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darkangel08

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21

Sonntag, 16. November 2008, 21:37

Nach vier Wochen hatte Draco schon ein bisschen Geld gespart und die Arbeit in dem Ladengeschäft machte ihm sogar Spaß. In seiner Freizeit war er viel mit Rachel unterwegs, wobei die beiden sich Snapes Ermahnungen anhören mussten, draußen vorsichtig zu sein. Die Stimmung im Land war düster und gefährlich geworden. Etliche Todesser, die seit Jahren in Askaban gesessen waren, hatten sich durch einen erneuten Massenausbruch die Freiheit erkämpft und sich wieder den Reihen Voldemorts angeschlossen. Snape war in dringender Mission für den Orden unterwegs, während seine Haushälterin – die er eigens aufgrund der kritischen Umstände angestellt hatte – auf Draco und Rachel aufpasste. Sie war eine außergewöhnlich fähige Hexe im mittleren Alter, eine Respekt einflößende Frau mit einem schon sehr reifen, faltigen Gesicht, blauen Augen und schwarzen langen Haaren. Neben der Hausarbeit fand sie auch noch Zeit, Rachel ersatzweise in nützlichen Verteidigungszaubern zu lehren. Snape war zufrieden mit ihr und stolz darüber, was seine Tochter schon alles gelernt hatte. Die neu erstandene Liebe zwischen ihr und Draco Malfoy hatte Snape mit keinem Wort kommentiert; entweder war es ihm vollkommen egal, oder er war so sehr mit seinen eigenen Problemen beschäftigt, dass er nicht allzu viel davon mitbekam.
Rachel schien sich sehr in Draco verliebt zu haben, denn sie hing wie eine Klette an ihm.
„Du wirst für immer hier bei uns bleiben, Schatz, oder?“, flüsterte sie ihm ins Ohr, als die beiden gerade am prasselnden Kaminfeuer im Wohnzimmer saßen und behaglich dem stürmenden Regen von draußen lauschten. Snape war wieder unterwegs und Marie, die Haushälterin, in der Küche beschäftigt.
„Das kann ich dir nicht versprechen, schließlich möchte mich dein Vater bald draußen haben, sobald ich genug verdient habe“, sagte Draco und dann sah er den brennenden Holzscheiten zu und hing seinen eigenen Gedanken nach.
„Dann werde ich wohl ein ernstes Wörtchen mit Vater reden müssen. Du hast dich hier schließlich schon eingelebt, als wärst du auch ein Sohn von ihm, oder nicht?“, sagte Rachel entrüstet und schmiegte sich noch enger an Draco, der sich verlegen mit der Hand durch das weißblonde halblange Haar fuhr, das ihm störrisch in die Stirn fiel.
„So würde ich das nicht sehen. Severus duldet mich, aber er sieht mich sicher nicht wie einen Sohn. Das klingt ja schon wie bei Potter, der fast wie Dumbledores Schoßhund ist…“
„Nein, so habe ich das nicht gemeint. Aber dir gefällt es bei uns, oder nicht? Wo willst du denn sonst hingehen? Dein Job ist nicht weit weg von hier und wir beide können immer zusammen sein. Du könntest Vater einen Teil deines Lohnes geben, dann hat er sicher nichts mehr dagegen, dass du…“, sagte Rachel bestimmt und schaute Draco mit ihren großen, dunklen Augen bittend an.
„Schon, aber vielleicht verschlägt es mich bald schon wieder woanders hin. In diesen Zeiten weiß man nie, ob man lange an einem Ort bleiben kann oder will. Und diesen Job mache ich wohl nicht für immer, auch wenn er im Moment ganz okay ist. Für was bin ich ein voll ausgebildeter Zauberer? Um Quidditch-Umhänge zu verkaufen?“, entgegnete Draco und seine Stimme klang etwas gereizt.
„Tut mir Leid, ich wollte dich nicht…“, begann Rachel, aber Draco unterbrach sie erneut: „Du, ich muss ein wenig frische Luft schnappen – alleine.“
Dann stand er auf und verließ ohne ein weiteres Wort das Haus. Dass Rachel knallrot vor unterdrückter Enttäuschung angelaufen war und Marie ihm irgendetwas hinterher brüllte, von wegen, er dürfe ohne Leibwächter nicht alleine hinausgehen, bekam er nicht mehr mit. Er musste nachdenken. Genauso wie damals, als er noch in Hogwarts war und die Probleme mit Lissy und seinen Freunden hatte. Freunde… Mit Crabbe und Goyle, seinen ehemals besten Schulfreunden, hatte er nur noch sporadisch Kontakt und auch sonst war seine Verbindung zu Hogwarts nicht mehr intakt. Nur noch von Snape erfuhr er, was in der Schule, draußen und im Orden vor sich ging. Irgendwie bedrückte Draco die Tatsache, dass er eine ungewisse Zukunft hatte und nicht wusste, wie es weitergehen solle. Er vermisste die doch überwiegend schöne Zeit in Hogwarts, er vermisste die Zeit seiner ersten großen Liebe und er machte sich Gedanken, wie um Himmels Willen er sich verteidigen sollte, wenn der Dunkle Lord einmal seine Spur verfolgte. Snape wähnte dieser zwar noch auf der „Dunklen Seite“ und solange Draco bei ihm blieb, war er wohl sicherer als sonst wo. Aber wenn einmal Details des Familienlebens der Malfoys ans Tageslicht kommen sollten – dass die Familie zerbrochen und zerstritten war, dass er nichts mehr mit seinem Vater (der schließlich ein treuer Anhänger des Dunklen Lords war) zu tun haben wollte… Das würde womöglich gefährlich für Draco werden. Wenn er doch ein Auror werden würde, wäre er vielleicht in der Lage, sich besser zu verteidigen. Und Snape hatte ihm auch in der Zeit, seit Draco bei ihm wohnte, nützliche und wirksame Zauber beigebracht, die er bisher so nie beherrscht hatte. Aber wenn er das täte – als Auror schwarze Magier zu jagen und zu töten – könnte er seine eigenen Eltern auch gleich verfolgen. Und trotz der Kluft, die zwischen den Familienmitgliedern der Malfoys herrschte, konnte er so weit nicht gehen. Damit würde er die letzte Chance verspielen, sich doch noch mit seinem Vater zu versöhnen. Manchmal – wenn er alleine war oder nachts in seinen Träumen – vermisste er Lucius und Narzissa schmerzhaft und fragte sich immer wieder, ob es nicht doch eine Möglichkeit gab, alles wieder gut zu machen. Diese Gedanken würde er aber nie Snape oder jemand anderem gegenüber zugeben. Auch nicht vor Rachel. Das war auch so eine Sache mit ihr. Anfangs war er vom ersten Blick an fasziniert von ihr gewesen und obgleich ihn die Tatsache, dass sie die Tochter seines ehemaligen Lieblingslehrers Snape war, ein wenig erschreckt hatte, sich zu ihr hingezogen gefühlt. Nachdem er sie dann geküsst hatte, war sie ganz verzaubert von ihm gewesen und hatte angefangen, wie verrückt zu klammern. Oh wie er das hasste, wenn Mädchen klammerten. Seine erste Freundin Pansy Parkinson, eine ehemalige Mitschülerin, hatte das getan. Und so hatte sie seine anfänglichen Gefühle ziemlich schnell wieder erkalten lassen. Dann war er mit Lissy, seiner großen Liebe, für die er sowohl den Bruch mit seiner Familie als auch mit seinen Freunden und der gesamten Schule riskiert hatte (der mit seinem Vater bestand wie gesagt noch heute), zusammen gekommen und diese Gefühle hatten alles in den Schatten gestellt, was er sich bisher in seinem Leben unter Liebe erträumt, vorgestellt und erhofft hatte. Noch jetzt brannte sein Herz, wenn er in Erinnerungen an sie schwelgte. Sie hatte nicht so sehr geklammert wie Pansy oder Rachel. Und sie hatte es immer wieder geschafft, ihn zu faszinieren und ihn erneut verliebt in sie zu machen. Noch immer konnte Draco nicht verstehen, weshalb er so besessen von diesem Mädchen gewesen war. Und nun war er mit Rachel zusammen und schon begann sie ihm auf die Nerven zu gehen. Einerseits war sie zurückhaltend und hatte ihn auch nach mehreren Wochen noch nicht näher an sich heran gelassen. Sie war erst fünfzehn, gut, aber war das normal, dass sie mehr als Küssen nicht zuließ? Andererseits klammerte sie wie ein Affe an einem Brotbaum und nervte Draco morgens, wenn er sich nach dem Frühstück von ihr verabschiedete, und abends, wenn er von der Arbeit nach Hause kam, mit Fragen.
„Wann kommst du wieder? Denkst du auch den ganzen Tag an mich? Was machen wir heute Abend zusammen? Was machen wir am Wochenende?“
So ging das ständig und Draco fing langsam an, sich in Ausreden zu verstricken. Immer hing sie an seinem Hals und klammerte sich an ihn, wollte ihn pausenlos küssen. Draco aber spürte einen fiesen Knoten in seinem Herzen, der alle Gefühle vor ihm verschloss. Zumindest alle positiven Gefühle.


Dann kam der Tag, der alles verändern sollte. Dracos Leben, seine Zukunftspläne.
Natürlich hatte er nicht die geringste Ahnung. Morgens verabschiedete er sich mit einem Kuss wie gewöhnlich von Rachel („Bin ich froh, wenn ich die wenigstens tagsüber nicht sehen muss“) und apparierte zu seinem Arbeitsplatz. Es war ein ruhiger Tag, an dem wenig verkauft wurde. Draco überlegte sich ernsthaft, sich eine anständige Ausbildung zu suchen, um von hier wegzukommen. Er wollte mit Rachel Schluss machen und dann war es selbstverständlich besser, umzuziehen. Unter diesen Umständen wollte er nicht mehr bei Snape wohnen bleiben. Außerdem wollte er ihm nicht mehr länger auf der Tasche liegen.
„Hey, gibt es noch diese Schals der Tornados?“
Draco schreckte aus seinen Gedanken hoch, als er den kleinen Jungen erblickte, der neugierig an der Theke stand.
„Ja, die gibt es. Wie viele möchtest du?“, sagte Draco und sah sich gleich darauf im Lager nach den gewünschten Artikeln um.
Nachdem der Junge nach seinem Einkauf den Laden wieder verlassen hatte, blieb es wieder mindestens eine Stunde lang ruhig. Dann schellte erneut die Ladenglocke. Draco blickte zur Tür, um den Kunden zu begutachten, als er urplötzlich erstarrte. Alle ohnehin spärlich vorhandene Farbe wich abrupt aus seinem Gesicht und seine Augen waren starr auf die im Türrahmen stehende Person gerichtet. Draco öffnete den Mund, schloss ihn aber wieder, ohne einen Laut hervorzubringen. Alles war still, als wäre soeben die Zeit stehen geblieben. Es waren keine Dementoren hier, auch keine Todesser, und der Dunkle Lord persönlich war auch nicht zugegen. Selbst Lucius Malfoy war es nicht, der Dracos Herz auf einmal in einem wilden Trommelwirbel schlagen und ihn in seiner Haltung erstarren ließ.
"Und Sie tun es äußerst gut. Denken Sie nicht, dass ich die ständige Gefahr, in die Sie sich begeben, unterschätze, Severus. Voldemort
vermeintlich wertvolle Informationen zu llefern, während Sie die wesentlichen Dinge zurückhalten, ist eine Aufgabe, die ich niemandem außer Ihnen anvertrauen würde."

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Freitag, 21. November 2008, 13:33

Es war Lissy.
Wortlos stand sie vor ihm, mit hängenden Schultern, einer lieblichen Röte auf ihren Wangen und langem, dichtem Haar, das in schwarzem Glanz erstrahlte. Sie starrte ihn eine Weile lang ebenso eindringlich an wie er sie, dann sagte sie stockend: „Draco?“
„Lissy – ich… ähm, wie kommst du denn hierher?“, stammelte Draco und glaubte, seine Augen hätten ihm soeben einen Streich gespielt oder er sei gar verrückt geworden.
„Ich…ich bin wieder zurück aus Australien. Ich… es ist wegen…“
Auch Lissy konnte vor Verlegenheit nur noch stammeln.
“Woher weißt du, dass ich jetzt hier arbeite?“, nahm Draco nun endlich das Gespräch auf.
„Ich kann es mir nicht erklären. Es zog mich wie eine unsichtbare Macht zu dir zurück. Glaub mir, ich habe nicht gewusst, wo du jetzt lebst. Ich war auch nicht bei deinen Eltern zu Hause – das hätte ich mich sowieso niemals getraut. Nein – es war – ich glaube, es war…“ Wieder fing Lissys Stimme an, vor Verlegenheit zu holpern.
„Lissy, ich verstehe dich auch so. Wir denken wohl das gleiche“, sagte Draco, und mit einemmal wurde es ihm so leicht ums Herz wie seit Ewigkeiten nicht mehr. Das letzte Mal hatte er sich so gefühlt, als die beiden noch glücklich zusammen waren, in Hogwarts. Ach, wie das schön war…
„Draco, es ist Schicksal. Ich war hier in der Gegend, gleich nachdem ich in London angekommen bin, und wollte einkaufen gehen. Unbewusst habe ich an dich gedacht, und jetzt stehe ich vor dir. Es hat mich eine unsichtbare Macht zu dir hingezogen. Es tut mir so Leid, dass ich dich verlassen habe. Es war der größte Fehler meines Lebens. Mit meinem Freund dort, das war nur oberflächlich, bitte glaub mir. Ich konnte niemand anders mehr lieben, weil ich nur dich im Kopf hatte. Aber die Entfernung, ich dachte, wir können unter diesen Umständen nicht mehr zusammen sein…“, sagte Lissy.
„Du hast dich aber nicht gerade oft gemeldet, das muss ich schon sagen“, sagte Draco und er wirkte leicht verärgert, auch wenn seine Augen mit fast schon zärtlichen Blicken an die ihren geheftet waren.
„Oh Draco, ich wollte dir ja schreiben, aber schließlich dachte ich, dass es dann noch viel schwieriger wird, von dir loszukommen. Und ich war überzeugt, dass eine Liebe auf eine so große Distanz eben keine Chance hat. Also versuchte ich, den Kontakt langsam abzubrechen und dich so vergessen zu können. Doch es klappte nicht. Ich konnte dich nie vergessen, nicht mal, als ich mit dem anderen eine kurze Zeit befreundet war.“
„Siehst du, ich hätte es trotz allem nicht fertig gebracht, den Kontakt zu dir abzubrechen. Niemals. Es heißt zwar, aus den Augen, aus dem Sinn, aber das hat für mich nicht gegolten. Du warst die ganze Zeit bei mir – in meinem Kopf und hier drin“,
sagte Draco mit leiser Stimme, während er mit seiner Hand auf seine Brust deutete, auf die Stelle, wo das Herz ist.
Betroffen schaute Lissy ihn an (in ihren Augen glitzerten unverkennbar ein paar Tränen), zögerte kurz und sagte dann:
„Wie oft soll ich denn noch sagen, dass es mir unendlich Leid tut. Und jeder macht mal einen Fehler. Ich wünsche mir nichts mehr auf der Welt, als die Chance zu bekommen, meinen Fehler wieder gut zu machen. Nur dann kann ich dir beweisen, dass ich es ehrlich meine und so etwas sicher kein zweites Mal machen werde.“
Draco sagte nichts und blickte Lissy nur eindringlich in die Augen.
Da fügte sie schnell hinzu: „Wenn man wirklich liebt, muss man auch verzeihen können, oder nicht? Gibt es jemanden, der perfekt ist und niemals Fehler macht?“
„Ich verzeihe dir. Denn ich liebe dich noch immer, und auch ich konnte nur an dich denken. Meine Freundin – Ex Freundin genauer genommen“, fügte Draco schnell hinzu, als er Lissys erschrockenen Blick sah, „ -war auch nur ein Ersatz für dich, ein billiger Ersatz, denn keine andere kommt an dich heran, du bist und warst mein Leben!“

Da fielen sich Draco und Lissy wie zwei Ertrinkende in die Arme und alles war vergessen und verziehen. Die alten Gefühle flammten bei beiden wieder auf und sie hielten sich minutenlang, küssten sich und wollten sich nicht wieder loslassen.
„Jetzt weiß ich, dass sich alles, was ich für dich getan habe und auf mich genommen habe, doch gelohnt hat. Unsere Liebe ist ein einmaliges Geschenk. Jetzt kann uns nichts mehr trennen, oder?“, sagte Draco leise und er glaubte, vor Glück zu zerspringen.
„Nein, wir bleiben für immer zusammen. Ich werde dich nicht mehr verlassen, das verspreche ich dir. Wir sind füreinander bestimmt. Sonst hätten wir uns nicht wieder gefunden“, sagte Lissy und ihre Augen strahlten. Da gab es noch eine Sache, die Lissy ihm sagen musste, aber diese behielt sie vorerst für sich, denn ihr Wiedersehen war nun wichtiger und musste richtig gefeiert werden.

Draco wusste nun, was zu tun war. Lissy lebte wieder in London und er wollte zu ihr ziehen. Sein Leben lag nun in klaren Zügen vor ihm. Er wollte eine Ausbildung machen – wobei er die des Aurors nun doch ausgeschlossen hatte – wahrscheinlich bei der Bank Gringotts, und mit Lissy zusammen leben. Nur eine Sache galt es noch zu regeln – Snape und Rachel. Das würde nicht so einfach werden, so viel war ihm klar.

Er wollte versuchen, seinen Abschied nicht unnötig hinaus zu zögern und packte daher schnell seine Habseligkeiten zusammen, bevor er Snape in seine neuen Pläne einweihte.
Er fand ihn wieder in seinem Arbeitszimmer, wo er konzentriert in ein aufgeschlagenes Buch vertieft war und nicht einmal den Kopf hob, als Draco eintrat.
„Verzeihung, darf ich kurz stören?“, sagte Draco.
„Du darfst mich immer stören, Junge“, sagte Snape und jetzt drehte er sich um und schaute Draco mit seinen schwarzen, durchdringenden Augen neugierig an.
„Was gibt es? Ist was mit Rachel?“
„Nein, keine Sorge. Auch wenn es sie ebenso betrifft, was ich dir zu sagen habe. Also..“,
begann Draco und seine Stimme klang verlegen. Er hatte sich die Worte, die er sagen wollte, zwar gut zurechtgelegt, aber jetzt war es doch schwerer, wie er sich das ausgemalt hatte.
„Ja?“, sagte Snapes tiefe Stimme und er blickte Draco wieder fragend an.
„Gut, es ist so“, sagte Draco nun bestimmt, „Ich habe eine neue Stellung in Aussicht, bei Gringotts. Ich möchte doch eine richtige Ausbildung machen. Und ich habe beschlossen, mit dieser Ausbildung auch ein neues Leben zu beginnen und vor allem auf eigenen Füßen zu stehen. Zunächst möchte ich dir danken, dass ich so lange bei euch wohnen durfte und das weiß ich sehr zu schätzen. Aber es gibt noch eine Sache…“
„Interessant“, murmelte Snape und in seinem Kopf schienen sich die Gedanken zu überschlagen, „fahre fort.“
„Ich …ich habe meine Jugendfreundin wieder getroffen, du hast von ihr gehört, Lissy. Und wir wollen zusammen ziehen. Wir sind uns einig und lieben uns. Ich bin mir diesmal ganz sicher.“
„Schön für dich. Vor allem deine berufliche Entscheidung spricht für dich und deinen ehemals schulischen Ehrgeiz – zumindest der in deinem letzten Schuljahr. Wenn du mich nicht gehabt hättest, wären deine Noten wohl im Endeffekt nicht so gut geworden, vergiss das nicht“, sagte Snape kalt.
„Das weiß ich und ich bin dir dankbar dafür, Severus. Aber für die Liebe kann ich nichts, da kann keiner was dafür. Deine Tochter und ich, wir passen einfach nicht zusammen und trotzdem will ich sie nicht verletzen. Aber ich muss es ihr doch irgendwie beibringen. Könntest du nicht…“
„Ich denke gar nicht daran!“, brüllte Snape plötzlich. „Meinst du, ich hätte nicht mitbekommen, wie vernarrt sie in dich ist? Und ich soll ihr jetzt möglichst schonend beibringen, dass du ein Hallodri bist und dich in eine andere verguckt hast? Nein, Junge, das bringst du schön selbst wieder ins Lot. Ich mische mich da nicht ein, hörst du!“
Draco, der unwahrscheinlich blass geworden war, sagte kleinlich: „Ist schon gut, ich rede mit ihr. Aber ich möchte nicht, dass du deswegen sauer auf mich bist. Lissy war eben vorher schon da und es ist mir wirklich ernst mit ihr. Es liegt nicht an Rachel.“
„Das ist alleine eine Sache zwischen Rachel und dir. Ich will damit nichts zu tun haben. Aber gehe möglichst feinfühlig mit ihr um, denn sie ist sehr sensibel und ich will nicht, dass sie unnötig traurig ist, hörst du!“, sagte Snape, und seine Stimme klang schon wieder eine Spur versöhnlicher.

Draco zog sich in sein Zimmer zurück und überlegte, wie er es Rachel beibringen sollte.
Aber es fiel ihm keine vernünftige Lösung ein. Wie sollte man einem Mädchen erklären, dass man sie verlassen würde, ohne sie unnötig zu verletzen? So etwas ging doch niemals ohne Schmerzen einher, egal wie sehr man sich auch bemühte.
Schließlich besorgte Draco ihr eine große Tüte mit Süßigkeiten, sozusagen als schwachen Trost, und nahm sie vor dem Haus kurz beiseite. Leise sprach er sie an:
„Ich muss dir etwas sagen. Bitte versprich mir, dass du mich anhörst und ruhig bleibst.“
„Aber Draco, du bist plötzlich so ernst. Was ist mit dir?“, fragte Rachel und schaute ihn erschrocken an. Sie spürte vom ersten Moment an, dass etwas nicht stimmte. Schon Dracos Miene drückte alles aus, was sie wissen musste, noch ehe er überhaupt ein Wort über die Lippen gebracht hatte. Um ihm zuvorzukommen, packte sie ihn vorne am Umhang und fuhr ihn an: „Du willst Schluss machen, stimmt’s`?“
Rachel schossen Szenen ihrer Vergangenheit durch den Kopf, in denen frühere Freunde allesamt mit ihr Schluss gemacht hatten, und sie glaubte sogar zu wissen, wieso: Weil sie zu sehr klammerte. Aber sie konnte es einfach nicht lassen, wenn sie in einen Jungen verliebt war. Sie musste für ihn da sein, jede freie Minute mit ihm verbringen und musste ihn vor anderen Frauen beschützen, damit ihn ihr keine wegnehmen konnte. Dass sie gerade mit diesem Verhalten ihre Freunde jedes Mal in die Arme einer anderen trieb, das wurde ihr jetzt zum ersten Mal in ihrem jungen Leben bewusst. Und doch wusste sie, dass es bei Draco zu spät war und dass nichts mehr zu retten war.
„Ja, Rachel, ich will Schluss machen. Und es liegt nicht an dir. Ich habe meine Jugendfreundin wieder getroffen, mit der ich auf der Schule lange zusammen gewesen bin und wir wollen – wir wollen heiraten“, sagte Draco und schaute Rachel fest in die Augen.
Sie schien nicht überrascht, denn das war ihr schließlich schon öfter passiert.
„Es ist, weil ich so geklammert habe, stimmt’s?“, sagte sie und wirkte sogar sehr gefasst.
Draco hatte sich schon auf einen peinlichen Heulkrampf ihrerseits eingestellt und wirkte überrascht, weil sie so beherrscht war.
„Nein, es ist nicht deswegen. Natürlich hat mich dein Verhalten ein wenig in die Enge getrieben und ich rate dir, das in Zukunft nicht mehr zu tun, auch bei anderen Jungs nicht…“
„Ich will aber gar keine anderen Jungs!“, sagte Rachel laut und stampfte mit dem Schuh wütend auf, so dass sich Draco erschrocken nach eventuell auftauchenden Nachbarn umsah. Sie wirkte in diesem Augenblick noch sehr kindisch und Draco merkte, dass sie wirklich nicht zu ihm gepasst hätte. Er selbst war zwischenzeitlich ernster und erwachsener geworden.
„Rachel, ich habe dich wirklich gerne und ich muss nochmals betonen, dass es nicht alleine an dir liegt. Ich hätte mich auch so von dir getrennt, als Lissy wieder kam. Denn sie war und ist die Frau, die für mich bestimmt ist und dafür kann keiner von uns etwas. Du wirst auch noch den Richtigen finden, der am besten zu dir passt. Und bei deinem Vater bist du in sicherer Obhut und in den besten Händen. Wenn du später einmal heiratest, …“
„Das reicht! Hör’ auf, ich kann diesen Mist nicht mehr hören!“, schrie Rachel und dann ließ sie Draco stehen und stürzte ins Haus hinein, wobei sie laut aufschluchzte. Die Tüte mit den Süßigkeiten, die Draco ihr gegeben hatte, schleuderte sie wutentbrannt auf den Boden. Das Temperament hat sie von ihrem Vater, dachte Draco und schmunzelte. Das hatte er hinter sich gebracht und obwohl sie ihm ein bisschen Leid tat, fühlte er sich unendlich erleichtert. Ihm fiel ein Stein vom Herzen. Wäre er noch der Draco gewesen, der früher in der Schule wahllos Leute fertig gemacht hatte, hätte er diese kurze Beziehung ohnehin weniger taktvoll beendet als er dies soeben getan hatte.
Schweigend ging er ebenfalls ins Haus, holte seinen Koffer und verabschiedete sich von Snape.
„Du hast es ihr gesagt. Sie ist trotzig und verheult auf ihr Zimmer gelaufen. Ich merke so etwas sofort“, sagte Snape ein wenig niedergeschlagen.
„Es tut mir Leid, aber besser, sie weiß es jetzt. Oder wäre es besser gewesen, wenn ich ohne ein Wort einfach von hier verschwinde?“, sagte Draco. Er hatte immer noch das Gefühl, sich Snape gegenüber rechtfertigen zu müssen.
„Ich mache dir keinen Vorwurf, Draco. Man kann an deiner Entscheidung nichts mehr ändern und wer weiß, für was es noch gut sein wird. Also, ich wünsche dir viel Glück auf deinem weiteren Lebensweg und pass auf dich auf. Vielleicht sieht man sich einmal wieder, wobei man das nie weiß, in diesen Zeiten“, sagte Snape und drückte Draco fest an sich. „Du bist mir immer willkommen, und wegen meiner Tochter mach dir keine Sorgen. Sie hat das in drei Tagen vergessen. Ich kenne sie besser als du. Nächste Woche wird sie schon wieder in einen neuen Jungen verliebt sein.“
„Danke, Severus, für alles. Ich werde deine Hilfe nie vergessen“, sagte Draco gerührt und es fiel ihm schwer, sich wohl endgültig von Snape zu verabschieden und seinen Weg in ein neues Leben, eine neue Zukunft, zu gehen.

Als Draco bei Lissy ankam – sie hatte eine schicke, kleine Wohnung in der Stadtmitte bezogen und sie fast ganz ohne Zauberei geschmackvoll eingerichtet – wartete noch eine riesige Überraschung auf ihn. Er wollte seinen Augen nicht trauen. Das war alles zu viel für ihn und er dachte, dass es nach solchem Kummer doch noch so viel Glück für ihn geben könne – es musste ein Wunder geschehen sein. Wo draußen Tod und Krieg herrschten und Lord Voldemort auf dem Vormarsch war, gab es im zwischenmenschlichen Bereich der Zauberer doch noch Glück, Liebe und Zuversicht.
Lissy hob ihm ein kleines, zartes Bündelchen entgegen – sie hatte einen kleinen Sohn und das Baby hatte exakt Dracos Gesichtszüge. Er konnte es nicht fassen. Es war sein Sohn, Lissys Sohn. Er fragte nicht, weshalb Lissy ihm nichts davon erzählt hatte. Nun waren sie ja wieder zusammen und nur das zählte für die kleine Familie. Wie schlimm der Krieg auch werden möge, im Herzen war Draco jetzt glücklich wie noch nie und sicherlich würde er das auch bleiben.
"Und Sie tun es äußerst gut. Denken Sie nicht, dass ich die ständige Gefahr, in die Sie sich begeben, unterschätze, Severus. Voldemort
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Montag, 1. Juni 2009, 15:26

Hey Leute, habe lange überlegt, ob ich Dracos Geschichte nach diesem (vermeintlichen?) Happy End noch einmal fortsetze. Jetzt ist mir diese Idee gekommen, weil sich einige sicherlich gefragt haben, wie es mit dem Krieg gegen Voldemort und mit Dracos Familienleben weitergeht. Viel Spaß und ich freu mich über alle Kommentare! =)


Fünf Jahre später – Nachtrag

„Papa, darf ich mit dir aufs Quidditch-Feld?“, rief ein fröhlicher, kleiner Junge mit dunklem Haar und strahlenden, blaugrauen Augen und sprang übermütig durch das große, gemütlich eingerichtete Wohnzimmer.
„Zum Spielen bist du noch zu klein, das weißt du doch“, sagte sein Vater, Draco Malfoy, und strich ihm liebevoll übers Haar, „aber später einmal wirst du ein ganz Großer im Quidditch, da bin ich mir sicher.“
Da kam Dracos Frau Lissy ins Zimmer, um die beiden zu begrüßen. Sie hatte sich in den fünf Jahren kaum verändert. Ihr dunkles Haar reichte ihr nun fast bis zum Po und sie war zierlich und dünn wie schon zuvor. „Chris, geh’ bitte kurz auf dein Zimmer, ich muss mal mit Papa alleine sprechen. Später geht er dann mit dir rüber zum Quidditch, dann darfst du beim Spiel zuschauen“, sagte sie zu ihrem Sohn und er verließ artig und mit vor Vorfreude geröteten Wangen das Zimmer.
„Ich bin so froh, dass der Krieg nun vorbei ist und dieses Elend um Voldemort ein Ende gefunden hat“, sagte Lissy ernst zu ihrem Mann.
„Ich bin auch froh, dass er besiegt ist. Aber ob es das wert war? Schließlich gab es auf unserer Seite mindestens ebenso viele Opfer wie auf der Seite von ihm. Um die meisten tut es mir ehrlich gesagt leid“, erwiderte Draco, und auch seine grauen Augen blickten sehr ernst und ein wenig bedrückt.
„Du bist ein richtig guter Mensch geworden, Draco“, sagte Lissy und ihre Stimme klang fast schon ein wenig belustigt. „Früher als Schüler warst du gemein und hinterhältig. Du hast nichts ausgelassen und hast sämtliche Gryffindors fertig gemacht.“
„Daran brauchst du mich nicht zu erinnern“, sagte Draco, „ich weiß selbst, was für einer ich gewesen bin. Bis du kamst, natürlich. Du hast mein Leben völlig verändert.“
„Und dich zu einem besseren Menschen gemacht. Das Wort Schlammblut ist dir seitdem nicht mehr über die Lippen gekommen. Ich bewundere dich noch heute für deine Courage, die du damals aufgebracht hast. Du hast alles riskiert, und das nur für mich“, sagte Lissy gerührt und dann küsste sie ihn und lange Zeit sprach keiner von beiden mehr ein Wort. Schließlich aber fing Draco wieder an: „Es tut mir aber manchmal immer noch weh, das mit meiner Familie. Ich vermisse meine Eltern und zumindest weiß ich, dass ihnen nichts passiert ist. Aber ich habe sie seit Jahren nicht mehr gesehen.“
„Ich weiߓ, sagte Lissy mitfühlend und legte ihm eine Hand auf den Arm. „Meinst du, wir sollten nicht einmal auf den Friedhof gehen und der tapferen Opfer des Kampfes gedenken? Schließlich sind viele ehemalige Mitschüler von uns unter ihnen.“ Lissy hoffte, das würde Draco wenigstens ein bisschen von dem Zerwürfnis mit seiner eigenen Familie ablenken und er willigte dann auch ein.

Stumm standen die beiden am frühen Abend vor den Gräbern der Opfer Voldemorts, die im vorangegangenen Krieg ihr Leben lassen mussten. Der dunkle Lord selbst war glücklicherweise auch tot – Harry Potter hatte ihn getötet und dabei selbst sein Leben verloren – aber selbst das war nur ein schwacher Trost. Außer Draco und Lissy Malfoy war kein anderer Mensch auf dem Friedhof, alles war still. Lediglich eine neugierige Eule zog fast lautlos ihre Kreise über die kargen, mit Efeu und vereinzelten Pflanzen bewachsenen Grabsteine. Auf dem ersten und auffälligsten stand groß der Name „Harry Potter“ und darunter lautete der Text: „Als Held wird er der Zauberergemeinschaft auf ewig in Erinnerung bleiben. Er hat uns von dem schwärzesten Magier aller Zeiten, Lord Voldemort, befreit und uns somit eine friedlichere Welt voller Hoffnung und Zuversicht geschenkt. Er, der stets von Mut und Tatkraft erfüllt war, zögerte keine Sekunde lang, sein Leben zu lassen, um die Welt von dem Bösen zu befreien. Möge er seinen Frieden nun gefunden haben.“ Draco spürte ein flaues Gefühl in der Magengegend und beschämt blickte er auf die großen, verschnörkelten Buchstaben hinab. Szenen seiner Schulzeit gingen ihm durch den Kopf, wie er Harry beschimpft und ihn samt seiner Freunde gehänselt und ihm stets das Schlimmste gewünscht hatte. Oh, wie hatte er diesen Jungen gehasst. Dafür, dass er stets die Lorbeeren eingeheimst hatte, dass er der Liebling des Schulleiters gewesen war und sich alles erlauben durfte, ohne bestraft zu werden. Und erst diese hochnäsige Granger, eine Freundin von Harry. Damals konnte er es kaum fassen, dass er selbst – Draco – sich nur kurze Zeit später selbst in eine verliebt hatte, deren Blut nicht das einer reinblütigen Hexe war. Aber darum ging es nun nicht mehr. Harry Potter war tot, und obwohl er und Draco in ihrer Schulzeit in Hogwarts Erzfeinde gewesen waren, tat es ihm nun fast schon leid. Alles hatte Harry auf sich genommen, nur damit die Zauberergemeinschaft vom Dunklen Lord endlich befreit werden konnte. Hätte er selbst, Draco, sein Leben riskiert? Wohl kaum. Er wäre zu feige gewesen, und hätte versucht, seine eigene Haut zu retten. Er schämte sich furchtbar und gab Lissy ein Zeichen, dass er weiter gehen wolle. Ein paar Reihen weiter standen, stumm und ausdruckslos, die Namen weiterer Schüler – alles Leute, die so jung gewesen waren, dass sie eigentlich ihr ganzes Leben noch vor sich hatten – „Fred und George Weasley“, „Seamus Finnigan“, „Lavender Brown“, „Vincent Crabbe“ (einst Dracos Freund), „Pansy Parkinson“ (Dracos frühere Freundin), „Katie Bell“ und andere, an die sich Draco nur noch schleierhaft erinnern konnte. Erneut durchfuhr ihn Schmerz und Scham. Scham darüber, dass er selbst noch am Leben war, während seine ehemaligen Schulkameraden tot waren, weil sie tapfer in den Kampf gezogen waren. Er dagegen hatte sich verschanzt. Es tat ihm gut und linderte seine Scham ein wenig, dass er seine eigene kleine Familie vorschob, die er schützen musste. Aber tief im Innern war ihm klar, dass er, auch wenn er alleine gewesen wäre, nicht gekämpft hätte. Nie und nimmer. Auch wenn er seine magischen Fähigkeiten als sehr hoch einschätzte. Aber ein richtiger Krieg draußen, ganz real und zermürbend, wäre ihm doch zu heikel gewesen. Außerdem fürchtete er die Rache der Todesser, weil er sich von seinem Vater damals losgesagt hatte, der schließlich selbst einer gewesen war.
„Ist alles in Ordnung mit dir?“, riss ihn Lissy aus seinen trübseligen Gedanken.
„Ja, ist schon gut“, sagte er bedrückt. Damit musste er alleine fertig werden. Lissy nahm seine Hand und drückte sie fest, als sie ein paar Reihen weiter vor einem Grabstein standen, welcher die Aufschrift trug: „Severus Snape“. Lissy spürte, wie sich Dracos Hand in ihrer verkrampfte. Nachdem ihn die Gräber, in denen Albus Dumbledore und Minerva McGonagall ruhten, nicht weiter berührt hatten, musste er nun vor dem Grab seines ehemaligen Lieblingslehrers mit den Tränen kämpfen. Wieder schossen ihm Szenen seiner Schulzeit durch den Kopf. Snapes Zaubertränkestunden. Wie er mit finsterem Blick aus seinen schwarzen Augen und fettigem Haar, das ihm störrisch in das bleiche Gesicht fiel, schwungvoll in die Kerker stolziert war und mit seiner tiefen Stimme gesagt hatte: „Zauberstäbe weg. Schlagt eure Bücher auf. Ich wünsche keine Unterhaltungen.“ Wie Snape Draco stets bevorzugt hatte, während er auf Harry nur rumgehackt hatte. Bei dieser Erinnerung zog sich ein kaum merkliches Lächeln über Dracos Lippen, während er tapfer seine Tränen hinunter schluckte. Lissy drückte derweil wieder fest seine Hand, weil sie seine Trauer spüren konnte. Draco dachte daran, wie er eine Zeitlang, nach seiner Zeit in Hogwarts, bei Severus Snape im Haus gewohnt hatte und sich in dessen Tochter Rachel verliebt hatte. Aber dann war Lissy wieder aus dem Ausland zurückgekommen und die beiden hatten gemerkt, dass sie zusammen gehören. Draco hatte sich von Rachel getrennt, war ausgezogen und hatte seine Ausbildung bei Gringotts begonnen. Der Abschied von Snape war ihm schwer gefallen, denn die beiden waren sehr gut miteinander ausgekommen und von seinem ehemaligen Lehrer hatte er viele nützliche Zauber gelernt, er hatte ihm wirklich viel zu verdanken. Als Draco Snapes Haus verlassen hatte, war das ihre letzte Begegnung gewesen. Hätte er geahnt, dass Snape im Kampf sterben würde, hätte er sicherlich noch einmal zuvor Kontakt mit ihm aufgenommen. Nun war es zu spät. Draco spürte, wie ihm eine einzelne Träne über die Wange lief. „Ich weiß, wie es dir jetzt geht“, sagte Lissy sanft zu ihm und nahm ihn in den Arm. Die beiden merkten zunächst nicht, dass ein großer Zauberer im langen, dunklen Reiseumhang neben sie getreten war und ebenfalls auf den Grabstein von Severus Snape hinab blickte. Erst als Draco seinen Kopf umdrehte, erstarrten seine Augen und sein Mund stand weit offen vor Schreck und Verblüffung. Es war, als lange eine eiserne Hand nach seinem Herzen und er war unfähig, sich zu rühren oder zu sprechen.
„Ich denke, es ist an der Zeit, dass wir alles vergessen, was war, Junge. Nun fängt ein neues Leben für uns alle an“, sagte der Mann.
„Vater?“, brachte Draco stockend heraus und ließ seine Frau los.
„Ja, ich bin es. Ich bin froh, dass es dir gut geht“, sagte Lucius Malfoy.
„Wie geht es Mutter?“, fragte Draco und sein Gesicht wurde unwahrscheinlich blass.
„Ihr geht es gut. Wir können sie gerne gleich besuchen, wenn ihr wollt.“
„Du verzeihst mir?“, sagte Draco mit bebender Stimme und wirkte mit einemmal wie ein kleiner, hilfloser Junge.
„Was bleibt mir anderes übrig nach den ganzen, traurigen Ereignissen. Meine Zeit als Todesser gehört nun der Vergangenheit an. Wir müssen uns alle damit abfinden, dass er besiegt ist. Lass uns jetzt nach vorne sehen“, sagte Lucius leise. „Du musst Lissy sein, richtig?“, fügte er schnell hinzu und schüttelte ihr höflich die Hand. Dann schloss er seinen Sohn in die Arme und endlich erlebte Draco die heiß ersehnte Versöhnung – nach mehr als fünf Jahren. Wieder standen ihm Tränen in den Augen, als er seinem Vater fest in die Augen blickte und sagte: „Vater, du hast einen Enkelsohn. Er heißt Chris.“
„Dann lasst uns euren Chris gleich einmal besuchen, bevor wir zu Narzissa gehen. Das ist mein gutes Recht“, sagte Lucius gebieterisch, aber mit einem schelmischen Glanz in seinen eisgrauen Augen.

ENDE.
"Und Sie tun es äußerst gut. Denken Sie nicht, dass ich die ständige Gefahr, in die Sie sich begeben, unterschätze, Severus. Voldemort
vermeintlich wertvolle Informationen zu llefern, während Sie die wesentlichen Dinge zurückhalten, ist eine Aufgabe, die ich niemandem außer Ihnen anvertrauen würde."

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »darkangel08« (1. Juni 2009, 15:31)


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24

Mittwoch, 5. August 2009, 18:15

Die Geschichte ist gut, ich hab nur eine Frage. Auf Harrys Grabstein stand doch:

Zitat

Original von darkangel08
„Als Held wird er der Zauberergemeinschaft auf ewig in Erinnerung bleiben. Er hat uns von dem schwärzesten Magier aller Zeiten, Lord Voldemort, befreit und uns somit eine friedlichere Welt voller Hoffnung und Zuversicht geschenkt. Er, der stets von Mut und Tatkraft erfüllt war, zögerte keine Sekunde lang, sein Leben zu lassen, um die Welt von dem Bösen zu befreien. Möge er seinen Frieden nun gefunden haben.“


Wissen die Muggel, dass es Zauberer gibt oder ist der Friedhof ein reiner Zaubererfriedhof, der für Muggel nicht betretbar ist? Weil wenn Muggel den Grabstein, auf dem eindeutig was von Hexen und Zauberern steht, sehen, dann hätten sie sich ja theoretisch selbst verraten und die Muggel wüssten, dass es Zauberer und Hexen gibt...

Ist zwar nur eine Kleinigkeit, interessiert mich aber trotzdem.
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25

Donnerstag, 6. August 2009, 11:14

Hallo Herminchen,

der Friedhof soll ein reiner Zaubererfriedhof sein und für Muggel unsichtbar. Wie du schon richtig sagst, würden sich die Muggel sonst wundern, wenn von einem "bösen Magier" die Rede ist...

viele Grüße
"Und Sie tun es äußerst gut. Denken Sie nicht, dass ich die ständige Gefahr, in die Sie sich begeben, unterschätze, Severus. Voldemort
vermeintlich wertvolle Informationen zu llefern, während Sie die wesentlichen Dinge zurückhalten, ist eine Aufgabe, die ich niemandem außer Ihnen anvertrauen würde."

26

Donnerstag, 6. August 2009, 18:56

Hey darkangel,

habe mir deine FF mal durchgelesen und sie hat mir ziemlich gut gefallen. Macht Spaß einmal etwas über die Figuren zu lesen, die zwar wichtig sind, in der richtigen Geschichte aber etwas kürzer kommen.
Die Sache, dass Lucius seinen eigenen Sohn nicht mehr anerkennt, weil er sich mit einem Schlammblut einlässt, finde ich gut getroffen.
Das einzige, was mir stellenweise nicht ganz so gefallen hat, ist, dass du manchmal z.B. bei Snape, einen Ton angeschlagen hast, der eher zu Dumbledore gepasst hätte. Aber gut, das ist schließlich auch Geschmackssache, insgesamt finde ich deine FF gut gelungen.
Snape: „Weil Sie weder besonders, noch wichtig sind und es nicht ihre Aufgabe ist, herauszufinden, was der Dunkle Lord zu seinen Todessern sagt.“
Harry: „Nein, das ist ihr Job, oder?“
[…] ein merkwürdiger, fast zufriedener Ausdruck war auf Snapes Gesicht erschienen, als er antwortete:
Snape: „Ja, Potter“, sagte er mit glitzernden Augen, „das ist mein Job.“

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27

Donnerstag, 6. August 2009, 19:17

@darkangel08
Danke für die schnelle Antwort.
So hab ich's mir auch gedacht.

Schade nur, dass ich ein ganz normaler Muggel bin. Ich fänd's total interessant, mal auf einen Zaubererfriedhof zu gehen und dann die Grabsteine von Harry und Co zu sehen :P
Wenn alle Menschen nur über das reden würden,von dem sie eine Ahnung haben, das Schweigen wäre unerträglich.

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28

Freitag, 11. September 2009, 08:37

schöne geschichte obwohl ich kein großer draco malfoy
fan bin hat mich doch ganz fasziniert

trotzdem hab ich tränen vergossen wie draco mit seiner
frau auf dem friedhof standen --nee-nee-nee--

Clariwanni

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29

Mittwoch, 14. Oktober 2009, 14:08

Fand deine FF wirklich sehr toll. Hab Sie in einem Stück durchgelesen und fand deinen Schriebstil sehr gut...
Die Geschichte um Draco und Lissy ist dir sehr gut und auch glaubhaft gelungen... viele Reaktionen konnte man den von JKR erfunden Figuren wirklich nachempfinden... Besonders das Ende der Geschichte hat mir sehr gut gefallen, wie Draco so vor den Gräbern stand und wie du die Gedanken beschrieben hat die Ihm da durch den Kopf gingen.
Machmal hat es wirklich keinen Sinn,
die Stirn zu fletschen
und die Zähne zu runzeln.


Heinz Erhardt