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Plumbum

Animagus

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Donnerstag, 14. Februar 2008, 09:10

One-Shot: Annagret und Aberforth

Warnung: Es handelt sich bei dieser Kurzgeschichte, um eine kleine Ergänzung zu meiner Fanfiktion „Harry Potter und der schlafende Drache“, die aber auch ohne deren Vorkenntnis gelesen werden kann. All diejenigen, die den „schlafenden Drache“ lesetechnisch verfolgen, möchte ich bitten, erst das Kapitel 15: Annagret und Aberforth zu lesen, bevor sie sich diesem One-Shot zuwenden. Allen anderen wünsche ich nun viel Spaß beim Lesen. :)

Inhaltsangabe: Es geht in dieser Fanfiktion um Aberforth Dumbledore und seine große Liebe Annagret…

Genre: Romanze


One-Shot: Annagret und Aberforth

Aberforth Dumbledore war in vielerlei Hinsicht ein eigenartiger Mann. Er war groß und dürr, trug liebend gern seinen ältesten und schmuddeligsten Umhang und wirkte mit seinem mürrischen Gesichtsausdruck wirklich alles andere als vertrauenserweckend. Das alles hätten ihm die netten und freundlichen Bewohner von Hogsmeade sicherlich gerne und von ganzem Herzen verziehen, wenn da nicht diese unerfreuliche Sache mit den Ziegen gewesen wäre.

Seit gut einem Jahrhundert praktizierte Aberforth nämlich nun schon unziemliche Zaubereien an diesen bedauernswerten Tieren und jedwedige Versuche ihn von seinem unerhörten Handeln abzubringen, waren bislang ohne Erfolg geblieben. Jede Sonntagnachmittag um fünf Minuten nach halb Zwei mussten die braven Bürger des Dorfes mit ansehen, wie Aberforth Dumbledore eine neue Ziege am Zaun seines Wirtshauses‚Eberkopf’ anband und dann mit schier endloser Besessenheit seinen Zauberstab schwang, um sie, so munkelte man, in einen Menschen zu verwandeln.

Selbst das Einschalten seines berühmten Bruders Albus, der immerhin einen Merlinorden ersten Klasse sein eigen nennen konnte, hatte keine Zweck gehabt. Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore hatte sie einfach nur mit einem warmen, freundlichen Blick über seine halbmondförmigen Brillengläser angesehen und ihnen dann erklärt, sein Bruder wisse schon was er tue.

Zu ihrem persönlichen Unglück waren die Bürger von Hogsmeade jedoch mit weit weniger Optimismus gesegnet worden als Aberforths großer Bruder und versuchten daher ihn weiterhin zur Vernunft zu bringen. Doch alles Reden und Betteln half nichts. Aberforth Dumbledore blieb einfach unverbesserlich.

Vermutlich hätten sich die Einwohner des Dorfes sogar irgendwann mit seinem seltsamen Verhalten abgefunden, wenn sie nicht von seiner Verlobung mit einer gewissen Annagret erfahren hätten.

Nun, die Entscheidung eines Mannes für den monogamen Lebensstil sollte in einem menschenfreundlichen Dorf wie Hogsmeade ja eigentlich eher ein Anlass zur Freude als zu Unbehagen sein, allerdings gab es da bei Aberforths Verlobung ein winzig kleines Problem:
Annagret war eine Ziege, jedoch nicht irgendeine Ziege. Sie war das arme Tier, das schon seit Jahren in Aberforth schmuddliger Schenke wohnte. Und nur die Zauberkartenzauberer mochten wissen, was im Dunklen der Nacht im kleinen Schlafzimmer über dem Schankraum des Eberkopfes vor sich ging!

Schlussendlich brachte Aberforth also durch diese so genannte Verlobung auch den gutmütigsten Bewohner des Dorfes gegen sich auf und sollte von nun an die stetige Ablehnung seiner Mitmenschen erfahren. Jedes mal, wenn er mit mürrischer Miene in Begleitung seiner ‚Verlobten’ durch Hogsmeade ging, wechselten die Leute die Straßenseite. Türen wurden ihm direkt vor der Nase zugeschlagen, Kinder liefen schreiend vor ihm weg und einige Ladenbesitzer hatten ein großes Schild mit der Inschrift ‚Kein Zutritt für Ziegen’ an ihrer Ladentür befestigt.

Doch das alles schien Aberforth nicht sonderlich zu stören. Das Gegenteil war eher der Fall. Immer wieder wurde er dabei beobachtet, wie er dieser gewöhnlichen weißen Hausziege, mit den kleinen Hörnern und den hübschen Ziegenbart, liebvoll durch das Fell wuschelte oder noch schlimmer ihr Bücher oder gar singende Valentinskarten kaufte.

Vielleicht war es so gesehen auch ganz gut, dass die durch und durch anständigen Bewohner von Hogsmeade nicht wussten, dass Annagret in gerade diesem Augenblick ein Buch zu ihren Vorderhufen auf einem schönen kuscheligen Lammfell auf dem Fußboden vor Aberforths Bett lag und sachte mit der linken Hufe auf den Holzfußboden klopfte, während ihre Nase knapp über ihrer Lektüre schwebte.

Es war eine ruhige und behagliche Stimmung, die in diesem Zimmer herrschte. Eine Stimmung, die eigentlich gar nicht zu Aberforth Dumbledores sonst so verrücktem Leben zu passen schien. Doch dieser lag sichtlich zufrieden mit sich selbst auf seinem Bett und lauscht gespannt dem Klopfen der Hufe, während er einen Falter beobachtete, der gerade die Kerze auf seinem Nachttisch umflatterte. Neben der Kerze stand in einem fein gearbeiteten Holzrahmen das Bild einer jungen Frau, die lächelnd ihrem Betrachter zuwinkte. Das Mädchen hatte ein blasse Gesicht, das zu blass war, um als schön zu gelten; eine lange Nase, die zu lang war, um sie noch unter die Kategorie hübsch einordnen zu können; und graue, eng beieinander stehende Auge, die zu eng beieinander standen, um ihr einen geheimnisvollen oder gar verwegenen Ausdruck zu verleihen.

Gedankenversunken nahm Aberforth das Bild eben jener Frau in die Hand und zeichnete mit einem seiner Fingern, bei denen der Dreck bereits unter den Fingernägeln hervor kroch, ihre langen hellblonden Zöpfe nach. Ein lautes Klopfen von Annagrets Vorderhufe ließ ihn aufblicken. „Tschuldige bitte, Anna. Hab’ mich nur gerade an früher erinnert.“

Die Ziege legte den Kopf schief und beobachtete ihn für eine kurze Zeit eingehend, bevor sie erneut begann mit ihrer Vorderhufe auf den Boden zu klopfen. Gemütlich lehnte sich Aberforth wieder in seine Kissen zurück und lauschte erneut Annagrets Hufgetrappel.

Fast hundert Jahre war es nun schon her, dass Annagret bei ihrer erstmaligen Verwandlung in eine Ziege in ihrer Animagiform stecken geblieben war. Fast hundert Jahr, in denen Aberforth versuchte, sie in einen Menschen zurück zu verwandeln. Und fast hundert Jahre, in denen die beide aufgrund ihrer Beziehung verächtlich von der Gesellschaft gemieden wurden.

Und dennoch hätte keiner von beiden auch nur einen einzigen Tag ihres beinahe hundertjährigen Zusammenlebens missen wollen. Annagret und Aberforth hatten gelernt, die kleinen Dinge des Lebens schätzen zu lernen. Ihre zusammen eingenommenen Mahlzeiten, ihre Spaziergänge und ihre gemeinsamen Abende, in denen sie ihm, der seit frühster Kindheit an einer angeborenen Lese-Rechtschreibschwäche litt, per Morsecode aus seinen Lieblingsbüchern vorlas.

Und Annagret las gerne und viel. Ihr Hufklappern ging häufig bis tief in die Nacht hinein, bis irgendwann ihre Vorderhufen müde wurden und sie mit einem leisen, zufrieden Aufseufzer ihren Kopf auf die Beine legte und friedlich die Augen schloss.

Das war dann auch der Augenblick, in dem Aberforth die Kerzen auf seinem Nachtisch ausblies, sich in seinem eigenen Bett zurücklehnte und seine kuschelige Daunendecke bis an die Nasespitze hochzog. Die Vorhänge bauschten sachte auf und der Nachtwind trug eine frische Brise in das Zimmer, während ein glückliches Lächeln seine Lippen umspielte.

Ja, Aberforth Dumbledore war wirklich in vielerlei Hinsicht ein eigenartiger Mann, aber er wusste, was Liebe ist.

Weiter FFs von mir:
Harry Potter und der schlafende Drache
Auf der Flucht
Oneshot: Ein Spaziergang im Park
Oneshot: Ein etwas andere Epilog

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Plumbum« (28. August 2009, 14:28)


2

Donnerstag, 14. Februar 2008, 13:55

Toll!!!!!! Klasse!!! Wunderschön!!!

Annagret hat mich bei deiner anderen FF schon total toll gefallen und dieser Oneshot ist wirklich fantastisch.

Man bedauerd die Beiden aber sieht auch das sie wahnsinnig glücklich miteinander sind.

Eine absolut gelungene Mischung. --thumbs-up--

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Freitag, 15. Februar 2008, 11:29

Sooooooooo, Plumbümchen!

Ein kleiner Kommentar zu deinem kleinen Oneshot, bevor ich die Tage mal beim "schlummernden Drachen" vorbeischaue... ;)

Zum Oneshot:

Wie immer alles sehr schön beschrieben, oftmals mit einem kleinen Augenzwinkern.
Bei der Inhaltsangabe könnte man (als ungeübter Plumbum-Leser ;) ) meinen, es könnte kitschig werden...
Das wird es jedoch zu keinem Zeitpunkt!
Atmosphäre kommt bei der "Lesestunde" dennoch rüber und zwar in angenehmem und rührendem Maße.

Eine sehr interessante Idee ist übrigens, dass du alles aus zweierlei Sicht schreibst.
Zunächst aus der Sicht der Hogsmeader, die sich (wer mag es ihnen verdenken, überlege man nur, was man sich zu der Schlafzimmer-Andeutung alles vorstellen könnte... Bäh...) aufregen. Danach die "wirkliche" Geschichte, aus der Sicht der beiden Liebenden.

Zur Idee der Ziege schreibe ich an anderer Stelle etwas... ;)

Fazit:
Ein toller Oneshot, der "einzeln" gelesen werden kann, aber auch eine schöne Ergänzung zu deiner FF ist.

Richte Elli einen schönen Gruß aus! Mit Annagret hatte sie echt mal wieder einen wunderbaren Einfall! :D

Gruß,
Wizzie
Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
ist wert, dass es zugrunde geht;
Drum besser wär's, dass nichts entstünde
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz, das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.


Abgeschlossene FF: Harry Potter und die schwarze Reliquie
Gedichte: Wizzies Gedichtethread - HP-Lyrik [letztes Gedicht vom 11.12.2012]

Plumbum

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Sonntag, 17. Februar 2008, 15:56

@ Romilda18 und Wizzie

Hey ihr beiden Lieben. Vielen Dank für Eure Kommentar.

@ Romilda18
Na du scheinst aber einen ziemlichen "superlativen" Tag gehabt zu haben, danke dafür.
Ja irgendwie führen Anna und Aberforth schon ein seltsames Leben zischen Tragödie und Komödie.

@ Wizzie

Zitat

Wie immer alles sehr schön beschrieben, oftmals mit einem kleinen Augenzwinkern.

Wie immer??? *rot werd*

Zitat

Atmosphäre kommt bei der "Lesestunde" dennoch rüber und zwar in angenehmem und rührendem Maße.

Das war eigentlich auch so haben. Es sollte rührend sein, jedoch nicht in den Kitch abrutschen.

Zitat

Eine sehr interessante Idee ist übrigens, dass du alles aus zweierlei Sicht schreibst.

Ja, irgendwie habe ich versucht in der Geschichte beide Parteien zu Wort kommen zu lassen, damit man sich mit beiderlei Sichtweisen auseinander setzten kann.

Denn Gruß an Elli werde ich weiterreichen...

Alles Liebe und Gute
Plumbum =)

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Plumbum« (17. Februar 2008, 15:56)