Sie sind nicht angemeldet.

Plumbum

Animagus

  • »Plumbum« ist weiblich
  • »Plumbum« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 820

Haus: keine Angabe

Beruf: Chemikerin

  • Nachricht senden

61

Samstag, 18. Februar 2012, 19:44

Hey Glinda, hey Grit,

vielen lieben Dank für eure Kommentare. Es freut mich sehr, dass euch beiden die Karte soweit gefällt.

@Glinda

Zitat

Original von Glinda Arduenna
Du musst dich gar nicht bei mir bedanken, ich lese deine Geschichte wirklich wahnsinnig gerne! Ich kann da immer wieder in deine Welt eintauchen und meine vergessen...
Du musst dich auch nicht schlecht fühlen, wenn du es lange nicht schaffst zu schreiben, ich weiß genau, wie blöd eine Schreibblockade ist und dass nichts schlimmer ist, als sich den Druck zu machen, weiter schreiben zu müssen.
Lass dir ruhig Zeit! --knuddel—

--knuddel--


Zitat

Der Teil mit dem "Grün, grün, grün"-Gesang von Dylana hat mir eiskalte Schauer über den Rücken laufen lassen, weil ich echt Angst hatte, was sie nun wieder verrücktes vorhat.

Das mit der Gänsehaut hatte ich auch so vor Augen, schön das es geklappt hat.

Zitat

Hubertus und seinen Ehrenkodex kann ich auch nicht verstehen. Dass er Dylana so blind folgt, obwohl er sich leicht gegen sie auflehnen könnte...

Naja, leicht auflehnen ist es ja auch nicht direkt, aber er hätte gegen Dylana zumindest eine Chance. Mit der Ehre ist es ja so, wie Kriemhild es sich manchmal denkt, nämlich dass er einfach so wahnsinnig verbohrt in seine, eigenen Kodex ist. ;)

Zitat

Sophos ist so ein Unsympath! Seine Scheinheiligkeit ist es, die ich am schlimmsten finde.

Ich gebe ehrlich zu, mir macht es Spaß Sophos zu schreiben. Zum einem, weil er auf der einen Seite so herrlich verspielt und gemein ist und auf der anderen Seite, gegenüber Felix, dann doch eine eher andere Seite seiner selbst anklingen lässt.

Zitat

Ich wollte mal ein bisschen herausarbeiten, dass ich deine Charakterzeichnung ganz toll finde! Du schaffst total unterschiedliche und vielschichtige Charaktere - bei einigen weiß ich immer noch nicht genau, woran ich bin (und das ist auch gut so, genau das macht die Sache spannend).

Danke für die Blumen. :)

@ Grit

Zitat

Original von grit
Zu den Charakteren hat Glinda ja schon eine Menge gesagt, ich finde es jedenfalls erstaunlich, dass offenbar alle in Dylanas Umgebung, einschließlich der Generäle, Angst vor ihr haben und ihnen auch bewusst ist, dass sie wahnsinnig ist. Trotzdem lassen sie sich von ihr herumkommandieren und scheinen gar nicht auf die Idee zu kommen, dass sie sich alle gemeinsam gegen sie auflehnen könnten.
Gibt es da vielleicht zu viel Misstrauen und Rivalität untereinander, sonst dürfte ihre vereinte Magie es doch durchaus mit der ihren aufnehmen können...

Ich denke, hier spielen viele Gründe rein, die die Generäle von einer Rebellion abhält.
Zum einen ist das diese unglaublich hohe Machtstellung, die die Drittstufler in meiner Welt einnehmen. Sie sind fast schon Gottgleich, weil ihre Macht einfach so unglaublich stark ist. Kriemhild hat ja diesen Satz schon erwähnt, dass man nie gegen diese Mächtigen geht, wenn man es denn nicht mit ihnen Aufnehmen kann. Übersetzt bedeutet das so viel wie: Nur ein Drittstufler geht gegen einen anderen Drittstufler (Das ist einfach etwas das tief in ihrer Mentalität dieser Menschen verwurzelt ist). Und auch wenn sich alle Generäle zusammen täten, ist es nicht so dass sich ihre Macht wie bei den Power-Rangern vereint und sie noch mächtiger macht, sondern das Potential dieser Macht nicht höher gehen wird als das des höchsten, was immer noch nicht an Dylanas herankommt.

Zum anderen ist es halt auch so, dass die Drittstufler Mimage sich eine Umgebung aussuchen, die ihrer Macht entgegenkommt und sie vor eventuellen Angriff am besten schützt. Briseis sitzt Tag und Nacht auf ihren Turm, weil die Windmenge auf dem Dach einfach mehr und beweglicher ist, als die in einem geschlossenen Raum. Sie kann Gedanken lesen und bei Bedarf kontrollieren, wie sollte man sie da umbringen können?
Hubertus und Mathilda laufen deswegen barfuss, um möglichst immer mit Erde in Kontakt zu sein. Sie können wenn sie wollen, bei einem Angriff die Zeit anhalten und ihren Gegner töten und sind daher auch schwer zu töten. In dem Moment wo Mathilda allerdings bei Dylana von Wasser umgeben ist, ist sie hilflos und kann nichts mehr tun.
Dylana (und auch Olaf) halten sich deswegen am liebsten im Wasser auf, weil ihnen in dieser Umgebung nur ein anderer Drittstufler gefährlich werden kann. Sie sind Wassermimage, Herren über Leben und Tod, und können, solange sie im Kontakt mit Wasser sind, nicht getötet werden. Wie sollen es also die Generäle schaffen, sie zu töten, wenn sie die ganze Zeit von Wasser umgeben ist und man, um zu ihr zu kommen, das Wasser berühren müsste, was den eigenen Tod zur Folge hätte?

Ein weiteres Problem wäre zudem auch, eine machtpolitische Frage, nämlich was man sich selbst von Dylanas Tod verspricht? Man muss sich das so vorstellen: Wir reden von vier Ländern mit jeweils sieben Generälen (von dem keiner zu dem von Kriemhild erwähnten Drittel gehörte, dass vor sechs Jahren gegen Dylana gegangen und gescheitert ist, die meisten Idealisten sind also inzwischen schon Tod oder waren seinerzeit noch zu jung oder stammen aus der Eiswüste, die erst vor zwei Jahren wieder zurückerobert wurde.), sowie Hubertus und Sophos als Oberste Befehlshaber.

Diese vier Länder sehen sich jedoch keineswegs als eine Einheit an, sondern als Einzelkämpfer. Denn auch wenn Hubertus und Sophos jeweils zwei Länder verwalten, haben diese niemals ihre individuelle Landesfarbe aufgegeben. So gesehen hat man zwar einen gemeinsamen Herrscher, aber ist doch Einzelkämpfer.

Die Bucht und das Land der tausend Seen stehen nun seit gut 90 Jahren unter Dylanas Herrschaft. Sie haben alles mitgemacht: Dylanas ersten Krieg, bei dem sie acht der zehn Länder erobern konnte, Dylanas Fall in den Wahnsinn, der Beginn der Menschen Experimente, Mathildas Revolution, nach der Dylana aus Angst darüber, dass ihrer Leute zu mächtig werden könnten, in einem Anfall von Wahnsinn alle Zweitstufler getötet hat, die Zurückeroberung von Theodo, das Verbrennen der Feuermimage, etc. Wie auch immer … Diese beiden Länder haben also enorm wenig Zweitstufler Mimage (die meistens die Führungsriege bilden), dadurch haben sie auch wenig Heiler, wenig Rufer, etc. Obwohl es so scheint, als ob gerade diese Leute Dylana am meisten hassen müssten, habe die Generäle –zumindest Machtpolitisch - auch an meisten zu verlieren, wenn ihre Herrin stirbt. Denn sie werden ihr Land von Angriffen von Außen nicht verteidigen können und wenn jemand, wie „John vom Grünen Wall“ oder „Friedrich vom Mittland“ diese Länder überrennen würde, würde sie ihre Posten als Generäle einbüßen, da lediglich der Mangel an Zweitstufler die meisten in ihr Amt gebracht hat, nicht ihre Macht, und die Angreifer-Länder haben Zweitstufler im Überfluss, die weitaus mächtiger sind und nach der gewonnen Schlacht durch Stadtführung und Beförderung belohnt werden würden.
Die Generäle von der Bucht und dem Land der tausend Seen würden somit eher nicht rebellieren.

Theodo hat zwar Zweitstufler, da Dylana kurz bevor sie das Land vor gut achtzehn Jahren eingenommen hat, mit der Tötung der Zweitstufler aufgehört hat, allerdings haben sie auch Hubertus, der Fluch und Segen zugleich ist. Mit Hubertus könnten sie sich nach Außen hin zwar verteidigen, allerdings würde keiner der Generäle sagen, wir greifen jetzt Dylana an, weil das in ihren Augen eben Hubertus Aufgabe ist. Wenn du die Landesführung als Drittstufler willst, dann musst den momentanen Landesführer auch herausfordern und besiegen. Letztendlich wartet jeder von ihnen darauf das Hubertus diese tut, indem er allerdings verharrt, signalisiert er auch den anderen zu Warten.

Die Eiswüste ist das letzte von Dylanas Länder, das erst vor zwei Jahren wieder zurückerobert wurde. Es hat noch seine Zweitstufler und auch viele der Generäle, die einst gegen Dylana kämpften, sind noch im Amt. Wenn eine Führungselite planen sollte Dylana anzugreifen, dann die aus der Eiswüste. Allerdings ist nicht jeder ein Held und eine solche Rebellion alles andere als leicht, denn neben der „Dylana ist unsterblich, solange sie im Wasser sitzt“-Problematik, werden sie wohl kaum jemals ohne die Anwesenheit von Generälen aus anderen Ländern im Thronsaal sein und auch die Frage, inwieweit Dylanas bzw. Sophos Spionagenetzwerk reicht, macht eine Auflehnung sehr kompliziert und gefährlich.

Ich könnte jetzt noch Stundenlang weiter reden (ich liebe es einfach über diese Welt zu sprechen), aber ich hoffe, ich konnte dir, liebe Grit, zumindest einen kleinen Einblick geben, warum wer wie handelt. =)

Zitat

Jedenfalls scheint es mir, Dylana hat an Mathilda gerade zur rechten Zeit ein Exempel statuiert, um alle von einer Rebellion abzuhalten. Das alles war ziemlich heftig, vor allem das mit den Augen.

Das Implodieren von Wolfhart und das Augenausreißen sollte beim Leser auch heftig rüberkommen, damit er einfach sieht, dass das Leben unter der Herrschaft dieser Verrückten einfach furchtbar ist und auch Kriemhild Wut und Hilflosigkeit besser versteht. Ich denke ein Abstraktes „Sie hat ein Dutzend Menschen könntet“ wirkt da einfach weniger. Ich versuche die Szenen möglichst nicht detailliert und bildhaft zu machen, aber ich will zumindest sagen, dass sie so passiert sind.

Zitat

Diese Beiläufigkeit, mit der alle wieder zur Tagesordnung übergegangen sind, nachdem einer von ihnen getötet wurde, hat mich ziemlich erschreckt.

Es ist auch erschreckend, allerdings ist es auch so, wie Sheth sagt: Man versucht halt mit dem Grauen was einen Tag täglich umgibt, irgendwie umzugehen. Und wenn man immer wieder mit solchen Situationen zu tun hat, dann lässt man es –denke ich- automatisch nicht mehr so an sich heran, es sei denn das es ist wirklich jemand betrifft, dem man selbst Nahe steht.

Zitat

Ich bin gespannt, ob das Feuerzeug aus unserer Welt noch einmal auftaucht - und natürlich, was aus Felix wird und welche Nachrichten er auif seinem Handy hat...

Die Antwort auf deine Frage Betreff den Nachrichten wirst du im nächsten Kapitel bekommen, ebenso Plane ich auch eine kleine Lehrstunde über die Mythologie dieser Welt ein ;)

Viele liebe Grüße und Danke noch einmal zu euren Kommentaren

Rina

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Plumbum« (18. Februar 2012, 21:06)


grit

Auror

  • »grit« ist weiblich

Beiträge: 2 555

Haus: keine Angabe

Wohnort: Neubrandenburg

  • Nachricht senden

62

Samstag, 18. Februar 2012, 21:06

Vielen Dank für diese ausführliche Antwort, sie zeigt auch, wie genau du diese Welt geplant hast - und wie viele Dinge ein Autor wissen muss, auch wenn sie der Leser vielleicht nie erfährt.
( Das merke ich auch gerade selber, denn wenn meine Idee eines größeren Projekts Gestalt annehmen sollte und ich erst mal über die ersten Hürden von Planung und "Weltschöpfung" hinaus gekommen sein sollte, geht die Arbeit erst richtig los. Ich schätze mal, damit werde ich locker 2 - 3 Jahre beschäftigt sein, schließlich macht man das ja "nur" nebenbei. )
Ich finde es jedenfalls toll, wie diese Magiewelt funktioniert - und wie das alles ineinandergreift. Allein das alles zu planen und zu ordnen, so dass man weiß, was wann wo dem Leser mitgeteilt wird, da steckt so viel Arbeit dahinter, das kann man, glaube ich, nur richtig verstehen, wenn man selber auch schreibt.
Allen anderen wünsche ich nur, dass sie sich von deiner Geschichte einfach gefangen nehmen lassen. ;)
Hier geht's zu meiner FF
Charitys Geheimnisse

Viel Spaß beim Lesen!

Plumbum

Animagus

  • »Plumbum« ist weiblich
  • »Plumbum« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 820

Haus: keine Angabe

Beruf: Chemikerin

  • Nachricht senden

63

Samstag, 18. Februar 2012, 21:34

Zitat

Original von grit
Vielen Dank für diese ausführliche Antwort, sie zeigt auch, wie genau du diese Welt geplant hast - und wie viele Dinge ein Autor wissen muss, auch wenn sie der Leser vielleicht nie erfährt.

Ehrlich gesagt macht es mir immer wieder Spaß über diese Welt zu reden, vor allem da ich vermutlich nicht alle Dinge in die Geschichte mit hineinbringen werde und wenn dann nur als kleine Häppchen, die man schnell mal überliest.

Zitat

Allein das alles zu planen und zu ordnen, so dass man weiß, was wann wo dem Leser mitgeteilt wird, da steckt so viel Arbeit dahinter, das kann man, glaube ich, nur richtig verstehen, wenn man selber auch schreibt.

Es steckt viel Arbeit dahinter, allerdings auch viel Spaß.
Wobei mein größte Sorge weniger das Planen an sich ist, sondern vielmehr das "was sage ich wann dem Leser". Zum Beispiel bis zu Artemis Lehrstunde wusste ich nicht, wann ich dem Leser die Grundlagen der Mimage Magie erklären soll. Ich hatte zwar mehrere kleine Ansätze gemacht, allerdings denke ich, dass erst durch Artemis etwas kompaktere Erklärstunde alles ein bissel übersichtlicher und klarer geworden ist, oder zumindest hoffe ich das. ;)


Zitat

( Das merke ich auch gerade selber, denn wenn meine Idee eines größeren Projekts Gestalt annehmen sollte und ich erst mal über die ersten Hürden von Planung und "Weltschöpfung" hinaus gekommen sein sollte, geht die Arbeit erst richtig los. Ich schätze mal, damit werde ich locker 2 - 3 Jahre beschäftigt sein, schließlich macht man das ja "nur" nebenbei. )

Jetzt nur mal so als Vergleich: Ich habe mir die ersten Gedanken zu Raum und Zeit ende 2008, Anfang 2009 gemacht, als ich noch meine letzte FF "Auf der Flucht" geschrieben habe. Allerdings habe ich das Projekt noch mal ein gutes halbes Jahr ruhen lassen, bevor ich mich weiter damit befasst habe. Also zwei Jahre passen glaube ich schon, wobei... jeder plant ja auch irgendwie anders...

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Plumbum« (18. Februar 2012, 21:47)


grit

Auror

  • »grit« ist weiblich

Beiträge: 2 555

Haus: keine Angabe

Wohnort: Neubrandenburg

  • Nachricht senden

64

Samstag, 18. Februar 2012, 23:42

Wie Recht du hast, ich glaube, das ist mit die schwierigste Frage: Wann sage ich was dem Leser, wann soll / kann / muss er dies oder jenes merken...?
Auf jeden Fall hat mir das FF-Schreiben und Lesen und das Diskutieren hier im Forum Lust gemacht, überhaupt mal etwas zu veröffentlichen, und nun habe ich auch Lust bekommen, mich mal an etwas Größeres heranzuwagen, auch wenn ich jetzt schon weiß, dass ich seeeeehr oft fluchen und tonnenweise Motivationstrank brauchen werde. Allein die Vorplanung wird ein gutes Jahr dauern. Und wie ich mich kenne, werde ich alles ...zig Mal ändern und umstoßen. Aber es treibt ja keiner. ;)

Auf jeden Fall ist das alles sehr motivierend, Schreibblockade hin oder her - das geht wohl jedem mal so, und ich muss einfach noch mal sagen, wie gelungen ich deine Figurenzeichnung finde.
Jeder hat seine ganz eigenen, unverwechselbaren Züge. --thumbs-up--
Hier geht's zu meiner FF
Charitys Geheimnisse

Viel Spaß beim Lesen!

Plumbum

Animagus

  • »Plumbum« ist weiblich
  • »Plumbum« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 820

Haus: keine Angabe

Beruf: Chemikerin

  • Nachricht senden

65

Mittwoch, 25. April 2012, 20:52

Zitat

Original von grit
Auf jeden Fall ist das alles sehr motivierend, Schreibblockade hin oder her - das geht wohl jedem mal so, und ich muss einfach noch mal sagen, wie gelungen ich deine Figurenzeichnung finde.
Jeder hat seine ganz eigenen, unverwechselbaren Züge. --thumbs-up--


Es freut mich sehr, dass du meine Geschichte motivierend findest. :D

Und danke noch einmal für dein Lob bezüglich meiner Figuren.


Viele liebe Grüße

Plumbum

P.S.
@ alle
Kapitel 12 bekommt momentan den letzten Feinschliff und wird im Laufe dieser Woche von mir Online gestellt werden. =)

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Plumbum« (26. April 2012, 21:54)


Plumbum

Animagus

  • »Plumbum« ist weiblich
  • »Plumbum« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 820

Haus: keine Angabe

Beruf: Chemikerin

  • Nachricht senden

66

Donnerstag, 26. April 2012, 21:44



Kapitel 12: Das Erwachen

Teil 1


„Wo bist du? …
… Warum bist du einfach abgehauen? Wir wollten doch die Ferien zusammen verbringen. Wir lieben uns doch.“

„Wo bist du? …
… Wir haben gehört, dass es in der Nähe des Kiosks eine Entführung gegeben haben soll. Dein Vater und ich machen uns Sorgen um dich. Melde dich bitte sofort, wenn du diese Nachricht liest.“

„Wo bist du? …
… Hey Felix, hör auf zu schmollen und schreib endlich zurück! Nicole ist schon total fertig, weil sie dich nicht erreichen kann.“

„Wo bist du? …
… Wir haben unseren Urlaub abgebrochen und werden morgen am Flughafen ankommen. Wenn du das hier liest, dann melde dich SOFORT! Wenn schon nicht mir, dann wenigstens deiner Mutter zu liebe.“

Instinktiv hielt Felix sich die Ohren zu, doch die Stimmen um ihn herum wurden nicht leiser. Sie waren in seinem Kopf! Malträtierten ihn ununterbrochen mit derselben Frage, ohne ihm auch nur den Hauch einer Chance zum Antworten zu geben. Erst Nicole, dann seine Mutter, sein bester Freund Florian und zum Schluss sein Vater. Alle redeten auf ihn ein. Laut. Drängend. Fordernd.

„Hört auf“, schrie er und schüttelte verzweifelt den Kopf. „So hört doch endlich auf!“

Der Lärm verstummte von einer Sekunde zur nächsten. Stille breitete sich in dem hohen, kahlen Raum aus. Erleichtert schloss Felix die Augen und ließ sich langsam an einer der weißen Wände hinab gleiten, ehe er sein Gesicht in den Händen vergrub.

„Warum antwortest du nicht?“, fragte plötzlich eine Kinderstimme in die Stille hinein.

Langsam hob Felix den Kopf und blickte in die anklagenden Augen seiner Schwester. Sie war kleiner als in seiner Erinnerung, und doch klang in ihrem Ton eine Anklage mit, die der Ernsthaftigkeit von Erwachsenen gleichkam. „Sie machen sich sorgen um dich. Suchen nach dir und du sitzt hier rum und tust nichts.“

„Was hätte ich denn machen sollen?“, erwiderte Felix aufgebracht. „Ich hatte eine verdammte Glasflasche an meiner Kehle. Ich hatte, verdammt noch mal, keine Wahl!“

„Doch, die hattest du“, entgegnete seine kleine Schwester - ganz alte, weise Frau. „Man hat immer eine Wahl. Du hättest mit uns in den Urlaub fahren können. Du hättest dich Papa nicht widersetzen und die Familie im Stich lassen sollen, nur um mit deiner Freundin zu verreisen. Du warst selbstsüchtig!“

„Ich habe euch nicht im Stich gelassen. Ich bin sechzehn und kein kleines Kind mehr, auch wenn Vater das nicht wahrhaben will. Ich wollte einfach mal meinen eigenen Weg gehen, unabhängig von der Familie.“

„Und das wirst du von nun an auch tun müssen. Deinem eigenen Weg folgen … ohne uns.“ Sie wandte sich zum Gehen. „Leb wohl, Felix.“

„Nein!“, schrie Felix. „So habe ich das doch nicht gemeint!“ Er sprang auf und versuchte nach seiner Schwester zu greifen, aber seine Hand fasste ins Leere. Er starrte sie an und sie erwiderte seinen Blick. Ein letztes trauriges Lächeln, das langsam verblasste, bis sie gänzlich verschwunden war. Er blieb zurück. Allein. Einsam. Verlassen.

Schwer atmend fuhr Felix aus seinem Schlaf hoch. Er brauchte ein, zwei Sekunden um sich zu orientieren, nur um dann festzustellen, dass er sich immer noch im Dimensionshexenhaus befand. Während sein Herz nach wie vor laut in seiner Brust pochte, wanderte sein Blick durch den nur durch das träge Licht der Dämmerung erhellten Raum, bis er endlich seine Jacke gefunden hatte. Er zerrte sie zu sich heran, tastete sie kurz ab und zog schließlich sein Handy daraus hervor. Dann zögerte er. Langsam strichen seine Finger über den langen Riss, der das Display verunzierte. Vier Nachrichten hatte er erhalten, eine schmerzhafter als die anderen. So schmerzhaft, dass sogar seine Träume ihm keinen Schutz vor ihnen bieten konnten. Als er sie bekommen hatte, war er seiner Heimat so nah gewesen, wie es nur möglich sein konnte. Aber als er sie endlich zur Kenntnis nahm, existierte diese Nähe schon nicht mehr.

Er drückte ein paar Tasten, um die erste der vier Nachrichten aufzurufen. Nicole. Er stierte lange auf ihre SMS, ohne sie wirklich zu lesen, ehe er die nächste von seiner Mutter aufrief. Danach folgte Florians und zu guter Letzt, die bitterste von allen, die seines Vaters. Er starrte einige Sekunden wie blind auf die Worte, dann ließ er langsam seinen Kopf gegen das Display sinken. Sie waren im Streit auseinander gegangen. Ein unsinniger, dummer Disput in Anbetracht der Tatsache, dass er ihn vielleicht nie wiedersehen würde. Die Angst, womöglich für immer in dieser Welt festzusitzen, begann bereits wie eine heimtückische Krankheit in ihm hinaufzukriechen, bevor es ihm gelang sich zur Raison zu rufen. Er atmete tief ein und aus. Nur weil sich die Dimensionshexe außerhalb seiner Reichweite befand, musste dieses noch lange nicht das Ende seiner Hoffnung bedeuten. Denn – auch wenn es länger dauern würde, als es in seinen Augen wünschenswert wäre – gab es immerhin noch Artemis und ihr Versprechen. Langsam nahm er den Kopf von seinem Handy. Er betrachtete es einen Augenblick lang an, ehe er es wieder in seine Jackentasche gleiten ließ.

Noch eine ganze Weile strich Felix‘ Finger gedankenverloren über das Gehäuse, bis die ersten Sonnenstrahlen, die sich durch die Fenster in den Raum schlichen, ihn aus seiner Lethargie rissen. Ungeschickt rappelte er sich auf seine Beine und streckte seine verkrampften Glieder, ehe er sich vorsichtig seinen Weg durch die auf den Boden verteilten, schlafenden Menschen bahnte. Sein Blick blieb einen kurzen Augenblick lang an Odine haften, die aufgrund ihrer Verletzung das Sofa zugestanden bekommen hatte, bevor er den Raum verließ und auf die Veranda hinaustrat. Der Sturm hatte sich in der Nacht gelegt, allerdings nicht, ohne zuvor noch seine Visitenkarte zu hinterlassen. Überall auf der Lichtung lagen abgebrochene Äste, deren grünen Blätter bereits fleißig von den Rentieren angeknabbert wurden.

Felix verharrte kurz und schirmte das Gesicht ab, als die Sonne ihn blendete. Dann näherte er sich zögernd Artemis und Esra, um deren Laune es augenscheinlich nicht gerade zum besten stand. „ … Briseis wird über die Verzögerung nicht gerade begeistert sein, und du hast versprochen uns heute Morgen zum Waldrufer zu bringen!“

„Ja, ich habe es dir versprochen, und? Dein einer Partner ist gerade erst aufgestanden, der andere schläft noch. Warum also die Eile?“ erwiderte Artemis, während sie interessiert den Dreck unter ihren Fingernägeln musterte.

Esra schaute Artemis einen Augenblick lang durch ihre zusammengekniffenen Augen an, ehe sie sich abrupt in Richtung Türöffnung wandte. „Heros!“ Ihre Stimme klang so laut und unerbittlich, dass selbst die Rentiere von ihrem Frühstück abließen und sie überrascht musterten. „Heros! Steh endlich auf, du alter Faulpelz. Heros!“

Felix hörte hinter sich ein leises verschlafendes Gemurmel, während Artemis unvermittelt in lautes Gelächter ausbrach. „Also wenn schon wecken, dann wenigstens richtig.“ Mit diesen Worten kratzte sie mit einem ihrer dreckigen Fußnägel über den Boden der Veranda – fast so, als würde sie ihn kitzeln – und der Stein antwortete mit einem leichten Beben. „Alle Mann aufgestanden!“, brüllte sie, bevor sie einmal mehr ein übermütiges Lachen ausstieß.

Aus dem Raum hinter sich konnte Felix heisere Flüche und Gemurmel vernehmen, gefolgt von den leisen, scharrenden Bewegungen gerade aus dem Schlaf gerissener Menschen.

Artemis brachte das Hexenhaus einmal mehr zum Beben, gerade als die ersten beiden Rentierreiter aus dem Haus stolperten. „Ah Hesione, Tithonos, schön, dass ihr auch schon wach seid. Besorgt Bier und irgendwas zum Essen! Riesenbaumkäfer, wären nicht schlecht, die knacken immer so schön ...“

Sofern Felix jemals auch nur den leisesten Ansatz von Hunger verspürt hatte, verlor er ihn von einer Sekunde zur nächsten. Das Riesenkaninchenfleisch gestern Abend war zwar zäh und ledern gewesen, aber es hatte immerhin noch nach Kaninchen geschmeckt. Baumkäfer hingegen … Ein leichtes Schaudern durchlief Felix‘ Körper.

„Wie oft muss ich dir eigentlich noch sagen, dass wir keine Zeit haben“, griff Esra einmal mehr ihr Lieblingsthema auf. „Briseis muss so bald wie möglich erfahren, was hier vorgefallen ist! Und wenn du nicht vorhast uns zum Waldrufer zu bringen, sag es einfach. Dann werde ich mir nämlich die Elche nehmen und reiten.“

„Du vergisst da allerdings eine entscheidende Sache“, erklang unvermittelt eine Stimme hinter Felix. Als er sich umwandte, sah er sich Erik gegenüber, der mit der beneidenswerten Eigenschaft ausgestattet zu sein schien, selbst nach nur einer Nacht mit einem perfekten Drei-Tage-Bart aufwarten zu können.

Esra stemmte die Hände in die Hüfte und streckte angriffslustig ihr Kinn in die Höhe. „Ach, wirklich. Die da wäre?“

„Die Elche gehören mir!“, entgegnete Erik selbstzufrieden und trat nun direkt neben Felix.

Esra lachte. Ein kurzes, unfreundliches Lachen. „Und wann genau hast du die Elche in deinen Besitz genommen? Bevor oder nachdem du im Kampf versagt und in ein Erdloch geplumpst bist? Wobei Kampf ja eigentlich impliziert, dass du gekämpft hast und nicht einfach nur nutzlos warst.“

Eriks Augen blitzten wütend auf, doch dann lehnte er sich, die Arme vor der Brust verschränkt, zurück: „Nach dem Kampf. Um genau zu sein, als ich Artemis eine Wagenladung Ugli-Schnaps im Tausch für die beide Elche angeboten habe. “

Esra wandte sich mit sichtlich entnervter Miene an die Herrin vom Käfig: „Du weißt schon, dass die Elche gemäß Kriegsrecht den am Kampf Beteiligten gehören, und wie viel diese theodorischen Wildfänge wert sind, oder?“

Artemis zuckte lediglich mit den Schultern: „Was interessieren mich Elche. Ich selbst bin eine Erdmimage und besitze einen Flitzer - und was meine Leute angeht, die sind ohnehin andauernd betrunken, und der Sturz von einem Rentier ist weit weniger tief als von einem Elch.“

„Einem theodorischen Wildfang“, entgegnete Esra spitz.

„Was ist mit den theodorischen Wildfängen?“ erkundigte sich Heros gähnend, während er sich - sich wohlig streckend - zu Erik und Felix gesellte.

„Artemis hat sie für einen Wagen Ugli-Schnaps an Erik von den Fällen verscherbelt.“

Heros schien den aggressiven Unterton in Esras Stimme überhört zu haben, da er sich, sich einmal mehr streckend, an Erik wandte: „Willst du die zur Zucht verwenden oder fürs Elchrennen ausbild...“

„Sag mal, Heros, legst du es eigentlich bewusst darauf an mich zu ärgern oder bist du wirklich so dumm? Nachdem ich an dem Kampf gegen Sophos und Hubertus mit teilgenommen habe, gehört mir mindestens ein Drittel des erbeutenden Gutes.“

„Sein wir doch mal ehrlich, Süße. Ich habe deine Unterstützung nicht gewollt, dir dieses auch klar und deutlich mitgeteilt und ich kann mich ehrlich gesagt nicht daran erinnern, dass du auch nur irgendwie am Kampf teilgenommen hast. Odine und ich haben gekämpft, du warst einfach nur … da. Wenn ich jemandem vom Eisernen Rücken überhaupt etwas schulde, dann ist es Artemis, weil sich mich aus diesem Dreckloch befreit hat.“ Erik sah aus, als würde er Esra jeden Augenblick vor die Füße spucken.

„Lass es gut sein, Erik.“

Eriks Augen zuckten unwillkürlich zu Odine, die mitten im Türrahmen hinter ihnen stand. Sein Blick wurde unwillkürlich weich, ob ihrer linkischen Versuche, sich mit den verbundenen Händen das Haar zu bürsten. „Wie geht es deinen Händen?“

„Ach, ist schon in Ordnung. Ich hoffe, es bleiben keine Narben zurück, das würde meine Hände so uneben machen“, erwiderte sie, während sie nachdenklich ihren Verband betrachtete.

„Lass mich noch mal danach sehen und schauen, was ich machen kann. Sollten wirklich Narben verbleiben, rede ich mich Opa.“ Er legte Odine den Arm um die Schultern und wollte sie ins Haus führen, als diese sich zu ihm hinüberbeugte, um ihm etwas ins Ohr zu flüstern. Erik schien sich unvermittelt zu versteifen, wandte sich dann jedoch einmal mehr zu Esra um. „Hier, für dich, du scheinst es ja nötig zu haben.“ Er warf ihr einen kleinen klimpernden Lederbeutel zu, ehe er sich, seine Missionspartnerin an der Seite, ins Haus zurückzog.

Heros streckte sich einmal: „Da das nun geklärt wäre … Wie wär’s mit Frühstück?“

Esra sah aus, als würde sie ihm jeden Augenblick ihre gerade erbeutete Geldkatze um die Ohren schlagen, besann sich dann jedoch eines besseren: „Wir haben keine Zeit! Briseis …“

Artemis, die den kleinen Disput dazu genutzt hatte, einen Schluck aus ihrem Flachmann zu nehmen, warf entnervt den Kopf in den Nacken. „Ja, ja. Schon verstanden, Briseis wartet auf euch und ihr habt keine Minute mehr zu verlieren. Bla. Bla. Bla.“ Sie stieß sich von der Verandasäule ab und ging mit langen Schritten in Richtung ihres Flitzers. Auf halbem Wege drehte sie sich zu ihnen um: „Na wo bleibt ihr denn? Ich habe nicht den ganzen Morgen Zeit.“

---

Zum ersten Mal, seitdem er in dieser fremden Welt gelandet war, hatte Felix Spaß. Richtigen Spaß. Der Wind zerrte an seiner Jacke, Äste und Baumstümpfe rasten förmlich an ihm vorbei und bei jeder Kurve musste er sich festhalten, um nicht von Artemis‘ Flitzer geschleudert zu werden. Das Adrenalin sauste ihm seinem Blut gleich durch den Körper, während sein Herz versuchte mit dem Tempo des Gefährts Schritt zu halten. Das alles wurde gekrönt von Artemis‘ herzhaftem Lachen, welches um so lauter ertönte, je enger sie eine Kurve nahm und je knapper sie einem im Wege liegenden Ast auswich. Felix hätte ewig so weiterfahren mögen, doch wie alles Schöne im Leben fand auch der Ritt auf dem Flitzer ein jähes Ende, als sie den Waldrand erreichten.

„Warum kannst du uns nicht weiterfliegen?“, fragte Felix, während er Esra dabei beobachtete, wie sie, eine Hand über den Mund gelegt und sich mit der anderen den Bauch haltend, vom Flitzer kletterte. Auch wenn er es nicht wirklich eilig hatte nach Brise zurückzukehren, zog er das Reisen per Flitzer dem Reisen zu Fuß und in einer ruckelnden Rentierkutsche bei Weitem vor.

„Ich darf den Wald nicht verlassen. Anweisung von der Alten“, entgegnete Artemis und wischte sich mit ihrem Arm den Schweiß von der Stirn, ehe sie ihren Flachmann aus der Tasche hervorzog.

Felix wollte darauf etwas erwidern, sich empören, allerdings fielen ihm keine passenden Worte ein. Letztendlich konnte er sie nur schweigend dabei beobachten, wie sie einen großen Schluck nahm und dann den Flaschenhals senkrecht nach unten drehte, als wollte sie der Erde zu ihren Füßen auch etwas davon abgeben. Allerdings war die Flasche bereits leer.

„Verdammt.“ Artemis schüttelte ihre Flasche einmal mehr. Erfolglos. Ihr Blick löste sich von ihrem Flachmann und traf unwillkürlich Felix‘. „Sei so gut und sag Aliolos, er möge mir nochmal eine Ladung Schnaps und Bier zum Käfig schicken. Zwei Wagen sollten genügen.“

Felix zögerte einen Augenblick. Er war keineswegs so naiv zu glauben, dass Artemis‘ Alkoholkonsum nicht bei Weitem das übertraf, was ein Mensch guten Gewissens zu sich nehmen konnte. Aber er war auch nicht so dumm zu glauben, dass irgendetwas, was er sagen könnte, sie von ihrem übermäßigen Alkoholkonsum abbringen würde. Er nickte langsam.

„Gut, gut.“ Artemis klopfte ihm kräftig auf die Schulter. „Ich melde mich dann bei dir, sobald ich meine dritte Stufe erreicht habe. Lass dich nicht von der Alten unterkriegen.“ Sie wartete gerade noch so lange, bis auch er und Heros den Flitzer verlassen hatten, ehe sie ihr Gefährt in die Lüfte zog und wieder im Wald verschwand.

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Plumbum« (29. April 2012, 18:22)


Plumbum

Animagus

  • »Plumbum« ist weiblich
  • »Plumbum« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 820

Haus: keine Angabe

Beruf: Chemikerin

  • Nachricht senden

67

Donnerstag, 26. April 2012, 21:45

Kapitel 12: Erwachen

Teil 2



Kaum dass sie außer Sichtweite war, trieb Esra ihn und Heros einmal mehr zur Eile an. Der Weg zum Waldrufer war von Pfützen und Rinnsalen durchzogen und so matschig, dass Felix‘ Turnschuhe innerhalb kürzester Zeit so durchnässt waren, dass sie bei jedem Schritt ein protestierendes Schmatzen von sich gaben. Esra, die ob Artemis‘ Fahrweise noch schlechter gelaunt zu sein schien als im Normalzustand, warf ihm von Zeit zu Zeit einen genervten Seitenblick zu, sagte jedoch nichts. Eine ganze Zeit lang gingen sie schweigend nebeneinander her. Schließlich war es Heros, der die anhaltende Stille brach: „Wir hätten uns ein paar von Mathildas Marschbroten mitnehmen sollen, ihr wisst schon, die, von denen dieser Spion aus der großen Ebene erzählt hat.“

„Sein Name war Niall.“

„Und ihn als Spion zu bezeichnen, ist eine Beleidigung für alle richtigen Spione“, ergänzte Esra Felix.

„Warum? Nur weil er von Sophos und Hubertus gefangen genommen wurde?“, entgegnete Felix schlichtweg genervt von Esras permanenten Versuchen alles und jeden schlecht zu machen.

„Es geht nicht darum‚ dass er gefangenen genommen worden ist, sondern um das ‚Wie‘“, gab Esra streitlustig zurück. „Seien wir doch mal ehrlich, was für ein Vollidiot muss man sein, um sich regelmäßig von der Person, die man eigentlich auskundschaften soll, verköstigen zu lassen?“

„Mathilda wusste doch sowieso, dass die Spione da waren und es schien ihr ja auch nichts auszumachen, sonst hätte sie ihnen niemals was zu essen hingestellt.“

„Das Ganze erinnert mich stark an das Füttern streunender Katzen. Und dieser fette Niall war der verfressenste Kater von allen. Kein Wunder, dass Sophos ihn zuerst mit einem gut gefüllten Teller anlocken und dann festsetzen konnte.“

Felix spürte wie die Ader an seinem Hals zu pochen begann. Er war selbst immer relativ klein für sein Alter gewesen und daher das Opfer von Sticheleien geworden, ebenso wie der freundliche Niall, der nun aufgrund seines Bauchumfangs zur Zielscheibe für Esras Bösartigkeiten wurde. „Er war nicht der einzige, der darauf hereingefallen ist!“

„Nein, aber er war derjenige, der am lautesten von allen rumgeplärrt hat: Oh meine Geliebte Mathilda, du Göttin aller Marschbrotzubereiterinnen. Warum habe ich dir nur nie gesagt, dass ich dich liebe.“

Felix dachte an Nicole und irgendeine Sicherung schien in seinem Kopf durchzubrennen. „Was weißt du schon von Liebe, Esra? Ich wette, du hast noch nie geliebt, so kalt und gehässig wie du bist. Die Jungs oder Mädchen – je nachdem was du vorziehst - haben ja wenigstens noch eine Chance dich links liegen zu lassen, aber deine Eltern können einem nur Leid tun.“

„Felix!“ warf Heros mit gequälter Stimme ein, als Esra bereits kälter als jemals zuvor erwiderte: „Du brauchst dir keinen Sorgen um meine Eltern zu machen. Zu deiner Beruhigung, meinen Vater habe ich nie kennengelernt und meine Mutter hat an meinem siebten Geburtstag beschlossen, lieber dem Mann ihrer Träume in Die Bucht zu folgen als bei mir zu bleiben. Sie ist eine Landesverräterin. Wie auch immer, wenn du glaubst, du kannst mich mit deinen Worten beleidigen, dann irrst du dich. Liebe bedeutet mir nichts! Denn wo die Liebe wohnt, ist für den gesunden Menschenverstand kein Platz mehr. Ich bin kein netter Mensch, Felix, und ich strebe auch nicht danach geliebt zu werden. Das einzige, was ich möchte, ist meinem Land zu dienen. Dem Land, das für mich da war, als meine Mutter der Liebe hinterhergerannt ist. Also erwarte kein verlogenes Verständnis von mir oder geheucheltes Mitgefühl, ich habe es nicht nötig Dummheit zu beschönigen, nur um mich bei anderen beliebt zu machen.“


Felix fröstelte unwillkürlich. Sein Blick suchte Heros‘, welcher ihm mit einem kurzem Kopfschütteln suggerierte, nicht weiter auf das Thema einzugehen.

Felix biss sich unwillkürlich auf die Unterlippe. Zu gerne hätte er das, was er soeben gesagt hatte, wieder zurückgenommen oder wenigstens in Ordnung gebracht. Doch gerade, als er seinen Mund öffnen wollte, durchfuhr ein lauter Schrei die Luft. Alarmiert blickte er sich um und sah direkt vor sich einen kleinen Schatten, der sich zügig auf ihn zu bewegte. Erst beim zweiten Hinsehen erkannte er, dass der Schatten Maia war und der Schrei nichts anderes als ein Willkommensgruß.

„Ihr habt ihn also gefunden. Mensch, Felix, du hast mir wirklich Angst eingejagt, als du so mir nichts dir nichts verschwunden bist. Ich habe schon gedacht, dir sei wer-weiß-was passiert und …“, begann sie, kaum dass sie die Gruppe erreicht hatte.

„Maia, bitte, ich habe Kopfschmerzen“, unterbrach Esra den Wortschwall ihrer Partnerin. „Sag einfach nur das Wichtigste. Hast du irgendjemandem von Felix‘ Flucht erzählt?“

„Natürlich nicht. Ich habe mich, wie besprochen, eine Zeit lang in den Schankraum gesetzt und getan, als ob alles normal wäre. Danach habe mich in mein Zimmer zurückgezogen und bin dann die Strecke zum nächsten Rufer zurückgelaufen, um zu gucken, ob Felix in die Richtung gegangen ist.“ Maia wandte sich abrupt Heros zu: „Und jetzt rate mal, wen ich unten im Stall bei den Rentiergespannen gesehen habe, als ich aus dem Fenster geklettert bin. Ach was, das errätst du ja ohnehin nie. Erik von den Fällen!“

„Komisch. Meine Kopfschmerzen werden von Minute zu Minute schlimmer“, warf Esra trocken ein, bevor sie an ihre Partnerin gewandt fragte: „Und du bist dir sicher, dass wirklich niemand wegen unserer Abwesenheit Verdacht geschöpft hat?“

„Die Wirtsfrau hat zwar etwas skeptisch geguckt, als ich ihr gesagt habe, dass ich unser Essen mit auf das Zimmer nehmen möchte. Aber als ich ihr erklärt habe, dass du und Felix momentan in Streit lägen und schmollen würden, schien sie sich an eure ständigen Dispute zu erinnern und hat keine weiteren Fragen mehr gestellt. Von Briseis kamen auch keine weiteren Befehle und wenn, dann sind sie nicht angekommen, weil die Rufer aufgrund des Sturms nur noch im Notfalldienst gearbeitet haben.“ Maia entblößte beim Grinsen eine Reihe spitzer Zähne. „Von daher sollte die Herrin nichts von unserem kleinen Problem mitbekommen haben.“

Esra schnaubte trocken, während Heros ein auffälliges Interesse an seinen Schuhspitzen zu entwickeln schien. Felix konnte gar nicht sagen, inwiefern er etwas Verdächtiges getan haben mochte, um Maia misstrauisch werden zu lassen. Aber als ihre Augen von Esra zu Heros und schließlich auch ihm selbst wanderten und sie daraufhin fragend die Stirn in Falten zog, wusste er, dass es so gewesen sein musste.

„Sie wird davon etwas mitbekommen, da wir ihr nie und nimmer Sophos‘ Auftauchen im Eisernen Rücken, die Entführung der Dimensionshexe und Dylanas neuen Drittstufler verschweigen können und dürfen“, erwiderte Esra schließlich gepresst.

Maia schaute sie einen Augenblick ungläubig an, dann schoss ein Schwall an Fragen aus ihrem Mund. Es dauerte bis zum Waldrufer, um ihr alle nötigen Antworten zu geben und selbst als sie einmal mehr auf Briseis‘ Geheiß hin in einer Rentierkutsche in Richtung Brise fuhren, schien ihre Neugierde noch lange nicht erschöpft zu sein. Ganz anders war hingegen Briseis‘ Art und Weise Informationen aus ihnen herauszubekommen. Jeder einzelne in ihrer Vierergruppe musste sich ihr gegenüber alleine verantworten. Zuerst Esra, als Missionsführerin, dann Maia, Heros und zum Schluss auch Felix selbst. Aber die Herrin vom Eisernen Rücken stellte keine Fragen. Sie blickte ihn einfach nur mit ihren kalten Augen an, stierte auf seine Stirn, wie sie es zuvor schon einmal getan hatte, und wühlte dabei in seinem Kopf wie in einem Papierkorb, riss hier und dort ein Stück daraus hervor, betrachte es kurz, ehe sie es wie Müll zurückwarf. Felix merkte, dass er schwitzte, spürte, wie seine Hände sich während ihrer Untersuchung endlos aneinander rieben, bis Briseis sich schließlich in ihrem Stuhl zurücklehnte. Sie schien eine ganze Weile lang zu überlegen, bevor sie nachdenklich zu sprechen begann: „In meiner Welt ist es so, dass jedes Kind mit dreizehn Jahren, wenn es die Schwelle zum Erwachsenensein überschreitet, ein Geschenk bekommt. Aber wie bei eigentlich allen andere Dingen auch, ist diese Gabe mit gewissen Pflichten verbunden. Es ist ein Geben und ein Nehmen.“

Felix blickte sie verwirrt an.

„Du bist sechzehn, Felix, und somit erwachsen genug, um für deinen eigenen Lebensunterhalt aufzukommen und für dich selbst zu sorgen.“

„Was verdammt noch mal …“ begann er, als Briseis ihn mit ruhigem Tonfall unterbrach. „Ich schenke dir am morgigen Tag die Gabe der Magie und nehme mir gleichermaßen das Recht, deine Fähigkeiten auf Missionen einzusetzen, die ich dir ungefähr ein bis zweimal im Quintal geben werde. Natürlich wirst du angemessen dafür bezahlt werden.“

„Was für Missionen? Ich bin dein Gast! Du hast versprochen mich zurück nach Hause zu schicken!“

Briseis blickte ihn ernst an. „Der Wind hat sich gedreht, Felix. Glaube mir, ich hatte gehofft, dich möglichst zeitnah zurück in deine Welt zu schicken. Aber mit Mathilda besiegt und keinen Zugriff auf diesen Hubertus ist es mir einfach nicht möglich, dich wieder nach Hause zu bringen.“

„Es wird doch sicherlich noch irgendjemand anderes geben, der mich zurückschicken kann. Irgendjemanden!“

Sie lächelte nachsichtig. „Du unterschätzt die Seltenheit von uns Drittstuflern. Mir persönlich sind nur acht Drittstufler bekannt. Mich eingeschlossen. Acht bei über zehn Millionen Magiern. Und unter diesen acht finden sich nur zwei Erdmimage.“

„Mathilda und Hubertus“, flüsterte Felix.

„Mathilda und Hubertus“, wiederholte Briseis. „Die eine ist in den Händen unserer Feinde und so gut wie tot und der andere ist selbst einer unserer Gegner.“

Felix stieß tief seinen Atem aus, ehe er die Herrin vom Eisernen Rücken fixierte. „Dann befreie sie. Befrei‘ Mathilda und besiege deine Feinde!“

Briseis erwiderte seinen fordernden Blick vollkommen regungslos. „Dylana hat vier Länder, vier Armeen und zwei Drittstufler. Ich habe ein Land, eine Armee, einen Drittstufler und wenn ich sie angreife, noch nicht mal mehr meinen Standortvorteil. Was meinst du wohl, wer von uns beiden gewinnen würde?“

Trotzig hob Felix das Kinn. „Du könntest es zumindest versuchen.“

„Warum sollte ich das tun? Warum sollte ich das Leben von einer Million meiner Leute riskieren und opfern, nur um einen kleinen Anderweltler zufriedenzustellen?“ Sie blickte Felix so lange an, bis er schlussendlich die Augen niederschlug. „Akzeptiere, dass du hier bleiben wirst. Akzeptiere es und ich verspreche dir, dass es leichter für dich werden wird.“ Ihre Stimme war sanft und doch ohne wirkliches Mitgefühl.

„Leichter?“ Ein zittriges, trockenes Lachen entwich Felix‘ Mund. „Leichter …“

„Ich kann dir deine Erinnerung an deine Heimatwelt nehmen, wenn es das einfacher macht. Aber vorher sollte ich dich warnen. Vor allem weitreichende Manipulationen verändern den Menschen, lassen ihn schwächer werden. Dennoch werde ich dir, wenn du willst, die Erinnerung an deine Familie nehmen und …“

„Nein“, erwiderte Felix entschieden. Natürlich war es leichter zu vergessen, aber er wollte es nicht. Seine Familie war ein Teil von ihm, ein Teil, der ihn eben zu dem machte, was er war, was er sein wollte!

Seine Augen suchten einmal mehr Briseis‘. Ihre innere Unnahbarkeit schien fast greifbar zu sein. Artemis hatte anscheinend die Wahrheit gesprochen, als sie sagte, traue niemals einem Windmimage. Briseis hatte gesagt, er würde zurück nach Hause kommen, was eine Lüge war. Sie hatte ihn als ihren Gast bezeichnet, nur um ihn jetzt zu einem ihrer Söldner machen zu wollen. Natürlich könnte er ihr sagen, dass er sich weigerte und ihre „Gabe“ nicht annehmen wollte, aber was würde das ihm bringen? Sie würde ihn so oder so beschenken – notfalls, indem sie seinen Willen nach ihren Wünschen formte. Und ebenso würde sie ihn dazu zwingen auf ihre Missionen zu gehen. Seine einzige Hoffnung bestand darin, lange genug er selbst zu bleiben und auf Artemis und ihr Versprechen zu hoffen.

„Dann wäre das also erledigt“, sagte Briseis unvermittelt. „Du akzeptierst, dass wir dich morgen beschenken.“

„Ja“, erwiderte Felix und versteifte sich instinktiv, als ihm bewusst wurde, dass sie einmal mehr seine Gedanken gelesen hatte.

„Gut.“ Briseis nahm wieder ihr Strickzeug auf. Ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass er gehen konnte.

Er hatte sich der Falltür bereits bis auf wenige Schritte genähert, als ein Gedanke durch seinen Kopf strich, der unmöglich sein eigener sein konnte: ‚Sage mir, Felix, wie soll jemand fliegen können, wenn er das Gleichgewicht nicht halten kann? Wie soll er Sprünge im Raum-Zeit-Kontinuum erkennen, wo doch seine Augen aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums nur noch verschwommen sehen können?“

Felix fuhr herum und starrte die alte Frau an, die nach wie vor über ihr Strickzeug gebeugt dasaß. Er schüttelt den Kopf und wollte sich gerade umdrehen, als sie leise sagte: „Sich selbst zu belügen, ist die schlimmste Art der Lüge. Denn wie soll man ehrlich zu anderen sein, wenn man nicht ehrlich zu sich selbst ist. Du wirst vermutlich niemals in deine Welt zurückkehren, Felix. Gewöhne dich besser daran.“

---

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Plumbum« (29. April 2012, 18:23)


Plumbum

Animagus

  • »Plumbum« ist weiblich
  • »Plumbum« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 820

Haus: keine Angabe

Beruf: Chemikerin

  • Nachricht senden

68

Donnerstag, 26. April 2012, 21:46

Kapitel 12: Erwachen

Teil 3



Wecktag, so und nicht anders nannten die Eisernen den Tag, an dem bei ihren dreizehnjährigen, gänzlich unmagischen Kindern die magischen Fähigkeiten geweckt wurden - und wenn er Heros‘ Vater Glauben schenken konnte, bangte jeder der Jugendlichen diesem ganz besonderen Geburtstag entgegen, wie die Kinder seiner Welt Weihnachten. Vielleicht hätte auch Felix sich darauf freuen können, wenn er das Wecken seiner Magie zusammen mit seinen Eltern hätte begehen können und daheim gewesen wäre. Doch er befand sich nicht daheim und die beiden Menschen, die ihn zu der Zeremonie begleiteten, waren Heros und dessen Vater. Phobos hatte sich sichtlich Mühe gegeben ihn in das Prozedere des Weckens einzuweihen, aber Felix war viel zu wütend gewesen, um diesem sonderlich Beachtung zu schenken. Und allein der Gedanke, Briseis heute erneut gegenüber zu treten, machte ihn nur noch wütender.

Doch entgegen Felix‘ Erwartungen fand das Wecken nicht hoch oben auf Briseis‘ dunklem Turm statt, sondern in einem kleinen Wäldchen, das sich östlich neben der schwarzen Zinne befand. Phobos sprach kurz mit zwei der Wachen, die rund um den Forst stationiert waren. Danach folgten sie schweigend dem langen, von blühenden Apfelbäumen gesäumten Weg, der in die Mitte des Wäldchens führte. Schon von Weitem hörte er aufgeregtes Kindergeschnatter und die wesentlich dunkleren, beruhigenden Stimmen der Älteren. Als er näher kam, entdeckte er an die vierzig Kinder und ungefähr doppelt so viele Erwachsene, die sich unter einem riesigen, alten Baum zusammengefunden hatten. Zumindest glaubte er, dass es sich um einen Baum handelte. Denn sein Stamm war rot wie Blut, seine Blätter so schwarz wie der saftigste Mutterboden und seine Früchte, so weiß, dass sie beinahe schon durchsichtig wirkten.

„Was ist das für ein Baum?“ flüsterte Felix leise, obwohl er sich fest vorgenommen hatte, sich von nichts, was heute passieren würde, beeindrucken zu lassen.

„Das ist der Baum der Erkenntnis, der ewig blühende, ewig tragende, nicht durch Menschen- oder Magierhand zu zerstörende Mutterbaum unseres Landes“, erklärte Phobos ihm lächelnd. „Seine Äpfel enthalten pures Wissen und erwecken die Magie, die tief in jedem von uns schlummert.“

Felix‘ Blick wanderte einmal mehr an dem Baum empor. „Also ist alles, was ich machen muss, einen Apfel zu essen?“

Phobos musterte ihn einen Augenblick, dann lächelte er erneut. „Genau, alles, was du tun musst, ist in deine Frucht zu beißen. Alles andere passiert von selbst.“

Felix nickte nachdenklich und ließ seinen Blick über die Kinder wandern. Sie erschienen ihm zu jung und zu klein, um schon als erwachsen zu gelten und doch war es genau das, was das Wecken für sie bedeuten würde.

„Alle Wecklinge kommen bitte zu mir, alle Eltern und Verwandte begeben sich bitte auf den Rasen linker und rechter Hand des Weges“, erklang unvermittelt die laute Stimme einer Frau, deren Haar aus tausenden kleiner Blätter zu bestehen schien.

Felix spürte, wie ihm das Blut in die Beine sackte. Unfähig sich zu rühren stand er da. Vermutlich hätte er bis in alle Ewigkeit dort verharrt, wenn sich nicht zwei warme Hände auf seine Schultern gelegt hätten. „Ich wünsche dir eine möglichst einseitige Begabung, große Macht und ebensolches Talent. Und jetzt geh‘, Felix“, verabschiedete ihn Phobos mit feierlicher Stimme.

„Reinheit, Macht, Talent“, sagte auch Heros und hielt ihm beide gedrückte Daumen unter die Nase.

Felix nickte nur abwesend und bahnte sich dann langsam seinen Weg durch die Menschenmenge. Überall sah er, wie Väter ihren Söhnen die Hände auf die Schulter legten und ihnen eine einseitige Begabung, Macht und Talent wünschten und wie Mütter ihre Töchter umarmten und dasselbe sagten. Reinheit. Macht. Talent. Die Worte kreisten wieder und wieder in seinem Kopf, selbst dann noch, als er der Frau mit dem Blatthaar seinen Namen nannte und sich von ihr einen Platz in den Reihen der anderen Jugendlichen zuweisen ließ. Er war zwar der Älteste von ihnen, fiel jedoch aufgrund seiner geringen Körpergröße nicht weiter auf.

Reinheit, Macht, Talent. Macht war klar, ebenso Talent. Aber warum Reinheit? Sollte es nicht besser sein, eine möglichst vielseitige Begabung zu haben und nicht nur eine einzige? Oder teilte sich die erhaltene Macht auf die verschiedenen Elemente auf, so dass man nur mit einer Magieaffinität auf genau einem Gebiet wirklich mächtig werden und seine zweite und dritte Stufe erreichen konnte? In Anbetracht der Reinheitswünsche schien ihm diese Antwort die wahrscheinlichste zu sein. Wirklich sicher sein konnte er indes nur, wenn er sich bei einem der Kinder danach erkundigte. Felix schüttelte innerlich den Kopf. Natürlich könnte er sie fragen, aber er würde sich schlichtweg lächerlich vorkommen, wenn er sich von einem Dreizehnjährigen etwas erklären lassen müsste, was hier als Allgemeinwissen galt.

Es dauerte eine ganze Zeit lang, bis jeder seinen vorgesehenen Platz eingenommen hatte und selbst danach gelang es den Bälgern nicht stillzustehen. Es wurde geschubst und gedrängelt, da vor allem die Hinteren nur zu gerne sehen wollte, was sich unter dem Erkenntnisbaum abspielte. Felix, der links außen in der dritten Reihe stand, konnte derweil nicht wirklich verstehen, woher die Aufregung der Hinteren rührte. Bislang stand nur die Blatthaarfrau unter dem Baum und blätterte nachdenklich in ihren Notizen. Doch schließlich richtete sie sich auf. „Liebe Wecklinge, verehrte Anverwandte, ich möchte euch im Namen unser aller Herrin Briseis vom Eisernen Rücken, Landesoberhaupt des Eisernen Rückens, Stadtführerin von Brise und Herrin über Gedanken und Gefühle ganz herzlich zu unserem heutigen Wecktag“, sie nickte in Richtung der Wecklinge, „begrüßen. Ich bin Eileithyia, die heutige Zeremonienmeisterin, und bitte euch nun zusammen mit mir die Weckgarde willkommen zu heißen.“

Sie hob den linken Arm und keine Sekunde später erfüllte der tiefe, wohltönende Klang von fünf Hörnern die Luft um sie herum. Als Felix den Kopf in den Nacken legte, glaubte er oben auf den Zinnen von Briseis‘ Turm fünf Menschen zu erkennen.

„Das sind die Hörner, die die Schläfer wecken sollen“, flüsterte ein Mädchen zu seiner Rechten, woraufhin der Junge neben ihr lediglich „Klugscheißerin“ erwiderte. Kurz darauf ging ein weiteres Raunen durch die Gruppe, allerdings konnte Felix selbst den Grund dafür erst erkennen, als dieser bereits direkt unter dem Apfelbaum stand. Es handelte sich um eine Prozession von Menschen, die von zwei Männern angeführt wurde, von denen der ältere zweifelsohne Briseis‘ Sekretär war, während der jüngere Felix gänzlich unbekannt vorkam. Ihnen folgten in Zweierreihen zehn weitere Personen, von denen jeder ein Tablett mit einem großen roten Kelch und einer Karaffe vor sich her trug. Am Baum angekommen stellten sie sich direkt gegenüber den Wecklingen auf und verharrten dort stillschweigend, lauschten dem harmonischen Klang der Hörner, bis dieser schlussendlich erstarb. Felix hörte das Rascheln von Kleidern, als sich die Erwachsenen auf den Rasen vor dem Baum niederließen und blickte sich unsicher in seiner Gruppe um. Als diese keine Anstalten machten sich zu setzen, blieb auch er stehen.

Einmal mehr trat Eileithyia nach vorne. „In Abwesenheit unserer Herrin Briseis, die leider verhindert ist, übernimmt General Herakles Wellenbrecher, Oberheiler der Stadt Brise, den Vorsitz des heutigen Weckens. Meister Hektor …“

Der Rest der Worte ging im lauten Gemurmel der Anwesenden unten. Das Mädchen neben ihm erklärte dem Jungen zu ihrer Rechten, dass etwas Furchtbares geschehen sein musste, wenn die Herrin nicht einmal mehr die Zeit fand, die Treueschwüre ihrer Untertanen selbst entgegenzunehmen. Und ein Junge in der ersten Reihe kämpfte sogar mit den Tränen, weil er sich so darauf gefreut hatte, die „großen Herrin“ einmal mit eigenen Augen zu sehen. Was für ein naives Kind er doch war. Wenn es nach Felix ginge, so sollte der Knabe froh sein, dass Briseis nicht in seinem Gehirn herumschnüffeln würde, geschweige denn ihn dazu zwang, Dinge zu tun, die er eigentlich nicht tun wollte.

„Ruhe“, rief Eileithyia und dann noch einmal lauter. „Ruhe!“ Nur langsam verstummten die Stimmen um sie herum. Sie wartete kurz und warf dann dem einen oder anderen Weiterredenden einen strafenden Blick zu, bis die vorherige Stille wiederhergestellt war, ehe sie mit lauter Stimme erklärte: „Meister Hektor wird nun, wie es seit jeher Tradition ist, die Erweckungsgeschichte vorlesen. Meister Hektor.“ Sie verbeugte sich vor ihm und trat ein paar Schritte zurück, um dem alten Mann ihren Platz zu überlassen.

Meister Hektor mochte zwar alt und gebrechlich sein, aber seine Stimme war so kräftig und klar wie die eines Jüngeren, als er zu erzählen begann: „Es war einmal, so beginnen die meisten Märchen und Sagen, und so war es auch in unserer Geschichte, dass einmal vor über 16 999 Jahren, im Jahre Null unserer jetzigen Zeitrechnung ein Elternpaar mit Fünflingen gesegnet wurde. Doch die Zeiten damals waren düster und kalt und die Ödnis des Landes um sie herum versprach wenig Hoffnung auf das Überleben ihrer Kinder. Hunger und Verzweiflung galten als das täglich Brot der Damaligen und viel zu viele Menschen fanden ihren Tod lange vor ihrer eigentlichen Zeit. Weder die Mutter noch der Vater wollten ihre geliebten Abkömmlinge den Qualen der Menschheit überlassen, aber je weiter die Zeit voranschritt und je weniger Nahrung sie fanden, umso mutloser wurden sie. Als der Vater von Hunger und Durst ausgezehrt eines Morgens starb und die Mutter zur Mittagsstunde in die Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit des Tages hinausstarrten, fasste sie den Entschluss sich selbst dem Tod zu opfern, im Austausch für das Leben ihrer Kinder. Und so ging sie weinend ob des ewigen Abschieds von ihren Lieben hinaus in den Garten und lehnte sich gegen den schwärzesten der toten Baumstümpfe, so wie der Tod es ihr im Traum befohlen hatte. Die Tränen, die sie vergoss, tränkten das Land mit Wasser, während die brennende Liebe in ihrem Herzen die Kälte um sie herum vertrieb. Dort wo ihre Füße den Boden berührt hatten, wurde aus der Asche nahrhafte Erde, während ihr letzter Atemzug wie ein frischer Frühlingshauch die schwefelige Luft vertrieb. Ihr Körper jedoch, der mit dem Baum verschmolz, färbte dessen Stamm blutrot, auf das jeder Wisse, dass er etwas besonderes unter den anderen Baumstümpfe war.
Die Jahre vergingen und die Kinder wuchsen und gediehen, wie es auch die Pflanzen im Garten um sie herum taten. Einzig und allein der Baumstumpf, an dem sich ihre Mutter dem Tod geopfert hatte, blieb unverändert, bis zu jenem Tag, an dem sie ihren 13. Namenstag begingen.“ An dieser Stelle stockte Meister Hektor und Eileithyia trat vor. In ihrer Hand hielt sie einen fünfbeinigen Stuhl, der die gleiche Farbe wie der Stamm in ihrem Rücken aufwies, und stellte ihn auf die Rasenfläche unter dem Apfelbaum.

Meister Hektor wartete gerade noch so lange, bis sie wieder zurückgetreten war, und fuhr dann fort: „Doch als sie an eben jenem besonderen Tag, den jedes Kind bis heute in feierlichen Ehre begeht, aus dem Haus traten, entdeckten sie, dass der alte, verdorrte Baumstumpf über Nacht zu einem wunderschönen Apfelbaum erblüht war, dessen rote Äste schwer unter ihrer Last zu tragen hatten. Neugierig ob dieser so plötzlichen Veränderung traten sie näher an den Baum heran und als sie direkt unter ihm standen, fielen fünf Äpfel herab, ein jeder in die Hand eines Kindes.“

Dieses Mal trat der Mann vor, der zusammen mit Meister Hektor die Prozession angeführt hatte, und stellte einen mit kleinen, weißen Äpfeln gefüllten Korb neben den Stuhl, ehe auch er sich wieder an seinen ursprünglichen Platz begab.

„Als erste biss Euef in den Apfel und kaum dass sie es getan hatte, spürte sie, wie eine unglaubliche Wärme sie von Kopf bis Fuß erfüllte und sie wusste, dass ihre Macht die des Feuers war und ihre Bestimmung, den Menschen eben jenes zu schenken. Und so umarmte sie ihre Geschwister und machte sich auf den Weg, um den Menschen das Feuer, die Wärme und das Licht zu bringen.“

Als der alte Mann dieses Mal innehielt, trat einer der zehn Kelchträger nach vorne. Er stellte sein Tablett in gut zwei Meter Entfernung vor dem Stuhl ab, nahm die Karaffe und füllte den Kelch mit einer trüben Flüssigkeit, die er sodann anzündete, bevor er sich mit der Karaffe zurückzog.

„Als nächstes biss Assaw in die Frucht und erkannte, dass seine Magie die des Wassers war. Und so verabschiedete auch er sich von seinen Lieben, um in die Welt hinauszugehen und dem Land Wasser und den Menschen Erlösung von Krankheiten und Schmerzen zuteil werden zu lassen.“

Ein weiterer Kelchträger trat nach vorne, stellte sein Tablett ab und füllte den roten Trinkpokal mit Wasser.

„Als drittes biss Dre in sein Geschenk und als er dieses tat, fühlte er die Erdmagie jedes einzelnen Staubkorns zu seinen Füßen und das unermessliche Bedürfnis diese nahrhafte Erde mit allen anderen zu teilen. Und so hob auch er die Hand zum Gruße und begab sich zu den Menschen, um ihnen die Erde, die Zeit und die Veränderung zu bringen.“

Einmal mehr wurde ein Tablett nach vorne getragen und der sich darauf befindende Kelch mit Sand gefühlt.

„Als viertes biss Luf in ihren Apfel und wusste sogleich, dass sie die Herrin des Windes war. Und so flog auch sie los, um den Menschen den Wind, die Sprache und die Wahrheit zu bringen.“

Dieses Mal wurde der Kelch in der Luft geschwenkt, so als wollte sein Träger ihn mit dieser füllen, ehe auch er wieder auf sein Tablett gestellt wurde.

„Als Nero als fünfter und letztes in seinen Apfel biss, spürte er wie sich seine Haut von seinem Körper ablöste und er wusste, dass er in jede andere Hülle schlüpfen konnte, die er wollte. Denn er war ein Gestaltenwandler und sein Macht die des Blutes, und so machte auch er sich auf die Reise, um den Menschen die Brüderlichkeit und den Frieden zu bringen.“

Fast erwartete Felix, dass der nach diesen Worten nach vorne getrage Kelch mit Blut gefüllt werden würde, doch es schien vielmehr eine klare, ölige Flüssigkeit zu sein, die ihren Weg in den letzten Kelch fand. Als sich die Frau mit der Karaffe zurückgezogen hatte, erkannte Felix erstmals, dass die Tabletts und Kelche zu einem Fünfeck angeordnet worden waren, dessen Mittelpunkt der fünfbeinige Stuhl bildete.

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Plumbum« (29. April 2012, 18:25)


Plumbum

Animagus

  • »Plumbum« ist weiblich
  • »Plumbum« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 820

Haus: keine Angabe

Beruf: Chemikerin

  • Nachricht senden

69

Donnerstag, 26. April 2012, 21:47

Kapitel 12: Erwachen

Teil 4



„Als Nero jedoch nach einer langen, beschwerlichen Reise in ein Dorf kam, glaubten ihm die Bewohner des Ortes die Geschichte über den großen Mutterbaum, der sie alle zu Brüdern machen würde, nicht - und so verwandelte er sich in eine Schlange, um sie von der Richtigkeit seiner Worte zu überzeugen. Doch als die Menschen ihn in der Form der riesigen Giftnatter sahen, bekamen sie solche Angst, dass sie mit Knüppeln auf ihn einschlugen. Vermutlich hätten sie den armen Nero zu Tode geprügelt, wenn nicht eine Gruppe Reisender eingegriffen hätte, die die Taten seiner Geschwister mit eigenen Augen gesehen hatten und ob ihrer guten Intentionen wussten. Sie boten ihm an ihn zu Assaw zu geleiten, damit dieser seine Wunden heilen könne, aber Nero bat sie lediglich ihn zurück zum Mutterbaum zu bringen - und die guten Reisenden taten, worum er sie gebeten hatte.
Sie wanderten bei Tag und bei Nacht, bei Regen und bei Sonnenschein, unermüdlich. Doch Neros Verletzungen waren so schlimm, dass er seinen geliebten Mutterbaum nie wieder sehen sollte. Er verstarb einen halben Tagesmarsch von seinem Zuhause entfernt. Die Reisenden jedoch hielten ihr Versprechen, brachten ihn zurück nach Hause und legten ihn auf die Wurzeln des Baums der Erkenntnis, dessen Blätter sich daraufhin vor Trauer schwarz färbten.
Fünf Tage und Nächste lang hielten sie Totenwache und fünf Tage und Nächte lang mussten sie mit ansehen, wie immer wieder Barbaren, die ihnen gefolgt waren, sich an den Baum heranschlichen, um seine Früchte zu stehlen. Die meisten von ihnen vertrieben sie, doch einigen wenigen gelang es, einen der kostbaren Äpfel zu entwenden und mit diesen in die nahe gelegenen silbernen Berge zu fliehen.
Am sechsten Tage kehrten Neros Geschwister heim und ihre Trauer darüber war groß, dass die Menschen den Frieden, den Nero ihnen hatte bringen wollen, nicht angenommen, seine Worte der Brüderlichkeit nicht geglaubt und ihm seine Bemühungen stattdessen mit dem Tode vergolten hatten. Und sie entschieden, dass sie nicht länger Teil einer Welt sein konnten, in der die Hoffnung auf Frieden bereits verstorben war.
Doch bevor sie diese Welt für immer verließen, pflückten sie die zehn schönsten und kräftigsten Äpfel des Baumes und schenkten jedem Reisenden eine dieser Früchte aus Dankbarkeit für ihre geleisteten Dienste. Sie selbst jedoch stellten sich auf die Wurzeln ihres Mutterbaumes und flogen in den Himmel. Als die Barbaren, die nach wie vor in der Nähe gelauert hatten, dieses erspähten, versuchten sie auf den Baum aufzuspringen. Einigen gelang es sogar, doch als Dre dieses sah, wurde er wütend und verbannte sie in eine der anderen Dimensionen, auf dass sie nie wieder auf die Idee kämen, den Baum der Erkenntnis zu bestehlen. Die Reisenden jedoch teilten ihre Äpfel in zwei Stücke. Die eine Hälfte aßen sie sofort. Die andere jedoch nahmen sie mit in ihre Heimatstädte, wo ein jeder von ihnen seinen eigenen Mutterbaum pflanzte. Dort stehen diese Bäume bis heute, tragen ihre immerwährenden Früchte und schenken ihre Magie all jenen, die bereit sind ihrem Land, ihrer Familie, zu dienen. Denn indem wir eine Frucht vom selben Mutterbaum essen, werden wir alle zu Brüdern und Schwestern und Geschwister verraten einander nicht. Daher frage ich euch: Seid ihr bereit eurem Land und eurer Familie zu dienen?“

„Wir sind bereit“, erklang ein Chor aus Kinderstimmen um Felix herum.

„Dann lasset das Wecken beginnen“, erwiderte Meister Hektor laut, ehe er mühsam zu einem Schreibtisch schlurfte, der in der Zwischenzeit neben dem Baum aufgestellt worden war.

„Adelphos, Sohn von Sophia und Angelus aus der Stadt Hangrücken“, rief Eileithyia den ersten Weckling auf.

Ein Junge aus der ersten Reihe trat vor und ging zum Fünfeck. Dort wurde er zu dem Blutkelch geführt, wo einer der Kelchträger ihn mit einer spitzen Nadel in den Finger stach und etwas Blut in den Kelch tropfen ließ. Anschließend wurde der Junge zu dem fünfbeinigen Stuhl geleitet, setzte sich auf diesen und steckte sich einen der kleinen, weißen Äpfel in den Mund. Kein Mucks war zu hören, während er kaute … und kaute … und kaute. Bis unvermittelt der Feuerkelch in seine Richtung umkippte. Es folgten der Wasser- und dann noch der Windkelch.

Ein lautes Klatschen erfüllte das Wäldchen und automatisch schloss Felix sich diesem an. Während Adelphos an Meister Hektors Tisch trat und anschließend vor dem Oberheiler Herakles dem Land die Treue schwor, wurden die Tabletts mit den umgefallenen Kelchen gegen neue ausgetauscht. Anschließend rief Eileithyia den nächsten Jungen zu sich - Aegidius, der ebenfalls aus Hangrücken stammte – und einmal mehr breitete sich Stille im Wald aus, als der Knabe in seinen Apfel biss. Dieses Mal kippte lediglich der Blutkelch um und Felix bemerkte, dass der Junge, als er zu Meister Hektor an den Tisch trat, einmal mehr etwas Blut in einen weiteren Kelch geben musste. Der Meister schwenkte daraufhin den Trinkpokal, musterte nachdenklich dessen Inhalt, nur um dann in einen von insgesamt acht Wälzern zu blättern und etwas auf seinem Zettel zu notieren, bevor er den Jungen weiterwinkte.

Auf Aegidius folgte dieses Mal ein Mädchen – Glykeria - bei der auch der Blutkelch umfiel. Nach ihr kam wieder ein Junge, bei dem sowohl der Erd- als auch der Wasserkelch umkippten und anschließend ein Mädchen, bei dem alle vier Element-Kelche fielen. Es folgten noch drei Mädchen und vier Jungen, die allesamt aus Hangrücken kamen. Dann wechselte die Stadt von Hangrücken zu Flusssieche und die Namensaufrufung erfolgte erneut alphabetisch. Langsam aber sicher glaubte Felix zu verstehen, dass das Umkippen der Kelche die Affinität zu dem jeweiligen Element widerspiegelte. Fielen der Erdkelch und der Feuerkelch gleichermaßen um – wie es gerade bei Olympias aus der Stadt Flusssieche der Fall war - so war das Mädchen eine Feuer- und Erdmimage. Kippte lediglich der Blutkelch um – was etwa bei der Hälfte der Kinder zu beobachten war - musste Meister Hektor eine erneute Blutprobe nehmen, um vermerken zu können welche Neromacht in demjenigen innewohnte. Felix hatte von seiner mitteilungsbedürftigen Nachbarin erfahren, dass es sich bei dem zweiten Bluttest um eine Art Bleigießen handelte, nur dass eben anstelle von Blei Blut verwendet wurde.

Nachdem alle Jungen und Mädchen aus Flusssieche erweckt worden waren, folgten einige Kinder, die nicht aus einer Stadt, sondern von Gutshöfen stammten und schließlich kam er selbst an die Reihe.

„Felix Anderweltler“, rief Eileithyia ihn auf und er folgte ihren Ruf. Hinter ihm begannen die Anwesenden einmal mehr zu tuscheln: „Anderweltler? Hat sie da eben wirklich Anderweltler gesagt?“

Felix ignorierte die Unruhe gänzlich und ließ sich von einem der Kelchträger zu dem Blutkelch führen. Er spürte den Schmerz kaum, als ihn die Nadel in den Finger stach und sein Blut in den Trinkpokal tropfte. Noch weniger konnte er sich später erinnern, wie und wann er sich auf den Stuhl gesetzt hatte. Um ihn herum war es wieder absolut still geworden. Er spürte, die Blicke der Menschen auf sich ruhen, als er den Apfel aß. Die Frucht schmeckte seltsam bitter und doch zugleich süß, als er sie wieder und wieder kauend in seinem Mund bewegte, ehe er sie runterschluckte. Die Flamme des Feuerkelches, der direkt vor ihm stand, brannte mit ungehinderter Intensität, doch es war der Kelch zu seiner Rechten, der mit einem lauten ‚Klack‘ die Stille durchbrach. Felix wandte sich um, obwohl ihm nach 23 Leuten eigentlich bereits bekannt sein sollte, was sich in diesem Pokal befand: Erde!

Felix wusste nicht, ob er weinen oder lachen sollte. Er wartete noch etwas länger, wartete darauf, dass noch ein weiterer Kelch umkippen würde. Doch als ihm Eileithyia mit einem ungeduldigen Winken ihrer Hand zu verstehen gab, dass er den Stuhl verlassen und zu Meister Hektor weitergehen sollte, konnte er ein leises Lächeln auf seinen Lippen nicht unterdrücken: Erde, Erdanziehungskraft, Raum und Zeit.

Er hörte das laute Klatschen der Leute hinter sich und erhaschte einen kurzen Blick auf Heros, der beide Daumen nach oben in die Luft streckte, so als hätte er gerade einen neuen Weltrekord aufgestellt und nicht einfach nur einen Apfel gegessen. Dennoch verspürte er plötzlich das unbändige Bedürfnis sein Grinsen zu erwidern - und das tat er auch.

Als er zu Meister Hektor an den Tisch trat, musterte dieser ihn kurz und reichte ihm dann einen schwarzen Anhänger, der an einem Lederband hing. „Da steht deine Identitätsnummer drauf.“ Er deutete mit einem seiner runzligen Finger auf die eingravierte Nummer. „Trage ihn immer bei dir. Wenn du ihn verlierst, melde den Verlust sofort und du bekommst einen neuen.“

Felix nahm den Anhänger und beobachtete Meister Hektor dabei, wie er seinen Namen und seine Magieaffinität in seiner Liste vermerkte. „Du kannst dir morgen zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang Kleidung und Ausrüstung in einer unserer Ausgabestellen abholen. Unsere Landesfarbe ist Schwarz und sollte immer getragen werden. Dein Gruppenführer wird sich in den nächsten Tagen bei dir melden und dir alles Weitere erklären. Du darfst jetzt weiter zu Herakles gehen und deinen Treueeid ablegen.“

„Danke“, erwiderte Felix, obwohl er sich eigentlich nicht dankbar fühlte. Meister Hektor hatte ihn gewollt oder nicht so mechanisch behandelt, dass er sich des Gefühls nicht erwehren konnte, nicht viel mehr als eine Nummer zu sein. Er öffnete seine Hand und betrachtete den Anhänger mit der eingravierten Zahlenkombination: 0 A32 16999 1.

„Die Null steht dafür, dass du im Ausland geboren bist. Magier, die in Brise zur Welt kommen, tragen die Nummer eins, Hangrückler die zwei, Flusssiechler die Nummer drei, und Kinder, die auf einem Gutshof zur Welt kommen, die Nummer vier. A 32 steht dafür, dass du am 32 Tage des Quintals Assaw 16 999 erweckt worden bist, während die 1 besagt, dass du der erste mit dieser Nummer bist“, hörte er jemanden neben sich sagen.

Felix hob den Kopf. „General Wellenbrecher.“

Der Oberheiler lächelte leicht, wobei sich eine Vielzahl von Grübchen in seinem braungebrannten Gesicht bildete: „Wellenbrecher reicht.“ Er musterte Felix interessiert. „Du bist also der Anderweltler, der das Hauptgericht der Gerüchteküche der letzten Wochen war und der kommenden Wochen sein dürfte.“

„Ich bin Felix“, entgegnete Felix entschieden. Er wusste noch nicht, ob er den Namen Anderwelter nun mochte oder nicht. Er klang irgendwie fremd und … unvertraut.

„Nur die wenigstens von uns tragen einen Beinamen oder eine Ehrenbezeichnung, von daher würde ich dir raten, den deinen nicht einfach so abzulegen. Er macht dich besonders unter den anderen hundert Felix‘, die immer auf den Namen ihrer Eltern angewiesen sein werden, um sich unterscheiden zu können. So wie mich der Beiname Wellenbrecher auszeichnet.“ Herakles wandte sich um, als Meister Hektor ein lautes Räuspern vernehmen ließ und dann mit dem Kopf auf ein Mädchen deutete, welches ebenfalls seinen Treueeid ablegen wollte. „Wie es scheint, läuft uns die Zeit davon.“ Er warf Felix ein bedauerndes Lächeln zu. „Nun gut, schwörst du, Felix“, er machte eine bedeutungsschwere Pause, „dem Eisernen Rücken zu dienen, ihn zu verteidigen und zu beschützen bis zum Tage deines Todes?“

„Ja?“, erwiderte Felix, wobei seine Antwort viel mehr wie eine Frage klang.

„Dann freut es mich, dich von heute an meinen Bruder nennen zu dürfen.“ Herakles reichte ihm die Hand, die Felix wie selbstverständlich ergriff. Er drückte diese kurz und wollte sie dann wieder lösen, doch der Oberheiler ließ sie nicht los, sondern beugte sich ein Stückchen vor. „Wenn das Ganze hier vorbei ist, zieh deine Schuhe aus.“

„Warum?“

„Tu was ich sage und du wirst es verstehen.“ Abrupt ließ Herakles seine Hand los und wandte sich freundlich lächelnd dem Mädchen zu.

In sich hinein grübelnd gesellte sich Felix zu den bereits Geweckten, die ihn aufmerksam musterten, nur um sich dann hastig abzuwenden und hinter vorgehaltener Hand miteinander zu tuscheln. Er wusste nicht, ob seine Herkunft aus einer anderen Welt oder seine reine Erdmagie dieses Gewisper hervorrief und eigentlich interessierte es ihn auch nicht. Viel reizvoller erschien ihm hingegen die Andeutung, die Herakles gemacht hatte. Bislang war ihm lediglich gesagt worden, dass die Erdmimage barfuß gingen, um auf Angriffe sofort reagieren zu können. Aber wenn er Herakles‘ Bemerkung richtig gedeutet hatte, dann war die Kampfbereitschaft nicht der einzige Grund.

Ungeduldig wartete er darauf, dass das Wecken endlich sein Ende fand. Mittlerweile wurden nur noch Kinder aus Brise aufgerufen. Auf Methodios - der ein Nero war- folgte Nektaris, dann Panagiota und ihr Zwillingsbruder Panagiotis. Zenobios war der letzte Weckling, der nach vorne trat und eine vierfache Elementbegabung zeigte. Anschließend meldete sich Eileithyia noch einmal zu Wort, und damit endete das Wecken. Der Geräuschpegel schwoll drastisch an, als alle frischgebackenen Magier auf einmal ihren Eltern und Verwandten entgegen eilten und ihnen rufend und lachend ihren Eindruck vom Wecken schilderten.

Felix blieb alleine zurück. Er machte sich nicht einmal die Mühe seine Turnschuhe aufzuschnüren, so schnell wollte er aus ihnen herausschlüpfen. Die Eile ließ ihn linkisch und unbeholfen werden, doch irgendwie schaffte er es dann doch. Als seine nackten Füße schließlich den Erdboden berührten, wusste er schlagartig, dass nichts wieder so sein würde, wie zuvor. Er schloss instinktiv die Augen, während seine Unterlippe leicht zu zittern begann. Er spürte die Erde zu seinen Füßen. Sie lebte, atmete förmlich und ihre Magie war so unverfälscht wie die Seele eines Kinds bei seiner Geburt. Sie war warm, aber auch angenehm kalt, hart und zugleich weich. Schwer wie Stein, leicht wie Sand. Sie war nah und doch konnte er ihre Unendlichkeiten in seinen Zehenspitzen spüren. Die eine Unendlichkeit führte ihn in die Stadt, ließ ihn jede einzelne Wand, jedes einzelne Gebäude in seiner Nähe wahrnehmen und er erkannte sogar die Magie, mit der andere Erdmimage die Steine bearbeitet und verformt hatten. Die andere Unendlichkeit gab sich nur in einem unscharfen Bild zu erkennen. So als wäre sie nicht von dieser Welt und doch ein Teil von ihr …
… und allen anderen Welten.

„Felix? Was ist los?“ hörte er plötzlich Heros‘ Stimme neben sich.

Er öffnete die Augen, konnte jedoch Heros und dessen Vater nur verschwommen sehen. Zuerst glaubte er, dass sein Blick immer noch von der Unendlichkeit getrübt wurde. Doch als er sich mit dem Handrücken über das Gesicht wischte, wurde er eines besseren belehrt. Merkwürdig, er hatte gar nicht mitbekommen, dass er angefangen hatte zu weinen.

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Plumbum« (29. April 2012, 18:26)


grit

Auror

  • »grit« ist weiblich

Beiträge: 2 555

Haus: keine Angabe

Wohnort: Neubrandenburg

  • Nachricht senden

70

Samstag, 28. April 2012, 19:35

Zitat

doch auch dann konnte er immer noch nicht glauben, was dort stand: Vier neue Nachrichten.


Es war ja irgendwie klar, dass man nicht sofort erfährt, was da stand.
Und ich war schon sooooo gespannt, ob sein Handy tatsächlich funktioniert hat...

Die Gefühle von Felix hast du sehr schön rübergebracht, vor allem die Stelle mit der kleinen Schwester ist sehr berührend.
Zu der Legende mit dem Erwecken habe ich dir ja schon in meiner Mail etwas geschrieben - das mit dem Aufhängen ist in meinen Augen eine unpassende Todesart für ein Opfer.

Diese Geschichte mit dem Baum hat mich irgendwie an den Menoa-Baum aus der Eragon-Serie erinnert, obwohl bei dir natürlich alles komplett anders ist...

Dass Felix nun ein "Barfußläufer" ist, eröffnet für ihn ja nach den ernüchternden Worten von Briseis wieder neue Hoffnung. Mal sehen, wie weit er sich entwickelt - und wie sich sein Verhältnis zu Hubertus entwickeln wird, falls es dazu kommt...

Sehr gut fand ich auch, wie du die Ursachen für Esras Art darstellst - und diese Situation, mit Felix' Sich-schlecht-Fühlen nach seiner Bemerkung über ihre Eltern. Man merkt, dass hinter den einzelnen Charakteren doch mehr steckt, als man auf den ersten Blick sieht - und dass man nicht zu schnell urteilen darf.

Auf jeden Fall hast du es auch diesmal geschafft, dass man ganz gespannt ist, wie es weitergeht.

Ich wünsche dir noch viele gute Ideen.

EDIT: Beinahe hätte ich vergessen zu sagen, wie toll ich den Schluss finde. Dass es ein Schleier aus Tränen ist, weswegen er nicht klar sehen kann...
Hier geht's zu meiner FF
Charitys Geheimnisse

Viel Spaß beim Lesen!

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »grit« (28. April 2012, 19:37)


Plumbum

Animagus

  • »Plumbum« ist weiblich
  • »Plumbum« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 820

Haus: keine Angabe

Beruf: Chemikerin

  • Nachricht senden

71

Sonntag, 29. April 2012, 19:38

Hey Grit,

vielen lieben Dank für deinen Kommentar und natürlich auch für's Betalesen. ;)

Zitat

Original von grit

Zitat

doch auch dann konnte er immer noch nicht glauben, was dort stand: Vier neue Nachrichten.


Es war ja irgendwie klar, dass man nicht sofort erfährt, was da stand.
Und ich war schon sooooo gespannt, ob sein Handy tatsächlich funktioniert hat...

hmh, eigentlich sagen die vier verschiedenen Stimmen zu Anfang des Kapitels, was in den SMS gestanden hat. Und das sollte dem Leser einerseits dadurch klar werden, indem die vier Leute, die im Traum zu Felix sprechen eben auch die vier sind, von denen er eine Nachricht bekommen hat und andererseits durch Felix Aussage, dass die Nachrichten so schmerzhaft waren, dass ihn selbst die Träume keinen Schutz davor bieten konnten ...
... zumindest hatte ich das so geplant ...
... hmh... jetzt muss ich mir doch wohl noch mal etwas anderes Überlegen, um das deutlicher zu machen. ?(


Zitat

Zu der Legende mit dem Erwecken habe ich dir ja schon in meiner Mail etwas geschrieben - das mit dem Aufhängen ist in meinen Augen eine unpassende Todesart für ein Opfer.

Ich habe die Geschichte zu Anfang von Meister Hektors Erzählung in Sage und Märchen umgewandelt, damit klarer wird, dass die ganze Erweckungsgeschichte keinen absoluten Realitätsanspruch hat. Sprich es ist eine mündlich weiter gegeben Geschichte, bei der hier und dort etwas geändert (so waren es vermutlich keine Fünflinge, sondern Kinder, die wie Geschwister aufgewachsen sind) oder hinzufantasiert worden ist (der Tod der mit der Mutter im Traum spricht, sowie die Himmelfahrt der Geschwister)und somit auch Kinder durchaus in der Lage sind, ohne Erwachsene aufzuwachsen. ;)

Beim Erhängen gebe ich dir Recht, Grit. Ich habe in meinem Versuch, möglichst kein Blut zu vergießen, wohl nach der falschen Todesart gegriffen. Wie auch immer. Ich habe jetzt das Erhängen gegen ein "mit dem Baum verschmelzen vertauscht", wodurch der Stamm blutrot geworden ist. Während die schwarze Farbe der Blätter entstanden ist, als Nero auf die Wurzeln gelegt worden ist, sozusagen als eine Art Trauer des Mutterbaumes.

Zitat

Diese Geschichte mit dem Baum hat mich irgendwie an den Menoa-Baum aus der Eragon-Serie erinnert, obwohl bei dir natürlich alles komplett anders ist...

:D Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe Eragorn nie gelesen, weil ich den Film so wahnsinnig schlecht fand. Interessant finde ich indes, dass dir nicht die Ähnlichkeit zu einem anderen Baum aufgefallen ist. Ich habe nämlich meinen Baum in Anlehnung an den biblischen Baum der Erkenntnis gestaltet, sowie ein paar der Silberbergler als Adam und Eva, Nero sozusagen als die Schlange, die sie in Versuchung führt, und Dre als den Herren, der sie aus dieser Dimension verbannt und auf unsere ERde geschickt hat. ;)

Zitat

Sehr gut fand ich auch, wie du die Ursachen für Esras Art darstellst - und diese Situation, mit Felix' Sich-schlecht-Fühlen nach seiner Bemerkung über ihre Eltern. Man merkt, dass hinter den einzelnen Charakteren doch mehr steckt, als man auf den ersten Blick sieht - und dass man nicht zu schnell urteilen darf.

Ich denke oder hoffe zumindest, dass sowas noch öfters auftreten wird - also das ein tieferer Blick in den Charakter hinein einen die eigene Meinung zu der Person revidieren lässt.

Zitat

Auf jeden Fall hast du es auch diesmal geschafft, dass man ganz gespannt ist, wie es weitergeht.

Vielen Dank noch mal für dein Lob. Das nächste Kapitel ist/wird wieder mit Odine als POV geschrieben, wobei man zusammen mit ihr, einen Blick auf die politischen Größen der Länder werfen kann, die das Schicksal unserer Helden in den Händen halten.

Viele liebe Grüße

Plumbum

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Plumbum« (29. April 2012, 19:43)


grit

Auror

  • »grit« ist weiblich

Beiträge: 2 555

Haus: keine Angabe

Wohnort: Neubrandenburg

  • Nachricht senden

72

Sonntag, 29. April 2012, 21:24

Zitat

Es war ja irgendwie klar, dass man nicht sofort erfährt, was da stand.

Da habe ich mich wohl nicht deutlich genug ausgedrückt.
Das meinte ich auf die Stelle in Kapitel 10 bezogen - das war sooo ein Cliffhanger am Ende - und dann, im nächsten Kapitel, geht es erst mal mit etwas ganz anderem weiter... ( und da dachte ich - ist ja klar, erst mal anderer POV-Charakter, hätte man sich ja denken können, dass die Auflösung nicht gleich kommt. )

Also in diesem Kapitel ist es ganz klar und logisch - man könnte sogar beinahe heulen, weil das Felix so quält - und er gar nichts tun kann.
Du musst daran nicht das Geingste ändern.

Beim Menoa-Baum aus Eragon ( von dem schlechten Film sollte man sich nicht abschrecken lassen ) verschmilzt eine Elfe aus Schuld und Kummer mit diesem Baum, sie singt sich in ihn hinein und so wird dieser Baum eben etwas ganz Besonderes, Ewiges.


Apropos Opfer, da fällt mir noch etwas Interessantes ein. In einem sehr interessanten Fernsehbeitrag über verschiedenste besondere Mumien aus der ganzen Welt gab es eine Mumie aus Japan, bei er man den Verlauf der Mumifizierung genau rekonstruieren konnte. Mal kurz und knapp ohne all das wissenschaftlich-technische Zeug - dieser Mönch hatte sich in einer wach haltenden Haltung hingesetzt und gefastet, um zu einer Mumie zu werden, weil diese Leute geglaubt haben, dass eine auf diesem Weg entstandene Mumie einen dauerhaften Schutz für das gesamte Dorf für die Zukunft bietet.
Und so hat dieser Mönch sich entschlossen, für sein Dorf dieses Opfer zu bringen...

So etwas zeigt wieder einmal, dass es Dinge gibt, bei denen man, würde man sie sich ausdenken in einem Roman, sagen würde - das ist doch nicht realistisch. Dabei schreibt die Wirklichkeit manchmal Geschichten, die sich kein Schriftsteller ausdenken könnte.
Hier geht's zu meiner FF
Charitys Geheimnisse

Viel Spaß beim Lesen!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »grit« (29. April 2012, 21:26)


Plumbum

Animagus

  • »Plumbum« ist weiblich
  • »Plumbum« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 1 820

Haus: keine Angabe

Beruf: Chemikerin

  • Nachricht senden

73

Mittwoch, 1. August 2012, 20:02

Hey Grit,

es ist ja schon ein bissel länger her, seit du diesen Kommentar geschrieben hast ...

Zitat

Original von grit

Zitat

Es war ja irgendwie klar, dass man nicht sofort erfährt, was da stand.

Da habe ich mich wohl nicht deutlich genug ausgedrückt.
Das meinte ich auf die Stelle in Kapitel 10 bezogen - das war sooo ein Cliffhanger am Ende - und dann, im nächsten Kapitel, geht es erst mal mit etwas ganz anderem weiter... ( und da dachte ich - ist ja klar, erst mal anderer POV-Charakter, hätte man sich ja denken können, dass die Auflösung nicht gleich kommt. )

Also in diesem Kapitel ist es ganz klar und logisch - man könnte sogar beinahe heulen, weil das Felix so quält - und er gar nichts tun kann.
Du musst daran nicht das Geingste ändern.

Dann bin ich ja beruhigt. =)
Aber falls irgendetwas wirklich mal unklar sein sollte, wäre es super, wenn du mich darauf hinweisen könntest. =)

Zitat

Beim Menoa-Baum aus Eragon ( von dem schlechten Film sollte man sich nicht abschrecken lassen ) verschmilzt eine Elfe aus Schuld und Kummer mit diesem Baum, sie singt sich in ihn hinein und so wird dieser Baum eben etwas ganz Besonderes, Ewiges.

Danke für die Erklärung.


Viele liebe Grüße

Rina =)

Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glücklich der, den Ihr belehrt!