemerkt, dass es vorher noch gar nicht geregnet hatte und die Szene am Anfang eingefügt.

Zitat

Okay ich schreibe definitiv zu viel ...
Finde ich nicht, ich freu mich. :)

Zitat

Einerseits irgendwie unheimlich mit diesem Aufwachen, andererseits aber auch eine unheimlich gut getroffenes Szenario.
Ja, ich habe mir lange überlegt, ob ich das wirklich drin lassen kann, da ich eigentlich nicht wirklich an telepathische Verbindungen oder so etwas glaube. Andererseits passieren aber die merkwürdigsten Dinge auf der Welt und Isa und Chris sind zwei Menschen, die eine unglaublich tiefe Freundschaft verbindet und die sich oft ohne Worte verstehen. Außerdem dachte ich mir, dass sich Isa riesige Sorgen um Chris macht und deswegen schlecht schläft. Als sie dann aufwacht, will sie einfach wissen, ob es ihm gut geht.

Zitat

Und obwohl Isa wusste, dass es nun so weit war, fühlte sie sich völlig ruhig. Sie war bei ihrem Freund, sie würde ihn auf seinem Weg begleiten, so lange sie konnte und sie würde stark sein, für ihn.
Sorry, der bleibt so. ;) Mit „dass es nun geschah“ gefällt es mir einfach nicht.

Zitat

... wenn ich ein Klischee bedienen müsste, würde ich jetzt sagen, dass mir eine einzelne Träne mir über das Gesicht rinnt. Starkes Ende!
Danke. :)

Zitat

Rechtschreibung war top, Kommasetzung eigentlich auch, lediglich bei den „war“ solltest du mal schauen, ob du diese nicht durch andere Worte ersetzen kannst.
Ja, werde ich in Zukunft darauf achten, danke. :) Wortwiederholungen, „...“ und Kommafehlern habe ich mich bemüht, zu ändern, hoffentlich hab ich auch alle erwischt

Zitat

Storymäßig und vom Erzählstil an sich hat mir deine Geschichte wirklich sehr gut gefallen, denn dir ist es wirklich hervorragend gelungen dieses Thema „Krankheit und langsamer Abschied“ berührend zu beschreiben ohne dabei in den Kitsch und das Klischee abzurutschen (was nicht vielen gelingt).
Nochmal vielen Dank. :) Ich habe mich sehr darum bemüht und freue mich, dass du findest, dass es mir gelungen ist.

Zitat

Die Freundschaft zwischen Isa und Chris wirkt auf mich echt, gefühlvoll, still und doch stark,
Ja, damit hast du genau die richtigen Worte getroffen.

Zitat

und alles im allem so harmonisch, dass das Wissen, dass diese Harmonie aufgrund von Chris Krankheit ein Ende nehmen wird mich als Leser wirklich traurig gemacht hat.
Mich auch! Da sollte man doch denken, wenn ich als Autor die Fäden in der Hand halte, müsste alles nach meinem Willen gehen, aber das tut es nicht! 8o :D

Zitat

Der einzige Charakter, der mir überhaupt gar nicht gefallen hat (und das nicht im Sinne von unsympathisch, sondern unrealistisch), war der Arzt. Er ist sauertöpfisch, verlegen, beleidigt. Alles im allen würde ich mir einen etwas erwachsener anmutenden Onkologen wünschen, der schon einige Patienten behandelt hat, und dem man dieses Wissen auch anmerkt. Er muss deswegen nicht zum liebenswürdigen Menschen mutieren, kann auch Chris knallhart die Fakten ins Gesicht sagen, wenn er sich nicht betäuben lässt, etc. … nur sollte er halt nicht ganz so …nun ja … kindisch rüberkommen.
So ungern ich das zugebe, aber damit hast du schon recht. Ich habe mir über alle Haupt- und sehr viele Nebencharaktere unglaublich viele Gedanken gemacht, aber über den Arzt nicht so sehr ... Das macht sich dann natürlich bemerkbar.

Zitat

So, dass war's auch schon von mir.
„Schon“ ist gut. :D (Nicht falsch verstehen, gell! :) Ich freue mich wie schon gesagt riesig, dass du dir so viel Zeit genommen hast.)

So, jetzt fühle ich mich einerseits total gut, weil ich so einen ausführlichen Kommentar und so viel Lob bekommen habe, andererseits würde ich mich jetzt am liebsten hinsetzen und den kompletten Prolog umschreiben. :D Einen anderen Anfang und Mimik und Gestik und einen kompetenteren Arzt und und und ... Vielleicht sollte ich das wirklich mal machen und schauen, was dabei herauskommt. ;)

Ich bin mir sicher, dass ich schreibtechnisch aus diesem Review einiges mitnehmen konnte und dafür danke ich dir ganz herzlich!

Liebe Grüße --knuddel--
Glinda

PS: Bei mir musst du jedenfalls keine Angst mehr vorm reviewen haben. Du zeigst einem zwar gnadenlos die Schwächen auf, die eine Geschichte, ein Charakter oder ein Schreibstil hat, aber du machst das, wie ich finde, auf eine sehr nette Art und lobst auch Sachen, die dir gefallen. Außerdem kann man doch nur so was lernen. :) Also, ich bin dir, wie gesagt, sehr dankbar.
Meine neue Fanfiction (Achtung Off Topic!):
Changed - Wie ich bin
Zweites Kapitel online!

„Wusch, wusch!“
Mein Oneshot: Dobby erzählt...

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Glinda Arduenna« (8. März 2012, 11:18)


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Mittwoch, 14. März 2012, 00:22

Zitat

Original von Glinda Arduenna

Zitat

Auch hier denke ich, dass du den Umschwung von Zögern auf „ich melde mich doch“, durch Körpersprache untermauern solltest. Es mag zwar zuerst etwas übertrieben wirken, aber was beim Gesangstraining die überdeutliche Aussprache ist, ist beim Schreiben, die Intensivierung der Körpersprache.
Jetzt, wo du mir das gesagt hast, ist mir aufgefallen, dass ich im Allgemeinen wenig Mimik und Gestik beschreibe. Da werde ich mal mehr darauf achten.

Ups ... ich wollte damit nicht sagen, dass du generell zu wenig mit Mimik und Gestik arbeistest (in der zweiten Hälfte war es total ausgewogen). Nur an den drei von mir erwähnten Stellen ist es mir wirklich aufgefallen. Also bitte nicht falsch verstehen, gell. =)

Zitat

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Glastüre? Oder nicht eher Glastür?
Keine Ahnung, bin ich mir – genau wie bei „Haar“ und „Haare“ – nie sicher.

Hab's eben gerade noch mal kurz im online Duden nachgeschaut: Der kennt Glastüren und Glastür, aber keine Glastüre. :)


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Hmh … also vom Gefühl her würde ich entweder „stammelte sie entsetzt“ oder „stieß sie entsetzt hervor“ schreiben.
Stimmt, das ist ein Fehler. Wahrscheinlich habe ich das eine mal ins andere verändert und dabei vergessen, das „hervor“ zu löschen.

Das passiert mir auch andauernd. :rolleyes:

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Die Decke wölbte sich kaum über seinen gebrechlichen Körper, so zart war er geworden. Chris war nur noch ein Schatten seiner selbst. Isa stiegen die Tränen in die Augen, doch sie drängte sie mit aller Macht zurück. Chris war ihr bester Freund. Er war stark und immer für sie da gewesen, wenn es ihr schlecht gegangen war und nun würde sie das selbe für ihn tun, so schwer es ihr auch fallen mochte.
In dem Absatz bekomme ich die „wars“ überhaupt nicht weg ... Vielleicht bin ich auch einfach nur zu müde.

Ja, das ist wirklich schwierig. Das erste, vierte und fünfte "war" kann man aufgrund der Zeitform, glaube ich, net ändern.
Beim zweiten vielleicht: "Chris schien nur noch ein Schatten seiner selbst zu sein" oder "... , so zart war er geworden, nur noch ein Schatten seiner selbst."
Beim vierten könntest du eventuell die Satzstruktur ändern, im Sinne von:
Chris war ihr bester Freund, ihre Schulter zum Anlehnen, stark und immer für sie da, wenn es ihr schlecht ging ( das gehen könnte man glaube ich auch in der einfachen Vergangenheit schreiben, weil er ja immer noch für sie da wäre) und nun würde sie ...
Das ist wie immer nur ein Vorschlag. Wenn du es anders lieber magst, dann sagst du einfach, eine Änderung geht aufgrund der Zeitform nicht. ;)

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Ich mag diese Wortkreation „papieren“. Es hat so einen ganz eigenen Charme.
Danke, ich wusste gar nicht, dass es eine Wortneuschöpfung ist, ich dachte, das gibts. ;)

Gibt's auch, aber ich mag das Wort trotzdem. :P

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Ich muss ganz ehrlich sagen, Prinzessin gefällt mir tausend mal besser als Bella (das ist so negativ vorbelastet*schaudernd an glitzernde Vampire denk*).
Eine Prinzessin glitzert aber auch und das sogar in pink. :D

Prinzessin müssen nun mal glitzern und pink sein, während Vampire - als Geschöpfe der Dunkelheit - melancolisch oder bösartig sein müssen. ;)

Viele liebe Grüße

Plumbum =)

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

Glinda Arduenna

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15

Mittwoch, 14. März 2012, 21:21

Hallo! :)

Zitat

Ups ... ich wollte damit nicht sagen, dass du generell zu wenig mit Mimik und Gestik arbeistest (in der zweiten Hälfte war es total ausgewogen). Nur an den drei von mir erwähnten Stellen ist es mir wirklich aufgefallen. Also bitte nicht falsch verstehen, gell. =)
Hab es nicht falsch verstanden und mir ist es dann vor allem in Hinblick auf das nächste Kapitel aufgefallen, da ich in dem auch recht wenig Mimik und Gestik drinnen hatte.

Zitat

Hab's eben gerade noch mal kurz im online Duden nachgeschaut: Der kennt Glastüren und Glastür, aber keine Glastüre. :)
Okay, danke dir! :)

Zitat

Ja, das ist wirklich schwierig. Das erste, vierte und fünfte "war" kann man aufgrund der Zeitform, glaube ich, net ändern.
Beim zweiten vielleicht: "Chris schien nur noch ein Schatten seiner selbst zu sein" oder "... , so zart war er geworden, nur noch ein Schatten seiner selbst."
Beim vierten könntest du eventuell die Satzstruktur ändern, im Sinne von:
Chris war ihr bester Freund, ihre Schulter zum Anlehnen, stark und immer für sie da, wenn es ihr schlecht ging ( das gehen könnte man glaube ich auch in der einfachen Vergangenheit schreiben, weil er ja immer noch für sie da wäre) und nun würde sie ...
Das ist wie immer nur ein Vorschlag. Wenn du es anders lieber magst, dann sagst du einfach, eine Änderung geht aufgrund der Zeitform nicht. ;)

Beim zweiten passt es, finde ich, nicht so, denn er scheint ja nicht nur so zu sein, sondern er ist so. Das mit dem vierten finde ich gut, werde ich mal ändern.

Zitat

Gibt's auch, aber ich mag das Wort trotzdem. :P
Achso ... :D Ja, ich auch.

Zitat

Prinzessin müssen nun mal glitzern und pink sein, während Vampire - als Geschöpfe der Dunkelheit - melancolisch oder bösartig sein müssen. ;)
Ganz deiner Meinung. Aber nachdem Chris ja nun tot ist, musst du dich nicht mehr an "Bella" stören, da sonst keiner Isa so nennt. :(

Liebe Grüße,
Glinda
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„Wusch, wusch!“
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16

Freitag, 23. März 2012, 02:50

Erster Teil: Loathing

Hallo ihr Lieben,

entschuldigung! Es tut mir total leid, dass ich euch gleich zu Anfang so lange habe warten lassen! Leider hatte ich noch zwei Hausarbeiten zu schreiben und danach musste ich noch einige Unklarheiten im Bezug auf den Ablauf von Auditions klären - seid mir nicht böse. Nun habe ich es ja endlich geschafft und ich bin recht zuversichtlich, dass der nächste Teil schneller da sein wird.

Dieses Kapitel widme ich noch einmal Mandy - für ihren Beistand heute Abend, obwohl sie eigentlich anderes zu tun gehabt hätte und dafür, dass sie notfalls die Buddenbrooks für mich abgetippt hätte. Danke!
Nur den ersten Absatz möchte ich einer unbekannten Dame widmen, mit der ich am Bamberger Bahnhof zusammengestoßen bin: Ohne Sie wäre dieser Dialog nie zustande gekommen, herzlichen Dank. :)

Ich wünsche euch ganz viel Spaß!






Erster Teil: Loathing


Die Audition

„... mich packt das kalte Grauen“, trällerte Niki und machte probeweise ein paar galindasche Tanzschritte um die nächste Ecke. „Meine Abscheu ist fan... Aaah!“
„Aua! Verdammt, pass doch auf, wo du hinläufst!“, beschwerte sich die dunkelhaarige Schönheit, mit der Niki zusammengestoßen war, und blickte überheblich auf ihr Gegenüber herab.
„Tut mir leid“, erwiderte Niki freundlich. „Es war meine Schuld, ich habe nicht aufgepasst.“
„Sag’ ich doch!“ Damit rauschte die Schwarzhaarige davon.

Niki blickte ihr enttäuscht nach. Da hatte sie sich wirklich Mühe gegeben, nett zu sein und zum Dank dafür wurde sie angeschnauzt. Sie seufzte. Der Tag fing ja schon mal gut an. Hoffentlich würde das nicht so weiter gehen.
„Meine Abscheu ist fanatisch! Du bist mir so unsympathisch, dass mir graut vor dir!“, sang sie der anderen Frau trotzig hinterher. Dann machte sie sich auf den Weg zurück in den Warteraum.

Niki war aufgeregt. Sie hatte schon in vielen kleineren Rollen gespielt, sogar in richtig großen Theatern, wie im Theater des Westens in Berlin oder im Theater Neue Flora in Hamburg, aber diesmal bewarb sie sich zum ersten Mal für eine Hauptrolle. Bisher hatte sie sich das nicht zugetraut, doch dann hatte sie gesehen, dass in Stuttgart Auditions für den Castwechsel bei Wicked angesetzt waren. Wie hätte sie da widerstehen können? Einmal in ihrem Leben die Glinda zu spielen, war schon immer ihr großer Traum gewesen.

Nun saß sie unter all den anderen Teilnehmern und hörte zu, wie diese sich einsangen oder schnell noch einmal den Text durchgingen. Das alles hatte sie bereits in einer vermeintlich ruhigen Ecke getan – der Grund, weshalb sie mit diesem Sauertopf zusammengeprallt war. Mürrisch runzelte sie die hellen Brauen, als sie an die Begegnung zurückdachte und schaute sich um, ob die Schwarzhaarige irgendwo hier war. Doch sie konnte sie nirgends entdecken.
Hätte mich auch gewundert, dachte Niki bei sich. So, wie sie aussieht, singt sie doch bestimmt für die Elphaba vor ... Nur wieso ist sie dann heute schon da? Wie bei einer Audition üblich, wurden die einzelnen Hauptrollen auch hier an verschiedenen Tagen gecastet. Niki schüttelte unwillig den Kopf. Was interessierte sie diese unfreundliche Frau? Sie musste sich jetzt konzentrieren ...

„Die 278, Jannika Schwarz, bitte“, rief eine Stimme in die Menge. Niki sprang auf und ihr Magen schlug ein paar Purzelbäume. Das war ihre Chance! Ob sie sie nutzen konnte?

***

„... denn: Irgendwo wird immer getanzt und es wär’ doch zu schad’ einen Spaß zu versäumen!“ Lachend hüpfte Niki über die Bühne und drehte sich übermütig einmal im Kreis. „Ich leb’ gern, ich geb’ gern, ich schweb’ gern auf Träumen – mit Champagner im Blut und einer Rose aus Papier im Haar!“
Sie war richtig stolz auf sich, weil ihr der Übergang vom harten Belt in die weiche Kopfstimme beinahe nahtlos gelang.
„Es wäre doch schad’, einen Spaß zu versäumen ...“

Der letzte Ton verklang und Niki strahlte ihre Zuschauer erwartungsvoll an. Sie konnte sich gerade noch verkneifen „Na, wie war ich?“ zu fragen. Sie selbst fand, dass sie gerade eine ihrer besten Performances hingelegt hatte.
„Danke, Frau Schwarz“, sagte schließlich einer der Männer im schwarzen Anzug, der in der ersten Reihe saß und die ganze Zeit emsig auf sein Klemmbrett gekritzelt hatte. „Sie werden dann von uns hören.“
Enttäuscht ging Niki hinaus. Sie hatte sich zumindest ein kurzes Feedback erhofft. Aber weil sie kein Mensch war, der lange Trübsal bläst, beschloss sie, in die Cafeteria zu gehen und sich die Zeit bis zum Nachmittag zu vertreiben, indem sie sich mit ein paar netten Leuten unterhielt.

Als sie die Mensa betrat, sank ihre Laune jedoch schlagartig wieder auf den Nullpunkt: Inmitten von nicht mehr ganz sauberen Tischen, umringt von zahlreichen Bewunderern hofierte ihre Bekanntschaft von heute Früh.
„... natürlich kommt es nicht darauf an, wie gut du singst oder tanzt“, erklärte sie gerade allen, die es hören wollten, oder auch nicht. Allerdings schienen es alle hören zu wollen. „Nein, es kommt darauf an, wen du kennst“, verkündete die Schwarzhaarige stolz und räkelte sich ein bisschen auf dem Tisch. Die Leute um sie herum nickten zustimmend, während einige, die von weiter weg ihren Worten lauschten, plötzlich etwas ängstliche Gesichter machten.
„So ein Quatsch!“, hörte sich Niki sagen, ehe sie es verhindern konnte. „Die werden doch keinen Ochsenfrosch auf die Bühne stellen, nur weil er mit dem Regisseur befreundet ist.“
Die junge Frau, die sich gerade noch im Glanz der Bewunderung gesonnt hatte, drehte sich nun langsam um und fasste Niki ins Auge.
„Ah“, machte sie leise. „Wir kennen uns ja schon.“
Niki schoss die Schamesröte ins Gesicht. Sie presste ihre Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. Wieso hatte sie nur ihren Mund nicht halten können?
„Nun, um das mal klarzustellen ...“, redete ihr Gegenüber weiter. „Jedenfalls würden sie eher einen Ochsenfrosch auf die Bühne setzen, als ein kleines, schüchternes Mauerblümchen, dass zu verträumt ist, um Kurven laufen zu können.“ Und sie setzte ein triumphierendes Lächeln auf.

In Niki brodelte es, ihre Augen sprühten Funken. Dass sie heute Morgen von dieser Frau zur Schnecke gemacht worden war, obwohl sie sich entschuldigt hatte, hatte sie noch verkraften können, aber nun vor aller Augen verspottet zu werden, war ihr wirklich zu viel. Es passierte nicht oft, dass Niki sich aufregte und gleichzeitig eine einigermaßen schlagfertige Antwort parat hatte und deshalb war sie umso stolzer auf sich, als sie nun sagte:
„Naja, aber da ich ja für die Glinda vorgesungen habe, ist ein Ochsenfrosch keine Gefahr für mich. Für die Elphaba hätte er allerdings die richtige Hautfarbe – und er singt sicherlich besser als du!“
Sie hoffte, mit ihrer Vermutung, die andere würde die Rolle der Elphaba wollen, richtig zu liegen. Einen Augenblick war Stille in der Mensa. Dann kicherten alle los und Niki atmete auf. Sie hatte die Lacher auf ihrer Seite. Als sie aber aufblickte und die böse Mine der Schwarzhaarigen sah, wurde ihr klar, dass sie zugleich eine Erzfeindin gewonnen hatte.

Rasch wandte Niki sich ab und ging an die Theke, um sich einen Kaffee und einen Kuchen zu holen. Als sie gerade ihr Portemonnaie hervorkramte, um zu bezahlen, tippte ihr jemand von hinten auf die Schulter. Niki drehte sich um. Vor ihr stand eine sehr junge Frau, eigentlich noch ein Mädchen, die ein Schälchen Joghurt, ein Glas Orangensaft, eine Tasse Kaffee, ein Buttercroissant und ein riesiges Sandwich auf ihrem Tablett balancierte. Fröhliche, schokoladenbraune Augen blitzen unter dunkelbraunen Ponyfransen zu ihr hinauf. Das Mädchen war noch kleiner als Niki, die selbst wohl immer unter der 1,60-Marke bleiben würde.

„Hi“, sagte sie. „Das war total cool, wie du es Patricia gegeben hast. Da warte ich schon seit heute Morgen drauf. Ich bin übrigens Clara.“ Und sie versuchte, Niki die Hand zu reichen. Doch die griff stattdessen lieber nach dem schwankenden Tablett, das Clara aus der Hand zu rutschen drohte.
„Danke“, nuschelte diese und stellte es ab. „Wollen wir uns zusammen an einen Tisch setzen? Weißt du ...“ Sie wies mit großer Geste auf ihre vielen Teller. „Ich habe noch nicht gefrühstückt.“
Niki antwortete mit einem Lächeln.

„Wie sieht’s aus – wollt ihr jetzt mal bezahlen, oder soll ich vielleicht später wiederkommen?“, schnauzte auf einmal eine aufgebrachte Stimme von hinten.
Clara warf Niki einen amüsierten Blick zu und kicherte leise, als diese sich rasch umdrehte, um der Frau an der Kasse ihr Geld in die Hand zu drücken. Nachdem auch Clara gezahlt hatte, suchten sie sich einen freien Tisch und ließen sich nieder. Clara begann sofort mit unübersehbaren Appetit, ihr Sandwich zu verschlingen.

„Haschu au fü gie Glina vorgeschungen?“, nuschelte sie in Nikis Richtung.
Niki, die gerade fasziniert beobachtet hatte, wie viel Fassungsvermögen Claras Mund hatte, antwortete mit einem Ja.
„Dann schind ...“ Clara schluckte endlich hinunter. „Dann sind wir ja sozusagen Konkurrentinnen.“ Doch sie grinste dabei und es klang nicht so, als würde sie wirklich meinen, was sie sagte. „Vielleicht kommen wir ja beide in die zweite Runde, wäre doch toll, oder?“
„Ja, wäre es ... Woher kennst du eigentlich diese Patricia?“, fragte Niki, einerseits aus Interesse, andererseits weil sie von dem ihr unangenehmen Thema Konkurrenz ablenken wollte.
„Sag bloß, du kennst Patricia nicht!“, rief Clara ungläubig aus und zwar so laut, dass sich ein paar Leute vom Nachbartisch nach ihr umdrehten.
„Schon gut“, zischte Niki ein wenig peinlich berührt, „Nein, ich kenne sie nicht. Sollte ich?“
Clara zog erstaunt die Augenbrauen hoch, doch das hinderte sie nicht daran, munter ihren Löffel in den Joghurt zu tauchen.
„Naja, ähm ...“, begann sie zu erklären, als Niki den Blick auf den Tisch senkte.

„Iiiiek!“, schrie sie auf, so dass Clara einen erschrockenen kleinen Satz machte und beinahe von ihrem Stuhl rutschte. Alle, die in der Nähe saßen drehten sich erneut nach ihnen um. Doch diesmal war es Niki egal. Vor ihr auf dem Tisch saß ein Riesenvieh von Spinne und starrte sie an.
„Mach sie weg, mach sie weg!“, kreischte Niki hysterisch, wobei sich ihre Stimme kontinuierlich um einige Oktaven höher schraubte. Mittlerweile hatte sie die Aufmerksamkeit aller Mensa-Gäste.
Clara schaute sie überrascht an. Doch ohne einen Kommentar – das rechnete Niki ihr hoch an – fing sie die Spinne mit ihrer mittlerweile leeren Kaffeetasse ein und schüttelte sie zum Fenster hinaus.
„So“, sagte sie, als sie an den Tisch zurück kam. „Besser?“
Niki lächelte dankbar, wenn auch noch etwas schwach.
„Weißt du, ich habe nämlich eine Spinnenphobie“, erklärte sie.
Nun, da das Spektakel vorbei war, wandten sich die anderen wieder ihren eigenen Angelegenheiten zu, zum Teil mit einem spöttischen Grinsen im Gesicht. Niki fühlte sich etwas unwohl, aber wenigstens guckte jetzt keiner mehr.

„Also, wer ist Patricia?“, fragte sie, um Clara und auch sich selbst möglichst schnell abzulenken.
„Naja, sie ist sehr bekannt, hat schon einige Hauptrollen gespielt. Die Elisabeth zum Beispiel. Und die Killerqueen in ‚We will rock you’ ... hast du wirklich noch nie von ihr gehört?“
Niki dämmerte es langsam.
„Patricia Fielding? Aus London?“
„Ja, genau“, bestätigte Clara eifrig und schob sich auch schon den letzten Rest Joghurt in den Mund. „Ich habe schon einmal mit ihr gespielt, war mal im Tourensemble von ‚Elisabeth’ ... Naja, wir haben uns schon damals nicht so gut verstanden.“ Sie hielt inne. „Es ist auch ein wenig schwer, sich mit ihr zu verstehen.“
„Ja, das habe ich schon bemerkt“, erwiderte Niki trocken.
„Wobei das nur mir so zu gehen schien. Alle anderen fanden sie total toll. Ich weiß gar nicht, wieso sie mich nicht mochte“, fügte Clara hinzu und klang dabei ein wenig niedergeschlagen.
„Ach, ich weiß gar nicht, ob ich mich mit ihr verstehen will“, brummte Niki. „Wieso ist sie überhaupt heute schon da? Die Elphaba wird doch erst morgen gecastet.“
Doch Clara zuckte nur die Schultern und griff nach ihrem Croissant. „Keine Ahnung. Vielleicht will sie Kontakte knüpfen. Magst du auch ein Stück?“ Und sie hielt Niki das Hörnchen hin.

Doch die hatte sich zu Patricia umgedreht und betrachtete sie nachdenklich. Sie stand wieder inmitten einer Menschentraube und schien irgendetwas höchst Spannendes zu erzählen, denn die Leute hingen an ihren Lippen.
Ja, Kontakte knüpfen, das passte zu ihr. Und sich dabei eine Spielpartnerin aussuchen, schoss es Niki plötzlich durch den Kopf. Doch diesen Gedanken schüttelte sie sofort wieder ab. Das war doch absurd! So viel Einfluss konnte nicht einmal eine Patricia Fielding haben.

***
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Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Glinda Arduenna« (31. März 2012, 01:03)


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Freitag, 23. März 2012, 03:00

Die Audition (Teil 2)

Patricia hatte sich bereits entschieden, mit wem sie im kommenden Jahr in Stuttgart spielen wollte. Diese Stefanie Baumgart schien ihr geeignet. Einerseits war sie so unbekannt und mittelmäßig talentiert, dass sie ihr nicht die Show stehlen konnte und andererseits war sie noch so gut, dass Patricia neben ihr nicht vor Scham im Boden versinken musste. Nun, im Boden versinken musste sie zugegebenermaßen trotzdem ... Sie grinste in sich hinein. Dann suchte sie Gregor auf.

Mit einem lockeren „Hi!“ auf den Lippen schwebte sie auf ihn zu und beobachtete amüsiert ihre Wirkung auf ihn. Er war unübersehbar beeindruckt von ihr. Wie jeder Mann.
„Hallo Patricia“, begrüßte er die junge Frau. „Was führt dich denn hier her? Die Elphaba ist erst morgen dran.“
„Das weiß ich schon“, erwiderte sie. „Aber ich wollte mir meine potenziellen Spielpartnerinnen mal ansehen ...“
Gregor unterbrach sie mit einer Handbewegung.
„Na, na, nicht so schnell, Patricia. Es ist doch noch gar nicht sicher, ob du die Rolle überhaupt bekommst. Dafür musst du morgen vorsingen, so wie alle anderen auch.“ Doch sein Lächeln strafte seine Worte Lügen.
„Du hast ja recht“, sagte sie beschwichtigend. „Aber dennoch wollte ich heute ein bisschen zuhören – es interessiert mich eben. Und ich muss sagen, Stefanie Baumgart hat mich wirklich beeindruckt.“
Gregor blätterte in seinen Notizen.

„Wirklich?“, fragte er und zog ein skeptisches Gesicht. „Mir ist sie nur als recht passabel erschienen. Ihr fehlt ein wenig das Quirlige für diese Rolle. Aber Jannika Schwarz hat eine ziemlich gute Performance hingelegt, hast du sie gehört?“
Patricia schüttelte den Kopf, woraufhin Gregor ihr das Bewerberfoto reichte. Die türkisen Augen schienen aus dem Bild hinaus direkt in sie hineinzustarren. Sie schauderte, als sie die junge Frau erkannte. Das war doch diese blöde Kuh, die die Unverfrorenheit besessen hatte, sie heute zweimal zu brüskieren! Mit der wollte Patricia auf gar keinen Fall zusammenarbeiten.

„Ich finde, sie sieht langweilig aus“, versetzte sie trotzig und warf Gregor das Foto zurück auf den Schreibtisch. „Stefanie wäre mir lieber.“
Da geschah, womit sie niemals gerechnet hätte: Gregor wurde wütend.
„Es geht aber nicht darum, wer dir lieber ist, sondern darum, wer mir lieber ist! Schließlich bin ich der Casting Director und nicht du!“, schnauzte er sie an.
Patricia zog einen kleinen Schmollmund und starrte ihn aus großen Augen an. Das hatte bisher immer funktioniert. Doch diesmal sah Gregor nicht einmal in ihre Richtung.

„Geh jetzt, Patricia. Geh heim und bereite dich auf morgen vor, das wird ein anstrengender Tag.“
Sie schnappte empört nach Luft. Auf diese Weise hinauskomplimentiert zu werden, passte ihr gar nicht, doch was blieb ihr anderes übrig, als zu gehen? Patricia griff schon nach der Türklinke, aber dann hielt sie inne und drehte sich noch einmal nach Gregor um.
„Und ich spiele nicht mit ihr!“, zischte sie.
„Tschüss“, sagte er laut.
Patricia rauschte hinaus und knallte die Tür hinter sich zu.

***

Nach dem Mittagessen war das Tanzcasting an der Reihe. Da die Glinda im Musical an einigen Stellen auch ein wenig würde tanzen müssen, wollte Alexandra Parsen, die Choreografin, die Bewerberinnen auf ihr Talent hin prüfen.
Niki fühlte sich pudelwohl. Sie liebte das Tanzen! Frei und schwerelos über dem Boden dahingleiten, die Welt vergessen ...

„Ich sagte: Das reicht!“ Die Choreografin hatte sich vor Niki aufgebaut und funkelte sie an. Niki schrumpfte in sich zusammen. Sie hatte nicht bemerkt, dass Frau Parsen abgewinkt hatte.
„Entschuldigung“, murmelte sie leise.
„Zurück auf Ihren Platz!“, fauchte die Choreografin und Niki folgte ihrem Befehl augenblicklich mit eingezogenem Kopf. Musste die Frau sie denn gleich so anschreien, nur weil sie einmal etwas nicht gehört hatte? Niki fühlte sich ungerecht behandelt, nun schon zum zweiten Mal an diesem Tag.
Doch als die Begutachter kamen, um den einstudierten Ensembletanz zu beurteilen, war jede Kränkung vergessen. Niki tanzte, tanzte wie noch nie in ihrem Leben.

Schweißgebadet, aber glücklich hüpfte sie kurz darauf unter eine der Duschen in der Gemeinschaftsumkleide. Sie hatte gehört, dass der Regisseur (zumindest glaubte sie, dass es der Regisseur gewesen war, denn obwohl sie sich alle vorgestellt hatten, konnte sie die Männer in den schwarzen Anzügen nicht unterscheiden) Frau Parsen nach ihrem Namen gefragt hatte.

Guter Dinge lief sie wieder zurück in den Warteraum, um die letzte Etappe der Prüfung hinter sich zu bringen: Das darstellende Spiel. Das war der Prüfungsteil, der ihr am meisten Angst machte. Sie liebte das Tanzen und dank ihrer Gesangslehrerin liebte sie nun auch das Singen und glaubte endlich, dass sie es konnte. Das Schauspielern jedoch fiel ihr manchmal schwer. Sie konnte ihr eigenes, zum Teil etwas scheues Ich nicht immer hinter der Maske der geforderten Rolle verbergen. Das war einer der Gründe gewesen, weshalb Niki sich bisher immer nur für Ensemblerollen beworben hatte – man konnte sich in der Menge verstecken und stand selten einmal im totalen Rampenlicht. Nun aber, das wusste sie, war es an der Zeit, diese Schwierigkeit zu überwinden, sonst würde sie nie weit kommen.
Als ihr Name aufgerufen wurde, straffte sie die Schultern und versuchte, sich ein wenig Mut zu machen, indem sie sich vorsagte, dass sie so lange geübt hatte und ihren Monolog perfekt konnte.

Dann stand sie auf der Bühne. Der große, weiße Scheinwerferkegel richtete sich direkt auf sie. Sie starrte ins Licht und sah dunkle Punkte vor ihren Augen tanzen. Aus dem Zuschauerraum schwebten erwartungsvolle Gesichter auf sie zu. Wie war der Text? Welche Rolle hatte sie zu spielen? Nikis Kopf war leer wie eine reine, weiße Wand. Angestrengt versuchte sie, sich zu erinnern, wie der Anfang ihres Monologs ging, doch obwohl sie die Worte im Geiste vor sich sah, konnte sie ihren Sinn nicht erfassen.

„Frau Schwarz?“ Einer der Männer in den dunklen Anzügen hatte gesprochen. „Würden Sie bitte anfangen?“
Niki bekam Panik.
„Ich ... einen kleinen Moment, bitte“, bat sie – und drehte sich um. Die beige Stellwand hinter ihr wirkte beruhigend und sie versuchte, für einen Augenblick den Scheinwerfer und die wartenden Herren hinter sich zu vergessen. Sie schloss die Augen.
Ihr Text ... Satzfetzen taumelten durch ihr Gedächtnis. Lieber Papa ... Doch wie ging es weiter? Angestrengt verzog Niki das Gesicht. Das durfte doch nicht wahr sein! Wenn sie jetzt von der Bühne ginge, würde ihr der Text wahrscheinlich augenblicklich einfallen und sie würde sich unglaublich ärgern ... Ärgern! Natürlich!

Niki drehte sich um und verzog das Gesicht, als sei sie sauer.
„Lieber Papa!“, begann sie. „O Gott, wie habe ich mich geärgert! ...“
Sie lief zu Höchstform auf und fühlte sich, als sei sie Tony Buddenbrook persönlich, während sie sich ausgiebig über Bendix Grünlich ausließ und für ihren Morten schwärmte. Ihre Wangen glühten, als sie schloss:
„PS. Der Ring ist niedriges Gold und ziemlich schmal, wie ich sehe.“

Ihr Publikum schwieg. Dann plötzlich drang ein leises Geräusch durch die Stille. Es war – ein Klatschen! Niki sah sich nach dem Urheber um und erkannte überrascht ausgerechnet die strenge Choreografin. Sie hatte wohl ihre Pause genutzt, um einmal bei den Schauspielern hineinzuschauen. Langsam stimmten nach und nach die anderen Leute in den Beifall mit ein, bis schließlich der ganze Saal applaudierte.

Niki strahlte. Applaus bei der Audition war auf jeden Fall etwas Besonderes! Und sollte sie es auch nicht in die Cast geschafft haben, an diesen Moment würde sie sich wohl ihr Leben lang erinnern.
Und nie mehr – nie, nie mehr, würde sie Angst vor der Bühne haben.

***





So, ich hoffe, es hat euch gefallen und ihr wart beim Lesen diesmal etwas fröhlicher! ;)

Über Reviews freue ich mich immer wie ein Schneekönig! :)

Grüßle,
eure Glinda


---

Die Zeilen „... mich packt das kalte Grauen. Meine Abscheu ist fanatisch! Du bist mir so unsympathisch, dass mir graut vor dir!“ sind dem Song „Was fühl' ich in mir?“ aus dem Musical „Wicked“ von Stephen Schwarz entnommen.

Das Lied „Irgendwo wird immer getanzt“, das Niki bei der Audition vorsingt, ist aus dem Musical „Mozart!“ von Michael Kunze und Sylvester Levay.

Der Monolog, den Niki vorspricht, ist der Brief von Tony an ihren Vater aus dem Buch „Buddenbrooks: Verfall einer Familie“ von Thomas Mann.

Keiner der Songs oder Texte gehört mir!
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Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Glinda Arduenna« (31. März 2012, 01:04)


18

Sonntag, 25. März 2012, 12:26

Hey Glinda!

Ich freu mich, dass es schon weiter geht (:
Auch das erste Kapitel hat mir wieder sehr gut gefallen! Der Sprung zu den Castings für Wicked ist dir gut gelungen & ich bin jetzt mal wirklich gespannt, wie du Isa da später mit einbaust ;) Die neuen Charaktere finde ich erstmal interessant. Niki find ich irgendwie süß. Wobei ich teilweise den Eindruck hatte, dass sie zuu unsicher is. Ich find irgendwie... naja, es is nich unpassend, aber ich find's streckenweise etwas too much, ihre übertriebene Unsicherheit. Aber das kann natürlich auch an meinem persönlichen Empfinden liegen^^

Ähnlich geht's mir da bei Patricia. Hier find ich auch, dass sie ein bisschen too much arrogant und eitel ist. Aber wahrscheinlich hast du genau das beabsichtigt^^ Du hast sie wirklich gut dargestellt, keine Frage, aber ich find, dass es teilweise schon so'n bisschen was von'ner Karikatur hat und das... hm ja, nee das find ich halt zu viel^^ Aber ich schätz mal, dass sich das im Laufe der Geschichte auch noch wandeln wird. Oder zumindest hoff ich das, denn sonst wird Patricia sicher keine meiner Lieblingsfiguren :D

Ansonsten find ich, dass du den Ablauf des Castings erstmal gut untergebracht hast und hier auch sinnvolle Abschnitte gewählt hast und nich zu lang oder zu kurz irgendwo drauf rumgekaut hast. Ich find's auch sehr gut, dass du hin und wieder Lied- und Textstücke eingefügt hast. Zum besseren Verständnis für Außenstehende hätt ich die vielleicht noch kursiv gemacht, damit auch wirklich ersichtlich is, was jetzt gesungen bzw. zitiert is und was eben nich, aber das is auch Geschmackssache & Kleinkram^^

Sprachlich find ich, dass du wie vorher auch sehr gut gearbeitet hast. Ich mag deinen Stil wirklich gern, du kannst sehr bildlich schreiben, das find ich gut! (:

Ich hoff nun, dass dir mein Feedback etwas hilft und dass du bald weiter machst! (:

Liebe Grüße
Blümi
Could you be a little more dramatic, please?


His eyes feasted on her,
and he thought that he would like to
stand and look at her forever,
and that would be enough.

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Montag, 26. März 2012, 16:21

Hi Blümchen,

danke für dein Review. :) Ich habe mich sehr gefreut.

Also, bis Isa wieder auftaucht, wird es noch eine Weile dauern; ich weiß noch nicht genau, wie lange, da bin ich noch etwas unentschlossen ... Naja, mal sehen. ;)

Ja, Niki ist im Moment noch etwas unsicher. Das liegt mit daran, dass sie bisher nur Ensemblerollen gespielt hat und sich zum ersten Mal für eine Hauptrolle bewirbt. Nach außen - z.B. gegenüber Clara und Patricia - gibt sie sich aber sicherer als sie ist, wie du vielleicht bemerkt hast. Niki ist in diesem Kapitel noch nicht vollständig charakterisiert, wir werden sie in den nächsten Kapiteln besser kennen lernen.

Tja, Patricia ist eine Diva. ;) Sie ist es gewohnt, dass sie ihren Willen bekommt. Will aber mal nicht zu viel verraten ...

Vielen Dank für dein Lob. :)
Vielleicht hast du recht und ich hätte Gesangsteile kursiv schreiben sollen ... Das mache ich aber nicht jetzt, muss nämlich leider los, wollte dir unbedingt aber vorher noch danken! :)
EDIT: Habe deinen Rat umgesetzt und alle Lied- und Textzeilen kursiv gemacht. Hoffe, ich habe alle erwischt und es trägt zum besseren Verständnis bei!

Ja, Feedback hilft mir immer. :) Und ich hoffe sehr, dass ihr diesmal nicht so lange auf das nächste Kapitel warten müsst; bisher schaut es gut aus!

Grüßle,
Glinda
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20

Mittwoch, 4. April 2012, 01:43

Grauen

Hallo ihr Lieben,

gerade noch rechtzeitig bevor ich am Samstag wegfahre, habe ich es geschafft, das zweite Kapitel fertig zu schreiben. :)

Diesmal gilt der Dank meinen grandiosen kleinen Schwestern, die mich unglaublich inspiriert haben. Die eine mit den Vorschlägen Messer, Pistole und Banane und die andere mit den Vorschlägen Handbesen, Kajal, Fischgrillzange, Kugelschreiber und (sehr hartnäckig) Mohrrübe. Letztendlich wurde es dann doch eine Spinne, sorry, ihr beiden. ;)

Ich hoffe, es gefällt euch!






Grauen

Niki hatte es sich mit einer Decke auf dem Bett ihres Hotelzimmers gemütlich gemacht und steckte, wie so oft, die Nase in ein Buch. Nebenbei knabberte sie an einem Apfelgriebs, denn die Geschichte hatte sie dermaßen gefesselt, dass sie nicht aufstehen wollte, um sich einen neuen Apfel zu holen.

Knoblauch, Knoblauch!
Ohne den Blick aus den Seiten zu heben, tastete Niki ein wenig genervt auf ihrem Nachttisch nach dem Handy. Zu Beginn ihrer Spielzeit bei „Tanz der Vampire“ in Berlin hatte sie sich dieses Lied als Klingelton eingestellt. Wäre langsam mal Zeit für einen neuen, dachte Niki bei sich.
Knoblauch, Knoblau...
„Jannika Schwarz, hallo?“
„Guten Tag, Frau Schwarz, hier spricht Gregor Wegener, der Casting Director von Wicked“, meldete sich der Anrufer.
Nikis Herz setzte einmal kurz aus und schlug dann doppelt so schnell weiter als zuvor. Rasch legte sie ihr Buch zur Seite und setzte sich unwillkürlich aufrechter hin.
„Ich wollte Ihnen nur mitteilen, dass wir Sie gerne bei unserer engeren Auswahl für die Rolle der Glinda dabeihaben würden.“
Nikis Augen wurden groß und irgendetwas in ihrem Bauch schien zu hüpfen. Sie hatte es tatsächlich in die nächste Runde geschafft! Ein Lächeln breitete sich über ihr ganzes Gesicht aus.

„Frau Schwarz? Sind Sie noch dran?“, wurde Niki unsanft in die Gegenwart zurückgerissen.
„Ja!“, rief sie aus, „Ich freue mich nur so ... ich kann gar nichts sagen.“
Ihr Gesprächspartner lachte. Dann erklärte er:
„Am nächsten Samstag würden wir Sie gerne hören, wie Sie zwei Songs der Glinda performen. Zum einen natürlich ‚Heißgeliebt’. Das andere Stück wäre ‚Wie herrlich’, allerdings in der Soloversion. Außerdem bekommen Sie eine Partnerin zugelost, mit der Sie das Lied ‚Was fühl’ ich in mir?’ singen sollen. Können Sie die Noten morgen, oder besser noch heute, beim Theater abholen?“
Niki schaute auf ihre Uhr. Erst halb vier.
„Ja, ich kann heute noch vorbeikommen“, sagte sie.
„Großartig!“, freute sich der Castmanager. „Dann sehen wir uns kommenden Samstag.“
„Warten Sie!“, rief Niki in den Hörer. „Wann erfahre ich, wer meine Duettpartnerin wird? Darf ich vorher mit ihr üben?“
„Wer ihre Partnerin ist, erfahren Sie erst am Samstag. Wir möchten testen, wie Sie mit einer solchen Situation klarkommen und was Sie daraus machen können. Außerdem ...“ Wieder lachte Herr Wegener in den Hörer. „Wir wollen schließlich auch unseren Spaß haben.“
Niki fand das überhaupt nicht komisch, doch sie lachte kurz mit, um diesen für sie so wichtigen Mann nicht zu verärgern. Dann verabschiedete sie sich freundlich und beendete das Gespräch.

Vorsichtig, als wäre es zerbrechlich, legte sie das Handy weg. Erst jetzt wurde ihr richtig bewusst, was sie gerade erfahren hatte. Sie, Niki Schwarz, war unter hunderten von Bewerbern in die engere Auswahl gekommen! Sie würde platzen, wenn sie nicht bald jemandem ganz ausführlich von ihrem Glück berichten konnte. Wohl nur aus diesem Grund wählte sie die vertraute Nummer.

„Schwarz“, schnaubte eine deprimierte Stimme in den Hörer.
„Hallo Mama“, sagte Niki leise und bereute es schon jetzt wieder, überhaupt angerufen zu haben.
„Janni!“ Die Stimme ihrer Mutter klang auf einmal weniger resigniert, dafür aber wachsam, als mache sie sich auf eine Hiobsbotschaft gefasst. Nun, damit konnte Niki dienen.
„Ich bin im Wicked-Casting weitergekommen“, berichtete sie. „Ich hab dir doch von der Audition erzählt, weißt du noch?“ Es kam wie es kommen musste, und auch wenn Niki nichts anderes erwartet hatte, wurde es schlimmer als sie gedacht hatte.
„Casting! Audition!“, brüllte Iris Schwarz in den Hörer. „Wenn ich diese Worte schon höre! Das macht mich krank! Wieso kannst du nicht etwas Vernünftiges machen, so wie deine Schwester?“
Niki schluckte.
„Mama ... versteh mich doch!“, flehte sie, nicht zum ersten Mal. „Die Bühne ist nun mal das, was mich glücklich macht. Es kann nicht jeder in einer Anwaltskanzlei sitzen, wie Julia.“

Ihre große Schwester hatte ein Abi mit 1,1 hingelegt und sich noch darüber geärgert. Nach ihrem Jura-Studium war Julia kaum zwei Jahre in einer großen Kanzlei in Köln angestellt gewesen, als sie sich auch schon selbstständig gemacht hatte. Ihre beiden Partner konnte man eigentlich nicht mehr als solche bezeichnen, „Untergebene“ traf es wohl eher. Sie hatte schon ein paar große Fälle mit bekannten Prominenten erfolgreich abgeschlossen und wurde in der Presse gerne als „die eiserne Anwältin“ bezeichnet.

Niki hatte im Gegensatz zu ihr ein Abi ohne eine eins vor dem Komma. Das reichte ihr jedoch, denn es war immer noch gut genug, um sich an der Joop van den Ende Academy in Hamburg bewerben zu können. Sie hatte es heimlich getan, da sie ganz genau wusste, wie ihre Eltern darauf reagiert hätten, schließlich waren diese doch schon mit ihren vielen Musicalbesuchen nicht einverstanden gewesen. Nach bestandener Aufnahmeprüfung, musste sie es aber letztendlich doch beichten.
Ihre Mutter war außer sich vor Wut gewesen und hatte Niki angeschrien, ihr Vater jedoch hatte geschwiegen. Ihre Mutter war enttäuscht, weil sie nicht etwas „Richtiges“ machte, wie Julia und ihr Vater war es, weil sie heimlich gefahren war.
Trotzdem zog Niki nach Hamburg. Ohne die Unterstützung ihrer Eltern war die Anfangszeit sehr schwer, bevor sie es schaffte, eines der heiß begehrten Stipendien zu ergattern. Ab da wurde es besser.
Doch die Beziehung zu ihrer Schwester, mit der sie sich immer gut verstanden hatte, verschlechterte sich stetig, weil vor allem ihre Mutter die ältere Schwester deutlich bevorzugte und ihren Lieblingssatz „Warum kannst du nicht sein wie Julia?“ bei jeder sich bietenden Gelegenheit anbrachte – auch wenn noch jemand anderes dabei war, außer der Familie.

„Pah“, machte Iris Schwarz nun bloß.
Niki schluckte erneut. Ein unangenehmes Schweigen trat ein, bis Niki schließlich flüsterte:
„Ich wollte nur, dass ihr Bescheid wisst ...“ Dann fügte sie lauter hinzu: „Und falls ich eine neue Adresse habe, sage ich sie euch natürlich.“
Als ob ihre Eltern sie je besuchen kommen würden.
„Grüß Papa von mir.“
Beharrliches Schweigen am anderen Ende der Leitung.
„Tschüss, Mama“, wisperte Niki kraftlos und drückte mit dem letzten Rest Selbstbeherrschung, den sie noch übrig hatte, auf den roten Knopf.
Traurig zielte sie mit dem Apfelgriebs auf den Papierkorb. Warum hatte sie nur zu Hause angerufen? Sie hätte wissen müssen, dass sie danach nur deprimiert wäre.

Noch während sie sich wunderte, dass sie den Mülleimer tatsächlich getroffen hatte, dachte sie darüber nach, mit wem sie jetzt feiern könnte. Da fiel ihr Clara ein. Ob sie es wohl auch geschafft hatte? Sie tippte eine SMS an die Freundin und die Antwort kam fast sofort.

Hey Niki, ja, hab einen Anruf bekommen. Sie sagen, ich bin ZU quirlig für Glinda und zu dominant fürs Ensemble, wurde also gar nicht genommen :-( und du? Vielleicht sehen wir uns ja trotzdem mal wieder, wäre schön! Grüßle, Clara

Niedergeschlagen antwortete Niki ihr. Sie hatte so gehofft, dass Clara es auch geschafft hätte. Jetzt hatte sie überhaupt keine Lust mehr zu feiern.
Sie fuhr zum Palladium Theater, holte die Noten ab und machte sich sofort ans Üben.

***

An diesem Samstag schienen die Korridore des Stage Theaters so still, als hätten alle Geräusche sie fluchtartig verlassen. Nur Nikis hastige Schritte hallten von den hohen Wänden wider. Verzweifelt fuhr sie sich durch die hellbraunen Haare. Wohin zum Teufel war bloß dieser blöde Warteraum verschwunden? Erst vor zwei Wochen war Niki das letzte Mal hier gewesen und trotzdem hatte sie sich hoffnungslos verlaufen.
„Hätte ich doch den Plan nicht zu Hause gelassen!“, schimpfte sie vor sich hin. Das hatte sie nun von ihrer vermaledeiten Eitelkeit. „Ich finde mich dann schon zurecht – klar!“ Kopfschüttelnd blieb sie stehen. „Wenn ich wenigstens wüsste, wo ich bin ...“

„Kann ich dir helfen?“
Erschrocken drehte sich Niki nach dem Sprecher um. Vor ihr stand ein junger Mann und zwar ein sehr gut aussehender junger Mann, wie sie fand. Blonde Wuschelhaare, himmelblaue Augen, umwerfendes Lächeln, durchtrainierter Körper – hmmm ... Der sah ja wirklich richtig lecker aus.

„Ich, ähm“, meinte Niki etwas verlegen. „Ich finde den Warteraum nicht mehr. Weißt du, ich muss heute vorsingen ... Ich bin übrigens Niki.“ Und sie reichte ihm die Hand. Er beäugte diese ein wenig belustigt, bevor er sie dann doch ergriff, nur um sie sofort wieder loszulassen.
„Du bist wohl vom Land, was?“, meinte er.
„Ich komme aus Winderatt. Das ist bei Flensburg“, erwiderte Niki ein wenig beleidigt.
Ihr Gegenüber brach in schallendes Gelächter aus.
„Hab ich’s doch gewusst“, brachte er mühsam unter Lachsalven hervor. „Eine Landpomeranze vom Feinsten.“
Niki stand daneben und funkelte ihn zornig an, doch das schien ihn kein bisschen zu stören. Wenn sie nur gewusst hätte, wo sie hinmusste, dann wäre sie ganz sicher gegangen.
„Zeigst du mir jetzt wo der Warteraum ist, oder muss ich hier versauern?“, fragte sie schließlich ungeduldig.
„Aber natürlich“, keuchte der Mann, der sich nur langsam wieder beruhigte. „Folgen Sie mir, Mademoiselle Campagnarde.“
„Aber natürlich, Monsieur de Grande Cité“, äffte Niki ihn nach. Er musterte sie etwas überrascht ob der Tatsache, dass sie offensichtlich Französisch konnte und Niki versuchte sich einmal an Patricias überheblichem Blick. Dass sie nur geraten hatte, brauchte er ja nicht zu wissen. Den restlichen Weg legten sie schweigend zurück.

Im Warteraum wurden sie hektisch vom Castmanager begrüßt:
„Frau Schwarz, Herr Kerber, schön, dass Sie sich nun auch die Ehre geben.“ Und noch bevor Niki sich verteidigen konnte, fuhr er fort: „Dann können wir ja anfangen. Also, zunächst möchte ich noch einmal alle im Namen von Stage Entertainment ganz herzlich hier im Palladium Theater Stuttgart begrüßen. Für alle, die es vergessen haben: Ich bin Gregor Wegener, der Casting Director, und ich würde vorschlagen, dass wir uns duzen.“ Zustimmendes Gemurmel erfüllte den Raum. „Danke sehr. Ich freue mich, dass sich mit euch so viele vielversprechende Talente hier befinden ... Nun ja, ich will nicht länger reden! Lasst uns beginnen. Unser Computer hat bereits die Pärchen zusammengewürfelt und ich würde gerne mit Elphabas und Fiyeros ‚Solang’ ich dich hab’’ beginnen. Alle Glindas haben ein bisschen Pause. Wir bitten um Verständnis, dass Zuhörer nicht gestattet sind. Also, das Pärchen Nummer eins ...“ Er schaute zum ersten Mal, seit er begonnen hatte auf den Zettel in seiner Hand. „Natalia Volk und Leon Kerber, bitte.“

Aha, Leon heißt er also, dachte Niki, während sie zusah, wie ihre neueste Bekanntschaft sich von der Wand löste, an der er bisher lässig gelehnt hatte, und sich mit einer einstudierten Bewegung durch die Haare fuhr. Das arrogante Gehabe von Fiyero wird ihm jedenfalls keine Schwierigkeiten bereiten.
Sie beschloss, sich einfach nur am Automaten im Flur einen Kaffee zu holen und im Warteraum zu bleiben, nicht dass sie sich am Ende noch einmal verlief.

***

Patricia saß ausnahmsweise einmal ruhig in einer Ecke. Sie hatte keine Lust, mit jemandem zu reden, hier war doch ohnehin niemand auf ihrem Niveau. Höchstens dieser Leon Kerber könnte eventuell mit ihr mithalten, doch der war nach seinem ersten Auftritt sofort verschwunden, da die Fiyeros erst nach dem Mittagessen wieder dran waren.
Eigentlich eine saublöde Zeiteinteilung, dachte Patricia mürrisch. Wieso können die es nicht machen wie bei den Castings auch? Dann müsste ich jetzt nicht rumsitzen und warten.

„Patricia Fielding und Jochen Türschmarn, bitte.“
Na, prima. Ein Mann mit einem solchen Namen konnte doch gar kein sexy Fiyero sein. Wieso musste sie nur so ein Pech haben?

Ihre Befürchtungen waren mehr als bestätigt, der Typ sah zum Gruseln aus. Es kostete Patricia alles an Willenskraft und Überwindung, ihm näher als fünf Meter zu kommen und dann auch noch so zu tun, als sei sie in ihn verliebt. Und als er den Mund aufmachte und zu singen begann, musste sie sich sehr zusammenreißen, um nicht zu erschaudern. Er trällerte mit einer näselnden Stimme vor sich hin. Keine Spur von Emotionen und unsterblicher Liebe und so. Aus dem gemeinsamen Gesangspart versuchte Patricia, das Beste zu machen und fürchtete sich insgeheim die ganze Zeit vor dem Ende des Liedes. Und da war es auch schon.
Joachim, oder wie er hieß, schnellte auf sie zu, um sie zu küssen und sie zuckte ganz automatisch zurück. Wahrscheinlich sah es eher angeekelt als beschämt aus, aber Patricia sagte sich, dass sie so gut gesungen hatte, dass das sicher nicht ins Gewicht fiel.
„Was ift?“, lispelte Jonas.
„Es ist nur ...“ Patricia stockte glaubhaft. „Zum ersten Mal fühl’ ich mich irgendwie ...“ Das letzte Wort wisperte sie nur: „Wicked ...“
Und damit verschmolzen sie in einem Bühnenkuss. Patricia kniff die Augen fest zusammen und ließ Jonathans Geschlabbere möglicht reglos über sich ergehen. Er wollte gar nicht mehr aufhören. Bäh!

Schließlich riss Patricia sich los und strahlte Gregor an, der sie wohlwollend musterte.
„Danke, ihr beiden. Jochen ...“ Ach ja, Jochen hieß er! Ts. Doofer Name. „Dich brauche ich erst nach dem Mittagessen wieder, dann mit ‚Tanz durch die Welt’. Patricia, wenn wir mit den restlichen Pärchen durch sind, kommen erst die Glindas an die Reihe, damit ihr Elphabas ein wenig Zeit habt, eure Stimme zu erholen, denn dann ist ‚Frei und schwerelos’ dran. Alles klar?“
Patricia nickte nur und verließ die Bühne so schnell wie möglich.

„He, warte doch mal“, rief Jochen ihr hinterher. „Wir waren echt gut, oder? Und der Kuss am Ende ... Oh la la!“ Patricia hörte das anzügliche Grinsen in seiner Stimme.
„Ich stehe nicht auf Chamäleons“, erwiderte sie kühl.
Jochen schwieg verwirrt und Patricia grinste böse in sich hinein. Bis der mal kapiert hatte, dass das Chamäleon das Tier mit der längsten Zunge war, würde das Casting vorbei sein. Rasch ging sie davon und ließ einen sehr verdatterten Jochen zurück.

***
Meine neue Fanfiction (Achtung Off Topic!):
Changed - Wie ich bin
Zweites Kapitel online!

„Wusch, wusch!“
Mein Oneshot: Dobby erzählt...