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HufflepuffsUrenkel

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Donnerstag, 10. Januar 2013, 02:18

8. In der Fremde (2)

Insofern wunderte Suraya sich nicht, als sie in den nächsten Tagen hörte, dass bei einer Prügelei ein junger Mann namens Bordan zu Tode gekommen war. Frau Adisas Mahnung, dessen jüngere Schwester Misira in den nächsten Tagen möglichst milde zu behandeln, sah sie dagegen sofort ein. Am Abend allerdings bat die Schulmeisterin Suraya und Yardan zu sich.
„Ihr habt von dieser unglaublichen Tat gehört. Es heißt, dass Badko, den man verdächtigt, betrunken und mehr zufällig mit Bordan in Streit geraten ist, aber das glaube ich nicht.“
„Warum nicht? Traut Ihr einem Betrunkenen nicht solche Schläge zu?“, wollte Yardan wissen.
„Ich weiß, dass es einige hier gibt, die tödlich zuschlagen können, wenn sie wollen. Vielleicht auch einige Schüler wie Sarina, die Tochter des Schusters Pasum, der zugleich der Meister des Schlagkampfes ist. Herr Pasum und die anderen Meister wissen aber, wie gefährlich die Schläge und Tritte sein können, die sie ihren Schülern beibringen und warnen sie daher; Herr Badko ist Herrn Pasums Neffe und auch er hat, wie seine kleine Cousine, den Schlagkampf gelernt, seit er laufen kann und ihn nie missbraucht.“
„Frau Meisterin, entschuldigt, wenn ich Euch widerspreche, aber leider sind viele, wenn sie getrunken haben, nicht mehr Herren ihrer selbst“, gab Yardan zu bedenken.
„Herr Yardan, Eure Meinung ist mir durchaus wichtig, aber ich kann Euch versichern, dass ich meine ehemaligen Schüler kenne. Herr Badko war nicht derjenige, der sich provozieren ließ und schon gar nicht derjenige, der gleich zuschlug. Ich glaube wie Ihr, dass er nicht Herr seiner selbst war; allerdings war der Grund dafür nicht der Wein.“
„Sondern?“, wagte nun auch Suraya zu unterbrechen.
„Frau Suraya, wenn stimmt, was mein Vater mir über Euch gesagt hat, könnt Ihr Euch vorstellen, was ich meine.“
Suraya überlegte kurz: „Ihr meint…dass der Seffir…damit zu tun haben könnte? Dass man damit andere Menschen besetzen kann?“
„Das würde ich nicht ausschließen. Es gibt freilich auch andere Möglichkeiten, wie Menschen anderen ihren Willen aufzwingen, aber ich wüsste nicht, dass jemandem hier eine solche geläufig wäre.“

Suraya musste erzählen, was der Seffir war und was es damit vermutlich auf sich hatte. Als sie geendet hatte, meinte Yardan: „Aber Ihr wisst offenbar selbst nichts Genaues über diesen Stein. Außerdem: Was soll ein Fremder gegen zwei junge Männer gehabt haben?“
„Ihre Familien gehören zu den angesehensten hier, Herr Yardan. Es kann leicht eine Spaltung der ganzen Sippe entstehen, sowohl, wenn Badko freigesprochen wird, als auch, wenn er zu schnell verurteilt wird. Und soviel ich gehört habe, hat niemand genau gesehen, ob es wirklich Badko war, der zuschlug.“
„Das ist richtig“, bestätigte Yardan. „Ich habe es von weitem gesehen und mitbekommen, wie Schüler darüber gesprochen haben. Es waren mehrere an der Prügelei beteiligt, fünf oder sechs bestimmt, darunter Badko. Angeblich hat niemand genau gesehen, wer zugeschlagen hat, aber man hat es ihm am ehesten zugetraut.“
„Nun denn, ich wollte Euch warnen, was passieren kann. Wollen wir hoffen, dass der Sippenrat weise entscheidet. Mögen die Götter unsere Männer den rechten Weg führen.“ Sie zündete eine Kerze vor dem Götterbild in der Stube an. „Muscherat, Herr unserer Berge, Gott unseres Stammes, der du unser Tun begleitest, dem Weisheit und Gerechtigkeit gefallen: Schenke Weisheit denen, die über diesen Fall zu entscheiden haben und bewahre die Familien vor Rachsucht, damit es keine weiteren Toten gibt!“

Dass Frau Adisas Befürchtungen nicht grundlos waren, zeigte sich in den nächsten Tagen: Selbst die Kleinen bildeten deutlich zwei Parteien und immer wieder kam es zu Beschimpfungen zwischen Verwandten des toten Bordan und denen des verdächtigen Badko, die ihrerseits anderen Beteiligten die Schuld gaben und diese dadurch in den Streit hineinzogen. Beleidigungen, selbst während des Unterrichts und Prügeleien häuften sich.
Am schlimmsten wurde es allerdings beim Begräbnis Bordans: Unter den Teilnehmern waren auch Badko und seine Familie, die von den Angehörigen des Toten beschimpft und mit faulem Gemüse, bald sogar mit Steinen beworfen wurden. Der Weise und der Sippenratsvorsitzende mussten ihre ganze Autorität aufwenden, um die Leute zu beruhigen.

Suraya flog unter diesen Umständen am nächsten Vollmond gern nach Hause, wo nicht nur die Eltern und Yodik warteten, sondern auch Ruhe herrschte. Sie stellte allerdings fest, dass sie für den Flug gut zwei Stunden brauchte; immer noch weniger als die Hälfte der Zeit, die sie mit normaler Kraft benötigt hätte, doch die Kraft des Drachenblutes schien nachzulassen. Sie bat Yodik um einen Becher und versprach, sich bald zu revanchieren.
Sie suchte gemeinsam mit Yodik und ihrem Vater nach Tarnsilber, um es in Adisas Sippe verkaufen zu können, fand jedoch an diesem Tag keines. Yodik versprach, falls er in den nächsten Tagen Tarnsilber finden sollte, es mitzunehmen und Suraya am Gewinn zu beteiligen.

Während sie zurückflog, fiel Suraya ihr Anhänger mit dem blauen Stein ein. Wenn sie wirklich die Gedanken anderer spüren konnte, konnte sie vielleicht auch herausbekommen, wer mehr wusste als er zugab.
In sechs Tagen würde, wie Frau Adisa gesagt hatte, das Erntefest zu Ehren des Muscherat und der Wassergöttin Hirata stattfinden; dort käme sie sicher mit vielen Leuten in Kontakt.
Zunächst einmal sammelte Suraya jedoch Früchte, denn ihre Meisterin hatte die Ankündigung wahrgemacht: Zwei Tage vor dem Fest hielt Suraya ihre Stunde über Früchte. Die Kinder wussten einiges und manche von ihnen hatten auch eine klare Vorstellung, wie die Blüten aussahen. Suraya ließ schließlich ihre Schüler je einen der besprochenen Sträucher in Blütezeit und mit erntereifen Früchten malen; die besten Bilder wurden ausgehängt.
Frau Adisa war auch diesmal zufrieden, auch wenn Suraya längst nicht alles durchgebracht hatte, was sie sich vorgenommen hatte.

Es kam das Erntefest. Suraya zog ihr bestes Kleid an, schminkte sich und hängte sich unter anderem die Kette mit dem blauen Stein um. Sie merkte, dass Jungen ihr nachsahen und wurde gefragt, ob ihre Eltern reich seien, weil sie so teuren Schmuck besaß. Das rötliche Harz, das sie wieder auf ihre Nägel aufgetragen hatte, war hier allerdings nicht ungewöhnlich: Auch einige Schülerinnen trugen es.
Der Weise der Sippe brachte den Göttern Früchte als Opfergaben dar und einige andere taten es ihm gleich. Man dankte für die gute Ernte und betete um Bewahrung vor Fäulnis und Ratten.
Am Berg entlang waren überall Stände aufgebaut, wo gebratenes Fleisch, Obst, Gemüse, Gebäck und Wein angeboten wurde. Viele Familien hatten gekocht, doch kaum jemand aß zuhause.
Suraya unterhielt sich mit mehreren Männern und Frauen in der Hoffnung, etwas herauszufinden, doch außer Trauer und Wut erkannte sie nichts.
Nach Mitternacht wurde zum Tanz aufgespielt. Yardan forderte ziemlich bald Suraya und lud sie anschließend auf einen Wein ein. Sie spürte, dass er sich für sie mehr interessierte als es Frau Adisa Recht war. Freilich konnte man sich verstecken und sie hatte ja auch einen Tarnmantel – aber sie hatte außerdem Yodik; auch wenn sie die Beziehung zu ihm nur als Ausprobieren angesehen hatte: Er liebte sie ernsthaft und sie ihn mehr als sie vorgehabt hatte.
Sie tanzte auch mit anderen, um Yardan keine zu großen Hoffnungen zu machen, doch dieser forderte sie immer wieder auf. Er bot ihr das Du an und lud sie zu einem gemeinsamen Rundflug ein. „Du hast doch auch einen Tarnmantel“, sagte er, als Suraya Bedenken wegen Frau Adisa äußerte.
„Woher weißt du das?“
„Weil ich zwei Augen im Kopf habe. Wenn ich sehe, du bist weg, aber dich nicht wegfliegen gesehen habe, kann ich es mir vorstellen.“
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Freitag, 15. März 2013, 23:57

9. Yardan und Sarina (1)

Sie flogen kurz hintereinander nach Hause und holten ihre Tarnmäntel; Suraya nahm außerdem noch ein Sitzkissen mit. Da Adisas Höhle ein ganzes Stück vom Festgelände entfernt lag, hatte kaum jemand die beiden Jugendlichen wahrgenommen und noch weniger kam jemand überhaupt auf die Idee, in den Himmel zu schauen, ob sich der Hintergrund auffällig veränderte und die Lehrerin selbst war nicht zu Hause.
„Wohin fliegen wir?“, fragte Suraya, nachdem sie den Gebirgskamm überquert hatten.
„Ich kenne eine Höhle hier in der Nähe, die ideal als Versteck ist. Man sieht von oben kaum den Eingang. Hab sie selbst zufällig gefunden, weil ich dort in der Nähe einen Krampf im Flügel bekommen habe und landen musste. Bin dann einige Zeit herumspaziert, da hab ich eine dunkle Stelle im Felsen gesehen. Als ich dann wieder fliegen konnte, hab ich genauer nachgeschaut.“
Sie gelangten ohne Schwierigkeiten zu der Höhle, zogen drin ihre Tarnmäntel aus und ließen sich nebeneinander wieder. Yardan holte aus seiner großen Tasche einen Krug und zwei Gläser.
„Was ist das?“
„Beerenwein. Hab heute früh bei mehreren Händlern probiert und von dem, der mir am besten geschmeckt hat, gleich einige Krüge gekauft. Magst du?“
Suraya nahm gerne an. Yardan schenkte ihr und dann sich selbst ein und stieß mit ihr an.
„Jetzt erzähl von dir und deiner Sippe!“, forderte er sie auf. „Man wohnt praktisch nebeneinander, aber bekommt kaum etwas übereinander mit.“ Er schaute sie genauer an. „Was macht dein Vater? Es scheint, er ist reich.“
„Mein Vater nicht, aber…Verwandte“, antwortete Suraya ausweichend. Natürlich, ihr Schmuck war teurer als das, was sich eine angehende Hilfslehrerin ohne eigenes Einkommen selbst leisten konnte. Sie erzählte von der Tarnsilbersuche und ihrem Erfolg dabei, von ihrer eigenen Schule und von Alin und anderen Freunden. Sie beschrieb auch, wo ihre Heimat ungefähr lag. Über Yodik sprach sie nicht. Stattdessen fragte sie Yardan nach seiner Heimat, aber auch seinen bisherigen Erfahrungen in der Herumspringerzeit. Er hatte noch drei jüngere Geschwister, sodass die Eltern hofften, seine Herumspringerzeit möge bald enden und er irgendwo fest unterkommen. „Chancen hätte ich vielleicht in der Sippe des Mend, vielleicht zehn lange Meilen gegen Mittag von hier“, meinte er. „Der Lehrer dort ist schon ziemlich alt und wohl froh, wenn er aufhören kann; die Schüler auch – er ist ein echter Prügel- und Auswendiglernlasstyp, kein Vergleich mit unserer Frau Adisa.“
„Da hatte ich offenbar Glück, sowohl als Schülerin als auch jetzt. Wahrscheinlich hätt ich mir auch einen anderen Beruf gesucht, wenn meine Vorbilder so schlecht gewesen wären.“

Er hatte ausgetrunken, sie beinahe. Ungefragt schenkte er die Gläser nochmals nach. Sie spürte, dass ihn noch etwas bewegte: „Hast du irgendwas gehört wegen dieses Badko?“, fragte er.
Suraya schüttelte den Kopf. „Mir scheint, es gibt immer noch Ärger, sogar bei den Kleinen. Genaues weiß ich nicht.“
„Seine Cousine ist völlig verstört und selbst ihre Freundinnen wollen nichts mehr mit ihr zu tun haben. Irgendwie tut sie mir leid, auch wenn ich nach wie vor nicht glaube, dass irgendjemand von außen Badko dazu gebracht hat, sondern dass er betrunken war. Aber Sarina kann nichts dafür und seine anderen engeren Verwandten ebenso wenig. Kennst du das eigentlich so mit Familienkriegen?“
Suraya legte die Stirn in Falten: „Ich glaube, es gibt ein Gewohnheitsrecht, dass die Angehörigen sich rächen dürfen, wenn nicht die gesamte Sippe in einer bestimmten Zeit ein Urteil gesprochen hat, aber frag mich nicht, wie lang diese Zeit ist. Bei uns gab es so etwas nicht; das Schlimmste war ein Jagdunfall, bei dem wohl andere nicht aufgepasst haben.“
„Sei froh. Bei uns ist Vergeltung durch jemand anderen als den Sippenrat streng verboten – es gab auch genug Tote durch Blutrache, zum Glück vor meiner Zeit. – Aber, sag mal, glaubst du wirklich, dass man andere Menschen zu so etwas zwingen kann?“
„Ja. Frau Adisa hat mich überzeugt. Und die Geschichte mit den Steinen habe ich damals schon erzählt. Ich weiß nicht, ob du es weißt: Frau Adisas Vater ist unser Weiser. Er ist ziemlich gegen Aberglauben, aber dass diese Steine geheime Kräfte haben, denkt er auch.“
„Und warum sollte jemand gerade in dieser Sippe Streit säen wollen?“
„Kann ich das beurteilen? Vielleicht kannst du einen Draht zu Sarina oder sonst jemand herstellen.“
„Ich werde es versuchen. – Oder du, von Frau zu Frau geht es vielleicht besser. Ansonsten scheint Badko keine Verwandten mehr in der Schule zu haben.“

Suraya schwieg, worauf Yardan auf sein Thema kam: „Hattest du schon einen Freund?“
„Meinen Partner bei meiner Brandtaufe, und, ja, wir haben uns auch geküsst.“
„Also nichts Ernsthaftes.“
„Was verstehst du unter ernsthaft?“
„Verlobung oder …nun ja, andere Umstände. Alles andere was in der Herumspringerzeit läuft ist Spielerei.“
„Du hast wohl schon entsprechende Erfahrungen?!“, stellte Suraya mehr fest als sie fragte, denn sie sah eine andere Herumspringerin, mit der Yardan etwas gehabt hatte, klar vor sich.
„Hm, ja, schon. – Also, nicht, dass du mich für einen Aufreißer hältst oder für einen, der sich jede nimmt. Aber du bist eben nicht jede.“
Suraya ließ es zu, dass er den Arm um ihre Schultern legte, schob ihn allerdings weg, als er sie küssen wollte: „Lass das mal noch!“
„Keine Angst, ich tu dir nichts Böses!“
„Lass das, sage ich. Das geht mir zu schnell!“
„Ich hab dich nicht für so streng gehalten.“
„Weiß nicht, ob ich extrem streng bin, aber ich möchte mir noch ein bisschen mehr Zeit lassen.“ Sie drückte ihn an sich. „Aber das heißt nicht, dass es nie sein wird.“

Sie fand Yardan zwar durchaus nett, aber es war nicht dasselbe Gefühl, das sie für Yodik hegte und er hatte ihr ja deutlich gesagt, dass er Liebeleien nur als Spiel ansah. Sie war zwar gern bereit, mitzuspielen, doch wenn, dann sollten ihre Regeln im Spiel gelten.
So saßen sie noch einige Zeit Arm in Arm zusammen und unterhielten sich über belanglosere Dinge. Schließlich fiel Suraya etwas anderes ein: „Sag, kennst du einen Felsen, der ‚Steintor‘ genannt wird?“
„Wie kommst du drauf?“
„In meiner Sippe wird davon erzählt. Er soll hier in der Nähe liegen und es heißt, dass dort das Tor zum Palast der Götter ist.“
Yardan überlegte: „Ich habe einen Felsen in der Nähe einer Siedlung, in der ich meine erste Station als Herumspringer hatte, gesehen, der vielleicht Steintor heißt. Die Einheimischen dort nannten ihn allerdings Brückenfels. Er müsste gut zwanzig lange Meilen in Richtung Mitternacht von hier liegen – also zu weit, um schnell noch hinzufliegen. Dass man ihn sehen kann, wenn man hoch genug steigt, kann ich mir dagegen gut vorstellen.“
„Magst du ihn mir zeigen?“
„Warum? Willst du die Götter besuchen gehen?“
„Vielleicht. – Nein, ernsthaft: Ich glaube nicht, dass die Götter Häuser oder Höhlen auf der Erde haben wie Menschen; ich bin nur neugierig, weil ich die Geschichte gehört habe.“
„Wir können nachher einen Umweg machen und schauen, ob man es sieht.“
Das taten sie auch und tatsächlich konnte man es aus der entsprechenden Höhe erkennen, auch wenn es nur schwach sichtbar war, sodass Suraya einige Zeit brauchte, bis sie es sah. Sie fand, dass der Vergleich mit einer Brücke passender war als der mit einem Tor, da zumindest an einer Seite der Fels langsam anstieg.

Die nächsten Tage verliefen ohne besondere Vorkommnisse. Yardan blieb an Suraya interessiert, zeigte dies allerdings nicht offen vor der Schulmeisterin. Surayas erste Stunde bei den Älteren, in der sie Flächenberechnung einführen sollte, verlief nur teilweise zu ihrer eigenen und Frau Adisas Zufriedenheit, da sie ernsthafte Zeitschwierigkeiten bekam.

Zwei Tage vor Neumond begann der Prozess gegen Badko und schon bald zeichnete sich ab, dass er mit Verbannung enden würde. Suraya verfolgte den Prozess zeitweise als Zuschauerin und wurde dabei Zeugin mehrerer Prügeleien, die der Ältestenrat nur schwer in Griff bekam. Schließlich gelang es Badkos Sippe, durch hohe Ausgleichszahlungen zu erreichen, dass der Angeklagte zumindest nicht gebrandmarkt oder sonst mit einem Schandmal gezeichnet wurde, wenn er auch Vermögen und Rückkehrrecht verlor. Yardan kommentierte, er könne froh sein: Immerhin könne er so bei einer Sippe unterkommen, in der er nicht bekannt sei.

Am nächsten Tag erhielt Suraya einen Brief von Yodiks Vater über einen Postfalken, dass Yodik krank geworden sei; er habe einen Ausschlag bekommen, den die Heiler für Drachenpocken hielten. Herr Avuk warnte Suraya, ihn zu besuchen und wollte außerdem wissen, ob auch sie krank geworden sei. Diese fühlte sich allerdings verpflichtet, heimzufliegen und ihren kranken Freund zu besuchen. Frau Adisa und Yardan gegenüber erklärte sie, ein Vetter sei ernsthaft krank geworden, weshalb sie gleich nach der Schule fliegen und vermutlich erst am nächsten Tag spät zurückkommen würde.
Frau Adisa versprach ihr ein Dankesopfer und Yardan nahm sie fest in die Arme und ließ sie sich ausweinen.
Drachenpocken kannte Suraya bisher nur aus Erzählungen, wofür sie allen Göttern dankte. Sie wusste, dass diese Krankheit fast immer tödlich und außerdem unheilbar und ansteckend war. Sie versprach im Flug sämtlichen Göttern Opfer, falls Yodik wieder gesund werden sollte. Sie sauste dahin wie noch nie in ihrem Leben und kam nach nur gut einer halben Stunde in ihrem Heimattal an, wo sie sofort zu Yodiks Höhle flog, doch Frau Asmina, seine Mutter, ließ sie nicht hinein: „Geht! Fliegt weg! Gebt mir nicht die Hand, da mein Sohn schwer krank ist.“

Suraya richtete nur Grüße aus und begab sich auf dem schnellsten Weg zum Weisen. Dieser empfing sie freundlich, war erfreut, als sie erzählte, sie wisse, wo das Felsentor sei und fragte, noch ehe sie etwas gesagt hatte, nach dem Grund ihres Kummers. Sie berichtete ihm alles.
„Nun, wenn Herr Yodik wirklich Drachenpocken hätte, dann hätte seine Mutter Recht, doch so ist es nicht. Die Heiler hatten einen Verdacht, doch ich meine, er wäre nicht der einzige Erkrankte geblieben. Im Gegensatz zu den meisten Menschen hier habe ich es selbst erlebt, zu meiner Herum-springerzeit vor mehr als einem Menschenalter, dass die Drachenpocken eine Sippe schlugen. Mein damaliger Meister, Friede seiner Seele, befahl mir, noch am nächsten Tag zu gehen, sobald er davon erfuhr – und noch an jenem Tag starben vier Menschen und mehrere andere hatten einen hässlichen Ausschlag im Gesicht. Ich selbst bekam fast zwei Monde lang keine neue Anstellung, weil die Leute sich vor mir fürchteten.
So sind die Drachenpocken und was immer Herrn Yodik getroffen hat, ist, den Göttern sei Dank, etwas anderes.“
„Was glaubt Ihr?“
„Wie Ihr wisst, Frau Suraya, bin ich Lehrer gewesen und kein Heiler; zudem habe ich Herrn Yodik nicht selbst zu Gesicht bekommen. Es ist wohl eine Krankheit, die die Heiler nicht kennen. Ob und wann er wieder gesund werden wird, kann niemand sagen.“
„Aber – wen es so ist: Warum lässt seine Mutter niemanden an sich heran?“
„Vielleicht will sie lieber zu große Sorgfalt als zu große Sorglosigkeit walten lassen, vielleicht auch Euch bewahren – Mein Diener hat mir hinterbracht, es gehe das Gerücht, dass der Schwarze Drache schuld an seiner Erkrankung sei. Was das für Euch und Euren Ruf hier bedeutet, wisst Ihr sehr gut.“
„Warum? Es wäre doch im Gegenteil ein Beweis, dass es nichts mit den Drachen zu tun hat, wenn die Leute sehen, dass ich gesund bin.“
„Frau Suraya, die Leute sehen, was sie sehen wollen und hören, was sie hören wollen. Es ist bekannte Tatsache, dass Drachenpocken nichts mit Drachen zu tun haben, sondern weil der Ausschlag, den ein Erkrankter im Anfangsstadium bekommt, aussieht wie Schuppen eines Drachen. Ebenso werden sie womöglich bei Euch jede Unebenheit der Haut als Zeichen ansehen, dass Ihr erkrankt seid. Eure eigene Mutter hat mich bereits aufgesucht.“

Suraya schüttelte den Kopf, doch noch am selben Abend musste sie feststellen, wie Recht der Weise gehabt hatte. Selbst Alin und deren Familie mieden sie und Yodiks Mutter ließ sich auf keine Diskussionen ein. Surayas Eltern sprachen nicht über den Verdacht, aber das Mädchen hatte den Eindruck, die eigenen Eltern waren froh, als sie entgegen ihrem ursprünglichen Plan schon sofort nach Mitternacht zurück an ihre Arbeitsstätte flog.
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23

Freitag, 15. März 2013, 23:58

9. Yardan und Sarina (2)

In den folgenden Tagen standen außer Hospitieren und Putzen keine Arbeiten an, sodass Suraya Zeit hatte, sich in der Umgebung umzusehen und mehrmals zum Schlagkampftraining ging. Im Ringkampf beherrschte sie die meisten Techniken, die sie hier beobachtet hatte, während sie was Faust- und Beinarbeit anging erheblichen Nachholbedarf hatte. So trainierte sie schon seit über einem Mond den Schlagkampf.

Auch dort hatte sie, vermutlich Dank ihrer übermenschlichen Kraft und Schnelligkeit, inzwischen ein gewisses Niveau erreicht, sodass die Kampflehrerin sie am sechsten Tag nach dem Neumond bat, ihr zu folgen: „Ihr sollt nicht mehr mit den Anfängern trainieren. Kommt!“
Sie berührte eine Stelle an der Felswand, sagte aber kein Passwort; dennoch öffnete sich ein Durchgang. Im hinteren Raum waren nur fünf Mädchen, während im Übungsraum der Anfänger heute 17 Jugendliche kämpften, was auch dem Durchschnitt entsprach. Unter den fünf, die sämtlich nur mit Brust- und Unterleibschutz bekleidet waren, befand sich auch Sarina und Suraya merkte, dass es in dieser Sippe zwar kein Tarnsilber geben mochte, doch irgendwelche Tarnmethoden sicher vorhanden sein mussten: So, halbnackt, war Sarina zwar immer noch klein, aber keinesfalls zierlich, sondern außerordentlich muskulös für ein Mädchen. Suraya hatte kein Problem mehr, dieser Sarina zuzutrauen, mit einem gut gezielten Handkantenschlag Bäume entzwei zu hauen.

Während des Trainings sah Suraya, dass das Mädchen nicht nur stark, sondern auch außerordentlich schnell und geschickt war: Sarina wechselte zwischen Faust-, Handkanten- und Fußangriffen in einem Tempo, dass Suraya kaum sehen konnte, ob nun ihre Hand oder ihr Fuß vorne war. Außerdem schien sie auch unter der niedrigen Decke ihre Flügel zumindest soweit gebrauchen zu können, dass sie ihre Füße genauso schnell hin- und herbewegen konnte wie ihre Hände. Suraya versuchte, Sarinas Bewegungsabläufe nachzumachen, doch es gelang ihr nicht und sie stürzte sogar einmal.
Ihr fiel auf, dass die vier anderen bei Partnerübungen Sarina mieden; sie war ganz froh darüber, denn zum einen konnte sie viel von ihr lernen, zum anderen hoffte sie, irgendwie mit dem Mädchen ins Gespräch zu kommen.
Dies gelang ihr schneller und anders als sie gedacht hatte: Als sie einer Schlag- und Trittfolge Sarinas ausweichen wollte, stolperte sie und schürfte sich den linken Arm an der Mauer auf. Sarina sah das und bemerkte auch, wie die Verletzung im Nu wieder heilte.
„Ihr…seid…“
„Nichts passiert. Nochmal und dann bin ich dran.“
„Aber…“ – „Nachher können wir reden!“, unterbrach Suraya sie. Sie merkte, dass es dem Mädchen schwer fiel, die Neugier zu bändigen, doch sie blieb hart.

Nach dem Training hielt Sarina sich an Suraya, während die anderen schon bald gegangen waren.
„Gut. Du sollst deine Antworten bekommen“, flüsterte diese. „Aber unter der Bedingung, dass niemand etwas davon erfährt.“
„Ich schwöre es bei allen Göttern.“
Suraya schaute durch den Eingang, ob jemand draußen war.
„Kommt, Frau Lehrerin!“ Sarina tippte eine Wand an, worauf sich ein Gang öffnete, obwohl sie kein Passwort gesagt hatte. Sie trat in den Gang. Suraya folgte ihr, worauf die Wand sich wieder schloss.
„Ihr seid mutig“, stellte das Mädchen fest. „Ihr wisst nicht, welche Stelle man berühren muss. Nehmen wir an, ich wollte Euch einsperren.“
„Sagen wir es so: Ich habe Vertrauen zu dir. Deshalb sage ich dir auch, warum die Schürfwunde so schnell geheilt ist.“
„Seid ihr eine Magierin oder gar ein übermenschliches Wesen?“
„Nein. Hör zu!“ Suraya erzählte vom Schwarzen Drachen und von der Wirkung seines Blutes.
Das Mädchen hörte mit offenem Mund zu. „Der Drache hat Euch direkt verfolgt?!“
„Ja. Niemand weiß genau, warum. Aber es scheint jemand zu geben, der mir Böses will und dessen Fähigkeiten man nicht unterschätzen sollte. Das sagt auch unser Weiser. Und es ist gut möglich, dass… dass dieser Jemand auch hier seine Kreise zieht und nicht nur mich als Opfer ausersehen hat.“
Sie schaute Sarina in die Augen. Das Mädchen senkte den Kopf. „Ihr meint, hier in der Siedlung könnten auch Drachen wie dieser auftauchen?“
„Vielleicht. Oder jemand besetzt den Geist eines Menschen hier und zwingt ihn zu Verbrechen.“
„Ihr meint, dass…Bad…“
„Kannst du dir das nicht vorstellen? – Du musst nicht mit mir darüber reden, wenn du nicht möchtest. Schließlich geht es um deine Familie.“
„Frau Adisa hat vor einem Viertelmond mit mir darüber gesprochen. Sie hat angedeutet, sie glaubt auch, dass er unschuldig ist. Wenigstens sie – aber meine besten Freundinnen oder die Mädchen, die ich dafür gehalten habe, sehen das anders.“
„Ich kenne ihn nicht, aber ich glaube Frau Adisa. – Was ich dich fragen wollte: Kannst du dir vorstellen, dass er von einem Fremden zu einer Gewalttat gezwungen wurde? Dass er nicht mehr Herr seiner selbst war?“
„Von einem Fremden, also von einem Menschen, nicht. Er…er war in den Blauen Bergen beim Felsentor. Dort gibt es böse Geister, sagt man. Viele, denen Tiere dorthin durchgegangen sind oder die aus Neugier dorthin geflogen sind, sind nicht mehr zurückgekommen oder wenn, waren sie verrückt.“
„Und er war dort?“
„Er musste, weil ein Weißhornbock ihm abgehauen ist. Diese Tiere sind die Kostbarsten, die wir haben.“
„Sie haben ziemlich gutes Leder und ihr Horn ist als Heilmittel gefragt. Wir haben in der Sippe wenige.“
„Ihr Leder ist hart wie das von Drachen, aber viel geschmeidiger. Mein Brust- und Unterleibschutz ist daraus gemacht. Aber die Tiere rennen so schnell, wie wir fliegen und sie sind gut im Hakenschlagen. Wenn einer auskommt, ist es verdammt schwer, ihn wieder zu erwischen. Badko hat den Bock bis in die Blauen Berge verfolgt. – Wenn es Euch Frau Adisa noch nicht gesagt hat: Es ist ungefährlich, die Blauen Berge zu überfliegen, aber kein vernünftiger Mensch landet dort. – Ihr müsst mir glauben, dass er kein böser Mensch ist, bitte!“
„Und wenn er es wäre, bist du es nicht. Wenn du Hilfe brauchst oder mir noch etwas sagen willst, gerne. Wir werden uns hier ja noch öfter sehen. Aber eines bitte dringend: Dieses Gespräch hat nicht stattgefunden. Frau Adisa würde es kaum gutheißen, dass ich mich mit meinen Schülerinnen herumprügle und ich lege keinen Wert darauf, dass jeder vom Drachenblut erfährt.“
„Ich habe es geschworen, Frau Lehrerin!“
„Du musst mich nicht so förmlich anreden. Sag ‚Frau Suraya‘ oder auch nur ‚Suraya‘, solange du in der Schule die ‚Frau‘ nicht weglässt.“
„In Ordnung. Und … Ihr sagt bitte auch niemandem etwas. Ich will nicht, dass alle denken, ich würde einen Mörder oder Schläger verteidigen; das tue ich nicht, auch wenn er mein Bruder wäre.“
„Ich verspreche es dir.“

Suraya sprach mit Yardan über die Blauen Berge, ohne ihm zu erzählen, woher sie es wusste. „Glaubst du, dort gibt es wirklich böse Geister?“
„Würde ich nicht ausschließen. Die Einheimischen werden wissen, warum sie nicht dorthin gehen.“
„Meinst du, man sieht etwas aus der Luft?“
„Vielleicht. Schauen wir es uns morgen nach der Schule an!“

Die Blauen Berge waren nur eine halbe Flugstunde in normalem Tempo vom Tal, in dem Adisas Sippe lebte, entfernt. Aus der Luft gesehen waren sie von einer Art dichtem Nebel bedeckt, sodass man die Bodenbeschaffenheit nicht erkennen konnte.
„Hier kann man nirgends landen“, stellte Suraya fest.
„Nicht zu empfehlen. Könnte böse enden, wenn man nichts sieht. Lass uns lieber an schönere Orte fliegen!“
Sie flogen zu Yardans Höhle, wo sie noch eine gute Stunde zusammensaßen und Suraya sich erstmals von Yardan küssen ließ.

Kurz vor Vollmond kam endlich eine Nachricht von Yodik. Er sei fast wieder gesund, aber noch ziemlich schwach. Allerdings freue er sich über Surayas Besuch.
Sie nahm die Einladung gerne an und flog erneut nach dem Unterricht in ihr Heimatdorf. Als sie Yodik sah, erschrak sie, wie bleich und abgemagert er war. Er wirkte immer noch müde und hatte auch wenig Appetit. Laut seiner Mutter wussten die Heiler immer noch nicht genau, woran genau er erkrankt war.
Suraya beschloss, ihn mit den Neuigkeiten zunächst zu verschonen, damit er nicht auf die Idee kommen sollte, ihr zu helfen, ehe er völlig gesund war. So erzählte sie nur Belanglosigkeiten von ihrer neuen Heimat und ließ ihn in Ruhe, als ihm die Augen zufielen.

Wieder flog sie sofort nach Mitternacht zurück. Auf den Spitzen einiger Berge lag schon der erste Schnee. Während des Rückflugs beschloss Suraya, sich das Felsentor aus der Nähe anzusehen – falls es dort etwas in der Erde zu finden gab, sollte man besser vor Wintereinbruch suchen.

Sie nahm neben dem Schwert, das sie auf längeren Flügen stets trug, auch ihren Feuerschläger mit, band den Helm fest um ihren Kopf und flog sofort los. Nach gut zehn Minuten Eilflug erreichte sie das Felsentor, wo ihr sofort Wächter entgegenflogen.
Sie hob ihren Tarnmantel und zeigte ihnen die offenen Hände als Zeichen, dass sie in Frieden kam. Noch ehe sie etwas sagen konnte, spannten die Wächter allerdings ihre Bögen und schossen. Zwei Pfeile prallten von Surayas Drachenanzug ab, einer blieb in ihrem Flügel stecken und flog mit einem „Plopp“ wieder heraus.
„Lasst das! Ich komme in Frieden!“, rief sie. Statt einer Antwort flogen noch mehr Pfeile, die durch ihren Anzug aber keinerlei Schaden anrichten konnten. Die Stellen, an denen Pfeile ihre Flügel trafen, taten kurz weh, doch der Schmerz blieb nicht und schränkte ihre Flugfähigkeit auch nicht ein. Auch durchbohrte kein Pfeil ihren Flügel, sondern sie fielen sämtlich nach vorne wieder heraus.
Erst nach der dritten Salve griff Suraya zu ihrem Feuerschläger. Sie gab einen Warnschuss ab, der den Pfeilregen aber nicht bremste. Daraufhin schoss sie einem der Angreifer in den Flügel. Der Manns stürzte, doch keiner seiner Kameraden half ihm, sondern sie schossen noch eine Salve ab. Erst als sie den nächsten in den Flügel traf, stoppten die Pfeile, doch Suraya hatte keine Zeit, sich zu erholen: Fünf Männer flogen auf sie zu und zogen das Schwert. Zwei versuchten, sie zu packen.
Im Nahkampf war ein Feuerschläger keine gute Waffe, da er nur schwer manövriert werden konnte. Suraya band ihn auf den Rücken und zog ihr Schwert.
Der erste Angreifer zog durch, doch sein Schwert brach an den Schuppen ihres Anzuges. Sie zerschlug mit dem ersten Schwertstreich die Waffe eines Gegners. Einen Zweiten verletzte sie am Arm, während Schwertschläge der Wächter an ihrem Helm und Anzug abprallten. Mit einem Tritt brachte sie einen der Männer aus der Bahn, zerschlug das Schwert des Vierten und schlug dem Fünften ihre Faust ins Gesicht.
„Merkt ihr, dass das nichts nützt? Ich habe keine bösen Absichten, aber wenn ihr mich noch einmal angreift, stirbt der Nächste von euch!“
Die verbliebenen Wächter flohen. Suraya verfolgte sie nicht, sondern schloss die Waffenriemen wieder und ging nieder. Etwa dreißig oder vierzig Klafter vom Felsentor entfernt fiel ihr eine glänzende Stelle auf. Sie flog näher und stürzte plötzlich zur Erde. Im nächsten Moment verlor sie das Bewusstsein.
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HufflepuffsUrenkel

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Montag, 29. April 2013, 22:02

10. Der unsichtbare Pass (1)

Suraya spürte einen leichten Stoß gegen ihre Schulter, dann gegen den rechten Flügel. Ihr Kopf war schwer und es bereitete ihr Mühe, die Augen zu öffnen. Sie lag auf einem kahlen Steinfeld und ihr linker Flügel tat unnatürlich weh. Als sie sich hinwandte, merkte sie, warum: Er war völlig verdreht, das Ende unter ihrem Rücken, sodass ihr Feuerschläger noch zusätzlich gegen den Flügel drückte. Von der anderen Seite nahm sie mehrere mindestens vier Klafter lange Stangen und endlich die Männer, die sie hielten, wahr. An zweien davon waren spitze Haken angebracht, doch schien man ihr damit nicht wehtun zu wollen. Stattdessen schob einer eine Stange unter ihren Rücken und versuchte, sie so umzudrehen. Sie wusste nicht recht, was diese Leute von ihr wollten und warum sie nicht näher kamen. Ja, sie standen auf einem steilen Felsen, doch warum flogen sie nicht? Waren es Talmenschen?
Sie setzte sich auf, gerade rechtzeitig, dass der Haken an der Stange ihre Waffe verfehlte. Endlich wurde ihr klar, welchen Sinn die Stangen hatten und dass die Männer, die sie hielten, keine Talmenschen waren: Sie sah, wie sie bewusstlos geworden war. Irgendwo in der Nähe musste giftiger Dampf oder Ähnliches aufsteigen, der sie zum Sturz gebracht hatte. Die Einheimischen kannten diesen, weshalb sie nicht näher kamen. Sie erinnerte sich an den Kampf und sah nun klar: Man versuchte, ihr die Waffen abzunehmen!
Wieder traf der Haken ihren Waffengurt, doch der war fest genug gezogen, dass er nicht ohne weiteres entfernt werden konnte, schon gar nicht über den Flügel. Sie langte selbst nach ihrem Feuerschläger. Schwer wog die Waffe in ihrer Hand, doch es gelang ihr, damit einer Stange, die das Gerät beiseite schlagen sollte, auszuweichen und zu zielen. Sie traf gut und einer der Männer ließ seine Stange fallen.
Erschrocken stellte Suraya fest, dass sie nicht genügend Kraft hatte, um mit der Stange zu hantieren und dass die drei übrigen Männer sich durch die Verletzung ihres Kameraden nicht abhalten ließen. Nun versuchten zwei gleichzeitig, nachdem sie mit dem Haken erneut Surayas Waffengurt getroffen hatten, diesen mit vereinter Kraft durchzureißen.
Das Mädchen griff zu ihrem Schwert. Zwar konnte sie kaum voll durchziehen, doch die Klinge war scharf genug, um die Stange glatt zu durchschlagen und den Haken an der Spitze abzutrennen.
Droben erklang ein Befehl, doch in einem Dialekt, den Suraya nicht verstand. Im nächsten Moment stießen drei Stangen unter ihre Beine. Offenbar wollte man sie wegstoßen, was vermutlich bedeutete, dass sich zu ihrer Linken das befand, was sie so geschwächt hatte.
Die Furcht vor dem Tod gab ihr die Kraft, schnell aufzustehen, obwohl die Stange siebeinahe von den Beinen geholt hätte. Erneut stieß ihr jemand zwischen die Beine. Sie versuchte, die nächste Stange mit dem Schwert zu durchschlagen, doch konnte sie es nicht mit der gewohnten Schnelligkeit führen: Ihre Gegner wichen aus und versuchten erneut, sie von den Füßen zu holen.
Es gelang ihr nicht, aufzufliegen, doch sie erinnerte sich an einen Ringkampftrick, den sie von ihrem Bruder kannte und ging leicht in die Hocke, um sich schwerer zu machen. So war sie mit der Kraft eines einzelnen Menschen kaum umzuwerfen. Sie steckte das Schwert in die Scheide und griff zum Feuerschläger. Zwar musste sie nachladen, doch der nächste Schuss hatte endlich die Wirkung, dass die Angreifer sich zurückzogen.
Ihr war klar, dass sie nur eine Verschnaufpause hatte: Die Angreifer konnten jederzeit wiederkommen. Sie sah sich um: Links von ihr befand sich eine kleine Vertiefung, aus der bläulicher Nebel aufstieg. Diesen hatte sie zu meiden. Um aufzufliegen, fehlte ihr allerdings nach wie vor die Kraft und der Felsen nach rechts war zu steil, um zu laufen. Dort vorn schien es eine Möglichkeit zu geben.
Sie ging in die Richtung und stieg hinauf, doch war es anstrengender als erwartet: Sie musste große Schritte machen und sich gut festhalten, was ihr schwerfiel, da Klettern für sie ungewohnt war. Endlich stand sie auf der erhöhten Fläche, doch schon nahten neue Angreifer, die knapp vor ihr niedergingen. Einer schoss einen Pfeil auf ihr Gesicht, doch sie deckte dieses geistesgegenwärtig mit dem rechten Arm ab, sodass das Geschoss von der Haut des Schwarzen Drachen abprallte. Zwei versuchten, sie mit Stangen wieder hinunterzustoßen, doch sie stellte erfreut fest, dass sie wieder genug Kraft hatte, um den Stoß abzufangen. Sie packte eine Stange und entriss sie mit einem Ruck ihrem Träger. Im nächsten Moment breitete sie die Flügel aus und hob ab.
Ihre Kräfte reichten noch nicht aus, um sofort außer Reichweite zu kommen, doch sobald sie ihren Feuerschläger erneut in die Hand nahm, gaben die Angreifer auf.
Nach knapp einer halben Stunde erreichte Suraya ihre Höhle. Sie zog lediglich ihren Schutzanzug aus und legte die Waffen ab; danach fiel sie erschöpft ins Bett.
Als sie wieder aufwachte, war draußen schon heller Tag. Sie stand auf und wusch sich das Gesicht. In ihrem Kopf verarbeitete sie die Ereignisse. Sie war mit dem Leben davongekommen, hatte aber für zehn lange Meilen so lange gebraucht wie zu der Zeit, bevor sie vom Drachenblut getrunken hatte.
Sie zog ihr Untergewand aus und betrachtete sich im Spiegel: Sie war unverletzt. Die heilende Kraft war offenbar geblieben. War die Schwäche nur vorübergehend?
In der Überzeugung, ohnehin nicht schlafen zu können, bevor das geklärt war, zog sie sich wieder komplett an, bestrich die Augen mit Dämmersalbe und schwebte zur Tür hinaus. Obwohl sie nicht damit rechnete noch jemandem zu begegnen, kontrollierte sie sorgfältig den Sitz ihres Tarnmantels, ehe sie hinausflog.
Sie steuerte direkt auf eine Felsenwand zu, schaute sich nochmals um, öffnete ihren Tarnmantel und schlug mit der Faust in die Wand. Die Steine zersplitterten und mehrere große Brocken brachen heraus. Sie hätte am liebsten laut gejubelt, unterließ es aber, um niemand aufzuwecken. In einiger Entfernung sah sie einen Findling von gewiss vier bis fünf Bock Gewicht liegen, flog darauf zu und hob ihn hoch. Es gelang ihr mühelos und sie konnte ihn sogar mit einer Hand halten. Um ganz sicher zu sein, beschleunigte sie durch das Tal. Für die Strecke von gut einer langen Meile brauchte sie nur knapp zwanzig Sekunden. Sie atmete auf: Ihre Kraft war vollständig wieder zurückgekehrt.

Am Abend fiel es ihr dennoch schwer, aufzustehen und sie war auch während des Unterrichts nervös, was auch Yardan auffiel. Der junge Mann machte sich Sorgen, doch sie beruhigte ihn, sie habe vermutlich nur eine leichte Erkältung.
Ehe sie an die Unterrichtsvorbereitungen für den nächsten Tag ging, legte sie sich noch einmal kurz hin. Während sie dalag, fiel ihr ein, dass sie Yardan auf die Gefahr aufmerksam machen musste. Sie tat es beim Tagmahl, während Frau Adisa kurz aus dem Raum gegangen war.
„Danke dir! Ich hatte ohnehin nicht vor, in nächster Zeit dorthin zu fliegen. – Aber mir ist gestern auf etwas aufgefallen, was ich dir möglichst bald zeigen möchte. Du weißt ja vielleicht, dass es im Unterricht demnächst um die Talmenschen gehen wird.“
„Weißt du viel über sie? Ich kenne einige Wörter in ihrer Sprache und ich habe gesehen, dass sie Kisten aus Metall benutzen, um längere Strecken zu fahren.“
„Interessant. Das zweite habe ich gehört, aber noch nicht gesehen.“
„Ich hab es zufällig gesehen, als ich einmal in eine ihrer Siedlungen geflogen bin, aus Neugier.“
„Hm. Sollte ich fast mal anschauen. Dann kann ich dir auch das andere zeigen. Kommst du mit oder hast du noch was vor?“
„Jetzt gleich?“
„Nach dem Essen. Ich schätze in ein, zwei Stunden sind wir wieder hier. Wenn du nicht besonders empfindlich bist, brauchst du wahrscheinlich nicht einmal Dämmersalbe.“
Sie steckte sicherheitshalber trotzdem welche ein. Außerdem zog sie den Schutzanzug über und legte Waffen an. Yardan schaute sie kurz an, sagte aber nichts. Auch er war bewaffnet.
„Hast du deinen Tarnmantel dabei, falls wir in die Siedlung fliegen müssen?“, fragte er. Suraya nickte.
Schweigend flogen sie Richtung Sonnenaufgang einen langgezogenen Pass entlang, der in einer leichten Erhöhung endete. „Merk dir die Landschaft genau!“, rief Yardan ihr zu.
Hinter der Erhöhung ging es steil abwärts. Nachdem sie etwa zweihundert Klafter an Höhe verloren hatten, wies er sie an, sich nach oben umzudrehen.
„Ui!“ rief Suraya erstaunt. Über ihr endete der Berg in einer steilen Spitze, der Pass, der beinahe auf der Höhe des Gipfels lag, war verschwunden; an seiner Stelle hing eine Wolke in der Luft, die knapp an den Gipfel reichte.
„Was ist da passiert? Ist das…Zauberei?“
„Ich weiß nicht, ob es Zauberei ist. Von hier unten sieht man jedenfalls nur diese Wolke; erst über dem Gipfel sieht man den Pass wieder. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Talmenschen ihn überhaupt nicht sehen.“
„Aber wieso…? Wie gibt es das?“
„Das weiß ich auch nicht. Offenbar sind ihre und unsere Welt doch stärker getrennt, als wir bisher gedacht haben. In diesem Fall ist es besser so – ich weiß nicht, ob diese Wolke einen Menschen aushält; wir können fliegen, wenn der Untergrund zu schwach ist, sie nicht.“
„Seit wann weißt du das hier?“
„Ich habe einmal Talmenschen zugeschaut, als sie den Berg hier hinaufgestiegen sind. Sie waren plötzlich wieder verschwunden, doch ich wusste nicht, wohin. So bin ich ihnen nach. Als ich das erste Mal hier war, ist mir gar nicht aufgefallen, dass die Landschaft von unten ganz anders aussieht als von oben.“
„Kann es sein, dass jemand nicht wollte, dass die Talmenschen in unsere Welt gelangen?“
„Möglich. Kann aber auch sein, Sura, dass das, was wir von oben sehen, die Illusion ist und wirklich zwischen diesem Berg und dem nächsten, hinter dem unsere Siedlung beginnt, eine tiefe und steile Schlucht liegt. – Aber was ist mit den Kisten, von denen du gesprochen hast?“
„Weißt du, wo die nächste Talmenschensiedlung ist?“
„Ich glaube, dort.“ Er flog parallel zum Berghang in Richtung Morgen. Sie folgte ihm und schon bald wurden sie fündig: Als das Gelände flacher wurde, fanden sie einen offenbar künstlich befestigten Weg. In einiger Entfernung sahen sie Häuser der Talmenschen, doch noch ehe sie diese erreicht hatten, fuhr unter ihnen eine der Metallkisten hindurch.
„Ich weiß nicht, ob du es gesehen hast: In dieser Kiste sitzen Talmenschen. Wie sie funktioniert, weiß ich nicht, aber ich schätze, die fährt in einer Stunde dreißig, vierzig lange Meilen. Soweit ich beobachtet habe, können sie zu Fuß nur zwei bis drei in einer Stunde gehen.“
„Da hast du ihnen ja schon lange zugeschaut.“
Suraya antwortete nicht, sondern schaute nachdenklich auf das Dorf. Sie hatte sich doch vorgenommen, mittels ihres Medaillons die Sprache der Talmenschen zu lernen, doch bisher war sie nicht einmal dazu gekommen, nochmals in ihre Siedlungen zu fliegen. Aber ging es überhaupt? Sie wusste inzwischen mit Sicherheit, dass sie es spüren konnte, welche Hintergedanken jemand hatte, der mit ihr sprach, doch dazu musste sie erst einmal verstehen, was er sagte. Es gab nur eine Möglichkeit: Sie musste es schaffen, ihre Frage durch Gedankenübertragung in einen anderen zu projizieren und versuchen, die Antwort zu verstehen. Dies ging vielleicht auch ohne Worte. Dabei mussten wohl oder übel andere als Opfer herhalten.

„Was ist mit dir, Sura?“, riss Yardan sie aus ihren Gedanken. Er flog sie an und legte ihr den Arm um die Schultern.
„Alles klar. Fliegen wir zurück – oder zumindest irgendwohin, wo wir die Tarnmäntel ablegen können.“
„Gern!“ Er umarmte sie und flog den Berg hinauf und den von unten nicht sichtbaren Pass entlang, bis er eine Höhle fand, in die sie sich zurückzogen. Drin war es zu dieser Jahreszeit weniger kalt als draußen, sodass sie nicht nur die Tarnmäntel, sondern auch ihre Ober- und Schutzkleidung ablegen konnten. Suraya spürte das Bedürfnis nach körperlicher Nähe ebenso wie Yardan und vertraute darauf, dass sie die Stärkere war, falls er zu zudringlich werden sollte.
Eine knappe Stunde verbrachten sie miteinander in der Höhle. Sie kamen sich näher als je zuvor und Yardan ließ einmal, nachdem er Surayas Busen massiert hatte, seine Hand an ihrem Körper abwärts gleiten und machte danach Anstalten, erst sich und dann sie komplett auszuziehen. Suraya befreite sich ruckartig und ging in Angriffsstellung, doch da zog er sich, erschrocken über sich selbst, schon zurück.
„Tut mir leid!“, sagte er. „Ich weiß, das sollten wir nicht…“
„Noch nicht.“ Suraya zog ihr Untergewand wieder so weit hoch, dass ihr Busen bedeckt war, lehnte sich vor und küsste Yardan. „Alles zu seiner Zeit.“
„Und jetzt ist die Zeit, unseren Spaß zu haben, aber nicht zu mehr.“
Yardan war auch einverstanden, als Suraya vorschlug, zurückzufliegen, um rechtzeitig ins Bett zu kommen. Frau Adisa war schon schlafen gegangen, sodass sie es riskieren konnten, die Tarnmaske abzunehmen und sich mit einem Kuss zu verabschieden.
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Montag, 29. April 2013, 22:07

10. Der unsichtbare Pass (2)

Während der Schultage ließen sie sich nichts anmerken. Suraya assistierte, als Yardan die Talmenschen einführte. Er tat es geschickt, indem er zunächst die Schüler aufforderte, sich vorzustellen, wie sie zurechtkämen, wenn sie nicht fliegen könnten. Sie kamen darauf, dass es wenige fliegende Tiere gab, die stark genug waren, um einen Menschen zu tragen und man deshalb andere Möglichkeiten brauchte, um schneller zu sein. Anschließend fragte Yardan, welche Maschinen die Schüler kannten. Wasserräder hatten sie alle schon gesehen, doch viel mehr fiel ihnen nicht ein.
Er zeigte einen kleinen Metallkessel. „Stellt euch vor, ich mache hier Feuer – ich lasse es, weil sonst die Meisterin sauer sein wird.“ Einige kicherten. „Was wird passieren, wenn ich diesen Kessel mit Wasser darauf stelle?“
„Es wird kochen“, platzte ein Mädchen heraus.
„Gut, Sudra, aber das nächste Mal erst die Hand hoch! Und was wird mit dem Deckel passieren? – Ja, Usira?!“
„Der wird sich auch hochheben.“
„Genau. Magst du den Deckel mal in die Hand nehmen?“
Das Mädchen tat es. „Uff, ist der schwer!“
„Seht ihr? Durch Dampf kann man einen schweren Deckel heben. Es gibt aber noch etwas anderes: Die Talmenschen haben Maschinen, die fliegen können. – Hat jemand von euch so etwas schon gesehen? Avran?“
„Die sind aus Eisen, oder, Herr Lehrer?“
„Sind sie. Eisen ist aber schwerer als Menschen an sich. Was sieht man denn oft hinter solchen Maschinen?“
Zaghaft meldete sich Sudra nochmals. Yardan rief sie auf. – „Mein Bruder hat einmal so was gesehen und gesagt, das sieht aus, als ob es brennt.“
„Das hat er gut beobachtet, dein Bruder. – Und nun denkt einmal daran, was man mit Feuer alles machen kann!“
Sie kamen auf verschiedene Lösungen von braten bis Eisen schmieden. Suraya dachte, Yardan wisse vielleicht, wie genau die Kisten funktionierten und vergaß ganz, dass sie noch etwas anderes vorhatte. Als Yardan sich längere Zeit nicht äußerte, sondern nur Ideen sammelte, übertrug sie die Frage in seinen Kopf und stellte fest, dass er nur von der Kraft des Feuers im Allgemeinen auf diese Möglichkeit schloss.
Tatsächlich gab Yardan zu, es nur zu vermuten. Er ließ als Ergebnis festhalten, dass die Talmenschen die Kraft von Feuer und Dampf zur Fortbewegung nutzen könnten, man aber nicht genau wisse, wie das funktioniere. Suraya ging durch die Reihen und kontrollierte die Mitschriften. Dabei projizierte sie harmlose Fragen in die Köpfe der Kinder: Was machst du heute Nachmittag? Wie heißen deine Eltern und was sind sie von Beruf? Hast du Geschwister? Leben sie noch zu Hause?
Nicht bei allen wurde sie fündig. Sie vermutete, dass es umso leichter ging, je intensiver der Betreffende schon vorher an das gedacht hatte, was sie wissen wollte.

„Super, wie du das gemacht hast!“, lobte sie anschließend. „Ich hab echt gedacht, du wüsstest das mit dem Feuer.“
„Ich hab gesehen, dass aus diesen Kisten – eine fliegende habe ich vor längerer Zeit gesehen, die anderen mit dir – Rauch herauskommt. Wo Rauch ist, ist Feuer, oder? Also muss es etwas damit zu tun haben. Und das mit dem Dampf habe ich mal gelesen.
Eigentlich wollte ich ja mit den Unterschieden beim Körperbau anfangen, aber es hat sich anders ergeben.“
Suraya erkannte, dass er die Wahrheit sagte. „Echt? Du hast einfach so umgestellt? Hab ich gar nicht gemerkt.“
„Das konnte ich im ersten Lehrjahr auch noch nicht. Ist Übungssache. Ich hab gemerkt, dass die Kleinen sich dafür mehr interessieren und gedacht, machen muss ich sowieso beides, also fang ich damit an, damit sie bei der Stange bleiben – ach ja, ich soll dich von Frau Adisa noch fragen, ob du eine Stunde zu den Talmenschen halten willst oder das nächste Thema zum Sprachunterricht einführen.“
„Was müssen wir zu den Talmenschen noch machen? Körperbau, Augen und so weiter. Dann würde ich gern erst mal Körperbau allgemein wiederholen.“
„Schadet nicht. Ach ja, ich kann dir schnell was zeigen.“
Er ging in sein Zimmer und holte ein teilweise geschwärztes Pergament heraus.
„Was ist das?“
„Eine Lichtzeichnung von der Leiche eines Talmenschen. Schau dir den Rücken an und die Beine im Verhältnis zum Körper, dann merkst du was.“
„Danke! Kann ich sicher gebrauchen.“ Nun, da er sie darauf aufmerksam gemacht hatte, erkannte sie klar, dass der Rücken eines Talmenschen weniger stark gekrümmt und die Beine im Verhältnis zum Körper länger und bei weitem kräftiger waren als bei ihren Artgenossen.
„Ja, klar, ein Talmensch braucht keine Rückenmuskeln, die Flügel bewegen und den Körper hochreißen können. Dafür müssen ihn seine Beine über längere Strecken tragen“, murmelte sie. „Weißt du, ob die Unterschiede schon von Geburt da sind?“
„Ich schätze, schon – aber klar, sie verstärken sich. Du machst ja auch viel Sport und hast deshalb entsprechende Muskeln.“ Er kniff sie in den Arm.

Suraya begann ihre nächste Stunde mit einer Wiederholung des Körperbaus im Allgemeinen, hängte anschließend die Lichtzeichnung an die Tafel, stellte sich seitlich und mit dem Gesicht zur Klasse daneben und ließ Unterschiede zwischen sich und dem Talmenschen erarbeiten. Die Kinder kamen auf die richtigen Ergebnisse, wenn sie auch die eingeplante Zeit überzog. Yardan lobte sie dennoch, ebenso wie Frau Adisa, die allerdings nur kurz hereinschaute.

In den nächsten Tagen wurde es kälter. Frau Adisa schickte Suraya am Tag vor Vollmond in die Markthöhle, um Wintergemüse einzukaufen. Sie gab ihr drei Drachenkronen mit und erlaubte ihr ausdrücklich, den Rest für sich zu verwerten.
Das Mädchen bummelte an den Ständen vorbei, unterhielt sich mit einigen anderen und schaute auf das Angebot. Als sie Sarina traf, fiel ihr etwas ein: Sie fragte, ob irgendwo Schutzkleidung aus Drachenhaut verkauft würde. Die verneinte, meinte aber, Weißhornbockleder sei für alle Zwecke ebenso gut und führte sie zu einem Verkäufer namens Darun, wie sich herausstellte, ihrem Onkel, Badkos Vater. Der Mann war von der gleichen kleinwüchsigen, aber muskulösen Statur wie seine Nichte.
Suraya erkundigte sich zunächst nach Brust- und Unterleibschutz für Schlagkämpfe, worauf sie von der Frau des Besitzers in ein Zelt geführt wurde, wo sie sich ausziehen musste, damit diese ihr Maß nehmen konnte.
„Zweieinhalb, einverstanden?“
„Zweieinhalb was?“
Die Frau sah Suraya an, als ob sie die Sprache der Talmenschen gesprochen hätte. „Drachenkronen natürlich. Wie lange es dauert, müsst Ihr meinen Mann fragen.“
Suraya, die mit wesentlich mehr gerechnet hätte, erkundigte sich gleich noch, ob Herr Darun ihr einen Gesichtsschutz für ihren Helm machen könne. Der wollte zunächst ihren Helm sehen, sagte dann aber sofort zu.
Ihrer Meinung nach biss sich das helle Weißhornbockleder mit dem schwarzen Drachenleder, doch Gesichtsschutz brauchte keinen Schönheitspreis zu bekommen.
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Montag, 29. April 2013, 22:10

10. Der unsichtbare Pass (3)

Am Neumond wollte sie wieder nach Hause fliegen und ging am Morgen zuvor schon bald ins Bett, doch sie schlief noch nicht, als sie einen Pfiff hörte. Es war das Signal, das sie mit Yodik vereinbart hatte. Schnell fuhr sie in ihre Kleider, packte den Tarnmantel und ging vor die Tür. Mit ihren diesbezüglich geübten Augen sah sie, wie eine unsichtbare Person dicht an ihr vorbeiflog. Sie nickte, führte die Fingerspitzen zum Mund, küsste sie, zog den Tarnmantel an und folgte der Person. Sie flogen bis zu der Höhle, die sie im Sommer ausfindig gemacht hatten, zogen dort die Umhänge aus und küssten sich.
„Tut mir leid, wenn ich dich aufgeweckt habe, Schatz! Ich hatte solche Sehnsucht nach dir.“
„Und ich bin so froh, dass du wieder gesund bist.“
„Es war gar nicht so schlimm, eigentlich. Es ist nur so, dass die Heiler nicht dahintergekommen sind, was genau los war – und da hatten natürlich alle Angst. Und du? Was treibst du so?“
Suraya erzählte von ihrem Erlebnis am Steintor und vom von unten nicht sichtbaren Pass. Auch von ihrer letzten Stunde berichtete sie, ohne Yardans Namen zu erwähnen. Yodik schien keinen Verdacht zu schöpfen – genau konnte sie es nicht sagen, da sie das Amulett nicht angelegt hatte und zudem Gewissensbisse gehabt hätte, den Jungen, den sie noch immer liebte, auszuspionieren.
„Ich kann dich leider nicht übernachten lassen. Die Meisterin würde es nicht erlauben.“
„Macht nichts. Wenn du nur morgen kommst und wir den Tag für uns haben können.“
„Sicher. Ich werde allerdings noch zum Weisen gehen und ihm die Sache vom Steintor berichten.“
„Tu das. Und vor allem: Mach so etwas nie mehr allein.“ Er nahm sie fest in die Arme und küsste sie. „Erspar es mir, um dich Angst haben zu müssen. Wenn du sterben oder in Gefangenschaft gehen musst, dann will ich mit dir gehen.“
Sie schmiegte sich fest an ihn und küsste ihn lange. So schön es mit Yardan war, die Beziehung mit Yodik stand auf einer anderen Ebene. Yardan mochte ein guter Lehrer sein, freundlich und zuvorkommend und es tat gut, sich an ihn anlehnen zu können, doch sie wusste in diesem Augenblick, wem ihr Herz wirklich gehörte.
Aber hatte sie diesen Mann verdient? Konnte sie ehrlicherweise sagen, dass sie bereit war, mit Yodik zu sterben, wenn sie ihn schon betrogen hatte?
Plötzlich kam sie sich klein und elend vor.
„Was hältst du davon, wenn wir nach Wintersonnwend gemeinsam hinfliegen?“, riss Yodik sie aus den Träumen.
„Wohin? Ans Steintor?“
„Klar. Wenn wieder etwas passieren sollte, kann einer dem anderen helfen.“
„Mitten im Winter?“
„Ja, warum? Gegen Kälte kann man sich warm anziehen und wenn es dort etwas zu finden gibt, dann finden wir es im Winter und im Sommer.“

Yodik begleitete sie noch zur Schulhöhle, ehe er nach Hause flog. Suraya hatte am nächsten Tag nur noch einige Stunden bei den Älteren zu hospitieren und machte sich anschließend sofort auf den Heimweg, während Yardan noch seine Sachen verstaute.
Als Suraya die Höhlen ihrer Sippe erreichte, arbeitete Yodik noch. Sie begrüßte Herrn Tavuk und Yodiks jüngeren Bruder Sadik, küsste Yodik lange und flog weiter zum Weisen.
Dieser lauschte ihren Schilderungen von den Erlebnissen am Steintor und der Kraft ihres Amuletts interessiert.
„Vermutlich hat alles seine Sinn“, sagte er danach, „und Ihr könnt den Göttern danken, zum einen dafür, dass Ihr davongekommen seid, zum anderen für das, was Ihr gelernt habt.“
„Was meint Ihr?“
„Ihr habt geglaubt, unbesiegbar zu sein und seid dadurch leichtsinnig geworden. In eine völlig unbekannte Gegend fliegt man besser nicht allein, das hättet Ihr wissen können. Den Göttern sei Dank, hatten diese Leute kein Mittel gegen Eure Kräfte und Waffen, aber denkt daran, dass derjenige, der den Seffir an sich gebracht hat, derjenige, der die Schwarzen Drachen abgerichtet hat und derjenige, der Menschen zu Verbrechen treibt, Euch mindestens ebenbürtig sind, egal, ob es sich um eine oder um drei Personen handelt.“
„Ihr glaubt also auch, dass eine Person diesen Badko beeinflusst hat?!“
„Das erscheint mir am Wahrscheinlichsten. Sicher kann es niemand wissen. Aber seid Euch immer bewusst, dass das Drachenblut nur Eure Haut schützt, nicht Eure Gedanken. Wenn es so ist und derjenige Euren Geist lenken will, seid Ihr so schwach wie jeder andere – und deshalb ermahne ich Euch eindringlich: Agiert in dieser Sache nicht allein!“
Suraya nickte und berichtete von Yodiks Vorschlag, den der Weise guthieß.
„Was Herrn Yodik betrifft, so habt Ihr noch etwas auf dem Herzen.“
„Wisst Ihr es oder könnt Ihr doch meine Gedanken…“
„Ich spüre, dass es etwas gibt, aber nicht, was es ist. Ich kann Euch freilich nicht zwingen, zu sprechen.“
„Ehrwürdiger, dürfte ich Euch nur um eines bitten?!“
„Nämlich?“
„Dass Ihr das, was ich Euch nun sage, niemandem weitersagt, weder meinen Eltern, noch Yodik, noch sonst jemandem.“
„Ja, das verspreche ich.“
Sie gestand das Liebesstündchen mit Yardan, betonte aber auch, was Yodik ihr bedeutete.
„Nun, Frau Suraya, es ist Eure Entscheidung, aber mir scheint, Ihr habt Euch schon entschieden. Dann steht zu Eurer Entscheidung.“
„Ihr meint nicht, dass ich…ich weiß, es war nicht recht.“
„Ich habe versprochen, es Herrn Yodik nicht zu sagen und es liegt an Euch, wem Ihr Euch sonst anvertraut, aber Ihr könnt dieses Spiel nicht weiterspielen. Sagt das Herrn Yardan. Ihr werdet es verschmerzen müssen, dass er davon nicht begeistert sein wird. Es ist die einzige Möglichkeit. Versprecht mir das, wenn Ihr eine Frau von Ehre seid!“
Sie erschrak. Noch nie hatte der Weise so streng mit ihr gesprochen. „Ich will es versuchen!“, sagte sie.

Sie genoss den freien Tag mit Yodik und besuchte gemeinsam mit ihm Alin, die ernsthaft mit einem Herumspringer in ihrer Werkstatt befreundet war. Yodik begleitete sie auch noch über die verschneiten Berge zurück zu ihrer Arbeitsstätte.
Sie brachte es nicht übers Herz, Yardan die Wahrheit zu sagen, doch das Problem löste sich auf andere Weise: Zwei Tage vor Wintersonnwend eröffnete dieser ihr, dass er gehen würde.
„Hat Frau Adisa …etwas mitbekommen?“
„Ich weiß es nicht, aber ich habe damit gerechnet. Es ist traurig, aber so ist eben das Los eines Herumspringers; schließlich war ich schon über drei Monde hier. Aber ich habe auch noch keine Schulmeisterin gefunden wie sie – und kein Mädchen wie dich.“ Er zog sie an sich und küsste sie.
„Was während der Lehr- und Herumspringerzeit passiert, ist Spaß. Deine Worte.“
„Schon, aber… Außer, man verlobt sich oder … man muss das tun. Und bisher habe ich mich zurückhalten können. Bei dir fällt es mir schwer.“
„Also ist es vielleicht besser. Mein Vater wäre kaum begeistert.“
„Und du selbst?“
„Ich habe noch zwei Lehr- und mindestens drei Herumspringerjahre vor mir. Danach ist die Zeit, an so etwas zu denken.“
„Recht hast du.“ Auch wenn sie ihr Amulett nicht trug, merkte sie, dass Yardan sich zu diesen Worten eher zwang. „Vielleicht, wenn die Götter wollen, kommst du einst als Herumspringerin zu mir oder wir sind beide noch frei, wenn ich es zum Meister gebracht habe.“ Er küsste sie wieder und sie brachte es nicht übers Herz, ihn wegzuschieben oder ihm die Wahrheit zu sagen.

Wintersonnwend wurde in aller Pracht gefeiert und Suraya, die sich so festlich zurecht gemacht hatte wie zu ihrer Brandtaufe, merkte, wie Yardan immer wieder auf sie schaute. Während der offiziellen Feierlichkeiten schaute Frau Adisa zu, sodass es keinen Grund gab, auszuweichen. Danach flogen sie gemeinsam in eine Höhle, wo sie Abschied voneinander nahmen.
„Sobald ich meine nächste Stelle habe, lasse ich es dich wissen. Und wir können uns ja vielleicht besuchen. Es wird ja hoffentlich keine ganze Tagesreise sein.“
Suraya ertappte sich, dass sie gerade darum betete – zumindest eine Tagesreise für einen normalen Menschen, der zwanzig und nicht 150 lange Meilen in einer Stunde flog. War es recht, die Götter um Gründe für eine Ausrede zu bitten? Andererseits: War es recht, Yardan zu verletzen?

Suraya kaufte an ihrem letzten Tag noch einige kleine Geschenke für ihre Eltern, ehe sie sich von Frau Adisa verabschiedete. Schnell flog sie nach Hause und versuchte, Yardan zu vergessen.
Die Geschenke im Hause des Haris waren traditionell eher bescheiden – man feierte eher die Geburtstage, das Ende der Schul- und Lehrjahre oder das Erntefest. Viel mehr bedeutete es, zusammen zu sein. Die Eltern freuten sich, dass Suraya und Jantar, der zum dritten Herbstmond seine Stelle gewechselt hatte, glücklich waren und die Familie einige Tage gemeinsam verbringen konnte.

Am dritten Tag nach Wintersonnwend flogen Suraya und Yodik den langen Weg bis zum Steintor. Überraschenderweise wurden sie diesmal nicht angegriffen. Suraya zeigte Yodik, wo die gefährliche Schlucht war. Wenn man es wusste, war es einigermaßen leicht zu sehen.
Plötzlich wurde Surayas Aufmerksamkeit aber genau in dieses Tal gelenkt: Dort unten weinte jemand. Sie schaute hin und sah einen alten Mann auf dem Felsen liegen. Sie schaute genauer: Es war ein Talmensch, ohne Flügel.
„Yodik, Schatz! Der Mann wird sterben ohne Hilfe! Wir müssen dort hinunter!“
„Sura, nein! Du wirst wieder stürzen und dann ist niemand geholfen.“
„Doch. Er liegt weit genug von der Dampfquelle weg.“
„Warte!“ Er packte sie am Arm und zog sie zu einer Stelle, an der eine gut acht Klafter hohe Kiefer aus dem Boden ragte. Er ließ sie los und riss die Kiefer aus. „Wenn sie dich mit einer Stange treffen konnten, um dich dort hineinzustoßen, kann ich auch eine Stange benutzen, um dich herauszuziehen. Flieg hin, aber lass mir Zeit, mitzukommen und schau genau, wo die Kiefer ist – und wenn du nicht mehr hochkommst, halt dich fest. Vielleicht können wir so auch den Mann herausziehen.“
„Du bist der beste!“ Sie gab ihm einen Kuss, ehe sie hinunterflog. Noch spürte sie nichts von dem giftigen Dampf und war bei vollem Bewusstsein. Sie landete und berührte den Alten. Sein Körper war noch warm und auch sein Atem ging leicht.
„Könnt Ihr mich hören?“, rief sie.
Gott liebt dich, auch wenn du ihm Kummer gemacht
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Rot und gold allüberall
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27

Samstag, 7. September 2013, 12:04

11. Die Gabe und die Angst (1)

Der Mann stöhnte; danach murmelte er etwas, was Suraya nicht verstand. Sie ging nieder und hob seinen Oberkörper hoch, um zu sehen, ob er verletzt war.
„Ich kann nicht mehr selbst gehen“, sagte er, leise, aber klar verständlich.
„Ich werde Euch zu einem Heiler bringen, der sich Eure Verletzungen anschauen wird. Solange werde ich Euch auch zu essen geben und sobald es geht Euch den Weg zeigen.“
„Habt Dank!“
Sie nahm ihn in die Arme wie ein Kind. Tatsächlich reichte der Mann ihr höchstens bis zu den Schultern und auch mit rein menschlicher Kraft hätte sie wohl keine Probleme gehabt, ihn zu tragen. Er schien, obwohl Talmensch, es weder ungewöhnlich zu finden, dass Menschen Flügel hatten, noch Angst vor dem Fliegen zu haben.

„Soll ich dir helfen?“, bot Yodik an, doch Suraya schüttelte den Kopf: „In der Luft ist das keine so gute Idee. So gleichmäßig fliegen keine zwei Leute – he! Schau mal lieber!“
Inzwischen waren die Einheimischen doch aufmerksam geworden, flogen entgegen und spannten schon die Bogen.
„Wir haben einen Verletzten!“, rief Suraya, während schon der erste Pfeil flog.
„Ich geb dir Deckung! Hau ab! – Vergiss nicht, der Mann trägt keinen Schutzanzug“, rief Yodik ihr zu.
Suraya drehte sich um und flog einen großen Bogen um die Feinde herum. Ein Pfeil traf sie am Rücken und prallte ab.
Sie hörte es zweimal knallen und kurz darauf war Yodik neben ihr. „Die legen es darauf an“, stöhnte er. „Und ich kann einen oder zwei von der Bande besiegen, aber nicht alle gleichzeitig – Schnell! Die kommen uns nicht nach.“
„Es tut mir leid für Euch, dass ich nun schneller werden muss, aber ich kann Euch keinem Kampf aussetzen“, flüsterte Suraya dem Mann in ihren Armen zu. Der nickte verständnisvoll.

Schnell hatten die beiden Jugendlichen ihre Verfolger abgehängt. Suraya schlug vor, zu ihrer Höhle zu fliegen, da dies näher war.
„Ich mach mich unsichtbar, bevor deine Meisterin dumme Fragen stellt“, erklärte Yodik und zog seinen Tarnmantel über. „Helfen kann ich dir sowieso kaum. Du weißt schließlich eher, wo bei euch ein Heiler wohnt.“
Suraya, die feststellen musste, dass sie es selbst nicht wusste, trug den Verletzten in ihr Zimmer, zog ihm die Schuhe aus und legte ihn auf ihr Bett.
„Was ist passiert?“, fragte sie.
„Ich bin ausgerutscht. Es dürfte nichts Schlimmes sein, aber ich konnte nicht mehr weiter“, antwortete er.
„Habt Ihr Schmerzen?“
„Nein. Ich glaube auch, es wird bald wieder gut.“
„Trotzdem sollte ein Heiler nach Euch sehen. Ich werde meine Meisterin fragen – verzeiht, aber ich lebe erst seit wenigen Monden in dieser Gegend und, den Göttern sei Dank, war ich bisher nicht ernsthaft krank.“
„Macht Euch keine Mühe!“ Der Mann stand auf, zog seine Schuhe an und ging im Raum umher. Dabei hinkte er weder, noch zeigte er Anzeichen von Schmerzen.
Suraya sah ihn verwundert an.
„Ihr seid…“
„Kein gewöhnlicher Talmensch! Das habt Ihr sehr gut erkannt. Ein solcher hätte es, bei meiner Konstitution, gar nicht geschafft, so weit über die vereisten Hänge hinaufzusteigen. Surdar, der Sohn des Layan, hat mich gebeten, Euch aufzusuchen.“
„Der…Ihr kennt den Namen unseres Weisen? Des früheren Schulmeisters dieser Sippe, des Vaters meiner Meisterin. Seid Ihr…selbst ein Weiser…oder gar“ sie stockte bei dem Gedanken. „Ein göttliches Wesen?“
„Göttlich bin ich nicht, doch ein Bote Gottes. Es gibt sehr wenige Fälle, in denen ich zu den Menschen geschickt werde, denn mein Herr will, dass die Menschen sich nach ihrem freien Willen entfalten; nun jedoch steht wieder ein solcher Fall bevor, denn ein mächtiger Verbrecher hat angefangen, die Macht über die Menschen zu gewinnen.“
„Wen meint Ihr, mein Herr?“
„Das werdet Ihr bald feststellen. Ihr habt richtig vermutet, dass Badko von ihm gelenkt war. Das war jedoch erst der Anfang. Der Feind wird sich nicht mit Einzelnen begnügen. Surdar war einer der ersten, die dies sahen und er betete um die Hilfe Gottes.“
„Ihr sagt ‚Gottes‘, als ob es nur einen Gott gäbe.“
„Das ist der Fall.“
„Wie mag der eine Gott es aufnehmen, wenn wir mehrere Götter verehren?“
„Surdar hat Euch gelehrt, dass kein Mensch dem Himmel etwas anbieten kann, was auch nur den Kleinsten im Himmel beeinflussen könnte. Ebenso wenig kann ein Mensch Gott beleidigen und Ihn auch nicht wirklich erkennen; das würde Euch überfordern, wie es eine Spinne überfordern würde, die ganze Welt zu erkennen. Auch Ihr selbst, Frau Suraya, werdet Gott nie erkennen, obgleich Ihr auserwählt seid.“
Suraya fiel auf die Knie und zog ihr Halstuch über ihr Gesicht, doch der Bote richtete sie auf.
„Surdar hielt Euch für würdig. Der Herr schickte mich daraufhin zu Euch, bat mich aber, zu testen, ob Ihr es tatsächlich seid. Dazu nahm ich den Umweg über den Ort, wo Ihr vor einigen Tagen stürztet. Wenn Ihr Euch in Lebensgefahr begeben würdet, um mich zu retten, so sollte das ein Zeichen sein, dass Ihr würdig seid. So werde ich Euch die Kraft geben.“
„Welche Kraft meint Ihr?“
„Ihr werdet sie selbst bald spüren. Nur so viel: Es ist eine Kraft, größer als Ihr Euch vorstellen könnt. Ihr könnt sie allerdings nur zum Schutz anderer gebrauchen, nicht zu Eurem eigenen. Solltet Ihr das letztere tun, so würdet Ihr sie sofort verlieren.“
„Aber was…?“
Noch ehe sie ausgesprochen hatte, war der Fremde verschwunden. Suraya schrie auf, worauf Yodik leise ins Zimmer schwebte.

Als er sah, dass außer seiner Freundin niemand im Raum war, sperrte er den Mund auf. Suraya drückte ihn ihm zu, ehe er etwas sagen konnte. „Lass mich schnell meinen Tarnmantel holen und dann fliegen wir in unsere Höhle. Dort können wir reden.“
Unsichtbar flogen sie hinauf und setzten sich in die Höhle, wo sie ihm erzählte, was der alte Mann gesagt hatte. „Welche Kraft es sein soll und warum gerade ich, weiß ich nicht“, schloss sie.
„Der Ehrwürdige hat uns beide auserwählt genannt, vergiss das nicht. Aber von welcher Kraft oder Fähigkeit er redet, kann ich dir auch nicht sagen. Übermenschliche Kraft ist nicht einmalig, denn zumindest wir beide haben sie und ich kann mir nicht vorstellen, dass wir die einzigen sind. Die Fähigkeit, in die Gedanken anderer zu schauen…“
„…habe ich wohl, allerdings durch den Stein aus der Höhle. Wenn der Mann wirklich ein höheres Wesen ist – und es scheint mir so – dann weiß er das auch. Selbst die Fähigkeit, andere zu beeinflussen, gibt es ja; der Besitzer des Seffir hat sie offensichtlich.“
„Tja, wenn er meint, du würdest es sehen, wird er es wohl wissen. Schauen wir einmal, was die nächsten Tage bringen!“

Während der nächsten Tage, die schulfrei waren, geschah nichts Ungewöhnliches. Suraya traf sich mit Alin, die ebenfalls zu Wintersonnwend freibekommen hatte. Alin gefiel es ebenfalls in ihrer Lehre, sie hatte sich in einen Herumspringer namens Yachnan verliebt und die gegenteilige Entscheidung wie Suraya getroffen, also sich von Adrast getrennt. Da auch Yachnan demnächst wechseln würde, war Alin etwas nervös. Suraya wünschte der alten Freundin Glück, dass es mit Yachnan gutgehen und er nicht zu weit weg seine nächste Stelle finden sollte.
Einige Male kreuzten die Mädchen die Klingen und Suraya musste merken, dass sie außer Übung gekommen war: ohne ihre übermenschlichen Kräfte, die sie nur behutsam einsetzte, wäre sie völlig chancenlos gewesen. Sie ließ sich von Alin einige Tricks zeigen und bat Taran um Privatstunden. Irgendwie musste sie es auch in der neuen Heimat schaffen, dass man sie fechten ließ: Ein gutes Schwert war zwar im Ernstfall viel wert, doch so selten war Duran auch nicht, dass sie ausschließen konnte, dass auch ein potentieller Gegner über eine gleichwertige Waffe verfügte.

Taran hatte tatsächlich Zeit, mit Suraya und Yodik zu üben; Alin, die bald wieder arbeiten musste, kam dazu, wenn ihr Meister sie ließ.
Surayas Anwesenheit und die Tatsache, dass sie sich öfter mit Taran traf, blieb nicht verborgen und mehrmals wurde sie gebeten, sich beim Weisen oder bei den Göttern für Schutz vor Lawinen und Schneestürmen, gutes Wachstum der Jungtiere oder Ähnliches verwenden. Einige Male wurde sie auch beschenkt und am Markt erhielt sie manche Dinge für weniger als die Hälfte des regulären Preises. So kaufte sie reichlich Honiggebäck, aber auch Duftöl und das rötliche Harz, das sie an Festtagen auf ihre Nägel auftrug. Für einen neuen Wintermantel oder neue Stiefel reichte ihr Geld allerdings nicht; da sie zum nächsten Neumond allerdings zum ersten Mal einen eigenen Lohn bekommen würde, war das kein größeres Problem.
Gott liebt dich, auch wenn du ihm Kummer gemacht
ist näher als je du gemeint

Rot und gold allüberall
Gryffindor hat den Pokal
Denn wir sind das beste Haus
uns sticht niemand anderer aus
Es gratuliert der Schüler Schar
Der Sieg ist unser dieses Jahr


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28

Samstag, 7. September 2013, 12:05

11. Die Gabe und die Angst (2)

Sechs Tage hielt Frau Adisa nach der Wintersonnenwende ihre Schule geschlossen. Suraya musste bereits einen Tag früher zurückkehren, unter anderem, um mit der neuen Herumspringerin, einer Frau namens Sana, bekannt gemacht zu werden.
Sana hatte eine gute Figur, lange, dichte Haare, große Augen und volle Lippen; Suraya beneidete sie um ihr Aussehen und war sicher, dass die jungen Männer der Sippe sich um Sana scharen würden. Ihr Gesichtsausdruck war allerdings kalt und abweisend; vor allem störte Suraya die herablassende Art der neuen Kollegin:
„Ihr kommt direkt noch selbst von der Schule, werdet also noch viele Fehler machen. Macht Euch aber keine Sorgen, denn von mir könnt Ihr viel lernen. Ich bin nun im dritten Jahr und habe schon in den verschiedensten Stämmen unterrichtet. Tut allerdings im Unterricht, was ich sage! Ich weiß, wie ich mit den Kindern umgehen muss.“
„Ihr habt mehr Erfahrung, das wohl, aber Frau Suraya kennt die Schüler hier besser“, versuchte Frau Adisa zu vermitteln. „Ich jedenfalls wünsche, dass Ihr ebenso gut miteinander und mit mir zusammenarbeitet wie das bisher mit Herrn Yardan der Fall war.“ Sie sah dabei beide jungen Frauen scharf an.

Was Sana darunter verstand, wenn sie behauptete, sie wisse, wie man mit Kindern umgehen müsse, merkte Suraya schnell: Als sie bei den Kleinen das Einmaleins wiederholen ließ und ein Schüler es nicht sauber beherrschte, nannte sie ihn „dümmer als jeden Bock“. Bei den Großen hatte die Praktikantin stets ihre Rute bei sich liegen und als ein Mädchen einmal bei einer Antwort überlegen musste, die Herumspringerin unterbrach und die Schülerin etwas zu scharf rief „Lasst mich doch nachdenken“, bekam sie zehn Schläge wegen Respektlosigkeit.
Nicht, dass die Rute für Suraya etwas völlig Unbekanntes war: Jovar hatte die seine ab und zu einmal in der Luft herumgeschwenkt, wenn es zu laut war, doch ansonsten konnte sich Suraya nur an sechs Fälle in acht Jahren Unterricht erinnern, in denen er ein Kind ernsthaft geschlagen hatte. Auch bei Adisa war der Junge, der kurz nach Schuljahresbeginn einige andere ausgelacht hatte, der einzige gewesen, der, soweit sie es gesehen hatte, geschlagen worden war.
Auch ließ Sana an Surayas nächstem Unterrichtsversuch kein gutes Haar: „Das ist eine Schule und kein Wirtshaustisch!“, schimpfte sie. „Wie kommt Ihr auf die dumme Idee, die Schüler selber raten zu lassen, was für Vorsichtsmaßnahmen gegen Lawinen es gibt, anstatt es ihnen zu sagen?“
„Jeder hier hat schon einmal eine Lawine gesehen. Frau Adisa hält es auch so, dass die Schüler möglichst viel selbst entdecken sollen.“
„Widersprich mir gefälligst nicht!“
„Duzt mich gefälligst nicht! Das habe ich Euch nicht erlaubt.“
„Was fällt Euch“ – sie betonte das letzte Wort – „ein. Ich glaube, Frau Adisa ist zu wenig streng mit ihren Lehrmädchen.“
„Ich glaube, da hat jemand zu selten die Rute gespürt.“
Instinktiv duckte Suraya sich. Sich Höhergestellten zu widersetzen, gehörte sich nicht, auch wenn man Recht hatte; zurückzuschlagen ging gar nicht, auch wenn man stärker war.
„Ich werde der Meisterin sagen, was für ein freches Gör du bist.“
„Ihr seid“, verbesserte Suraya und hatte ihre Ohrfeige. Der Schlag war zwar zu schwach, als dass sie ihn überhaupt richtig spürte, doch sie ärgerte sich. Was bildete diese Frau sich eigentlich ein?

Suraya wurde tatsächlich am Abend zu ihrer Meisterin gebeten.
„Zunächst einmal bitte ich Euch, die ganze Sache aus Eurer Sicht zu schildern: Eure Stunde und Euer Gespräch mit Frau Sana.“
„Ich habe eine Stunde über Lawinen gehalten, wie besprochen – und die Schüler zunächst nach ihren eigenen Erlebnissen befragt, danach Vorschläge sammeln lassen, wie man Lawinen erkennen und wie man sich und seinen Besitz schützen kann und erst zum Schluss die kommentiert.“
„Grundsätzlich richtig. Da wäre ich wohl ähnlich vorgegangen. – Nun gut, Frau Sana kennt es anders und jeder hat seinen Stil; das werdet Ihr noch mehr erleben, wenn Ihr selbst Herumspringerin seid und verschiedene Schulen kennenlernt.“
„Aber ich…“
„Nehmt eine Kritik von Frau Sana – egal, ob sie höflich oder unhöflich geäußert wurde – als Anregung. Vielleicht ist etwas dran. Vergesst aber nicht, dass ich Eure Beurteilung schreiben werde, mit der Ihr in die Herumspringerzeit geht. Was ich von Euch erwarte, habe ich Euch zu Beginn des Schuljahrs gesagt; daran hat sich nichts geändert.“
„Seid Ihr also weiterhin mit mir zufrieden?“
„Wenn nicht, hätte ich es Euch wissen lassen. Wichtiger aber ist folgendes: Ihr müsst Euren Weg gehen, Frau Sana den ihren und Herr Yardan den seinen. Was ich in zwei Jahren über Euch sagen und schreiben werde, ist ein kleines Vorspiel; was man Euch in Eurer Herumspringerzeit sagen wird, ein etwas Größeres. Die Hauptveranstaltung ist, dass Ihr danach vierzig Jahre oder mehr in Eurer eigenen Verantwortung unterrichten müssen werdet – und dabei selbst zufrieden sein müsst, vor allem aber Liebe und Respekt von Euren Schülern und deren Eltern bekommen müsst. Das gilt ebenso für jeden anderen.
Was Euer Verhältnis zu Frau Sana angeht: Vor allem darf bei den Schülern nicht der Eindruck entstehen, dass sie, Ihr und ich gegeneinander arbeiten würden. Sagt also mit allem Respekt – sie ist die Ältere – Eure Meinung, aber lasst Euch nicht gegen sie ausspielen. Ihr habe ich dasselbe gesagt. “
Suraya empfand das als Bestätigung ihrer Linie. Wenn Sana in den nächsten Tagen Stunden von ihr kritisieren sollte, könnte sie das locker sehen.

Obwohl sie sich alle Mühe gab, gelang es ihr jedoch nicht: Sana hielt Suraya jede Kleinigkeit vor und versuchte, ihr auf jede erdenkliche Weise zu zeigen, dass sie keine Ahnung hatte. Egal, ob Suraya Geflüster überhörte, in den Pausen längere Zeit mit Schülern sprach, ihre Fragen an Schüler zu leicht oder zu schwer waren oder was auch immer, Sana passte es nicht.
Gegenüber den Schülern verhielt die Herumspringerin sich ähnlich: Sie beschimpfte sie, verunsicherte sie absichtlich und machte sie lächerlich, wenn sie falsche Antworten gaben. Suraya bemerkte zwar, dass ihre Kollegin ein großes Wissen hatte und ein gewaltiges Pensum durchbrachte, doch hatte sie ihre Zweifel, ob die Schüler sich so sehr viel merken könnten.
Den jungen Männern der Sippe gefiel Sana freilich, was Suraya mitbekam, wenn sie zur Markthöhle ging oder sonst unterwegs war. Zwar sprachen sie leise, wenn sie ein Mädchen sahen, doch der Name ‚Sana‘ fiel oft genug.

Nach mehreren Versuchen erreichte Suraya endlich, dass man sie in eine Fechtergruppe aufnahm. Zwei Burschen, die sie vom Nestball her kannten, setzten sich für sie ein und der Fechtmeister gab schließlich nach, als beide bestätigten, dass sie sich beim Nestball verhielt wie ein Junge.
Im Winter fanden die Übungen natürlich in Höhlen statt und der Meister fand, solange niemand außerhalb das Mädchen mit dem Schwert sah, sei es kein Problem.
Sana sah sie schon nach wenigen Tagen mit dem Schwert, hielt ihr eine Strafpredigt, dass sich das für ein Mädchen nicht gehöre und verbot ihr das Fechten. Suraya antwortete nichts, erinnerte sich jedoch, dass Frau Adisa ihr ausdrücklich erlaubt hatte, Sport zu treiben, solange sie sich dabei an Erwachsene hielt. Um künftigen Diskussionen zu entgehen, nahm sie sich vor, beim nächsten Mal den Tarnmantel zu benutzen, wenn sie zur Fechtübung musste.

Trotz starken Schneetreibens flog sie am Tag vor dem nächsten Vollmond sofort nach Schulschluss heim. Sie wollte Yodik wieder sehen und brauchte Trost von ihm. Der verstand sie und ließ sie, nachdem sie sich über Sana ausgeweint hatte, zunächst lange in seinen Armen liegen, ehe er antwortete.
„Gibt immer wieder diese Typen, die sich aufführen, als ob sie die Chefs wären“, meinte er. „Kommt halt darauf an, wie der Meister mit denen umgeht. Mein Vater macht Leute von der Sorte auch vor den Lehrlingen zur Schnecke, wenn es nötig ist.“
„Meine Meisterin sieht es wohl so wie ich, aber sie will nicht, dass die Schüler mitkriegen, dass zwischen uns etwas nicht passt. Das ist natürlich bei euch leichter: Hunde merken das ja nicht.“ Suraya grinste wieder.
„Täusch dich da nicht, Schatz. Hunde kriegen sehr viel mit, zumindest Berserker. Wenn mehr als einer mit ihnen arbeitet, merken die sehr schnell, wenn sie sich bei einem was erlauben können, was ihnen der andere verbietet.“ Er machte eine Pause. „So, wie du das erzählst, kann ich mir übrigens auch nicht vorstellen, dass eure Schüler nicht merken, dass ihr Krach habt. Wir haben’s bei Adman damals ja auch gemerkt, dass Herr Jovar ihn nicht wirklich ernst genommen hat.“
„Das war etwas ganz anderes. Adman ist wohl ein netter Mensch, aber bei ihm haben alle gemacht, was sie wollten; diese Sana hat die Klasse im Griff, aber so, dass die Schüler alle Angst vor ihr haben.“
„Trotzdem. Die merken schon, wie einer mit ihnen umgeht und denken sich ihren Teil. Ich wette mit dir, Schatz, dass ich bei den vier Herumspringern, die wir hatten, ziemlich richtig rate, was für eine Beurteilung ihnen Herr Jovar gegeben hat, obwohl er natürlich auch nicht mit uns darüber gesprochen hat.“
So abwegig war das nicht: Suraya war sich nicht nur sicher, dass Herr Jovar Herrn Adman als ungeeignet beurteilt haben musste, sondern auch, dass Frau Simara eine ausgezeichnete Beurteilung erhalten haben musste und Frau Lira und Herr Ansel zwar positiv bewertet worden waren, Frau Lira allerdings nahegelegt worden war, langsamer zu sprechen und den Stoff regelmäßiger wiederholen zu lassen und Herr Ansel die Anweisung bekommen hatte, mehr als nur drei oder vier Schüler ins Unterrichtsgespräch einzubinden. Dazu brauchte man eigentlich den Schulmeister nicht zu fragen, sondern nur seinen eigenen Stil mit dem der Anfänger zu vergleichen. Vermutlich machten sich ihre eigenen Schüler ähnliche Gedanken.

Suraya blieb beinahe bis zum Mittag des Tages, bevor sie wieder in die Schule musste. Bei Tageslicht flog sie zurück, was ihr postwendend in der nächsten Nacht einen Tadel von Sana einbrachte, die meinte, sie müsse genug schlafen.

Zwei Tage später kam Yodik zu Besuch. Er war außer Atem, als er vor Surayas Höhle den vereinbarten Pfiff ausstieß. Sie zog schnell ihren Tarnmantel über, flog aus der Höhle, küsste ihren Freund und folgte ihm ins Versteck.
„Drachen haben sämtliche Tiere der Sippe des Radax gefressen“, brachte er heraus.
„Oh ihr guten Götter! Das ist ja furchtbar.“
„Und es kommt noch schlimmer: Im Herbst und Frühwinter gibt es ja öfter Drachenangriffe; aber sowohl Herr Jovar als auch Herr Pentu, der Lehrer in der Sippe des Radax, sagen, zurzeit ist es zu kalt dafür; Drachen ziehen sich im tiefen Winter in ihre Höhlen zurück und verlassen sie erst zur Schneeschmelze wieder. Auch der Ehrwürdige sieht es so. Außerdem: Es kommt schon einmal vor, dass Drachen zwei oder drei Schafe fressen, bevor man sie verscheuchen kann, aber doch nicht alle Schafe einer Sippe, oder?“
Suraya nickte. Ihre Familie hatte, seit sie lebte, ein einziges Schaf auf diese Weise verloren und auch sonst waren Drachen fast immer rechtzeitig verscheucht worden, auch wenn sie es im Spätherbst und Frühwinter immer wieder versuchten und man zu dieser Jahreszeit daher die Herden beieinander hielt und streng bewachte.
„Glaubt der Ehrwürdige, dass derjenige, der die Schwarzen Drachen gezüchtet hat, dahintersteckt?“
„Ich weiß es nicht, Sura. Ich habe selbst nicht mit ihm gesprochen. Mich wundert außerdem, dass offenbar keine Menschen gestorben sind. Ich meine, die Sippe des Radax hatte doch bestimmt Wächter aufgestellt, oder? Selbst wenn es so starke Drachen gewesen wären wie der hier“ Er zupfte an seiner Jacke – „hätten sie doch auf jeden Fall gekämpft.“
„Das ist richtig. Sei so gut und schau, dass du bald mit dem Ehrwürdigen sprechen kannst und sag mir, was er meint. Wir müssen wissen, was da los ist – vor allem, wenn es mit diesem …diesem Biest in Menschengestalt zu tun hat und dieses wirklich Drachen auf Menschen und fremdes Vieh abrichtet.“
„Mach ich sowieso. Und du, Sura, bitte deine Meisterin und wen du sonst kennst, dass sie Räucherfleisch spenden, wenn es geht, auch lebende Tiere. Für die Sippe des Radax ist das ganze Frischfleisch für das nächste Jahr tot. Klar, wir und die Sippe des Pediko werden ihnen natürlich helfen, so gut es geht, aber je nachdem, wie lang der Winter dauert, kann das bedeuten, dass es auch für uns knapp wird.“
„Ehrensache. Ich lasse doch meine Eltern und meinen Freund nicht hungern.“
Gott liebt dich, auch wenn du ihm Kummer gemacht
ist näher als je du gemeint

Rot und gold allüberall
Gryffindor hat den Pokal
Denn wir sind das beste Haus
uns sticht niemand anderer aus
Es gratuliert der Schüler Schar
Der Sieg ist unser dieses Jahr


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James Potter jr. und das Zentaurenheiligtum
Die Hände des Teufels
Der Fluch des grünen Seffir (OT)