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grit

Auror

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Samstag, 8. Januar 2011, 14:14

Charitys Geheimnisse

Als Betaleser halte ich mich ja lieber im Hintergrund und freue mich, wenn einige meiner Ideen Verwendung finden, aber dank der Ermunterung von OZOIL stelle ich nun meine erste FF vor.

Die Idee zu dieser Geschichte entstand in der langen Wartezeit auf Band 7, als es so ungeheuer aussichtslos erschien, dass Harry jemals alle Horkruxe finden könnte. So habe ich mir eine Figur ausgedacht, die sich als Hilfe für dieses Unterfangen eignet, jemanden, der Voldemort von früher kennt...
Da Canontreue für mich ganz wichtig ist, hätte ich diese Geschichte beinahe verworfen, nachdem Band 7 erschienen war und Harry dieses Problem gänzlich ohne mein Zutun gelöst hatte.
Doch dann fiel mir auf, dass es in HP eine Figur gibt, von deren Vergangenheit und Privatleben wir rein gar nichts erfahren und die so genügend Spielraum für eigene Ideen bietet, so dass man trotzdem dem "Potterversum" treu bleiben kann, Charity Burbage.
Leider wird sie ja getötet, bevor sie auch nur den kleinsten Versuch unternehmen kann, Harry zu helfen, trotzdem ist es vielleicht für den ein oder anderen interessant, ihre Geschichte zu lesen, denn wie wir es auch schon von den Büchern her kennen, steckt hinter vielen Dingen mehr, als wir auf den ersten Blick sehen können.

Die Geschichte spielt hauptsächlich parallel zu Band 6 und 7, es gibt aber Erinnerungen, die viel weiter zurückreichen, bis in Tom Riddles Kindheit und die Vergangenheit von Albus Dumbledore.

Charity Burbage ist eine kleine, unscheinbare Frau, sie führt ein unauffälliges Leben, bis ein Ereignis eintritt bei dem ihr klar wird: Da kann nur einer helfen - Albus Dumbledore.
Sie hat einige bemerkenswerte Fähigkeiten, von denen sie allerdings nicht viel Aufhebens macht. Und sie hütet viele Geheimnisse. Eines davon ist der Grund, weshalb sie von Voldemort getötet wird.

Die FF hält sich genau an die Bücher, es wird keine Widersprüche zu JKR geben, aber ich versuche, einige lose Enden zu verknüpfen. So werden unter anderem solche Fragen geklärt, wie Alastor Moodys magisches Auge in Umbridges Bürotür gelangt ist und wie Rufus Scrimgeour wirklich starb.
Recht herzlichen Dank an Rocking-Virus für die Gestaltung des Banners.

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Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und vielleicht den ein oder anderen Aha-Effekt.


Charitys Geheimnisse

I Ein Brief an Dumbledore

„Miaauuuu! Miiiaaauuuu!“ - Die grau getigerte Katze schrie vor Angst und versteckte sich in der dunkelsten Ecke der Transporttasche, die ihr Frauchen sich umgehängt hatte. Die alte Dame versuchte gar nicht erst, das aufgeregte Tier zu beruhigen, denn ihr selbst war auch das Herz in die Hose gerutscht bei dem schrecklichen Geräusch, das sie gerade gehört hatten. Es musste ganz in der Nähe sein. Woher kam nur dieses schreckliche Getöse – und all diese Schreie? Mit lautem Sirenengeheul näherten sich Rettungsfahrzeuge, Notfallambulanzen, Feuerwehrautos. Viele Leute rannten aufgeregt durch die Straßen.
„Nur noch ein paar Minuten, zwei Querstraßen noch, meine Gute“ - sie sagte das sowohl zu ihrer Katze als auch zu sich selbst und ging, so schnell es ihr Alter erlaubte, in Richtung ihres Zuhauses.
Sie freute sich immer, wenn sie um die Ecke bog, dass schon von weitem die Blumenkästen ihrer Fenster zu sehen waren, bunte Farbtupfer an der sonst eintönig ockerfarbenen Fassade. Doch was sich ihren Augen bot, als sie die Querstraße erreicht hatte, verschlug ihr den Atem. Da stand kein Haus mehr! Durch die dichten Staubwolken konnte sie kaum etwas erkennen, Menschen hasteten hin und her – dort, wo das Haus gestanden hatte – ein einziger Trümmerhaufen. Sie schlug die Hände vor's Gesicht und schloss die Augen. Das konnte doch nicht wahr sein! Doch als sie es wagte, ihre Augen wieder zu öffnen, als sie vorsichtig näher ging, da fing sie an zu begreifen, dass es ihr Zuhause nicht mehr gab. Und noch während sie Leute reden hörte von Fahrlässigkeit und Gasexplosion, während all der Aufregung rings umher, schlich sich ein so absurder Gedanke in ihren Kopf – aber nein, das konnte doch nicht sein...oder doch?
„Gehen Sie bitte weiter!“ - ein Polizist sprach sie an. „Aber ich wohne doch hier...ich habe hier gewohnt...“ - ihr versagte die Stimme. Die Katze in ihrer Transporttasche schrie noch immer, ihr angstvolles Miauen mischte sich mit dem Stöhnen der Verletzten und dem Heulen der Sirenen.
„Gab es viele Tote?“ - „Bis jetzt haben wir 37 Verletzte geborgen, ganz oben müssen sehr viele Leute gewesen sein. Wir wissen nicht, ob noch jemand unter den Trümmern liegt, da kann ich jetzt niemanden hinschicken – das müssen Sie verstehen – Einsturzgefahr.“ „Oben im vierten Stock, beim alten Mr. Harris, da waren heute viele Gäste – er hat Geburtstag, ich habe ihm heute morgen noch gratuliert, er hat sich so auf das Fest gefreut, mit der ganzen Familie – wie furchtbar.“
„Wahrscheinlich ist eine Gasleitung explodiert, oder jemand war unvorsichtig...“ - Jetzt wurde die Stimme der alten Dame resolut: „In diesem Haus gibt es - … gab es keine Gasleitung!“ Verdutzt schaute der Polizist die alte Frau an: „Jedenfalls haben Sie großes Glück gehabt, dass Sie nicht zu Hause waren, nicht viele werden überleben – ich habe die Schwerverletzten gesehen. Brauchen Sie Hilfe, haben Sie jemanden, wo Sie hingehen können, Verwandte vielleicht, soll ich Sie irgendwohin fahren?“ Sie überlegte einen Moment, bevor sie antwortete, natürlich brauchte sie jetzt Hilfe – und es fiel ihr auch nur einer ein, der ihr jetzt helfen konnte – und wo sie hingehen würde, wusste sie auch ganz genau, nur dass sie das diesem Polizisten nicht sagen konnte – der würde sie glatt in die Psychiatrie einweisen. Natürlich würde sich bei der ersten ärztlichen Untersuchung herausstellen, dass sie geistig völlig gesund war – aber was für eine Zeitverschwendung! Also schaute sie ihn freundlich an: „Würden Sie mir helfen, in die Charing Cross Road zu kommen, dort habe ich Bekannte. Ach, und was glauben Sie, kann man vielleicht in ein paar Tagen in diesem Schutt noch nach ein paar Erinnerungsstücken suchen? Oder wird alles länger abgesperrt?“
„Ich fahre Sie gerne zu Ihren Bekannten – und ob man hier nochmal jemanden nach irgendetwas suchen lässt – das glaube ich, ehrlich gesagt, nicht. Seien Sie froh, dass Sie noch leben!“
Während der freundliche Polizist sie in die Charing Cross Road fuhr, dachte sie angestrengt nach. Sie versuchte, sich ganz genau zu erinnern, denn mehr und mehr machte sich der unmögliche, der absurde Gedanke in ihrem Kopf breit, dass das, was mit dem Haus, in dem sie seit ein paar Jahren gewohnt hatte, geschehen war, kein gewöhnliches Unglück sein konnte. Und es gab nur einen Menschen, den sie danach fragen konnte – und der es vielleicht herausfinden könnte. Denn wenn es das war, was sie befürchtete, wenn es Magie war, schwarze Magie, dann bedeutete das, dass dieser Tom sie gefunden hatte, und dass er nach all den Jahren immer noch ihren Tod wollte, und es bedeutete auch, dass ihr nur einer helfen konnte – Albus Dumbledore.
Der gute alte Albus, der ihr damals, als ihre gesamte Familie durch diesen Wahnsinnigen ermordet worden war, erklärt hatte: „Du bist nicht mehr sicher hier in London, er wird dich weiter verfolgen, er sieht eine Gefahr in dir.“ Warum nur hatte sie nicht auf ihn gehört! Sie hatte ihm damals entgegnet, je weniger Leute überhaupt von ihrer Existenz wüssten, desto besser – und hatte seinen Vorschlag, mit ihm nach Hogwarts zu kommen, abgelehnt. Zu seltsam fand sie seine Idee, sie konnte einfach nicht glauben, dass das gut gehen würde.Wie hatte sie nur so überzeugt sein können, dass ihr unauffälliges Leben genug Sicherheit bot! Wenn ihre absurde Vermutung sich bestätigen würde, dann hatten ihretwegen all ihre Nachbarn ihr Heim verloren – und viele ihr Leben... - Tränen traten ihr in die Augen, sie fühlte sich schuldig und ihr wurde klar, dass es nun kein Zurück mehr gab. Sie hatte ihre Entscheidung getroffen.
Jetzt kam der schwierigere Teil – sie musste Albus Dumbledore finden. Was hatte er nur damals genau gesagt? An die Charing Cross Road hatte sie gleich gedacht, sie wusste, es würde ihr gleich wieder einfallen...
„Wo soll ich anhalten?“ unterbrach der Polizist ihre Gedanken. - „Ich steige hier aus, ich setze mich erst mal dort auf eine Bank – es war alles ein wenig zu viel für mich. Vielen Dank für Ihre Hilfe.“

Als erstes ließ sie die Katze aus der Transporttasche, die nach einem kurzen Ausflug ins nächste Gebüsch brav zurück kam und sich vor ihrem Frauchen hinsetzte. Die alte Dame nahm die Katze auf den Arm und setzte sie sich dann auf die Schulter, wo sie sich gut festhielt. „So, meine Gute, nun müssen wir einen Moment warten.“ Sie beobachtete genau die gegenüberliegende Straßenseite, besonders konzentrierte sie sich auf die Buchhandlung. Nach einer Weile bemerkte sie eine Gruppe etwas merkwürdig gekleideter Leute, die genau auf die Buchhandlung zusteuerten. „Komm, Mieze, jetzt dürfen wir beide keinen Fehler machen.“ Sie ging den Leuten, die sie gerade ins Auge gefasst hatte, hinterher. Die ersten beiden schienen zwischen der Buchhandlung und dem Musikladen im Nichts zu verschwinden, aber sie wusste ja, dass das nicht stimmte und ging – die Katze auf der Schulter – forsch und so rasch, wie ihr Alter es erlaubte, hinterher. Beinahe wäre sie über eine Stufe gestolpert, aber einer der vor ihr laufenden Herren fasste sie am Arm und verhinderte den Sturz – und so gelangte sie, wie sie es geplant hatte, in den Tropfenden Kessel. Sie setzte sich erschöpft auf den nächstbesten Stuhl und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Das war knapp gewesen!
Tom, der Wirt, fragte – sie neugierig musternd – ob sie etwas zu Essen oder zu Trinken wolle, aber sie antwortete nur leise, dass sie unbedingt eine Nachricht an Albus Dumbledore schicken müsse – und ob er ihr dabei helfen könne. Tom brachte ihr Feder, Tinte und Pergament und sagte, sie könne seine Eule nehmen. So saß sie nun vor dem leeren Blatt und überlegte, wie sie so kurz wie möglich all das aufschreiben sollte, was ihr durch den Kopf ging – und wie sie Dumbledore begreiflich machen konnte, wer ihm da schrieb. Ob er sich überhaupt noch an sie erinnerte? -
Schließlich griff sie in ihre Tasche und holte ihren alten Füllfederhalter heraus:

Lieber Albus, als wir das letzte Mal miteinander gesprochen haben, hast du mir einen Vorschlag gemacht, der mir zu absurd erschien, als dass ich darauf hätte eingehen können, doch heute ist mir klar geworden, dass ich hier nicht bleiben kann, dass meine Anwesenheit für alle meine Nachbarn immer eine Gefahr sein wird, solange diesem Tom Riddle nicht das Handwerk gelegt wird. Wenn du glaubst, dass damit nicht wieder Menschen, vor allem Kinder in Gefahr gebracht werden, dann werde ich deinen Vorschlag von damals annehmen. Du weißt, ich werde alles, wirklich a l l e s tun, um diesen Wahnsinnigen zur Strecke zu bringen. Das Haus, in dem ich die letzten paar Jahre gewohnt habe, ist heute eingestürzt – wie weggesprengt – alle reden von einer Gasexplosion, aber es gab bei uns kein Gas! Und so viele Opfer! Ich bin sicher – nur du kannst herausfinden, ob es ein Fluch war, ob dieser Riddle dahinter steckt. Du weißt, dass ich nicht auf dem „üblichen Wege“ mit dir Verbindung aufnehmen kann. Ich warte im Tropfenden Kessel. Wirst du mir helfen? Ich hoffe, bald von dir zu hören.
Liebe Grüße Charity Burbage

Sie rollte das Pergament zusammen und ging langsam zum Tresen, wo sie Toms Eule den Brief ans Bein band. Sie sah dem Tier nach, wie es in den dunklen Abendhimmel verschwand und überlegte, was ihr nun noch zu tun blieb. Gedankenverloren streichelte sie ihre Katze, die inzwischen von ihrer Schulter heruntergesprungen war und zwischen den Gästen umherlief. Tom hatte ihr sogar etwas Katzenfutter hingestellt, sie selbst bat nur um ein Glas Wasser, sie würde heute keinen Bissen mehr hinunter bekommen...
Charity warf dem Wirt einen dankbaren Blick zu und dachte an ihre letzte Begegnung mit dem anderen Tom, Tom Riddle. Es war in den Ferien, und das erste, was ihr aufgefallen war, war sein Gang. Er hielt sich irgendwie gerader, wirkte noch selbstsicherer, ja sogar überheblich. Sein Blick fiel immer wieder auf einen seltsamen Ring, den er an der rechten Hand trug. Er sah aus wie ein Siegelring, soweit sie das sehen konnte, mit einem merkwürdigen Symbol auf dem Stein, ein Strich, um den sich ein Kreis schloss, der wiederum von einem Dreieck umschlossen wurde. Tom, der bemerkt hatte, dass sie seinen Blicken gefolgt war, hielt die Hand hoch und sagte: „Ein altes Familienerbstück...“ - Der Ton dieser paar Worte ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren. Sie zwang sich, in seine Augen zu schauen und entdeckte dort die Wahrheit, die er vor allen anderen, nicht aber vor ihr verbergen konnte – er hatte getötet! Sie schauderte:„Tom, was hast du getan?“ - Der zuckte nur gleichgültig die Schultern: „Gar nichts, jedenfalls nichts, was dich etwas anginge.“ Sie erinnerte sich noch genau an das Gefühl, dieses Schaudern, als wäre es plötzlich im Raum kälter geworden, als hätte sich Toms Gesicht ebenfalls verändert, eine Mischung aus Befriedigung und Gier, die seine Züge irgendwie verzerrte. Sie konnte das nicht in Worte fassen, aber es machte ihr Angst, und genau das hatte sie Albus auch gesagt – und dabei das Gefühl gehabt, dass er vielleicht der einzige Mensch war, der verstehen konnte, was sie meinte.
Albus – jedes Mal, wenn sie miteinander gesprochen hatten, hatte nicht nur er etwas über Tom Riddle erfahren, nein, sie hatte auch vieles über Albus erfahren, vieles, was er eigentlich niemandem erzählen wollte.
Sie hatte diese Art, so genau zuzuhören, dass sie die kleinste Nuance, das kleinste Zögern, stets bemerkte und ihre Gesprächspartner dabei so genau beobachtete, dass sie Dinge erfuhr, die diese eigentlich verbergen wollten. Sie hatte Albus' Augen beobachtet, als sie ihm von ihrer Familie erzählt hatte, und dabei seinen wunden Punkt erkannt, ohne dass er ein Wort gesagt hatte. Und ohne dass er es wollte, hatte er dann zu ihr von Ariana gesprochen, von seinen Eltern... Und am Ende – sie hatte ihn mit keinem Wort unterbrochen – hatte sie ihn lange angesehen und eindringlich geflüstert: „Albus, du hast nicht deine gesamte Familie verloren, du hast noch einen Bruder. Du kannst immer noch etwas gutmachen.“ Sie wusste, dass er nach diesem Gespräch öfter im „Eberkopf“ vorbeigeschaut hatte...
Albus hatte ihr auch von Grindelwald erzählt, und sie bezweifelte, dass dies außer ihr noch irgend jemand wusste. Sie hütete seine Geheimnisse – und er hütete das ihre, es war nur ein kleines Geheimnis, verglichen mit all den vielen großen...
Die Katze hatte es sich auf ihrem Schoß bequem gemacht – ein kleines Stück Normalität an diesem ganz und gar nicht normalen Abend.

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Samstag, 8. Januar 2011, 14:16

Teil 2

„Charity, Guten Abend, wie schön, dass es dir gut geht. Ich habe schon gehört, was passiert ist – und ich bin sicher, dein Instinkt hat dich nicht getrogen.“ Die hochgewachsene Gestalt von Albus Dumbledore beherrschte den Raum – alle sahen zu ihm hin und musterten die unscheinbare kleine Frau mit großer Neugier – Albus schien sie gut zu kennen. Er setzte sich zu ihr an den Tisch und die Katze strich ihm um die Beine und schnurrte. Da bemerkte sie es: „Albus, was ist mit deiner Hand passiert, hast du Schmerzen?“ - Dumbledore zog den Ärmel seines Umhangs über die geschwärzte, wie verdorrt aussehende Hand und machte damit deutlich, dass er jetzt nicht darüber reden wollte. Ihr Blick war ebenso deutlich, er wusste, dass sie ihn früher oder später dazu bringen würde, es zu erzählen, und sie wusste, dass er es wusste, also bohrte sie nicht weiter nach.
„Ich war schon an der Stelle, an der das Haus gestanden hat. Ein sehr mächtiger Fluch hat es zum Einsturz gebracht, daran besteht kein Zweifel.“
„Aber war das nicht dumm, hätte er sich nicht überzeugen müssen, dass ich im Haus bin...?“ - Albus schüttelte langsam den Kopf: „Das ist ihm inzwischen egal, ich bin überzeugt, er hat einen seiner Handlanger, einen seiner Todesser geschickt, und auf ein paar Tote mehr oder weniger kommt es ihm nicht an.“ Sie schaute ihm in die Augen: „ Albus, was soll ich nur tun – in meiner Gegenwart ist doch keiner mehr sicher? All diese Leute – sie sind tot – und das nur, weil dieser Riddle mich umbringen wollte!“
Dumbledore legte ihr behutsam seine Hand auf den Arm: „ Es gibt einen sicheren Ort für dich – Hogwarts.“ - „Albus, das kannst du doch unmöglich ernst meinen, wie soll denn das funktionieren?“ - „Aber Charity, du zweifelst doch nicht etwa an meinen magischen Fähigkeiten?“
„An deinen nicht, Albus, aber...“
Auch nachdem Dumbledore ihr seinen Plan in allen Einzelheiten erläutert hatte, einen Plan, bei dem so vieles schiefgehen konnte, war sie noch voller Zweifel und Sorge, doch in einem hatte Albus Recht, es gab keine andere Möglichkeit, wenn sie nicht noch mehr Menschen in Gefahr bringen wollte – und so setzte sie sich ihre Katze auf die Schulter und ging mit Dumbledore hinaus in die Dunkelheit.


II Eine neue Lehrerin

Anfangs war es noch ein ganz gewöhnlicher Novemberabend: Filch war in den Gängen von Hogwarts unterwegs, wie jeden Abend auf der Suche nach Schülern, die sich zu verbotener Zeit außerhalb ihrer Schlafsäle herumtrieben. Er folgte seiner Katze, die aufgeregt vor ihm herlief.
Mrs. Norris fauchte die unförmige, vermummte Gestalt an, die wie aus dem Nichts vor ihr aufgetaucht war. Filch war wie erstarrt vor Grauen. „Aber, aber, warum denn so schreckhaft, Mr. Filch, oder gibt es dafür einen Grund?“ Die Stimme von Albus Dumbledore schien mitten aus diesem Ungetüm zu kommen – und dann ein lautes Fauchen und Knurren. Das Ungeheuer näherte sich langsam – und im Licht der nächsten Fackel erkannte Filch, wovor er so viel Angst gehabt hatte: Ein großer Umhang, fast schon eine Decke, fiel zu Boden - und enthüllte drei Gestalten.Vor ihm stand Dumbledore, der eine alte Dame untergehakt hatte, auf deren Schulter eine aufgeplusterte Katze saß, die ihn wütend anfauchte und sich sogleich auf Mrs. Norris stürzte und sich mit ihr einen kurzen, aber heftigen Kampf lieferte, bei dem ganze Fellbüschel umherflogen.
Doch schon nach wenigen Augenblicken, in denen sich Dumbledore und seine Begleiterin aus ihrer Verkleidung geschält hatten, herrschte Ruhe am Boden. Offenbar hatten die beiden Tiere die Verhältnisse geklärt. Dumbledore schmunzelte: „Darf ich dir unseren Hausmeister vorstellen – Mr. Filch und seine Katze, Mrs. Norris.“ Die Frau an seiner Seite lächelte freundlich: „Guten Abend, Mr. Filch, ich bin Charity Burbage, eine alte Freundin Ihres Schulleiters. Wir wollten Sie wirklich nicht erschrecken in diesen unsicheren Zeiten, aber Albus meinte, auf diesem Weg ins Schloss zu kommen, sei am sichersten.“
„Ja, es schien mir geboten, Mrs. Burbage unter größtmöglichem Schutz – also in meiner persönlichen Begleitung – aus London abzuholen und nach Hogwarts zu bringen. Ich habe dafür meine Gründe.“ Mit einer Handbewegung ließ Dumbledore die Reste der Verkleidung, unter der sie alle drei gesteckt hatten, verschwinden.
„Komm, Charity, ich will dir noch deine künftige Wirkungsstätte zeigen.“ Zweifelnd schaute die alte Dame sich um: “Und du hältst das Ganze immer noch für eine gute Idee, Albus?“ „Oh ja, ich halte es sogar für eine meiner brillanteren Ideen, du brauchst dir wirklich keine Sorgen zu machen.“
Als der Schulleiter am nächsten Morgen in der großen Halle auftauchte und seinen Schülern und Kollegen die neue Lehrerin für Muggelkunde, Prof. Charity Burbage, vorstellte, die ab sofort die Vertretung für Prof. Hazard übernehmen würde, der immer noch im St. Mungo weilte, ahnte niemand, dass es mit dieser Dame eine ganz besondere Bewandtnis hatte...
Schon nach wenigen Wochen hatten sich alle in Hogwarts an die freundliche Mrs. Burbage gewöhnt, die meistens mit ihrer Katze auf der Schulter durch die Gänge schlenderte. In ihrem Unterricht ging es wie in einem Muggelklassenzimmer zu, und sie erklärte ihren Schülern sehr genau und spannend, was für unglaubliche Maschinen und Geräte die Muggel erfunden haben, um ohne Magie zurecht zu kommen.
Ihre entwaffnende Freundlichkeit und ihre Art, offen auf jederman zuzugehen ließen niemanden auf den Gedanken kommen, dass Charity Burbage Geheimnisse hüten könnte, Geheimnisse, von deren Existenz niemand etwas ahnte. Das erste betraf Voldemort, und sie war sich nicht bewusst, dass es sich um ein Geheimnis handelte, dessen Aufdeckung Voldemort mit aller Macht verhindern wollte, ja, dass es dieses Wissen war, weswegen er sie verfolgte. Das zweite betraf Albus Dumbledores Vergangenheit – und es war schwer vorstellbar, dass er es ausgerechnet ihr anvertraut hatte. Das dritte betraf Severus Snape, und es war noch viel schwerer vorstellbar, dass ausgerechnet sie im Besitz dieses Geheimnisses war. Das vierte betraf den Phönixorden – und niemand würde jemals auch nur auf die Idee kommen, dass es überhaupt ein solches Geheimnis gab. Das letzte Geheimnis der Charity Burbage betraf sie selbst, und es war das einzige, von dem sie sich sicher war, dass es über kurz oder lang ans Tageslicht kommen würde...

Denn auch wenn ihre gesamte Erscheinung so offensichtlich die einer Hexe war, so gab es doch ein Wesen in Hogwarts, das ihr mit Misstrauen begegnete – und das war Krummbein. Doch erstaunlicherweise fand niemand etwas dabei, wenn Hermines roter Kater mit hoch aufgerichtetem Schwanz um sie herumstrich und aufgeregt miaute und fauchte. Zum Glück konnte Krummbein nicht sprechen und so niemandem mitteilen, dass mit dieser Frau etwas ganz entschieden nicht stimmte. Sie hatte sich angewöhnt, in ihrer Tasche immer ein Tütchen mit Leckereien für ihre Katze parat zu haben, von denen sie Krummbein stets ein paar abgab. Bald schon nahm keiner mehr von Krummbeins ungewöhnlichem Benehmen Notiz.
Charitys letztes Geheimnis blieb vorerst gewahrt.


III Ein Blick in die Vergangenheit

Vor dem Fenster des Schulleiterbüros fielen die ersten Flocken.
„Albus, bist du dir wirklich sicher? Du weißt, du hast schon einmal nicht auf mich gehört - ...“
Dumbledore senkte den Kopf.
Seine Gedanken wanderten weit zurück in den Korridor eines Londoner Waisenhauses, wo er soeben sein erstes Gespräch mit Tom Riddle geführt hatte. Ein junges Mädchen, fast noch ein Kind, war auf ihn zu getreten und hatte ihn mit ihren Augen festgehalten: „Halten Sie das für eine gute Idee?“ - Auf seinen fragenden Blick entgegnete sie: „Diesem Jungen noch mehr... - Magie beizubringen?“ Erschrocken hatte sich Dumbledore umgeschaut, aber sie sprach schon weiter:“Ich habe ihn gehört, es ist also wahr, er hat magische Kräfte. Ich wollte es nicht glauben, aber es gab keine logische Erklärung für all diese Dinge... - Hören Sie, dieser Junge ist böse, er genießt es, andere zu quälen, er hat Billys Kaninchen getötet, einfach so, ohne jede Hemmung. Mrs. Cole konnte es nicht beweisen, aber ich weiß es – und er weiß, dass ich es weiß. Er belügt alle hier, aber ich habe ihn durchschaut – ich sehe es ihm an, wenn er lügt. Er geht mir aus dem Weg, er weiß nicht, wie ich es herausfinde, aber dieser Junge ist gefährlich.“
Beruhigend beugte sich Dumbledore zu ihr hinunter: „Ich kann mir schon vorstellen, dass ihn hier alle etwas seltsam finden. Er wird lernen, diese Kräfte zu beherrschen.“
Ihre grünen Augen funkelten ihn zornig an: „Sie verstehen überhaupt nichts, er kann diese Kräfte, wie Sie das nennen, sehr wohl beherrschen, er tut anderen damit weh! Verstehen Sie doch, wenn irgendjemand irgendeines unserer Kinder von hier wegholen würde, dann gäbe es mindestens ein oder zwei andere, die darüber traurig wären. Bei Tom ist das nicht so. Er hat keine Freunde, manch einer wollte schon gern mal mit ihm spielen oder ist auf ihn zugegangen – aber er will keine Freunde, er kann überhaupt nichts für einen anderen Menschen empfinden. Na ja, außer vielleicht Verachtung... Aber verstehen Sie, was ich meine: Wenn Tom fort ist, werden alle hier erleichtert sein, alle. Die meisten haben Angst vor ihm.“ Dumbledore schaute nun interessiert: „Aber du nicht, oder?“ „Nein“, klang es trotzig, „manchmal glaube ich, er hat Angst vor mir.“
Schweigend sahen sie einander an – es war, als ob sie einander mit Blicken röntgen wollten.
Dann brach sie das Schweigen: „Sie müssen mir etwas versprechen: Bitte! Sie müssen die anderen Kinder in Ihrer Schule vor Tom beschützen, versprechen Sie mir das?“
Noch bevor Dumbledore etwas entgegnen konnte, sagte sie enttäuscht: „Ich sehe Ihnen an, dass Sie mich nicht ernst nehmen, vielleicht weil Sie so viel älter und erfahrener sind. Aber glauben Sie mir, dieser Tom ist sehr gefährlich, Sie werden noch an meine Warnung denken – und hoffentlich wird es dann nicht zu spät sein.“
*

Langsam kehrten Dumbledores Gedanken in die Gegenwart zurück. Er schaute sie an und war sich sicher, sie wusste genau, woran er gerade gedacht hatte. Mit fester Stimme sagte er: “Das ist etwas anderes, ich vertraue Severus.“ - „Es wäre alles einfacher für mich – und nebenbei gesagt, auch für Harry, wenn du mir einfach sagen würdest, was dich so sicher macht.“ Albus schüttelte den Kopf: „Ich habe mein Wort gegeben.“ - „Und ich bin mir bei ihm überhaupt nicht sicher, es passt irgendwie alles nicht zusammen, nun, wenn du nicht darüber sprechen willst, dann muss ich ihn selbst fragen. Ich will ihm dabei in die Augen sehen.“

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Samstag, 8. Januar 2011, 14:17

IV Snapes Geheimnis

„Professor Snape, bitte kommen Sie heute Nachmittag auf einen Tee zu mir, ich muss unbedingt mit Ihnen sprechen.“ Snape schaute verwundert von seinem Frühstücksteller auf und fragte :“Was gibt es denn so Dringendes?“ - „Nicht hier, bitte“ - mit einem eindringlichen Blick fixierte ihn Prof. Burbage - „ ich würde Sie nicht bitten, Ihre Zeit zu opfern, wenn es nicht wirklich wichtig wäre.“

Severus Snape rümpfte leicht die Nase, als er Prof. Burbages Zimmer betreten hatte. Es sah hier drin ganz und gar anders aus als in jedem anderen Büro in Hogwarts. Vor einem Schreibtisch mit Glasplatte stand ein moderner Drehstuhl, auch die anderen Möbel waren vorwiegend aus Glas und Metall, eine Wand wurde von einem großen Bücherregal eingenommen, es enthielt, soweit er das auf den ersten Blick sehen konnte, nur Muggelbücher. Als sie das Teegeschirr auf den Tisch stellte, fiel sein Blick auf ein Schwarz-Weiß-Foto, das in einem schlichten schwarzen Rahmen an der Wand hing. Er erkannte seine Gastgeberin darauf – inmitten ihrer Familie. Das Bild musste mindestens 30 Jahre alt sein. Keine der abgebildeten Personen bewegte sich.
„Weshalb wollten Sie mich sprechen? Prof. Dumbledore sagte, Sie seien eine alte Freundin von ihm. Er hat nie von Ihnen gesprochen.“
„Es ist auch schon eine Ewigkeit her, dass wir uns kennen lernten, er war damals noch nicht Schulleiter – und ich fast noch ein Kind. Ich glaube, ich war damals ziemlich respektlos ihm gegenüber.“ Für einen Moment hatte sie ein schelmisches Grinsen im Gesicht, doch dann fuhr sie ernst fort:„Der gute Albus, ich mache mir Sorgen um ihn, er sieht so angegriffen aus. Und dann sein rechter Arm...“
Snape fauchte wütend:„Er hört ja auch nicht auf mich, er müsste sich schonen und weniger unterwegs sein, - und dann sitzt er stundenlang mit diesem Potter zusammen statt sich auszuruhen!“

„Ja, Harry muss viele Dinge erfahren, auch ich muss ihm noch so manches erzählen, von dem Albus will, dass er es erfährt. Es wäre alles viel leichter, wenn er nicht ständig bei Ihnen nachsitzen müsste.“
„Potter hat es verdient!“
Jetzt fixierten ihre Augen Snape ganz fest. „Warum hassen Sie den Jungen so? Ich habe mit Albus darüber gesprochen, ich bin ganz ehrlich – ich weiß nicht, ob ich Ihnen trauen kann und habe ihn gefragt, wie er sich so sicher sein kann, dass Sie wirklich auf unserer Seite sind.“
Mit gepresster Stimme entgegnete Snape: „Und er hat Ihnen geantwortet....?“
„Seine Antwort hat mich nicht überzeugt, er sagte, er sei sich ganz sicher, Ihnen vertrauen zu können, aber er könne mir nicht sagen, warum, denn er habe Ihnen sein Wort gegeben, nicht darüber zu reden. Ich kenne Albus lange genug, um zu wissen, dass weiteres Fragen zwecklos war, also blieb mir nichts anderes übrig als selbst mit Ihnen zu sprechen. Stehen Sie wirklich auf unserer Seite – und wenn das so ist, warum hassen Sie Harry so?
„Potter ist wie sein Vater!“ Snape schleuderte ihr diesen Satz entgegen – sie hielt seinen Blick immer noch fest, ohne ein einziges Mal zu blinzeln. „Aber Professor, das ist doch nicht wahr. Er mag ja die Gesichtszüge von James haben, aber in seiner Art ähnelt er viel mehr seiner Mutter , und außerdem hat er ihre Augen – Lily Evans leuchtende, grüne Augen... Sie müssen das doch sehen, Sie haben Lily doch gekannt.“ -
„Hören Sie auf...!“ Snape stöhnte und barg sein Gesicht in den Händen.
„Sehen Sie mich an, Professor, bitte.“
Sie hatte ganz leise und eindringlich gesprochen und suchte wieder seinen Blick.
„Ist es das, Professor Snape, Lily Evans...“ - sie ließ das Wort in der Luft schweben und beobachtete seine Reaktion.
„Wie haben Sie das gemacht, Sie alte Hexe, niemand sollte es je erfahren, niemand, schon gar nicht dieser Potter... “
„Sie haben mir da gerade unabsichtlich ein großes Kompliment gemacht, trinken Sie noch einen Schluck Tee, Professor, und glauben Sie mir: Ich kann ein Geheimnis sehr gut bewahren.“ - Bei diesen Worten stahl sich wieder ein schelmisches Grinsen in ihr Gesicht, das aber sofort wieder einem freundlichen Lächeln Platz machte, mit dem sie bekräftigte: „Niemand wird von diesem Gespräch erfahren, ich werde Albus nur sagen, dass er Recht hatte, Ihnen zu vertrauen. Darf ich dies auch Harry sagen?“ - „Sie dürfen, aber er wird es Ihnen sowieso nicht glauben.“ „Eines müssen Sie mir noch erklären“ - Snape runzelte die Stirn - „ich bin ein hervorragender Okklumentiker, ich habe mich gut gegen jede Art von Legilimentik gewappnet, wie haben Sie das gemacht?“ Die Lachfältchen in Charity Burbages Gesicht vertieften sich noch ein wenig mehr, dann erwiderte sie: „Wir kennen einander noch nicht so gut, mit dieser Erklärung würde ich gern noch einige Zeit warten, ich sage Ihnen nur eines: Sie würden es nicht glauben!“
Snape schaute sie ungläubig an, dann wanderten seine Blicke zu dem gerahmten Foto. Sie folgte seinem Blick und sagte: „Sie sind alle tot – Sie kennen ja den Mörder.“
„Der Dunkle Lord hat Ihre Familie ermordet?“
„Warum nennen Sie ihn so? Er heißt Tom Riddle und ist ein Psychopath! Er wollte mich umbringen, aber er hat das ganze Wohnhaus in die Luft gejagt – so starben an diesem Tag 24 unschuldige Menschen – und ausgerechnet ich habe überlebt, weil ich mit meiner Katze beim Tierarzt war. Albus war sehr besorgt und hat mich hierher nach Hogwarts gebracht...“
Snapes verwunderte Blicke wanderten durch den Raum. Konnte es sein, dass... - nein, das war ja geradezu lächerlich...
Die getigerte Katze hatte es sich auf Charitys Schulter bequem gemacht und starrte ihn an.
Gedankenverloren strich sie ihr über das Fell, so dass sie behaglich zu schnurren anfing.
Charity reichte Snape die Hand: „Ich bin froh, dass wir auf derselben Seite stehen.“
Erschöpft ließ sich Charity in ihren Sessel fallen. Sie konnte Severus Snape also wirklich vertrauen, Sie entspannte sich, beruhigt und erleichtert.
Snape hingegen wäre froh gewesen, hätte er dasselbe von sich sagen können - er war ganz entschieden beunruhigt. Wie hatte sie das gemacht? Gab es eine Lücke in seiner Verteidigung? Er war doch wirklich ein hervorragender Okklumentiker. Ob es vielleicht einen neuen Trank gab, der diese Kräfte schwächte oder gar aufhob? Vielleicht hatte diese alte Hexe etwas in seinen Tee getan? Ja, das musste es sein. Er musste sofort mit Dumbledore sprechen. Der würde wissen, was zu tun ist. Eine solche Gefahr durfte man nicht unterschätzen.


V Ein paar ernste Gespräche unter Freunden

Albus Dumbledore schmunzelte, als Charity ihm von ihrer Unterhaltung mit Snape erzählte.
"Du hast dem armen Severus einen ziemlichen Schrecken eingejagt. Er dachte sogar, du hättest etwas in seinen Tee getan..."
„Und ich glaube, er hat etwas gemerkt“, fügte sie besorgt hinzu. „Wir müssen über die Zukunft sprechen, Albus, ich mache mir Sorgen. Du siehst nicht gut aus.“ - „Das Alter, das Alter...“
Energisch stützte sie die Hände in die Hüften und trat vor ihn hin: „ Das ist jetzt nicht die Zeit für deine Scherze, Albus, du weißt genau, was ich meine. Und du weißt, dass du mir nichts vormachen kannst, du bist krank, sehr krank. Und du weißt es. Also sei ehrlich zu mir, wieviel Zeit bleibt uns noch? - Und was wird dann geschehen? Ist das Hauptquartier dann noch sicher? Wem soll ich mich anvertrauen?“
Fawkes kam angeflogen und zwang sie so, sich zu setzen, er flog auf ihre Schulter, wo sonst immer ihre Katze saß und ließ sich von ihren sanften Händen den Kopf streicheln. „Du weiß es auch, Fawkes, ich sehe es dir an.“ Der Phönix flatterte zu Dumbledore hinüber und ließ eine Träne auf dessen verdorrten Arm tropfen. „Danke, Fawkes, aber das hat keinen Zweck.“ Er zog seinen Umhang über die Hand und wandte sich erneut seinem Gast zu:
„So viele Fragen, Charity - und wie immer ganz unverblümt - also, du hast Recht, es bleibt mir nicht mehr allzu viel Zeit, Severus meinte, vielleicht bis zum Sommer. Was den Fidelius-Zauber betrifft, so kann ich das nicht sagen, du wirst es testen müssen. Vertrau dich Minerva an, sie wird schockiert sein, aber sie ist absolut zuverlässig. Harry, Ron und Hermine gegenüber kannst du auch ganz offen sein, vielleicht redest du zuerst mit Hermine.
Und was deine andere Befürchtung betrifft, die Leute sehen, was sie sehen wollen – in deinem Fall eine alte Hexe, die mit ihrer Katze auf dem Buckel durchs Schloss schleicht und sehr gut mit dem Schulleiter befreundet ist, sei unbesorgt, unser kleines Geheimnis ist ganz sicher.“

*

Die folgenden Wochen vergingen wie im Flug. Doch an diesem Morgen drehte Charity ihr weißes Haar besonders schnell zu einem festen Knoten, warf sich ihren Umhang über und eilte noch vor dem Frühstück zu Dumbledores Büro. Sie musste es ihm unbedingt sagen:
„Albus, ich habe eine Idee: Du weißt, dass Tom Riddle mich töten will – und das wird er, so oder so, wenn deine Zauber mich nicht mehr schützen können. Lass uns das ausnutzen: Wenn ich eine Begegnung mit Riddle arrangieren könnte, bei der Harry in seinem Tarnumhang zugegen ist, dann könnte ich ihn, bevor er mich umbringt, vielleicht auf seine Horkruxe ansprechen. Ich könnte zum Beispiel sagen, dass er früher mal ein sehr hübscher Junge war, nun aber gar nicht mehr gut aussieht und dies ja vielleicht daran liegen könnte, dass die Verfertigung von Horkruxen offenbar sehr schlecht für den Teint ist... - oder etwas in dieser Art, ich bin sicher, mir wird das Richtige einfallen. Wenn er dann an seine Horkruxe denkt, müsste Harry doch mit einem ungesagten „Legilimens“ etwas darüber herausfinden können, welche Gegenstände es sind – und wo er sie versteckt hat.“
Dumbledore kannte Charity gut genug, um zu wissen, dass es zwecklos war, jetzt über ihre Sicherheit zu sprechen und die Gefahr, er wusste, auch wenn sie es nie ausgesprochen hatte, dass das einzige, was sie nach dem grausamen Tod ihrer Familie noch am Leben hielt, der Gedanke war, dem Mörder das Handwerk zu legen. So antwortete er nur: „Sprich mit Harry darüber, möglicherweise ist es eine Chance.“
„Du weißt, Albus, ich habe nur noch ein Ziel – all den Morden, all dieser Grausamkeit ein Ende zu machen – und ich würde alles dafür tun – alles.“
Fawkes ließ einen leise tremolierenden Ton hören, der durch den gesamten Raum widerhallte und ihre Herzen mit Zuversicht erfüllte.

Leise schlich sich Charity hinaus – nicht mit einem einzigen Wort mochte sie die von dem Phönix heraufbeschworene Stimmung zerstören.

So verabschiedete sie sich nicht von ihrem alten Freund, denn sie konnte an diesem Morgen nicht wissen, dass sie nie wieder mit Albus Dumbledore reden würde...


VI Das Geheimnis des Ordens

Der herzergreifende Gesang des Phönix war verklungen.Nachdem sie noch einen Blick auf das weiße Grabmal geworfen hatte, ging sie langsam zum Schloss hinauf. Dass sie es noch immer sehen konnte, wunderte sie. Dumbledore war eben doch der größte Zauberer der Welt!
Es schien, als sei sie in den letzten Stunden um Jahre gealtert.

Rufus Scrimgeour entfernte sich mit raschen Schritten von Harry, er lief geradewegs auf Charity Burbage zu: „Man sagte mir, Sie waren eine alte Freundin von Dumbledore, Sie wissen doch sicherlich, was er in all den Stunden getan hat, als er nicht in der Schule war, Ihnen wird er es doch anvertraut haben – und Sie sind verpflichtet, dem Ministerium zu helfen.“ - „ Ich wünsche Ihnen auch einen guten Tag, Herr Minister, selbstverständlich hat Albus mich ins Vertrauen gezogen – und ich habe ihm mein Wort gegeben, mit niemandem darüber zu reden.“
„Also – wo ist er hingegangen?“ Rufus sah in diesem Moment mehr denn je wie ein alter Löwe aus. - „Herr Minister, können Sie schweigen?“ - „Selbstverständlich, wie ein Grab.“ - „Nun, Herr Minister, ich auch!“
„Hat er es bei Ihnen auch versucht?“ - „Natürlich, Harry, das musste er, es sieht momentan gar nicht gut aus im Ministerium, sie klammern sich an jeden Strohhalm, aber das soll im Moment nicht unsere Sorge sein, ich muss ganz dringend mit Ihnen, Miss Granger und Ronald Weasley reden, vor allem aber mit Mrs. McGonagall. Könnten Sie es einrichten, nachher auf eine Tasse Tee zu mir zu kommen, es ist wirklich wichtig.“ - „Geht es Ihnen nicht gut, Prof. Burbage, soll ich Sie ins Schloss begleiten?“ - „Nein, danke, es ist nur – Albus hat mit seinen unglaublichen magischen Kräften auch bei mir einiges gegen die Gebrechen des Alters tun können – und nun....“
Harry verstand, die Zauber von Dumbledore wirkten nicht mehr, deshalb sah sie nun viel älter aus. Aber konnte sie nicht selbst...? Er wusste nicht, ob ein seelischer Schock die magischen Kräfte so sehr beeinflussen konnte, aber wahrscheinlich war es so.
Als sie nach einiger Zeit alle in Charitys Zimmer saßen, stand diese auf und verblüffte sie mit den Worten:„Prof. Dumbledore hat mich gebeten, nach seinem Tod den folgenden Test durchzuführen:
Ich werde diesen Raum jetzt für fünf Minuten verlassen. In dieser Zeit versucht jeder von Ihnen, den Namen des Ortes auszusprechen, an dem sich das Hauptquartiers des Phönixordens befindet. Wenn ich wieder hereinkomme, teilen Sie mir bitte mit, was passiert ist.“ - Hermine reckte wie im Unterricht die Hand und sagte: „Jetzt, wo Dumbledore tot ist, sind wir doch alle Geheimniswahrer, oder nicht?“ - „Genau das ist die richtige Frage, Miss Granger, bitte versuchen Sie es.“
Die Katze sprang ihrem Frauchen auf die Schulter und beide verließen das Zimmer.
„Was war das denn jetzt – und was heißt, Albus hat mich gebeten, nach seinem Tod... - das klingt ja, als hätte sie gewusst, dass Dumbledore sterben würde – und als habe er es selbst auch gewusst...?“ Rons Stimme klang ungläubig und er sah Hermine an, als erwarte er von ihr eine Erklärung.
McGonagall murmelte leise: „Das ist die richtige Frage...“ Und dann erlebten alle vier eine Überraschung! Keiner von ihnen konnte den Namen des Ortes aussprechen – wie konnte das sein, Dumbledore war doch tot??? -
Die Katze kam hereingesprungen, gefolgt von Prof. Burbage, die gespannt von einem zum anderen sah: „Nun, was haben Sie mir zu sagen?“ Prof. McGonagall sah gespannt zu ihrer Gastgeberin und fragte: „Würde es Sie sehr überraschen, wenn wir Ihnen sagten, dass keiner von uns den Namen aussprechen konnte?“ - „Tatsächlich – ist das so?“ Charity ließ sich erleichtert auf einen ihrer Sessel fallen und antwortete auf die unausgesprochenen Fragen: „Sie alle kannten Prof. Dumbledore doch auch recht gut. Der Schutz und die Sicherheit des Phönixordens waren ihm so wichtig, dass ihm ein gewöhnlicher Fideliuszauber nicht ausreichte. Er ließ alle Welt glauben, er sei der Geheimniswahrer des Ordens, in Wirklichkeit jedoch wahrte Albus nur das Geheimnis, in wessen Gedächtnis er tatsächlich den Namen des Ortes verborgen hatte. Es war ein doppelter Bluff, denn auch unter Folter und unter Einsatz von Legilimentik kann ich immer wahrheitsgemäß antworten, dass ich noch nie dort gewesen bin. Albus nannte das einen seiner brillanteren Einfälle...“ - „Sie sind also....“
Minerva McGonagall schaute Charity ungläubig an. - „Ja, und da so etwas noch nie gemacht wurde, konnten wir nicht ganz sicher sein, was passiert, wenn er tot ist, deshalb musste dieser Test sein.“

Ein Waldkauz kam ans Fenster geflogen, Charity öffnete und ließ ihn ein. Vor Prof. McGonagall machte er Halt und streckte sein Bein aus. Nachdem sie das Pergament abgelöst und einen Blick darauf geworfen hatte, entschuldigte sie sich: „Ich muss dringend in mein Büro. Es geht um die Zukunft der Schule.“
„Wir müssen jetzt auch gehen.“ Hermine hielt es für besser, sich zu verabschieden, Prof. Burbage sah zu mitgenommen aus. - „Ich verstehe, dass Sie jetzt eine Weile allein sein wollen, aber ich möchte noch etwas Wichtiges mit Ihnen besprechen, Harry. Bitte besuchen Sie mich bei Gelegenheit noch einmal. Sie können gern ihre Freunde mitbringen, es geht Sie alle an.“

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Samstag, 8. Januar 2011, 15:05

sehr schöner one shot.


dumbledore live^^ geheimnisvoll wie eh un je.
Wenn der Schrank umfällt sind wir alle alle tot! :)

grit

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Dienstag, 15. Februar 2011, 21:26

VIII Eine unerwartete Begegnung

VII Charitys letztes Geheimnis

Niemand konnte an diesem Abend ahnen, dass Charity Burbage keine Gelegenheit mehr bekommen würde, Harry von ihrer Idee zu erzählen, wie sie die Horkruxe aufspüren wollten, denn schon kurze Zeit später war sie spurlos verschwunden und überall wurde das Gerücht verbreitet, sie sei endlich in den Ruhestand gegangen.So kam sie auch nicht mehr dazu, Harry mitzuteilen, dass er Snape vertrauen sollte, aber sie war sich sicher, dass Severus zumindest in diesem Punkt vollkommen Recht hatte – Harry hätte es niemals geglaubt, nicht nach dem, was auf dem Astronomieturm geschehen war...
Snape – dass ihre letzte Begegnung so ablaufen würde, hätte sich keiner von ihnen träumen lassen.
Denn natürlich waren die Gerüchte über ihren Ruhestand gezielte Lügen. Voldemort – sie konnte an ihn nicht anders denken als an diesen Tom Riddle - war ihrer doch noch habhaft geworden.
Kopfüber an der Decke im Salon von Malfoy Manor hängend, hatte sie ihn gefragt, warum er solche Angst vor ihr habe, dass er nicht mal zivilisiert mit ihr reden könne. Sie wusste, dass ihn das wütend machte, so wütend, dass er sie mit einem Schweigezauber verstummen ließ, bevor sie ihn mit seinem verhassten Muggelnamen anreden konnte. Sie konnte Snape in die Augen sehen und wusste, dass er sich nicht verraten durfte. Trotzdem flehte sie ganz leise: „Severus, bitte... bitte..“ Und auch wenn Snape keine Mine verzog und sie nicht retten konnte, so konnte er dennoch ein Letztes für sie tun: Ein ungesagter „Anästhesia“ betäubte die kleine Frau.

Ein Gefühl der Erhabenheit und Macht durchströmte den Mann an der Stirnseite der langen Tafel in Malfoy Manor, den Mann, der sich Lord Voldemort nannte und der es genoss, zu wissen, dass man im Geheimen von ihm nur als dem Dunklen Lord sprach, dass man nicht wagte, seinen Namen auszusprechen. Es war jenes befriedigende Gefühl, das ihn immer beherrschte, wenn er sich anschickte, zu töten. Und diesmal war es etwas ganz Besonderes, denn es war durchaus nicht nur ihre flammende Verteidigung der Muggel und Muggelstämmigen im „Tagespropheten“, wie er seinen Gefolgsleuten erklärt hatte, nein, in wenigen Augenblicken hätte er endlich den letzten Menschen getötet, der die geheimnisvolle Aura des Dunklen Lords hätte zerstören können, den letzten Menschen, der wusste, dass der größte Zauberer, der unsterbliche Lord Voldemort einst seine Anfänge in einem tristen Londoner Muggelwaisenhaus genommen hatte, ja, dass sein eigener Vater ein Muggel war.
Charity Burbage spürte nicht mehr, wie der Todesfluch sie traf, wie ihr Körper auf den großen Tisch fiel und die riesige Schlange sich darüber hermachte.
Voldemort strich gedankenverloren über den Zauberstab in seiner Hand und beobachtete Nagini.
Er wusste, sie würde dafür sorgen, dass von Prof. Burbage nichts übrigblieb. - Spurlos verschwunden... wie alle seine Feinde...
Nun war nur noch einer übrig – Harry Potter! Doch er war sich ganz sicher, es würde nun nicht mehr lange dauern, bis er endlich auch ihn töten würde...
Er wandte sich wieder seinen Todessern zu, als sei nichts weiter geschehen, als habe es nur eine kurze Unterbrechung ihrer Unterhaltung gegeben.

Aber es gab jemanden in diesem Raum, den diese Minuten in seinen Alpträumen verfolgen würden, jemanden, der in diesem Moment wusste, dass er nicht wirklich zu diesen Leuten gehörte, die zu dem,was gerade geschehen war, Beifall klatschten. Draco war von seinem Stuhl gefallen und Snape kam in diesem Moment zu Bewusstsein, dass es nun niemanden mehr gab, der sein Geheimnis kannte.
Charity Burbage aber dachte in ihrem letzten Moment daran, dass Albus tatsächlich Recht behalten hatte – niemand war hinter ihr Geheimnis gekommen, das Dumbledore mit ins Grab genommen hatte: Nicht umsonst hatte Albus sie zum Geheimniswahrer des Ordens gemacht, niemand hätte sie jemals zwingen können, ihn dorthin zu führen, ja der Ort selbst war für sie weder sichtbar noch betretbar.
Nun war es durchaus nicht so, dass mit ihren magischen Fähigkeiten etwas nicht stimmte, es war nur so, dass sie keinerlei magische Fähigkeiten besaß. Nein, sie war keine Squib, Charity Burbage, die dank Dumbledores Magie in Hogwarts gelebt und unterrichtet hatte, war... - ein Muggel.



VIII Eine unerwartete Begegnung

Ihre Augen waren geschlossen, sie fühlte sich seltsam, fast schwerelos.
Es war nicht wie sonst vor dem Aufwachen, kein Ziehen in den Knien, kein Bohren in der Hüfte, kein Schmerz in den Knochen, all die Anzeichen des Alters, die nach Dumbledores Tod wieder so stark geworden waren, sie waren verschwunden, stattdessen ein Gefühl von Leichtigkeit...

Sie sah sich als Kind am Krankenbett ihrer gelähmten Urgroßmutter, hörte sich fragen:“Wie geht es dir heute, Omchen, hast du noch Schmerzen?“ - und sie hörte die Antwort: „Ach, Kindchen, wenn du erst mal so alt bist wie ich, und du wachst morgens auf – und es tut dir nichts weh – dann bist du gestorben.“

So war das also, nun, sie hatte sich ihren Tod eigentlich anders vorgestellt, es war so vieles unerledigt geblieben, sie hatte Harry nicht helfen können, die Horkruxe aufzuspüren, sie hatte ihm nicht einmal mehr sagen können, dass Snape immer noch auf seiner Seite war. Dieser Riddle, er wütete noch immer, hatte er sie nun doch noch erwischt. Sie schauderte bei der Erinnerung an diese unheimliche Versammlung seiner Anhänger – wie sie alle an diesem Tisch gesessen und sie angestarrt hatten... Sie würden Harry jagen! Wer konnte ihm jetzt noch helfen? Und dann Draco – er war vom Stuhl gefallen, hatten sie vielleicht ihn schon zum Mörder gemacht? So viele Fragen – und sie würde keine Antwort mehr darauf finden, diesmal nicht, ihr Weg war zu Ende, dies war sicher, sie war tot.
Ob sie ihre Augen öffnen konnte? Was würde sie erwarten? Sie erinnerte sich, etwas darüber gelesen zu haben, etwas Tröstliches, über sich auflösende Dunkelheit, über ein fernes grünes Land und weiße Strände unter einer rasch aufgehenden Sonne...Sie schlug die Augen auf – doch da war nichts, gar nichts. War sie nun enttäuscht ?
Wie es wirklich ist – niemand kann den Lebenden je davon erzählen...
In der Ferne tauchte eine weiße Gestalt auf, ganz offensichtlich ein Zauberer, weißes Haar und weißer Bart – das konnte doch nicht wahr sein! Der weiße Zauberer! Unsicher sprach sie ihn an: „Gandalf ?“ Sie traute ihren Augen nicht und doch, die Gestalt bewegte sich auf sie zu, kam näher und näher.
„Charity, wieso bist du hier - erkennst du mich denn nicht – und was für Geheimnisse hast du noch? Wie viele Zauberer kennst du denn noch außer mir? Wer ist dieser Gandalf?“
Nun, da er vor ihr stand und sie mit seinen durchdringenden blauen Augen ansah, erkannte sie ihn natürlich. „Albus, das sind viele Fragen auf einmal, du sahst eben genauso aus, wie ich mir Gandalf immer vorgestellt habe. Ich habe wohl zu viel Fantasy gelesen, Gandalf ist eine Romanfigur, du bist diesem Zauberer in vielen Dingen sehr ähnlich..“
„Du hast Bücher über Zauberer gelesen? Wer da wohl das internationale Geheimhaltungsabkommen verletzt hat...“
„Ach, Albus, niemand hat irgend ein Abkommen verletzt mit diesen Büchern, aber das ist jetzt auf die Schnelle schwer zu erklären.“
„Oh, wir haben hier Zeit, viel Zeit.Also sag mir, wieso du hier bist.“
„Nun, dieser Riddle hat mich zuletzt doch noch erwischt, es war furchtbar, ich hing in magischen Fesseln über der riesigen Tafel in Malfoy Manor, ringsherum saßen die Todesser, dieser Riddle, er hat mich gequält, aber Severus muss mich betäubt haben, wir konnten nur ein paar Blicke wechseln, konnten uns nicht verständigen, ich habe nur gespürt, dass plötzlich die Schmerzen aufhörten, und Draco – dieser Junge gehört da nicht hin, er ist von seinem Stuhl gekippt, als er mit ansehen musste, was dieser Tom mir angetan hat. Dann sah ich nur noch einen grünen Blitz – mehr weiß ich nicht. Dieser Tom, er hatte so ein Triumphieren in den Augen, als er sich anschickte, mich umzubringen. Es ist mir unverständlich, wieso er eine alte, hilflose Frau wie mich so sehr fürchtete.“
„Ist dir das wirklich nicht klar, Charity, du warst die einzige, die seine Aura des mächtigsten Zauberers der Welt, des Herrschers, des Hüters des reinen Blutes, hätte beschädigen können. Niemand außer dir lebte noch, der wusste, dass Toms Vater kein Zauberer und seine Mutter eine ziemlich unbegabte und recht häßliche Hexe war, dass seine Großeltern keinen Tropfen magischen Blutes in sich hatten und er in einem Londoner Muggelwaisenhaus aufgezogen wurde – er, der alle verachtete, die nicht reinblütig waren, der alle Muggelstämmigen ausrotten wollte.Stell dir mal vor, du hättest seinen Leuten das erzählt...“
„Deshalb also hat er mich mit einen Zauber stumm gemacht, ich konnte nicht einmal mehr schreien... - Aber wo sind wir hier eigentlich, und was machst du hier, Albus?“
„Charity, ich weiß nicht, wie dieser Ort für dich aussieht, vielleicht verändert er sich für dich auch noch, das weiß niemand vorher so genau, ich vermute, es hängt davon ab, woran du denkst, woran du dich erinnerst oder was du dir wünschst. - Ich jedenfalls warte hier auf Harry, also ist dies für mich eine Wartehalle.“
„Ehrlich gesagt, habe ich mich schon gewundert, dich hier zu treffen, ich war mir in einem ganz sicher, - dass du weiter gegangen sein würdest, du, für den das hier nur der Anfang eines nächsten Abenteuers ist.“
„Versteh doch, ich kann noch nicht weiter gehen, ich muss warten – auf Harry Potter.“
„Soll das heißen, der Junge wird sterben, wird dieser Riddle am Ende triumphieren? War alles vergeblich? - Albus, du musst mir so vieles erklären.“
„Das werde ich, Charity, das werde ich, wir haben so viel Zeit.“
„Albus, kann ich meine ehemaligen Nachbarn hier treffen, ich würde ihnen so gerne sagen, wie Leid es mir tut, dass sie meinetwegen umgekommen sind, es hat mir so das Herz schwer gemacht, manchmal hat mich dieser Gedanke so niedergedrückt, dass es kaum auszuhalten war.“
„Nein, hier ist niemand außer uns – es wäre tröstlich, zu wissen, dass so eine Begegnung möglich wäre, dass man etwas wieder gutmachen könnte, aber das geht nicht.“ Seine Stimme wurde ganz leise, als er hinzufügte: „Glaube mir, auch ich hätte gern einige Menschen um Verzeihung gebeten, einige, für die ich nicht da war, als sie mich brauchten, doch es ist zu spät. Jeder, der dich kannte, wird wissen, dass du niemandem etwas Böses wolltest, das muss dir als Trost genügen.“
Die weiße Gestalt Albus Dumbledores setzte sich neben sie, und nun sah sie, dass sein Umhang nicht wirklich schneeweiß war, sie sah an sich hinunter und stellte fest, dass ihre Füße in ihren alten, ausgetretenen Pantoffeln steckten, und dass sie ihren alten, bequemen Morgenmantel trug. Nun, das Aussehen war hier wohl ziemlich egal...
„Du hattest übrigen Recht, Albus, bis zum letzten Augenblick hat keiner bemerkt, dass ich keine Hexe bin, die Leute sehen, was sie sehen wollen, ich hätte nie gedacht, dass deine Idee so gut funktionieren würde. Aber nun ist das Geheimnis des Ordens nicht mehr sicher.“
„Mach dir darüber keine Sorgen, die Mitglieder des Ordens werden schon genug Vorkehrungen für ihren Schutz treffen, Alastor Moody kennt da ein paar gute Tricks...
Und während wir hier nun auf Harry warten – ich gehe doch davon aus, dass du mir Gesellschaft leisten willst, oder?“
„Albus, nun erkläre mir doch endlich, wieso du so sicher bist, dass Harry hierher kommt, wieso soll er sterben, soll er nicht letztendlich diesen Tom Riddle besiegen?“
„Ich merke schon, du wirst keine Ruhe geben, ehe du nicht alles erfahren hast, ich hätte es wissen müssen. Also hör zu, Harry ist ein Horkrux, ein Horkrux, den Voldemort nie schaffen wollte, er hat ihn unwissentlich erzeugt, als er die böse Tat schlechthin begehen wollte, die Ermordung eines unschuldigen Babys. Ein Seelenbruchstück Voldemorts lebt in Harry, und solange das so ist, kann er nicht getötet, nicht besiegt werden. Das muss Harry erfahren, ich habe dafür gesorgt, dass Severus es ihm mitteilen wird. Voldemort muss Harry töten, nur er, niemand sonst.“
„Aber Albus, wie kannst du das nur so unbewegt sagen, was geschieht, wenn Harry tot ist?“
„Charity, über diese Dinge habe ich noch nie mit irgendeinem Menschen gesprochen:
Ich bin überzeugt, dass Harry eine Chance hat, Voldemorts Todesfluch erneut zu überleben, denn Voldemort hat, als er seinen Körper neu erschaffen hat, Harrys Blut, Lilys Blut genommen, er hat Harry ans Leben gebunden, solange er lebt. Wenn Harry sich von Voldemort töten lässt, dann wird er hierher kommen, und ich warte auf ihn, um ihn zurückzuschicken, denn er wird das tun können, und er muss verstehen, warum, dann kann er Voldemort endgültig besiegen, und dann kann ich endlich weiter gehen...
Doch nun bist du dran, erzähle mir von diesem Gandalf, von den Büchern über Zauberer, die du gelesen hast, irgendwie müssen wir uns ja die Wartezeit vertreiben.“

Charity schloss die Augen und begann zu erzählen. Wie oft war sie in Tolkiens Welt eingetaucht, hatte mit seinen Figuren Mittelerde durchwandert, sie konnte wunderbar erzählen. Auch Albus hatte seine Augen geschlossen, so sah er die Welt, die Charity ihm aus ihrer Erinnerung beschrieb, ganz deutlich vor sich. Gespannt und fasziniert lauschte er der alten Geschichte über den Kampf gegen den dunklen Herrscher, dessen Ausgang von scheinbar so schwachen Gestalten abhing...Er verstand allmählich, warum er Charity an die Figur von Gandalf erinnert hatte, an Gandalf, der so viele Antworten kannte und der für seine Gefährten in den Abgrund gestürzt war...

Doch bevor Charity die spannende Geschichte beenden konnte, tauchte in der Ferne eine Gestalt
auf – doch es war nicht Harry.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »grit« (20. November 2011, 13:50)


Cleopatra

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Mittwoch, 16. Februar 2011, 00:48

Eine interessante Geschichte. :)

Es ist schön mal etwas aus der Sicht einer eher "unscheinbaren" Person zu lesen. Sie hatte natürlich einen wichtigen Platz, nur wusste es halt fast niemand, was das ganze sehr geheimnisvoll macht. Mich hast du wirklich mit jedem Absatz neugieriger auf Charity gemacht und du hast mich am Ende auch nicht enttäuscht.
Dazu muss ich allerdings auch sagen, dass ich sie nicht die ganze Zeit über gut habe. ^^ Wie sie nämlich da mit Snape spricht und ihm sein Geheimnis entlocken will, hab ich mich schon kurz über ihr Getue ärgern müssen. Eine interessante Dame ist sie aber allemal, wie ich finde. :)

Was ich nicht so gut fand, war hier:

Zitat

Leise schlich sich Charity hinaus – nicht mit einem einzigen Wort mochte sie die von dem Phönix heraufbeschworene Stimmung zerstören. So verabschiedete sie sich nicht von ihrem alten Freund, denn sie konnte an diesem Morgen nicht wissen, dass sie nie wieder mit Albus Dumbledore reden würde...


... und im nächsten Absatz ist Dumbledore dann tatsächlich schon tot, weil ja vom Grabmal die Rede ist.

Das kam für mich so: ZACK! Ich bin grade unkreativ und mir fällt jetzt nichts ein, was man dazwischen einfügen hätte können, aber vielleicht empfindet noch jemand anders diesen Szenenwechsel als zu hart und hätte vielleicht nen Einfall.

Das ist aber bitte nicht böse gemeint! Ich finde nur, wenn einem etwas auffällt, sollte man es sagen. Sowohl Positives als auch Negatives. Ich will damit ja nur helfen, damit man das nächste Mal vielleicht überlegt, was man in so einem Fall anders machen könnte. :)
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Mittwoch, 16. Februar 2011, 16:54

@Cleopatra Als ich deinen Kommentar gelesen habe, musste ich schmunzeln, denn ich habe auch während das Schreibens überlegt, ob ich vor Dumbledores Tod noch etwas einfüge, es war noch ein bisschen Hogwarts-Alltag, noch ein paar Erinnerungen... - aber dann habe ich das alles zugunsten dieses abrupten Übergangs gestrichen...

Wenn mal alles fertig ist, überarbeite ich das Ganze sowieso nochmal, vielleicht finden dann ein paar dieser Teile doch noch ihren Platz in der Geschichte - ganz weggeworfen habe ich sie noch nicht. Aber das wird sich zeigen.
Ich finde es schön, wenn man einem Kommentar anmerkt, dass der Leser sich Gedanken gemacht hat und nehme Kritik überhaupt nicht übel, dazu stellt man ja angefangene und halbfertige FFs ins Forum.
Und natürlich hast du Recht, Charity kann manchmal schon ganz schön nerven, aber das ist Absicht.

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Mittwoch, 16. Februar 2011, 20:29

Ich kenn das bei den Übergängen auch. ^^ Aber wie du sagst: Überarbeiten kann mans ja immer noch, wenn man mag. :)

Ganz wegwerfen sollte man sowieso NIX! 8o Irgendwo schön sammeln, alles was man mal niedergeschrieben hat, von dem man dachte, man bringt es in eine Geschichte ein. Vielleicht braucht man es auf einmal doch, oder inspiriert einfach nur zu was Neuem. =) So zumindest ist es mir schon oft ergangen, darum heb ich wirklich ALLES auf. ^^
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Dienstag, 8. März 2011, 00:03

Halloho :D

Und die fleißige Never macht weiter ;)... Da ich nicht aufhören kann zu lesen, dachte ich mir, sollte ich diese „Gabe“ auch einwenig hier im Forum versprühen und einige Autoren beglücken :D

Grit, ich habe mich erst mal in dein erstes Kapitel eingelesen, weil ich auf der Suche bin, welche FF ich am besten verfolgen möchte. Ich werde mehrere FFs durchlesen und mit einem davon einfach weitermachen...

Deine FF lässt sich wirklich sehr gut lesen. So gut wie kaum Fehler, stilistisch und inhaltlich alles ok... Geht runter wie Öl :D.... Von der Qualität her würde ich mir das wirklich zumuten, allerdings ist die Geschichte inhaltlich nicht das, was ich gerade jetzt lesen möchte... Beim Lesen bin ich sehr launisch.. Manchmal lese ich einfach irgendein Buch und manchmal bin ich extrem wählerisch...

Die Story an sich klingt spannend, aber zur Zeit kann ich mit einer alten Dame mit einer alten Katze nicht mitfiebern :D...
Charity? Sie hat den jungen Tom gesehen? Ist das die alte Frau mit Hufflepuffs Kelch? Irgendwie ist der Chara glaube ich nicht direkt deine eigene Erfindung... leider weiß ich nicht mehr ganz genau, wo sie aufgetaucht sein könnte (in den Büchern)...

Als Charity Tom mit dem Ring sah: Woher weiß sie, dass er gemordet hatte?

Toms Versuch Charity umzubringen: Halbherzig.... Die Erklärung ist, dass er nicht davor zurückschreckt, weitere Menschen umzubringen... Klar, das leuchtet ein... Aber Dumbledore scheint meiner Meinung nach ihre Frage nicht richtig verstanden zu haben :D Die Frage lautet nicht, „Warum ist Tom so skrupellos und tötet auch etliche andere Leute, um mich umzubringen?“,.... sondern „Warum hat er sich nicht vergewissert, dass ich drin war und auch wirklich starb?“... Denn so konnte er nicht nur nicht garantieren, dass sie auch wirklich erwischt wird, sondern hat sie sozusagen gewarnt, sodass sie ganz sicher die erforderlichen Maßnahmen ergreifen wird, damit sie in Sicherheit ist... Wäre ich Tom, dann hätte ich sie lieber dann erwischt, wo sie ahnungslos ist und sich in Sicherheit wiegt... Jetzt ist das Huhn aufgeschreckt...

Egal... Ansonsten ist noch nicht viel passiert... Ich bin neugierig was DD Plan ist... Aber ich werde mir noch einige weitere FFs anschauen ;)... Viel Glück und Spaß beim Schreiben....!

LG, Never ;)

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10

Dienstag, 8. März 2011, 19:34

Natürlich ist der Charakter nicht meine Erfindung, Charity Burbage wird in Band 7 explizit erwähnt, es ist die Gestalt, die kopfüber an der Decke hängt, Severus Snape flehend ansieht und anschließend von L.V. ermordet wird. Da das das einzige ist, außer der Info, dass sie Verteidigungsartikel für Muggelstämmige im Tagespropheten geschrieben hat, bot dieser Chara für mich genügend Möglichkeiten...

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Dienstag, 8. März 2011, 20:31

Aaaaah... Im Film wurde sie etwas jünger dargestellt, im Buch weiß ich nicht mehr, daher habe ich gar nicht mehr an sie gedacht. Doch ich hatte das Gefühl, dass ich den Namen schon mal gehört hatte...

Aber ich finde ganz so "natürlich" ist es nicht, dass sie nicht deine Erfindung ist, weil es in einer FF nunmal auch normal wäre, wenn man Charas erfindet ;)...

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Samstag, 2. April 2011, 21:31

Kapitel IX

IX Noch eine unerwartete Begegnung

Charity durchforstete ihre Erinnerungen vergeblich nach diesem Menschen, der sich mit raschen, energische Schritten näherte, doch da war kein Erkennen in ihren Augen. Doch das war kein Wunder, denn so hatte sie ihn noch nie gesehen, mit zwei gesunden Beinen und einem makellosen Gesicht...Unsicher schaute sie den Ankömmling an, sah danach zu Dumbledore, der - scheinbar alle guten Manieren vergessend - auf ihn zustürzte und ihn mit einer wahren Flut von Fragen bombardierte: „Hat es nicht funktioniert mit dem Vielsafttrank? Wo ist Harry? Ist er in Sicherheit? Was macht Voldemort? Was ist mit dem Orden? Was ist passiert mit dir, Alastor?“
Alastor – natürlich, jetzt wusste sie auch, wer der Mann war, Alastor Moody, den alle immer Mad-Eye genannt hatten – in seinem jetzigen, unversehrten Zustand, ohne seine Beinprothese und ohne sein magisches Auge war er ihr so fremd vorgekommen...
Alastor Moody, der alte Haudegen, es war kaum zu glauben – er war tot. - Und er schien nicht minder aufgeregt als Dumbledore:„Es muss noch einen Verräter geben im Orden – die Todesser kannten das genaue Datum – wir waren sofort von ihnen umzingelt – und Snape, diese miese Ratte, er hat seinen Spezialfluch eingesetzt – oh, wie er gekämpft hat an der Seite von Voldemort!
Charity stellte sich zwischen die beiden und fasste behutsam einen jeden von ihnen am Arm.
Wie aus dem Nichts standen plötzlich drei bequeme Sessel bereit, ganz ähnlich denen, die Dumbledore immer heraufbeschworen hatte, und mit einer Kraft, die gar nicht zu dieser schmächtigen kleinen Frau zu passen schien, zwang Charity die beiden Männer, sich zu setzen und sagte dazu energisch, als würde sie zu ihren Schülern sprechen: „Nun mal langsam, meine Herren, wir haben so viel Zeit, also bitte – in Ruhe - und der Reihe nach.“
Alastor lächelte: „Respekt, mein Sessel ist genauso bequem wie die von Albus, das haben Sie gut gemacht.“ - „Das war ich nicht, ich weiß nicht, wie... - Albus, warst du das?“ Dumbledore schaute abwechselnd zu Charity und zu Moody, dann erklärte er: „Dieser Ort hat seine ganz eigene Magie“, und mit einem Schmunzeln fügte er hinzu: „Ja, auch für dich, Charity.“
Bei der Nennung dieses Namens runzelte Alastor die Stirn: „Natürlich, Mrs. Burbage, jetzt erkenne ich Sie erst, ich wusste doch, dass dieses Käseblatt nur Mist und Lügen verbreitet!“ Auf ihren verständnislosen Blick antwortete er: „Im Tagespropheten stand, dass Sie gekündigt haben und in den Ruhestand gegangen sind, um ihren Lebensabend zu genießen! Nicht ein Wort über Ihren Tod, kein Nachruf – nichts!“ Und ganz leise setzte er hinzu: „Es ist genau wie damals, Leute verschwinden spurlos, aber es gibt nichts Greifbares, keine Nachforschungen, nur Vermutungen und Angst, überall kann man sie spüren – die Leute wissen nicht, wem sie noch trauen können...“
Dumbledore strich sich mit der Hand über den Bart: „Ja, Alastor, du hast Recht, es scheint wie damals zu sein, aber ich glaube, diesmal könnte es gelingen, Voldemort endgültig zu besiegen.“
„Ach, Albus, du und deine Vermutungen, du hast uns eine Menge Scherereien eingebrockt mit deinem Vertrauen in Snape. Wie konntest du nur so dumm sein, du, Albus Dumbledore, der einzige, den ER je fürchtete? Dein ewiges 'Ich vertraue Severus Snape.' - das hast du nun davon, er hat dich eiskalt umgebracht, dieser Schurke.“ Alastor schüttelte den Kopf: „Du und dein Vertrauen in das Gute in jedem – ich habe ihm nie ganz getraut, aber du wolltest ja nie etwas Schlechtes über ihn hören, hast ihn immer um dich gehabt in Hogwarts, deinen Zaubertrankmeister und Lehrer, und nichts gemerkt von seinem doppelten Spiel, seinem Betrug, hast nicht gemerkt, dass er in Wahrheit immer auf Voldemorts Seite stand. All diese Jahre hat er in Hogwarts auf seine Stunde gewartet – jetzt wird er wahrscheinlich Schulleiter werden – und die Schüler sind Voldemorts Handlanger auf Gedeih und Verderb ausgeliefert! Albus, wie konntest du nur so einen Fehler machen?“
Charity hatte bei diesen Worten nur Dumbledores Gesicht beobachtet, sie sah ein Gewitter kommen und versuchte, Alastors Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, indem sie seinen Ellbogen fasste und mit der anderen Hand den von Dumbledore, als könne sie so einen Ausbruch verhindern.
Ob das nun geholfen hatte oder nicht – Dumbledores Stimme war zornig, aber er schrie nicht, als er sagte: „In einem hast du Recht, Alastor, ich möchte kein schlechtes Wort über Severus hören!“
Ungläubig starrte Moody ihn an: „Selbst jetzt nicht?“ Doch es war nicht Dumbledore, der Moody antwortete, sondern Charity, die mit sanfter Stimme erklärte: „Albus hat Severus darum gebeten, ihn zu töten. Es war notwendig, um Draco Malfoy und seine Familie vor Riddles Zorn zu retten, und um dafür zu sorgen, dass Snape in dessen Gunst bleibt. Nur so kann er als künftiger Schulleiter von Hogwarts die Schüler beschützen. So war es doch, Albus, nicht wahr?“ Dumbledore nickte, sagte aber nichts weiter, denn er wollte endlich von Alastor wissen, was passiert war. So flüsterte Charity nur: “Später werde ich Ihnen alles genau erklären, wenn Albus es mir erlaubt“, dann aber wurde sie energisch: „Jetzt müssen Sie uns aber genau erzählen, was passiert ist und was Sie über Harry wissen.“

Alastor setzte sich etwas bequemer hin und hub an zu erzählen: „Wir hatten beschlossen, Harry noch vor seinem 17. Geburtstag in Sicherheit zu bringen, zeitgleich mit seinen Verwandten. Das haben Hestia Jones und Dädalus Diggel übernommen, der Potter-Abhol-Trupp traf pünktlich ein, es gab keine Zwischenfälle. Mundungus, der alte Feigling, er war mit mir zusammen auf dem Besen, ist disappariert – mitten in der Operation, aber der Reihe nach, er war es auch, der den Vorschlag gemacht hat, Vielsafttrank zu verwenden – sieben identische Potters – das erschien mir eine geniale Idee, also machten wir es so. Außerdem hatten wir noch eine falsche Spur gelegt. Es hieß, dass der Orden Harry am 31. Juli wegbringen würde. Diese Information haben wir gezielt gestreut, ich selbst habe Dawlish einem Verwechslungszauber unterworfen. Es war ein perfekter Plan.Doch sobald wir das Haus der Dursleys verlassen hatten, waren wir in der Luft von Todessern umzingelt. Sie müssen das richtige Datum gekannt haben. Es muss noch einen Verräter geben im Orden – niemand sonst hat von dem Plan gewusst!“ Dumbledore war zusammengezuckt. Er flüsterte: „Severus musste ihnen das genaue Datum nennen, es musste sein... - Wir dachten, die Idee mit dem Vielsafttrank würde Harry ausreichend schützen. Es war Severus, der Fletcher auf diese Idee gebracht hat.“ Dumbledore rang die Hände. „Ich habe Harry nicht gut genug geschützt! Was ist dann passiert, Alastor?“ - „Es gab heftige Kämpfe, die Vielzahl von Flüchen muss den Muggeln wie ein Feuerwerk vorgekommen sein, falls die etwas gesehen haben sollte, denn wir waren 200 bis 300 Meter hoch in der Luft und hatten alle Mühe, uns unserer Haut zu wehren, – wie schon gesagt – Mundungus ist disappariert, ich glaube, ich habe noch ein paar von denen erwischt. Kurz bevor es mich vom Besen gehauen hat, hörte ich noch, wie jemand rief: ' Das ist der echte!' - irgendwie müssen sie Harry erkannt haben - und dann kam Voldemort! Albus, er kann fliegen, einfach so, ohne Besen, er kann fliegen!“ Das schien für Dumbledore keine Überraschung zu sein, er murmelte: „So so, ich hatte es mir schon gedacht.“ Doch laut fragte er: “Wie mögen sie Harry erkannt haben – ob er wohl in Sicherheit ist?“ Moody zuckte mit den Schultern: „Ich weiß es wirklich nicht, weder das eine noch das andere.“
Charity schaute die beiden eindringlich an: „Eines wissen wir auf jeden Fall – er ist noch am Leben, denn sonst...“ - „Natürlich, du hast Recht, wie immer.“
Dumbledore lächelte: „Und, willst du Alastor nun alles erzählen, oder hast du vor, deine Geheimnisse für dich zu behalten?“
„M e i n e Geheimnisse -? “ In Charitys Stimme schwang ein wenig Empörung mit. „I c h hatte nur e i n Geheimnis – alles andere waren die Geheimnisse anderer, ich habe sie nur gehütet, deine, die von Severus Snape, die des Phönixordens... Du, Albus, weißt das sehr gut, und wenn du es erlaubst, dann werde ich Alastor gern alles erklären.“
Dumbledore schmunzelte: „Und Alastor wird bestimmt erstaunt sein, wenn du ihm erzählst, wer du bist.“
Natürlich sollte Albus mit dieser Bemerkung Recht behalten, Moody sperrte Mund und Augen auf, als er nach und nach erfuhr, was Dumbledore mit Harry geplant hatte, aber was er kaum glauben konnte, war die Tatsache, dass sie gar keine Hexe war. Ungläubig schaute er zu Dumbledore, der in die Ferne starrte, als erwartete er jeden Augenblick, jemanden dort zu sehen, doch der nickte ihm nur kurz bestätigend zu und wandte seine Aufmerksamkeit wieder der Stelle zu, an der zuerst Charity und dann Alastor aufgetaucht waren.

Wie viel Zeit war vergangen? Er wusste, dass die Magie dieses Ortes ihm darüber keine Auskunft geben konnte. Ihm war, als hätte er in der Ferne eine Gestalt gesehen, aber vielleicht hatten ihm seine Sinne und seine gespannte Erwartung auch einen Streich gespielt... Mal schien es ihm, als sei dort jemand, dann wieder war nur Leere, er kniff die Augen zusammen, konzentrierte sich ganz stark, aber das Ergebnis blieb dasselbe. Immer wenn er glaubte, etwas bemerkt zu haben, schien dieses Etwas sofort wieder zu verschwinden.

„Was ist denn dort?“ Charitys Stimme drang wie von weitem an sein Ohr. Auch sie schaute nun in die Ferne. Alastor hatte sich ebenfalls aus seinem bequemen Sessel erhoben und nun, da sie alle drei wie gebannt in dieselbe Richtung starrten, bemerkten sie dort einen Schatten, der langsam näher zu kommen schien.
„Also - eines ist sicher“, stellte Charity nüchtern fest: „Das ist auf keinen Fall Harry.“

Es erübrigt sich, zu erwähnen, dass sie mit dieser Feststellung – wie immer - Recht hatte.

Doch weder Dumbledore noch Moody hatten mit diesem Ankömmling gerechnet, der zuerst immer wieder zu verschwinden schien und sich nun ganz langsam näherte...

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Sonntag, 3. April 2011, 08:41

Kapitel IX

Respekt :D
Da man den Inhalte ja kennen müsste, dürfte es eigentlich nicht so spannend sein.
Ich finde es total gelungen wie du die nichtgezeigten Stellen im Buch aufgreifst, miteinander verflechtest und sehr bildhaft darstellst.
Sich Mad Eye in einem Stück vorzustellen ist gar nicht so einfach!
Danke für dieses schöne Puzzleteil im HP Universum. Ich bin sehr gespannt wer denn da aus dem Nebel kommt. Es gibt ja etliche Möglichkeiten!
Weiterhin so kreative Ideen wünscht ich Dir!

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Donnerstag, 7. April 2011, 22:19

X Furcht und Hoffnung

Charity kniff die Augen noch ein wenig fester zusammen. Das konnte doch nicht wahr sein. Sie glaubte, die Gestalt in der Ferne erkannt zu haben, denn genauso war der Mann vor nicht allzu langer Zeit auf sie zu gekommen. Doch sie war sich nicht sicher. „Ist das Ihr Minister?“ , wandte sie sich an Dumbledore und Moody. Doch bevor einer von ihnen antworten konnte, hörten sie ein Geräusch, dass jedem Lebenden das Blut in den Adern hätte gefrieren lassen. „Was war das?“ Erschrocken sah Charity in Alastors Augen und las darin dasselbe Grauen, das auch sie empfand. Beide schauten Albus Dumbledore an, der nicht weniger entsetzt aussah. „Was bedeutet das, Albus, ich sehe dir an, dass du es weißt, bitte – du musst es uns sagen! Diese Gestalt, die immer wieder zu verschwinden scheint – jetzt ist sie gerade wieder wie durch einen Vorhang verborgen, und dieses schreckliche Geräusch – was bedeutet das?“
„Ich bin mir nicht ganz sicher, aus dieser Perspektive habe ich es ja noch nie erlebt, ich kann nur vermuten.“ - „Dann vermute mal, bitte, Albus, erkläre uns, was das alles bedeutet!“
Dumbledores Stimme klang mit einem Mal sehr leise und sehr müde, als er zu einer Erklärung anhub: „Es bedeutet, dass Harry in sehr großen Schwierigkeiten steckt. Du hast Recht, Charity, ich habe Rufus Scrimgeour auch erkannt. Dieses Auftauchen und Verschwinden ist ein sehr schlechtes Zeichen. Zusammen mit dem, was wir gerade von jenseits des Vorhangs vernommen haben, bedeutet es, dass er gefoltert wird, zu Tode gefoltert, um genauer zu sein.“
Alastor unterbrach ihn:„Soll das heißen, die Todesser sind jetzt im Ministerium, haben sie etwa die Macht übernommen? Und was hat das mit Harry zu tun? Im Ministerium wusste doch niemand außer den Ordensmitgliedern über Harry Bescheid.“ Mit resignierter Stimme fuhr Dumbledore fort: „Ich fürchte, doch, denn ich habe Harry und seinen Freunden einige Dinge vererbt. Der Zaubereiminister musste sie, wie ich es in meinem Testament bestimmt hatte, übergeben. Das heißt, er kennt Harrys Aufenthaltsort, das sichere Versteck, in das er nach dieser furchtbaren Jagd, die dich das Leben gekostet hat, gebracht wurde...“
„Und du glaubst, dass er es den Todessern verraten wird?“ - ließ sich Charity vernehmen.
„Schlimmer noch, er weiß auch, dass Kingsley und Arthur das Geheimnis kennen. Was wird passieren, wenn sie sich die beiden vornehmen, wenn sie auch Kingsley oder Arthur foltern, oder, was noch schlimmer wäre, Molly oder ihre Kinder... Ich habe vielleicht einen großen Fehler gemacht.“
„Ist das nicht eigentlich“ , ihre Stimme klang zaghaft, „ziemlich ...dumm? Ich meine, sich auf Folter zu verlassen, wenn man an wichtige Informationen gelangen will, man kann doch nie sicher sein, dass man dabei die Wahrheit zu hören bekommt. Also, ich erinnere mich noch, wie es sich angefühlt hat, als dieser Tom mich mit dem Cruciatus-Fluch traktiert hat, bevor ich von Severus betäubt wurde. Diese Qualen und Schmerzen sind so schrecklich, da sagt man alles, wovon man glaubt, der andere wolle es hören...
Es gibt bei euch Zauberern doch einen Trank, der einen Menschen zwingt, die Wahrheit zu sagen, warum nehmen sie nicht den – es wäre doch viel einfacher, und sie könnten sicher sein, wirklich die Wahrheit zu erfahren. Versteht ihr, was ich meine?“
Alastor antwortete ihr: „Du meinst Veritaserum, natürlich ist das einfacher, aber...“
Dumbledore unterbrach ihn schroff: „Du vergisst, Charity, dass diese Leute Spaß daran haben, andere zu quälen, für Bellatrix ist das das größte Vergnügen, sie genießt es, verstehst du!“
Charity hatte ein furchtbares Bild vor Augen: Es entstammte zum größten Teil ihrer Erinnerung an den kurzen Aufenthalt in Malfoy Manor. – Sie sah den am Boden liegenden, von Riddles Folter entstellten, sich vor Schmerzen krümmenden Ollivander – und über ihm Bellatrix Lestrange mit ausgestrecktem Zauberstab. In ihrem Kopf verwandelte sich dessen Gesicht in das des Ministers – und sie sagte leise: „Wir können ihn nicht verurteilen, wenn er nicht widersteht. Weißt du, Albus, ich kenne mich ja nun wirklich nicht mit Magie aus, aber ist dieses ständige Verschwinden und Auftauchen nicht ein Zeichen dafür, dass Mr. Scrimgeour kämpft, dass er Widerstand leistet?
Er ist bestimmt an der Schwelle des Todes, aber wenn er noch nicht hier ist, dann bedeutet es vielleicht, dass er ihnen die Information noch nicht gegeben hat, sonst hätten sie ihn doch längst umgebracht, wenn sie ihn schon in ihrer Gewalt haben.“
Albus schaute Charity an, als sähe er sie zum ersten Mal.
„Es ist natürlich vollkommen logisch, was du da sagst, aber du kennst die Methoden der Todesser nicht – sie werden die Information aus ihm herauspressen, ich glaube nicht, dass der alte Rufus die Kraft hat, ihnen bis zum Ende Widerstand zu leisten, nicht, wenn Bellatrix und Voldemort ihn mit vereinten Kräften foltern und in sein Gedächtnis eindringen – das vermag niemand, den ich kenne.“ Und ganz leise fügte er hinzu: „Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich selbst das vermocht hätte...“

„Niemand kann mit mit Sicherheit von sich sagen, wie standhaft er ist, solange er es nicht zu beweisen braucht!“ - Alastors tiefe Stimme fuhr fort: „Wenn sie dich foltern und dann, wenn du geschwächt bist, in dein Gedächtnis eindringen, hast du keine Chance, da kann man keinem einen Vorwurf machen, wenn er das nicht aushält. Ich kenne Rufus schon lange, er ist ein alter Fuchs, aber als Minister mag ich ihn nicht sonderlich, er ist nicht viel besser als Fudge, hat Leute verhaften lassen, damit es so aussieht, als greife das Ministerium durch, aber er ist kein schlechter Mensch, ich halte ihn für einen aufrechten alten Kämpfer, nur als Minister...“
„Ich verstehe, was Sie meinen, Mr. Moody, er hat sich nach Kräften bemüht, aber ...“ Weiter kam Charity nicht, denn Dumbledore polterte los: „Was habe ich mich im letzten Jahr mit ihm gestritten! Sogar der Tagesprophet hat darüber berichtet! Er wollte partout nicht einsehen, dass Harry nach allem, was das Ministerium ihm angetan hat, einfach kein Vertrauen mehr in dessen Arbeit hatte, dass er sich das hätte verdienen müssen. Es war ziemlich verfahren – und dann hat er mir hinterherspioniert und jeden ausgefragt, was ich tue, anstatt endlich etwas gegen Voldemort und dessen Todesser zu unternehmen. Und außerdem konnte er...“ -
Weiter kam Dumbledore nicht, denn das schreckliche Geräusch, das sie vor einer Weile so beunruhigt hatte, ertönte von neuem – diesmal jedoch noch furchtbarer als beim ersten Mal, begleitet vom Auftauchen einer verschwommenen Silhouette am Horizont, die ganz langsam wieder verschwand.
„Wenn sie jetzt auch in sein Gedächtnis eindringen und Harrys Aufenthaltsort erfahren, Mr. Scrimgeours Widerstand k ö n n t e ihm und seinen Freunden Zeit zur Flucht verschafft haben.“
Alastor stieß diese Worte mit einer Art grimmiger Freude hervor. Charity schaute gemeinsam mit Dumbledore zum Horizont und auf den Schatten, der dort noch immer verschwommen ab und zu auftauchte. Sie sprach aus, was alle drei dachten: „Er kämpft immer noch – wir haben ihn unterschätzt.Vielleicht hat Harry doch noch eine Chance.“
Charity fasste Dumbledore am Ellbogen:„Albus, können wir irgendetwas tun für ihn?“ - Sie sah ihn mit schreckgeweiteten Augen an. - „Nein, wir können den Vorhang nicht durchschreiten, keiner von uns kann das. Uns bleibt nichts anders übrig als zu warten.“
Charity stellte bei sich fest, dass sie eigentlich gar nichts über den Mann wusste, in dessen Händen jetzt Harrys Schicksal lag. Sie rief sich ihre letzte Begegnung mit ihm ins Gedächtnis und erinnerte sich an ihre Frage, ob er schweigen könne. „Wie ein Grab“- das war seine Antwort gewesen – sie schauderte bei dieser Erinnerung und murmelte die Worte leise vor sich hin: „Wie ein Grab...“ - „Und zu hoffen“ , fügte sie laut hinzu.

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Donnerstag, 7. April 2011, 22:20

XI Auf der anderen Seite des Vorhangs

„Ich glaube, ich kann Ihnen behilflich sein.“ Diese mädchenhafte Stimme kannte sie doch. Unwillig wandte sich Bellatrix Lestrange um: „Ah, Mrs. Umbridge, Sie wissen doch, den Dunklen Lord interessiert nur eines: Wo ist Harry Potter? Können Sie mir das sagen?“ Umbridges krötenartiges Gesicht verzog sich zu einem Grinsen. „Ich kann Ihnen sagen, wer es weiß. Gehen wir doch in mein Büro“
Gespannt beugte sich Bellatrix zu ihr hinunter: „Ich höre...“ Umbridge trippelte beflissen neben Bellatrix her und erklärte:„Dumbledore hat Harry Potter in seinem Testament bedacht, der Minister persönlich hat ihm und seinen nichtsnutzigen Freunden die ihnen zugedachten Dinge überbringen müssen. Rufus Scrimgeour weiß ganz genau, wo Potter steckt. Auch wenn er es abstreiten sollte – ich weiß, dass er dort war. Ich habe gehört, wie er gesagt hat, dass dieses Bürschchen keinerlei Respekt vor ihm hatte.“
Inzwischen waren sie vor Umbridges Büro angekommen. Als sie sich am Schloss ihrer Bürotür zu schaffen machte, fiel Bellatrix das große goldene Medaillon auf, das Dolores um den Hals trug. „Ein schönes Schmuckstück haben Sie da, es sieht sehr alt aus...“ Umbridge strich mit der Hand über das große S auf dem Deckel und erklärte: „Es ist antik, wissen Sie, ein Familienerbstück, das S steht für Selwyn, müssen Sie wissen, ja, ich bin mit den Selwyns verwandt, uralte Familie, Reinblüter selbstverständlich.“ Inzwischen war die Bürotür offen, Umbridge barg das Medaillon unter ihrer rosa Strickweste und Bellatrix rümpfte die Nase, als sie all die geschmacklosen Kätzchen auf ihren Tellern und Bildern an den Wänden sah. Doch dann verzog sich ihr Gesicht zu so etwas wie einem Lächeln, als sie ein Bild von Harry Potter an der Wand erblickte, auf dem zu lesen war:„Muss bestraft werden!“ - „Sie sind sich ganz sicher, dass der alte Rufus Harrys Versteck kennt?“ - „Oh ja, er ist mindestens einmal dort gewesen, das weiß ich ganz sicher, ich habe ja gehört, wie er darüber gesprochen hat, wie unzufrieden er mit Harrys Benehmen war. Dieser Junge hat keinerlei Respekt vor Autoritäten! Ja, Mr. Scrimgeour weiß genau, wo sich dieser Potter versteckt hält.“ Mit einem Kichern wandte Umbridge sich um: „Verstehen Sie mich nicht falsch, meine Ergebenheit, meine Loyalität gilt einzig und allein dem Ministerium.“ Angewidert sah Bellatrix auf sie hinunter. Voller Verachtung dachte sie:„ Du bist um Fudge herumscharwenzelt, hast anschließend Scrimgeour umschmeichelt, als ob du je irgendeinem gegenüber loyal gewesen wärst – außer dir selbst gegenüber – dich interessiert doch nur eines: Aufstieg und Macht, aber solche wie dich wissen wir zu nehmen – und zu nutzen...“
Laut aber antwortete sie: „Sie waren uns eine große Hilfe, Mrs. Umbridge, der Dunkle Lord wird sich dessen erinnern.“
Bellatrix wandte sich zum Gehen, doch dann drehte sie sich noch einmal um und holte etwas aus der Tasche ihres Umhangs. Sie ließ den Gegenstand mit herablassender Geste in Umbridges Hand fallen und flüsterte: „Eine kleine Belohnung für Ihr Entgegenkommen und Ihre Hilfe.“ Dann lachte sie laut auf und mit verstellter Stimme fügte sie hinzu: „Und immer wachsam!“ Laut lachend ging sie hinaus, auf der Suche nach Rufus Scrimgeour, während Dolores den kleinen Gegenstand in ihrer Hand betrachtete. Es war ein magisches Auge, das linke Auge von Alastor Moody...
Jedem anderen hätte dieses Geschenk wahrscheinlich einen Schauder über den Rücken gejagt, doch Dolores zuckte nicht einmal, als ihr bewusst wurde, was sie da in ihrer Hand hielt.
Sie wusste genau, was sie zu tun hatte. Ganz sicher, ihr Aufstieg im Ministerium war nur noch eine Frage der Zeit. Ein paar kurze Bewegungen mit dem Zauberstab – und das magische Auge saß als Spion in ihrer Bürotür. Nichts mehr würde ihr nun entgehen, gar nichts.

***

Rufus Scrimgeour konnte es nicht glauben, was er in dem hastig hingekritzelten Memo las – Todesser sollen ins Ministerium eingedrungen sein. Das konnte doch nicht wahr sein! So schnell er konnte, eilte er zu seinem Kollegen in das benachbarte Büro: „Pius, hast du gehört, Todesser sollen hier sein, im Ministerium, weißt du etwas darüber?“ - Pius fasste den Minister am Arm, beruhigte ihn mit dieser vertraulichen Geste und sagte leichthin:„Das wird wieder eines von diesen wilden Gerüchten sein, so etwas hätte ich doch bemerkt, lassen Sie uns hinunter ins Atrium gehen und nachsehen, was los ist.“ Doch so weit kamen sie nicht, denn auf dem Flur – der Minister traute seinen Augen nicht – begegnete ihnen Bellatrix Lestrange. „Guten Tag, Herr Minister, ich freue mich, Sie zu sehen“ , doch sie sah dabei nicht Scrimgeour, sondern Thicknesse an, bevor sie sich mit einem zuckersüßen, falschen Lächeln an Rufus wandte: „Und Sie habe ich gesucht, Mr. Scrimgeour.“ Bevor der Minister auch nur reagieren konnte, war er schon mit unsichtbaren Seilen gefesselt und lag geschockt am Boden, außer Gefecht gesetzt von seinem eigenen Kollegen, der mit Bellatrix in stummem Einverständnis Blicke tauschte und ihre begrüßenden Worte mit einem bescheiden klingenden: „Noch nicht, meine liebe, noch bin ich nicht offiziell ernannt worden...“ kommentierte. Bellatrix tat dies mit einer lässigen Handbewegung ab: „Das ist nur eine Formsache, der Dunkle Lord wird das bald erledigen.“
Mit einem verächtlichen Blick auf den hilflos daliegenden Zaubereiminister bat sie Pius „Helfen Sie mir, das da außer Sichtweite zu schaffen, am besten, in Ihr Büro – Ihr ehemaliges Büro!“ Scrimgeours entsetzter Blick wanderte von Pius zu Bellatrix und endlich wurde ihm klar, dass sein Kollege schon die ganze Zeit mit den Todessern gemeinsame Sache gemacht hatte, er war es wohl auch gewesen, der ihnen Zugang zum Ministerium verschafft hatte. Ob er das freiwillig tat oder ob er unter dem Imperius-Fluch stand? Es spielte jetzt keine Rolle mehr, er war gefangen. Ob die anderen noch kämpften? Ob sie eine Chance hatten? Wer weiß, wie viele noch unter dem Imperius-Fluch standen... Und er hatte nichts gemerkt! Er war ein schlechter Minister! Er hatte versagt!
Bellatrix richtete ihren Zauberstab auf ihn – und auch wenn sie den Fluch nicht aussprach, so keuchte er doch vor Schmerzen. „Das war nur ein kleiner Vorgeschmack, Mr. Scrimgeour, Sie sollten kooperieren, wenn mein Meister mit Ihnen spricht, ansonsten...“ – sie richtete ihren Zauberstab noch einmal mit einer raschen Bewegung auf ihn, und ein tiefer Schnitt zeigte sich auf seiner Wange, „...könnte es ein wenig unangenehm für Sie werden.“
Bellatrix schob den Ärmel ihres Umhangs ein Stück nach oben und mit glühendem Blick und bebenden Fingern strich sie sacht über ihr Dunkles Mal, bevor sie es drückte. Man hätte diese Geste fast zärtlich nennen können, wenn ein Wort wie Zärtlichkeit im Zusammenhang mit Bellatrix nicht völlig unangebracht wäre. Gleich würde er hier sein, ihr Meister, und er würde mit ihr zufrieden sein. Dem Alten hier das Geheimnis von Harrys Versteck zu entreißen würde kein Problem sein. Sie genoss es, in sein vor Schmerzen verzerrtes Gesicht zu sehen. „Crucio.“ Bellatrix lächelte.
Rufus Scrimgeour biss die Zähne zusammen. Er wollte nicht schreien, er wusste, dass Bellatrix nur darauf wartete. Doch er war Realist. Er wusste, dass er keine Chance hatte. Das würde sein Ende sein, ein dummes, unwürdiges Ende. Lieber wäre er in einem Kampf gestorben!
In einem Kampf...
Er hatte mit Sicherheit keine Chance, zu überleben, aber vielleicht hatte er eine Chance, zu schweigen. Er erinnerte sich an eine seiner vielen Reisen. Von einem alten chinesischen Magier hatte er gelernt, seine Okklumentik-Kräfte zu stärken. Es war Jahre her, seit er es zum letzten Mal geübt hatte, doch noch nie war es so wichtig gewesen, diese Kunst perfekt zu beherrschen. Er erinnerte sich an die Worte des Alten: „ Du musst dir etwas Undurchdringliches vorstellen, eine Felswand oder eine stabile Mauer – und die baust du in deinen Gedanken immer höher, dann musst du deinen Geist leeren, so dass man darin nichts mehr erkennen kann. Stell dir den Himmel vor oder die Erde, wenn du an deiner geistigen Mauer herauf- oder herunterschaust – nichts anders wird dein Gegner sehen können, wenn du es richtig machst.“
Rufus konzentrierte sich, er wusste, was davon abhing.

***

Das Atrium zeigte deutliche Spuren eines kurzen, aber heftigen Kampfes. Der Brunnen der magischen Geschwister war zerstört, die Figur des Hauselfen zersplittert, der Sockel zertrümmert, der Kopf des Zentauren lag am Boden, in einer großen Wasserlache schwammen etliche Münzen, der Hexe fehlte ein Arm. Nur die Figur des Zauberers war fast unbeschädigt.
Das letzte Mal, als dieser Brunnen in Trümmern lag, war ein Tag der Niederlage gewesen – heute war es s e i n Sieg! Das Ministerium war in seiner Hand! Gemessenen Schrittes durchmaß Voldemort die Eingangshalle, beherrscht von einem Gefühl des Triumphes: MAGIE IST MACHT - das war es – MACHT!
Bellatrix hatte ihn gerufen, gleich würde er erfahren, wo dieser Potter sich versteckt hielt, und dann...- niemand würde dann noch an seiner Macht zweifeln!

***

Verächtlich schaute er auf die am Boden liegende Gestalt des alten Zaubereiministers herab.
„Wo ist Potter?“ Das letzte Wort spie er förmlich aus. - „Ich weiß es nicht.“ Scrimgeours Stimme klang leise und schwach. - „Er lügt, ich kann es in seinem unwürdigen Geist sehen!“ Bellatrix' Stimme klang schrill. „Er will es auf die harte Tour!“ - „Crucio!“ - „Crucio!“ Bellatrix' und Voldemorts Flüche trafen ihn gleichzeitig und die Schmerzen wurden unerträglich, doch unbarmherzig blieben beide Zauberstäbe auf ihn gerichtet, während beide nicht aufhörten zu fragen:„Wo ist Potter?“ Sie bekamen keine Antwort. Nur ein leises Stöhnen entrang sich der gemarterten Gestalt am Boden. Während Bellatrix ihren Zauberstab weiter auf ihn gerichtet hielt, fixierten
Voldemorts rote Augen die von Rufus: „Legilimens!“
Gleich würde er es wissen, gleich würde er in diesem Geist sehen, wo sein ärgster Widersacher steckte. Seine Augen durchbohrten Scrimgeour, mit all seiner Kraft drang er in dessen Gedanken ein, doch er konnte keine Antwort auf seine Frage finden, also schrie er erneut: „Wo ist Potter?“ „Legilimens!“, während Bellatrix ihren Zauberstab auf Rufus richtete und mit süßlichem Lächeln flüsterte: „Crucio.“ Diesmal konnte er den Schrei nicht zurückhalten. Die Schmerzen waren unerträglich und er hoffte nur, dass der Tod ihn von seinen Qualen befreien würde.
Doch auch dieses Mal konnte Voldemort Harrys Aufenthaltsort nicht sehen, er sah nur eine Backsteinmauer, die höher und höher wuchs, nichts als diese Mauer, kein Hinweis darauf, wo dieser Potter war. Und noch etwas hatte er gerade gesehen in diesem schmerzverzerrten, alten Gesicht, er konnte es kaum glauben, aber war das nicht eine Spur von Genugtuung – oder gar Triumph? Dachte der Alte etwa, er könne ihm, Lord Voldemort, entkommen, indem er jetzt einfach so starb?
Mit einem Blick verständigte er sich mit Bellatrix – zwei scharfe Wasserstrahlen schossen aus ihren Zauberstäben und trafen Scrimgeour, so dass er wieder zu sich kam. Er begriff, so schnell würde es nicht vorbei sein. Bellatrix ließ ihren Zauberstab peitschen, jede Bewegung fügte ihm einen tiefen Schnitt zu. Schon nach wenigen Augenblicken war er blutüberströmt. „Legilimens!“ „Crucio!“ - Diesmal flüsterte Bellatrix nicht mehr, sie kreischte vor Wut und ließ ihren Zauberstab wieder und wieder peitschen, doch es schien, als hätte alles, was sie tat, schon keinerlei Wirkung mehr auf Scrimgeour. Nur ein schwaches Wimmern verriet, dass er immer noch am Leben war.
Noch einmal fixierten ihn Voldemorts Augen: „Legilimens!“ - „Crucio!“ - „Denkst du etwa, du könntest dich so einfach in den Tod flüchten? Ich entscheide, wann es so weit ist und ich dir gnädig den Tod gewähre, ich allein, Lord Voldemort! Mich hält man nicht zum Narren! Sag es endlich: Wo ist Potter?“ Bellatrix hatte während dieser Worte nicht aufgehört, den Minister zu quälen.
„Du brauchst es nicht einmal zu sagen, wenn du dazu keine Kraft mehr hast, es genügt, wenn du es denkst – ich werde es in deinem unwürdigen Geist sehen.“ Voldemorts Stimme klang jetzt leise, fast einschmeichelnd. „Und dann wird es aufhören. Es ist so einfach. Diese Qualen müssen nicht sein. WO IST POTTER ?“ - „Legilimens!“ - „Crucio!“
Statt einer Antwort ertönte ein markerschütternder Schrei. Mit diesem furchtbaren Laut schien der letzte Rest Kraft aus Rufus' Körper gewichen zu sein. Begierig richtete Voldemort seinen Zauberstab auf Scrimgeours Gesicht. Nun würde er es endlich erfahren!
...Die Backsteinmauer war verschwunden, stattdessen sah er in Scrimgeours Geist das Gelände von Hogwarts und das Grabmal von Dumbledore, davor standen Harry und der Minister – und er hörte ihn sagen: „Durch und durch Dumbledores Mann!“
Bellatrix schaute ihren Meister verwundert an. Sie hatte die letzten Worte auch gehört, Rufus hatte sie ausgesprochen! Es war das letzte, was er tat.
Voldemort hatte seinen Zauberstab immer noch auf Rufus' Kopf gerichtet, als Bellatrix schon begriffen hatte, dass sie von ihm nichts mehr erfahren würden, dass sie ihn getötet hatten.
Ein rascher Seitenblick auf Voldemort genügte, um ihr zu zeigen, dass der Zorn des Dunklen Lords sich Bahn brach. Sie disapparierte, bevor es so weit sein würde. Die Wut ihres Herrn wollte sie nicht zu spüren bekommen.
Sie würden Potter mit der gesamten Macht des Ministeriums suchen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er ihnen ins Netz gehen würde...

Fast jeder, der Rufus Scrimgeour gekannt hatte, erinnerte sich daran, dass er ihm immer wie ein alter Löwe vorgekommen war. Das, was die Todesser von ihm auf dem Boden von Pius Thicknesses Büro übrig gelassen hatten, sah aus wie eine weggeworfene Lumpenpuppe, ein blutverschmiertes Bündel, das einmal ein Mensch gewesen war...
Ob irgendjemand jemals erfahren würde, dass Rufus gekämpft hatte wie ein Löwe, dass er alles getan hatte, um Harry zu schützen, dass er gestorben war, um das Geheimnis seines Aufenthaltsortes zu wahren? Er war in einem Kampf gestorben, einem einsamen, aussichtslosen Kampf, sein letzter Gedanke galt Harry, dem Auserwählten, auf dem nun alle Hoffnungen ruhten.
Und so seltsam es klingen mag, würde man sich Rufus' toten Körper genauer ansehen, dann könnte man in seinem zerschlagenen, zerschnittenen Gesicht tatsächlich einen Ausdruck von Triumph entdecken.

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Freitag, 8. April 2011, 09:17

Wow,
das ist super. Ich finde das passt sehr gut. Diese ganzen kleinen Nebenhandlungen aus dem Buch hast du genial zusammen gefügt.
Irgendwie tut mir der alte Löwe leid. Sein Schicksal hat keiner mitbekommen.
Jetzt bin ich dann aber begierig darauf, wie es weiter geht.

Ganz großen Kino hast du da in meinem Kopf veranstaltet! Ich konnte es sehen!!! --thumbs-up--

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Dienstag, 7. Juni 2011, 20:54

XII Eine mit Bangen erwartete Begegnung

Stille. Alles umfassende Stille. Nicht das geringste Geräusch drang an seine Ohren. Er hob ein wenig den Kopf, ließ ihn jedoch gleich wieder sinken. Ob er es wagen konnte, die Augen zu öffnen? Er blinzelte ganz leicht, doch das grelle Licht zwang seine Lider zurück. So lag er mit geschlossenen Augen da, reglos, in Erwartung neuer Schmerzen.
Die tiefe Stille erfüllte ihn mit Hoffnung – und er versuchte, seine zerschlagenen Glieder zu bewegen. Vorsichtig hob er seinen rechten Arm, um mit der Hand sein Gesicht zu befühlen, in dem Bellatrix mit ihrem Zauberstab unzählige tiefe Schnitte hinterlassen hatte.
Die Bewegung verursachte ihm keinerlei Schmerz, und sein Gesicht fühlte sich völlig normal an.
Mit einem erleichterten Seufzen ließ er sich zurücksinken und ergab sich ganz dieser entspannenden Stille. Er hatte es endlich geschafft, er war entkommen. -

Rufus Scrimgeuor war tot.

Langam näherten sich Albus, Alastor und Charity der am Boden liegenden Gestalt. Es sah aus, als schliefe Rufus ganz fest. Dumbledore beugte sich über ihn und Charity strich vorsichtig über seinen Kopf. „Tapferer alter Löwe...“ , murmelte sie leise, er braucht jetzt bestimmt erst mal Ruhe, nach allem, was er durchgemacht hat. „Aber ich muss doch wissen -“ „Nein, Albus“, unterbrach ihn Charity energisch, „von hier aus kannst du sowieso nichts tun, du hast es mir selbst erklärt, wir können den Vorhang nicht durchschreiten, also bezähme deine Neugier und lass den Mann ausruhen! Wir haben hier Zeit, viel Zeit.“ Dumbledore schaute sie verwundert an und erkannte, dass sie – wie immer – Recht hatte. Er war einfach zu ungeduldig. Alastor brummte: „Warum setzen wir uns nicht einfach hier hin und warten, bis er mit uns reden kann?“ Dumbledore strich sich gedankenverloren über den langen weißen Bart und betrachtete den vor ihm liegenden Körper. Er ahnte, was dieser Mann durchgemacht hatte und fragte sich insgeheim, ob er wohl so lange hätte widerstehen können. Doch schließlich war es Alastor Moody, der ihrer aller Gedanken in Worte fasste: „Ich habe ihn nicht besonders gemocht als Minister, aber er hat Respekt verdient, der alte Knabe.“ Charity dachte wieder an ihre letzte Begegnung und nickte: „Er hat mir gesagt, er könne schweigen wie ein Grab. Er hat sein Wort gehalten, sein Leben gegeben, um nicht zum Verräter zu werden.“ Gedankenverloren strich sie ihm noch einmal sanft über den Kopf, wandte sich dann zu Dumbledore um: „Sag, Albus, ist Harry nun in Sicherheit?“
Albus schaute abwechselnd Moody und Charity an und entgegnete leise: „Das hoffe ich, aber wer weiß, was für Teufeleien sich Voldemort und seine Schergen noch ausdenken, um seiner habhaft zu werden.“

Ganz vorsichtig öffnete Rufus die Augen. Er versuchte sich zu erinnern. Es war etwas Wichtiges geschehen, das wusste er noch, doch er konnte den Gedanken nicht festhalten. Statt der gleißenden Helle, die ihn vorhin nur blinzeln ließ, erblickte er nun über sich drei Gesichter. Er schaute in die durchdringenden blauen Augen von Albus Dumbledore - und da kam auch der Gedanke zurück: „Durch und durch Dumbledores Mann!“ - Er hatte den Satz geflüstert, aber alle hatten es gehört.
Langsam richtete Scrimgeour sich auf, es ging erstaunlicherweise ganz leicht. Aus dem Nichts erschien ein weicher Sessel, in dem er es sich bequem manchen konnte.
Charity brach als erste das etwas peinliche Schweigen, das dadurch entstanden war, dass jeder der Anwesenden an seine letzte Begegnung mit dem Minister zurückdenken musste, die ja keineswegs erfreulich verlaufen war. „Mr. Scrimgeour, wir alle haben so sehr gebangt – und gehofft. Sie haben tapfer gekämpft. Bitte erklären Sie uns ganz genau, was passiert ist. Es muss sehr schwer für Sie gewesen sein, immer wieder tauchte Ihre Silhouette am Horizont auf – und dann haben wir schreckliche Geräusche gehört. Glauben Sie uns, diese Ungewissheit und die Angst – es war schrecklich, dieses Gefühl, zu wissen, dass man nichts tun kann außer zu warten. Haben Sie gespürt, dass wir mit der Kraft unserer Gedanken bei Ihnen waren?“ Rufus schaute verwundert von einem zum anderen, doch Charity war noch nicht fertig: „Bitte verzeihen Sie mir, dass ich kein Vertrauen in Ihre Verschwiegenheit hatte, ich hatte nicht viel Gutes über Sie gehört – und außerdem musste ich eine Menge Geheimnisse bewahren, nicht zuletzt mein eigenes.“ -
„Ich hätte es wissen müssen, wie konnte ich nur so blauäugig sein – von wegen 'ihren wohlverdienten Ruhestand genießen' – die haben Sie also auch umgebracht! Warum eigentlich? Sie waren doch nicht im Orden? Was hatte Du-weißt-schon-wer gegen Sie?“
„Bitte, Mr. Scrimgeour, nennen Sie den Kerl bei seinem richtigen Namen – dieses 'Du-weißt-schon-wer' kann ich nicht mehr hören!“
Albus Dumbledore schmunzelte, als er sie so reden hörte, auch Alastor konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, Charity jedoch hatte eine strenge Miene aufgesetzt, sie versprach: „Ich werde Ihnen alles erklären, auch was dieser Tom gegen mich hatte, vorher jedoch erzählen Sie uns ganz genau, was auf der anderen Seite des Vorhangs geschah.“ - „Von was für einem Tom reden Sie denn da?“ - „Na, von Tom Riddle, diesem wahnsinnigen Massenmörder. Ich werde nie verstehen, warum ihn keiner bei seinem Namen nennt. Dass er selbst sich zu 'Lord Voldemort' gemacht hat, kann ich ja noch verstehen, aber warum nennen ihn alle 'Du-weißt-schon-wer' , das werde ich wohl nie verstehen...“
Rufus Scrimgeour schaute Charity an, als sähe er sie zum ersten Mal, er sah noch das Schmunzeln in Albus' Augen und Alastors leichtes Grinsen, doch sofort wurden alle Mienen wieder ernst und die drei lauschten gebannt seinen Worten.
„Ich war wirklich ein schlechter Minister, habe nicht bemerkt, was vor meiner Nase passiert ist. Vielleicht wollte ich es auch einfach nicht sehen, wollte nicht wahrhaben, wie weit 'Du-weißt-...' Voldemorts Arm schon reichte...
Er schüttelte den Kopf, bevor er langsam fortfuhr: „Pius Thicknesse... er muss unter dem Imperius-Fluch gestanden haben, er hat schon die ganze Zeit für Du-weißt... - für Voldemort gearbeitet.
Er hat meine Wachsamkeit eingeschläfert und dabei den Todessern den Weg ins Ministerium gebahnt. Sie werden ihn zum nächsten Zaubereiminister machen. Merkwürdig, ich dachte, dass Du-weißt-schon... Ein ungnädiger Blick von Charity ließ ihn innehalten. „...Voldemort sich selbst zum Minister machen würde. Dann hätte er doch erreicht, was er wollte. Wieso sollte er Thicknesse ernennen? Aber vielleicht hat er das ja auch nur gesagt, damit Pius für ihn arbeitet...
Man muss sich das mal vorstellen: mein engster Mitarbeiter – und ich habe nichts gemerkt!“
Albus strich sich über den langen Bart und entgegnete ruhig: „ Sie haben sich Ihre Frage gerade eben selbst ausgezeichnet beantwortet.“ Rufus runzelte die Stirn und Charity fuhr ungeduldig fort: „So ist es für ihn viel besser, er lässt es im Dunklen, die Leute werden natürlich Vermutungen anstellen, sie werden munkeln, aber es gibt keine konkreten Beweise, dass er hinter allem steckt. Diese Unsicherheit, das Misstrauen, die Ungewissheit – all das ist es, was er braucht, um seine Ziele zu verwirklichen. Er scheint es zu genießen, wenn keiner weiß, wem er noch trauen kann, wenn überall Angst und Misstrauen herrschen.“
Endlich begriff Rufus, was sie ihm sagen wollte. Ihn schauderte. Dann sah er Dumbledore an: „Sie waren der einzige, den er je fürchtete – nun hat er freie Hand. Was können die Zauberer nun noch gegen ihn tun? Und Potter – kann er ihn besiegen? Ich habe seinen Aufenthaltsort nicht preisgegeben. Das hat sie in rasende Wut versetzt.“
Seltsamerweise erschien ein Lächeln auf Dumbledores Gesicht: „Mein lieber Rufus, - ich darf Sie doch so nennen, hier an diesem Ort? Ich war nicht der einzige, den Voldemort fürchtete, aber vielleicht der einzige Zauberer...“ - „Was soll das heißen?“ Dumbledores Lächeln wurde noch breiter: „Ich denke, Charity, es ist an der Zeit, eines deiner Geheimnisse zu offenbaren.“
Doch Charity war viel zu neugierig, um jetzt viele Worte zu machen, also sagte sie ganz einfach: „Ich bin keine Hexe, ich glaube, Menschen wie mich nennt man in Ihrer Welt Muggel.“ -
„Aber Sie haben in Hogwarts unterrichtet, Sie wurden immer als eine alte Freundin von Dumbledore vorgestellt, Sie waren doch auch im 'Tropfenden Kessel', das ist doch nicht möglich!“

„Ich bin eine alte Freundin von Albus – wir kennen einander wirklich schon sehr lange, ich habe diesen Tom, den Sie jetzt alle Voldemort nennen, schon als Kind gekannt – und Albus vor ihm gewarnt. Ich habe schon als Kind die meisten seiner tückischen Pläne durchschaut, auch wenn die Erwachsenen dies nicht konnten. Und er wusste es! -
Diese falsche Aura des Geheimnisvollen, die er um sich herum aufgebaut hat, die Maske des Dunklen Lords,“ - ihre Stimme war voller Verachtung, „all das drohte zerstört zu werden von einer kleinen alten Frau.“ Sie kicherte leise vor sich hin. „Wie das seinen Todessern wohl gefallen hätte, wenn ich ihn mit seinem wahren Namen angesprochen hätte – Tom Riddle, benannt nach seinem Vater, der ein Muggel war, oh, das hätte ihm gerade noch gefehlt, dem Verfechter des reinen Blutes, dem 'Lord Voldemort' , was er für eine Angst davor hatte, dass ich nur ein einziges Wörtchen sagen könnte – er hat mich sogar mit einem Schweigezauber belegt, damit nur niemand etwas von seiner Muggel-Vergangenheit in einem Londoner Waisenhaus erfährt.“

Dumbledore fasste Rufus beherzt am Arm und fügte noch hinzu: „Und denke daran, es gibt noch jemanden, den Voldemort fürchtet, auch wenn er es nicht offen zugeben kann vor seinen Anhängern, aber er fürchtet Harry Potter, den Auserwählten.“
„Dann ist er es also wirklich?“ Rufus' Stimme zitterte ein wenig. „Dann war es nicht vergebens...?“
Alastor Moody, der die ganze Zeit aufmerksam zugehört hatte, brummte: „Nein, Mr. Scrimgeour, Ihr Opfer hat Harry Zeit verschafft, ihm vielleicht sogar das Leben gerettet.“ -
„Vor allem aber hat es diesem Wahnsinnigen und seinen Helfershelfern ihre Grenzen gezeigt, das ist vielleicht noch viel wichtiger!“ Erstaunt schauten die drei Männer Charity an. So hart hatte ihre Stimme noch nie geklungen.
„Ich hätte ja auch nie erfahren, wo Harry versteckt wurde, wenn ich nicht im Auftrag des Ministeriums Ihr Testament hätte vollstrecken müssen. Dieses Erbe – was haben Sie denn damit bezweckt? Niemand von den dreien, weder Mr. Weasley, noch Miss Granger – und erst recht nicht Mr. Potter, wollte mir sagen, was es damit auf sich hatte. Sie waren ziemlich verstockt, ich hätte mich beinahe hinreißen lassen... Was sollte diese Geheimniskrämerei? Und dann das Schwert von Gryffindor – Sie wussten doch bestimmt ganz genau, dass Sie kein Recht hatten, über dieses wertvolle Artefakt zu verfügen?“
Albus blaue Augen blitzten: „Na ja, einen Versuch war's wert, Rufus, wirklich.“ Dann setzte er hinzu: „Oh ja, mein Erbe, ich glaube, als Sie den dreien die ihnen zugedachten Gegenstände übergeben haben, war ihnen der Sinn selbst noch nicht klar, sie werden es erst noch herausfinden. - Hoffentlich...“
Dumbledore hatte jedem der drei Freunde etwas vermacht, aber auch wenn das Schwert nicht übergeben worden war – Harry würde wissen, warum es im Testament erwähnt wurde, er würde wissen, wozu es dienen konnte.
Würde er das? Erwartete ich nicht zu viel? Habe ich dem Jungen eine zu große Last aufgebürdet?
Dumbledores Zweifel spiegelten sich in seinem Gesicht wider.
„Du vermagst jetzt nichts mehr zu ändern. Wir können nur abwarten.“ Charitys Worte drangen nur langsam zu ihm durch. Und diesmal war er es, der entgegnete: „Und hoffen.“

„Eines würde ich gern noch erfahren.“ Rufus' Bass riss sie aus ihren Gedanken, „Wieso sind Sie eigentlich noch hier, warum sind Sie nicht weiter gegangen? Haben Sie nicht immer gesagt, dass für den gut vorbereiteten Geist der Tod nur das nächste große Abenteuer ist?“
Alastor Moody schmunzelte: „Genau das habe ich auch gedacht, als ich den alten Knaben hier entdeckte. Wir warten hier auf Harry.“
„Dann erwartet ihn auch der Tod, ich dachte, er könnte Voldemort besiegen?“ Rufus klang enttäuscht.
„Wenn ich mich nicht irre – und ich irre mich selten, wie du weißt, dann wird Harry, wenn er hierher gelangt, sofort weiter gehen wollen, weil er an seine Eltern denkt, an seinen Paten, vielleicht auch noch an andere, die im Kampf gegen Voldemort möglicherweise noch den Tod finden werden. Aber das darf er noch nicht. Er muss zurück.“ - „Aber es gibt keinen Weg zurück!“ - „Für Harry wird es einen Weg geben, es ist eine Frage der richtigen Entscheidung. Deshalb warte ich auf ihn, ich muss ihn dazu bringen, zurückzugehen, unbedingt, damit er all dem Schrecken endgültig ein Ende machen kann. Aber ich weiß nicht, wann er kommt, das hängt von so vielen Dingen ab, ich fürchte, es wird noch lange dauern...“
„Wie schon gesagt, Zeit spielt hier keine Rolle, wir können warten. Sie können gern weiter gehen, wenn Sie möchten, Mr. Scrimgeour. Um uns das Warten etwas angenehmer zu gestalten, habe ich angefangen, eine lange Geschichte zu erzählen, Sie sind eingeladen, zuzuhören, wenn Sie das möchten.“
Albus' blaue Augen blitzten wieder schelmisch, als er erklärte: „Stell dir vor, in der Geschichte kommt ein Zauberer vor, der mir ähnlich sieht, es gibt darin Elfen und Zwerge, am besten, du fängst noch einmal von vorn an, Charity, denn Alastor kennt ja den Anfang auch noch nicht – und ich höre dir gern zu, du kannst alles so gut beschreiben, dass man richtig eintauchen kann in diese Welt von Mittelerde...“
Während sich Charity bequem hinsetzte, um mit dieser wirklich sehr langen Geschichte von vorn zu beginnen, beschlich sie ein ungutes Gefühl, das in dem wenig tröstlichen Gedanken gipfelte: Je mehr sie von ihrem Lieblingsbuch erzählen konnte, desto länger mussten Tom Riddles Opfer leiden. Was nur ging vor auf der anderen Seite des Vorhangs? Wie viele unerwartete Begegnungen würde es noch geben, bis endlich Harry Potter hier auftauchen würde? Und würde er überhaupt auftauchen? Sie spürte, dass auch die anderen von ähnlichen Sorgen bewegt wurden, aber wie sie schon selbst gesagt hatte – sie konnten von hier aus nichts tun. Außer zu warten und zu hoffen blieb ihnen nichts übrig. Also hub sie an zu erzählen und entführte ihre Zuhörer in Tolkiens Welt, nach Mittelerde. Und während sie vor aller Augen diese Welt entstehen ließ, während sie von Frodo und seiner nicht enden wollenden Wanderung auf dem Weg nach Mordor sprach, bemerkte sie, wie sich vor ihrem inneren Auge Harrys Gesicht vor das des kleinen Hobbits schob, und sie verstand auf einmal mit der ihr eigenen intuitiven Sicherheit, warum Dumbledore und die anderen so fasziniert zuhörten, war doch die Aufgabe der drei Freunde, die ausgezogen waren, Voldemort zu besiegen, nicht weniger aussichtslos als die der Gefährten. Und doch hatten sie sich entschlossen...
Tolkiens Geschichte gab ihnen eine andere Art von Trost, es war ein Stück Hoffnung.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »grit« (20. November 2011, 13:59)


ozoil

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Dienstag, 7. Juni 2011, 22:40

Das Warten hat sich gelohnt.
Ich habe das Kapitel verschlungen.
Gerade wie du Voldemort für alle sichtbar entschlüsselst und aufzeigst worin die eigentliche Gefahr besteht, gefällt mir sehr.
Du hast ein gutes Auge für klitzekleine Details.
In deiner Geschichte ist es für die Toten ja nicht das Ende und wir können daran teilhaben!
Ich finde es faszinierend wie treffend du es beschreibst!
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Dienstag, 7. Juni 2011, 23:06

Wieder mal ein schönes Kapitel. Das nächste Opfer wird wohl Dobby sein.
Hogwarts will always be there to welcome you home.
(JKRowling)

Sieh mich an!
(Severus Snape)

Who´s James Bond? Severus Snape is the best british agent ever!

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Mittwoch, 8. Juni 2011, 08:13

Ich bin mir noch nicht sicher, ob Hauselfen und Kobolde in derselben Form an diesen Ort kommen und plage mich gerade damit, wie die Todesser dort aussehen, die Voldi in seinem Wutanfall killt.
Eine Dobby-Variante habe ich aber auch schon, muss aber noch viel überarbeiten, damit noch etwas von seiner typischen schrägen Art rüberkommt. (Ich will es richtig machen. ;) )